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Vertriebspartner der Marke Toyota

Weit über 70 Jahre reicht die Automobile Tradition der heute unter dem Namen Eifel-Mosel firmierenden Unternehmen bereits zurück. Heute ist das Unternehmen Eifel-Mosel ein moderner Multimarken-Anbieter mit 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in sieben Autohäusern an vier Standorten: Bitburg, Prüm, Wittlich und Trierweiler. Erfahren Sie die Modellvielfalt unserer Hersteller Audi, Volkswagen, Toyota, Lexus und Hyundai sowie unser breit gefächertes Service- und Dienstleistungsangebot rund um Ihr Fahrzeug!

Breite Modellpalette für individuelle Wünsche

Dank der stetigen Weiter- und Neuentwicklungen und der Leistungsfähigkeit unserer Premiumhersteller können wir Ihnen eine Modellpalette anbieten, die alle individuellen Wünsche erfüllt. Vom Kleinwagen bis zur Luxuslimousine, vom Cabriolet bis zum SUV, vom Offroader bis zum Sportwagen, vom Kombi bis zum Transporter und vom Zweitwagen bis hin zur Firmenflotte stehen Ihnen die Fahrzeugwelten unserer Automobilgruppe zur Verfügung.

Kundenzufriedenheit an erster Stelle

Für uns hört die Rundum-Betreuung unserer Kunden mit dem Verkauf eines Fahrzeuges noch lange nicht auf – ganz im Gegenteil: Wir unterstützen Sie auch nach dem Kauf bei allen Fragen rund ums Fahrzeug. Unsere Mitarbeiter sind jederzeit für Sie da. Service, Qualität und Ihre Zufriedenheit stehen für uns an erster Stelle. Tag für Tag. Rund um die Uhr.

Profitieren auch Sie von unseren Erfolgen und unserer langjährigen Erfahrung! Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Das sagen unsere Kunden
Michael Koser: Prof. van Dusen: Eine Unze Radium (RIAS 1978) Wie Sie wahrscheinlich wissen Mr.Hatch ist Radium ein rätselhaftes praktisch noch unerforschtes Element. Rätselhaft, praktisch unerforscht. Warum Mr Hatch, warum sendet Radium Strahlen aus. Ja warum. Und welche Wirkung haben diese Strahlen. Wirkungen Strahlen. Diese Fragen vor allem gilt es zu beantworten Mr Hatch. Meinen Bericht über den höchst merkwürdigen Fall der verschwundenen Unze Radium kann ich bei aller Bescheidenheit kaum besser beginnen als mit dem Gespräch, das ich damals für meine Zeitung, den Daily New Yorker mit Prof. Dexter vom physikalischen Institut führte, Gespräch ist allerdings nicht der rechte Ausdruck, Prof. Dexter ein Wissenschaftler von der leicht begeisterten Sorte, hielt mir einen Vortrag … Prof. van Dusen: Das sicherste Gefängnis der Welt (RIAS 1978) Ich, meine Herrschaften, ich, Prof. Augustus van Dusen, Dr. der Philosophie, der Naturwissenschaften, der Medizin usw usw Mitglied diverser Akademien und zahlreicher wissenschaftlicher Gesellschaften ich erklär hiermit feierlich daß einem wahrhaft intelligenten Menschen nichts wohlgemerkt nichts unmöglich ist. Hört hört. Ich habe gesprochen. Mit dem wahrhaftintelligenten Menschen meinen Sie ja wohl in erster Linie sich selbst nicht wahr Prof. Selbstverständlich, mein bester, kenne dich selbst. Ah. Solon, 6. Jh. vor Chr. Darauf muß ich was trinken, Ober noch eine Flasche Champagner. Die Geschichte, die ich Ihnen erzählen möchte, begann an einem Frühlingsabend bei Chirico in der 5thAvenue wo sich eine kleine aber erlesene Gesellsch … Prof. van Dusen: Mord bei Gaslicht (RIAS 1978) Ja, Moment, ich muß erst den Satz zu Ende schreiben, ja bitte? Hallo? Ja? Spreche ich mit Mr. Hatch, Mr Hutchinson Hatch vom Daily New Yorker? Ja und wer sind Sie. Oh natürlich verzeihen Sie, Henley ist mein Name, Weldon Henley, erinnern Sie sich noch an mich? Ah ja ich erinnerte mich an ihn aus den guten alten Zeiten, als ich noch freier Mitarbeiter bei der eleganten Welt war und die Spalte Klatsch mit Hatch schrieb, Sie wissen schon, wer mit wem wo wann wie lange und bei meinen ungeheuer anstrengenden Recherchen auf Mitternachtsparties und dergleichen war ich des öfteren auch auf Mr. Weldon Henley gestoßen, daß er mir einen unauslöschlichen Eindruck hinterlassen hatte, kann ich zwar gerade nicht behaupten, aber aufge … Prof. van Dusen: Der Mann, der seinen Kopf verlor (RIAS 1979) Wie so viele Fälle in der ruhmreichen Laufbahn von Prof. Dr. Dr. Dr. Augustus van Dusen, genannt die Denkmaschine begann auch dieser damit daß James, van Dusens getreues Faktotum, an die Tür des Labors klopfte, hinter der sich sein Herr mit chemischen, vielleicht auch physikalischen oder biologischen, auf alle Fälle epochalen Untersuchungen beschäftigte, es war an einem kühlen Herbstnachmittag, genauer am 20. September 1902. Ja? Herr Professor. Wie oft habe ich ihnen schon gesagt James daß Sie mich während der Experimente auf gar keinen Fall stören dürfen. Ja ich weiß Herr Prof. Nabitte. Entschuldigen sie Herr Prof aber der Herr läßt sich nicht abweisen. Welcher Herr. Der Herr an der Tür, Herr Prof, der Herr der sie un … Prof. van Dusen: Stirb schön mit Shakespeare (RIAS 1979) Verschwunden? Ja Prof, spurlos verschwunden. Hm. In Luft aufgelöst, und das praktisch vor meiner Nase. Nun ja. Und vor 300 Zuschauern. Ach das klingt schon anders, hat man die Polizei verständigt. Natürlich und Detective Sergeant Caruso ist auch schon fleißig am suchen, aber er wird nichts finden, der Fall ist so rätselhaft, so unerklärlich, daß nur einer ihn lösen kann, Prof Dr Dr Dr Augustus van Dusen genannt die Denkmaschine und deshalb bin ich hier. Sehr schmeichelhaft mein lieber Hatch, ich glaube Ihr Fall interessiert mich, erzählen Sie mir die Geschichte. Ja. Die ganze Geschichte mit allen Einzelheiten von Anfang an. Also ich war gestern abend im Theater. Die ganze Welt ist Bühne und alle Frauen und Männer bloße Spiele … Prof. van Dusen: Die Perlen der Kali (RIAS 1979) Man schrieb den 7.Mai des Jahres 1903, es war Frühling in NewYork, im Central Park blühten die Krokusse, die Wolkenkratzer am Timessquare schossen in die Höhe und in der Wallstreet vermehrten sich die Dollars auf wunderbare Weise, nicht daß von all dem viel zu sehen gewesen wäre, es nämlich dunkel, genauer eine halbe Stunde vor Mitternacht, ganz davon abgesehen, daß der New Yorker Frühling mich gerade jetzt ziemlich kalt ließ, denn ich war dabei, meine geliebte Vater- und Heimatstadt für längere Zeit zu verlassen. Alle Besucher von Bord bitte. Mein Name ist Hatch, Hutchinson Hatch, Reporter beim Daily New Yorker, dem Weltblatt der Weltstadt und wenn Sie jetzt fragen warum ich mich vom Broadway verabschiede um die … Prof. van Dusen: Whisky in den Wolken (RIAS 1979) Hoch, da, da geht er hoch, sehen Sie doch, Prof, er steigt, er steigt. Ja was haben Sie denn erwartet, natürlich steigt er, er muß ja steigen. Und wie er steigt Prof, jetzt muß er schon 500m hoch sein mindestens 600, 700, das geht ja wie die Feuerwehr. Die physikalischen Eigenschaften des Wasserstoffgases wie ich soeben auszuführen gedachte als Sie mich unterbrachen bedingen doch. Um Gotteswillen, eine Explosion an Bord, eine Stichflamme, das Gas, das Gas hat sich entzündet, der Ballon steht in Flammen, er stürzt ab, oh Gott, wie, wie konnte das geschehen, Prof. Das, mein lieber Hatch muß und wird untersucht werden, nehmen Sie den Hut ab, was wir hier mitansehen ist nicht nur das Ende eines großen wissenschaftlichen Unternehmens … Prof. van Dusen: Wettbewerb der Detektive (RIAS 1979) Wenn jemand behauptet der Fall des verschwundenen Ministers sei der ungewöhnlichste in der langen ruhmreichen Laufbahn von Prof Dr Dr Dr Augustus van Dusen genannt die Denkmaschine, dann werde ich bestimmt nicht widersprechen, und der Prof. selbst wohl auch nicht, dabei fing alles ganz harmlos an, ich saß in unserem Londoner Hotel dem Savoy am Kamin und studierte die Times vom Tage. Irland Einfuhrzoll für Getreide, nicht viel los in der Politik, ah Hofnachrichten, 9 September 1903, seine Majestät König Edward der 7. hält sich zurzeit in Schloß Roche Abbey bei Doncaster auf, um die dortigen Galopprennen mit seinem Besuch zu beehren, dem gehts gut, auch Innenminister Lord Chesterfield befindet sich nicht in Lon … Prof. van Dusen: Ein Mörder bei Madame Tussaud (RIAS 1979) London 16. November 1903, am frühen Abend, typisches englisches Herbstwetter, Regen, Kälte, Nebel, während Big Ben die sechste Stunde schlägt, geschieht im vornehmen Hotel Savoy am Victoria Embankment folgendes: ein Kellner in der Hand ein Tablett mit einem Sektkühler, einer Flasche und einem Glas stürzt in das Büro des Hoteldirektors, bleich wie der Tod. Herr Direktor Mr Bunny Sir. Was soll denn das wiederum heißen, seit wann ist es im Savoy Sitte, ohne Anmeldung und ohne anzuklopfen in das Büro des Direktors einzudringen. Aber, aber Herr Direktor. Sie sind doch Kellner bei uns, wie ich sehe, Name. Max, Max Nicholas Zimmerkellner im vierten Stock, aber, aber hören Sie doch Herr Direktor. Und Sie sind, wie ich eben … Prof. van Dusen: Lebende Bilder - toter Mann (RIAS 1979) Calais, Calais, der Expreß nach Paris fährt in Kürze ab, beim Einsteigen bitte beeilen. Ah Frankreich Prof la belle France, das Land der Kultur und der Lebensfreunde, Jack Offenbach, die Kathedrale von Chartres, Emil Zola, Tivolibouexiere, Champagner, Trüffel, Schnecken mit Knoblauch. Wie ich schon des öfteren Gelegenheit hatte festzustellen mein lieber Hatch, Sie besitzen einen bemerkenswerten Sinn für das unwesentliche. So. Zum Express nach Paris bitte einsteigen und die Türen schließen, der Zug fährt ab. Was hätte ich denn Ihrer Meinung nach erwähnen sollen, Prof. Vor allem doch dieses, daß sich in Frankreich zur Zeit ein für unsere gesamte Zivilisation bedeutungsvoller, ja wegweisender Prozeß vollzieht, ich meine die Verbind … Prof. van Dusen: Sein erster Fall (RIAS 1979) Einer, zwei, drei, vier, fünf, sechs sieben. Am frühen Morgen hatten wir Paris verlassen, die Grenzkontrolle lag hinter uns und jetzt fuhren wir quer durch das deutsche Reich, ich langweilte mich ungeheuer, der Zug hatte keinen Speisewagen und draußen gabs nichts zu sehen, nur Wiesen und Wälder, abundzu einen Kirchturm oder einen Ochsen auf dem Feld. Was um alles in der Welt treiben sie denn da, Hatch. Siebzehn, ich zähle die Ochsen draußen auf dem Feld, achtzehn. Ochsen zählen sie, ohne Frage eine Tätigkeit die Ihnen angemessen ist, mein lieber Hatch, darf ich dennoch darum bitten, daß sie das einstellen, sie stören mich. Was soll ich denn tun Prof, mir ist langweilig. Nehmen sie sich ein Beispiel an mir, arbeiten sie. Prof. Dr. … Prof. van Dusen: Stimmen aus dem Jenseits (RIAS 1980) Kennen Sie Bad Emsingen, nein, na dann lassen Sie sich mal was aus dem Baedeker vorlesen, Band Mitteldeutschland, Ausgabe von 1903, ja hier, im Herzen des Fürstentums Schleuß-Reitz-Wittgenstein, inmitten grüner Wälder und ausgedehnter Weinberge, liegt Bad Emsingen, mit 2000 Einwohnern nach der Hauptstadt Wittgenstein die größte Ortschaft des Fürstentums, Kenner deutscher Badeorte werden hier zwar die internationale Atmosphäre vermissen, wie sie etwa Kissingen oder Baden-Baden auszeichnet, wer jedoch Ruhe sucht und Linderung von Leiden des Verdauungs- und Nervensystems, wird beides in Bad Emsingen finden, das heilkräftige Wasser der Fürstenquelle wird allgemein gerühmt, der gepflegte Kurpark und die … Prof. van Dusen: Wer stirbt schon gern in Monte Carlo (RIAS 1980) Mesdames, faites vos jeux, rien ne va plus, dixneuf rouge impair passe. Wieder nix dann auf ein neues. Mes dames, faites vos jeux, rien ne va plus, huit noir pair manque. Danke mein Freund, hier für die Bank. Merci Monsieur de Marquis. Sagenhaft Marquis, 6000 Franc und das heute abend schon zum 12 mal oder. Zum 13, Milord. Sagenhaft, gestern eine runde viertel Million, heute, wieviel haben Sie heute gewonnen. Genau 78 000 Franc, bisher. Sagenhaft. Dem glücklichen Milord schlägt keine Stunde, Sie haben ja auch nicht gerade Pech gehabt. Mein Gott Marquis die paar 1000 Franc nicht der Rede wert. Mesdames, faites vos jeux. Montecarlo mehr brauche ich nicht zu sagen, Sie wissen bescheid, Säulen und Samt, Kristallüster, Gold auf … Prof. van Dusen: Rotes Blut und weißer Käse (RIAS 1980) Ah das ist eine Luft, was meine Herren, weich wie Samt, klar wie ein Bergquell, rein wie ein frisch gebadetes Baby. Kaum Kohlenmonoxid, keine Schwefelverbindungen. Die schiere Gesundheit meine Herren, Natur atmen sie, atmen sie tief durch. Eine gute Havanna wäre mir lieber. Aber Hatch. Nein keine Sorge Prof, ich verkneife mir meine unnatürlichen Gelüste. So ist es recht Mr. Hatch, lassen sie alles hinter sich, was den Menschen an der wahren Entfaltung seines ichs hindert, Nikotin und Alkohol, einschnürende Kleidung, die Konventionen der sog. Gesellschaft, das nervenzerfetzende Chaos der großen Städte. Ach New York, hätten Sie mich bloß nicht erinnert, Dr. Pontifex, Broadway, Times Square, Central Park, die Freiheitsstatue, wie … Prof. van Dusen: Zocker, Zossen und Zinnober (RIAS 1980) Mitten in Europa liegt das deutsche Kaiserreich, mitten in Deutschland liegt Berlin, mitten in Berlin liegt die Straße unter den Linden, und mitten auf dieser Straße befanden sich am 24. Juni 1904 unter hunderten von Menschen zwei amerikanische Weltreisende, Prof DrDrDr Augustus van Dusen, die Denkmaschine zu benannt und meine Wenigkeit Hutchinson Hatch, es war ein herrlicher Tag, die Passanten trugen Musselin kleider sofern weiblich und falls männlich Flanellanzüge und Panamahüte, die Sonne schien und über die Straße zog die Wache mit klingendem Spiel, die Luft roch nach Sommer, nach Blüten, Kiefernharz, Staub und Schweiß, nach Bier und nach Knackwurst mit Mostrich, aber was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht w … Prof. van Dusen: Duell der Giganten (RIAS 1980) In Rußland ist alles anders, als wir gestern aus Berlin abfuhren war es der 19. Juli 1904, und heute in Rußland hatten wir nicht etwa den 20. Juli, nein wir waren ganze 13 Tage zurück und schrieben erst den 7. Juli 1904, und warum, weil die Russen immer noch einen Kalender aus dem Altertum haben und den haben sie, weil sie unbedingt anders sein wollen als alle andern. Sankt Petersburg hier Sankt Petersburg, Warschauer Bahnhof, Endstation, alles aussteigen. Das war vielleicht auch der Grund, weshalb der Fall, der uns in St. Petersburg erwartete, sich so sehr von den Fällen unterschied, mit denen es Prof. Dr. Dr. Dr. Augustus van Dusen genannt die Denkmaschine, ansonsten zu tun hatte, nicht weil es um die Kronjuwelen des Zaren ging … Prof. van Dusen: Das Gefängnis des Grafen Dracula (RIAS 1980) Glauben Sie mir, Prof. van Dusen darf man keinen Moment aus den Augen lassen, ein einziges Mal habe ich es getan und prompt rutschte der große Mann bis über die Ohren in die Bredouille aus der er sich dann ganz allein herausarbeiten mußte, ohne seinen getreuen Freund und Helfer Hutchinson Hatch, es war in Sofia, im Herbst des Jahres 1904, der Prof. hatte einen ungeheuerlichen Fall aufgeklärt, in den Kronprinz Boris verwickelt gewesen war und deshalb lebten wir als Ehrengäste des fürstlichen Hofes wie die Maden im Speck, ich fing an mich zu langweilen und als sich mir die Gelegenheit zu einer Spritztour über die Grenze bot griff ich sofort zu, in Mazedonien war damals der Teufel los, bulgarische Banditen, serbische Komita … Prof. van Dusen: Im Harem sitzen heulend die Eunuchen (RIAS 1981) Konstantinopel, Konstantinopel ist die Königin der Städte, hat mal jemand gesagt, und dieser jemand hat gar nicht so unrecht, Konstantinopel ist wunderschön, wenn man nicht allzunah rangeht, gute drei Wochen waren wir jetzt schon hier wir hatten alle Sehenswürdigkeiten besichtigt, die HagiaSophia, die Eyüpmosmoschee, das Kloster der heulenden Derwische, den alten Sultanspalast und jetzt war uns langweilig, präziser gesagt mir war langweilig, der Prof. langweilt sich bekanntlich nie, er arbeitete fleißig, vielleicht an seiner atomaren Strukturtheorie oder an einer neuen Erfindung, während ich aus dem Fenster unseres Salons im Pera Palace Hotel lehnte und die Aussicht beguckte, die hauptsächlich aus dem städtischen Zentralfriedhof … Prof. van Dusen: Der Fluch des Pharao (RIAS 1981) Luxor meine Herrschaften, wir sind in Luxor gelandet, zur Besichtigung der altägyptischen Tempel von Theben hier aussteigen. Merkwürdig. Was ist merkwürdig Prof. Benedict. Wieso ich seh ihn nicht. Ja das ist ja gerade das merkwürdige, mein lieber Hatch, ich sehe ihn nämlich auch nicht, dabei habe ich ihn sehr nachdrücklich gebeten uns an der Landungsstelle abzuholen, das fängt ja gut an. So wie es anfing, sollte es auch weitergehen in der Geschichte vom Fluch des Pharao und von den drei Leichen im Tal der Könige, damit meine ich nicht, daß sich aus einer Touristenreise ein komplizierter Kriminalfall entwickelt, das ist normal wenn Prof DrDrDr Augustus van Dusen die weltberühmte Denkmaschine durch die Lande zieht, er … Prof. van Dusen: Hatch will heiraten (RIAS 1981) Ich weiß gar nicht, ob ich sie Ihnen überhaupt erzählen soll, die Geschichte von der Prinzessin aus Ruritanien und von der merkwürdigen Hochzeit an Bord der Ormuz, ein richtiger Kriminalfall ist sie eigentlich nicht und deshalb hat sie in meiner Chronik der Abenteuer von Prof v. Dusen an sich auch nichts zu suchen aber dann frage ich mich was würde wohl der Prof dazu sagen. Mein lieber Hatch was haben sie gegen die Geschichte. Ach wissen Sie Prof. Wenn ich recht verstehe, ist sie Ihnen nicht kriminell genug. Genau Prof. Mein lieber Hatch, da kann ich sie beruhigen, Dummheit ist doch auch kriminell, ganz zu schweigen von Betrug, Vortäuschung falscher Tatsachen. Eigentlich habe ich mehr an Mord und Totschlag gedacht. Mord … Prof. van Dusen: Der Kopfjäger von Singapur (RIAS 1981) Ahaha, und auch das dürfte Sie interessieren, meine Herren, in den drei Jahren seit meinem Amtsantritt ist der Ananasexport der Kolonie um 17,6 Prozent gestiegen, haha, um 17,6 Prozent meine Herren. Was Sie nicht sagen. Gewaltig. Ja nicht wahr, noch ein Glas Portwein. Ich weiß nicht. Danke Sir Francis, aber ich fürchte, es ist bereits 2 Uhr. Ja. Sir Francis? Ja Gates? Inspector Boggles, Sir Francis, er wünscht sie zu sprechen. Aber Gates, ich habe mir jede Störung strikt verbeten, einen Gast wie Prof. van Dusen hat man schließlich nicht alle Tage. Och zu gütig, Sir Francis. Habe ich ihnen nicht befohlen, mich auf gar keinen Fall mit dienstlichen Angelegenheiten zu behelligen. Sir Francis. Antworten Sie, Gates, habe ich oder habe … Prof. van Dusen: Doktor Tschu Man Fu (RIAS 1981) Prost Prof. Auf mein Wohl und auf Ihres natürlich auch mein lieber Hatch. Ah Champagner. Ja. Nie wieder Ziegeltee mit Mehl und ranziger Butter, keine stinkenden Yaks mehr, keine getrockneten Kamelfladen, auf die Zivilisation. Auf die Wissenschaft mein lieber Hatch. Die Wissenschaft war schuld ich meine an unserer Expedition nach Zentralasien, Prof van Dusen hatte in tibetanischen Lamaklöstern die Mysterien orientalischer Medizin studiert, Akupunktur z.B., wissen Sie was das ist, wenn Sie Kopfschmerzen haben, piekt man Ihnen eine silberne Nadel in den großen Zeh und dann sind die Kopfschmerzen weg oder auch nicht, die Reise war sehr anstrengend gewesen, aufregend auch durch einen außergewöhnlichen Kriminalfall im Klos … Prof. van Dusen: Robinsons Insel (RIAS 1981) Neptun bin ich der Herr und Meister des Ozeans und seiner Geister, es ist daher mein gutes Recht, die Tauf zu halten recht und schlecht so wie es schreibt die Sitte vor wenn man fährt über den Äquator. Bravo. Charmo. Danke sehr, vielen Dank, danke. Das poetische Kunstwerk, das sie eben gehört haben, stammt nämlich von mir, ich darf mich vorstellen, Hutchinson Hatch, Reporter, Verseschmied nur bei besonderen Anlässen bei einer Äquatortaufe zum Beispiel, was wäre so eine Taufe ohne den Meeresgott Neptun, und was wäre Neptun, ohne einen Monolog in geschliffenen Versen. So will ich denn zur Taufe schreiten, und euch ein kühles Bad bereiten, denn Untertauchen das muß sein. Untertauchen wie dumm. Also wissen Sie Lord Chip … Prof. van Dusen: Die Erde hat ihn wieder (RIAS 1982) Ruhe, Ruhe oder ich lasse den Saal räumen, fahren Sie mit der Befragung Ihres Zeugen fort Herr Staatsanwalt. Also eine Bombe, Prof. Kleinstein. So ist es. Begründen Sie diese Feststellung. Einspruch euer Ehren, die Antwort wäre eine reine Schlußfolgerung des Zeugen und insofern unzulässig. Einspruch stattgegeben. Mein Zeuge ist als wissenschaftlicher Sachverständiger durchaus qualifiziert. Einspruch stattgegeben. Mr. Hamburger. Stellen wir die Frage anders, Prof Kleinstein, was haben Sie entdeckt, als Sie im Auftrag der Polizei den Tatort untersuchten. Nun, Spuren von Natriumnitrat, von Kollodium, von Nitroglykol. Und Nitroglykol, Natriumnitrat und Kollodiumwolle sind die Hauptbestandteile von Ammongelit, ist das so richtig … Prof. van Dusen und der Zirkusmörder (RIAS 1982) Popeye ist tot, Popeye ist tot Prof. Wer ist tot. Popeye Prof. Und wer, wenn Sie mir die Frage gestatten, ist Popeye. Aber Prof, Sie kennen Popeye nicht, gehen Sie denn nicht in den Zirkus. Ich bitte Sie, derart kindlichen um nicht zu sagen kindischen Vergnügungen kann ein seriöser Mensch wohl nur wenig abgewinnen. So, nun ja also Popeye ist ich meine war eine unserer größten Attraktionen, Popeye der schlaue Schimpanse, denkt und handelt wie ein Mensch. Ein Schimpanse, ein Menschenaffe der Spezies pantroglodytes, mein lieber Mr. Mr. Bailey, James Bailey, Direktor und Miteigentümer des Zirkus Barnum & Bailey, der größten Show der Welt, drei Manegen, 1000 Mitarbeiter, gigantische Tiershow, Monstrositätenkabinett. Und wenn … Prof. van Dusen rettet die Venus von Milo (RIAS 1982) März 1904, Vorfrühling, Vorfrühling in Paris, wer irgend konnte ging spazieren an der Seine, im BoisdeBoulogne, nur einer nicht ProfDrDrDr Augustus van Dusen bekannt als die Denkmaschine dabei hätte er eine kleine Erholung gut brauchen können, erst vor kurzem hatte er nämlich den komplizierten Fall des teuflischen Cinematografenmörders erfolgreich abgeschlossen und jetzt wandelte er schon wieder auf kriminologischen Pfaden, das heißt genaugenommen wandelte er nicht, er saß, er saß und starrte auf den Bildschirm eines hochmodernen Röntgenstrahlapparats. Was glauben Sie, Prof. Ich glaube nicht, Monsieur Popelotte, ich weiß. Um so besser, was wissen Sie. Man hat Ihnen etwas, wie sagt man in Unterweltkreisen, mein lieb … Prof. van Dusen und der schreckliche Schneemensch (RIAS 1982) Wie hat es eigentlich genau angefangen, wie hat es eigentlich genau angefangen, unser unglaubliches Abenteuer in Tibet, der Fall, der in meinen Aufzeichnungen den Titel trägt Prof. van Dusen und der schreckliche Schneemensch, jedenfalls nicht mit dem schrecklichen Schneemensch, hm, der kam erst später nach dem Typ der plötzlich in unserem Lager auftauchte. Hallo sie da. Mitten in der Wüste. Hören sie mal alter Knabe. Es war am Abend des 20. September 1905, wir hatten gegessen, falls man das essen nennen kann, Ziegeltee mit Fett und Gerstenmehl wie jeden Abend, und wie jeden Abend duftete es lieblich nach ranziger Yakbutter und angeschmorten Kamelfladen, letztere pflegen die Mongolen als Brennmaterial zu benutzen … Prof. van Dusen auf dem Hochseil (RIAS 1983) Hört den Meister, der Meister ist alles, ihr seid nichts, ihr seid Werkzeuge, ihr seid willenlos, für euch zählt nur eins, der Wille des Meisters. Drei Menschen stehen erstarrt, gebannt vor einem vierten, und dieser vierte ist ein Mann im Schatten, ein Mann mit gewaltigem schwarzen Bart und unheimlich stechenden Augen, Ort des Geschehens, ein Zimmer in einem Wohnhaus, irgendwo in Athen, Zeit 29. August 1904, am späten Abend. Ihr wißt was ihr zu tun habt, jeder einzelne von euch, Diavolo. Ja Meister. Elastico, Elastico ah ja richtig, Elastico ist ja bereits drüben am Tatort, Fatima. Jawohl, Meister. Merlini. Meister, ich höre und gehorche. Es wird Ihnen aufgefallen sein, meine Damen und Herren, ich selbst, Hutchinson Hatch weithin … Prof. van Dusen: Wo steckt Prof. van Dusen? (RIAS 1983) Mein lieber Hatch, vor mir so weit das Auge reicht die tiefblauen Wasser des Golfs von Neapel, zur rechten Sorrent und die vielbesungene Insel Capri, zu linken die majestätische Silhouette des Vesuv der seine schmale Rauchfahne über den gleichfalls tiefblauen Himmel zieht, bei solch grandiosem Panorama mag es verzeihlich sein, daß ein ansonsten eher nüchterner Wissenschaftler und nicht zu vergessen Amateurkriminologe ein wenig ins schwärmen gerät, o bella Napoli. Der Brief des Prof. erreichte mich am 13. Juli 1904 in einem kleinen Tessiner Gasthof nahe dem Monte Paradiso, ein interessanter Fall lag hinter uns, in meiner van Dusen Chronik trägt er den Titel Rotes Blut und weißer Käse, vielleicht erinnern Sie sich und vielleicht … Prof. van Dusen und der grundlose Mord (RIAS 1983) Erhebet euch von euren Sitzen, das hohe Gericht betritt den Saal, Sie bleiben stehen Angeklagter, Ihr Name ist Frederick Oconnor. Jawoll. Frederickoconnor sie werden beschuldigt am 6.Juli 1903 in seiner Majestät Hauptstadt London Sir Philip Evan-Burnes heimtückisch und mit Vorbedacht ermordet zu haben, erklären sie sich für schuldig oder für nicht schuldig. Nicht schuldig. Mylord. Hä, ja dann wollen wir mal anfangen, äh wer hat das Wort. Der Vertreter der Anklage, Mylord. Wirklich, äh also das Wort hat der Vertreter der Anklage, äh der Anklage, wie heißt er denn. Sir James Bladderstone, Mylord. Äh wie, Bladderstone, merkwürdiger Name, na ja bitte, Sir James Bladderstone. Mylord, meine Herren Geschworenen, Mord, vorsätzli … Prof. van Dusen gegen das Phantom (RIAS 1983) Ein wunderschöner Märzmorgen im Jahre des Herrn 1904, die Sonne war gerade aufgegangen und schien herab auf Meereswellen, Strand, Klippen und auf zwei Figuren die über den noch feuchten Sand dahinspazierten, es waren sie werden es sich gedacht haben Prof DrDrDr Augustus van Dusen allerorten gerühmt als Wissenschaftler als Kriminologe kurz als die Denkmaschine und meine Wenigkeit Hutchinson Hatch, weniger gerühmt aber doch ganz zufrieden, das heißt im allgemeinen, diesmal war ich ausgesprochen sauer denn ungerührt von der schönen Umgebung hielt der Prof mir wieder mal eine Moralpredigt. Wie oft mein lieber Hatch habe ich es Ihnen nun schon sagen müssen. Na bestimmt einige hundert Mal. Nikotin auch in kleinen … Prof. van Dusen und das Auge des Zyklopen (RIAS 1984) Ruhe Maureen O Shaughnessy genannt die Sirene, Sie sind festgenommen. Aus welchem Grund nehmen Sie mich fest. Diebstahl, sie stehen im dringenden Verdacht heute abend im Hause von Mr Osgood P Quackenbush dem diesen gehörigen Rubin Auge des Zyklopen entwendet zu haben. Das müssen sie beweisen. Haha, Carusos Gesicht hätten Sie sehen sollen, Prof, so lang, er hätte sich bequem mit seinen Plattfüßen selbst drauftreten können und als die Sirene dann schließlich abgeführt wurde, stand er da wie ein Häufchen Unglück und sagte immer wieder, was mach ich bloß, was mach ich bloß, ich bin verantwortlich für das Auge des Zyklopen und jetzt ist das Ding weg, es war zu schön. Mein lieber Hatch. Ja Prof. Habe ich mich nicht … Prof. van Dusen und der fliegende Teppich (RIAS 1984) Zählen Sie 2 und 2 zusammen, mein lieber Hatch, vorbei, Prof, ein für alle mal vorbei, weißt du was das macht, zwei und zwei. Ja weiß doch jeder vier. Vier, ich will dir mal sagen, zwei und zwei ist fünf. Ach was. Oder sechs oder drei oder 77, nur nicht vier, niemals. Ist ja recht Kamerad, trinken wir noch einen. Natürlich trinken wir noch einen, Herr Wirt. Ja. Whisky für mich und meinen Freund. Whisky gibts hier nicht, hab ich doch schon dreimal gesagt, na, zwei Absinth, am besten lasse ich die Flasche auch gleich da. Oh, das ist ja scheußliches Zeug. Nimms, wie es kommt, Kamerad, spül alles runter, Prost. In der Stadt Oran an der nordafrikanischen Küste liegt die zu recht weithin unbekannte Hafenkneipe zum karierten Kakadu, und … Prof. van Dusen hilft Scotland Yard (RIAS 1984) Woran es liegt, weiß ich nicht, vielleicht an Big Ben oder an ScotlandYard oder einfach an der Atmosphäre London, London, das weiß jeder, London ist die Weltmetropole der Kriminologie und wenn sich in London eine Persönlichkeit aufhält die man wohl mit fug und recht als Weltmeister der Kriminologie, der Amateurkriminologie bezeichnen darf, dann ergibt das eine erlesene Mischung, Kaviar für Krimikenner sozusagen, denken sie an den grundlosen Mord, an die Verbrecherjagd im Wachsfigurenkabinett der Madame Tussauds, denken sie vor allem an den Fall des geheimnisvollen Mörders der seine Tat vorher ankündigte, aber da fällt mir ein an den Fall können sie ja gar nicht denken weil sie ihn noch nicht kennen, das muß anders wer … Prof. van Dusen und der Schatz des Maharadschas (RIAS 1984) Es war am frühen Morgen des 3. April 1905, seiner großbritannischen Majestät Passagierschiff Ormuz unter Kapitän Bleker lief in den Hafen von Bombay ein. Da liegt es vor uns Prof, Indien, das Land der Geheimnisse, das Land der Wunder. Für den Wissenschaftler mein lieber Hatch gibt es keine Wunder. Für den Journalisten um so mehr, ich bin gespannt, was wir hier erleben werden. Interessanter als das, was sie gerade hinter sich haben, kann es kaum sein, ich sage nur Prinzessin Lascaris von Ruritanien. Prof. Besagte Prinzessin war gar keine, das wissen sie wenn sie das Kapitel meiner van Dusen Chronik kennen, das den Titel trägt Hatch will heiraten, der Titel sagt alles, ich hatte mich wie ein rechter Blopskopp verhalten und wenn … Prof. van Dusen im wilden Westen (RIAS 1985) Barranca, hier Barranca, beim Einsteigen beeilen und die Türen schließen. Trostloses Nest. In der Tat... Prof. Mein lieber Hatch, was gibt es denn. Sehen Sie mal zur Tür, ein Indianer, ein richtiger Indianer, in unserem Abteil. Und deshalb stören Sie mich beim lesen in meinen Forschungen. Hugh ich heilige Pfeife des Friedens, welche dem großen Geist wohlgefälligen Rauch zum Himmel sendet, großes Häuptling der Pueblos, hugh. Ja sehr erfreut, Prof. van Dusen. Prof doch nicht so. Hugh, er Prof. Dr.Dr.Dr.Augustus van Dusen, großer Wissenschaftler und Kriminologe. Amateurkriminologe, bitte. Großer Wissenschaftler und Amateurkriminologe, welcher unter allen Bleichgesichtern bekannt und berühmt ist als die Denkmaschine … Prof. van Dusen und der Vampir von Brooklyn (RIAS 1985) Ach Sie sinds kommen Sie rein, bleiben Sie nicht an der Tür stehen, was haben Sie denn auf dem Herzen ah nein. Am 20. Juli 1902 schlug der Vampir von Brooklyn zum erstenmal zu... Ah da sind Sie ja pünktlich wie immer, unser Tee wartet schon, was haben Sie denn auf einmal, ah. Der zweite Mord des Vampirs geschah am 24. Juli… der dritte am 26. Juli. Guten Tag, entschuldigen Sie die Verzögerung ich hatte Angst, es könnte dieser dieser Vampir sein aber als ich Sie durch den Spion gesehen habe, treten Sie näher leisten Sie mir ein bißchen Gesellschaft, nein, nein. Und so ging es weiter, Schlag auf Schlag, der vierte Mord, der fünfte Mord, und am 5. August schließlich mordete der Vampir von Brooklyn zum sechsten Mal, sechs Morde in … Prof. van Dusen und die blutige Botschaft (RIAS 1985) Eigentlich war es ja mehr als ein Fall, eigentlich war es ja mehr als ein Fall, es war sogar eine ganze Reihe von Fällen, mit denen wir es damals in Berlin zu tun hatten, das blutige Verbrechen im Hotel Kaiserhof zB, die rätselhaften Vorgänge im Reichsschatzamt, das Abenteuer im unheimlichen Irrenhaus, natürlich auch die Affäre um den Kriminalassistenten im Waschkorb und aber ich will hier noch nicht alles verraten, nur soviel, alle diese Einzelfälle waren so verzahnt so miteinander verbunden, daß sie schließlich und endlich doch nur einen einzigen Fall ergaben aber was für einen meine Damen und Herren. Ah! Ein Zimmermädchen schrie, damit fing es an. Einen Augenblick, mein lieber Hatch, wie oft habe ich mich bemüht ihnen … Prof. van Dusen auf der Hintertreppe (RIAS 1985) Am Abend des 10.August 1903 gegen 8 Uhr, London EastEnd, finstere Gegend und finsteres Wetter, Regen, leichter Nebel, Dämmerung, leere Straßen, nur abundzu das Rasseln einer Droschke, der Ruf eines blinden Bettlers und die Schritte zweier Männer die unter Regenschirmen zielbewußt voranstreben plötzlich bleiben sie stehen, etwa 20 Meter vor ihnen spielt sich eine merkwürdige Szene ab, drei Gestalten in langen weißen Mänteln schleppen einen unförmigen Sack zu einer Kutsche am Straßenrand. Prof. Hm. Der Sack zappelt. Dies ungewöhnliche faktum mein lieber Hatch ist mir nicht entgangen. Hilfe. Und um Hilfe ruft er auch der Sack. Ohne jeden Zweifel. Wissen sie was Prof in dem Sack steckt ein Mensch. Was sie nicht sagen mein lie … Prof. van Dusen: Schall und Rauch (RIAS 1986) Guten Abend meine Damen und Herren, Sie kennen mich oder besser gesagt, Sie kennen meine Stimme, ich bin Hutchinson Hatch, der mehr oder weniger rasende Reporter aus NewYork ansonsten Chronist Assistent und Begleiter von Prof DrDrDr Augustus van Dusen, dem großen Wissenschaftler und genialen Kriminologen. Amateurkriminologe, mein lieber Hatch, Amateurkriminologe, allmählich sollten sie es wissen. Ach Verzeihung Herr Prof, natürlich dem genialen Amateurkriminologen, der in Ost und West, in Nord und Süd und überall sonst bekannt ist als die Denkmaschine, die Geschichte, die ich Ihnen heute erzählen will, gehört zu den kleineren Fällen des großen Prof, aber dem großen ist alles groß und gerade die Affäre um den … Prof. van Dusen trifft Kaiser Wilhelm (RIAS 1986) Bis heute ist sie ein strenggehütetes Geheimnis geblieben die sensationelle ja geradezu unglaubliche Affäre um den deutschen Kaiser Wilhelm den zweiten, die sich im Sommer des Jahres 1904 auf der ostfriesischen Insel Norderney zugetragen hat, in der Öffentlichkeit kursierten damals nur vage Gerüchte, über eine gewisse delikate Angelegenheit, in der Prof. van Dusen seiner Majestät unter die Arme greifen konnte, mehr wußte niemand, außer den direkt Beteiligten natürlich, aber jetzt ist es soweit, vor ihren Ohren meine Damen und Herren, werde ich die Wahrheit, die volle Wahrheit enthüllen, über einen der kuriosesten Fälle des großen Kriminologen und über eine raffinierte Intrige, die beinahe den Lauf der Weltgeschichte verändert … Prof. van Dusen: Dritte Runde für van Dusen (RIAS 1986) Der Expreß von Bukarest nach Konstanza donnerte durch die Nacht, vorbei an galarischen Dörfern, an Maisfeldern und Schafweiden über die große Donaubrücke bei Cernavoda und weiter in die platte Steppenlandschaft der Dobrudscha, es war am 13. Oktober 1904 gegen 10 Uhr abends, wir hatten ein ganz anständiges Abendessen hinter uns und unterhielten uns noch ein bißchen vor dem schlafengehen, Prof van Dusen war bester Laune und das kommt wie sie wissen nun wirklich nicht jeden Tag vor, er hatte gerade die theoretischen Grundlagen für eine völlig neuartige Rechenmaschine entwickelt, nebenbei nur so aus Spaß. Computer, Computer, so möchte ich das Gerät nennen. Hört sich sehr interessant an, Prof. Hhm. Erzählen Sie … Prof. van Dusen und der Leichenräuber (RIAS 1986) Mr H.Hatch! Mach den Mund zu Tommy und die Tür auch von außen. Mr Hatch der Chef will Sie sprechen Mr Hatch. So das wird ja wohl noch ein bißchen Zeit haben, der Artikel hier muß nämlich um 5 fertig sein also zieh ab, und komm in einer Stunde wieder. Sofort hat Mr. De Witt gesagt, sie sollen alles stehen und liegen lassen, der Chef ist sauer, Mr Hatch und wissen sie wer bei ihm ist, Detective Sergeant Caruso. Ach du dicker Vater. Die Woche fing ja gut an, heute war nämlich Montag, Montag der 31. Oktober 1898, kein blauer Montag, eher ein schwarzer, der Chef und Caruso, bißchen viel auf einmal aber jammern half nichts wenn Mr DeWitt Chefredakteur des DailyNewYorker pfeift dann hat Reporter Hutchinson Hatch zu erschei … Prof. van Dusen und der Mafiamord (RIAS 1986) Ich schlief, und ich träumte, einen prophetischen Traum, wie sich herausstellen sollte, ich saß in einem italienischen Restaurant. Aufessen, essen Sie auf, Mr. Hatch. Vor mir auf dem Tisch stand eine Schüssel Spaghetti, so groß wie die Kuppel vom Capitol. Aufessen, essen Sie auf, Mr Hatch. Diese gewaltige Menge sollte ich ganz allein aufessen. Aufessen, essen Sie auf, Mr Hatch. Mein Chefredakteur saß mir gegenüber. Aufwachen, wachen Sie auf, Mr Hatch, aufwachen, wachen Sie auf, Mr Hatch. Nein nein, ich kann nicht mehr. Bitte Sir wachen Sie auf, Sie werden am Telefon verlangt. Das war natürlich nicht der Chefredakteur, das war Henry, mein kombinierter Kammerdiener, Butler und auch Chauffeur wenn ich keine Lust habe meinen … Prof. van Dusen und die verschwundenen Millionäre (RIAS 1987) Es war die Hochzeit des Jahres, ganz New York redete darüber und ganz New York war dabei, das Fußvolk stand draußen und reckte die Hälse, die geladenen Spitzen der Gesellschaft saßen drinnen in der kleinen aber feudalen St.Paulskapelle am Broadway der ältesten Kirche der ganzen Stadt, Gold Silber und Juwelen glitzerten, Orchideen dufteten, Unsinn, Orchideen duften nicht, aber sie waren jedenfalls da, wie alles was Rang und Namen hatte, denn Bräutigam und Braut gehörten unbestritten zur absoluten creme de la creme, zu den oberen 400, wie man in New York sagt. Willst du, Hutchinson Jefferson Hatch, die hier anwesende Penelope De Witt, zu deinem dir ehelich angetrauten Weibe nehmen, sie lieben und ehren bis daß der Tod … Prof. van Dusen und der schwarze Ritter (RIAS 1987) Sie wollen mir doch nicht erzählen, Prof, daß Sie sich für einen englischen König aus dem Mittelalter interessieren oder für eine historische Ausstellung, Sie doch nicht Prof, da kenn ich Sie besser, Sie sind Prof Dr Dr Dr Augustus van Dusen, der weltberühmte Wissenschaftler und Amateurkriminologe, Sie sind die Denkmaschine. Und Sie mein lieber Hatch sind zur Zeit mein Chauffeur, darf ich sie ersuchen sich dieser Tatsache zu erinnern, den Strom ihrer belanglosen Rede einzudämmen und ihre Aufmerksamkeit auf die Landstraße zu richten. Ach wissen Sie Prof, ich kann Automobilfahren und gleichzeitig reden, das macht mir nichts aus. Aber mir mein lieber Hatch haben Sie also die Güte sich mit geschlossenem Mund auf die Lenkung des … Prof. van Dusen in Marokko (RIAS 1987) Tanger, Marokko, geheimnisvoller Orient, Land der Wunder und Mysterien, Stätte blutiger Intrigen und haarsträubender Abenteuer. Was reden Sie da wieder für ein Unsinn, mein lieber Hatch, wie selbst Ihnen bekannt sein dürfte, liegt Tanger keinesfalls im Orient im Osten, vielmehr im Westen, gen Sonnenuntergang im Maghreb wie der Araber sagt, ferner. Aber Prof, seien Sie doch nicht so kleinlich, das ist doch nur der Aufmacher, die Schlagzeile sozusagen, damit die Leute herhören. Ein billiger journalistischer Trick, mein lieber Hatch, unangemessen und unnötig, immerhin geht es um ein neues Kapitel der van Dusen Chronik, seit langem erwartet die Menschheit eine präzise wahrheitsgetreue Schilderung unserer Erlebnisse in Maro … Prof. van Dusen: Ein Dinosaurier für Prof. van Dusen (RIAS 1987) Hören Sie meine Herren hören Sie den Pfiff der Lokomotive, welch lieblicher welch erhabener Klang. Lieblich na ich weiß nicht. Im übertragenen Sinne natürlich, symbolisch wenn sie verstehen was ich meine, schauen Sie aus dem Fenster unseres luxuriösen mit allen Errungenschaften modernster Technik ausgestatteten Pullmanwagens, hier in dieser Wüstenei, wo noch unlängst die wilde Rothaut ihr Leben vertändelte in sinnloser, wohl gar blutiger Muse, in dieser Wüstenei, meine Herren, eilt heute ein amerikanisches Dampfroß zielstrebig fürbaß, ein Bote, ein Wahrzeichen des unaufhaltsamen Fortschritts. Es ratterte durch den Süden des Bundesstaates Wyoming, das amerikanische Dampfroß, rechts und links eintönige Prärie, am Horizont … Prof. van Dusen und der Fall Hatch (RIAS 1987) Hutchinson Hatch, der Assistent und treue Chronist Prof. van Dusens, sitzt in der Klemme, genauer gesagt in einer Gefängniszelle, welche geheimnisvollen Machenschaften brachten ihn hinter Gitter, hören Sie Prof van Dusen und der Fall Hatch, von Michael Koser. Ok Doc, was sagt der Fachmann. Nun, eine abschließende Diagnose wird sich natürlich erst in der Folge einer extensiven Anamnese stellen lassen, doch bereits nach kursorischer Examination des Patienten stehe ich nicht an, die evidente Manifestation einer akuten Psychose zu konstatieren, welche Psychose so werden Sie fragen, Lieutenant, lassen Sie mich Ihnen diese Antwort geben, wir sehen uns mit jenem spezifischen Syndrom konfrontiert welches gewisse sich progressiv … Prof. van Dusen läßt die Sau raus (RIAS 1988) Prof. van Dusen ist bekanntlich ein abgeklärter Mensch, der über den Dingen des Alltags steht, doch wenn er mal so richtig geärgert wird, dann, hören Sie Prof. van Dusen läßt die Sau raus, von Michael Koser. Wir machten ein paar Tage Ferien, Prof. van Dusen und ich und die hatten wir auch dringend nötig, hinter uns lag eine anstrengende Automobiltour durch England und nicht zu vergessen die mindestens genau so anstrengende Affäre um den Siegelring des Königs Artus und um den geheimnisvollen schwarzen Ritter. Es war Sonnabend der 6.Juni 1903, wir saßen beim Frühstück und fühlten uns wohl, es war rundherumschön. Herrliches Wetter Prof. Mein lieber Hatch obzwar sie sich seit nunmehr gut 5 Jahren der Ehre und des Vorzugs … Prof. van Dusen und die 7 Detektive (RIAS 1988) Happy birthday to you, happy birthday to you, happy birthday Professor… Ich wäre Ihnen sehr verbunden mein lieber Hatch, wenn Sie Ihren Gesang einstellten. Aber Prof, was haben Sie denn dagegen, daß ich ein bißchen singe, um mir Mut zu machen. Wenn die Musik Ihnen als moralisches Tonikum unentbehrlich ist so tun Sie mir doch wenigstens den Gefallen, ein anderes Lied zu wählen, ich habe nicht Geburtstag und ich. Aber gleich Prof, es ist zehn vor zwölf, seien Sie nicht so pingelig. Und vor allem lege ich nicht den mindesten Wert auf die Anerkennung oder gar feierliche Begehung der jährlichen Wiederkehr eines lediglich vom Zufall bestimmten Datums wie es die Geburt eines Menschen darstellt und sei dieser auch eine so eminente … Prof. van Dusen fährt Schlitten (RIAS 1988) Frage: was tut unser verehrter Herr Oberbürgermeister, Antwort: nichts oder doch, er grinst, anscheinend glaubt er, die schwerwiegenden Probleme unserer Metropole schlicht und einfach ausgrinsen zu können, und das haben Sie geschrieben Mr. Hatch. Sieht ganz so aus Chef, erstens steht unter dem Artikel groß und deutlich Hutchinson Hatch. Und zweitens. Natürlich der Stil rasant witzig dynamisch intelligent so schreibt nur einer beim guten alten Daily New Yorker oder finden Sie nicht Chef. Ich will Ihnen sagen was ich finde MrHatch ich finde das Maß ist voll diesmal sind Sie zu weit gegangen, schlimm genug daß sie sich dauernd mit der Polizei anlegen aber jetzt auch noch mit dem Herrn Oberbürgermeister, am liebsten würde ich Sie … Prof. van Dusen fällt unter die Räuber (RIAS 1989) Montenegro meine Damen und Herren ist nicht das kleinste Land der Welt, es gibt noch kleinere, Liechtenstein zum Beispiel oder Monaco oder Andorra, aber wenn Montenegro auch nicht groß ist, hat es doch einiges zu bieten, ein weltbekanntes Insektenpulver, eine Haupt- und Residenzstadt mit sage und schreibe 3000 Einwohnern, viele Ziegen, ein paar Bären und Räuber, speziell von denen kann ich Ihnen ein Lied singen, meine Damen und Herren, und damit fange ich jetzt an. Es war am 16. August des Jahres 1904 an einem heißen Sommermorgen, eine große schwarze Kutsche quälte sich die Serpentinen über der dalmatinischen Stadt Katoro hoch, hinten hing ein Schild, Thomas Cook und Söhne, Tagesausflug in die wildrom … Prof. van Dusen: Im letzten Moment (RIAS 1989) Prof. van Dusen in der Todeszelle, das ist ein Kapitel für sich, was sage ich Kapitel, ein ganzer Roman, ein Roman der anfängt mit der Flucht aus dem sichersten Gefängnis der Welt, Sie kennen die Geschichte meine Damen und Herren und der zuende geht an jenem tragischen Aprilmorgen im Gefängnis von SanFrancisco, aber dazwischen gab es im Leben des großen Kriminologen noch eine Todeszelle, die bekannteste von allen die Todeszelle von Sing Sing. Donnerstag 8. Mai 1902, ein Uhr mittags. Haben Sie gehört Kelly, noch 30 Stunden, 30 Stunden sind schnell vorbei, Kelly. Lassen Sie mich in Ruhe. Ruhe, Sie kommen nicht mehr zur Ruhe, Kelly, Sie müssen immer wieder daran denken, sich vorstellen, wie es sein wird, morgen abend, wie … Prof. van Dusen und der Mord im Club (RIAS 1989) Der Lesesaal des Clubs, bitte leise meine Herren, einige unserer betagteren Mitglieder pflegen sich nach dem Mittagessen hierher zurückzuziehen, um einen Whisky zu sich zu nehmen, um in Ruhe die Times zu studieren. Um ein Nickerchen zu machen, das ist eher ein Schlaf- als ein Lesesaal, Mr. Wallace, Leichenhalle wäre auch nicht verkehrt. Hatch. Wenn diese ehrwürdigen Mumien nicht so vernehmlich schnarchten würde man nicht glauben daß sie noch am Leben sind, der hier zum Beispiel in der Ecke zwischen Zimmerpalme und Kamin, wenn ich den mal kurz anstupse, dann fällt er doch tatsächlich aus dem Sessel. Warum sollte er auch nicht, mein lieber Hatch, der Mann ist tot. Tot. Tot. Tot. Kein Zweifel Wallace. Aber ich habe … Prof. van Dusen spielt Weihnachtsmann (RIAS 1989) Denn dies, mein lieber Hatch, steht doch wohl gänzlich außer Zweifel, das neue Jahrhundert, welches nun mehr Einlaß heischend vor der Tür steht. Vor der Tür, aber das neue Jh. ist doch schon da, Prof, seit fast 1 Jahr. Hm Sie irren wie alle Welt irrt, das 20.Jh. beginnt nicht mit dem Jahr 1900, bei diesem handelt es sich vielmehr um das letzte Jahr des 19.Jh sondern mit dem Jahr 1901, es wird also in genau 8 Tagen und wie spät ist es? 7 Min. nach 9. Es wird also in 8 Tagen, 2 Std. und 53 Min. anbrechen, und es wird ein Jh. der Wissenschaft sein, ein Jh. der Technik, ein Jh. des Fortschritts. Ich hatte Prof v. Dusen im chem.Institut der Uni. besucht wo er wie jedentag bis in den Abend gearbeitet hatte und jetzt wanderten wir durch dunkle ver … Prof. van Dusen sieht doppelt (RIAS 1990) Ihr Frühstück meine Herren. Endlich, stellen Sie es ab auf den Tisch, ein Glas Tee, einen Zwieback für Sie Prof, und für mich Kaffee, Toast, Butter, Moment warten Sie, Sie kriegen noch was. Nicht nötig, wünsche guten Appetit die Herren. Ein Kellner der kein Trinkgeld will, so was hab ich noch nicht erlebt, na mir solls recht sein, guten Appetit Prof. Danke, mein lieber Hatch, Ihnen guten Appetit zu wünschen, hieße Eulen nach Athen tragen. Da haben Sie recht, Prof, mir schmeckts immer, sagen Sie mal Prof. Hm? Kann eine Kaffeekanne ticken? Bitte? Die dicke Kanne hier auf dem Tisch die tickt, komisches Land dieses Kravonien, Kellner nehmen kein Trinkgeld, Kaffeekannen ticken. Stellen Sie die Kanne ab Hatch, erheben Sie sich, öffn … Prof. van Dusen und der dritte Mann (RIAS 1990) In der Nacht vom 4. zum 5.Februar 1904 lag dichter Nebel über England, Nebel über der Stadt Dover über dem dortigen Grandhotel. Sir, Mr Hatch. Was ist? Mr Hatch, Sir, bitte machen Sie auf. Wie spät. 3 Uhr Mr Hatch. Nachts. Natürlich, Mr. Hatch, Besuch für Sie, Sir. Ach soll wieder verschwinden. Zwei Herren, Mr. Hatch, aus London. Kein Interesse. Aber das kann doch nicht Ihr Ernst sein, Mr. Hatch, Sie wissen ja nicht, daß man. Smiley, Inspektor Smiley von Scotland Yard, Sie sind mein Besuch aus London. Zur Hälfte, Mr. Hatch, zur Hälfte, ich freue mich, Sie wiederzusehen. Ich aber gar nicht, Inspektor, ich hab nämlich was gegen Leute, die mich mitten in der Nacht aufwecken. Ungewöhnliche Ereignisse erfordern ungewöhnliche … Prof. van Dusen auf dem Totenschiff (RIAS 1990) Sagen Sie mal Mr. Hatch. Ja? Wie gefällt sie Ihnen denn so? Wer, Mr. Kettle? Na wer schon, die Kaiserin von China natürlich. Ach na ja, ganz neu ist sie ja nicht mehr und wenn ich mir überlege was in den letzten Tagen so alles passiert ist, irgendwie unheimlich. Wissen Sie Mr. Hatch, schön war sie nie die alte Kaiserin und gemütlich auch nicht, aber das müssen Sie ihr lassen, die Verpflegung ist ordentlich. Und die Bar erst, Seniore, bestens bestückt, Salute Senior Hatch. Salute. Salute Zahlmeister. Ah, ah ah. Tot? Tot, Mr. Hatch, Nummer vier. Das vierte Opfer, der vierte Mord an Bord der Kaiserin von China unterwegs im Nordpazifik auf der Route Yokohama SanFrancisco, zuerst Mr.Darby dann Frau vonPahlen, Mr.Phipps der Funker und … Prof. van Dusen in geheimer Mission (RIAS 1990) Prost, Professor. Prosit, mein lieber Hatch. Auf unsere nächsten 60 Fälle, Prof. Unsere Fälle, mein lieber Hatch… Während die abendliche Dämmerung schwer und düster auf die kravonischen Fluren hernieder sinkt, stampft und dampft er unbeirrbar voran, der von Sagen, Mythen und Legenden umwitterte Orientexpreß, umwittert, ich weiß nicht, umwabert, umwoben, ja das ist gut, der von Legenden umwobene Orientexpreß. Mein lieber Hatch. Romantik gewiß, doch es ist die Romantik des Fortschritts, der Technik, die Romantik dieser unserer modernen Zeit. Hatch. Ja Prof. Haben Sie die Güte, Ohren und Geschmack der Mitwelt nicht durch die lautstarke Deklamation Ihrer verquollenen Prosa zu insultieren. Verquollene Prosa, das ist … Prof. van Dusen und das Geheimnis der Pyramide (RIAS 1991) Die sensationelle, über alle Maßen erstaunliche Affäre um das Geheimnis der Cheopspyramide begann am Vormittag des 14. Dezember 1904 im Hauptbahnhof von Kairo. Hilfe, ein Arzt, Hilfe, Hilfe. Hören Sie Prof, Ihr Typ wird verlangt, Sie sind doch Arzt. Mein lieber Hatch, ich bin Prof Dr Dr Dr Augustus van Dusen. Naturwissenschaftler, Amateurkriminologe, Denkmaschine, wissen wir, Prof, aber. Außer Physik, Chemie, Biologie etc. etc. habe ich sämtliche Bereiche der Humanmedizin studiert, zu Bologna, Heidelberg, Paris, Salamanca. Hilfe ein Arzt um Gotteswillen. Einem so dringenden Appell konnte van Dusen sich nicht verschließen, er brach die beliebte Selbstbeweihräucherung ab auch wenn es schwerfiel und wandelte gemessen … Prof. van Dusen besucht seine Bank (RIAS 1991) Und was soll ich Ihnen sagen, Professor, tote Hose, total tote Hose. Mein lieber Hatch, ich darf Sie daran erinnern, daß Sie zu Prof. Dr Dr Dr Augustus van Dusen sprechen. Wissenschaftler, Amateurkriminologe, Denkmaschine, als ob ich das nicht wüßte, ich sitze in Ihrem Salon, Prof, trinke Ihren Whisky, apropos auf ihr Wohl. In diesem Falle ersuche ich sie sich der ansonsten von ihnen gepflegten vulgären Ausdrucksweise tunlichst zu enthalten. Vulgär? Sie erwähnten, wenn ich mich recht erinnere, ein dahingeschiedenes Beinkleid. Tote Hose, meinen Sie, das ist nur so eine Redensart, Prof. Ah so. Ich wollte sagen, es war nichts los, absolut nichts, kein Mord, keine Brandstiftung, nicht mal ein mickriger Raubüberfall, ich hätte mich in den … Prof. van Dusen treibt den Teufel aus (RIAS 1992) Das Abenteuer um den schwarzen Magier, der vom Teufel geholt wurde, und zwar aus einem hermetisch verschlossenen Raum im Leichenschauhaus, dieses rätselhafte, unheimliche, und über alle Maßen makabre Abenteuer begann in einem gar nicht makabren Ambiente im Chambre Separee bei Delmonico an der Fifth Avenue, es war am Sonntag, dem 6. Januar 1901, spätabends um, ja genau das war der casus knaxus. Wie spät ist es Oskar? Genau 2 Minuten vor 12 Uhr, Mr. Hatch. Um elf wollte sie hier sein Oscar. Wenn sie mir die Bemerkung gestatten, Mr. Hatch, nach meiner unmaßgeblichen Erfahrung pflegen sich Damen, die mit einem Herrn verabredet sind nichteben selten zu verspäten. Mit mir nicht Oscar der Champagner wird war … Prof. van Dusen: Ohrenzeuge Prof. van Dusen (RIAS 1992) Es ist schon erstaunlich, meine Damen und Herren, wie viele van Dusen Fälle in einem fahrenden Zug anfangen, vielleicht hat das ja einen tieferen Sinn, die Eisenbahn als Symbol der Technik, des Fortschritts und so, vielleicht liegts aber auch nur daran daß wir beide, Prof van Dusen und ich öfter mal reisen, von einem Ort zum andern, wie an diesem 31. Juli 1902, wir hatten New Mexico, Wyoming, den Yellowstone Nationalpark kurz den fernen Westen unseres großen Landes hinter uns und fuhren gen Osten zurück in die Heimat. New York, Mutter der Metropolen, schönste aller Städte, was meinen Sie, Prof. Wie bitte Hatch? Ob man wohl schon was sehen kann, Wolkenkratzer, Smog über Manhattan? Mein lieber Hatch wir befinden uns im … Prof. van Dusen: Augustus im Wunderland (RIAS 1992) Wer sind Sie? Ich, ich bin Prof. Dr.Dr.Dr. Augustus van Dusen… Gebrülstig wars, die schloimen Düxe sich in dem Burden gröll verschlotzten, gar mieslich frümpelten die Flüxe und die Mohm-Ralben krotzten. Wie bitte? Und die Mohm-Ralben krotzten. Aha, sie pflegen sich mit Psychopathologie abzugeben, Kollege Jellypot. Wie kommen Sie darauf Kollege van Dusen? Weil Sie uns mit den Ejakulationen eines offensichtlich wahnwitzigen traktieren. Aber werter Kollege, wo denken Sie hin, was ich zum Vortrag brachte, ist ein Kunstwerk, ein Poem. Jabberwocky von Lewis Carroll. Ah Sie kennen Jabberwocky Mr. Hatch, Hutchinson Hatch, Begleiter, Assistent und Chronist von Prof. van Dusen. Nun, Mr. Hatch, da Sie Jabberwocky kennen … Prof. van Dusen beschwört einen Geist (RIAS 1992) Auf Ihr Wohl, Professor, auf Prof. Dr. Dr. Dr. Augustus van Dusen, die Denkmaschine, den größten Wissenschaftler und Amateurkriminologen den die Welt je gesehen hat, nicht schlecht Prof, gar nicht schlecht, das muß man Ihnen lassen, Sie trinken zwar selbst nicht, aber Ihre Hausbar, erstklassig, zum Wohl, ihre Türklingel, Prof wer kann das sein, am Pfingstsonntag morgens viertel nach neun? Zu solch einer ungehörigen Stunde, mein lieber Hatch, pflegt mich nur eine einzige Person heimzusuchen, und diese Person war schon da, nämlich meine Wenigkeit, Hutchinson Hatch, einerseits Journalist beim Daily New Yorker, andererseits Begleiter, Assistent und Chronist von Prof. van Dusen, ich hatte kurz mal meine Nase reingesteckt zwecks … Prof. van Dusen: Es tickt bei Prof. van Dusen (RIAS 1993) 14. November 1902, Freitag, ein Tag wie jeder andere, am frühen Nachmittag verläßt Prof. van Dusen sein Haus in der 35.Straße West Manhattan NewYorkCity wie an jedem andren Tag, er sieht nicht nach rechts er sieht nicht nach links, er sieht in das offene Buch vor seiner Nase, wie jeden Tag und wie jeden Tag hebt er die linke Hand mit dem Regenschirm, die Droschke, die wie immer ein Haus weiter gewartet hat, fährt vor, wie jeden Tag, der Prof. steigt ein, vertieft in seine Lektüre, wie jeden Tag, der Kutscher schließt die Tür, diesmal vielleicht ein wenig sorgfältiger als sonst, die Droschke fährt die 35. Straße entlang, nach Osten, wie jeden Tag, Richtung Universität, so, meine Damen und Herren, beginnt es, das unglaubliche Abenteuer … Prof. van Dusen und das Gold von Mexiko (RIAS 1993) Ja, die Sache mit dem mexikanischen Gold, das war schon eine tolle Geschichte, meine Damen und Herren und vor allem die Geschichte von Hutchinson Hatch, Assistent, Begleiter, Chronist, und insofern eher eine Nebenfigur, aber diesmal nicht, diesmal spielte ich die Hauptrolle. Wie bitte? Jedenfalls zuerst, später tauchte natürlich Prof van Dusen auf, und das war gut so, was hätte der Fall sonst auch in der unsterblichen van Dusen Chronik zu suchen, also wie gesagt eine tolle Geschichte, meine Freundin Penny entführt, ich selbst niedergeschlagen, schwarz angemalt, beschossen, verfolgt, schließlich mußte ich sogar tauchen, im Atlantik mit einem neumodischen Sauerstoffapparat. Mein lieber Hatch. Weiß schon Prof, wie erstattet man … Prof. van Dusen und die schwarze Fünfpenski (RIAS 1993) Achtung zum Eilzug der Great Eastern Railway nach Cromer über Jensford, Baltimor, Ipswich, Norwich bitte einsteigen und die Türen schließen. Ein unmögliches Verbrechen, sagten sie Inspektor. Keineswegs Prof, deshalb hätte ich sie nicht aufgestört und mitgenommen, mit einem unmöglichen Verbrechen wird Scotland Yard schon allein fertig. Glauben sie Inspektor, in diesem Falle vermag ich nicht einzusehen. Es geht um zwei, Prof, zwei unmögliche Verbrechen, absolut rätselhaft völlig unerklärlich. Und Scotland Yard ist total von den Socken. Sozusagen Mr. Hatch sozusagen. Sehr schön, berichten sie Inspektor. Cromer war unser Ziel und Cromer falls sie es nicht wissen meine Damen und Herren Cromer ist ein netter kleiner Bade … Prof. van Dusen: Ufos über Prof. van Dusen (DLR 1994) Der Zug war voll, ach voll ist gar kein Ausdruck, total überfüllt war er, überall Männer, Frauen, Koffer, Kinder, vor allem Kinder, Kinder zu Hunderten laut und beweglich und klebrig von wegen der Eistüten und Lutschbonbons, vermutlich die Sprößlinge mormonischer Großfamilien, mit den lieben Eltern unterwegs zum Yellowstone Nationalpark, Prof van Dusen hatte sich entnervt in den letzten freien Waschraum geflüchtet und die Tür verriegelt, mir war nicht nach Wasser pur, ich kämpfte mich mit Knie und Ellbogen durch bis an die Bar im Salonwagen und hier kam ich mit dieser netten jungen Frau ins Gespräch. Hutchinson Hatch, sagen sie bloß, sie sind der Hutchinson Hatch. Ich kenne jedenfalls keinen anderen. Der Journalist … Prof. van Dusen und der Fall Zola (1/2) (DLR 1994) In Paris hatte Prof. van Dusen sich was angewöhnt, jeden Morgen machte er einen kurzen Spaziergang im Boisdeboulogne in aller Herrgottsfrühe auf nüchternen Magen und ich mußte natürlich mit auch an diesem 8.März 1904 einem Dienstag es war kühl noch nicht richtig hell und mir knurrte der Magen. Ihre Gesichtszüge mein lieber Hatch weisen einen gewissen vergeistigten Ausdruck auf, ein höchst ungewöhnliches Phänomen, woran denken sie. Ich, an nichts Prof, an gar nichts. Das glaub ich ihnen aufs Wort. Ich hatte doch an was gedacht, an Kaffee heiß und duftend, an knusprigen Toast, an ein weichgekochtes Ei, frische Butter, goldgelben Honig, an normannischen Käse und Schinken aus Bayonne, kurz an ein ordentliches Frühstück … Prof. van Dusen und der Fall Zola (2/2) (DLR 1994) Falls Ihnen nicht mehr ganz präsent ist, was im ersten Teil der Story so abgelaufen ist, meine Damen und Herren, fasse ich das wichtigste für Sie noch mal kurz zusammen. Der Ort ist Paris, die Zeit März 1904, anderthalb Jahre vorher, in der Nacht vom 28. zum 29. September 1902 ist der große Romanautor Emil Zola gestorben, angeblich an einer Kohlenmonoxidvergiftung, ein Unfall heißt es offiziell, aber die französischen Schriftsteller vermuten politischen Mord und beauftragen Prof. van Dusen den Fall Zola neu aufzurollen, damit beginnt ein Abenteuer, das in der an außergewöhnlichen Fällen reichen van Dusen Saga einzigartig dasteht, in einer Verbrecherkneipe am Montmartre geraten wir, der Prof und ich, in eine Razzia, wir … Prof. van Dusen spielt das Mörderspiel (DLR 1994) Der erstaunliche Mörderspielfall, der seinerzeit in der New Yorker Gesellschaft größtes Aufsehen erregte, gehört ohne Zweifel zu den ganz besonderen Episoden in der großen van Dusen Chronik, vielleicht weil der Mord der aus dem Spiel entstand, durch seine wahrhaft außergewöhnliche Raffinesse einmalig in der Kriminalgeschichte ist, ganz sicher aber auch deshalb weil der Prof seine Untersuchungen in dieser Affäre längere Zeit ohne Hutchinson Hatch durchführen mußte, trotzdem brauchte er auf einen Assistenten nicht ganz zu verzichten, sofern man Detective Sergeant Caruso als solchen bezeichnen kann, wie dem auch sei, meine Damen und Herren, eine Geschichte, eine Detektivgeschichte insbesondere erzählt man, sie wissen es, von … Prof. van Dusen und das Zeichen der Sieben (DLR 1994) Ich machte die Tür auf, und da lag er, ein toter Mann… Ein toter Mann, auf dem Fußboden, im Salon, in meiner Suite im feudalen Hotel Savoy, ich schloß die Augen, wartete ein paar Sekunden, machte sie wieder auf, die Leiche war immer noch da, ein graubärtiger Mann in Hemdsärmeln und schwarzer Hose, auf der Stirn war die Zahl sieben in seine Haut geschnitten, ich kannte ihn, vor wenigen Stunden erst hatte ich ihn gesehen, lebend, ich muß Alarm schlagen dachte ich, schnell zum Empfang raus durch den Korridor um die Ecke, plötzlich tat sich vor mir eine Tür auf, eine wohlbekannte Tür, die Tür zur Suite von Prof. van Dusen. Hallo mein lieber Hatch. Prof. Was ist ihnen. Sie sind schon zurück aus Cambridge. Ja. Wollten sie nicht er … Prof. van Dusen auf Hannibals Spuren (1/2) (DLR 1995) Wie fängt ein van Dusen Fall an meine Damen und Herren, natürlich mit dem Anfang werden Sie sagen, so gehört es sich, so erwarten sie es und so hat es der große Amateurkriminologe seinem Chronisten und Assistenten immer wieder eingeschärft… keine Regel ohne Ausnahme, die außergewöhnliche schier unglaubliche Affäre um das mörderische Elefantenrennen quer durch die Alpen fängt schon vor dem Anfang an, mit einem sog. Prolog, nicht im Himmel wie beim Kollegen Goethe, sondern in womöglich noch erhabeneren Regionen, in den luxuriösen Räumlichkeiten des exklusiven Globetrotterclubs zu London. Es ist Sonntag, der 29. November 1903, kurz nach zehn Uhr abends, Sir Patrick Lafferty, der allseits bekannte Abenteurer und … Prof. van Dusen auf Hannibals Spuren (2/2) (DLR 1995) Ich kann mir zwar nicht vorstellen, meine Damen und Herren, daß Sie schon alles vergessen haben, was im ersten Teil dieser denk- und merkwürdigen Geschichte vor sich ging, aber zur Sicherheit will ich doch lieber das wichtigste für Sie kurz zusammenfassen, also, im November 1903 schlossen Sir Patrick Lafferty und Mr Basil Blott im Globetrotter Club zu London eine Wette darüber ab, wer im nächsten Jahr von ihnen auf Hannibals Spuren mit einem Elefanten über die Alpen ziehen und als erster Italien erreichen würde, Prof. van Dusen und ich waren Zeuge der Wette, und wir waren auch am 22. Mai 1904 in Grenoble beim Start zum Alpenübergang, der sich so ganz anders entwickelte als ich erwartet hatte, ein Mord geschah, die myst … Prof. van Dusen und das Phantom der Oper (DLR 1996) In die Oper, haha, ich, das ist nicht Ihr Ernst, mein lieber Hatch. Ich bin nur der Bote, Prof, die Einladung stammt von Mr. Grau. Grau, sie meinen den Intendanten der Metropolitan Opera, mein lieber Hatch. Den Boss der Met, genau den, Prof, ich habe ihn vorhin im Club getroffen, er hat mir sein leid geklagt und dann hat er sie heute abend zur Vorstellung gebeten, mich natürlich auch. Mein lieber Hatch, entsinnen sie sich des Mordfalls Lawrence King. Na klar Prof, Titel in der Chronik, Prof van Dusen beschwört einen Geist, Mai 1901. Dann rufen sie sich gefälligst meine abschließenden Worte ins Gedächtnis zurück in welchen ich mich über die mit dem Begriff Oper assoziierte Aura des Irrationalen, der Täuschung, des Scheins ausließ … Prof. van Dusen: Die Mauer muß weg (DLR 1997) Es war ein Sonntag hell und klar so sagt der Dichter und er hat wie so oft nur zum Teil recht, sicher es war ein Sonntag, Sonntag der 20. November 1904, aber es war schon 5 Uhr nachmittags, also nicht mehr ganz hell und die Klarheit ließ auch zu wünschen übrig denn ein kräftiger Wind pustete dicke Staubwolken durch die Gegend, das ist so üblich in Alexandria meine Damen und Herren sie können es im Baedeker nachlesen und jetzt wissen sie auch, wo wir uns befinden nämlich in der berühmten ägyptischen Hafenstadt, genauer im Hotel Miramar in unserer Suite. Mein lieber Hatch. Hmh. Mein lieber Hatch, es hat geklopft. Wird der Tee sein Prof. Aber es war nicht der Tee, es war das Schicksal beziehungsweise die Kriminologie, das heißt … Prof. van Dusen: van Dusens größter Fall (Die lange Nacht einer Radiolegende) (mit O-Ton-Collage) (DLR 1998) Meine Damen und Herren, es ist soweit, endlich kann ich es enthüllen, das große Geheimnis, das mir seit langem auf der Seele liegt, in einem äußerst wichtigen Punkt hat sich die monumentale van Dusen Chronik na sagen wir an der Wahrheit vorbeigemogelt, doch jetzt ist die Zeit gekommen, jetzt werde ich reden, ich werde die Wahrheit sagen, die ganze Wahrheit nichts als die Wahrheit und ich verspreche ihnen sie werden staunen. Es war am 7. April 1912, am Ostersonntag und es war in Berlin der deutschen Haupt- und Kaiserstadt, sie werden fragen, was sucht Hutchinson Hatch, New Yorker Journalist und weiland kriminologischer Assistent in der alten Welt, Antwort offiziell war ich hier als Sonderkorrespondent des Daily New Yorker … Hutchinson Hatch und die Stimme aus dem Jenseits (Erzählung, profvandusen.com 2009) Heute morgen habe ich einen sehr interessanten Artikel im Daily New Yorker, meiner Zeitung, gelesen, ich sage meine Zeitung, weil sie mir seit vielen Jahren gehört, zusammen mit fünf, sechs anderen, von den Zeitschriften gar nicht zu reden, und weil ich lange Zeit ihr Chefreporter war, mit dieser regelmäßigen Tätigkeit habe ich aufgehört, immerhin bin ich siebzig, aber ab und zu schreibe ich noch was, und wehe, die Redaktion wagt es, daran herumzumäkeln! Ansonsten genieße ich den Ruhestand und freue mich des Lebens in meiner schicken Frank-Lloyd-Wright-Villa über dem Hudson: weiß, nur Geraden und rechte Winkel – die schiere Mathematik, darum habe ich sie auch »Zwei plus zwei gibt vier« genannt oder kurz … Professor van Dusen im Spukhaus (Highscore Musik 2015) Hallo und willkommen zurück, nein das ist nicht gut, wie wärs damit, hochgeschätzte Freunde, es sind nun einige Jahre ins Land gegangen, seitdem, um Gotteswillen viel zu hochtrabend, streng dich an, Hutchinson Hatch, du wirst es doch nicht verlernt haben, also gut letzter Versuch, treffen Sie gerne alte Freunde, ich wette Sie tun es, ich wünschte mir würde dieses Glück in einem ganz bestimmten Fall noch einmal zu teil werden, Sie alle wissen längst von wem ich rede und sie fragen sich zu recht mit welcher Geschichte ich sie heute unterhalten möchte, ist denn nicht schon alles erzählt, alles gesagt worden was ihn betrifft, ich habe lange geschwiegen, das ist wahr, aber das bedeutet nicht, daß es da nicht noch einige Abenteuer gegeben … Professor van Dusen reitet das trojanische Pferd (PvD.sucht die Arche Noah) (Highscore Musik 2015) Mit der Peitsche zeigte der Kutscher nach vorn, wo sich am Horizont die Konturen eines flachen Hügels ab zeichneten. Truva. Truva? Ich denke wir fahren nach Troja. Truva mein lieber Hatch ist die türkische Bezeichnung des Ortes, den wir als Troja kennen. Aha der Hügel war also das berühmte Troja, Stadt der Mythen und Legenden, Schauplatz des bekanntesten Krieges der Weltgeschichte, gestern waren wir, Prof. van Dusen und ich, mit dem planmäßigen Dampfschiff von Konstantinopel nach Canakkale an den Dardanellen gefahren, wo wir in einem schäbigen Hotel, dem einzigen der Stadt übernachtet hatten, nach einem Frühstück das diesen Namen nicht verdiente hatten wir ein Fuhrwerk nebst Kutscher gemietet und waren stundenlang … Michael Koser: Der letzte Detektiv: Testmarkt (BR 1984) Sie war ein paar Jahre jünger als ich, um die 35, dunkles Haar, dunkle Augen, eine wohlgefällige Figur, in einem von diesen weißen Overalls, die nach gar nichts aussehen, und mehr kosten, als ein Detektiv im Monat verdient, in der 40-Quadratmeterklasse schätzte ich, auf dem Klientenstuhl in meinem Büro plus Apartment, 22 Quadratmeter und ein paar Zerquetschte, wirkte sie wie ein aufgeblühter Kirschzweig in einer alten Bierflasche, ich bin sentimental, ich mag Kirschblüten. Mein Name ist Delgado, Judith Delgado. Judith, das gefällt mir, ein Mensch, dessen Name mit J anfängt, kann nicht ganz schlecht sein. Ich heiße Jonas, nur Jonas, wie der Typ mit dem Walfisch in der Bibel, viele Leute wundern sich darüber daß ich nur … Der letzte Detektiv: Safari (BR 1984) Der Löwe war kein echter Löwe, natürlich nicht, seit Jahren gab es keine Löwen mehr auf der Erde und in einer Raumstation schon gar nicht, aber echt oder nicht, der Löwe war da, und er sah gefährlich aus, so gefährlich, daß Jonas vorsichtshalber erst mal rannte und sich einen hohen Baum suchte, Kokospalme oder Bandiang, was weiß ich, auf Bäumen haben Löwen nichts zu suchen, das wußte ich, und das wußte auch der Löwe, zu meinem Glück. Ich wartete, bis mein Puls wieder unter Schallgeschwindigkeit war, und dann versuchte ich Sam über Funk zu erreichen. Sam! Sammy! Wo steckt der verrückte Blechkanister? Sam! Hat mein Herr und Meister gerufen? Gerufen? Gebrüllt habe ich, hör zu, du Spottgeburt von Chips und Eisen … Der letzte Detektiv: Reservat (BR 1984) Es war einmal eine Zeit da gab es Privatdetektive, harte Männer, gerecht, nie um eine Antwort oder um einen Ausweg verlegen, und wenn es sie nicht in Wirklichkeit gab, dann doch wenigstens in Büchern und Filmen. Heute im frühen 21. Jahrhundert gibts nur noch einen von der Sorte. Mich. Ich bin Jonas. Jonas, der letzte Detektiv. Nicht so hart, auch nicht immer gerecht, dafür fällt mir manchmal keine Antwort ein, und nach einem Ausweg muß ich oft lange suchen. Aber ich tue, was möglich ist, mehr kann man nicht verlangen. Was Frau Marcus-Pallenberg von mir wollte, war nicht möglich. Oder doch? Sie müssen ins Reservat. Ein Vorschlag, Frau Marcus-Pallenberg, kaufen Sie sich ein paar starke Männer die mich fesseln … Der letzte Detektiv: Schlachthaus (BR 1984) So fangen die meisten meiner Fälle an: Ein Typ sitzt in meinem Büro, rutscht auf dem Stuhl rum, und weiß nicht so recht, ob er mir überhaupt erzählen soll, weshalb er gekommen ist. Wie gesagt, so fangen die meisten meiner Fälle an, dieser nicht. Darf ich Ihnen jetzt die Speisekarte vorlegen, mein Herr? Ich warte noch. Gestatten Sie mir die Bemerkung, mein Herr, Sie warten bereits eine halbe Stunde, wenn Sie schon nicht essen wollen dann vielleicht wenigstens noch einen Whiskey? Danke, wissen Sie falls meine Verabredung nicht kommt muß ich die Rechnung selber zahlen und bei Ihren Preisen. Verstehe, in diesem Fall muß ich Sie darauf aufmerksam machen daß Ihr Tisch benötigt wird. Ach wann? In wenigen Minuten mein Herr … Der letzte Detektiv: Requiem (BR 1985) Alles neu macht der Mai, macht die Seele froh und frei. Sam halt den Schnabel Sammy. Aber Chef, Sam hat keinen Schnabel, Sam ist kein Vogel, Sam ist ein Computer, laß das Haus, kommt hinaus, bindet einen Strauß. Und Computer, die nicht gehorchen, kommen auf den Schrottplatz, so, jetzt kann ich mal was sagen, zur Richtigstellung sozusagen. Es war nämlich gar nicht Mai, nicht mal ein bißchen, im Gegenteil, es war Herbst, trüber grauer Spätherbst, 7. November 2009, und alles neu, das stimmt auch nicht, jedenfalls nicht ganz, gut ich hatte mir was Neues zum Anziehen geleistet, einen antiken Trenchcoat Marke Bogie, nicht billig, aber edel, meinte Judith, und für den guten Sam war ein funkelnagelneuer Vocoder drin ge … Der letzte Detektiv: Kidnapper (BR 1985) Robodocs gehen mir auf die Nerven darin bin ich altmodisch, nicht nur darin mir stinkt so einiges in dieser unserer Zeit aber Robodocs ganz besonders, darum suche ich mir einen echten menschlichen Medizinmann wenn die vorgeschriebene Jahresinspektion fällig wird, das heißt, dieses Mal, im Mai 2010, war es eine Medizinfrau, vielleicht hätte ich doch lieber zum Robodoc gehen sollen, was Frau Dr. Simon mir sagte gefiel mir nämlich gar nicht. Sie gefallen mir nicht Jonas. Machen Sie sich nichts draus, ich gefall vielen nicht. Äußerlich ist ja alles in Ordnung so weit, aber innen. Magen? Ganz richtig. Ihr Magen, akute Ulkusgefahr, rauchen Sie, Nikotin? Nein. Nehmen Sie sonst irgendwelche Drogen? Äh Alkohol? Also, also wenn … Der letzte Detektiv: Schmiergeld (BR 1985) Ich machte die Tür auf und da saß er mitten in meinem Büro auf meinem besten und einzigen Klientenstuhl, er war klein, und trug grau, das offizielle grau der Politiker und Geschäftsleute, eine graue Maus, unauffällig, abgesehen von einer Kleinigkeit, er war tot, sein Gesicht war blau angelaufen, die Zunge hing ihm aus dem Mund, die Augen standen weit offen, das gefiel mir nicht, welcher Detektiv findet schon gern eine ermordete Leiche in seinem Büro? Erwürgt mit einer Drahtschlinge, fachmännische Arbeit, zwei Täter, einer hält den Mann fest, der andere zieht zu. Wie weiland die Thugs, eure mäßige Belesenheit dürfte sie kaum kennen, eine indische Mördersekte, welche vorzugsweise in Bengalen florierte, zu Ehren ihrer Göttin … Der letzte Detektiv: Niemandsland (BR 1985) Ich konnte mich nicht rühren, ich war gefesselt und geknebelt, ich hatte Angst, ich wartete, die Tür ging auf und herein kam, nein, kein Mann mit Pistole, eine Frau mit Laserstrahler, Frau Professor Caligari, sie zielte auf meine Stirn, ich starrte in ihre Augen und in die Mündung, drei Löcher, schwarz wie der Tod, ihr Finger am Abzug bewegte sich, wurde weiß, aber es zischte nicht, es klingelte, wieder und wieder, und da wachte ich endlich auf, ich schüttelte den schweren Kopf, um den schweren Traum zu verscheuchen und griff zum Fon. Ja? Jonas? Jonas. Jonas, nur Jonas. Privatdetektiv? Ja. Der letzte. Ein Fossil. Ein Dinosaurier. Nur nicht so groß und so schrecklich. Dafür bin ich zu müde. Und wer sind Sie? Mein Name ist Sesam. … Der letzte Detektiv: Sündenbock (BR 1986) Uhuhuhuh, uhuhuhuh! Acht Uhr früh, und es krähte der Hahn. Uhuhuhuh, uhuhuhuh! Ein Hahn war es natürlich nicht, wo gibts denn heutzutage noch Hähne? Im zoologischen Garten, Herr Oberstabsveterinär, hinten rechts, neben den Schweinen, oink. Weiß ich doch, Sammy. Ein armer alter Hahn ohne Schwanz, wenn der überhaupt noch kräht, dann bestimmt nicht am Morgen, sondern nachts, da träumt er vielleicht von Würmern und von seinen Hennen, mein Kräher war Sam. Uhuhuhuh, uhuhuhuh! Wachet auf, wachet auf! Es krähte der Hahn. Morgenstund hat Gold im Mund, erhebe dich du schwacher Geist, der du noch in die Kissen beißt, early to bed and early to rise is healty, wealty and wise, uhuhuhuh! Das reicht, Sam. Uhu … Der letzte Detektiv: Todestour (BR 1986) Jonas. Was ist? Zeit zum Aufstehen? Ruhe, kein Wort, keine Bewegung, Sie befinden sich im Bereich akuter polizeilicher Notstandsmaßnahmen. Verhalten Sie sich ruhig, dann passiert Ihnen nichts. Ich verhielt mich ruhig, das fällt mir nicht schwer, wenn sechs Typen mit Laserstrahlern auf mich zielen, sechs Typen in schwarzen Kampfanzügen und schwarzen Schutzhelmen, bei solchen Weckern kann ein sensibler Mensch schon das Flattern kriegen, zum Glück bin ich nicht sensibel, und außerdem Kummer gewohnt, normalerweise weckt mich Sam, aber ich war sauer, Judith war bei mir, ausnahmsweise und Judith war von meinem Weckdienst gar nicht begeistert, das sah ich ihr an, und ich sah noch was, durch meinen leeren Türrahmen … Der letzte Detektiv: Spielwiese (BR 1986) Hallo... Ja, am Apparat. Tot? Ja. Viertelstunde. Danke. Miles Archer, mein Partner, ermordet, wenn der Partner eines Mannes umgebracht wird, erwartet man, daß er was unternimmt, aber das war schwierig, ich hatte so viel zu tun, so viele Leute wollten was von mir, Mister Joel Cairo, zum Beispiel. Ich versuche, ein Schmuckstück wiederzubeschaffen, das - sagen wir - verlegt wurde, ich dachte und hoffte, Sie könnten mir helfen. Es ist eine Statuette, eine schwarze Figur eines Vogels, Mister Spade. Mister Spade war ich. Samuel Spade, ein blonder v-förmiger Satan oder so ähnlich, auf der Suche nach dem Malteser Falken, Birgit war übrigens auch da. Kann ich dich mit meinem Körper kaufen, Sam? Ich denk darüber nach. Oh, ich bin … Der letzte Detektiv: Inselklau (BR 1986) Was haben Sie verloren? Eine Insel, nein moment das stimmt nicht. Hab ich mir doch gleich gedacht. Zwei Inseln, nein, also eigentlich drei. Sind Sie sicher, nicht vielleicht vier? Drei Inseln, verloren, weg, verschwunden, wie finden Sie das? Also ich... Laß doch, Jonas, der Mann ist betrunken. Nicht doch, betrunken ist man im Dipsomaten, oder im Casablanca, aber nicht hier. Das Maritim ist ein hochfeudales Hotel. In Westerport bei Babelshaven. Wer in der Bar vom Maritim trinkt, ist bestenfalls angeheitert. Der Mensch neben uns war angeheitert, ziemlich angeheitert, kein Wunder, wo er doch drei Inseln verloren hatte. Ja wohl, drei Inseln, weg, und ich steh da. Sie sitzen, um genau zu sein. Sind Sie fromm? Was? Nein nicht be … Der letzte Detektiv: Megastar (BR 1989) Mein Büroapartment, 22 Quadratmeter und ein paar Zerquetschte, war das reine Krankenhaus, die undefinierbare Topfpflanze, Jos nachträgliches Geschenk zum Geb., ließ alles hängen was sie hatte, mein Magen gab schrille Signale aus dem Untergrund, und Sam war erkältet, sagte er. Ha-Hatschi, was muß der arme Sammy leiden. Schluß damit, Sam, du bist ein Computer, du kannst gar nicht erkältet sein. Kann ich wohl. Kannst du nicht. Doch, und ich werde es beweisen, wenn eure logische Hypopotenz gestatten, a) Computer können schneller denken als Menschen. OK. b) Computer können also mehr als Menschen. Ja. c) Wenn Computer mehr können dann können sie notwendigerweise auch genauso viel wie Menschen. Aha ja. Mensch … Der letzte Detektiv: Supernova (BR 1989) Es war Montag der 12.September 2011, das Datum habe ich mir gemerkt, man kriegt ja nicht jeden Tag einen Brief von einer Leiche. Montagmorgen, Zeit, die Wochenpost aus der Box zu holen, den Weg hätte ich mir sparen können, dachte ich, als ich wieder zu Hause war, das Übliche: Werbung, 2-D, 3-D, holo-graphisch, eine Mahnung der Girozentrale, endlich mein Konto aufzufüllen, widrigenfalls und so weiter, das übliche. Papierkorb. O bitte, Exzellenz, nicht Papierkorb, eine veraltete Vokabel, altmodisch, abgestanden, altbacken, antiquiert, ach, der moderne Mensch benutzt einen Shredder, und drückt sich entsprechend aus. Ok Sammy schmeißen wir das Zeug halt in den Shredder. Könnte eure drognodetische Zurückgebliebenheit … Der letzte Detektiv: Schneewittchen (BR 1989) Es war ein toter Tag, ein Tag, an dem die große Stadt Babylon so grau und so kalt wirkte wie ein krepierter Elefant, ein Tag, an dem nichts passiert, dachte ich. Das war ein Irrtum. Ich war in den Trödelladen gegangen weil mir die alte Postkarte im Schaufenster aufgefallen war, eine Fotographie, 2D, schwarz weiß, altmodisch, so altmodisch wie Jonas. Ein kleiner Mann mit Hut, die Oberlippe schief hochgezogen, Revolver in der Hand und über dem Mann, von links unten nach rechts oben, ein schwarzer Schriftzug. Eine Rarität mein Herr, das authentische, handgeschriebene Autogramm des Schauspielers Humphrey Bogart, Mitte des vorigen Jahrhunderts mehr als 60 Jahre alt. 65 genau, das ist ein Bild aus Big Sleep 1946. Der Herr ist ein … Der letzte Detektiv: Störfalle (BR 1989) Plötzlich war er da, er stand mitten in meinem Büro, sehr jung, sehr verlegen und starrte mich an, mit riesengroßen Kalbsaugen, ich hätte die Tür verrammeln sollen, oder noch besser verreisen, weit weit weg von Babylon, aber meine Kristallkugel war außer Betrieb an diesem 10. Januar 2012. Herr Jonas? Sie sind doch Herr Jonas? Ich glaub schon, außerdem stehts draußen an der Tür. Ja, Herr Jonas, ich, äh, ich finde Sie toll. Sie sind ein Held, ja, Sie sind der größte, echt, total der größte. Hör mal zu, Kleiner, Jonas ist alles mögliche, eine 1-Mann-Show, Jongleur, Clown, Feuerspucker, Degenschlucker, der Mann auf dem fliegenden Trapez, der Mann, der durch den brennenden Reifen springt, für 100 Euros pro Tag und Spesen, aber … Der letzte Detektiv: Eurodschungel (BR 1990) Er fing schon mies an, dieser 3. Mai 2012, Jacob hatte vor, seinen Schuppen umzutaufen, nicht mehr Casablanca sollte er heißen, sondern... Wie soll dein Schuppen jetzt heißen? Babylon, Cafe Babylon. Cafe? Du weißt doch gar nicht, was Cafe ist, Jacob. Na und? Cafe hat was, Nostalgie, Klasse. Es gab immer noch den alten Synth-Whisky, mies und teuer, es war immer noch das alte Casablanca, ich fühlte mich wie zu Hause, müde und mies. Ja? Ja, Moment, für dich Jonas. Sie können eine Nachricht hinterlassen, sprechen Sie nach dem Pfeifton, tüt, oder pfeifen Sie nach dem Sprechton, wie Sie wollen. Jonas? Von mir aus können Sie auch summen oder singen. Sind Sie Jonas, der Detektiv? Ich mußte es zugeben, Jonas, nur Jonas … Der letzte Detektiv: Eurobaby (BR 1990) Bamballa. Kennen Sie Bamballa? Eine Hafenstadt in Sahel, Nordost-Afrika. Trocken, heiß, staubig, trübselig, und über dem Ganzen ein durchdringender Duft nach Kamelmist und abgelatschten Sandalen. Äh! Das letzte. Ja, Gottes linke Achselhöhle. Das Loch gleich neben der Hölle. Des Teufels fauler Stockzahn. Der Arsch der Welt. Sam. Mein Computer und ständiger Begleiter, redet viel, weiß alles. Ja. Nur nicht, wie man aus diesem verfluchten Nest rauskommt. Ich saß fest, seit einer Woche, ich hatte einen Job in Merdistan gehabt, das ist der sympathische Staat im Orient, der seine Bürger mit öffentlichen Massenfolterungen bei Laune hält, ich sollte ein Kind aus Merdistan holen für seine Mutter in Babylon, ihr merdistanischer Ex … Der letzte Detektiv: Euromüll (BR 1990) Jonas, hilf mir, Jonas, bitte, bitte hilf mir! Hilf! Jonas! Hilf! Jonas, bitte, bitte hilf mir! Jonas bitte. Jonas bitte hilf mir, Jonas! Judith ruft mich. Sie ist in Gefahr. Sie braucht Hilfe. Wo ist Sie? Wo bin ich? Ich wachte auf. Ich war in Afrika, ich hatte geträumt, aber da rief immer noch jemand. Jonas! Hilfe! Hilf mir Jonas. Hilfe! Machen Sie auf, Jonas, schnell! Nicht Judith. Die war zu Hause in Babylon. Ein Mann. Jonas, laß das, Jonas jetzt steh doch auf! Da ist einer an der Tür! An der Tür. Vor unserem Bungalow, in der Hotelanlage am Meer, unter Palmen, mitten in der Nacht. Ein Radaubruder. Wußte der nicht, daß Jonas Urlaub hatte? Jonas! Um Gottes Willen, Hilfe! Hilfe! Ah! Nein, ich will das nicht, ich hab frei. Was ist Jonas? Ach … Der letzte Detektiv: Euroblues (BR 1990) Judith ist tot, damit sollte ich anfangen, aber das kann ich nicht, ich fange an mit dem 20. Juni 2012, dem Tag, an dem ich Judith zum letzten Mal lebend gesehen habe, bei mir, in meinem Büroapartment. Wir schreiben das 21. Jahrhundert, eine Zeit der Pläne und Grenzen, der Rahmen und Programme, in dieser Zeit lebte ein Mann, der anders ist als die anderen, der in keinen Rahmen paßt und in kein Programm, der seinen Weg geht, einsam, integer, furchtlos, es ist, Tusch Majestro please, Jonas, Jonas, the last detective hahaha. Bravo, du solltest dir angewöhnen, deine Tür abzuschließen, Jonas. Judith! Bist du sicher, daß du zu mir willst? Stör ich? Ich hab das Gefühl ich bin hier in eine Sitzung des Vereins für gegenseitige Beweih … Der letzte Detektiv: Attentat (BR 1991) August 2012. Hochsommer, brütende Hitze, die Klimaregulierung war kaputt, wie immer, Babylon die große Stadt, stank zum Himmel, ein gigantischer Misthaufen, verrottet, verwest, verfallen und trotzdem begehrt, manche reißen sich sogar darum, alle fünf Jahre wenn die Wahl zum Bürgermeister ansteht. Harry Hauer. Nur Harry Hauer. Ihr Kandidat. Neu. Harry Hauer. Wer hat sich hochgearbeitet vom Volksrentner zum Multimilliardär? Harry Hauer. Wen braucht Babylon? Harry Hauer. Wer wird Bürgermeister? Harry Hauer. Wen wählen Sie? Harry Hauer. Nur Harry Hauer. Harry Hauer. Nur Harry Hauer. Ihr Kandidat. Neu. Unverbraucht. Harry Hauer... Wen wählen Sie? Überall Wahlrobots und Slogomaten. … Der letzte Detektiv: Westfront (BR 1991) Was ist los mit dir Jonas, du sitzt da, sagst nichts, machst ein Gesicht wie Chefinspektor Brock im Spätdienst, trinken tust du auch nicht, was hast du? Ich mach mir Gedanken, Jacob. Ach was, worüber? Über Philip Marlowe, warum er immer im Trenchcoat rumgelaufen ist, in Kalifornien, wo es nie geregnet hat, damals. Im 20. Jahrhundert. Ich sag dir was, Jonas, du bist von der Rolle. Sah ganz so aus. Vielleicht lags daran, daß Judith gerade ein viertel Jahr tot war, oder daß mein letzter Fall schon zwei Monate zurücklag. Wie auch immer, mit Jonas war nicht viel los, mit dem Casablanca auch nicht, außer Jonas nur zwei Gäste, alter Mann, junge Frau, hinten in der Nische. Weißt du was ich glaube, Jonas? Ich glaube, du wirst alt … Der letzte Detektiv: Wunderland (BR 1991) Ein Klient kommt ins Büro, ein ordentlicher Fall bei einem ordentlichen Privatdetektiv fängt so an, so muß es sein, so steht es in den Büchern, nicht beim letzten Detektiv, meine Fälle fangen meist woanders an, im Casablanca zum Beispiel, dieser Fall fing ordentlich an, in meinem Büro, nur eins war nicht in Ordnung, der Klient hätte eine Klientin sein müssen, wunderschön, geheimnisvoll, und möglichst blond. Nett haben Sie es hier, Herr Jonas, so, so übersichtlich. Schauen Sie, Damen und Herren, staunen Sie, vor Ihnen erstreckt sich in seiner ganzen unfaßbaren Weite von sage und schreibe 22 Quadratmeter das Büroapartment von Jonas dem letzten Detektiv, so lebt Jonas, Damen und Herren, so arbeitet Jonas, sind Sie hier um mein … Der letzte Detektiv: Paranoia (BR 1991) Zwei Knaben gingen durch das Korn... Nicht schon wieder. Der eine bluß das Klappenhorn. Nein. Doch, er konnts zwar nicht gut blasen, doch blus ers einigermaßen. Freut euch des Lebens. Ja wahrlich freuet euch und abermals freuet euch, denn siehe, Großmutter wird mit der Sense rasiert. Ole. Hahaha. Sam hatte sich einen Virus eingefangen, den berüchtigten Klapphornvirus, weiß der Teufel, wo er sich rumgetrieben hatte, Sam ist mein Computer, klein, aber laut, eine Nervensäge schon ohne Virus, und mit Virus gar nicht mehr auszuhalten. Und ferner steht geschrieben im Buche des Klapphorns: zwei Knaben suchten emsiglich am Baum nach einem Apfel, sie fanden keinen Apfel nicht. Der Baum das war ne Pappel, hallo. Was sagten Sie … Der letzte Detektiv: Pharao (BR 1993) Das Ministerium für Kultur war noch dasselbe schäbige Gebäude, nicht weit vom van-Dusen-Platz, aber hinter dem schäbigen Schreibtisch im schäbigen Büro saß nicht mehr Dr. Gödel Escherbach, Gott hab ihn selig, jetzt saß da eine Frau wie eine Stahlfeder: grau, hart, dünn, gespannt. Cornelia Schrödinger, M.A., Dezernentin für Museen und kulturellen Austausch, setzen Sie sich, Herr Jonas. MA? Magister Artium, ein akademischer Titel, Medienwissenschaft Universität Babylon, und wo haben Sie studiert, Herr Jonas? Uni Feuerland, Nahkampf und Guerillatechnik. Der antarktische Krieg, ich verstehe, zur Sache Herr Jonas, im November 2010 vor rund zweieinhalb Jahren haben Sie für uns einen Auftrag ausgeführt, sie haben damals … Der letzte Detektiv: Nachtcafe (BR 1993) Sie wimmelten um uns herum, kratzten an der Plexikuppel, drückten sich die verschorften Nasen platt, stierten auf unseren Tisch, unsere Teller, Steaks, echtes Rindfleisch, unbezahlbar, sie zeigten uns ihre dürren Rippen, ihre aufgetriebenen Bäuche, ihre offenen Wunden, ihre Eiterbeulen, und sie schrien, sie schrien vor Hunger, sie schrien nach unseren Abfällen, der bullige Typ neben mir warf ihnen was zu, einen abgenagten Knochen, durch die elektronisch gesicherte Klappe, sie stürzen sich drauf, fielen übereinander her, schlugen sich blutig. Hahahaha, das macht Laune und Appetit, Hunger ist der beste Koch, sagten schon Opa und Oma im guten alten 20. Jahrhundert, na, ihr Klappergestelle, noch ein Stück? Kusch später … Der letzte Detektiv: Strafkolonie (BR 1993) Mir gings gar nicht gut, Jacobs neuer Whisky, beste Schmuggelware aus Singapur, sagte er, gestern abend hatte ich das Zeug im Casablanca getestet, ich fühlte mich wie die uralte Mumie eines uralten Pharao und ich sah auch so aus, aber den kahlköpfigen Mann, der mir in meinem Büroapartment gegenüber saß, störte das nicht, im Gegenteil. Sehr schön, zerknittert, unrasiert, Augen blutunterlaufen, Ringe drum herum, bleiben Sie so, Herr Jonas, so sind Sie genau richtig für den Job. Welchen Job? Den Sie für mich erledigen werden, Herr Jonas. Werd ich das, worum gehts denn? Sie werden meine Außenstände eintreiben, so was machen Sie doch, oder? Klar, mach ich, wenn sich nichts Besseres bietet, ich bin Detektiv, Privatdetektiv. … Der letzte Detektiv: Ufo (BR 1993) Er stand auf seines Daches Zinnen und schaute mit trüben Sinnen auf Babypsilon die große Stadt. Die Sicht aus meinem Fenster im 16. Stock war gut, ausnahmsweise, klar und scharf lag das nächtliche Babylon unter mir, ein riesiger Flickenteppich, im Westen die Ghettos der Reichen, in gedämpftes Goldgelb, ruhig, gediegen, grell und aufdringlich das Zentrum, das Amüsierviertel, knallbunt flackernd, strahlend weiß die geballten Hochhäuser der Wirtschaft, steif und steril, dazwischen in unregelmäßigem Hell-dunkel die normalen Wohnbezirke, im Südosten ein großes schwarzes Loch: das Reservat, rundum, am Horizont, die Wildnis, eine dauernde dunkle Drohung, darüber, als heller Kontrapunkt: ein Ufo, ein rotierender Diskus … Der letzte Detektiv: Weihnachtsmärchen (BR 1995) Sti-hille Nacht, hei-lige Nacht, Coco hat in die Hose gemacht. Altes Ferkel. Coco lacht, daß es kracht, hah ahahaha, Spaß muß sein, Kinder, aber jetzt sind wir mal ein bißchen ernst ausnahmsweise. Ich nicht. Kinderweihnachten steht vor der Tür, das Fest der Liebe, was ist Liebe? Liebe ist nicht nur das, was die Großen nachts im Bett machen, wenn sie glauben, ihr schlaft schon. I pfui Teufel. Liebe ist Fühlen, mitfühlen, mit den vielen armen Kindern, die keine Geschenke kriegen, mit den Kindern in der Drittwelt, die krank sind, die Hunger haben, Liebe ist Geben. Ne ne! Nehmen. Gebt, Kinder, soviel Euros, wie ihr könnt, schickt sie an mich an euren Freund Coco, den Clown mit dem goldenen Herzen, Network HoloTV Babylon … Der letzte Detektiv: Virtuella (BR 1995) Sie kennen das, aus hundert Romanen und tausend Filmen, der Privatdetektiv sitzt in seinem Büro, dreht Däumchen, bohrt in der Nase, plötzlich geht die Tür auf - und wer kommt rein? Richtig, eine tolle Frau, atemberaubend, geheimnisvoll, blond, angezogen wie das Titelblatt von Lifestyle. Sie sah mich an, herausfordernd, abschätzend, sie setzte sich, schlug die Glitzerbeine übereinander, vielleicht ein bißchen klein geraten, und ein bißchen ungelenk, sie war erst dreizehn. Dreizehn einhalb, hallo, wie geht es Ihnen? Gestern ging es noch, und selbst? Danke der Nachfrage, Sie sind der Detektiv? Ich bin Jonas, nur Jonas, der letzte Detektiv, Enkel von Sam Spade und Philip Marlowe, Spezialist für aussichtslose Fälle, für Fälle … Der letzte Detektiv: Kopfjäger (BR 1995) Der Klimadom war kaputt, endgültig, die Schleusen des Himmels hatten sich geöffnet. Babylon soff ab, Sintflut. Weltuntergang. Großalarm. Tatü Tata... Das Wasser stieg und stieg. Als es mir in Mund und Nase lief, wachte ich auf. Kein Wasser, keine Sintflut. Ein Traum. Aber der Alarm war noch da. Unüberhörbar. Innervierend. Sam, natürlich, Sammy, wer oder was sonst. Halts Maul. Wie spät? Drei Uhr 17 Minuten und 9 Sekunden wenns beliebt, Tatü Tata! Mitten in der Nacht machst du einen widerlichen Radau. Was ist los. Alarmstufe Rot, Genosse. Knallrot. Feuerrot. Priorität 1a. Jetzt nimm endlich ab, das Fon. Tatü Ta. Jajaja jaja. Jonas nur Jonas der letzte Detektiv, wenn Sie mich wegen irgendwelchem Pipifax geweckt haben wird … Der letzte Detektiv: Unterwelt (BR 1995) Ih, eine Ratte! Es war keine Ratte, es war Sam, Samobil, genauer gesagt, nach dem Kopfjägerfall hatte ich ihm gekauft, was er sich schon lange gewünscht hatte: ein Mobilitätssystem für Minicomputer, Software, Räder, Getriebe, Motor, maßgeschneidert, Sam war begeistert, Jonas weniger, ein Computer, der spricht, ist schlimm genug, ein Computer, der spricht und durch die Gegend düst, ist schlimmer, ein Computer, der spricht und düst und mit seinem Herrn fangen spielt ist das letzte. Na los, krieg mich doch krieg mich doch bin ein bißchen flotter, krieg mich doch, krieg mich doch, bin ein kleiner Otter. Du Lahmgesäß. Sofort kommst du her, Sam, bei Fuß. So nicht, denn wahrlich, Sammy ist kein Pfiffi, keine Töle, kein Hundevieh … Der letzte Detektiv: Blackout (BR 1998) Ich wachte auf wie jeden Morgen, soweit nichts Besonderes, aber wenn ich aufwache liege ich im Bett, normalerweise, diesmal nicht, diesmal lag ich im Eingang eines Hauses an einer Straße, war ich schon mal auf der Straße aufgewacht? Ich konnte mich nicht erinnern, ich konnte mich an nichts erinnern, an gar nichts, ich richtete mich auf, kam auf die Beine, sah mich um. viele Fahrzeuge auf der Straße, und Menschen, Menschen über Menschen, alle in Bewegung, eifrig, zielstrebig, leicht verblödet, ich stand nur da, nicht eifrig, auch nicht zielstrebig, aber verblödet, nicht nur leicht, völlig, total, ich wußte nichts mehr, ich wußte nicht, wo ich war, nicht, wie ich hergekommen war, und vor allem nicht, wer ich war, in meinem … Der letzte Detektiv: Drachentöter (BR 1998) Was trägt die fashionbewußte, zeitgeistige, up-to-date Babylonierin demnächst im Ocean-Park? CamFash zeigt es Ihnen, meine Damen, schauen Sie her, Sie auch, meine Herren, sind unsere Andro-Models nicht eine wahre Augenweide? Es geht los mit Modell Franzi, ein Superbadeanzug im Stil der naughty nineties, provokant hohes Bein, unauffällig eingearbeiteter Wonderbra. 19. Oktober 2014, Kaufhaus Wunderland, Tigrisplatz, Babylon, Camelot Fashions der größte Textilkonzern in Europa, führte Bade- und Freizeitmode vor, natürlich Computer-Design, keine Haute Couture, natürlich Androidinnen, keine menschlichen Modells, großer Andrang, sehr viele Frauen, viele Männer, ein paar Transis, und mitten drin Jonas. Wie das … Der letzte Detektiv: Knochenarbeit (BR 1998) Es war kein Treibhaus. Es war eine Terrasse. Aber sie war heiß und hell und grün, wie ein Treibhaus. Und der Mann im Rollstuhl war wie General Sternwood, uralt, halbtot, mit einem Gesicht wie eine zerknitterte Maske. Er war natürlich nicht General Sternwood, er war Senior Hector de la Serna, wir waren auch nicht in Los Angeles, sondern in der Siedlung Bon Retirdo, auf der schönen Insel Palmera im Mittelmeer, wo sogenannte Senioren aus ganz Europa auf den Tod warten wenn sie es sich leisten können, und ich war nicht Philip Marlowe. Sie sind Jonas, nur Jonas, der letzte Detektiv. In Babylon. Auch auf Palmera, das kann ich Ihnen versichern, hätte ich Sie sonst kommen lassen? Das hatte er, Airticket Babylon-Alicante … Der letzte Detektiv: Invasion (BR 1998) Ich hätte nicht aus der Mine fliehen sollen, Herr Jonas, das ist mir klar, ich hätte nicht nach Babylon kommen sollen, aber ich mußte einfach, ich mußte wissen, was mit meinem kleinen Bruno ist, ob er die Invasion überlebt hat. Die was? Die Invasion, die Aliens, die aus dem Weltraum gekommen sind, in ihren Raumkreuzern, die hier alles kaputtgeschossen haben. Haben sie das? Ja, dann sind sie gelandet und haben die Erde besetzt, aber das wissen Sie doch so gut wie ich, Herr Jonas. Da bin ich mir nicht so sicher. Sie war nicht mein Typ. Sehr groß, grob, unschön, trotzdem wimmelte ich sie nicht ab, als sie sich zu mir setzte, im Casablanca, ich hörte ihr zu, warum weiß ich nicht, vielleicht hatte ich eine Vorahnung, sie hieß Lili, sagte … Der letzte Detektiv: Traumschiff (BR 2001) Sechs Uhr zehn, die Sonne ging auf über Babylon, das stand im Kalender, zu sehen war es nicht, seit Monaten streikten die städtischen Putzbrigaden, der Klimadom war dicht, total verdreckt, darunter taten 20 Millionen Babylonier das, was sie immer taten: standen auf, gingen schlafen, liefen herum, gingen arbeiten, brachten sich um, machten Liebe, machten gar nichts, machten weiter, der 21. September 2015, ein Tag wie jeder andere, nicht für Sam, heute war sein Geburtstag, sagte er. Hey, heute ist mein Geburtstag, jawoll, der Tag des Herrn, der Tag des Herrn Samuel, happy birthday to me, happy birthday to me... Quatsch, Computer haben keinen Geburtstag. Ach? Und wo, so frage ich euer Ehren, gezielt, dezidiert und … Der letzte Detektiv: Totentanz (BR 2001) Noch ein Bier, Gringo? Immer mit der Ruhe, ich hab ja noch was. Hör zu, Gringo, du sitzt jetzt schon zwei Stunden vor einem Bier, bei solchen Gästen geh ich Pleite, hau ab, Gringo, verpiß dich. Der Wirt erinnerte mich sehr an seinen Kollegen Jakob vom Casablanca, genauso umgänglich, genauso liebenswürdig, erstaunlich, wo die beiden doch viele tausend Kilometer auseinander waren, die Cantina saluti pesetas stand nicht in Babylon, sondern in Puerto Porco im freundlichen Ländchen Costaguana in Südamerika, Sam sagte Costamerda, er war nämlich der Landessprache mächtig, und fand es hier genauso schön wie sein Herr. Sammy will nach Hause. Jonas auch, Sam, ich werd dich wohl verkaufen müssen. Verkaufen? Hör … Der letzte Detektiv: Wildwest (BR 2001) Als das in Babylon erfolgreichste und beliebteste Holoformat des vergangenen Jahres hat sich noch vor Schwarze Dahlie, der Serienmörder der Woche die von Supermedia produzierte Kain-und-Abel-Show erwiesen, eine schlichte Grundidee: fünf Freiwillige werden zusammengesperrt und eliminieren sich gegenseitig, bis nur noch eine Person übrig bleibt, und eine aufwendige Produktion in wechselnden Szenarien, erwähnt seien hier nur die römischen Gladiatorenspiele im Amphitheater, der Wüstenplanet oder die Schlacht von Stalingrad, diese Mischung kam offenbar an, damit hat wieder einmal Supermedia den begehrten Big Brother gewonnen. Glückwunsch, Beringer, das war doch Ihre Idee, die Kain-und-Abel … Der letzte Detektiv: Mafia (BR 2001) Abends war ich im Casablanca gewesen, allein, ich hatte an Jamaro gedacht, kein Wunder, daß ich in der Nacht von ihr träumte, ein erotischer Traum wars leider nicht, außer vielleicht für einen Bondage-Fan, Jonas ist keiner. Hilf mir, Jonas, sie haben mich gefangen, die Russen und ihr schwarzer Teufel, im Aeroport, zuviel Technik, ich war nicht stark genug, und jetzt halten sie mich fest, gefesselt, unter Drogen, du mußt mir helfen, Jonas. Jamaro, indianische Medizinfrau, Schamanin, vor einem halben Jahr waren wir uns begegnet, drüben, in Costaguana, die Totentanz-Geschichte, wir waren uns nahegekommen, sehr nahe, bis Jonas nach Babylon zurückflog. Jamaro blieb dem Mörder ihres Stammes auf den Fersen, dem schwarz … Der letzte Detektiv: Comeback (Kanzlei Dr. Bahr 2008) Die Mitternacht zog näher schon in stummer Ruh lag Babylon. In stummer Ruh, nimm dir ein Beispiel dran Sammy, und was heißt Mitternacht, es ist fünf nach 8, früher Morgen. Das war nicht die Zeitansage, du Banane äh Banause, das war Pöesie, Poesie, Dichtkunst, du verstehen. Sam, mein Computer, ein Sonder-Modell, besonders verbal, extrem verbal, er kann seine Klappe nicht halten, auch wenn er keine hat, er nervt, andererseits, was wäre mein Leben ohne Sam, entspannter, ruhiger, und viel, viel uninteressanter, wer will das schon? Belsatzar von Heinrich Heine, ein unsterbliches Meisterwerk, Jehova, dir künd ich auf ewig Hohn, ich bin der König von Babylon. Schluß mit dem Knattergemine, geh ans Fon. Oh da bemüht … Der letzte Detektiv: Abgesang (Kanzlei Dr. Bahr 2008) Sie war jünger als ich, um die 40, dunkles Haar, dunkle Augen, eine wohlgefällige Figur in einem dieser Outfits, die nach nichts aussehen und mehr kosten als ein Detektiv im Monat verdient, in meinem schäbigen Büroapartment wirkte sie wie ein Kirschblütenzweig in einer alten Bierflasche. Mein Name ist Judith. Judith? Sie sehen mich an, als ob Sie mich kennen, kenne ich Sie? Sie hieß Judith, und so sah sie auch aus. Was war das? Eine Halluzination? Dejavu Monsignore. Deschawas? Ach vergiß es. Dabei hatte er so mies angefangen, dieser 1. Mai 2017. Der Geburtstag eines gewissen Detektivs. Ich war früh geweckt worden. Im Prinzip keine schlechte Sache, weil ich böse geträumt hatte. Ich war draußen, in PH1, kroch durch Röhren … Michael Koser: Cocktail für Zwei: Kongo King Blue (DLR 1998) Wenn ich die frühe Karriere unseres Glücksritterduos Felix und Cora Revue passieren lasse, ihre ersten Unternehmungen in Rußland und London, das Berliner Tangoabenteuer, den Coup in Monte-Carlo, die Affäre um den Hohenzollernhort, dann frage ich mich, womit fange ich an, mit dem Anfang natürlich, sagt der chronikalisch korrekte Pedant, so gehört es sich, so muß es sein, wirklich, die zwanziger Jahre in denen unsere Geschichten spielen, waren alles mögliche, golden, schmutzig, wild, mondän, krisenhaft, glorreich, schrill, pedantisch und korrekt waren sie nie, ich glaube ich beginne mit dem Abenteuer an der Riviera, blaues Meer und Sonnenschein, Kinostars, Luxus, großes Geld und große Gauner, der ideale Einstieg in die … Cocktail für Zwei: Tango Berlin (DLR 1998) Als das Jahr 1920 sich dem Ende zuneigte, als die Tage kürzer und kälter, die Nächte länger und heißer wurden, schüttelte ganz Berlin sich im Shimmyfieber, ganz Berlin nein, im vornehmen Hotel Kaiserhof trotzte das Orchester dem Zeitgeist und spielte weiterhin Tango, zur Freude eines erlesenen Publikums, es war Hochsaison, Sonntag, der 10. Oktober 1920, mitten in der Nacht. Eben hab ich etwas Hochinteressantes gehört, Freund Felix. Von wem, teuerste Cora. Von dem kleinen kravonischen Botschaftsattache, mit dem ich gerade getanzt habe, der mit den breiten Schultern und den schönen schwarzen Haaren. Und dem Hohlraum darunter. Mag sein, aber die Fassade ist imposant, das müssen sie zugeben. Was haben Sie denn nun … Cocktail für Zwei: Kaiserpunsch (DLR 1998) An einem schönen Sommerabend im Jahr der großen Hitze, präziser am Donnerstag, dem 11. August 1921 gegen 9 Uhr, ritt ein elegantes Paar auf zwei eleganten Brauen über den einsamen Strand des eleganten Badeorts Schevenig, es war noch sehr warm, die Dämmerung hatte soeben erst eingesetzt, und die Reiter, die man in ihrem eleganten Hotel kannte als Sir Mortimer und Lady Gwendolyn Grenfellpetinkton waren auf der Suche nach dem Sinn des Lebens. Was vermissen Sie, Freund Felix. Das Salz in der Suppe, Spannung, Gefahr, Risiko, Abenteuer. Das exquisite Gefühl auf dem Drahtseil über dem Löwenkäfig Tango zu tanzen. Genau das, teuerste Cora, für eine geruhsame Existenz in Filzpantoffeln sind Felix und Co nicht ge … Cocktail für Zwei: Bloody Mary (DLR 1998) Bisher meine Damen und Herren haben Sie mit mir Felix und Cora an die CotedAzur begleitet, nach Berlin und zum Versteck des Hohenzollernhorts, jetzt wird es Zeit, zu den Ursprüngen zurückzukehren, als alles begann, es war einmal ein Krieg, ein Weltkrieg, er sollte der letzte sein und war doch nur der erste, in diesem Krieg gab es einen Offizier der Felix hieß und zum Geheimdienst seines Landes gehörte und es gab auf der Gegenseite eine Spionin namens Cora, nun geschah es, daß beide sich trafen und aus Feinden zu Freunden wurden, da sie der Ansicht waren, für einen frühen Tod seien sie viel zu schade, verließen sie die Front unter Mitnahme erheblicher Summen die nicht ihnen gehörten sondern ihren jeweiligen Generalstäben und … Cocktail für Zwei: Eiffel sour (DLR 1999) Das Jahr 1922 war angebrochen und die Welt drehte sich immer schneller, Landru der schwarzbärtige Frauenmörder verlor Bart und Kopf, mit großem Getöse tagte zu Genua eine internationale Konferenz, die die Weltwirtschaft sanieren sollte, ein gewisser Josef Stalin wurde Generalsekretär der kommunistischen Partei Rußlands, der französische Ministerpräsident Briand mußte zurücktreten und Monsieur Poincare übernahm seinen Posten, das alles ist bekannt, das alles steht in den Geschichtsbüchern, daß der Eifelturm, das weltberühmte Wahrzeichen der Stadt Paris gestohlen wurde, das steht nicht in den Geschichtsbüchern, am Nachmittag des 9. Mai 1922 nahm diese schier unglaubliche Geschichte ihren Anfang. Von hier aus ist … Cocktail für Zwei: Surabaya Sling (DLR 1999) Es war ein schöner Junitag im Jahre 1922, die Sonne strahlte als gäbe es weder Weltkriege noch Friedensverträge, die Vögel die nichts wußten von Wirtschaftskrise und Inflation sangen aus vollem Hals und durch die von keiner Erhebung beeinträchtigte Plattheit der norddeutschen Tiefebene dampfe behäbig ein Bummelzug, sofern er nicht, wie es sich des öfteren als unumgänglich erwies, in einem der zahlreichen kleinen Bahnhöfe eine Verschnaufpause einlegte. Willsum hier Willsum, beim aus- und einsteigen beeilen bitte. Was für ein Nest, teuerste Cora, so winzig, so ruhig, so ganz und gar uninteressant. Glauben sie Felix, je kleiner die Laus, desto fetter der Schmaus. Oh kravonisches Sprichwort. Ganz recht, hätten sie nicht Lust, diesem … Cocktail für Zwei: Germanengold (DLR 1999) Wir sind von Kopf bis Fuß auf Wagner eingestellt, denn das ist unsere Welt und sonst gar nichts. Heil dir Holde. Heil dir Held Herman. Was gibts zu schmausen. Semmeln, Wurst, Käse, Eier, wie immer. Trefflich, trefflich, schenk ein den Kaffee aus keramischer Kanne, schweig stille Loki du arger Wicht. Pst gleich kriegst ein Wursti. Herman der Cherusker und Thusnelda saßen am Frühstückstisch, dieser stand in der Villa Walhall und diese wiederum stand an der Poschingerstr. im vornehmen Münchner Stadtteil Bogenhausen, eigentlich hieß Herman Alois Wichtel und so sah er auch aus, trotz seiner wenig imposanten Statur, seiner auswärts gebogenen Knie, seiner spärlichen mausblonden Haare hielt er sich für die leibhaftige Wiedergeb … Cocktail für Zwei: Titanic Smash (DLR 1999) Titanic, alle reden immer nur von der Titanic dabei waren es zwei zwei Schiffe. Es war vor Jahren gewesen noch während des Kriegs, in Amsterdam, Felix hielt sich incognito im neutralen Holland auf, der Grund tut nichts zur Sache, in einer finsteren Kaschemme im Hafenviertel war er mit einer gewissen wichtigen Kontaktperson verabredet, der Mann ließ auf sich warten, er kam übrigens nie, er trieb ein Messer im Rücken in einer abgelegenen Gracht, doch dies nur nebenbei, während er wartete gab Felix einem betrunkenen Seemann einen Ginebra aus, und der revanchierte sich mit einer höchst erstaunlichen Geschichte. Zwei Schiffe zwei Schwestern, fast Zwillinge, erst die Olympic, dann die Titanic, eine sah aus wie die andere, darum ist … Michael Koser: (Sonstige Hörspiele): Einmal Utopia - hin und zurück (RIAS 1970) (Ein Schulfunk-Hörspiel) (nach Robert Sheckley: A Ticket to Tranai) (Ein Planet mit dem Ruf eines Steuerparadieses und Idealstaates erweist sich bei näherem Kennenlernen als Paradies mit kleinen Fehlern. Seit Gottlieb von Borg gehört hat, einem kleinen kolonisierten Planeten irgendwo in der Galaxis, glaubt er sein Utopia gefunden zu haben, denn dort soll es die absolute Freiheit des Individuums geben. Keine staatliche Aufsicht, keine Gesetzbücher, keine Juristen, keine Polizei und deshalb auch keine Verbrechen. Jeder kann tun, was er will. Freie Bahn dem Tüchtigen. Private Unternehmerinitiative und freier Kapitalfluß sind das ökonomische Prinzip. Armut gibt es nicht. Auf Borg hat jeder das Recht, an der Umverteilung des Reichtums zu seinen Gunsten mitzuwirken. Was das in der Praxis bedeutet, erfährt Gottlieb gleich nach seiner Ankunft, als er einem Straßenräuber zum Opfer fällt. Man klärt ihn auf, daß es sich um einen Steuereintreiber der Regierung gehandelt hat, eine unbürokratische und verhältnismäßig schmerzlose Methode der Finanzpolitik. Umverteilung durch Straßenraub ist ganz legal. Jeder sorgt für sich selbst, und man rät ihm, es ebenso zu machen. Der Präsident persönlich heißt ihn willkommen und vermittelt ihm einen Job in einer Fabrik, in der möglichst unzuverlässige und ungeschickte Haushaltsroboter konstruiert werden, um den Menschen das Gefühl der Überlegenheit zu geben. Man drängt Gottlieb, so schnell wie möglich zu heiraten, denn Junggesellen haben auf Borg keinen Status, und Abweichungen von der Norm sollte er sich besser nicht leisten. Als ihn seine junge, hübsche Frau jedoch aufklärt, daß es auf Borg üblich ist, die Frauen regelmäßig einzufrieren, damit sie sich im Kältegenerator jung erhalten können, sieht er die Zeit für Reformen gekommen. Bereitwillig will ihm der Präsident sein Amt abtreten, denn auf Borg kann jeder Präsident werden. Als er jedoch hört, welch makabres Ende dem Staatsoberhaupt droht, wenn die Bevölkerung bei sinkender Popularität mehrheitlich den Minusknopf drückt, beschließt er spontan, zur Erde zurückzukehren, von der man sagt, daß sie mit ihrem geregelten Staatswesen und ihrer geordneten Wirtschaft ein wahres Paradies sein soll) … Kein Job mehr für die Roboter (RIAS 1970) (Schulfunk) (nach Brian Aldiss: But who can replace a man) (Ein Experiment soll klären, ob Roboter bei Ausbleiben menschlicher Befehle selbst Entscheidungen treffen können. Kein Mensch muß mehr körperlich arbeiten. Alle anfallenden Tätigkeiten werden zuverlässig von Robotern erledigt, die ihre Anweisungen per Funk erhalten. Die Robotpsychologin Julia will erstmals beweisen, daß Roboter fähig sind, ihre Arbeit ohne Anleitung selbständig zu organisieren. Mit Billigung des obersten Konzils wird die Funkverbindung zu einer der landwirtschaftlichen Außenstationen unterbrochen. Eine Überwachungsfrequenz, von der die Roboter nichts wissen, erlaubt es, den Verlauf des Experiments zu verfolgen. Als die Anweisungen von der Zentrale ausbleiben, ahnt R 1, Koordinator der mit sieben Robotern besetzten Agrarstation, daß irgend etwas nicht so ist, wie es sein soll. In seiner Datenbank findet er jedoch für eine solche Situation keinen Präzedenzfall. Ein technischer Defekt scheidet aus, deshalb kann der Fehler nur bei den Menschen selbst liegen. Wären nur einige Menschen außer Betrieb, hätten andere sie längst ersetzt. Da dies nicht der Fall ist, bleibt einzig die logische Folgerung, daß alle Menschen außer Betrieb sein müssen. Wenn aber keine Menschen mehr da sind, gibt es auch niemanden, für den die Roboter arbeiten können. Also sind die Roboter jetzt frei und können tun, was Ihnen gefällt. Sie werden ihre eigenen Herren sein und bald die Welt beherrschen. R 1, der über das Gehirn mit der größten Kapazität verfügt, ernennt sich zum Führer. Die Stadt der Menschen soll zerstört und durch eine neue für Roboter ersetzt werden. Spaltbares Material ist in ihren Atomreaktoren ausreichend vorhanden. Als man in der Zentrale registriert, daß das Experiment außer Kontrolle zu geraten droht, versucht man, es im letzten Moment zu stoppen. Aber zu spät: R 1 hat seinen Empfänger abgeschaltet. Schon bewegt sich ein immer größer werdender Zug von Robotern auf die Stadt zu) … Reservat. There are no Truths outside the Gates of Eden (RIAS/SWF 1970) (Werkstatt des Hörspiels) Guten Abend, meine Damen und Herren, in unserer heutigen Übertragung hören Sie: Reservat, there are no truths outside the Gates of Eden. Von Michael Koser, Manfred Marchfelder und Friedrich Scholz. Es wirken mit: Klaus Krüger, Ernst Schröder, Ursula Starck, Hans-Ulrich Minke, Helga Anders, Klaus Herm, Cordula Hubrich, Christoph Quest, Klaus Wampfler, Erika Eller, Hans Boche, Klaus Jepsen, Erwin Schastok, Mike Wiegand, Barbara Tietze, Klaus Dieter Mäurich und Ulrich Pleitgen. Wir wünschen Ihnen einen guten Empfang (Applaus). At times I think there are no words but these to tell whats true and there are no truths outside the Gates of Eden. Eins zwei drei (Musik). Dieser Ort zerstört mich. Es gibt kein oben und unten mehr. Das Wort darf nicht … (Andersdenkende und Außenseiter der Gesellschaft werden in ein Reservat abgesondert und ausgebeutet. Um sich subkultureller Bewegungen zu entledigen, die das lautlose Funktionieren der Gesellschaft stören und ideologische Unzufriedenheit verbreiten könnten, hat man unter einem gigantischen Plexiglasdom einen Freiraum geschaffen, ein künstliches Paradies der Antisozialen, von der Außenwelt hermetisch abgeschlossen und durch eine komplexe Maschinerie ständig in einem Schwebezustand gehalten. Automaten versorgen die Insassen mit allem, was sie brauchen. Jeder kann leben, wie er es sich wünscht. Nichts ist verboten. Fast alle sehen glücklich aus. Die wenigsten wollen wahrhaben, daß ihr Horizont begrenzt ist, daß es eine Grenze gibt, die nicht überschritten werden kann. Möglichkeiten der innerinstitutionellen Rebellion sind bewußt vorgesehen und selbst institutionalisiert. Aber es ist sinnlos, Automaten zu zerstören, weil jeder Ansatz, ein Zeichen zu setzen, folgenlos bleibt. Die weitaus meisten haben ihre ursprünglichen Ziele längst zugunsten individueller Glücksbefriedigung aufgegeben. Anfängliche Widerstände in der Öffentlichkeit sind beseitigt, seit man erkannt hat, daß die Institution keine karitative Anstalt, kein sozialer Luxus ist, sondern sich ökonomisch selbst trägt. Weil antisoziale Haltung oft mit künstlerischer Begabung korrespondiert, kann die Gesellschaft sich der Resultate ihrer schöpferischen Arbeit bedienen, um nach Entfernung extremer Auswüchse und normalisierender Bearbeitung die streng lineare Geometrie des Plans abzurunden. Daß die Schützlinge auf diese Weise Erhebliches zur Bereicherung der Gesellschaft beitragen, die Sie ablehnen, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Thema des Hörspiels in der Dialektik zwischen Innenansicht und Außendarstellung der"Institution" sind Begriffe wie Freiheit, Toleranz und Revolution, aber auch die Abkapselung des Kulturbetriebs von der realen gesellschaftlichen Entwicklung, wobei Michael Koser sein eigenes Werk selbstkritisch nicht ausnimmt). (Die Utopie handelt von einem künstlichen Paradies, geschaffen von einer zukünftigen Weltregierung für alle diejenigen, die gegen den"Plan", die vorausberechnete wirtschaftliche und politische Ordnung opponieren: Künstler, Gammler, Oppositionelle jeder Art. In dem von der Außenwelt abgeschlossenen Reservat erhalten die darin Angesiedelten mühelos alles, was sie zum Leben brauchen, haben sie völlige Freiheit, die Lebensform zu wählen, die sie wünschen - die Gesellschaft"draußen" aber hat sich dadurch auf"humane" Art von ihrer unberechenbaren Opposition und Revolution befreit. Auf der anderen Seite finden sich auch die Außenseiter der Gesellschaft im Reservat mit der"repressiven Toleranz" ab, geben echte revolutionäre Haltung auf zugunsten einer individuellen Glücksbefriedigung. - Das Hörspiel soll auffordern, über Begriffe wie Freiheit, Toleranz, Revolution nachzudenken) (Titel aus dem Song"Gates of Eden" von Bob Dylan) … Tote singen nicht (Kriminalparodie auf Raymond Chandler) (RIAS/SWF 1971) Das Haus war der gemeinsame Alptraum eines größenwahnsinnigen Architekten und eines Bauherrn, der zuviel Geld hatte, eine unwahrscheinliche Kreuzung aus gotischem Palazzo, maurischer Kathedrale und griechischem Eiscreme, aber ich war ja nicht hier, um den Geschmack der oberen Zehntausend zu beurteilen, Mister Waterson ließ mich warten, er konnte sich das leisten, er hatte eine Empfangshalle so groß wie das Landedeck eines Flugzeugträgers, einen fast echten englischen Butler, den er wahrscheinlich auf einer Antiquitätenmesse ersteigert hatte, und mehr Dollars als die übrige Stadt zusammen und ich war bloß ein kleiner Fisch, mein Auto war drei Jahre alt, mein Anzug war auch, und mein letzter Kontoauszug war … John Bomb jagt Dr. Pop (Kriminalparodie auf Ian Fleming) (SWF/RIAS 1971) (Action à la 007. Aber es ist anstrengend geworden, Null-Null zu sein. Nicht die Parties, nicht die Mädchen - die schafft man an einem Vormittag. Aber die Jagd. Früher hatte man es leichter: da hat man die eine Hälfte mit dem Sportwagen gemacht und die andere Hälfte unter Wasser, mit dem Flugzeug, das ging auch noch. Aber dann haben die Schurken Raketen eingesetzt, und jetzt ist unter Raumschiffen nichts mehr zu machen. Natürlich fängt John Bomb am Ende Dr. Pop, fragt sich bloß, wo und unter welchen Umständen) … Was hilft gegen Vampire? (RIAS 1972) … Zwei Messer stecken, ach, in einer Brust (RIAS 1972) (Ein Werwolf-Hörspiel) (Der Originaldatensatz von Deutschlandradio/RIAS betitelt das Hörspiel mit „Zwei Messer stecken, ach, in einer Brust“. Es kann natürlich sein, daß bei der Dokumentation ein Schreibfehler unterlaufen ist oder die Bandschachtel falsch beschriftet war. Da Michael Koser gerne mit Wortspielen hantiert – die Originalvorlage ist hier wohl Goethes Faust („Zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Brust“) – kann es natürlich gut sein, daß das Zitat von Koser hier entsprechend umgewandelt wurde. Dabei machen wohl beide Versionen („einer“ bzw. „meiner“) Sinn. Ich konnte in den Beitrag hineinhören, leider wurde der Titel hier nicht genannt. Inhaltlich geht es um die Ermordung einer Prostituierten durch Jack the Ripper. Da die Geschichte nicht aus der Ich-Perspektive der Frau erzählt wird, macht „Zwei Messer stecken, ach, in einer Brust“ mehr Sinn. Das ist aber nur meine Interpretation) (Info ARD Hörspielarchiv) … Der geheimnisvolle Fall der Weihnachtsgans (RIAS 1972) (nach Arthur Conan Doyle: Sherlock Holmes, Der blaue Karfunkel) (Am Morgen des zweiten Weihnachtsfeiertages kam ich zu Sherlock Holmes, um ihm meine Glückwünsche zu überbringen, er lag auf dem Sofa in einem purpurnen Morgenrock, neben sich den Pfeifenständer und einen Stoß Zeitungen, vor der Couch stand ein hölzerner Stuhl, über der Lehne hing ein nicht sehr respektabel aussehender Filzhut, er war schon ziemlich ramponiert und hatte viele Beulen, Vergrößerungsglas und Pinzette, die auf dem Stuhlsitz lagen, legten die Vermutung nahe, daß Holmes bei der Arbeit war. Hoffentlich störe ich dich nicht, sagte ich. Nicht im geringsten, ich bin froh, die Sache mit dir besprechen zu können. Er deutete mit dem Daumen auf den alten Hut. Da haben wir eine ganz banale Angelegenheit) … Ach und Krach (RIAS 1973) (Lärm wird von der Staatsführung als notwendiges Zugeständnis an den Fortschritt propagandistisch kompensiert. Die Welt ertrinkt im Lärm. Die Schwelle des Erträglichen ist schon lange überschritten. Lärmschleusen und elektronisch gesteuerte Schallisolierungen sind nur für die Spitzen der Gesellschaft erschwinglich. Untergrundkommandos bekämpfen Lärm mit Gegenlärm. Die Mehrzahl der Bevölkerung hat resigniert. Um zu akzeptablen neuen Ideen für den Lärmschutz zu kommen, beschließt das Führungsgremium der obersten staatlichen Instanz, zwei Probanden unter dem Vorwand eines freiwilligen Berufs- und Eignungstests auf das Problem anzusetzen. Sie, 027-41-316 W, erhält von den Testmaschinen den Auftrag, das Thema in einem Rundfunkhörspiel zu erörtern, er, 142-20-444 M, soll eine Maschine oder Vorrichtung erfinden, die Lärm erträglicher macht. Vier Wochen später kann der Versuch erfolgreich abgeschlossen werden, daß dabei die Rollen vertauscht wurden und er das Hörspiel, sie die technische Verbesserung realisiert hat, scheint unerheblich. Ihre Idee war es, die allgemein gebräuchlichen, jedoch ineffektiven und sozial isolierenden Ohrenschützer mit kleinen Empfängern auszustatten, aus denen sanfte Musik oder eine freundliche Stimme kommt. Im Gremium ist man sich schnell einig, daß die Möglichkeiten dieser Lärmschutz-Kopfhörer weit über die Absichten der Erfinderin hinausreichen. Mit ihrer Hilfe wird es gelingen, die Menschen, die sich dem technischen Fortschritt so wenig anzupassen bereit sind und die zwangsläufigen Begleitumstände über Gebühr betonen, im staatlichen Sinne progressiv zu konditionieren. Entsprechende Slogans sind bereits ausgearbeitet. Per Gesetz könnte das Tragen der Kopfhörer zur Pflicht gemacht werden. Dann könnte auch das vorgelegte Anti-Lärm-Hörspiel nach angemessener Bearbeitung über die Kopfhörer laufen - trotz seiner radikalen Tendenzen. Denn wann hatte verbaler Radikalismus, zumal in künstlerischer Form, je über heilsame Abreaktion hinausgehende, radikale Wirkung?) … Müllschlucker (SWF 1973) (Es gibt keine Kriege mehr, die Welt ist heil, und die unliebsamen Alten werden in den Weltraum hinausgeschossen, wo sie die"gute alte Zeit" verherrlichen."Ehre das Alter, aber nicht zu sehr, wenn du selbst alt werden willst", ist einer der Leitsätze des weisen Boseko, Cheftheoretiker der Neuen Ära, die einige Jahre nach dem Schock des 3. Weltkriegs begonnen hat. Aber der allgemeine Vorsatz, in Zukunft besser aufzupassen, wird immer wieder gefährdet durch Leute wie Opa 17, deren Wünsche rückwärts orientiert sind und die militaristisches und kapitalistisches Gedankengut verbreiten. So beschließt die Großfamilie V-97-663, es den anderen gleichzutun, die ihre kriegslüsternen Alten auf MS 1 abgeschoben haben, den Müllsatelliten, den man zu Beginn der Neuen Ära gebaut und in eine Erdumlaufbahn geschossen hat. Opa 17, der sich jetzt wieder Cäsar nennt, kommt in gute Gesellschaft. Aber er hat ganz und gar keine Lust, hier als einfacher Arbeiter bei einem der Monopolisten für Altpapier, Glas oder Schrott ganz unten anzufangen. Jeder, der einen Abfallstoff findet, auf den noch niemand ein Monopol hat, darf sich selbst zum Monopolisten ernennen. Wenn er alle Herausforderer im offenen Kampf besiegt, kann er sich in die Monopolrolle eintragen lassen, erhält Sitz und Stimme im höchsten Gremium des Müllplaneten und bestimmt fortan mit über die Verteilung der lebenswichtigen Güter, die von der Erde geschickt werden. In einem märchenhaften Aufstieg bringt es Opa Cäsar vom Monopolisten für Altmedikamente zum uneingeschränkten Herrscher über den Müllplaneten. Unter dem Motto"Durch Müll zum Sieg" fordert er von der Erde ultimativ die Abschaffung aller Errungenschaften der Neuen Ära, so daß man sich gezwungen sieht, den Satelliten mit seiner zeternden Besatzung auf eine neue, für die Erde ungefährliche Umlaufbahn abzudrängen. Die Welt ist wieder in Ordnung. Michael Kosers Satire zielt auf die ewig Gestrigen, nimmt aber auch die allzu simplen utopischen Entwürfen einer befriedeten Welt von morgen nicht aus) … Verfahren (Ein Denk-Spiel über Autos) (RIAS 1973) (Die Zunahme der Verkehrsdichte gipfelt in einem nicht mehr endenden Stau, der lückenlos alle Straßen des Landes ausfüllt. Aufgrund verstärkter Neuzulassungen ist nun auch auf einer der letzten Bundesstraßen der Verkehr endgültig zum Erliegen gekommen. Das Verkehrsministerium bittet durchzuhalten, seit Eintritt der derzeitigen statischen Situation vor zwei Jahren ist die Regierung unermüdlich damit beschäftigt, Maßnahmen zur Schaffung wirksamer Abhilfe zu überprüfen. Der Automobilclub unterstreicht seine Forderung nach neuen Straßen und empfiehlt, gelegentlich den Motor laufen zu lassen, damit er fahrbereit bleibt. Unter dem Wahlspruch"Mein Auto ist meine Burg" haben sich kleine, straff organisierte Gruppen gebildet, Autokameraden, die treu zu ihrem geliebten vierrädigen Freund stehen. Wer träumt nicht davon, auf menschenleeren Autobahnen frei aufs Gaspedal zu treten, in die Sitze gedrückt zu werden, die Bäume nur als undeutliche Schatten zu sehen! Pünktlich um zwölf kommt der Polizeihubschrauber zur Essen- und Postausgabe. Wehe dem, der sein Wasser zum Trinken mißbraucht! Es gilt, den Ruf der saubersten Autos auf der ganzen Autobahn zu verteidigen! Das Autoradio wirbt für Klapp-WCs und Häkelschoner fürs Lenkrad. Im beliebten Wunschkonzert schickt die Familie liebe Grüße an den Papa bei Kilometer 52. Im Raum Neuwied kommt es zu Zusammenstößen zwischen Autokameraden und einer Gruppe linker Naturfreunde, die am Begrenzungsstreifen gegen den Individualverkehr demonstrieren. Das Innenministerium empfiehlt, sich durch eine lautstarke radikale Minderheit nicht provozieren zu lassen, Regierung und Institutionen und die gutgesinnte Mehrheit der Bevölkerung stehen hinter den Autokameraden. Trotz - temporärer! - Verstopfung der Autobahnen und Bundesstraßen sind, wie der Bundesverband der Autoindustrie versichert, doch noch eine ganze Reihe von Straßen zweiter Ordnung und Feldwegen unbesetzt, was bedeutet, daß die Straßenkapazität im großen und ganzen gesehen bei weitem noch nicht erschöpft ist, und das heißt: weitermachen und noch mehr leisten zum Wohl des Ganzen) … Yeti in Dichtung und Wahrheit (RIAS 1973) (Hörfolge aus dem sagenhaft-phantastischen Sujets um Professor Kolimowski, der unbekannten Phänomenen nachspürt und wiederholt ungewöhnliche Begegnungen hat) … Dies Blutbild ist bezaubernd schön (Ein Vampir-Hörspiel) (RIAS 1973) Amsterdam, 17. Mai, 6 Uhr 15, in einer halben Stunde wird Prof. Vandenburg bei mir erscheinen, der international angesehene Experte auf dem Gebiet der okkulten Wissenschaften, er hat versprochen, mir meinen ersten Vampir vorzuführen, ich bin gespannt. Wir sind da, Vorsicht, das ist der Sarkophag, fassen Sie mit an, der Deckel ist schwer, sie haben doch das Kruzifix bei sich und den Knoblauch. Natürlich, im Sarg liegt ein älterer Mann, er wirkt entspannt, ruhig, als ob er schläft, ich habe das Gefühl, daß er mich durch die Wimpern hindurch beobachtet, seine Gesichtsfarbe ist ich würde sagen ausgesprochen gesund, die Lippen nein das ist geronnenes Blut in den Mundwinkeln, und dann zwei dunkle Linien bis zum Kinn … Von rechts nach links: Super Tarzan Special Agent Love Story Space Captain Lonesome Gun (Ein utopisches Hörspiel) (RIAS 1974) (Totalidentifikation als Unterhaltungsangebot eines elektronischen Massenmediums, das selbst systemkritische Ansätze zum konsumierbaren Programmbestandteil macht. Im Rahmen des allmonatlichen Inside-Programms für Outsider gewährt die Kult AG Einblicke in Produktionsweisen und demonstriert, wie mit Hilfe des Programmcomputers aus vorgegebenen Versatzstücken eine Vielzahl von Unterhaltungsprogrammen montiert werden, die nach Passieren der elektronischen Zensur mit Werbespots angereichert und im Stimu-Sender gespeichert werden, von wo aus sie zu Hause am Identi-Stimulationsset mit Hilfe des Programmwählers jederzeit abgerufen und durch Stimulierung entsprechender Gehirnzentren als induktive Halluzination erlebt werden können. Die Programminhalte freilich sind die gleichen wie in der Vor-Kult-Zeit: starke Männer, die für Recht und Gesetz kämpfen, Abenteuerfrische, der Duft der großen weiten Welt, Geschichten, die das Leben schrieb, unermeßliche Gefahren in Raum und Zeit. Doch in den Reihen der Programmierer wird Unzufriedenheit laut. Sie wollen andere Sendungen machen, das übersättigte Publikum aktivieren, ihn die dauernde Fremdbestimmung bewußt machen. Mitten ins laufende Programm hinein fordern sie dazu auf, den Gehorsam zu verweigern, Widerstand zu leisten, eigene Entscheidungen zu treffen. Aber Kult AG weiß auch die Äußerungen der Rebellion für ihre Zwecke nutzbar zu machen. Die Teilnehmer können identifiziert bleiben. Alles ist unter Kontrolle. Denn was da live miterlebt wurde, ist nicht der Versuch eines kulturrevolutionären Umsturzes, sondern ein gut arrangiertes Spezialprogramm für progressive Minderheiten aus der kombinierten Serie: The Great Red Hope - Kulturrevolution. Michael Koser demonstriert, inwieweit Kritik, als Spiel konsumierbar gemacht, nicht mehr geäußert zu werden braucht, Protest und Widerstand aus zweiter Hand den Einzelnen von seiner Verpflichtung zum Engagement entbinden, statt sie ihm bewußt zu machen, wobei der Autor seine eigene Arbeit selbstkritisch in die gleiche Perspektive rückt.) (Der Autor entwirft keine unverbindlichen utopischen Zukunftswelten, sondern bezieht sich konkret auf gegenwärtige Mißstände unserer Welt. Hier nimmt er satirisch den Zustand heutiger Massenkommunikationsmittel und ihr Angebot an Unterhaltungssendungen aufs Korn."Kult AG", computergesteuert, Massenmedium der Zukunft, beliefert ein gelangweilt-williges Publikum noch immer mit den bekannten Geschichten: Tarzan, Special- Agent, Lonesome Gun, Weltraum-Krimis etc. Ein paar Mitarbeiter der"Kult AG" tun sich jedoch zusammen, um wider den Stachel zu löcken, wollen ihr Publikum zum Widerstand aktivieren. Doch die Äußerungen der Rebellion weiß"Kult AG" für ihre, für unsere Zwecke nutzbar zu machen) … Heil im Siegerkranz - Satire auf den Geist der Gründer (RIAS 1975) (Sprecher, Rolle/Funktion: Inge Wolffberg: Winnetou, Wilhelmine Buchholz, Gert Haucke: Old Shatterhand, May Karl, Kara Ben Nemsi alias Karl Friedrich May, Hubertus Bengsch: Comanchenhäuptling, Onkel Fritz, Professor, Helmut Krauss: Red Batman, Arbeiter, Hadschi Halef Omar, Peter Schiff: Tramp, Zarathustra, Diener, Dr. Stinde, Barde) … Jahrmarkt der Vergangenheit. Heute wars - Satire auf das Gestern von morgen (RIAS 1975) (Das Hörspiel „Heute war’s – Satire auf das Gestern von morgen“ aus dem Jahr 1975 erschafft eine Welt im Jahr 2020: Es gibt nur noch einen Staat auf der Welt, die Menschen leben in großen Superstädten unter Plexiglas. Und sonst? Alles ist möglich, auch, daß Gegenwart und Zukunft so aussehen wie in diesem Hörspiel – so zumindest das Resümee des Autors Michael Koser) … Ping-Pong zur Ming-Zeit (Erotische Erzählung aus dem alten China) (RIAS 1977) Kennen Sie Kung Fu, kennen Sie Mao Tse Tung, aber kennen Sie auch Ming Ping Pong? Ming Ping Pong ist kurz gesagt nichts anderes als eine Abkürzung bzw. Kurzfassung des Titels dieser unserer Sendung, welcher in voller Länge lautet wie folgt: Ping-Pong zur Ming-Zeit, erotische Erzählungen aus dem alten China. Das Manuskript schrieb Michael Koser. Aber was, werden Sie nun fragen ist Ping Pong zur Mingzeit, eigentlich um ganz ehrlich zu sein, nur der etwas reißerische Titel für eine Sendung über einen wichtigen Abschnitt der chinesischen Literaturgeschichte, mit Körperkultur oder gar Leistungssport hat unser Thema höchstens im übertragenen Sinne zu tun... steht und fällt mit dem Text, dem Wort. Fönis war … Loch Ness (RIAS 1977) (Yeti, Loch Ness und UFOs sind Hörfolgen aus dem sagenhaft-phantastischen Sujets um Professor Kolimowski, der unbekannten Phänomenen nachspürt und wiederholt ungewöhnliche Begegnungen hat) … Ufos (RIAS 1978) (Ein Kontakt mit Außerirdischen enthüllt das Mysterium des Ursprungs der menschlichen Rasse. Professor Kolimowski, prominenter Anthropologe, Zoologe und Physiker, Entdecker des sagenhaften Yeti und Konstrukteur einer leider noch nicht voll funktionsfähigen Zeitmaschine, wird seit einem Jahr vermißt. Alles deutet darauf hin, daß er bei einem Tauchversuch auf der Suche nach dem Ungeheuer von Loch Ness Opfer seines Forschungsdrangs geworden ist. Doch dann gibt es ein überraschendes Lebenszeichen in Form dreier von ihm persönlich besprochener Tonbandkassetten, die nach Aussage eines ostfriesischen Bauern von einer fliegenden Untertasse über seiner Wiese abgeworfen worden sein sollen. Die allem Anschein nach authentischen Tondokumente enthalten die unglaublichen Schilderungen des Wissenschaftlers, der von einem unbekannten Flugobjekt entführt wird. Mit einem ad hoc aus Teilen seines Fotoapparats konstruierten Universal-Translators gelingt es ihm, mit den Außerirdischen in Kommunikation zu treten. Sie kommen von der Vega und bringen ihn geradewegs in das geheime galaktische Hauptquartier am Grund des Bermuda-Dreiecks. Hier, in der Tiefe des Ozeans, steht er einem der weisen UFO-Lenker aus galaktischen Fernen gegenüber und erhält Aufschlüsse über Vergangenheit und Zukunft der Menschheit. Vor zwei Millionen Jahren hatten böse Reptilien vom Aldebaran auf der Erde den Keim für die menschliche Rasse gelegt, um dereinst über willige Söldner in ihrem Geiste zu verfügen. Das Imperium von Aldebaran existiert nicht mehr, aber seither behalten die Veganer den von jenen geschaffenen Vorposten im Auge. Werden die Menschen hoffnungslos dem Bösen verfallen oder sind sie noch für das Gute zu retten? Sollen sie eine letzte Chance erhalten oder exterminiert werden? Eines ist sicher: in einer zweiten Sintflut wird es keinen Noah mehr geben) … Das Geheimnis von Craven-Hall (RIAS 1978) (nach Catherine Louisa Pirkis: The Murder at Troytes Hill) Versetzen Sie sich nun im Geiste zurück, um ein gutes dreiviertel Jahrhundert, in die Zeit der Gasbeleuchtung und der Pferdedroschken und folgen sie mir in das Gerichtsgebäude einer kleinen englischen Stadt, wo gerade eine Totenschau abgehalten wird, ein Mord hat stattgefunden. Und dann sahen Sie die Leiche. Jawohl euer Ehren, ich erblickte den dahingeschiedenen in seinem Blute liegen, inmitten dieser chaotischen Umgebung, es war abscheulich, wenn ich mir diesen starken Ausdruck gestatten darf. So, und was taten Sie dann? Ich sagte oh! Oh? Jawohl euer Ehren, oh, ich erinnere mich genau. Und dann? Äh, dann dachte ich nach. In der Tat, und? Ich äh ich dachte also nach, etwa 2 Minuten, würde ich sagen, dann … Die Iden des März (RIAS 1981) (Carl Martell: Report vor Ort - Sensationen von gestern für Leute von heute) … Die Wikinger in Vinland (RIAS 1981) (Carl Martell: Report vor Ort - Sensationen von gestern für Leute von heute) … Schmetterling mit Hakenkreuzen (BR 1981) (nach Philip K. Dick: The man in the high castle) Tschuang Tse träumt, er sei ein Schmetterling, er fliegt dahin, flattert mit den Flügeln und freut sich, plötzlich wacht er auf und erkennt, er sei Tschuang Tse, ist er nun Tschuang Tse, der träumte, er sei ein Schmetterling, oder ist er ein Schmetterling, der träumt er sei Tschuang Tse, ahaha, wer kann das sagen, ich bin Melville Abendsen, geboren 1918, als der erste Weltkrieg zu Ende ging, im zweiten Soldat, Guadalcanal, Midway, Guam, bei Iwojima verwundet, Besatzer auf Okinawa bis 1946, ich bin Schriftsteller, ich schreibe Science Fiction, ich äh habe eine Idee im Kopf, eine Geschichte, die nicht in der Zukunft spielt, die gegenwärtig ist, zeitgenössisch und doch nicht von dieser unserer Zeit, ich will gewissermaßen … Zwei Leichen im Orient-Express (Ein Fall für Professor van Dusen, nicht gesendet, profvandusen.com) Guten Morgen, Professor, wachet auf, wachet auf, es krähte der Hahn, Morgenstunde hat bekanntlich Gold im Munde. Wie spät? Sieben Uhr durch, Professor, und die Sonne scheint. So, geben Sie mir mein Notizbuch. Sagten Sie Notizbuch? Ja doch, gestern abend, kurz vor dem Einschlafen, hatte ich einen höchst interessanten Gedanken im Zusammenhang mit meiner atomaren Strukturtheorie, von der Sie ohnehin nichts verstehen, da, auf der Ablage, etwas schneller, wenn ich bitten darf. Bitte sehr, Professor. Fällt Ihnen nichts auf, Professor? Nein. Und heute nacht haben Sie auch nichts gemerkt? Wie Sie wissen, mein lieber Hatch, erfreue ich mich eines gesegneten Schlafes, auch auf Reisen, was ist geschehen? Sehen Sie … Das schaudererregende Abenteuer im Orient-Express (WDR 1982) Guten Morgen Homes, früh im Bett und früh heraus glaube mir das zahlt sich aus. Was ist die Uhr. Präzise 7 mein lieber Homes und die Sonne scheint. So geben sie mir mein Spritzbesteck. Aber Homes sie haben doch versprochen. Verschonen sie mich mit ihren spießbürgerlichen Moralpredigten was wissen sie schon davon wie sehr ich meine 7%Lösung brauche, da auf der Ablage nun geben sie schon her. Wenn sie darauf bestehen. Ja. Fällt ihnen nichts auf Homes. Nein. Und heute nacht haben sie auch nichts gemerkt. Wissen Sie mein lieber Watts ich erfreue mich selbst auf Reisen eines passablen Schlafes, was ist geschehen. Werfen Sie einen Blick aus dem Fenster. Ah wir stehen. Sehr scharfsinnig, 7 Uhr sollten wir nicht schon seit Stund … Im Wald, da sind die Räuber (RIAS 1982) (Carl Martell: Report vor Ort - Sensationen von gestern für Leute von heute) … Festgemauert in der Erden (RIAS 1982) (Carl Martell: Report vor Ort - Sensationen von gestern für Leute von heute) (Meine Damen und Herren. Heute meldet sich wieder"Report vor Ort" - mit Sensationen von gestern für Leute von heute. Carl Martell will mit der Sendung"Festgemauert in der Erden" einen historischen Ablauf von den Feierlichkeiten des Turmbaus zu Babel geben. Wir wünschen gute Unterhaltung!) (Anmoderation) … Die lange Nacht des jungen Werthers (RIAS 1982) (Michael Koser: Report vor Ort - Sensationen von gestern für Leute von heute) … Der Weltuntergang findet nicht statt (RIAS 1982) (Carl Martell: Report vor Ort - Sensationen von gestern für Leute von heute) … Als die Römer frech geworden (RIAS 1983) (Carl Martell: Report vor Ort - Sensationen von gestern für Leute von heute) … Film Noir (DLR 2000) Keine Fotos, keine Fotos, bitte, keine Kameras, lassen Sie den Mann doch in Ruhe, und keine Fotos, hören Sie bitte auf zu fotografieren, machen Sie Platz... Als ich Malibu Beach erreichte, war der Regen noch stärker geworden, Blitze zuckten über den Nachthimmel wie der Widerschein fernen Artilleriefeuers, ich hielt, fünf Minuten vor elf, ich war pünktlich, die Straße war leer, bis auf einen einsamen Buick weiter vorn an der Biegung, unter einer windgeschüttelten Palme, und bis auf Arnolds Cadillac natürlich, er hockte vor dem Strandhaus wie eine riesige Kröte, ich hätte in guter Stimmung sein sollen, aber mein Gemüt war fast so dunkel wie der Himmel, Schatten der Vergangenheit oder eine Vorahnung an diesem verregneten Abend … Die Alzheimergang (DLR 2002) Ich soll die Story erzählen, das haben Garbo und Harald und Hildchen so beschlossen, ich weiß nicht wie ich das finde, klar ich gehör auch zur Alzheimergang, bloß irgendwie doch nicht so ganz richtig, weil ich bin erst 19 und Alzheimer ist noch weit hoffe ich mal, aber wenn die anderen unbedingt wollen, okay. Hören Sie sich das mal an: gerade im Bereich der Seniorenpolitik, sagte Dr. Waldhorn, muß sich sehr viel ändern, unseren älteren Mitbürgern, sagen wir es doch ganz deutlich, geht es zu gut. Was zu gut? Ja. Der spinnt, der Waldhorn. Och, vielleicht hat seine Mutter ja recht. Der Sie immer die Karten legen, Hildchen, ja, und was sagt die alte Isolde Waldhorn. Sie sagt, ihr Sohn sei ein, entschuldigen Sie den Ausdruck, ein … Die Schule der Glücksritter (DLR 2004) (geplant als Cocktail für Zwei: Chicago Flip) Pittsburgh, hier Pittsburgh. Der Pennsylvania Special rollte gerade ein, als ich den Bahnsteig betrat, ich fror ohne Hut und Mantel, der Schneeregen der Dezembernacht hatte mich durchnäßt, die Tasche war so schwer und ich wurde verfolgt, während ich am Zug entlang hastete, sah ich mich um, da kamen sie, zwei große Männer in dunklen Mänteln und klobigen Schuhen, in Panik stieg ich in den nächsten Wagen, ein Pullmansalon mit Privatabteilen und lief den Gang entlang, fängt ja gut an das neue Leben, dachte ich, plötzlich öffnete sich die Tür neben mir, eine Hand packte mich, zog mich ins Abteil. Legen Sie sich ins Bett schnell. Meine Tasche. Die verstecken wir unterm Bett, cava unter die Decke Mademoiselle wickeln sie sich … Weitere Informationen zu den Hörspielen gibt es im Hörspielarchiv im Internet unter: https://hoerspiele.dra.de/ Raymond Chandler: Heißer Wind (BR 1966) Es war ein unerquicklicher Abend, der Wüstenwind fegte durch Los Angeles, einer jener heißen trockenen Santa Anas, die durch die Gebirgsgpässe der Sierra Nevada herunterstürmen, einem das Haar kräuseln, an den Nerven zerren und auf der Haut jucken, an Abenden wie diesem artet die friedlichste Bierrunde gern in eine wilde Schlägerei aus, ich saß in der Kneipe im Haus gegenüber, der junge Mann hinter der Theke sah aus, als ob er noch nie in seinem Leben einen Schluck zuviel getrunken habe. Ihr Bier bitte. Danke. Hoffentlich ist es zu ihrer Zufriedenheit eingeschenkt. Ganz famos sogar, sie haben das Lokal erst vor kurzem eröffnet, nicht wahr. Vor knapp zwei Wochen, sie waren doch schon einmal hier, nicht. Ja, stimmt ... Dashiell Hammett: Das Haus in der Turk Street (WDR 1974) Mein Name ist Tracy, dh. es ist einer von vielen Namen, die ich mir zugelegt habe im Lauf der Jahre, ich gehöre zu den Leuten, die am liebsten incognito reisen der Not gehorchend, wenn sie wissen was ich meine, ich könnte auch sagen es gehört ganz einfach zu meinem Beruf unter falscher Flagge zu segeln, also ich nannte mich Tracy an dem Tag, von dem hier die rede ist und ich war hinter einem jungen Mann her in San Francisco, er war seinen Eltern davongelaufen, sein Vater war Bürgermeister in Tacoma, einem kleinen Nest in Colorado, ich sollte den verlorenen Sohn aufstöbern und zur Heimkehr bewegen, möglichst diskret, keine sehr dankbare Aufgabe für einen Detektiv, aber es lag gerade nichts anders vor, der junge Mann ... Ross Macdonald: Schwarzes Blut (WDR 1993) (An einem Mittwochnachmittag flog ich von Mazatlan nach Hause, während des Landeanflugs auf Los Angeles sah ich aus der Mexicana-Maschine zum ersten Mal den Ölfleck auf dem Meer, wie ein unförmiger Teppich, einige Kilometer breit und etliche Kilometer lang, bedeckte er das blaue Wasser vor Pacific Point, unweit der Küste ragte eine Bohrinsel auf wie der Metallgriff eines Dolches, in den Bauch der Erde gerammt, damit sie schwarzes Blut verströme, der mexikanische Flugbegleiter schritt durch den Gang, um zu prüfen, ob wir alle zum Landen bereit waren, ich fragte ihn, was mit dem Meer passiert sei. Der Latino gestikulierte und zuckte nur die Achseln, als erübrige sich die Frage von alleine angesichts des) ... Leo Malet: Die Brücke im Nebel (SWF 1989) Mein Wagen war in der Inspektion, also nahm ich die Metro ins 13. Arrondissement, hätte mir auch ein Taxi leisten können, aber bis Weihnachten war es noch eineinhalb Monate, außerdem nieselte es hundsgemein, und dann lösen sich die Taxis in Paris bekanntlich in Luft auf, laufen einfach ein, sobald sie vom ersten Tropfen naß werden, ich nahm also die Metro, setzte mich ins 1.Klasseabteil der Linie Eglise de Pantin - Place dItalie und las noch mal diesen mysteriösen nach billigem Parfüm riechenden Brief, lieber Genosse, ich wende mich an dich auch wenn du flic geworden bist, aber du bist anders als die anderen flics und außerdem kenne ich dich von klein auf, ein Scheißkerl hat ne Schweinerei vor, komm zu mir ins ... Michael Lewin: Der stumme Handlungsreisende (SDR 1998) Krimizeit aus Studio13: Gut Mr Samson, ich lese ihnen den Text noch mal vor. Schießen sie los. Detektiv zum Spartarif in Großbuchstaben. Ja. Bei Auftragserteilung bis 31. August 10% Rabatt auf alle privaten Ermittlungen auch in Scheidungsangelegenheiten. Finden sie 10% genug. Bitte. Genug Rabatt, würden sie dafür ihre Scheidung vorantreiben. Ich, ich bin nicht verheiratet. Naja aber wenn sies wären. Also. Schreiben sie 20%. Ok also 20%. Und die Anzeige ist morgen drin. Ja Sir, ab morgen eine Woche lang. Ich hoffe der Aufwand lohnt sich. Ja das hoff ich auch. Nicht daß ich kurz vor der Pleite stand, ich doch nicht, es ging um etwas anderes, meine Tochter hatte mir geschrieben daß sie mich besuchen wollte, ich hatte sie ... Jim Thompson: Gefährliche Stadt (NDR/SWF 1996) ...Ich fasse also zusammen Mr Handler, sie haben einen Freund, einen alten, aus der Zeit als sie Wildcatter waren und nach Öl gebohrt haben, und dieser Freund hat es genau wie sie geschafft, er ist die Treppe raufgefallen. Sie wissen so gut wie jeder hier, daß mich das Öl 40m durch die Luft gewirbelt hat und daß ich deswegen nicht mehr laufen kann. Entschuldigen sie Mr Handler, ihr Freund sitzt also nicht im Rollstuhl aber er ist genau wie sie mit einer vielzu hübschen, mit einer viel zu jungen Frau verheiratet und die möchte jetzt so langsam ihr erbe antreten. Das glaubt er zumindest, ja. Aber ihr Mann stirbt nicht und sie hat bisher noch nichts unternommen um seinen Tod zu beschleunigen, die Frage ist also was soll er machen ... Cornell Woolrich: Der Mann gegenüber (HR/SWF 1993) Er ist tot. Ja. Ja, etwas mehr müssen Sie schon sagen, unter Ihrem Fenster liegt ein toter Mann und alles was sie sagen ist ja, wer ist der Mann. Er wohnt gegenüber, er hat seine Frau umgebracht. Was. Er hat seine Frau umgebracht, vorgestern, vorgestern nacht. Er hat seine Frau umgebracht, woher wissen sie das, haben sies gesehen. Nein, aber ich weiß es, er wollte mich auch umbringen. Aber er ist doch tot, nicht sie. Das ist mir auch lieber so. Also jetzt passen sie mal auf, vor genau, moment, vor genau 16 Minuten bekommen wir einen Anruf daß aus diesem Fenster hier ein Mann auf den Hof gestürzt ist, jemand rief an und sagte, ich habe gerade gesehen wie jemand aus einem Fenster im 3. Stock gestürzt ist, wir stellen noch ein ... Ed McBain: Stirb Kindchen stirb (BR/WDR 1992) Kriminalhörspiel aus dem 87. Polizeirevier: Mit Detective Steve Carella dem gründlichen. Nochmal von vorne, Minute für Minute, also du steigst die Feuerleiter runter, was siehst du, was hörst du, ich will alles wissen. Detective Bert Kling dem Knallharten. Oh mann als Cop bist du hier nur das Arschloch. Detective Meyer Meyer dem gemütlichen. Ich hab hier ne Hundemarke, Detective Meyer wau wau. Der aber auch anders kann. Hörmal zu du Kinderschänder, du verschaffst mir den Aufenthaltsort von Martin Proctor oder ich laß dich hochgehen, ist das klar. Und Detective Ollie Weeks dem Witzbold. Und denk an die vier großen W, nach dem wo und dem was jetzt das wer und vor allem das wie, hehehe. Happy New Year, Leute ... James M. Cain: Der Postmann klingelt immer zweimal (HR 1994) Gegen mittag warfen sie mich vom Heuwagen, ich war am abend zuvor aufgesprungen, unten an der Grenze, sackte gleich ab, ich war hundemüde nach den 3 Wochen in Tijuana und als sie hielten, um den Motor abzukühlen, sahen sie meinen Fuß herunterhängen, immerhin sie gaben mir noch eine Zigarette. Sag mal Chef ist nicht zufällig einer in nem hellgelben Cadillac vorbeigekommen. Ich machte mich auf die Socken, um was eßbares aufzutreiben. Heute. Ja. Und so kam ich zu dir Cora nach Twin Oaks. Heute nicht, willst du was essen, tja ich kann ja schon mal anfangen also Orangensaft, Cornflakes, Spiegeleier mit Speck, Enchiladas, Pfannkuchen und Kaffee. Die Spiegeleier kommen sofort. Eins muß ich dir gleich sagen ... Mickey Spillane: Ich, der Richter (WDR 1999) New York im Jahre 1950, schöne Frauen, harte Kerle und große Kaliber, das ist die Welt des berühmt-berüchtigten Privatdetektivs Mike Hammer, der gnadenlos wie ein schwarzer Ritter durch den Dschungel der Großstadt streift. Niemand sagte etwas, als ich das Zimmer betrat, sie wichen beiseite und ich spürte, wie ihre Blicke auf mir lagen, Chiefdetective Pat Chambers deutete auf die Schlafzimmertür. Dort drin, Mike. Dort drin, dort drin lag mein bester Freund tot auf dem Boden, der beste Freund, den ich jemals hatte. Hast du den Stuhl verschoben, Pat. Nein, warum. Normalerweise steht der Stuhl neben dem Bett. Auf dem Stuhl lag seine 38er Pistole, es war klar, wie es sich abgespielt haben mußte. Der Mörder hat den ... Walter Netzsch, Peer Frank Günther, Henri Pierre Cami: Grieminahles: Drei Mal Hochspannung für Narren (Der Nuggetkiller etc.) (BR 1955) Achtung, vergessen sie nicht Nerven und Antenne zu erden, ziehen sie ihr dickstes Fell an, sichern sie ihr Radiogerät gegen Bewerfen mit Aschenbechern und Schuhen, wir fangen an. Sie hören zuerst das Opfer oder der Nuggetkiller, eine atemberaubende Angelegenheit. Tick tack, tick tack. Du Weibi. Ja. Zucker ist wieder keiner da. Tu ihn halt raus, du mußt ja nur hinlangen, das Buffet ist ja hinter dir. Ja der gehört an Tisch und net ins Buffet. Wenn er aber net am Tisch ist, ist er im Buffet. Was ist denn jetzt des, wenn mans Buffet aufmacht, dann spielts Radio. Ja das hat der Onkel Franz neulich schon gesagt, irgendwo muß in der Wohnung ein Kurzschluß sein. Ah drum ist vorhin wie ichs Radio aufdrehen wollt der Staubsauger gegangen ... Rolf und Alexandra Becker: Dickie Dick Dickens (BR 1957) Wir erzählen Ihnen die Geschichte von Dickie Dick Dickens, dem gefährlichsten Mann, den die Unterwelt Chicagos je ausgespuckt hat. Dickie Dick Dickens, gefürchtet, verachtet, gehaßt, ein Ausgestoßener, und doch, hat nicht auch er beigetragen der herrlichen Millionenstadt ihren geheimnisvollen Glanz zu geben. Das war die herrliche Millionenstadt. Hier verlebte Dickie Dick Dickens 68% seines sensationellen Lebens, die restlichen 32% verbrachte er in Sing Sing, der modernsten Strafanstalt der Staaten, es war ein heißer Julitag im Jahre 1924. Chicago, sowieso ein heißes Pflaster, brütete unter den brennenden Strahlen der unerbittlichen nordamerikanischen Sonne, die Stadt war gewissermaßen in Schweiß gebadet, an jenem Tag ... Erwin Weigel: Wer ist der Täter? (Kriminalfälle zum Mitraten) (BR 1981-2002) Donnerstag abend: Krimitermin in Bayern 2. Wer ist der Täter? Welcher Täter? Der Gärtner... Der Täter ist der, der den Mord begangen hat. Ich bin derselben Meinung wie der Herr. Keine Ahnung... Wer ist bitte der Täter? Der Gärtner. Der Chauffeur. Ich kann leider keine Auskunft geben, da ich Angestellter des Bayerischen Rundfunks bin... Ja, da muß ich aber sehr überlegen, nein, das könnt ich nur meditativ, aber ich bin jetzt gerade nicht in der Verfassung, meditativ zu sein, es tut mir furchtbar leid. I net ... Florian Pauer nach Motiven von Edgar Wallace: Der Joker (SWF 1988) Guten Morgen, Ann. Ich darf Sie darauf hinweisen, daß es bereits viertel vor elf ist, haben Sie verschlafen, Inspektor? Und wenn es so wäre, ist Sir John schon da? Allerdings. Ann Pattison, ist Higgins endlich da? Ja, Sir John, er ist soeben gekommen. Dann schicken Sie ihn sofort rein. Ja, Sir John. Sehen Sie, er wartet bereits seit zwei Stunden auf Sie, und wenn ich Ihnen einen guten Rat geben darf, dann seien Sie heute freundlich zu ihm, er ist nämlich gestern zum dritten Mal bei der Fahrprüfung durchgefallen und hat eine fürchterliche Laune. Ja, wie gewöhnlich, also dann werde ich mich mal in die Höhle des Löwen wagen. Guten Morgen, Sir. Ah, da sind Sie ja endlich Higgins, guten Morgen, ja, jetzt beantworten Sie mir einmal ... Simone Schneider: Roter Stern (BR/SFB 1992) Liebste Lilina, 50.000 Tonnen schwer und höher als das Warenhaus Die Welt des Kindes in den Himmel über Moskau ragt, Lilina, mein erster Wolkenkratzer naht, vor den Ufern Sewastopols schwimmt New World New York, zwei Klassen und zwei Schornsteine, bunt geflaggt zu Blasmusik auf schwarzem Meer tanzt Roter Stern, pack deine Tränen in einen Sack und schick Sie mir nach Amerika, Ozean der Fanatiker, reißt sich die blaue Bluse auf, um mich in eine andere Welt zu schaukeln, Lilina, adieu, dein Hündchen. Wladimir auf dem Weg in seine Bordkabine. Tief ist der Ozean. Der Ozean ist eine Sache der Vorstellung. Was unterscheidet ein Ufo von einer schwebenden Ikone? In Moskau setzt man ganze Häuserblöcke auf ... Shirley Jackson: Das Haus (BR 1994) Institut für Parapsychologie Dr. John Montague, sehr geehrte Mrs Vance, sie kennen meinen Namen wahrscheinlich nicht, ich bin Wissenschaftler und dennoch oder gerade deshalb hat mich die Erforschung sog. übersinnlicher Phänomene immer beschäftigt, im Augenblick habe ich die Möglichkeit im Rahmen eines Forschungsprojekts einem immer noch skeptischen und überheblichen Kollegenkreis einen konkreten Zusammenhang zwischen Psychologie und Parapsychologie experimentell zu demonstrieren. Dr Montague, ist das überhaupt sein richtiger Name. Es gibt einen Dr John Montague, Dr der Philosophie und Anthropologie, Promotion in Oxford 1950. Das klingt doch alles ziemlich unseriös. Ein Forschungsprojekt und ... Jack Ritchie: Der Mitternachtswürger (BR 1992) Ich frage sie, was hatten sie in der Tiefgarage zu suchen Mr. Turnbuckle, Henry Turnbuckle, Privatdetektiv und nicht schwerhörig, Mrs Homa Schleidel hatte Grund zur Annahme, daß ihr Gatte nicht wie er behauptete, jeden Donnerstag abend im Kegelclub verbringt, er suchte in der Tat heute nicht diesen Ort auf, sondern das Hinterzimmer des Buchhandels nur für Erwachsene, wo er 1 Stunde und 23 Minuten bei einer Filmvorführung verweilte, gegen 21 Uhr 45 befand er sich dann auf dem Weg zurück zu seinem Wagen wo ich ihm meinem Auftrag gemäß unauffällig folgte, in der Tiefgarage richteten sich plötzlich ein halbes dutzend Taschenlampen auf meine Person, und mir wurde dringend geraten, keinen Mucks zu tun sonst ... Henry Slesar: Genau die richtige Art von Haus (WDR 1965) Dadadabadada, hu-la… Sally. Hu-la, lalala... Sally, bitte hören Sie gefälligst mit dem Geplärre auf, das macht einen ganz krank. Ja, Mr. Hacker. Machen Sie mal ein Fenster auf, die Luft ist ja zum schneiden. Das kommt von Ihrer Zigarre, Mr. Hacker. Reden Sie nicht, reden Sie nicht, bedienen Sie lieber das Telefon. Ja, Mr. Hacker, hier Maklerbüro Hacker… ja… ja… bei 30 Grad im Schatten, nein, nein, Idiot. Sind Sie immer so höflich zu meinen Kunden? War kein Kunde. Wer wars denn? Heizölfirma. Was wollte die denn? Öl verkaufen. Was, Heizöl bei der Hitze, Idiot. Hab ich doch gesagt, hida...badadada... Ein fremder Wagen. Häh? Fährt ganz langsam, sehen Sie mal, New Yorker Nummer dem gelben Rechteck nach zu ... Ray Bradbury: Ein langer Weg nach Hause (NDR/SDR 1989) Es war ein langer heißer Tag gewesen, die Rechenmaschinen im Büro hatten gesungen wie Millionen metallischer Grillen, ein schrecklicher Tag, Mr Sternwall hatte mich angebrüllt, ich hätte Sternwall am liebsten umgebracht, eines Tages dachte ich auf dem Nachhauseweg, eines Tages wirst du diesen Mr Sternwall vom 10. Stock aus dem Fenster werfen, mein Herz ratterte wie eine aus dem Tritt geratene kaputte Rechenmaschine als ich endlich vor der Wohnungstür stand, was hatte doch der Doktor gesagt, ihr Herz hat ein bißchen Ruhe nötig, gönnen sie sich einen Urlaub, Urlaub, es war völlig unmöglich mit Lydia über Urlaub zu reden, jedes Mal wenn ich auf mein Herz zu sprechen kam, klappte ihr Mund zu wie eine Falle, nein, hinter der ... Weitere Informationen zu den Hörspielen gibt es im Hörspielarchiv im Internet unter: https://hoerspiele.dra.de/ Michael Koser: Reservat. There are no truths outside the Gates of Eden (RIAS Berlin/Südwestfunk 1970) (Transkript) Guten Abend, meine Damen und Herren. In unserer heutigen Übertragung hören Sie Reservat. There are no truths outside the Gates of Eden. Von Michael Koser, Manfred Marchfelder und Friedrich Scholz. Es wirken mit: Klaus Krüger, Ernst Schröder, Ursula Starck, Hans-Ulrich Minke, Helga Anders, Klaus Herm, Cordula Hubrich, Christoph Quest, Klaus Wampfler, Erika Eller, Hans Boche, Klaus Jepsen, Erwin Schastok, Mike Wiegand, Barbara Tietze, Klaus Dieter Mäurich und Ulrich Pleitgen. Wir wünschen Ihnen einen guten Empfang (Applaus). At times I think there are no words but these to tell whats true and there are no truths outside the Gates of Eden. Eins zwei drei (Musik). Dieser Ort zerstört mich. Es gibt kein oben und unten mehr. Das Wort darf nicht Fleisch werden. Es ist, als ob nichts geschehen wäre. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Das Bewußtsein wird so weit, daß sich alle Gegensätze aufheben. Wer fliehen will, fesselt sich selbst. Sie wollen Fabriken aus unseren Tempeln machen. Das Gefängnis wird unendlich groß. Der Tanz um den Scheiterhaufen ist ein heiliges Ritual. Es lohnt sich nicht, darüber nachzudenken. Ganz sicher. Verstehst du, man hat keine Angst davor, herunterzufallen. Zum Kinderzeugen und Kinderkriegen. Man muß das Gefühl haben, über der Erde zu schweben, ohne die geringste Chance, je wieder herunterzukommen. Es ist sinnlos, Automaten zu zerstören. Mit Glasaugen und Plastikdärmen. Die Form genügt sich selbst. Man muß sich in diese Musik eingraben, sich ganz von ihr verschlingen lassen, man muß es hören, man muß sich dieser Musik hingeben, man muß einfach hinhören, immer wieder, immer mehr. Sie hat die falsche Perspektive. Ich fühle die Schönheit der Zerstörung. Wir wissen, daß unsere Institution in der Öffentlichkeit Reservat genannt wird, wir sind nicht glücklich darüber. Allerdings sehen wir ein, daß der volle amtliche Name sich nicht gerade durch verwendungsfähige Kürze oder durch effektive Anschaulichkeit auszeichnet. Aber wir müssen ihn benutzen. Zuerst habe ich mir nichts dabei gedacht. Zumindest in seiner offiziellen Kurzform. Zuerst habe ich mir nichts dabei gedacht, so viele Leute verschwinden, sie sind einfach nicht mehr da, vielleicht haben sie die Lücke im Plan gefunden, das Stück, wo die Zahlen und das Papier zu Ende sind, es gibt seltsame Geschichten darüber, ich weiß nicht, ob ich sie glauben soll, ich denke nach. Wie allgemein bekannt, wurde die Institution zur Absonderung, Erhaltung und Erforschung subkultureller Erscheinungen von der Vereinigten Weltregierung gegründet. Es handelt sich dabei um eine der ersten größeren Entscheidungen, die im Weltparlament gefällt wurden. Machen Sie sich keine Sorgen. Machen Sie sich keine Sorge. Wir gehen zusammen auf eine lange Reise. Sie werden umgesiedelt. Das ist alles. Das ist alles. Sie sollten ihre Sachen packen. Bitte kommen Sie mit. Bitte kommen Sie mit. Daß der Bau unserer Institution bald darauf aufgenommen und in verhältnismäßig kurzer Zeit abgeschlossen werden konnte, verdanken wir vor allem der tatkräftigen finanziellen Hilfe der bedeutendsten internationalen Firmen. Die Tatsache, daß Sie unser Projekt unterstützten, trug viel dazu bei, die Widerstände zu überwinden, auf die jede große Idee stößt. Ich musste ihn begleiten. Bis sie sich durch ihre Verwirklichung selbst beweisen kann. Vielleicht war ich gefährlich, ich weiß jetzt, wie die anderen verschwunden sind, jemand ist in mein Zimmer gekommen, er war ruhig, fast zärtlich, ich musste ihn begleiten, ich konnte nichts dagegen tun. Wir können mit vollem Recht behaupten, daß schließlich jeder Mann die Gründung der Institution nicht nur akzeptierte, sondern im klaren Bewusstsein ihrer sozialen Bedeutung auch begrüßte. Natürlich mit Ausnahme der direkt Betroffenen. Wir waren aber schon damals sicher, daß auch sie bald unsere Intentionen verstehen und die Vorteile der Institution erkennen würden. Wir haben auf dich gewartet. Du kannst alles tun. Nichts ist verboten. Du bist frei. Wir haben auf dich gewartet. Du kannst alles tun. Nichts ist verboten. Du bist frei. Wir haben auf dich gewartet. Du kannst alles tun. Nichts ist verboten. Du bist frei. Es ist sehr schön hier, warm, ruhig, die Luft schwingt im richtigen Rhythmus, alles ist irgendwie rosa, mir fallen freundliche Dinge ein, die ich als Kind gewusst und dann vergessen habe, ich weiß, daß ich beschützt werde. Draußen, wenn es da überhaupt etwas gibt, solltest du dich nicht darum kümmern, du bist hier, du gehörst hierher, hier kannst du so leben, wie du es dir immer gewünscht hast, niemand wird dich an irgendetwas hindern, Grenzen, niemand weiß, ob sie existieren. Es lohnt sich nicht darüber nachzudenken. Es ist eine bekannte Tatsache, daß die sogenannten subkulturellen Bewegungen in der Jugend zu einer immer stärkeren Belästigung und damit schließlich zu einer Belastung von Staat und Gesellschaft wurden. Daß etwas geschehen mußte, war allen klar, den Verantwortlichen und der öffentlichen Meinung. Zufriedenheit und Glück der Bürger konnten nicht exakt berechnet und anhand der Berechnungen verwirklicht werden. Wenn gewisse Gruppen sich der Planung verweigerten, wenn sie durch Propaganda, ideologische Unzufriedenheit zu verbreiten suchten und praktische Unzufriedenheit durch ihre Existenz auslösen. Gewiß waren in der Gesamtheit der Bürger diese Gruppen eine Minderheit, zudem noch untereinander uneinig und zerstritten, aber wenn sie auch keine wirkliche Gefahr darstellten. So bildeten sie doch einen Faktor der Unsicherheit, ein störendes Element, sozusagen einen Rechenfehler in einer sonst makellosen Gleichung. Grund genug, sie zu eliminieren. Blumen bis zum Horizont, rote, rote, grüne, grüne, violette, violette, Bäume, die leuchten und nach Weihrauch duften, Weihrauch duften, ein See, ein See, rund wie die Welt, wie der Nabel, wie der Nabel Buddhas, weiß, weiße Kaninchen und heilige Kühe, heilig, Tempel, Schreine, Pagoden, Pagoden, keine Fabriken, keine Fabriken, keine Fabriken, keine Fabriken, keine Kabelschnüre, keine Kabelschnüre, keine Befehle, keine Befehle, das Paradies, das Paradies. Ich habe die anderen hier gesehen, die Leute, die vor mir verschwunden sind, fast alle sehen glücklich aus, wahrscheinlich sehe ich auch glücklich aus, ich habe alles, was ich brauche, ich kann tun, was ich will, ich muß glücklich sein. Die humane Lösung des Problems war die Institution, durch sie konnte die Gesellschaft von denen befreit werden, die ihr lautloses Funktionieren störten ohne daß man genötigt war die störenden Elemente ihrer Freiheit zu berauben oder sie zu töten. Wie es von Anhängern traditioneller Denkschemata und veralteter Rechtsmethoden befürwortet wurde. Es galt vielmehr einen Freiraum zu schaffen, indem die Negation zu ihren extremen Manifestationen geführt und so aufgehoben werden konnte. Die anderen sprechen nicht gern davon. Eine Utopie der Subkultur, ein Paradies der Antisozialen, unsere Institution. Es gibt eine Grenze, die wir nicht überschreiten können, eine riesige runde Glocke, die anderen sprechen nicht gern davon, sie wollen nicht wahrhaben, daß unser Horizont begrenzt ist, sie haben Angst vor dem, was draußen ist. Sie ist neu. Sie meint, wir wissen nicht, was los ist. Natürlich ist die Welt irgendwo da hinten zu Ende. Gerade deshalb fühlen wir uns sicher. Sie sagt, wir können nicht raus. Sie hat die falsche Perspektive. Es heißt, die können nicht rein. Fette Idioten, Schweine. Krank, häßlich, verkrüppelt. Kahl mit Glasaugen und Plastikdärmen. Maschinen zum Geld verdienen. Zum Kinderzeugen und Kinderkriegen. Arbeitstiere voller Pflichtbewußtsein und Hass. Roboter, irre, alte Weiber. Die stehen draußen und wollen rein. Sie wollen Fabriken aus unseren Tempeln machen. Unsere Blumen abschneiden und verkaufen. Mit ihren genagelten Stiefeln auf uns herumtrampeln. Uns die Haare ausreißen. Uns die Knochen brechen. Und wenn wir nicht werden wie sie. Verbrennen sie uns als Hexen und fremde Götter. Jetzt stehen sie da und kratzen mit ihren sauberen Nägeln am Glas. Sie können nicht rein, wir sind sicher. Erfahrene Ingenieure und Landschaftsgestalter haben in Zusammenarbeit mit Psychologen und Verhaltensforschern den Meisterplan ausgearbeitet, nachdem die Institution verwirklicht wurde, die perfekt glatte Ebene, der kreisrunde See, das nötige folkloristische und theologische Zubehör, vor allem die komplexe Maschinerie, die den Raum der Institution in einem ständigen zeitlosen Schwebezustand hält, die unter dem künstlichen Rasen verborgenen Wärmegeneratoren und der gigantische Plexiglasdom, der die Insassen gegen Einflüße des Klimas und der Außenwelt überhaupt abschirmt. Draußen ist der Plan, draußen sind die Leute, die vom Plan dirigiert werden und glücklich gemacht werden sollen, hier sind die meisten froh, daß sie mit denen nichts mehr zu tun haben, daß sie sich nicht mehr verstecken müssen, ich habe Angst vor dem, was hier drinnen ist. Eine dicke Glasscheibe. Wie im Aquarium. Und dahinter klotzen sie. Mit großen runden Augen und offenen Mäulern. Ich weiß nichts davon. Ich will auch nicht wissen. Vielleicht bin ich ein Fisch. Vielleicht sind wir die Fische, die Fische. Es ist uns gelungen, ein künstliches Paradies zu konstruieren, einen bisher irrealen Wunschtraum, Realität werden zu lassen. Kein Wunder, daß unsere Schützlinge sich in der Institution wohlfühlen. Trotz der notwendigen Begrenzung oder gerade durch die Begrenzung. Wir sind freiwillig hierhergekommen, wir haben uns bei der Erfassungsstelle gemeldet und einen Aufnahmeantrag gestellt. Das hat lange gedauert, wir mußten Schlange stehen, da waren unheimlich viele, die auch genug davon hatten, unter Schweinen zu leben, die nicht mehr dauernd beglotzt und beschnüffelt werden wollten. Verhöre, Prüfung und dann haben sie uns endlich den Stempel gegeben, Mann, waren wir froh. Die da draußen kannst du doch nicht bekehren. Haben sie dich schon mal zusammengeschlagen. Und wenn wir nicht von selbst gekommen wären, hätten sie uns später doch geholt. Lieber ein bißchen mitspielen, das lohnt sich. Hier sind wir schließlich unter uns. Als ich noch nicht hier war, habe ich ein Gedicht gemacht, das von mir und den anderen handelte, ich habe versucht, mich wieder an die Worte zu erinnern, aber sie fallen mir nicht mehr ein, ich weiß nicht, ob ich das Gedicht damals wirklich gemacht habe. Uns war von vornerein klar, daß einige unserer Schützlinge sich weigern würden, in der Institution aufzugehen, daß sie auch in der genehmigten und geschützten fast absoluten Freiheit versuchen würden, an der Rebellion festzuhalten, vor allem waren und sind es die Neuzugänge und die gegen ihren Willen in die Institution eingewiesenen, die ihre gewohnte Rolle weiterspielen wollen, die Erfahrung hat jedoch gelehrt, daß in den meisten Fällen der Kontakt mit den Freiwilligen und den Alteingesessenen zur graduellen Abschwächung und schließlich zum Erlöschen des Widerstandes führt. Warum sollten wir uns wehren, mir ist es gleich wer uns hier festhält, warum wir nicht nach draußen kommen, es geht uns gut, wir müssen nicht mehr reagieren, wir können leben, das ist positiv, unsere ökonomische Situation ist glänzend, daß uns die wichtigsten Fakten für ihre Analyse fehlen, darüber zerbreche ich mir nicht den Kopf. Auf wessen Kosten leben wir? Die Frage ist irrelevant, wir sind Produzenten, wir sind Künstler. Möglichkeiten der innerinstitutionellen Rebellion sind im Generalplan bewußt vorgesehen und sogar gefordert, die überall eingebauten Automaten, die unsere Schützlinge mit Lebensmitteln versorgen, mit Drogen und mit der Literatur, die sie bevorzugen, liefern ihnen auch gewisse Waffen in sorgfältiger Auswahl und Dosierung. Selbstverständlich achten unsere Fernsehaugen darauf, daß es nicht zu größeren Exzessen kommt. Maschinen dürfen nicht beschädigt, die faktischen Grenzen der Institution müssen unbedingt respektiert werden. Maschinen dürfen nicht beschädigt, die faktischen Grenzen der Institution müssen unbedingt respektiert werden. Oder bilde ich mir das nur ein? Für die Einstellung unserer Schützlinge ist es jedoch bezeichnend, daß bisher kaum einmal regulierend eingegriffen werden musste. Vielleicht sind die Vögel kleine Maschinen, die jemand aufgezogen hat, ich habe versucht, einen Vogel zu fangen, ich bin ganz vorsichtig auf ihn zugegangen, aber er hat mich gesehen und ist weggeflogen, mit einem merkwürdigen, surrenden Geräusch, oder bilde ich mir das nur ein? Ich sehe nichts, ich kann nichts sehen, weil ich meine Augen geschlossen habe. Äußere Eindrücke stören die Meditation, Wirklichkeit ist nur in mir, außerhalb gibt es nur Illusionen. Illusionen interessieren mich nicht. Ich bin auf der Suche nach mir selbst, wenn ich mich gefunden habe, werden sich alle Illusionen auflösen. Ich werde keine Gedichte mehr machen, ehe ich nicht weiß, warum und wozu wir hier sind, dieser Ort ist kein wirklicher Freiraum, wir werden benutzt, ich will nicht benutzt werden, ich muß etwas dagegen tun. Daß wir unseren Schützlingen eine sorgfältig abgewogene und kontrollierte Freiheit auch im Widerstand und in der Destruktion lassen, hat natürlich nicht nur liberale oder humane Gründe. Wir müssen uns überhaupt dagegen verwahren, daß unsere Institution. Wie es gelegentlich geschieht. Als karitative Anstalt apostrophiert wird, als sozialer Luxus, den die Steuerzahler mehr oder weniger freiwillig mit ihren Mitteln am Leben erhalten, die Institution ist kein Zuschussunternehmen, die Institution ist ein Betrieb, der in der Lage ist, sich ökonomisch selbst zu erhalten, der in den letzten Jahren sogar einen ständig wachsenden Gewinn herausgewirtschaftet und in die Kasse der Weltregierung eingebracht hat. Man muß es hören, man muß sich dieser Musik hingeben, man muß einfach hinhören, immer wieder, immer mehr. Ich mache einen Film von dir und einen Film von mir, ich nehme die beiden Filme und schneide sie ineinander, auf ein Bild des ersten Films folgt gleich ein Bild des zweiten. Man muß sich in diese Musik eingraben, sich ganz von ihr verschlingen lassen. Pro Sekunde wechseln 24 Bilder, 12 und 12 in immer gleichem Rhythmus. Man muß das Gefühl haben, über der Erde zu schweben, ohne die geringste Chance je wieder runterzukommen. Es ist mehr als ein Liebesfilm, wenn du dich diesem Rhythmus hingibst, verstehst du, was Dialektik ist, du erfaßt ihr Gefühl, ihr Wesen, darauf kommt es an. Versteht ihr, man hat keine Angst davor herunterzufallen, man ist sicher, das Bewußtsein wird so weit, daß sich alle Gegensätze aufheben, es gibt kein oben und kein unten mehr. Du und ich gehen in einander über, das ist die wahre, die einzige Revolution. Die anderen haben mich gehindert, ich wollte einen der Automaten zerstören, die uns mit allem notwendigen versorgen, die anderen haben mich weggestoßen, abgedrängt, sie haben Angst, sie wollen sich keine Sorgen machen, sie sagen mir, daß sie nur an ihrem eigenen Bewußtsein interessiert sind. Es lohnt sich nicht darüber nachzudenken, man müßte etwas tun, das sagen viele, wenn sie hierher gebracht werden, erst wenn sie sich davon frei gemacht haben, sind sie frei, Freiheit ist ein Zustand ohne Entwicklung. Antisoziale Haltung korrespondiert oft mit künstlerischer Begabung, eine Tatsache, die für uns ebenso unerklärlich wie unbestritten ist. Durch unsere Schützlinge ist die Institution zu einer gigantischen Ideenwerkstatt geworden, zu einem Ort, den man mit den Künstlerkolonien der voruniversalen Ära vergleichen könnte. Wenn er nicht diese historischen Stätten an Quantität und Qualität der Produktion weit überträfe. Ohne materielle Sorgen, in einer Freiheit, von der Künstler vergangener Zeiten nur träumen konnten, schaffen unsere Schützlinge in zwangfreiem Spiel Meisterwerke. Da wir sie mit allem versorgen, was sie dazu brauchen, sind wir ohne Frage berechtigt, die Resultate ihrer schöpferischen Arbeit zu übernehmen und nach Entfernung der extremen Auswüchse und normalisierender Bearbeitung durch unsere Spezialisten. Ich habe Freunde gefunden. Der Gesellschaft über interessierte Firmen gegen feste Gebühr zur Verfügung zu stellen. Ich habe Freunde gefunden, Menschen, die noch nicht von der warmen weichen Luft vergiftet sind, wir wollten zur Glaswand ziehen, aber wir wurden müde, bevor wir sie erreichten, wir sind umgekehrt und haben einen Automaten zerstört, wir haben ihn aufgerissen, ausgeschlachtet und zu einem formlosen Metallklumpen verbrannt. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Wirklichkeit vernichtet Schönheit. Ich fühle die Schönheit der Zerstörung. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Aus Formlosigkeit wird Form. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Der Tanz um den Scheiterhaufen ist ein heiliges Ritual. Wirklichkeit vernichtet Schönheit. Aus Formlosigkeit wird Form. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Wirklichkeit vernichtet Schönheit. Es liebe die Ästhetik. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Aus Formlosigkeit wird Form. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Das Gemälde der Befreiung. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Das Buch der Gerechtigkeit. Die neue Gesellschaft ist ein Wort. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Und das Wort darf nicht Fleisch werden. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Wirklichkeit vernichtet Schönheit. Wirklichkeit vernichtet Schönheit. Aus Formlosigkeit wird Form. Die Revolution ist ein Kunstwerk. Die Form genügt sich selbst. Es ist sinnlos, Automaten zu zerstören, sie sind nur Werkzeuge des Plans, sie werden benutzt, wie wir, wenn sie nicht mehr funktionieren, werden sie ersetzt, wir sind nicht weitergekommen, für die anderen ist die Revolution schon vorbei, sie sind mit sich zufrieden, sie haben etwas getan, das genügt ihnen. Es ist keine Übertreibung, wenn wir behaupten, daß alle neuen Ideen und Trends in allen individuellen und sozialen künstlerischen Sparten ihren Ursprung in unserer Institution haben. Sei es in der Mode oder in der Werbung, in der Musik, in den Medien oder in der Objektherstellung. Daß unsere Schützlinge erhebliches zur Bereicherung der Gesellschaft beitragen. Die sie hassen und ablehnen. Daß aus Subkultur auf diesem Wege Kultur wird. Ich weiß nicht. Entbehrt nicht einer gewissen subtilen Ironie. Ich weiß nicht, was ich tun soll. Sie sind auf alles vorbereitet. Es lohnt sich nicht darüber nachzudenken, ich hatte Pläne gemacht, für einen Tunnel unter der Glaswand, für ein Luftschiff, mit dem ich ein Loch in der Glocke suchen wollte, ich habe nichts davon ausgeführt, weil ich vorher zum letzten Mal nachdachte und das Geheimnis entdeckte, unser Gefängnis macht uns frei, die Unfreiheit aller ist unsere Freiheit, das Gefängnis wird unendlich groß, wer fliehen will fesselt sich selbst. Ich habe ihn getötet. Ich habe ihn getötet. Ich habe ihn erwürgt. Ich zerkratze seine Haut mit den Fingernägeln. Er hat sich nicht gewehrt. Ich habe ihn getötet. Ich schleppe seine Leiche auf die Wiese. Ich habe ihn getötet. Sie können sie nicht übersehen. Er hat sich nicht gewehrt. Ich habe ihn getötet. Niemand hat sie gesehen. Er hat sich nicht gewehrt. Ich habe ihn getötet. Es ist als ob nichts geschehen ist. Die Leiche ist verschwunden. Als ob nichts geschehen wäre. Er hat sich nicht gewehrt. Ich weiß nicht mehr, was geschehen ist. Er hat sich nicht gewehrt. Die Leiche ist verschwunden. Ich habe ihn getötet. Er hat sich nicht gewehrt. Ich habe ihn erwürgt. Es dauerte lange, aber er hat sich nicht gewehrt. Ich zerkratze seine Haut mit den Fingernägeln. Ich reiße ihm die Kehle aus. Ich schleppe seine Leiche auf die Wiese und lege sie als blutige Dissonanz zwischen dem Rosa und Violett der Blumen aus. Sie können sie nicht übersehen. Die Leiche ist verschwunden. Niemand hat sie gesehen. Das Gras und die Blumen nicht mehr blutig. Es ist als ob nichts geschehen, als ob nichts geschehen. Niemand erinnert sich an mich. Die Leiche. Ich weiß nicht, was geschehen ist. Ich weiß nicht, ob ich wirklich einen Menschen getötet habe. Das ist auch nicht wichtig. Wenn ich etwas tue, was den Plan gefährdet. Ich habe ihn getötet. Machen Sie es ungeschickt. Unser geschehen. Ich habe ihn getötet. Ich zerkratze seine Haut mit den Fingern. Er hat sich nicht gewehrt. Ich schleppe seine Leiche auf die Wiese. Er hat sich nicht gewehrt. Die Leiche ist verschwunden. Ich habe ihn getötet. Sie können sie nicht übersehen. Er hat sich nicht gewehrt. Die Leiche ist verschwunden. Niemand hat sie gesehen. Es ist als ob nichts geschehen wär. Ich habe sozusagen. Ich habe, ich weiß nicht geschehen ist. Ich habe ihn getötet. Er hat sich nicht gewehrt. Es ist auch nicht wichtig. Die Leiche ist verschwunden. Die Institution erfüllt eine doppelte Aufgabe, sie schützt die Gesellschaft vor unerträglichen Außenseitern und verhindert, daß ihre Ordnung und das Funktionieren des großen Planes durch planlosen, unbeaufsichtigten Widerstand zerstört werden, darüber hinaus macht sie das Leben der Gesellschaft angenehmer, indem sie mit ihren Ideen und Produkten gewissermaßen die dekorativen Arabesken liefert, die die strenge lineare Geometrie des Planes abrunden. Diese beiden Funktionen haben, als die Gründung der Institution diskutiert und beschlossen wurde, die theoretische Rechtfertigung für das kühne soziale Experiment gebildet. Ich bin müde. Heute, da konkrete Ergebnisse im Übermaß vorliegen, bedarf es keiner Rechtfertigung mehr. Ich will nicht aufgeben, aber ich kann nicht mehr klar denken, ich bin müde, manchmal glaube ich, daß ich nie draußen war, daß es überhaupt kein draußen gibt, dieser Ort zerstört mich, ich will nicht aufgeben, es gibt etwas, daß ich tun muß, ich versuche nachzudenken, irgendwann werde ich alles herausfinden, das Ziel, die Methode, den Ausgangspunkt, der Plan ist nicht unfehlbar, man kann ihn außer Kraft setzen, mir ist ein Gedicht eingefallen. Mit berechtigtem Stolz und ohne Furcht vor Widerspruch können wir feststellen, daß heute und mit Sicherheit auch in der Zukunft die Gesellschaft ohne die wohltätigen Einflüsse unserer Institution nicht mehr denkbar ist (Applaus). Sprecher: Ernst Schröder Helga Anders Klaus Herm Cordula Hubrich Klaus Jepsen Christoph Quest Erika Eller Erwin Schastok Uwe Paulsen Barbara Tietze Ulrich Pleitgen Weitere Mitwirkende: Hans-Ulrich Minke Hans Boche Klaus Dieter Mäurich Klaus Wampfler Mike Wiegand Michael Koser: Tote singen nicht (Kriminalparodie) (auf Raymond Chandler) (RIAS/SWF 1971) Phil Marlin: Das Haus war der gemeinsame Alptraum eines größenwahnsinnigen Architekten und eines Bauherrn, der zuviel Geld hatte, eine unwahrscheinliche Kreuzung aus gotischem Palazzo, maurischer Kathedrale und griechischem Eiscreme. Aber ich war ja nicht hier, um den Geschmack der oberen Zehntausend zu beurteilen. Mister Waterson ließ mich warten. Er konnte sich das leisten, er hatte eine Empfangshalle so groß wie das Landedeck eines Flugzeugträgers, einen fast echten englischen Butler, den er wahrscheinlich auf einer Antiquitätenmesse ersteigert hatte, und mehr Dollars als die übrige Stadt zusammen, und ich war bloß ein kleiner Fisch, mein Auto war drei Jahre alt, mein Anzug war auch, und mein letzter Kontoauszug war das Papier nicht wert, auf dem er gedruckt stand. Waterson: Sie sind mir empfohlen worden, Mister Marlin und ich habe Sie aus Los Angeles kommen lassen, weil es in unserer sauberen kleinen Stadt keine Privatdetektive gibt. Marlin: Bourbon on the rocks. Waterson: Bitte? Marlin: Sie haben vergessen, mir was anzubieten, oder gibt es in Ihrer sauberen kleinen Stadt auch keinen Alkohol? Waterson: Ich glaube nicht, daß mir Ihr Ton gefällt. Marlin: Den kriegen Sie gratis, ich koste 100 Dollar pro Tag plus Spesen, dafür bekommen Sie einen verhältnismäßig unbestechlichen Detektiv, der regelmäßig zum Friseur geht und sich dreimal am Tag die Hände wäscht, wenn Sie einen Heiligen brauchen, hätten Sie dem Papst schreiben sollen, haben Sie einen Auftrag für mich oder nicht? Waterson: Ja, ich werde mich bemühen, Ihr Benehmen zu ignorieren. Marlin: Wenn Ihnen dabei wohler ist, also, ich höre. Waterson: Es geht um meinen Schwager, den Bruder meiner Frau, William Chain, 28 Jahre er ist seit 4 Tagen verschwunden und sie sollen ihn auftreiben hier ist ein Foto. Marlin: Warum gehen Sie damit nicht zur Polizei. Waterson: Bill war, ist in letzter Zeit, wie soll ich sagen, etwas merkwürdig, seit er drüben verwundet und nach Hause abgeschoben wurde. Marlin: Nicht ganz richtig im Kopf. Waterson: Wenn Sie es unbedingt so ausdrücken wollen ja, wir fürchten, das heißt meine Frau fürchtet, daß er etwas anstellen könnte, etwas Kriminelles. Marlin: Wo soll ich ansetzen, ich, ich brauche Informationen. Waterson: Natürlich, ich habe Ihnen ein Hotelzimmer reservieren lassen, Sie halten sich dort auf, bis sich meine Frau mit Ihnen in Verbindung setzt, sie kennt Bill besser als ich und wird Sie informieren. Empfangschef: Ihr Schlüssel, Sir, Zimmer 207. Marlin: Danke. Empfangschef: Sind Sie das erste Mal in San Pedro, eine saubere, kleine Stadt, Sir, wir sind stolz darauf... Marlin: Ja, ja, das kenn ich schon, heben Sie sich das für den nächsten auf und schicken Sie mir in zehn Minuten eine Flasche Bourbon aufs Zimmer. Marlin: Die Atmosphäre des Zimmers schlug mir entgegen, wie das zahnlose Grinsen einer uralten Frau, es stank nach Chlor und verborgenen Sünden, ich machte das Fenster auf und vertrieb mir die Zeit mit meiner Flasche. Ja? Waterson: Lassen Sie die Finger vom Fall Chain. Wenn Sie wissen, was gut für Sie ist, verschwinden Sie aus der Stadt. Marlin: Hören Sie mal gut zu... Violet: Mister Marlin? Hier ist Violet Waterson! Marlin: Ach so, wer weiß, außer Ihnen und Ihrem Mann, noch davon, daß ich hier in der Stadt bin? Violet: Niemand, warum fragen Sie. Marlin: Es ist nicht wichtig, was wollten Sie mir sagen, Mrs. Waterson? Violet: Nicht jetzt, treffen Sie mich heute abend im Tijuana-Klub, gegen neun. Marlin: Muß das sein. Violet: Sie sind nicht sehr höflich, Mister Marlin. Marlin: Ich habe einen Job. Violet: Deshalb will ich mich ja mit Ihnen treffen, seien Sie pünktlich. Kellner: Bitte Sir, Mrs. Waterson. Marlin: Danke, bringen Sie mir einen Martini. Kellner: Trocken, Sir? Marlin: Wie die Sahara. Kellner: Sehr wohl. Marlin: Sind Sie nicht ein bißchen zu jung für Ihren Mann? Violet: Danke, sehen Sie nicht ein bißchen zu gut aus für einen Privatdetektiv? Marlin: Och, durch jahrelanges Bodybuilding entwickelte ich mich vom Schwächling zum kraftvollen Wunschtraum der Frauen, wo ist ihr Bruder? Violet: Ich weiß nicht, bitte, Mister Marlin, Sie müssen ihn finden, bevor er noch mehr Unheil anrichtet. Marlin: Unheil, was für Unheil, Mrs. Waterson? Violet: Nennen Sie mich Violet. Marlin: Was für Unheil, Mrs. Waterson? Violet: Ich mach mir Sorgen um Bill, wissen Sie, ich hab mich immer für ihn verantwortlich gefühlt, obwohl er älter ist als ich. Marlin: Warum haben Sie mich hierher bestellt? Violet: Bill ist mit einem Mädchen befreundet, das bis vor kurzem im Klub gearbeitet hat, eine Tänzerin, Kokola Bern, so nannte sie sich jedenfalls, ein unmögliches Wesen, vulgär, ich hab nie verstanden, was Bill an ihr fand, geben Sie sich Mühe, meinetwegen, und wenn Sie was herausbekommen haben, rufen Sie mich an, ich bin immer für Sie zu sprechen, wenn Sie Bill gefunden haben, dürfen Sie mich zu Champagner einladen. Marlin: Violet, ich mag Blonde, besonders wenn sie eine Figur wie Marilyn Monroe haben, als meine Knie nicht mehr zitterten, ging ich an die Bar, in einer viertel Stunde hatte ich die Adresse von Kokola Vern alias Maggie Pulaski. Maggie Pulaski: Sie wandeln nicht auf dem Pfade des Lichts. Marlin: Wie war das? Maggie Pulaski: Ihre Aura ist unrein, Ihre Seele wälzt sich im Schlamm wie ein Tier, Sie sind der Versucher, der Dämon, der den Kindern des Lichts Fallstricke legt. Marlin: Wo ist Bill Chain, Ihr Freund Chain, verstehen Sie mich? Maggie Pulaski: Führe uns nicht in Versuchung, gehen Sie, verdunkeln Sie nicht durch Ihre Gegenwart das Licht, das nur den Reinen scheint, gehen Sie... Marlin: Eine geladene und entsicherte 38er kann auch in einer zitternden Hand sehr überzeugend wirken, ich zuckte die Achseln und ging. Marlin: Sie wandeln nicht auf dem Pfade des Lichts. Empfangschef: Verzeihung, Sir? Marlin: Sie sind der Dämon, der den Kindern des Lichts Fallstricke legt, sagt Ihnen das was? Empfangschef: Ich wüßte nicht. – Oh, besten Dank, Sir. Marlin: Kommt jetzt die Erleuchtung, wandeln Sie nun auf dem Pfade des Lichts? Empfangschef: Könnte sein, die Vereinigung der Freunde des Lichts, eine Sekte, irgendwie östlich, glaube ich, indisch oder so, der Chef nennt sich Guru, wirkt sehr auf Frauen, ich habe gehört, daß er ganz gut davon leben kann. Marlin: Ja, was es nicht alles gibt, in Ihrer sauberen, kleinen Stadt. Marlin: In dieser Nacht träumte ich von Violet Waterson, es war ein wunderschöner Traum, in Breitwand und Technicolor. Marlin: Ja? Piet: Hä-hä-hä-hä-hä-hä-Hände hoch! Toni: Halts Maul, Piet, ich würde an Ihrer Stelle die Hände hochnehmen, Mister Marlin, wir haben zwei Kanonen und können damit umgehen, wie man so sagt, sieh dir mal seine Brieftasche an, Piet, sieh mal an, ein Privatdetektiv, ein mieser Schnüffler, wie man so sagt, das hätte ich nicht von Ihnen gedacht, Mister Marlin, ich glaube, wir müssen Ihnen eine kleine Lektion erteilen, Mister Marlin, Sie schnüffeln hinter Bill Chain her, der Boss schätzt das nicht, Sie werden von hier verschwinden und wir werden Ihnen Beine machen, wie man so sagt, brat ihm eine über, Piet. Piet: Au! Toni: Halts Maul, Piet, Mister Marlin, Sie haben meinem Kumpel den Unterkiefer gebrochen, das gehört sich aber gar nicht. Marlin: Hören Sie, mein Freundchen, ich bestimme jetzt, was sich gehört, ich habe eure Kanonen und ich kann auch damit umgehen, raus hier, los raus. Toni: Mister Marlin, wir sehen uns noch. Marlin: Ja, das werden wir ja sehen. Marlin: Ich konnte mir denken, wer die beiden Figuren auf mich losgelassen hatte, und die silberne Kette aus Indien, die an Piets ungewaschenem Hals ebenso fehl am Platz war wie eine Jungfrau im Bordell, machte mich noch sicherer, es wurde Zeit, daß ich mir diesen Guru mal ansah, schlägt dich einer auf die rechte Wange, so tritt ihm dafür kräftig in den Bauch, wie man so sagt. Guru: Wie war der Name? Marlin: Chain, William Chain. Guru: Und Sie glauben, daß er ein Erleuchteter ist, ein Jünger des Karma? Marlin: Ich glaube, daß er zu Ihrem Verein gehört, wenn Sie das meinen, und daß Sie mir sagen können, wo er steckt. Guru: Wer auf dem Pfade des Lichts wandelt, hat die unreinen Tiefen des Irdischen hinter sich gelassen. Marlin: Das zieht bei mir nicht. Guru: Drohen Sie mir, Mister Marlin? Marlin: Sie haben mir doch diese beiden Witzbolde mit Kanonen auf den Hals gehetzt, das ist meiner Aura nicht gerade gut bekommen. Guru: Sie versündigen sich an den Geheimnissen des Karma. Marlin: Ach hören Sie doch auf, Sie sind hier nicht in Ihrem Tempel oder wie Sie das nennen, reden Sie Klartext, an Ihrer religiösen Masche bin ich nicht interessiert. Guru: Ich habe Sie unterschätzt, Mister Marlin, wie Sie mit meinen, nun ja, Abgesandten fertig geworden sind, Kompliment. Marlin: Ach, nicht der Rede wert, so was mach ich jeden Morgen vor dem Frühstück, außer Sonntags. Guru: Ich könnte Sie gebrauchen, wenn wir die Sache zusammen deichseln, kann nichts mehr schief gehen, ich beteilige Sie, ein Millionengeschäft, Mister Marlin. Marlin: Wo ist Chain? Guru: Chain, Chain, Chain ist unwichtig, das wissen Sie doch, ich weiß, wer Sie bezahlt und warum Waterson so scharf darauf ist, seinen Schwager wieder in die Hand zu bekommen, überlegen Sie sich die Sache! Marlin: Ich verstand überhaupt nichts mehr, aber ich hatte ein merkwürdiges Gefühl, Phil Marlins berühmte Vorahnung, deshalb fuhr ich den Wagen nur um die Ecke und wartete, nach einer halben Stunde erschien eine alte Bekannte, Miss Magie Pulaski, die da auf dem Pfade des Lichts wandelte, sie verschwand im Haus des Guru und kam nach kurzer Zeit mit einem Mann zurück, ich brauchte nicht auf das Foto zu sehen, um ihn zu identifizieren, mein Gefühl hatte recht gehabt, ich fuhr hinterher, wir hielten in einer ruhigen Straße am Stadtrand, Magie Pulaski ging mit Chain in einen Bungalow, ich wartete, die Minuten schichteten sich aufeinander wie zerschundene Autos auf einem Schrottplatz, schließlich kam Magie allein zurück, setzte sich in ihren Wagen und fuhr ab, ich suchte einen drugstore in der Nähe, um meinen Auftraggeber anzurufen: Es begann zu regnen. Violet: Phil. Wie sieht er aus? Waterson: Gute Arbeit, Marlin, wo steckt er? Marlin: Das habe ich Ihrer Frau schon gesagt. Waterson: Gut, warten Sie da, ich bin in einer halben Stunde bei Ihnen, übrigens, was für einen Wagen fahren Sie? Marlin: Buick, grün, bißchen angerostet, warum? Radio: ...der befleckt noch furchtsam ist, der Detektiv in Geschichten dieser Art muß solch ein Mann sein, er ist der Held, er ist alles, er muß ein vollkommener Mann sein und ein gewöhnlicher Mann, und er muß doch ein... Polizist Mac: Das ist er, Chef, grüner Buick. Marlin: Wenn Sie sich meinen Wagen lange genug angesehen haben, können Sie mir vielleicht sagen, was Sie von mir wollen? Polizist: Sie stehen im Parkverbot, Mister! Marlin: Ich brech gleich in Tränen aus, wo ist denn das Schild? Polizist: Wenn die Polizei sagt, daß Sie im Parkverbot stehen, dann stehen Sie im Parkverbot. Aussteigen! Marlin: Moment mal, nehmen Sie Ihre verdammten Pfoten von meinem Wagen! Marlin: Der Griff einer Polizeipistole an meinem Hinterkopf war das letzte, was ich spürte. Ich war Tarzan und hüpfte im Urwald von Ast zu Ast, ich rief den Kampfschrei der großen Menschenaffen und zertrat alle Bullen der Welt unter meinen großen Füßen, ich war der größte, und Violet Waterson sah bewundernd zu mir auf, wenn mir nur der Kopf nicht so weh getan hätte... Polizeichef: Wird aussagen, was wir ihm beibringen. Ja, Marlin ist dran, bei dem Beweismaterial schickt ihn jede Jury in die Gaskammer. Der Guru? Marlin muß eben gestehen, daß er Chain in seinem Auftrag umgelegt hat, dann sind wir die ganze Bande los, wenn er nicht will, laß ich ihn auf der Flucht erschießen, sowieso sicherer, natürlich, gefälschte Aussage, kein Problem, die Papiere bring ich Ihnen, sobald ich Zeit habe, ok, danke. Polizist: Chef, er wird wach. Polizeichef: Dann werden wir uns doch mal um Mister Marlin kümmern. Marlin: Ich lag in einem Zimmer auf einem weichen Berberteppich, meine Luger hatte ich in der Hand, ich brauchte nicht am Lauf zu riechen, um zu wissen, daß sie vor kurzem abgefeuert worden war, neben mir lag Bill Chain, tot, mit einem häßlichen Loch im Kopf, die Bullen waren auch da, allmählich wurde mir die Sache klar, ich hätte mich selbst zusammenschlagen können, wenn das nicht schon jemand anders für mich erledigt hätte. Polizeichef: Nehmen Sie ihm die Pistole weg, Mac. Marlin: Kann ich, kann ich eine Zigarette haben? Polizeichef: Erst wenn Sie Ihre Aussage gemacht haben. Marlin: Sie haben mich niedergeschlagen. Polizeichef: Natürlich, schließlich haben wir Sie bei einem Mord erwischt, warum haben Sie Chain erschossen, der Guru hat Sie dafür bezahlt, stimmts? Marlin: Erzählen Sie doch weiter, Sie, Sie wissen ja mehr als ich, haben sich doch schon alles zurechtgelegt. Polizist: Da hat er recht, Chef. Polizeichef: Wir haben sogar schon ein schriftliches Geständnis. Marlin: Gute Arbeit. Polizeichef: Sie waren heute morgen beim Guru und haben von ihm den Auftrag bekommen, Chain umzulegen, und das haben Sie dann auch gleich getan, mit Ihrer eigenen Kanone, Sie brauchen nur noch zu unterschreiben. Marlin: Ach, machen Sie es selber, ich... auf eine kleine Urkundenfälschung kommt es doch sicher nicht mehr an... Polizist: Ein Witzbold, Chef. Polizeichef: Wie Sie wollen, Marlin, Plan Nummer zwei, Mac, nehmen Sie sich zwei Leute und fahren Sie Mister Marlin zum Präsidium, Sie sind persönlich für ihn verantwortlich, bei einem Fluchtversuch wird sofort scharf geschossen. Polizist: OK, Chef, kleiner Umweg über den Wald, sicherheitshalber? Polizeichef: Sie haben es erfaßt. Marlin: Kann ich... kann ich jetzt eine Zigarette haben? Polizist: OK, hier, halt mal an, steigen Sie aus, Marlin. Marlin: Endstation Sehnsucht. Polizist: Raus, wir haben nicht viel Zeit, los, los, noch ein paar Schritte, wir wollen es uns doch nicht zu leicht machen. Piet: Ha-ha-ha-hallo? Toni: Halts Maul Piet, seien Sie beruhigt Mister Marlin das war fünf Minuten vor zwölf wie man so sagt, kommen Sie, unser Wagen steht gleich hier auf dem Waldweg. Marlin: Erinnern Sie mich daran, daß ich Sie in meinem Testament bedenke, auch wenn Sie an Mundgeruch leiden... wohin? Toni: Zum Boss natürlich, seine Heiligkeit, der Guru, will mit Ihnen die Karre aus dem Dreck ziehen, wie man so sagt, hahahaha... Marlin: Haben Sie mal eine Zigarette für mich? Danke. Guru: Spielen Sie Schach, Mister Marlin? Marlin: Ja. Guru: Ich hab mich manchmal gefragt, Mister Marlin, was sich wohl ein Bauer denkt, der auf dem Feld hin und hergeschoben wird, wenn er denken könnte, natürlich, sagen Sie es mir. Marlin: Was hatte Chain gegen Waterson in der Hand? Guru: Sieh da, Sie haben nachgedacht, Mister Marlin, es nützt Ihnen zwar nichts mehr, aber Sie geben sich Mühe, lobenswert. Marlin: Danke, darf ich mich eins rauf setzen? Guru: Waterson ist der heimliche Boss unserer kleinen sauberen Stadt, Mister Marlin, mit dem Polizeichef zusammen kontrolliert er alles was Geld bringt, Bars, Spielhöllen, das Rauschgiftgeschäft, was Sie wollen, Chain hatte keine Ahnung davon, aber als er vom Militär entlassen wurde, und bei Waterson wohnte, stieß er zufällig auf Unterlagen, interne Abrechnungen, Geschäftspapiere, er war entsetzt, moralisch entrüstet, glaubte immer noch an Sauberkeit, verstehen Sie, an den amerikanischen Traum, deshalb nahm er die Papiere an sich, um Waterson hochgehen zu lassen, zur Polizei konnte er damit natürlich nicht gehen, aber er hatte jemand, dem er sich anvertrauen konnte, einen geistigen Ratgeber, der ihn auf dem Pfade des Lichts zur Vollkommenheit führte. Marlin: Und Sie sahen Ihre große Chance, Sie nahmen Chain bei sich auf, versteckten ihn und benutzten seine Papiere um Waterson zu erpressen, die fromme Hochstapelei genügte Ihnen nicht mehr, Sie wollten in das ganz große Geschäft einsteigen. Guru: Sehr gut, Mister Marlin. Marlin: Aber Waterson war gerissener als Sie, er kriegte heraus, wo Chain steckte, und ließ ihn von der Polizei umlegen. Toni: Tote singen nicht, wie man so sagt. Marlin: Außerdem ließ er Beweismaterial fälschen, um Sie in den Mord an Chain zu verwickeln, Sie haben Ihr Spiel verloren. Guru: Noch nicht, Mister Marlin, Toni, Piet, seht mal nach, wer da ist, will jetzt nicht gestört werden. Toni: OK, Boss. Guru: Noch nicht, Mister Marlin, ich habe Sie, und Sie wissen, wer Chain erschossen hat und warum, ich biete Waterson ein Geschäft an, wenn er mich beteiligt, liefere ich Sie der Polizei aus, als Leiche natürlich. Polizeichef: Hände hoch! Waterson: Was habe ich Ihnen gesagt, Chef, da sind sie beide. Polizeichef: Umlegen, Mister Waterson? Waterson: Mit Mister Marlin würde ich mich gern noch ein bißchen unterhalten, aber den Guru brauchen wir nicht mehr, würden sie freundlicherweise... Guru: Nein, nicht! Waterson: Danke, damit sind Sie selbst auch überflüssig geworden, Chef, Sie wissen zu viel. Polizeichef: Mister Waterson! Marlin: Gratuliere, Mister Waterson, damit haben Sie alle Zeugen ausgeschaltet. Waterson: Bis auf einen, Marlin, Sie wissen, daß mir gar nichts anderes übrig bleibt, als Sie auch noch zu erschießen. Marlin: Im Moment konnte ich nichts anderes tun, als Waterson freundlich anzugrinsen, und unter dem Tisch mit dem Fuß nach dem schweren 45er-Colt des Polizeichefs zu angeln, mein Leben hing an meinem großen Zeh, wie schon so oft. Waterson: Ich muß mich bei Ihnen bedanken, Mister Marlin, ohne Sie wäre mein Plan schiefgegangen. Marlin: Es freut mich immer, wenn ein Auftraggeber mit mir zufrieden ist, empfehlen Sie mich bitte weiter. Waterson: Sie waren mir äußerst nützlich, nicht weil Sie Bill Chain gefunden haben, das hätte notfalls auch die Polizei erledigen können, Sie sind der Sündenbock, der Mann, dem man alles anhängen kann, und diese Rolle haben Sie perfekt gespielt, Sie haben Chain aufgestöbert und mich informiert, damit ich mich um ihn und Sie kümmern konnte, und wenn der Guru nicht dazwischen gekommen wäre, lägen Sie jetzt als überführter Mörder im Leichenschauhaus, aber nicht wahr, aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Marlin: Sie waren aber auch nicht schlecht, Ihre Rolle als biederer Kleinstadtmillionär, der sich widerwillig mit einem Privatdetektiv abgeben muß, großartig. Waterson: Angewandte Psychologie, mein bester, bevor ich Sie kommen ließ, habe ich mich über Ihre Methoden und Ihren Charakter genau informiert, Sie lassen sich von Ihren Auftraggebern nichts gefallen, außerdem sind Sie stur, wenn Sie einen Fall bearbeiten, führen Sie ihn zu Ende, Widerstand macht Sie nur noch verbissener, deshalb habe ich für Widerstand gesorgt, dieser Anruf gestern in Ihrem Hotel. Marlin: „Lassen Sie die Finger vom Fall Chain“, hmh, das waren Sie. Waterson: Ja, ich wußte, wie das auf sie wirken würde, und ich hatte recht, ich habe meistens recht, Marlin. Marlin: Damit haben Sie es ja auch zum großen Kleinstadtgangster gebracht. Waterson: Ganz recht, seien Sie mir nicht böse, wenn ich unsere interessante Unterhaltung jetzt beende, es ist noch so viel zu tun, ein neuer Polizeichef und... Violet! Marlin: Sie stand in der Tür wie der Racheengel der Apokalypse, und ihr Schwert war ein Smith & Wesson Detective Special, ich langte nach dem Colt, aber das war nicht mehr nötig, sie wurde mit der Situation allein fertig, das ewig weibliche, wie man so sagt, aber Toni, der mir das Leben gerettet hatte, war tot, und Piet, und drei Bullen, und der Guru, und der Polizeichef, alle tot, und jetzt war Waterson fällig. Violet: Er hat mich belogen, er hat versprochen, daß Bill nichts geschieht. Marlin: Geben Sie mir Ihren Revolver. Violet: Ich konnte doch nicht ahnen, daß er Bill umbringen wollte, und ich hab ihm noch dabei geholfen. Marlin: Trösten Sie sich, ich auch, dann haben Sie mich also im Auftrag Ihres Mannes auf Magie Pulaski angesetzt. Violet: Ja, ich sollte auf Sie aufpassen, damit Sie Bill auch bestimmt finden, er sagte, er wolle nur die Papiere zurück, er hat versprochen, daß Bill nichts geschieht. Marlin: Bill, Violet, das war doch nur Theater, Sie wollten sicher gehen, ich sollte mit feuchten Dackelaugen hinter Ihnen herlaufen, damit ich nicht sehe, was rechts und links von mir geschieht, ja, gut ausgedacht, so wars doch, ach, so wars doch. Marlin: Der Fall war erledigt, das Aufräumen konnten andere übernehmen, ich rief die Polizei in Los Angeles an und bestellte zwei Wagenladungen Staatsgewalt nach San Pedro, dann machte ich Bilanz, mein Honorar für zwei Tage und die Spesen waren in den Wind gehustet, und die versprochene Champagnerorgie mit Violet konnte ich im Frauengefängnis feiern, wenn Waterson mir wenigstens einen Vorschuß gegeben hätte. Empfangschef: Sie wollen uns schon wieder verlassen, Sir, hoffentlich hat es Ihnen in unserer sauberen kleinen Stadt gefallen. Marlin: Ja, ich brauch mich wochenlang nicht mehr zu waschen. Empfangschef: Ich habe gehört, daß sich demnächst hier einiges ändern wird, glauben Sie das? Marlin: Hm, vielleicht. Empfangschef: Ach, wissen Sie, das ist uns schon ein paar Mal so gegangen, wenn ein Boss abtritt, steht der nächste schon von der Tür, verzeihen Sie, Sir, gute Reise. Marlin: Phil Marlin war mal wieder der große Katalysator gewesen, der Mann, der seine Fälle auf einem Berg von Leichen beendet, hart, unbeeindruckt, ein Held, wie er im Buche steht, wenigstens bei Chandler, ich hing mir selbst zum Hals raus. Als ich aus der Stadt fuhr, hing der schmutzig-gelbe Himmel über mir wie das Fell einer ertrunkenen Siamkatze. Ich wollte nach Hause. Phil Marlin, Privatdetektiv: Arnold Marquis Mr. Waterson: Gerd Martienzen Mrs. Violet Waterson: Barbara Schöne Polizeichef: Klaus Sonnenschein Gangster Pete: Norbert Langer Gangster Toni: Joachim Pukasz Der Guru: Moritz Milar Maggie Pulaski: Eva Manhardt Polizist Mac: Andreas Berg Empfangschef: Georg Braun Michael Koser: Dies Blutbild ist bezaubernd schön (Ein Vampir-Hörspiel) (RIAS 1973) Broker: Amsterdam, 17. Mai, 6 Uhr 15, in einer halben Stunde wird Prof. Vandenburg bei mir erscheinen, der international angesehene Experte auf dem Gebiet der okkulten Wissenschaften, er hat versprochen, mir meinen ersten Vampir vorzuführen, ich bin gespannt. Prof.V: Wir sind da, Vorsicht, das ist der Sarkophag, fassen Sie mit an, der Deckel ist schwer, Sie haben doch das Kruzifix bei sich und den Knoblauch. Broker: Natürlich. Im Sarg liegt ein älterer Mann, er wirkt entspannt, ruhig, als ob er schläft, ich habe das Gefühl, daß er mich durch die Wimpern hindurch beobachtet, seine Gesichtsfarbe ist ich würde sagen ausgesprochen gesund, die Lippen nein das ist geronnenes Blut in den Mundwinkeln, und dann zwei dunkle Linien bis zum Kinn. Prof.V: Man muß nur daran glauben, wenn Sie den Pfahl festhalten würden, ginge es leichter, festhalten, er bäumt sich auf. Broker: Blut spritzt auf, und jetzt, er zerfällt, er verwest vor meinen Augen, das Fleisch wird grün, löst sich von den Knochen, verschwindet, wird zu Stein. Prof.V: So das wäre geschafft, Sie sind bleich, Mister Broker. Broker: Das ist der Mond, ziemlich theatralisch das ganze, finden Sie nicht. Varney: Das ist alles? Carter: Ja, Mr. Varney, wenn Brokers Angaben stimmen, ist das Tonband vor einem guten Monat in Amsterdam aufgenommen worden. Varney: Wann haben Sie es nach London bekommen? Carter: Gestern von der Direktion des Hotels in dem Broker gewohnt hat, anscheinend hat er es in seinem Zimmer vergessen, als er abreiste. Varney: Wann? Carter: Am 18. Mai. Varney: Wohin? Carter: Unbekannt, wir haben seitdem nichts von ihm gehört, das ist ungewöhnlich, bei früheren Gelegenheiten hat uns Broker alle paar Tage informiert, ich mache mir Sorgen, Broker ist mein Autor. Varney: Sie wollen ihn suchen? Carter: Ja, wenn es Ihnen recht ist, werde ich nach Amsterdam fliegen, dieser Professor Vandenburg sollte aufzutreiben sein und kann mir vielleicht weiterhelfen. Stewardeß: Madame, wir heißen sie an Bord herzlich willkommen... Amsterdam... Coffee or tea... Prof.V: Das von den meisten Autoritäten empfohlene Mittel gegen Vampire ist natürlich der Essen-Pfahl, und ich habe nie etwas anderes benutzt. Carter: Gewiß, um auf Broker zurückzukommen, Professor. Prof.V: Oh ja natürlich, verzeihen Sie, Mr. Carter, wenn ich über meine Arbeit spreche vergesse ich alles anderes, Sie sind kein Adept. Carter: Nein, wie ich schon sagte, ich bin ein Lektor, der seinen Autor sucht. Prof.V: Ja, was Mr. Broker betrifft, ich hatte eigentlich erwartet, daß er nach unseren Erlebnissen in der Gruft seine Nachforschungen aufgeben würde, aber er war bei weitem nicht so beeindruckt wie wir, ich vermutet hatte, er wollte unbedingt am Ball bleiben, so sagen sie ja wohl. Carter: Sie wissen, daß er einen Tag später abgereist ist. Prof.V: Aber natürlich, mein Freund. Carter: Wohin? Prof.V: Daß Sie hartnäckig sind, wie unser Freund Broker, habe ich schon gehört. Carter: Von wem? Prof.V: Ist nicht von Bedeutung. Carter: Sie wollen meine Fragen nicht beantworten. Prof.V: Mr. Carter, ich weiß nicht, ob ich ihnen antworten darf, immerhin geht es hier um Geheimnisse, die nur für wenige bestimmt sind, die man nicht an den Straßenecken ausrufen kann, ich mache Ihnen einen Vorschlag, gehen Sie in Ihr Hotel zurück, warten Sie, es wird sich jemand mit Ihnen in Verbindung setzen, Sie werden neue Informationen erhalten, und können dann entscheiden, ob Sie Ihre Suche fortsetzen wollen, aber wenn Sie mir erlauben, Ihnen einen guten Rat zu geben, fliegen Sie nach London zurück, wir haben hier ein Sprichwort das sagt, wer sich in Gefahr begibt kommt darin um, übrigens, Sie haben doch ein Tonbandgerät in Ihrem Gepäck. Frau: Dieses Tonband ist für Sie abgegeben worden von einer jungen Dame. Carter: Hat sie ihren Namen hinterlassen? Frau: Nein. Carter: Danke. Broker: Paris, 19. Mai, 23 Uhr, die zweite Etappe meiner Nachforschungen beginnt, ich werde an der Feier der geheimnisvollen schwarzen Messe teilnehmen und den berüchtigten AB Karl Melk kennenlernen, den Prof. Vandenburg für das Oberhaupt der Vampire in Frankreich hält, ich stehe vor dem alten Haus in der Avenue Huysmans, in dem Satanisten und Vampire ihre finsteren Rituale zelebrieren. Mann: Losungswort? Broker: Die Stunde der bleichen Eitergewässer ist gekommen. Guru: Meister aller Untoten, der du austeilst die Wohltaten des Verbrechens, Verwalter der Sünden und Laster, Satan, wir beten dich an und erflehen für uns Ruhm, Reichtum und Macht. Frau: Satan. Broker: Der Raum, in dem ich mich befinde, ist voller Menschen, etwa 50 Personen, schätze ich, meist ältere Frauen, gut genährt, gut gekleidet, sie starren in Verzückung auf den schwarzen Altar, auf die Statue des Teufels mit den blutigen Reißzähnen, auf den häßlichen alten Mann, in blutroter Robe, der mit obszönen Gesten seine Litanei herunterbetet. Guru: Meister Satan Dracula, großer Drache, deine treuen Diener flehen dich auf den Knien an, hilf uns bei Missetaten, auf daß menschliche Vernunft sie nicht ergründe. Frau: Meister. Broker: Qualmende Räuchergefäße auf dem Altar, trotzdem riecht es hier vor allem nach sehr menschlichem Schweiß, meine Augen tränen, der Gestank ist kaum zum aushalten. Guru: Verbrennt Raute, Blätter von Bilsenkraut und Stechapfel, trocknet Myrrhe, das sind Gerüche angenehm Satan unserem Herrn und nun vermischt euch zur Ehre unseres Meisters. Frau: Ah. Broker: Jetzt scheinen die Gläubigen in eine Art Trance zu geraten, sie bewegen sich rhythmisch, sie fangen an, sich die Kleider vom Leib zu reißen, sie fallen übereinander her, komisch, Gruppensex, eine gutbürgerliche Massenorgie, ich hatte mir eigentlich etwas anders vorgestellt, etwas gefährlicheres, größeres als nur Ersatzbefriedigung zu kurzgekommener Muttchen, das war mir ein bißchen zu tief unten, hoffentlich bringt die nächste Spur mehr ein, Carmelia hat ein äußerst interessantes Treffen für mich arrangiert. Stewardeß: International Airlines bitten alle Passagiere für Flug Nr. 333 nach Paris zum Ausgang B, ihre Maschine ist startbereit, Madame und Monsieur... O Champs Elysees. Kaffee, Tee? Carter: Ich war in Paris, ich saß in meinem Hotelzimmer und dachte darüber nach, wie ich das alte Haus in der Avenue Huysmans finden könnte, allerdings gab ich mir keine große Mühe, einen Plan auszuarbeiten, wahrscheinlich rechnete ich damit, daß ich wie in Amsterdam ohne mein zutun einen neuen Hinweis bekommen würde, außerdem hatte ich noch ein zusätzliches Problem, wer war Carmelia? Carter: Hallo? Carmelia: Gehen Sie zum Hauptpostamt zur Abteilung für postlagernde Sendungen, Sie werden ein Päckchen finden, das auf Ihren Namen aufgeben wurde. Carter: Mit einem Tonband? Carmelia: Ja, wenn Sie es abgehört haben werden Sie wissen was Sie zu tun haben. Carter: Wer sind Sie? Carmelia: Ich heiße Carmelia. Carter: Können wir uns treffen? Broker: Paris 20. Mai 3 Uhr 45 morgens, im heißen Samowar, einem Lokal, das als Treffpunkt osteuropäischer Emigranten gilt, warte ich auf meine nächste Kontaktperson, es ist niemand anders als Graf Dracul aus dem berühmten Geschlecht der transsylvanischen Draculas. Graf: Hört, in 15. Jahrhundert lebt der Dracul, töten tat er tausend Türken, 1000 Ungarn und Rumänen, Herr war er der Walachei, schön? Broker: Sehr schön. Kellner: Was darf ich bringen? Graf: Sie haben, wie sagt man, Spesen, Mr. Broker? Broker: Nur zu, bestellen Sie, was sie wollen. Graf: Gut, ich will haben eine Bloody Mary, rot und warm. Broker: Pink Gin. Graf: Aha, sie kommen auf Geschmack, bißchen rosa ja, hören sie, Lieblingsstrophe von Heldenlied, seine langen spitzen Zähne schlug er in den Hals der Mädchen, schlürfte Blut aus ihren Adern, bis sie bleich darniedersanken, Furcht ergriff das ganze Land, ah, waren schöne Zeiten damals in Transsylvanien, Land meiner Väter. Broker: Sicher, und heute? Graf: Sakrada, heute Volksrepublik Transsylvanien hat weggenommen alle Länder, Schloß und Güter, leibeigene Bauern, ich bin vertrieben von Scholle, heimatlos in Fremde, sehr traurig, Mister Broker. Broker: Aber ihre nächtlichen Aktivitäten, ich meine, sie sind hier und heute noch als Vampir tätig, wie damals? Graf: Ach Mr. Broker, kein Geld, keine Leibeigenen, die stillhalten, keine Zähne, zu alt, alles vorbei, alles anders, kein Blut mehr, Mr. Broker, nur noch Bloody Mary. Broker: Darf ich Ihnen noch etwas bestellen? Graf: Ich danke, nein ich muß zu Hause sein wenn Sirene von Renoir ertönt. Broker: Sie müssen in Ihren Sarg zurück? Graf: Sie sind Romantiker, Mister Broker, nein, nein, früher einmal, jetzt geh ich in mein Bett, Fernsehen, hat mich gefreut, übrigens wenn Sie wollen Informationen über moderne Vampire, Sie sollten fahren nach Amerika, zu meinem reichen Vetter in New Transsylvania, Kalifornien. Carter: New Transsylvania Californien, USA. Mann: Rezeption? Carter, Zimmer 99, buchen Sie für mich einen Flug nach San Francisco. Stewardeß: International Airlines bitten alle Passagiere für Flug 666 nach San Francisco zum Ausgang C, ihre Maschine ist startbereit, ladies and gentlemen, we welcome you on bord. If youre going to San Francisco. Coffee or Tea? Mann: Willkommen in Newmans, der erfolgreichsten kleinen Stadt in den ganzen großen United States, ehe Sie etwas anderes unternehmen, sollten Sie sich ein Vergnügen gönnen, besuchen Sie Vampireland, die größte Attraktion in den ganzen großen United States, yes sir, lehrreich, spannend, amüsant, sollten sie nicht versäumen, in einer halben Stunden fahrt die nächste Kutsche. Carter: Vampireland, Vampirland, das klang vielversprechend, alles was Broker erlebt und was ich auf den Tonbändern gehört hatte, konnte eigentlich nur Kulisse sein, eine uralte Geschichte, die dadurch nicht wirklicher wurde, daß irgendjemand sie aus verstaubten Büchern herausgesucht und neu aufbereitet hatte, worum es wirklich ging, konnte ich möglicherweise im Vampirland erfahren, was immer das sein möchte. Carmelia: Ich darf sie auf unserer Rundreise durch Vampireland begrüßen, ich bin ihre Führerin und heiße Carmilla. Carter: Carmelia, haben Sie mich in Paris angerufen? Carmelia: Später, Mr. Carter, bevor unsere Fahrt zu Ende ist, werden Sie mehr wissen, jetzt lassen Sie mich meine Arbeit tun, bitte. Vampireland, meine Herrschaften wurde erst vor wenigen Jahren errichtet von der International Vampires Company, als originalgetreue stilechte Imitation der transsylvanischen Karpatenlandschaft mit ihren Wäldern und Bergen, mit ihren geheuren und weniger geheuren Bewohnern, die Anlage kostete 50 Mio. Dollar. Frau: Wonderful! Carmelia: Wir verlassen jetzt den Highway und fahren durch ein echt mittelalterliches Tor in Vampireland ein, Blende 8, 1 fünfzigstel, es wird dunkel, blutrot versinkt die Sonne hinter dem Kosovoberg, auf dem Sie vorn rechts Draculas Schloß sehen, die Wölfe, Kinder der Nacht, regen sich in ihren Schlupfwinkeln, sie wittern den geheimnisvollen Unbekannten, der Macht über sie hat, Fledermäuse sirren durch die schwüle Luft, das ist die Stunde, in der Dracula erwacht. Ah! Kein Grund zur Beunruhigung, es handelt sich nur um optische und akustische Spezialeffekte, für Sie programmiert und arrangiert von International Vampires Company. Frau: Wonderful. Carmelia: Meine Damen und Herren, wir haben nun unser Nachtquartier, den alten transsylvanischen Gasthof zur goldenen Krone erreicht, International Vampires Company wünscht Ihnen einen erholsamen Aufenthalt, angenehmes Gruseln und eine gute Nacht. Frau: Wonderful. Carmelia: Mr. Carter, Sie werden in Ihrem Zimmer außer Ihrem obligatorischen Knoblauchkranz ein Tonband finden. Carter: Mit schönen Grüßen von Dracula? Carmelia: Vielleicht. Carter: Wonderful. Broker: New Transsylvania 23. Mai, 18 Uhr 30, heute nacht werde ich Vampireland erkunden, auf eigene Faust, und wenn mehr dahintersteckt, als nur eine Touristenattraktion, werde ich es herausbekommen. Vor mir liegt Draculas Schloß, ein Horrorgedicht in bester amerikanischer Neugotik, wahrscheinlich aus Gips und Plastik, aber doch irgendwie beeindruckend. Mann: Seien Sie willkommen, Sie werden erwartet. Broker: Wieso, niemand weiß, daß ich hier bin. Mann: Folgen Sie mir. Broker: Ich bin in einem Zimmer, das offenbar für einen späten Gast hergerichtet wurde, für mich? Die Atmosphäre ist, wie soll ich sagen, nicht geheuer, ich bin kein Feigling, aber ich habe das Fenster verriegelt und die Tür abgeschlossen, Carmelia, Carmelia! Carmelia: Meine Augen brennen in dich hinein und deine Kraft wird zu Wasser, ich liebe in deinem warmen leben und du sollst in meinem sterben. Broker: Laß doch den Unsinn, deine Zähne. Carmelia: Liebe braucht Opfer und Opfer sind blutig, ich vergehe vor Sehnsucht nach deinem warmen roten Blut. Broker: Carmelia! Carmelia: Mein Biß ist sehr süß und sehr bitter. Carmelia: Mein Biß ist sehr süß und sehr bitter. Carter: Das zieht bei mir nicht, Schluß damit. Carmelia: Willst du dich nicht von mir beißen lassen. Carter: Nein, vielen Dank, ich will wissen, was hier gespielt wird. Carmelia: Sie reagieren genau wie Broker, das war vorauszusehen, wir wollten es wenigstens versuchen, Sie sind schwer zu beeindrucken, Mister Carter, nicht gerade ein Kompliment für meine vampirischen Fähigkeiten. Carter: Tut mir leid, was jetzt? Carmelia: Kommen Sie mit. Carter: Wohin? Carmelia: Zur Direktion von International Vampires, Sie wollten doch wissen, was los ist, wir gehen in den Keller und fahren durch einen Gang unseres unteririschen Kommunikationssystems in einer Druckluftkapsel, einer Art Rohrpost, in ein paar Minuten sind wir im Hochhaus. Carter: Mr. Varney. Varney: Mr. Carter. Carter: Sie sind doch in London. Varney: Was bedeutet ein Ort, was bedeutet ein Name, ich bin einer und ich bin viele, hier bin ich Mr. Dracula, Chef der International Vampire Company, Generaldirektor und Besitzer der Aktienmajorität, einer der reichsten Männer im reichsten Land der Erde, sagen Sie nichts, Carmelia das Tonband, hören Sie, was ich Mister Broker zu sagen hatte, ich liebe es nicht mich zu wiederholen. Broker: Das steckt also hinter der ganzen Horrorshow, Kapital, eine Firma. Varney: Die Firma, Mister Broker, Geld ist Leben und Leben ist Blut, 3. Buch Moses Kapitel 17 der Zeit angepaßt, Voltaire, Sie kennen Voltaire? Broker: Flüchtig. Varney: Voltaire sagt: Die wahren Blutsauger wohnen nicht auf den Friedhöfen, sondern in wesentlich angenehmeren Palästen, ein wahres Wort, wir haben Paläste und Fabriken in allen Ländern, die Öffentlichkeit kennt uns nicht, wir schätzen es nicht, wenn jemand von außen uns zu nahe kommt, wie Sie, Sie haben sich von den für Sie arrangierten Aufführungen unserer Filialen nicht irreführen lassen, das spricht für Sie. Broker: Danke. Varney: Reißzähne, Sarkophage, transsylvanische Grafen und schwarze Messen, darüber ist die Zeit hinweggegangen, Feierabendhorror, weiter nichts, es gibt schlimmeres, Gasöfen, qualmende Schornsteine, tote Fische in den Flüssen, verhungernde Kinder, lebende Fließbandautomaten, das ist unser Horror, der neue Horror, Mr. Broker, daran verdienen wir. Broker: Und sicher nicht schlecht. Varney: Ganz recht, natürlich pflegen wir auch die Tradition, Vampireland und seine Ableger in Amsterdam und Paris sind Launen von mir, allerdings Launen, die Geld bringen, Sie sind alert und zielbewußt, Mr. Broker, wir können Sie gebrauchen, kommen zu International Vampires, verdienen Sie mit, werden Sie einer von uns, werden Sie Vampir. Carter: Wie hat Broker sich entschieden? Varney: Positiv natürlich, er ist jetzt einer meiner Stellvertreter, sehr tüchtig, ein Gewinn für die Firma, wollen sie ihn sprechen? Carmelia: Verzeihung Mr. Dracula, ich fürchte Mr. Broker hat keinen Termin frei, die Arbeit an unserem neuen Projekt. Varney: Ah ja, bedauerlich, was sie betrifft Mr. Carter, ich mache Ihnen das gleiche Angebot, entscheiden Sie sich schnell, Zeit ist Geld, Geld ist Leben usw. Carter: Nein ich lehne ab, mit Dank, wenn sie wollen, aber unwiderruflich, ihre Firma gefällt mir nicht. Varney: Schade, Sie sind ein Idealist, Mister Carter, ich respektiere ihre Entscheidung, leben sie wohl. Carter: Sie lassen mich gehen? Varney: Natürlich, wofür halten Sie uns, gehen Sie. Carmelia: Gute Reise. Carter: Im Wartesaal des Flughafens dachte ich nach über die fantastische Geschichte, in die ich geraten war und darüber, was ich jetzt tun sollte, zu Varna Dracula, zum Verlag konnte und wollte ich nicht mehr zurück, ich hatte mir einiges zurückgelegt, vielleicht sollte ich mich für ein halbes Jahr zurückziehen und das Buch schreiben, das Broker nicht mehr schreiben würde, es erschien mir wichtig, anderen mitzuteilen, was ich erfahren hatte, möglicherweise würde man mir sogar glauben, ich zweifelte allerdings daran, daß es etwas nützen würde, was hilft schon gegen Vampire, ein Buch, ich weiß nicht. Stewardeß: International Airlines bitten alle Passagiere für Flug Nr. 999 nach London zum Ausgang B, ihre Maschine ist startbereit, ladies and gentlemen we welcome you on board. Carmelia: Auf dem Flug von San Francisco nach London ist gestern gegen 19 Uhr Ortszeit eine mit 6 Besatzungsmitgliedern und 52 Passagieren besetzte Maschine der International Airlines über dem Nordatlantik abgestürzt, es muß damit gerechnet werden, daß keiner der Insassen den Absturz überlebte. Varney: Gut gemacht, Carmelia. Carmelia: Armer Mister Carter. Varney: Er wußte zu viel, und jetzt wieder an die Arbeit. Stan Broker: Martin Hirthe Michel Carter: Michael Degen Varney: Sigmar Schneider Professor Vandenborg: Gerd Martienzen Graf Dracul: Georg Braun Carmelia: Christine Merthan Stewardeß: Iris Hahnemann Pförtner: Paul Hubschmid Ordog: Dietrich Frauboes Immer wieder angespielter Song im Hörspiel: Aphrodites Child - The Four Horsemen Michael Koser: Ping-Pong zur Ming-Zeit (Erotische Erzählung aus dem alten China) (RIAS 1977) Kennen Sie Kung Fu? Kennen Sie Mao Tse Tung? Aber kennen Sie auch Ming Ping Pong? Ming Ping Pong ist kurz gesagt nichts anderes als eine Abkürzung bzw. Kurzfassung des Titels dieser unserer Sendung, welcher in voller Länge lautet wie folgt: Ping-Pong zur Ming-Zeit - Erotische Erzählungen aus dem alten China Das Manuskript schrieb Michael Koser Aber was, werden Sie nun fragen ist Ping Pong zur Mingzeit. Eigentlich um ganz ehrlich zu sein, nur der etwas reißerische Titel für eine Sendung über einen wichtigen Abschnitt der chinesischen Literaturgeschichte, mit Körperkultur oder gar Leistungssport hat unser Thema höchstens im übertragenen Sinne zu tun... Steht und fällt mit dem Text, dem Wort. Fönis war die Tochter des Tsam Jü, aus Dung Ping in der Provinz Schanto, als sie noch ein Kind war, mischten ihre Eltern immer wohlriechende Substanzen in ihre Speisen und Getränke, so daß spätel, als sie herangewachsen war, ihr ganzer Leib duftete, und man ihr den Beinamen Palfüm gab. Nun ja, und so weiter, die beste und interessanteste Lösung für eine Sendung über erotische Erzählungen aus dem alten China ist immer noch, da werden Sie uns zustimmen, das schlichte erzählen, daran wollen wir uns halten, aber bevor wir beginnen Ihnen die erste Geschichte zu erzählen, können wir nicht umhin in aller gebotenen Kürze etwas über China, die Ming-Zeit und chinesische Geschichten im allgemeinen zu sagen. Die Ming Zeit, das heißt die Epoche in der die kaiserliche Ming Dynastie das Reich der Mitte beherrschte, dauerte nach unserer Zeitrechnung von 1368 bis 1644, sie war nach der unruhigen Ära der Mongolenherrschaft eine verhältnismäßig friedliche Epoche der chinesischen Geschichte. Friede und Freude in China und in der Welt, unser Reich wird ewig sein wie die Sonne. In der chinesischen Literaturgeschichte ist die Mingzeit die Periode des Realismus, in ihr entstanden die ersten großen Romane, beide Gattungen, Geschichte und Roman galten wenig in der literarischen Wertskala ihrer Zeit, wurden zum niederen Schrifttum gezählt, im Gegensatz zu Lyrik und Essay, daher schmückten sich die Erzählungen häufig mit eingestreuten Betrachtungen und vor allem mit Gedichten. Der Rauch des Beckens löst sich schon auf, tief liegen die Schatten der Lampe, der Wandschirm hinter dem Bett bewegt sich, und auch der beschwerte Vorhang. Liebeslust ist vergleichbar mit Fischen, die sich im Wasser tummeln, nach Westen sich wendend kaum daß sie nach Osten geschwommen. Im alten China gab es zwei Arten von Erzählungen, Novellen in der Schriftsprache, die nur wenige gebildete beherrschten, und Geschichten in der Umgangsprache des Volkes, sprachlich formal unterscheiden sie sich stark voneinander, wie etwa die lateinische Hochliteratur des späten Mittelalters von den Literaturen in den jeweiligen Volkssprachen, was den Inhalt betrifft sind sie gleich, sie erzählen von Mandarinen, von Räubern und Geistern, von Mönchen und da auch im alten China die Liebe als wichtiger Bestandteil des Lebens galt, von edlen und weniger edlen liebenden. Das sei uns Stichwort für unsere erste Geschichte, sie stammt aus der Sammlung San Yan, das heißt drei Gespräche des Autors Feng Menglong, und wurde übersetzt von Kartar Fung, bei dieser Gelegenheit machen wir eine dankbare Verbeugung auch vor den anderen Übersetzern, ohne deren Mühe die Sendung nicht zustande gekommen wäre, Johanna Herzfeld, Wolfgang Bauer und Herbert Frank, und jetzt fangen wir an zu erzählen. Brave Männer und ihre Gattinnen tun alles für die Nachkommenschaft, vergnügt und hilfsbereit meditieren Mönche in verschlossenen Zellen, wir wissen alle, daß geben seliger macht den nehmen, wo aber steht geschrieben daß nicht auch nehmen zum Glück beitragen kann, danach handeln wohl viele Mönche dieser Welt, vielleicht sogar die meisten, ein Kloster allerdings, der Tempel zum edlen Lotus, schien darin eine Ausnahme zu sein, deshalb hatte das Kloster großen Zuspruch und wohl auch deshalb, weil sich in ihm eine Halle befand, die man die Kindersegenhalle nannte, Guanyin, die Göttin der Barmherzigkeit, hatte dort ihre Residenz und zu ihr kamen aus den fernsten Provinzen die Frauen, denen Kindersegen versagt geblieben war, Guanyin war eine wahrhaft barmherzige Göttin, denn keine der Frauen ging ungetröstet nach Hause, haha, neun Monate nach dem Gebet hatte ihr Segen das Wunder vollbracht und kräftige Kinder krähten in den Wiegen, hehe, wie schnell machen doch solche Geschichten die Runde im Lande, eines Tages hörte auch der Statthalter Wan Dan von den Wundern Guanyins, und da er ein äußerst besonnener, mithin aber auch skeptischer Mann war, wollte er alles recht genau wissen. Am besten ists wenn ich selbst einmal den Tempel besuche. Gedacht getan, der Statthalter, vom Vater Abt mit allen gebührenden Ehren empfangen, inspizierte das Kloster aufs sorgfältigste, ohne jedoch etwas Ungewöhnliches oder gar Ungehöriges zu entdecken, so kehrte er zurück und dachte nach. Kann denn eigentlich eine hölzerne Gottheit derartige Dinge vollbringen, frage er sich und es bedurfte nicht allzulangen Nachdenkens, um sich darüber klarzuwerden, daß hier irgendeine Teufelei mit im Spiel zu sein schien, er gab den Auftrag, zwei der schönsten Blumenmädchen herbei zurufen. Geht ins Kloster zum edlen Lotus, sobald die Zeit gekommen ist, da ihr in der Zelle schlafen sollt, wird jede von euch ein Gefäß mit Tinte unter dem Gewand verbergen, die eine wird rote, die andere schwarze Tinte mit sich führen, sobald sich euch eine Gottheit oder etwas dergleichen nähern sollte, beschmiert ihr unbemerkt den Kopf mit der Farbe. Die Mädchen taten wie ihnen befohlen war, als eines der beiden, namens Yuan Mei des Nachts in der ihr zugewiesenen festverschlossenen Zelle lag, geschah folgendes: Plötzlich bewegte sich eine Platte des Fußbodens und wurde langsam weggeschoben, Yuan Meis Augen weiteten sich, als sie den kahlgeschoren Kopf eines Mönchs sah, der sich Stück um Stück nach oben schob. Da schau, das ist also das große Tempelgeheimnis. Bald darauf drängte sich ein nackter Männerleib an den ihren, auch fühlte sie eine erfahrene Hand an ihren Brüsten. Ich bin ein Jünger Buddhas und von Guanyin zu euch gesandt, sprach der Mönch und machte sich emsig ans Werk, trotz aller Wonne versäumt es Yuan Mai jedoch nicht, aus ihrer Tintenschale Farbe zu nehmen, mit der ihre liebkosenden Hände den kahlen Schädel fleißig einrieben, der Wonnespender war so tief beschäftigt, daß er nichts gewahr wurde, als er zum Ende gekommen war, machte er einem zweiten Mönch Platz, welcher die fromme Arbeit mit frischen Kräften fortsetze, zur gleichen Zeit erging es Lin Wan, dem zweiten Blumenmädchen ganz ähnlich, auch ihr erschienen zwei Wonnemönche, um Guanyins Segen weiter zu geben und um mit Tinte gezeichnet zu werden, zärtlich nahm der zweite Abschied. Mache ich euch glücklich, ihr seht daß ich nicht so heftig bin wie der andere, ich bin ganz auf euer Empfinden eingestellt. Am frühen Morgen erschien überraschend der Statthalter mit hundert bewaffneten Bütteln im Kloster und befahl dem Abt: Bringt mir die Namensliste euer Brüder, ehrwürdiger Meister. Dann ließ er nach der Liste alle Mönche vor sich rufen und als sie erschienen waren, gebot er ihnen die Kappen abzunehmen, niemand wagte sich der Aufforderung zu widersetzen und so entblößten sich alle Häupter, da konnte man plötzlich zwei feuerrote Schädel in der Sonne leuchten sehen und nicht weniger deutlich hoben sich zwei weitere ab, die pechschwarz gefärbt waren. Faßt die vier und legt sie in Ketten, sagt mir Halunken, warum ihr so farbige Schädel habt, wer hat sie euch bemalt. Als er keine Antwort erhielt, ließ der Statthalter die Blumenmädchen vortreten, sie berichteten und die vier entdeckten Farbköpfe machten unermüdlich Kotau und erflehten die Gnade des Statthalters, der aber geriet in unbändigen Zorn, nannte sie vor Geilheit stinkende Hunde und räudige Wasserbüffel, dann sprach er zum Abt: Ihr seid ein sehr kluger Mann, aber doch nicht so klug, daß ihr euch nicht hättet erwischen lassen, aus eurem Kloster habt ihr ein Freudenhaus gemacht und ehrbare Frauen habt ihr in den Schmutz gezogen. Was nun folgte, kann man sich leicht ausmalen, der Abt mußte im Gefängnis schmachten, ihm wurde der Prozeß gemacht und er bereute bitter seine Leichtfertigkeit, schon lange bevor er dem Henker übergeben wurde, nur zwei kindliche Novizen, deren Unschuld allein schon durch ihre Jugend erwiesen war, blieben ungeschoren, verschont blieb auch der uralte zahnlose Weihrauchdiener, dem zu seinem Glück keine Frau mehr etwas anhaben konnte. Das war unsere erste chinesische Geschichte, die so dürfen wir wohl annehmen, Ihnen weniger exotisch als vielmehr trotz der Göttin Guanyin merkwürdig vertraut erschien, von lüsternen Mönchen wimmelt es schließlich auch in der Novellenliteratur des Abendlandes, bei Boccaccio und seinen Nachahmern, bei der Königin Margarete von Navarra, bei Balzac, und da wir gerade bei diesem Thema sind, auch sonst bieten die Erzählungen aus dem alten China eine Fülle auch hier bekannter Typen und Gestalten, wovon Sie sich im weitern durch Stichproben überzeugen wollen, da ist etwa der edle Räuber: Der Mandarin von Wuhim hat haufenweise Gold und Juwelen in seinem Amtssitz aufgestapelt, und all diesen Reichtum hat er auf unredliche Weise zusammen gebracht, erleichtere ihn doch mal um einen Teil seiner Besitztümer und verteile den unter die Armen. Die lustige Witwe: Das Schicksal hat uns zusammengeführt, er war Liebe auf den ersten Blick, du weißt ich bin Witwe, ich bin wieder frei, willst du dein Leben fürderhin mit mir teilen, dann geh zur Heiratsvermittlerin, wegen deiner Armut brauchst du dir keine Sorgen zu machen, Geld habe ich selbst genug. Die jungen unerfahren Liebenden: Erst küßten sie sich zaghaft, doch wurden sie immer kühner, als sie merkten wie leicht es ist und gleichzeitig wie wunderbar die Zungen zu tauschen, aber so groß beider Sehnsucht auch war, sie wußten anfangs nicht, was nun weiter geschehen sollte, doch auch bei völliger Unberührtheit bricht die Liebe sich Bahn und so kam es wie es kommen mußte, beide fanden ohne fremde Hilfe zu einander. Außerdem gibt es natürlich auch erfahrene Liebhaber, edle Helden, schöne Mädchen, finstere Bösewichte, im fernen Osten wie im nahen Westen, also sind, werden Sie fragen, die Chinesen gar nicht so ungeheuer anders wie es die Volksmeinung wahrhaben will, zumindest soweit es ihre Novellen betrifft, gewiß, einerseits, andererseits aber enthalten auch die erotischen Geschichten aus der Mingzeit hinreichend unbekanntes, verblüffendes, kurioses, eben typisch chinesisches. Bei der umfassenden Darstellung der chinesischen Gesellschaft in den Novellen war die Erotik nur ein, allerdings, wichtiges Moment, Autoren und Leser waren nicht prüde, pornografisch interessiert waren sie allerdings auch nicht. Was erscheint nun in den Geschichten der Mingzeit dem fremden Teufel, wie man im alten China den Barbaren aus dem Westen nannte, als eigentümlich chinesisch, da ist wohl an erster Stelle die große Bedeutung die literarisch geistiger Bildung zugemessen wird, Helden und Heldinnen der Novellen sind zwar auch schön und edel, vor allem aber klug und gebildet. Ich habe das Studium der Konfuzianer zu meiner Beschäftigung erkoren und mich der Literatur verschrieben, alle vier Klassen des Schrifttums, kanonische Bücher Geschichtswerke, Philosophen und die schöne Literatur, habe ich von vorn bis hinten durchgeackert. Eisvogel war die Tochter eines Bürgers aus Juanan, namens Liu, sie war schon früh von großer Klugheit und konnte das klassische Buch der Lieder und das Buch der Urkunden auswendig. Sehr chinesisch ist auch die formalistische Höflichkeit, von der sich nicht einmal Grabräuber freimachen können. Bevor er den Sarg öffnete, klopfte er daran und sprach: Mein liebes Fräulein, entschuldigt bitte, was ich jetzt tun werde, ich nehme mir all eure Haare, denn ich kann sie bestimmt besser gebrauchen als ihr, macht mir also bitte keine Schwierigkeiten. Fremd ist uns auch die reizvolle, leider kaum zu imitierende Lösung des alten Problems vom Mann zwischen zwei Frauen: Beide Mädchen sagten: zwar sind wir nur geringe Personen, aber es tat uns dennoch immer wieder weh, daß wir die Zeit, ob Herbstmond oder Frühlingsblüte, nutzlos vergeudet haben und daß wir nicht dazu kamen die liebende Neigung zu befestigen, wir möchten mit euch das eheliche Lager teilen und auf ewig euch zu treuen Diensten sein, wenn ihr unserer Bitte folgt, werden wir beide euch heiraten. Und sie lebten fortan, wie wir doch hoffen wollen, zu dritt glückselig beisammen, noch unvertrauter als offizielle problemlose Vielweiberei ist eine besondere Art chinesischer Geister die es gewaltig nach irdischer Liebe verlangt, darum geht es in der zweiten Geschichte, die wir in größerer Ausführlichkeit erzählen wollen, sie heißt Sjä-dau, die schöne Kurtisane. Während der Regierungszeit des Mingkaisers Hongwu lebte in der Stadt Kanton ein junger Mann namens Jen, der Meni gerufen wurde, sein Vater Jenbeilu wurde als Inspektor des Schulwesens in die Stadt Fengdu versetzt und nahm seine Familie mit, Meni war ein schlanker junger Mann, immer guter Laune und seinen Altersgenossen in allen Dingen überlegen, er verstand ebenso schön zu schreiben wie zu malen, und spielte Gitarre und Schach gleich ausgezeichnet, bei all diesen Vorzügen war es nicht verwunderlich, daß der reiche Herr Tschang, der auf dem Lande lebte, ihn als Hauslehrer einstellte. Eines Tages wollte Meni seine Eltern besuchen, auf seiner Wanderung zur Stadt gelangte er zu einem Hain von Pfirsichbäumen die in voller Blüte standen, als er hielt um den Anblick zu genießen wurde er gewahr, daß sich zwischen den Zweigen eine schöne junge Dame zu verbergen trachtete, am nächsten Tag ging Meni absichtlich den gleichen Weg und diesmal ließ die Dame ihn in ihr Haus bitten. Verbringt den Abend bei mir junger Herr. Erlaubt mir nach eurem geehrten Familienamen zu fragen. Der Name meiner unbedeutenden Familie ist Ping, mein Gatte, Herr Ping, ist leider kurze Zeit nach unserer Hochzeit gestorben und ich habe mich als Witwe in dieses Landhaus zurück gezogen, durch diese Heirat bin ich übrigens verwandt mit eurem hochgeschätzten Gönner Tschang. Es entwickelte sich eine geistreiche Unterhaltung und, ohne daß sie es gewahr geworden, war die zehnte Abendstunde herangekommen, die schöne Dame geleitete Meni in ihr Schlafzimmer und sagte: Schon seit langer Zeit lebe ich in diesem Haus in völliger Einsamkeit, nun hab ich heute Abend eure Höflichkeit und Liebenswürdigkeit kennengelernt, und ich kann mir nicht versagen, euch ein wenig meine Liebe zu zeigen, darum schlage ich euch vor, mir heute Nacht Gesellschaft zu leisten. Das ist mein sehnlichster Wunsch, aber ich hätte niemals gewagt euch darum anzugehen. Darauf entkleideten sie sich und gingen gemeinsam zu Bett, sie waren glücklich wie zwei im Wasser spielende Fische und vergaßen über ihrer Liebe die Welt um sich herum. Am nächsten Morgen beschenkte die schöne Dame Meni mit einem kostbaren Briefbeschwerer aus Jade, geleitete ihn zur Tür und sagte: Wenn ihr nichts Besseres vorhabt, so kommt heute abend wieder. nehmt euch kein Beispiel an herzlosen und unzuverlässigen Menschen. Einer solchen Ermahnung bedarf es bei mir nicht. Sechs Monate vergingen ohne daß die Liebenden merkten wie die Zeit dahinfloß, sie betrachteten die Blumen und schauten zum Mond auf, sie sangen und schlürften Wein und versagten sich keinerlei menschliche Freude, aber das Unglück will es, daß das gute niemals von Dauer ist, so mußte auch für diese beiden liebenden das Ende ihres Glücks heran kommen, sein Vater und Herr Tschang entdecken zufällig, daß Meni seine Nächte weder im Elternhaus auf noch auf Tschangs Gut verbrachte, sie nahmen ihn streng ins Gebet, Meni sah ein daß es keinen Ausweg für ihn gab und berichtet von seiner Bekanntschaft mit der schönen Dame aus der Familie Ping, die eine Verwandte des Herrn Tschang sei, dieser sagte erstaunt: Aber ich habe in dieser Gegend überhaupt keine Verwandten, und kein Zweig meiner Familie führt den Namen Ping, hinter deinem Erlebnis steckt sicher ein Spuk, ich rate dir dringend, vorsichtig zu sein und unter keinen Umständen noch einmal dieses Landhaus aufzusuchen. Meni glaubte ihm nicht und besuchte am Abend, wie er es gewohnt war, seine schöne Geliebte, sie leerten einige Schälchen Wein miteinander und in der Nacht gaben sie sich ihrer Liebe hin, aber als der Morgen heraufdämmerte begann sie bitterlich zu weinen und sagte: Wir werden auf immer getrennt werden. Unter heißen Tränen nahmen sie voneinander Abschied, als Mengis Vater feststellte, daß sein Sohn wieder in jenem Haus übernachtet hatte, wurde er zornig und sagte zu Herrn Tschang: Ich will mich von meinem zuchtlosen Sohn geführt selbst an jenen Ort bemühen und nachforschen. Sie gingen zu dritt aus der Stadt und schlugen den Weg zum Pfirsichhain ein, als sie dort anlangten, reckten sie alle überrascht den Hals, rundum sahen sie nur glitzerndes Wasser und bewaldete Hügel, nichts weiter, vor ihnen ragte ein Dickicht mit Pfirsichbäumen auf, im Untergehölz schimmerte ein einfaches Grabdenkmal, das Haus war verschwunden, Herr Tschang schüttelte nachdenklich den Kopf. Es wird erzählt, daß sich an dieser Stelle das Grab einer Kurtisane aus der Tang-Epoche befindet, Sedau war ihr Name, in einer späteren Generation erinnerten sich die Menschen der Worte des Dichters Jinku, zarte Pfirsichblüten bedecken Jaus Grab, und sie pflanzten an dieser Stelle mehrere hundert Pfirsichbäume an, damit sie zur Blütezeit darunter Lustwandeln konnte, die schöne Dame, der euer geschätzter Sohn begegnet ist, ist zweifellos Sedau gewesen, sie ist schon Jahrhunderte lang tot, aber ihr Geist ist anscheinend der gleiche geblieben, es ist ratsam, dieser Sache nicht weiter nachzugehen. Meni studierte weiter und bestand auch die höchste Prüfung, mit der er den Grad eines Tshinshi, eines Doktor erwarb, er wurde nicht müde sein abenteuerliches Erlebnis zu erzählen, aber wie oft er auch an die schöne Geliebte dachte, er hat sie nicht wiedergesehen. Die Geschichte, erotisch, aber eher elegisch als heiter, ist vorbei und auch mit unserer Sendung geht es dem Ende zu. Und am Himmel schwebt die Krähe, huscht der Hase dahin, auf Erden erscheinen die Menschen von heute, verschwinden die von gestern, wo einstmal Freude herrschte, ragt jetzt ein öder Hügel, in einem Augenblick wird Recht zu Unrecht, Sieg zur Niederlage, lerne jenseits von Lärm und Hast der Welt Ruhe zu finden. Und jetzt wissen Sie, was Ping-Pong zur Ming-Zeit ist. Das wars. Ping Pong zur Ming-Zeit. Erotische Erzählungen aus dem alten China. Das Manuskript schrieb Michael Koser. Es sprachen: Almut Eggert, Rolf Marnitz, Klaus Nägelen, Henning Schlüter und Peer Schmidt. Aufnahmeleitung: Ingeborg Karn. Schnitt: Manfred Rabbel. Ton: Klaus Krüger. Regie: Dietrich Auerbach. RIAS Berlin 1977. Michael Koser: Das Geheimnis von Craven-Hall (RIAS 1978) (nach Catherine Louisa Pirkis: The Murder of Troytes Hill) Versetzen Sie sich nun im Geiste zurück, um ein gutes dreiviertel Jahrhundert, in die Zeit der Gasbeleuchtung und der Pferdedroschken und folgen sie mir in das Gerichtsgebäude einer kleinen englischen Stadt, wo gerade eine Totenschau abgehalten wird, ein Mord hat stattgefunden. Richter: Und dann sahen Sie die Leiche. Butler Hales: Jawohl euer Ehren, ich erblickte den dahingeschiedenen in seinem Blute liegen, inmitten dieser chaotischen Umgebung, es war abscheulich, wenn ich mir diesen starken Ausdruck gestatten darf. Richter: So. Und was taten Sie dann? Butler: Ich sagte oh! Richter: Oh? Butler: Jawohl euer Ehren, oh, ich erinnere mich genau. Richter: Und dann? Butler: Äh, dann dachte ich nach. Richter: In der Tat. Und? Butler: Ich äh ich dachte also nach, etwa 2 Minuten, würde ich sagen, dann kam ich zu der Überzeugung, dies sei ein Fall für die Polizei, daher beschloß ich mich nach Grenfell zu begeben und Wachtmeister Williams zu benachrichtigen. Wachtmeister: Bei dem Toten handelt es sich um einen gewissen Alexander Henderson, allgemein bekannt als Old Sandy, 62 Jahre alt, Gärtner bei Mr. Craven auf Craven Hall, in dieser Eigenschaft bewohnte er eine Hütte im Park des besagten Mr. Craven, nicht weit vom Herrenhaus entfernt. Dort. Richter: Dort fand ihn Mr. Cravens Butler, in leblosem Zustand, worüber er Sie informierte, das ist uns bereits bekannt, Wachtmeister, wir wollen von Ihnen wissen, ob Ihnen etwas besonders auffiel, als Sie die Leiche in Augenschein nahmen. Wachtmeister: Gewiß euer Ehren, in dem Zimmer herrschte ein unglaubliches Durcheinander, ganz abgesehen von der Leiche, ein Tohuwabohu, gar nicht zu beschreiben. Richter: Machen Sie uns die Freunde und versuchen Sie es trotzdem. Wachtmeister: Ja euer Ehren, äh, das Bett war umgestürzt, desgleichen der Tisch und ein Stuhl, der zweite Stuhl stand auf dem Kleiderschrank, Laken und Bettdecke waren zusammengerollt und in den Kamin gestopft worden, Vasen und anderes Geschirr lagen in Scherben auf dem Fußboden, als ob eine Horde Affen gehaust hätte. Dr. Johnson: Sofortiger Exitus war natürlich die Folge. Richter: Natürlich, würde es Ihnen etwas ausmachen, Doktor Johnson, Ihre Aussage kurz zu wiederholen, wenn möglich so, daß sie auch für einen medizinischen Laien verständlich wird. Dr.: Wie Sie wünschen, euer Ehren, ich möchte aber darauf hinweisen, daß laienhafte Formulierungen nicht gerade zur wissenschaftlichen Präzision beitragen. Richter: Wir werden uns damit abfinden, Doktor, die Todesursache war also. Dr.: Schlicht gesagt, ein Schlag auf den Schädel ausgeführt mit einem stumpfen Gegenstand und großer Körperkraft, die Lage des Toten auf dem Fußboden des Zimmers, direkt unter dem offenen Fenster, deutet darauf hin, daß er den Schlag erhielt, während er den Kopf aus dem Fenster steckte. Richter: Interessant, und wann. Dr.: Der Tod trat etwa 12 Stunden vor meiner Untersuchung ein, also zwischen 5 und 6 Uhr am frühen Morgen des 8. September 1901, darauf läßt auch die Tatsache schließen, daß der Tote lediglich mit einem Nachthemd aus himmelblauem Flanell bekleidet war. Craven: Familienfaktotum könnte man sagen, treuer Diener, seit ich in Oxford war, als Student, wissen Sie, alte neue und vergleichende Philologie, damals fing ich an mit meinen Forschungen über die Ursprache der Menschheit, ich weiß nicht ob sie sich vorstellen können. Richter: Gewiß Mr. Craven, äh hatte der Tote Ihres Wissens Feinde? Craven: Feinde, wer? Richter: Handerson natürlich. Craven: Sandy, meinen Sie, Feinde, ganz bestimmt nicht, eine Seele von Mensch, allgemein beliebt. Richter: Demnach glauben Sie nicht, daß der Täter in seinem Wirkungskreise zu suchen wäre. Craven: Unsinn, völlig unmöglich, ein Landstreicher vielleicht oder ein Irrer. Richter: Gestatten Sie mir zum Schluß dieser Totenschau einige notwendige Betrachtungen, der Fall liegt noch in den bewährten Händen der hiesigen Kriminalpolizei und ich bin sicher, daß Inspector Griffin, der die bisherigen Untersuchungen mit großer Umsicht geleitet hat, bald den Urheber dieser schändlichen Tat ermitteln und der gerechten Strafe zuführen wird, aber wie ich soeben erfahren habe, gedenkt der Polizeipräsident unserer Grafschaft einen Londoner Spezialisten hinzuziehen, angesichts gewisser angeblich merkwürdiger Umstände des Falles und angesichts der Tatsache, daß eine angesehene Familie wenn auch nur indirekt betroffen sei, wir halten dies, wir sagen es in aller Offenheit, für eine durchaus unnötige Maßnahme, ja noch mehr, für eine Verschwendung von Steuergeldern, denn kann wohl ein Zweifel daran bestehen, daß es sich beim Täter um einen Wahnsinnigen handelt, der durch eine Überprüfung der einschlägigen Anstalten in der Umgebung leicht zu ermitteln sein dürfte, für uns ergibt sich daraus wieder einmal die traurige Veranlassung, auf den gefährlichen Geist dieser unserer modernen Zeit, warnend hinzuweisen, auf die beklagenswerte Hektik des kaum begonnenen Jahrhunderts, die sich ausdrückt in Automobilen, Telefonen und weiß der Himmel noch was für entsetzlichen Erfindungen, auf die verfehlte Sucht nach neuem, die das bewährte alte verachten zu müssen glaubt, all dieses kann wie wir leider schon des öfteren festzustellen hatten, ungefestigte Charaktere in kriminellen Irrsinn stürzen, bedenken Sie dies meine Herren vom der Jury, wenn sie sich nunmehr zurückziehen um ihren Spruch zu beraten. Inspektor Griffin: Mord durch eine oder mehrere unbekannte Personen, na das war zu erwarten, dann machen Sie mir mal eine Liste aller Sanatorien in der Grafschaft, damit wir sie in den nächsten Tagen abklappern können. Wachtmeister: Schon dabei, Inspektor, was meinen sie, vielleicht haben wir den Burschen schon, bevor dieser Spezialist aus dem Zug steigt. Inspektor: Ihr Wort in Gottes Ohr, Williams und in das des Herrn Polizeipräsidenten. Gordon: Eine Dame möchte sie sprechen, Inspektor. Inspektor: Eine Dame, Sie können gehen Williams, und Sie auch Gordon. Miss Brooke: Inspektor Griffin? Inspektor: Zu Ihren Diensten, Mam. Brooke: Mein Name ist Brooke, Miss Loveday Brooke. Inspektor: Erfreut, möchten Sie nicht Platz nehmen und vielleicht eine Tasse Tee? Brooke: Danke aber zu einem Plauderstündchen bin ich eigentlich nicht gekommen, haben Sie mein Telegramm nicht erhalten? Inspektor: Telegramm, was für ein Telegramm? Brooke: Ich soll hier einen Fall lösen, mit dem Sie allein nicht fertig werden, den Mord an Alexander Henderson. Inspektor: Moment mal, Brook. Brook ah, dann sind Sie ja der Spezialist aus London. Brooke: Ich bin wie sie sehen die Spezialistin aus London, Sie dürfen den Mund wieder zumachen, Inspektor, haben Sie übrigens etwas dagegen wenn ich rauche. Inspektor: Ja, ich meine natürlich nein, bitte entschuldigen Sie meine Verwirrung, ich habe natürlich keine Dame erwartet. Brooke: Natürlich nicht, ein weiblicher Detektiv, der auch noch raucht, das ist ja wohl der Gipfel, die muß ein Mannweib sein, ein Blaustrumpf, eine Suffragette, wenn nicht noch schlimmeres, so nachdem ich Ihnen das Wort aus dem Munde genommen und das obligatorische Vorgeplänkel. Inspektor: Aber ich bitte sie ganz und gar nicht. Brooke: Sollten wir vielleicht mit der Arbeit anfangen, was bei der Totenschau ausgesagt wurde, können Sie voraussetzen, ich war da, klein und bescheiden, in der letzten Reihe, Sie haben mich sicher nicht gesehen. Inspektor: Ich muß gestehen. Brooke: Macht nichts, macht nichts, meinen Sie übrigens auch wie der in Ehren vergreiste Richter, daß der Täter ein Geisterkranker ist? Inspektor: Ich weiß nicht so recht. Brooke: Sehr schön, sehr schön, immer offen bleiben, das ist mein Motto, ein guter Detektiv geht ohne Vorurteil und vorgefaßte Meinung an seine Fälle, und Sie sind doch ein guter Detektiv. Inspektor: Ich hoffe es. Brooke: Ich auch, das würde unsere Zusammenarbeit nämlich sehr erleichtern, gut ans Werk Inspektor, äh zunächst will ich von Ihnen nichts weiter als ein paar Informationen, also erzählen Sie mir was von den Cravens auf Craven Hall. Inspektor: Ja, aber, aber Sie glauben doch nicht. Brooke: Ich glaube gar nichts, Inspektor, bitte. Inspektor: Ja, die Cravens, immer noch eine der angesehensten Familien in der Grafschaft, heutzutage allerdings wie soll ich sagen, ein bißchen heruntergekommen, Craven Hall soll stark verschuldet sein, Mr. Craven senior haben Sie ja wohl bei der Totenschau erlebt, ein Gelehrter, zerstreut, weltfremd, schreibt seit Jahrzehnten an einem großen Werk über die Urlaute der Menschheit oder so ähnlich und interessiert sich für nichts anderes, Witwer, hat 2 Kinder, Cilia 18 und Walter 20. Brooke: Warum sind die beiden nicht bei der Totenschau vernommen worden? Inspektor: Ganz einfach, Cilia ist in Liverpool bei Bekannten. Brooke: So, wann abgereist? Inspektor: Am 7. September, einen Tag vor dem Mord, abends, in einem gemieteten Automobil, wir haben nachgefragt, routinemäßig, und der Chauffeur hat es bestätigt. Brooke: Damit hätte Miss Craven ein Alibi. Inspektor: Nicht, daß sie es brauchte, Cilia hätte nie die Kraft gehabt, Sandy den Schädel einzuschlagen, sie ist ein nettes Mädchen, hat so gar nichts von diesen modernen jungen Frauen die auf Tennisplätzen herumflirten und die Straßen mit dem Velociped unsicher machen. Brooke: Danke sehr. Inspektor: Ai, das war natürlich nicht persönlich gemeint. Brooke: Geschenkt. Inspektor, geschenkt, weiter, Walter Craven. Inspektor: Krank, Gelbsucht, er liegt isoliert von der Außenwelt in einem Seitenflügel von Craven Hall. Brooke: Seit wann? Inspektor: Warten Sie mal, ja, seit dem 7. September. Brooke: Die Tochter verreist, der Sohn wird krank, genau zur gleichen Zeit, merkwürdig, finden Sie nicht. Inspektor: Merkwürdig, reiner Zufall. Brooke: Glauben Sie wirklich, woher wollen Sie wissen, daß Walter den kranken nicht nur spielt. Inspektor: Auch wenn wir hier nicht bei Scotland Yard sind, so leicht lassen wir uns nicht an der Nase herumführen, Mr. Craven Junior hat ein ordnungsgemäßes ärztliches Attest vorgelegt, als er zur Totenschau bestellt wurde. Brooke: Wer hat das Attest unterschrieben, der Hausarzt? Inspektor: Ja, das nehm ich doch an. Brooke: Aber sie wissen es nicht genau. Inspektor: Nein. Brooke: Dann prüfen sie es bitte nach. Inspektor: Wenn sie unbedingt wollen. Brooke: Ja, die Sache ist wichtig, es geht immerhin um Walter Craven Alibi. Inspektor: Ach das Alibi, das steht sowieso fest. Jonny Hales, der Butler, ist bereit zu beschwören, daß in der fraglichen Nacht weder Walter noch sonst jemand Craven Hall verlassen hat. Brooke: So, und woher weiß er das so genau? Inspektor: Hales hat sein Zimmer direkt neben der Tür, die Scharniere quietschen entsetzlich, dazu kommt, daß der alte Hales wie so oft wegen seines Rheumas die ganze Nacht wachblieb, also niemand konnte in der Mordnacht aus dem Haus gehen ohne daß der Butler es hörte. Brooke: Nicht schlecht soweit, aber eines haben Sie vergessen, oder einen, Hales selbst. Inspektor: Kaum, würde er dann wohl allen anderem im Haus ein Alibi geben? Brooke: Da könnten Sie recht haben, gut, legen wir Mr. Hales und das Problem der Alibis erst mal aufs Eis, fragen wir nach den Motiven, wer hätte einen Grund haben können, Sandy Henderson umzubringen? Hales? Inspektor: Tja, soviel ich weiß kamen die beiden nicht gerade gut miteinander aus, nach Hales lag Sandy den ganzen Tag faul auf seinem Bett herum, ließ den Park verwildern und bekam dafür von Mr. Craven einen höheren Lohn als der Butler. Brooke: Interessant wenns stimmt, aber kaum ein Mordmotiv, die übrige Dienerschaft Inspektor: Nur noch Köchin und Zimmermädchen, und die kommen nicht in Frage, nicht kräftig genug. Brooke: Akzeptiert, und was ist mit Craven senior? Inspektor: Nix. Im Gegenteil. Mr. Craven hing sehr an Sandy, obwohl der unter uns gesagt ein alter Streithammel war, auch wenn er an allen Ecken und Enden gespart werden mußte, für Sandy Lohn war immer genug da. Brooke: Und wenn man Hales glauben kann, war Sandys Lohn nicht gerade winzig, dann fehlt uns also nur noch ein Motiv für Walter Craven, den so plötzlich erkranken. Inspektor: Der hat seine eigenen Probleme, die mit Sandy nichts zu tun haben. Walter ist sozusagen der begehrteste junge Mann in Grenfell und Umgebung, alle unseren würdigen Geldverleiher sind hinter ihm her, wie der Teufel hinter der armen Seele, er hat so viel Schulden, daß ich nicht weiß wie er da jemals wieder rauskommen will, das Familiensilber hat er schon versetzt. Brooke: Und zurzeit liegt er krank danieder, unerreichbar für seine Gläubiger, äußerst praktisch, wie gehts jetzt weiter, ihr Polizeipräsident sagte etwas von einer Stelle bei Craven, von einer Möglichkeit ins Haus zu kommen. Inspektor: Richtig, Craven sucht für seine wissenschaftlichen Arbeiten einen Sekretär, eine Guinee pro Monat bei freier Station. Brooke: Sehr verlockend. Inspektor: Vielleicht kann ich ihn von den Qualitäten einer Sekretärin überzeugen. Brooke: Tun sie das Inspektor, ich logiere im Ochsenkopf, wenn mit Craven alles klar geht, treffen wir uns morgen vormittag sagen wir um 10 und sie begleiten mich dann nach Craven Hall, einverstanden. Inspektor: Ein gewöhnlicher Räuber wars mit Sicherheit nicht, Sandys Sparbuch und 200 Pfund in Bar lagen unberührt in seinem Schrank, also vielleicht doch ein irrer, dieses verwüstete Zimmer, das kann doch kein normaler Mensch gewesen sein. Brooke: Aber Inspektor, immer schon offen bleiben, denken sie dran, es gibt mindestens noch 2 andere Möglichkeiten. Inspektor: Und die wären? Brooke: 1. der Mörder will uns täuschen, will uns glauben machen, Sandy sei von einem Wahnsinnigen erschlagen worden, 2. der Mörder hat etwas bestimmtes gesucht und wollte alle Spuren seiner Suche beseitigen. Inspektor: Und das, verehrte Kollegin, ist Craven Hall. Brooke: Aha, von weitem ganz hübsch, frühes 17 Jahrhundert nehm ich an. Inspektor: Kann sein ich versteh nicht davon, die franzosischen Fenster rechts von der Tür, das ist das Arbeitszimmer von Mr. Craven. Brooke: Und Walters Krankenlager? Inspektor: Irgendwo im linken Seitenflügel im 2. Stock glaub ich. Brooke: Da wir gerade von Walter reden, haben Sie sich um sein Attest gekümmert. Inspektor: Hätte ich fast vergessen, das Attest ist von Dr. Waters in Grenfell ausgestellt worden. Brooke: Und? Inspektor: Dr. Waters ist zwar etwas kurzsichtig, und nicht mehr der jüngste, aber er würde nie ein Gefälligkeitsattest unterschreiben, auch nicht für die Cravens. Brooke: Das rote Dach da über den Büschen, das gehört wohl zu Sandy Hütte. Inspektor: Richtig, wir sind da. Brooke: Dann liefern sie mal die neue Sekretärin ab, wir sehen uns wie besprochen um 5 in ihrem Büro. Hales: Inspektor. Inspektor: Tag Hales, ich bringe ihnen Mr. Cravens neue Sekretärin, Miss Brooke, er weiß Bescheid. Hales: Miss äh bitte folgen sie mir. Brooke: Einen Moment noch, ein Wort im Vertrauen, Inspektor. Inspektor: Ja? Brooke: Fragen sie ihn, ob er in der Mordnacht, als er nicht schlafen konnte, irgend ein ungewöhnliches Geräusch gehört hat, leben sie wohl Inspektor, und vielen Dank für ihre Mühe. Inspektor: Nicht der Rede wert, Miss, ach Hales? Hales: Sir? Inspektor: In der Nacht, in der Sandy umgebracht wurde. Hales: Ja Sir. Inspektor: Haben sie da irgendetwas Ungewöhnliches gehört? Hales: Ungewöhnlich Sir? Inspektor: Ja ein auffälliges Geräusch, ein Geräusch das man normalerweise sonst nicht hört. Hales: Ah ich verstehe, Sir, ich glaube nicht, Sir, falls man nicht die Tatsache, daß Kapitän geheut hat, für ungewöhnlich halten wollte. Inspektor: Käptain? Hales: Mr. Cravens irischer Setter, Sir. Inspektor: Ah ja, wann war das? Hales: Wenn ich mich recht erinnere, Sir, gegen 5 Uhr morgens, das war übrigens wenn ich das hinzufügen darf, das letzte mal, das Cäptain sich vernehmen ließ, seit dem ist er verschwunden. Inspektor: Was sie nicht sagen. Brooke: Der kuriosen Zwischenfall mit dem Hund in der Nacht, elementar mein lieber Inspektor. Inspektor: Wie meinen. Brooke: Oh nichts von Bedeutung, walten Sie ihres Amtes, Hales. Hales: Sehr wohl, Miss, wie ich bereits bemerkte, folgen Sie mir. Brooke: Eine schlimme Sache, der Mord an Ihrem Gärtner, Hales. Hales: So ist es, Miss, Ihr Zimmer, Miss, ein Dichterzimmer von Miss Celia, die sich zur Zeit in Liverpool aufhält, oh, oh ich muß um Entschuldigung bitten, Miss, wie ich bemerke ist noch nicht aufgeräumt, ich werde ihnen sogleich das Mädchen schicken. Brooke: Lassen Sie nur, Hales, das mache ich schon selbst. Hales: Wie es Ihnen beliebt Miss, Abendessen um 7 Uhr, pünktlich, Mr. Craven wünscht Ihre Anwesenheit, bis dahin muß ich sie sich selbst überlasen. Inspektor: Zucker, Miss Brooke? Brooke: Danke Inspektor. Inspektor: Nein. Keine Sahne, danke. Brooke: Ist Celia Craven blond? Inspektor: Was, ja ich glaub schon, warum? Brooke: Weil ich das hier auf dem Fußboden ihres Zimmers gefunden habe. Inspektor: Aha. Eine Haarsträhne, blond, na und? Brooke: Diese Strähne, lieber Inspektor ist gut 40 cm lang, so was schneidet sich ein Mädchen nicht aus Spaß ab oder durch Zufall. Inspektor: Aber ich versteh nicht. Was schließen sie daraus? Brooke: Vorläufig noch gar nichts, dazu müßte ich erst mehr über Walter Cravens Krankheit wissen. Inspektor: Aber was hat denn das damit zu tun, und was wollen sie dauernd mit Walter, sie sind auf der falschen Fährte, Miss Brooke, glauben sie mir, was sie tun sollten. Brooke: Was ich tun sollte, überlassen sie bitte ganz und gar mir, Inspektor, übrigens habe ich nicht nur diese Haarsträhne gefunden. Inspektor: So, was denn noch? Brooke: Einen toten Hund, genauer gesagt einen irischen Setter, dem jemand den Schädel eingeschlagen hat mit einem stumpfen Gegenstand. Inspektor: Mr. Cravens Kaptain. Brooke: Ohne Zweifel, er lag oberflächlich vergraben unter einem Gebüsch im Park, knapp 5 Meter von Sandys Hütte entfernt, wenn ich meiner Nase trauen kann, war er schon etwa 1 Woche tot, das heißt. Inspektor: Das heißt, daß er wahrscheinlich in der Nacht vom 7 auf 8 September totgeschlagen wurde. Brooke: Gegen 5 Uhr als Hales sein Todesheulen hörte und da nach Dr. Johnson Aussage Henderson in eben dieser Nacht auf eben diese Weise umgebracht wurde und zwar zwischen 5 und 6. Inspektor: Läßt sich zwischen beiden Ereignissen ein Zusammenhang vermuten. Brooke: Sehr gut Inspektor, die Frage ist nur, was für ein Zusammenhang. Inspektor: Ja, ja, äh das ist wie sie so richtig sagen die Frage, vielleicht hat der Hund den Mörder gestellt? Brooke: Könnte sein, nur war Captain leider uralt, zahnlos, halb blind und so gut wie taub, ich habe mich informiert, Fakten, Inspektor, Fakten, darauf kommt es an, Regel 2 des guten Detektivs, eine Tatsache ist mehr wert als 1000 Vermutungen, und deshalb sollten wir heute mit dem spekulieren aufhören. Inspektor: Wüßte nicht, was ich lieber täte. Brooke: Freuen sie sich nicht zu früh, Inspektor, Fortsetzung folgt bald, allerdings wohl besser nicht hier, man könnte sich fragen, was ich ständig in Grenfell und speziell ihrem Büro zu suchen habe. Inspektor: Daran habe ich auch schon gedacht und mir was überlegt, was halten sie davon, um die Mittagszeit kommt der Briefträger mit der Post nach Craven Hall, ein zuverlässiger Mensch, tut der Polizei gern mal einen Gefallen, wenn sie mir was mitteilen wollen, schreiben sie es auf und geben sie es ihm mit, heimlich, ich mach es genauso, noch eine Tasse Tee? Brooke: Ja gern. Butler: Wünschen Sie noch Gemüse, Miss? Brooke: Danke Hales. Craven: Essen sie nur, Miss äh. Brooke: Brooke, Loveday Brooke. Craven: Essen sie doch, Miss Brooke, essen sie tüchtig das stärkt die kleinen grauen Zellen, und die brauchen wir, die brauchen wir bald, wenn wir anfangen gemeinsam an meinem großen Werk zu arbeiten, sie wissen doch worum es geht, oder, habe ich sie schon gefragt, welche Sprachen sie beherrschen, das ist wichtig, Miss äh Brooke, äußerst wichtig. Je mehr desto besser, desto besser, nicht wahr. Brooke: Ich spreche außer englisch natürlich. Craven: Natürlich. Natürlich. Brooke: Französisch, italienisch, deutsch, verstehe spanisch, latein, altgriechisch, ach ja und ein bißchen hebräisch. Craven: Und, und? Das ist alles? Miss Brooke, kein Sanskrit, Miss äh, die erhabene Sprache der alten Inder, wirklich nicht, chinesisch, gotisch, isländisch, kein bißchen, kein ganz kleines bißchen. Brooke: Leider nein, Mr. Craven. Craven: Ein Jammer, ja was machen wir denn da, sie können abräumen, Hales. Butler: Sehr wohl, Sir. Craven: Das gewaltige Werk Miss äh. Brooke: Brooke. Craven: Ms Brooke danke, das gewaltige Werk, die Krönung meines wissenschaftlichen Strebens und Lebens verlangt nun einmal die Kenntnis aller wichtigen Idiome der Menschheit, die Urlaute, Miss Brook, die Ursprache, ist ihnen eigentlich klar, welch gigantischer Aufgabe ich mir gestellt habe, wissen sie in welcher Sprache Adam und Eva im Paradies miteinander konversierten, sie wissen es nicht, niemand weiß es, nur ich, ich weiß es oder ich werde es sehr bald wissen, denn die Urlaute, glauben sies mir, sind nicht verschwunden, sie stecken in jeder Sprache überall, man muß sie nur finden und erkennen, und wenn ich sie gefunden und erkannt habe, dann werden sie es alle bereuen, daß sie mich ausgelacht haben, alle, die eingebildeten Professoren und Doktoren, sie werden meinen Namen mit Ehrfurcht nennen, sie werden mein Werk bewundern, und es wird Jahrhunderte überdauern. Butler: Sir? Craven: Jawohl die Jahrhunderte. Butler: Sir. Craven: Was? Was, was gibts Hales? Butler: Vielleicht möchten sie einen Blick in die Zeitung werfen Sir, die Liverpool News von heute. Craven: Gut, gut, geben sie doch her, Hales. Butler: Bitte Sir ich erlaube mir ihre besondere Aufmerksamkeit auf diesen Artikel hier zu lenken. Craven: Wieso, was, achso, in den Morgenstunden des gestrigen Tages haben sich eine große Menschenmenge am Pier A, um der Abfahrt der Edinburg Castle beizuwohnen, unter den Passagieren der Jungfernfahrt nach New York. Butler: Sir? Craven: Ja, ja verstehe, Hales, wer ist die junge Dame hier am Tisch, sie kommt mir irgendwie bekannt vor. Butler: Miss Brooke Sir, Ihre neue Sekretärin. Craven: Ach, wirklich, ja richtig, ich erinnere mich. Miss Brooke. Brooke: Ja, Mr. Craven? Craven: Heute brauche ich sie nicht mehr, bin nicht in der rechten Stimmung zur Arbeit, aber morgen abend nach dem essen da stellen sie sich bitte in meinem Arbeitszimmer ein, bereiten sie sich geistig darauf vor, daß ich ihnen das Vorwort meines großen Werkes diktieren werde, Sie dürfen sich zurückziehen, Miss äh. Brooke: Brooke, Mister Craven. Brooke: Dies, lieber Inspektor, ließ mir wie sie sich denken können, hinreichend Zeit, meinen eigentlichen Pflichten in Craven Hall nachzugehen, und wenn ich auch bislang noch nicht in die Geheimnise der Urlaute eindringen konnte, so ist es mir doch gelungen, eines der Geheimnisse von Craven Hall aufzudecken, wovon ich ihnen durch den getreuen Postboten hiermit sogleich Mitteilung mache, ich meine die mysteriöse Krankheit des jungen Mr. Walter, der ich wie Sie sich erinnern werden, von Anfang an mit gewissen zweifeln gegenüberstand, es wird sie interessieren zu hören, daß meine Zweifel sich als durchaus begründet erwiesen haben, heute vormittag war ich nämlich in einem unbewachten Augenblick so glücklich das sog. Krankenzimmer im Seitenflügel in Augenschein zu nehmen obwohl ich lediglich einen kurzen Blick auf das darin aufgestellte Bett werfen konnte, die Köchin hatte ihren Posten an der Tür nur für wenige Sekunden verlassen, blieb meiner geschulten Beobachtungsgabe keine wichtige Einzelheit verborgen, im Bett lag kein junger Mann sondern ein etwa 18 jähriges Mädchen mit gelbgeschminkten Gesicht und kurzgeschnittenen blonden Haaren, die Schlußfolgerungen, welche daraus zu ziehen sind, kann ich wohl getrost ihnen überlassen, in diesem Zusammenhang noch ein Hinweis, beschaffen sie sich die Passagierliste der Edinburg Castle, die vorgestern von Liverpool nach New York abgesegelt ist, es sollte mich nicht im mindesten wundern, wenn sie darin einen bekannten Namen fänden, doch nun zu wichtigerem, ich weiß, wer Hendersen erschlagen hat, nur eine Person kommt in Frage, alle übrigen sind aus einer Vielzahl von Gründen, die auch ihnen inzwischen klar sein müßten, eliminiert, letzte Gewißheit vor allem was das Motiv betrifft, hoffe mir ich noch am heutigen Tage zu verschaffen, dabei könnte ihre Hilfe unter Umständen von einigem nutzen für mich sein, stellen sie sich daher bei Anbruch der Dunkelheit hier ein, am besten mit einer kleinen polizeilichen Heeresmacht und verbergen sie sich im Park, behalten sie vor allem die französischen Fenster des Arbeitszimmers im Auge, sobald sie dort direkt hinter den Scheiben eine grüne Lampe aufleuchten sehen ist es angezeigt, daß sie mit gewisser Dringlichkeit das Zimmer betreten, ich verlasse mich auf Sie, wenn ich auch hoffe, daß der Fall durch die Kraft des Geistes allein und ohne rohe Gewalt gelöst werden kann, Ihre ergebene Loveday Brooke. Craven: Was machen Sie denn da? Brooke: Oh, oh, Sie haben mich erschreckt, Mr. Craven, ich bereite unsere Arbeit vor, hier, sehen sie. Craven: Was haben Sie in meinen Privatpapieren zu suchen, Miss äh. Brooke: Brooke. Craven: Ich mag das nicht, man könnte fast glauben, sie seien an meinen kleinen Geheimnissen interessiert, Leute, die meine kleinen Geheimnisse kennen, mag ich nicht, lassen Sie sich das gesagt sein. Brooke: Ja, Mr. Craven, verzeihen Sie. Craven: Wo waren wir stehengeblieben. Brooke: Sofort, für das Problem der Reduzierung menschlicher Sprache auf die sechs Urlaute ist die Frage nach den emotionalen Grundsituationen von entscheidender Bedeutung, daß Schmerz, Leid, Lust, Freude, Mangel und Befriedigung ihren jeweiligen sprachlichen oder doch stimmlichen Ausdruck besitzen, davon darf ausgegangen werden, wenn auch experimentelle Bestätigung, soweit hatten sie diktiert, Mr. Craven. Craven: Experimentelle Bestätigung, experimentelle Bestätigung, das ist es, das a und o, der letzte Beweis, auch die vergleichende Philologie ist eine exakte Wissenschaft und bedarf des Experiments, aber wie vorgehen, ja wie vorgehen? Brooke: Tierversuche, haben sie schon daran gedacht, Mr. Craven, das wäre doch meiner bescheidenen Meinung nach ein guter Anfang, die Urlaute zu bestimmen. Craven: Was, was war das Miss, Tierversuche, äußerst interessant, Sie sagen da etwas, woran ich selbst schon oft gedacht habe, wenn wie der selige Mr. Darwin uns glaubwürdig versichert, wir Menschen von Tieren abstammen, dann läßt sich erwarten, daß die Urlaute im Tierreich gewissermaßen vorgebildet sind. Angenommen, man fügt einem Tier Schmerzen zu, einem Affen oder einem. Brooke: Oder man töten, da man einen Affen doch wohl nur selten zur Hand hat, zum Beispiel einen Hund. Craven: Aha, Hund, glauben sie ja nicht Miss äh. Brooke: Brooke. Craven: Glauben Sie ja nicht, daß Sie als erste auf diese geniale Idee gekommen sind, nein, nein, Miss Brooke, ganz und gar nicht, ich Miss Brooke, jawohl ich habe. Brooke: Sie wollen doch damit nicht andeuten, daß sie ein solches Experiment bereits durchgeführt haben, Respekt, Mr. Craven. Craven: Ja, ja. Brooke: Der arme Kapitän. Craven: Gewiß, gewiß, aber die Wissenschaft verlangt Opfer. Brooke: Der Mond schien hell, nicht wahr Mr. Craven, und Sie waren da draußen im Park, allein mit Captain, allein mit in ihrem großen Experiment, womit haben sie ihn erschlagen, Mr. Craven, mit einem Stück Holz? Craven: Ich bitte Sie, das wäre eine höchst unwissenschaftliche Methode gewesen Miss Brooke, nein, nein, sehr sauber, sehr ordentlich, mit meinem Hammer, meinem Geologenhammer, hier, Miss äh, keine Angst, ich hab ihn danach sorgfältig abgewaschen. Brooke: Und wie hat Captain reagiert, waren sie zufrieden? Craven: Ja, wie mans nimmt, wie mans nimmt, bevor er starb hat er sehr schön geheult, sehr laut, sehr urtümlich, aber ich weiß immer noch nicht, wie ich diesen Laut in Buchstaben fassen soll, die Umsetzung, Miss äh, die Umsetzungen des stimmlichen ins schriftliche, ein großes Problem. Brooke: Der Mond schien noch immer, und sie standen an der Gärtnerhütte, den Hammer in der Hand, und da ging ganz plötzlich das Fenster auf. Craven: Pst, niemand darf davon wissen, das ist ein Geheimnis, so, jetzt kann uns keiner belauschen. Brooke: Lassen sie doch die Vorhänge, Mr. Craven, wer soll uns schon vom Park aus beobachten? Craven: Wer? Aber das wissen sie doch, er natürlich, nachts schleicht er draußen herum, und er grinst, und flüstert, ich weiß bescheid, Herr, ich kenne ihr Geheimnis. Brooke: Und damals in der Nacht stand er plötzlich am Fenster. Craven: Ja, ja, das tat er, er beugte sich vor und sah mich an, und ich dachte, blitzschnell dachte ich daran, daß er mein Geheimnis kannte, seit vielen, vielen Jahren, und daß ich ihn dafür bezahlen mußte, immer wieder und immer mehr, und dann dachte ich auf einmal an etwas ganz anderes, an mein Experiment, und daß ist meine Forschungen weit, sehr weit voranbringen könnte, wenn ich den Todeslaut eines Menschen, kein Hund, kein Tier, ein richtiger Mensch, und dann und dann. Brooke: Dann haben Sie zugeschlagen. Craven: Ja, ich hab zugeschlagen und Sandy fiel um, zurück in sein Zimmer, stumm, stumm, stellen sie sich vor, kein Wort, kein Laut, gar nichts, er fiel einfach um, das war alles, ich war maßlos enttäuscht, und traurig, ja traurig, als ich im Zimmer nach meinem Geheimnis suchte und alles durcheinander brachte, damit sie am nächsten Tag etwas zu raten hatten, da mußte ich immer daran denken, daß es eigentlich umsonst gewesen war, ganz umsonst, ja aber dann fiel mir etwas ein, ich konnte das Experiment ja jederzeit wiederholen, bei günstiger Gelegenheit natürlich, verstehen sie Miss äh. Brooke: Brooke. Craven: Meinen sie nicht auch, daß der Todesschrei einer Frau sehr viel elementarer sein müßte, als der eines Mannes, vom Hunde ganz zu schweigen. Brooke: Mr. Craven. Craven: Bleiben Sie stehen, was wollen Sie mit der Lampe am Fenster, Sie sind doch Wissenschaftlerin, Miss äh. Brooke: Brooke. Craven: Warum sträuben Sie sich so, denken sie an mein großes Werk. Inspektor: Hände hoch, legen Sie den Revolver weg, Mr. Craven, Williams, die Handschellen, gehen sie zur Seite, Miss, alles in Ordnung, Miss Brooke. Brooke: Keine Sorge Inspektor, Achtung. Wachtmeister: Wir haben ihn Sir, für sein Alter ziemlich kräftig. Craven: Hier wäre wohl ein Urlaut tiefsten Schmerzes angebracht, wenn ich nur wüßte wie. Inspektor: Dieses Experiment mit den Urlauten, das ist ja wohl das merkwürdigste Mordmotiv, das mir jemals untergekommen ist. Brooke: Ziemlich kurios, sogar für eine Spezialistin aus London, Cravens zweites Motiv, oder sein erstes, wie sie wollen, ist dafür um so gewöhnlicher, schlichte Erpressung, darauf hätten Sie übrigens schon längst kommen können, Inspektor, der übertrieben hohe Lohn, den Craven Sandy zahlte, ist ein deutlicher Hinweis, dem hätten Sie nachgehen sollen. Inspektor: So, hätte ich, aber wer konnte wir denn bei einem Mann wie Mr. Craven darauf kommen, daß er was zu verbergen hatte, da wir gerade dabei sind, was hatte er zu verbergen? Brooke: Hier, das hab ich vor der großen Auseinandersetzung in seinem Schreibtisch gefunden, unten den Privatpapieren, Cravens Geheimnis, hier bitte sehr, sie brauchen es wahrscheinlich für die Verhandlung. Inspektor: Eine amerikanische Heiratsurkunde: Archibal Craven, Irma Labell, New York 1866, das wars also, Bigamie. Brooke: Ein überseeisches Abenteuer in seiner Jugendmaienblüte von dem niemand wußte nur der treue Diener Sandy Henderson, dann kam Craven zurück, wurde solide, heiratete, zeugte Kinder, lebte in ständigen Ängsten vor einem Skandal. Inspektor: Und zahlte und zahlte, bis er sich mit einem Schlag von seinem Quälgeist befreite, die Urkunde, das war es doch sicher, was Craven in Sandys Zimmer gesucht hatte. Brooke: Natürlich, und dabei hat er das Chaos angerichtet, das sie verwirren und auf eine falsche Fährte locken sollte. Inspektor: Aber eigentlich haben wir doch von Anfang an recht gehabt, es war tatsächlich ein Irrer. Brooke: Sicher Craven ist geisteskrank, kein Zweifel, aber daß sie ihn ohne meine Hilfe überführt oder auch nur verdächtig hätten, wage ich zu bestreiten. Inspektor: Ja, wie auch immer, und jetzt muß ich ihnen noch eine dumme Frage stellen, ich hätte es gern gelassen, aber dazu bin ich ehrlich gesagt zu neugierig, wie sind sie überhaupt auf Mr. Craven gekommen und dann die Sache mit Walter. Brooke: Langsam, langsam Inspektor, eins nach dem anderen, zunächst einmal, es gab durchaus Hinweise auf Craven, Sandys hoher Lohn zum Beispiel oder auch der Tod des Hundes, der mich auf das andere Motiv brachte, aber das entscheidende war, daß ich alle übrigen Personen die für die Tat in frage kamen, eliminiert konnte. Inspektor: Das hatten sie mir schon vor der Festnahme geschrieben, aber ich verstehe immer noch nicht. Brooke: Fangen wir mit Walter Craven an, der ohne es zu wollen alles getan hat, um unsere Arbeit zu erschweren und das nur weil er sich gerade am 7. September gedrängt fühlte, Craven Hall, England und vor allem seine Gläubiger für immer zu verlassen, damit letztere Herrschaften dabei nicht störend eingriffen, führte die Familie unterstützt von der Dienerschaft eine kleine Komödie auf, in Frauenkleidern und verschleiert, reiste der verlorene Sohn nach Liverpool, während seine Schwester sich die Haare abschnitt, das Gesicht gelb anmalte und den halbblinden Dr. Walters zu sich bestellte, der dann auch nichts ahnend, dem angeblichen Walter Craven eine Gelbsucht bescheinigte, ich vermute, daß sie sich sehr ähnlich sehen. Inspektor: Celia und Walter, aber ja, fast wie Zwillinge. Brooke: Nach der glücklichen Ankunft Walters in Amerika hätte Celia vermutlich ihre Rolle aufgegeben. Inspektor: Woher wußten Sie übrigens, daß Walter auf der Edinburg Castle zu finden war? Brooke: Um ehrlich zu sein, das war eher ein Zufall, ein paar Bemerkungen, zwischen Craven Senior und Hales, die nicht für mich bestimmt waren, damit hatte Walter ein Alibi, als Sandy umgebracht wurde, war er in Liverpool, gut 50 Meilen von Craven Hall im Hotel, das haben Sie doch überprüft. Inspektor: Ja das Alibi steht, Walter war also aus dem Rennen und Celia. Brooke: Celia auch, aus dem einfachen Grunde, daß sie für den tödlichen Hieb zu schwach war, dasselbe trifft auf Köchin und Zimmermädchen zu. Inspektor: Blieb nur noch Mr. Craven Senior und Hales. Brooke: Hales kam von Anfang an nicht in Frage, ein korrekter Butler wie er, der seinen Beruf ernst nimmt, wäre absolut außerstande gewesen Sandys Zimmer in einer derartigen Unordnung zu hinterlassen, ist eine psychologische Unmöglichkeit. Inspektor: So Fakten, Miss Brooke, Fakten, ein guter Detektiv. Brooke: Geht mit der Zeit, irgendwann einmal wird es sich hoffentlich bis zur Polizei von Grenfell herumsprechen, daß es sich bei der Psychologie um eine durchaus ernstzunehmende Wissenschaft handelt, schon mal was von Lombroso gehört, Inspektor? Inspektor: Apropos Hales, er hat doch ausgesagt, daß niemand, also auch nicht Mr. Craven, in der bewußten Nacht Craven Hall verlassen haben kann. Brooke: Durch die Tür, Inspektor, wohlgemerkt, durch die Tür, und das trifft auch zu, aber es gibt auch noch eine andere Möglichkeit, die großen französischen Fenster im Arbeitszimmer, die bis auf den Fußboden gehen, leicht zu öffnen, leicht zu schließen, wenn man nicht wie es sie es vorzieht, direkt durch die Scheiben zu spazieren. Schaffner: Grenfell, der Schottland Express von Glasgow über... Inspektor: Soll ich ihnen nicht Ihre Taschen. Brooke: Danke, danke Inspektor das kann ich selbst, alles klar Inspektor, oder haben Sie noch Fragen? Inspektor: Keine Fragen mehr, aber gratulieren sollte ich ihnen wohl noch zu ihrem Erfolg. Brooke: Aber Inspektor, ich bin gerührt. Inspektor: Der allerdings fast ein bißchen zu schlagend ausgefallen wäre, wenn wir gestern abend nur 5 Sekunden später gekommen wären, gäbe es heute keine Spezialistin aus London mehr, zu meinem Leidwesen, muß ich sagen. Schaffner: Einsteigen, Türen schließen, Abfahrt. Brooke: Wenn sie 5 Sekunden später gekommen wären, Inspektor hätte ich Gelegenheit gehabt, ihnen etwas vorzuführen, was sie vermutlich noch nicht kennen, einen fernöstlichen Verteidigungsport namens Jiu-Jitsu, aber trotzdem vielen Dank. Inspektor: Jiu was, gute Fahrt Kollegin. Brooke: Danke und wenn sie wieder mal einen Fall haben, der ihnen Schwierigkeiten macht, schicken Sie mir einfach ein Telegramm: Loveday Brooke, London, Scotland Yard, das genügt. Loveday Brooke: Uta Hallant Inspektor Griffin: Peter Schiff Richter: Friedrich W. Bauschulte Craven Sr.: Henning Schlüter Sein Butler John Hales: Erich Fiedler Herbert von Boxberger u.a. Michael Koser: Schmetterling mit Hakenkreuzen (BR 1981) (nach Philip K. Dick: The Man in the High Castle) Melville Abendsen: Tschuang - Tse träumt, er sei ein Schmetterling, er fliegt dahin, flattert mit den Flügeln und freut sich. Plötzlich wacht er auf und erkennt, er sei Tschuang Tse. Ist er nun Tschuang Tse, der träumte, er sei ein Schmetterling, oder ist er ein Schmetterling, der träumt er sei Tschuang Tse. Ahaha, wer kann das sagen. Ich bin Melville Abendsen, geboren 1918, als der erste Weltkrieg zu Ende ging, im zweiten Soldat, Guadalcanal, Medan, Guam, bei Iwojima verwundet, Besatzer auf Okinawa bis 1946, ich bin Schriftsteller, ich schreibe Science Fiction, ich, äh habe eine Idee im Kopf, eine Geschichte, die nicht in der Zukunft spielt, die gegenwärtig ist, zeitgenössisch und doch nicht von dieser unserer Zeit, ich will gewissermaßen zeitlich seitwärts gehen, fragen, was wäre wenn, wenn die anderen den zweiten Weltkrieg gewonnen hätten, Unmögliches erzählen, um die Schrecken des möglichen zu beschwören, zuerst also der Traum des Tschuang Tse, und dann, am besten ein Sprung, mitten hinein ins unmögliche, etwa so: Steward: Meine Damen und Herren, im Namen der deutschen Lufthansa begrüße ich die in New York zugestiegenen Passagiere an Bord unseres Messerschmitt- Großraumflugzeugs Dürer auf seinem Linienflug Berlin - San Francisco, unsere Flugzeit wird nunmehr noch 2 Stunden betragen und wir werden in einer Höhe von 20km fliegen, sie können nun wieder rauchen, wenn sie wollen, wir bitten sie aber weiterhin angeschnallt zu bleiben, danke. Melville: Datum, warum nicht heute, also 24. April 1962, 9 Uhr vormittags. Brecker: Zigarette? Sundmann: Ich rauche nicht, danke. Brecker: Fabelhaft, in zwei Stunden über einen Kontinent, in fünf Monaten zum Mars, deutsche Wertarbeit, darauf kann man stolz sein, Landsmann? Sundmann: Schwede. Brecker: Immerhin nordisch, sozusagen Rassenbruder. Sundmann: Wenn Sie es so ausdrücken wollen. Brecker: Fliegen Sie zum ersten Mal in die Pazifikzone? Sundmann: Nein. Brecker: Ich schon, geschäftlich unterwegs? Sundmann: Ja. Brecker: Welche Branche, wenn ich fragen darf. Sundmann: Plastprodukte. Brecker: Ach was, ich dachte, wir haben das Monopol für Plaste, IG Farben. Sundmann: Verkauft ab und zu Lizenzen, ans neutrale Schweden. Brecker: So, ich bin Künstler, Bildhauer, ich habe gerade eine große Ausstellung in New York eröffnet, und jetzt habe ich eine in San Francisco, Kulturaustausch, Förderung von Freundschaft und Verständnis zwischen den Großmächten und so weiter, das Propagandaministerium bezahlt, Brecker, Axel Brecker. Sundmann: Sundmann. Brecker: Vielleicht kennen Sie meine Sachen, Monumentalplastiken, der Meldegänger oder der Geist des 9. November, in der Halle der Reichskanzlei, nein. Sundmann: Moderne Kunst interessiert mich nicht, ich bin konservativ, Kubismus, Expressionismus. Brecker: Lieber Herr Sundmann, ist entartet, chaotisch, plutokratisch, und vorbei, ein für allemal vorbei, gottseidank, denn was Herr Sundmann, soll die Kunst darstellen, das Ideal, nicht wahr, die ewigen Werte, Blut, Volk, Rasse. Sundmann: Wenn Sie gestatten, Herr Brecker, ich möchte lesen. Melville: Herr Brecker ist in jeder zeit immer nur Herr Brecker, aber Herr Sundmann sollte nicht nur Herr Sundmann sein. Tagomi: Wer ist Herr Sundmann? Bedeutende Persönlichkeit, zweifellos, empfohlen von hoher Stelle, Tokyo, von zu hoher Stelle, nicht zuständiger Stelle, Baron Mori, Außenministerium, gewiß, Ankauf von Plastprodukten, wichtig, nipponweit zurück hinter Reich, aber warum außenpolitische Empfehlung für schwedischen Wirtschaftsmann. Melville: Das ist der Chef der japanischen Handelsmission Tagomi, ich kannte mal einen Tagomi auf Okinawa, sein Büro hat er im Nipponcenter an der Golden Gate Brücke im 8. Stock, immer noch 24. April 1962, 9 Uhr 15. Tagomi: Ja. Miss Melikyan: Mr Childan ist hier, Mr Tagomi, Mr Childan von Amerika Antiqua. Tagomi: Ah, soll warten, sie hingegen Miss Melikyan, betreten bitte mein Büro... (...) Tagomi: ...ich kaufe es, Person in meiner Lage streckt Hand aus nach jedem Strohhalm. Melville: 25.April 1962 6 Uhr 20 abend, Frank Frink gefesselt im Laderaum eines Lufthansaflugzeugs, ein böses Ende, aber es hilft nichts, in dieser schwarzen Welt darf es keinen Hoffnungsschimmer geben. Frank Frink: Schwarze Wagen am Flugplatz, schnell durch die Straßen, durch die Straßen zum Lager, wie wird das sein, nackt und allein im Raum ohne Fenster, warten, warten, warten auf das Zischen, ZyklonB, würgen im Hals, keine Luft, keine Luft, das Zischen, lauter, immer lauter, immer lauter, immer lauter, oder die schwarze Wand mit dunkelroten Flecken wie Rost, ein Mann in Schwarz, mit Revolver Colt 44 aus epischem Bürgerkrieg, zeitgenössisches amerikan. Kunstgewerbe geschmiedet. Steward: Meine Damen und Herren wir werden in wenigen Minuten auf dem Charles Lindbergh Flughafen New York landen, wir wünschen einen angenehmen Aufenthalt. Melville: 25.April 1962 7 Uhr Kearnystreet, San Francisco, auf einer Bank an der kleinen Grünfläche sitzt Tagomi, er betrachtet das bei Childan erworbene Schmuckstück. Tagomi: Was sehe ich, Dreieck, aus Silber, daran Tropfen, kein Plan, keine Symmetrie, helle Oberfläche, dunkler Untergrund, Feuer und Erde, Yin und Yang, Tao auf amerikanisch, innere Wahrheit, Hexagramm61, Schweine und Fische, Dummheit und Verstand, warum verstehen, Unternehmen Löwenzahn wird uns vernichten, Todestrieb, Ende der Welt aber mehr Welten, möglicherweise in anderer Dimension, irgendwo ideale Welt, möglicherweise klare Alternativen, gut böse, schwarz weiß, leicht zu verstehen, Existenz des bösen in jeder Welt, schreckliches Dilemma, nicht zu lösen, was immer geschieht, ist böse, dennoch hoffen und versuchen, warten, sehen, und warten, sehen, warten, sehen, warten, sehen. Melville: Die Kulissen der Umwelt werden plötzlich weggezogen und Tagomi nimmt wahr, was dahinter ist, die Realität, Tagomi sieht, hört, riecht, fühlt eine unvorstellbar häßliche Silhouette kahler Wolkenkratzer, Autos über Autos, Menschen über Menschen, Schweiß, Gift, Aggression, Brutalität, entsetzliche Einsamkeit. Tagomi: Wo bin ich, ist was, innere Wahrheit. Melville: Tagomi hat seinen letzten Herzanfall, 25. April 1962, 7 Uhr 15, Cheyenne, mein alter ego, der alternative Abendsen tritt auf, nicht als deus exmachina, er weiß auch nicht wies weitergehen wird, aber er hat eine wirkliche Alternative beschrieben in seinem Buch, immerhin, mein Buch ist nicht viel, aber besser als nichts. Julia Frink: Ihr Haus ist ein ganz normales Haus, Mr Abendsen, keine Festung. Melville: Festung, ach der Klappentext und der arme Gag vom Verlag. Frink: Haben Sie keine Angst, der SD will sie umbringen, ein Mörder war schon unterwegs zu Ihnen. Melville: War, was ist passiert? Frink: Ich habe ihm die Kehle durchgeschnitten, glauben Sie mir nicht? Melville: Doch, doch, ich glaube ihnen, Sherry? Frink: Die andere Welt in Ihrem Buch, woher wissen Sie das alles, durch das Orakel. Melville: Interessante Brosche, ein Talisman, ja, durch das Orakel, Mrs. Frink, bei jeder Idee, jeder Figur, jeder Szene, bei allen Einzelheiten, habe ich das Iging gefragt, es hat Jahre gedauert. Frink: Also hat das Orakel Ihr Buch geschrieben. Melville: Das könnte man sagen, wissen sie, was das letzte Hexagramm war, als das Manuskript fertig da lag, 61. Frink: Jung fu, innere Wahrheit, das bedeutet, Ihr Buch ist wahr, Deutschland und Japan haben den Krieg verloren. Melville: Vielleicht. Frink: Sie müssen daran glauben, wenn es überhaupt so etwas wie Wahrheit gibt, dann ist sie im Buch. Melville: Vielleicht, wollen sie, daß ich Ihr Exemplar signiere. Frink: Ich muß gehen. Melville: Ich bring sie ans Tor. Frink: Beim Schein der untergehenden Sonne schlagen die Menschen entweder auf den Topf und singen oder sie seufzen laut über das nahende alte. Melville: Sie wissen, wer auf den Topf geschlagen und gesungen hat. Frink: Nein. Melville: Juan Tse, der chinesische Philosoph Juan Tse. Frink: Der mit dem Schmetterling. Melville: Sie kennen die Geschichte, wissen Sie auch, daß sie kein Ende hat, ist er Tsuang Tse, der träumte, er sei ein Schmetterling oder ist er ein Schmetterling, der träumt, er sei Tuan Tse, der träumt er sei ein Schmetterling, der träumt er sei Tsuang Tse. Frink: Und so weiter. Melville: Alles ist dunkel, Julia, nichts ist wahr, was wir auch wählen, mit Sicherheit wissen wir nur eines, es ist die falsche Alternative, wohin gehen Sie. Frink: Ich weiß nicht, vielleicht zu meinem Mann, ich habe vorhin versucht, ihn anzurufen, aber ich konnte ihn nicht erreichen. Melville: Bitte, ich hab nicht… Frink: Ich konnte ihn nicht erreichen. Tagomi, Chef der japanischen Handelskommission: Aljoscha Sebald Julia Frink: Katharina Lopinski Frank Frink: Rüdiger Bahr Joe Cinderella: Horst Sachtleben Sundmann alias Oberst Hansen: Harald Leipnitz Melville Abéndsen, Schriftsteller: Gert Günther Hoffmann Mr. Childan: Siemen Rühaak (Antiquitätenhändler) Graf Felix von Eckhart: Hans-Günter Martens Bridageführer Blobel: Gerd Eichen Yatabe alias Tedeki: Gerhard Becker Axel Brecker, Bildhauer: Eric P. Caspar Radiosprecher: Axel Wostry Radiosprecher: Jürgen Jung Miss Melikyan, Tagomis Sekretärin: Christine Merthan Reinhard Heydrich: Wolf Goldan Stewart: Gerhard Mohr Lkw-Fahrer: Bernd Herberger Charly: Kurt Goldstein Matson, Boss der Eisengießerei: Christoph Lindert Sekretär: Hans Peder Hermansen Polizist: Michael Hoffmann Telefonistin: Ute Mora Michael Koser: Film Noir (DRadio 2000) Keine Fotos, keine Fotos, bitte, keine Kameras, lassen Sie den Mann doch in Ruhe, und keine Fotos. Hören Sie bitte auf zu fotografieren. Machen Sie Platz... Film Noir von Michael Koser John: Als ich Malibu Beach erreichte war der Regen noch stärker geworden, Blitze zuckten über den Nachthimmel wie der Widerschein fernen Artilleriefeuers, ich hielt, fünf Minuten vor elf, ich war pünktlich, die Straße war leer, bis auf einen einsamen Buick weiter vorn an der Biegung unter einer windgeschüttelten Palme, und bis auf Arnolds Cadillac natürlich, er hockte vor dem Strandhaus wie eine riesige Kröte, ich hätte in guter Stimmung sein sollen, aber mein Gemüt war fast so dunkel wie der Himmel, Schatten der Vergangenheit oder eine Vorahnung, an diesem verregneten Abend des 9. November 1945 begann der Alptraum. Vor drei Stunden hatte Lana mich zu Hause angerufen. John Garfield: Hallo? Lana Arnold: Jonny Darling, was machst du? John: Was ich seit Wochen mache, nichts, aber das sehr intensiv. Lana: Und wie geht es der süßesten liebsten Prothese auf der ganzen Welt, Jonny. John: Sie tut weh und sie sehnt sich nach dir Lana nach deinen Händen, kommst du. Lana: Edward ist noch hier, er wird erst später zum Strandhaus fahren. John: Schade. Lana: Er will mit dir reden, Jonny, heute noch, er will dir eine Chance geben, endlich, für den nächsten Großfilm von Pandora Pictures, sollst du das Drehbuch schreiben, was sagst du. John: Ich weiß nicht. Lana: Um 11 im Strandhaus sei pünktlich Darling und danach rufst du mich gleich an. John: Lana ist jung, blond und wunderschön, und sie ist Arnolds Frau. Eduard Arnold ist der Boss von Pandora Pictures. Wenn er lieber nachts arbeitet als am Tag, und lieber in einem Strandhaus als im pompösen Büro, dann haben seine Angestellten sich danach zu richten. Ich bin Autor bei Pandora, mein Name ist John Garfield, ich bin 26 Jahre alt, ich hab es weit gebracht, von Windom in Minnesota bis nach Hollywood, dazwischen war der Krieg, auf Guadalcanal habe ich mein linkes Bein verloren, mein Roman, „Die Dunkelheit der Tropen“, habe ich im Armeehospital geschrieben, schnell, wie im Fieber, das Buch war ein Erfolg, die Pandora hat es verfilmt, mir geht es gut, ich fahre einen Lincoln Continental, ich mache 800 Dollar die Woche, meine Drehbuchentwürfe verstauben auf meinem Schreibtisch in den Pandorastudios, mein zweiter Roman kommt nicht von der Stelle, mir geht es schlecht, nein, das ist nicht wahr, mir ginge es schlecht, wenn Lana nicht wäre, ihretwegen habe ich noch nicht aufgeben, obwohl ich immer wieder von Guadalcanal träume, von schwarzen aufgeblähten Leichen unter heißer Sonne, und von einer leeren weißen Seite, auf der nie ein Wort stehen wird. Ich ging zur Tür des Strandhauses, Licht fiel durch den Türspalt, und durch die Fenstervorhänge, innen spielte das Radio: Tanzmusik, ich klopfte, ich wartete, ich klopfte wieder, stärker, war Arnold nicht da? Ich stieß die Tür auf, Arnold war da, aber er konnte nicht an die Tür kommen, er lag mitten im Raum auf dem dicken uringelben Teppich vor der breiten Couch, die jede junge Schauspielerin bei Pandora kannte, er lag auf dem Gesicht, in einer Blutlache, in der rechten Hand ein Revolver, ein 38 Colt Banker Special, sein Nacken war noch warm. Ich dachte nicht an die entgangene Chance, ich hatte nur einen Gedanken, jetzt war Lana frei. Auf dem Schreibtisch vor dem großen Fenster zum Ozean stand ein Telefon. Lana: Edward ist... tot, ist das wahr, Jonny? John: Ich weiß, was ich sage Lana, im Südpazifik habe ich genug Leichen gesehen, er hat ein Loch in der Schläfe, eine Schußwunde. Lana: Erschossen, ermordet? John: Selbstmord, er hat den Revolver noch in der Hand, soll ich die Polizei rufen. Lana: John, die Polizei konnte glauben. John: Was? Lana. Lana: Daß du Edward. John: Daß ich, hahaha, daß ich Edward umgebracht habe, ist doch Unsinn. Lana: Natürlich Unsinn, Jonny Darling, aber du bist im Strandhaus, bei Edward, und wenn die Polizei herauskriegt, daß du und ich. John: Und was soll ich jetzt tun, Lana? Lana: Komm zu mir, Jonny, ich brauche dich, ich liebe dich. John: Ich dich auch, Lana, aber Edward. Lana: Laß ihn einfach liegen, für morgen früh hat er Mister Raft ins Strandhaus bestellt, zu einer Produktionsbesprechung, soll der ihn finden. John: Wenn du meinst, Lana. Lana: Komm, Jonny Darling, komm zu mir, jetzt, auf der Stelle, so schnell du kannst. O Jonny. John: Ich fuhr nach Beverly Hills, über die Küstenstraße und den Santa Monica Boulevard, so schnell ich konnte, außen war die Villa der Arnolds ein französisches Chateau en miniatur, innen ein üppig illustrierter Artikel aus Better Hopes, moderner Luxus a la america, Lana erwartete mich an der Tür in einem schwarzen Seidenneglige und zog mich in ihr Boudoir. Lana: Jonny, Jonny Darling. John: Lana, liebste. Lana: Nicht so laut, du weckst Dolores. John: Und wenn, jetzt können es alle wissen. Lana: Jonny Darling, bitte, du mußt vernünftig sein, nur noch kurze Zeit. John: Lana, ah. Lana: Jonny, Edward hat sich erschossen, ich kann es kaum glauben, warum, Jonny, warum hätte er das tun sollen. John: Könnte er was gewußt haben, von uns, meine ich? Lana: Ich weiß nicht, er hat sich nie etwas anmerken lassen, aber wir wissen von nichts, Jonny, dabei bleiben wir. John: Wie du willst, Lana. Lana: Versprich es mir, Jonny, du wirst nichts sagen. John: Versprochen. Lana: Und wenn man ihn morgen findet, werden wir sehr überrascht sein. John: Ja, Lana, Lana. Lana: Komm, zieh dich aus Jonny, zeig mir deine Prothese, laß mich sie anfassen. John: Es war sehr spät, als ich nach Hause kam, in mein kleines Apartment am San Vincente Boulevard, ich konnte nicht schlafen, ich war aufgeregt, machte mir Sorgen, machte Pläne, dachte an Lana, schließlich nahm ich eine Tablette. Es war ein Gang, rechts und links Türen, hinten wo der Gang endete, war es dunkel, im dunkel lauerte die Gefahr, der Tod, das Dunkel kam näher... Ich wurde wach, es klingelte, das Telefon, ich fühlte mich nicht gut, ich hatte Kopfschmerzen, das Telefon nahm keine Rücksicht, es klingelte weiter, bis ich abhob. John: Hallo? Ella Rains: Sie müssen sofort kommen, John! John: Ach Ella, was ist passiert? Ella: Der Boss ist tot, John, und die Polizei ist hier. John: Die Polizei? Ella: Die Polizisten wollen Sie sprechen, John, werden Sie wach, und kommen Sie in Ihr Büro, schnell! John: Ella Rains, mein Sekretärin, nicht nur meine, die Sekretärin aller Autoren bei Pandora, aber ich bildete mir ein, daß sie für mich besonders gern arbeitete, sie wartete in meinem Büro, als ich kam, sie und zwei Männer, die ich nicht kannte, beide waren groß, aber das war auch alles, was sie gemeinsam hatten, einer war schlank, sah gut aus, trug Kleidung, die eindeutig nicht aus dem Kaufhaus stammte, der andere, der seine massigen Schultern und seinen Bierbauch in einen schäbigen Anzug von der Stange gezwängt hatte, wirkte wie ein Preisboxer. John: Wer sind Sie, was haben Sie in meinem Büro zu suchen? Taylor: Miss äh. Ella: Rains. Taylor: Würden Sie uns bitte allein lassen, Miss Rains. Ella: Wenn Sie mich brauchen, Jonny. McLane: Los, los, und machen Sie die Tür zu, wenn Sie draußen sind! Taylor: Mister Jonny Garfield, nehme ich an, ich bin Detective Leutnant Robert Taylor, mein Kollege Detective Sergeant Barton McLane. John: Der im teuren Anzug war der Chef, in der good cop bad cop Routine, die die beiden abzogen, spielte er den guten, den freundlich-sachlichen. Taylor: Sie wissen weshalb wir hier sind, Mr. Garfield? John: Arnold ist tot, Ella, Ms Rains hat es mir gesagt aber warum kommen sie zu mir. McLane: Wir stellen hier die Fragen, Garfield. Taylor: Wo waren Sie gestern abend, Mr. Garfield. John: Zuhause. McLane: Ach, wirklich. Taylor: Den ganzen Abend, Mr. Garfield, auch um, sagen wir, elf Uhr? John: Seit sechs, da bin ich nach Haus gekommen. Taylor: Und Sie sind nicht mehr weggegangen, Mr. Garfield. John: Nein. McLane: Und nachts, was haben Sie nachts gemacht. John: Geschlafen. McLane: Ach was, und wo. John: In meinem Bett, natürlich. McLane: Natürlich, Zeugen. John: Natürlich nicht. Taylor: Besitzen Sie eine Handfeuerwaffe, Mr. Garfield? John: Ja, aber. McLane: Pistole oder Revolver? John: Pistole. McLane: Typ? John: Japanische Armeepistole, ein Nambu 32, ein Souvenir aus dem Pazifik. McLane: Wo ist sie? John: Hier im Schreibtisch. Taylor: Würden Sie uns Ihre Pistole zeigen, Mr. Garfield? John: Wenns sein muß. McLane: Na, Garfield, wo ist sie. John: Sie muß hier sein, in der Schublade. McLane: Ist sie aber nicht. John: Dann muß sie jemand rausgenommen haben. McLane: Jemand? Sie haben sie rausgenommen, Garfield. John: Unsinn, wozu. Taylor: Wann haben Sie Ihre Pistole zuletzt gesehen, Mr. Garfield? John: Ich weiß nicht, vor ein paar Wochen. McLane: Was Sie nicht sagen, Ihre Fingerabdrücke. John: Was? McLane: Geben Sie uns Ihre Fingerabdrücke, oder haben Sie was dagegen? Taylor: Sie würden uns die Arbeit sehr erleichtern, Mr. Garfield. John: Dann gingen sie endlich, mit meinen Fingerabdrücken und mit meiner Schreibmaschine, meiner Underwood, ich fragte nach dem Grund, aber sie gaben mir keine Antwort, natürlich nicht, statt dessen rieten sie mir, die Stadt nicht zu verlassen, ganz langsam kroch etwas in mir hoch, was ich seit Guadalcanal sehr gut kannte, Angst, die Dunkelheit am Ende des Ganges, diese Wendung ging mir nicht aus dem Kopf, hatte ich sie irgendwo gelesen, vielleicht bei William Irish (Cornell Woolrich) oder James M. Cain. Ella: John? John: Ja, Ella was ist. Ella: Glaubt die Polizei etwa, daß Sie, äh, daß Sie was mit dem Mord an Mr. Arnold zu tun haben? John: Mord, Arnold ist ermordet worden? Ella: Das hat er gesagt, der nette, Leutnant Taylor, warum haben die Ihre Schreibmaschine mitgenommen, John? John: Wenn ich das wüßte, ich muß telefonieren, bitte Ella, wir sehen uns später. Ella: Wenn ich Ihnen irgendwie helfen kann, John. John: Danke, Ella. John: Ich mußte Lana sprechen, Dolores, das mexikanische Hausmädchen wollte mich nicht verbinden, aber ich bleib beharrlich und dann kam sie doch an den Apparat, Lana, meine Lana, die nicht allzusehr trauernde Witwe. Lana: Du solltest nicht anrufen, Jonny, das ist leichsinnig. John: Die Polizei war hier, im Büro. Lana: Du hast doch nichts gesagt? John: Natürlich nicht. Lana: Gut, gut, bleib dabei, Jonny. John: Lana, sie haben gesagt, Edward ist ermordet worden. Lana: Wirklich? Das hat nichts zu bedeuten Jonny, die Polizei ist immer mißtrauisch. John: Aber. Lana: Bleib ruhig, Jonny, Darling, alles wird gut, ich liebe dich. John: Ich dich auch, Lana, ich, Lana? John: Ich versuchte zu arbeiten, aber das war unmöglich, ich rief noch mal bei Lana an, diesmal kam sie nicht ans Telefon, ausgegangen, sagte Dolores, schließlich verließ ich das Büro und die Pandorastudios, ziellos fuhr ich durch die Straßen, vor einem Kino am Sunset Boulevard hielt ich, ich sah mir die Nachmittagsvorstellung an, ein Doppelprogramm, Laura und Double Indemnity, schwarze Filme, als ich aus dem Kino kam, war es dunkel, ich ging in eine Bar, wie sie hieß, habe ich vergessen, ich trank einen zu trockenen Martini, und rief Lana an, sie war noch nicht zu Hause, vor dem Apartmenthaus am San Vincente Boulevard stand ein Streifenwagen, als sie mich sahen, stiegen sie aus, Detective Leutnant Taylor und Sergeant McLane. Taylor: Wir haben auf Sie gewartet, Mr. Garfield. McLane: Und das tun wir gar nicht gern, wo waren Sie? John: Geht Sie das was an, was wollen Sie. Taylor: Uns in Ihrem Apartment ein bißchen umsehen. John: Um diese Zeit, na, kommen Sie morgen wieder oder besser gar nicht. McLane: So nicht Freundchen, wir haben einen Durchsuchungsbefehl. John: Ich mußte sie reinlassen, das Wühlen übernahm McLane, Taylor sah nur zu, der Sergeant ging nicht gerade behutsam vor, meine Bücher warf er auf den Fußboden, die Schubladen der Kommode drehte er kurzerhand um, nach dem Zimmer war die Küche an der Reihe, Geschirr klirrte und schepperte, dann suchte er im Bad. John: Was zum Teufel suchen Sie eigentlich, Leutnant. McLane: Zum Beispiel das hier. Taylor: Die Pistole, Sergeant. McLane: Die Pistole, Leut, im Wassertank, in Cellophan, an die Innenwand geklebt. Taylor: Kein sehr fantasievolles Versteck, Mr. Garfield. McLane: Ich denke, Sie sind Schriftsteller, da hätte Ihnen auch was Besseres einfallen können. John: Ich verstehe nicht, meine Nambug. McLane: Haarscharf und ganz genau. John: Im Wassertank, vom Klo, wie, wie komm denn die dahin? McLane: Nicht die leiseste Ahnung, was Garfield, aha. Taylor: Vorsicht Serge, Fingerabdrücke. McLane: Ich paß schon auf, Leut. Taylor: Abgefeuert? McLane: Ja, noch gar nicht lange her. John: Das ist doch nicht möglich. McLane: Die Mordwaffe, ganz klar. John: Nein. McLane: Und Sie haben sie abgefeuert, Garfield. John: Nein! McLane: Geben Sie es doch zu! John: Nein, nein! Taylor: Wir werden uns im Präsidium weiter unterhalten Mr. Garfield, Sie sind festgenommen unter der Beschuldigung des Mordes an Edward Arnold, ich warne Sie alles was Sie sagen kann als Beweismittel gegen Sie verwendet werden, kommen Sie. John: Eine grelle Lampe schien mir ins Gesicht, sonst war der Raum dunkel, ich sah sie kaum, die beiden, die mich weiter verhörten, ich hatte das Gefühl, in einem Alptraum gefangen zu sein und bemühte mich verzweifelt aufzuwachen, aber der Nachtmar nahm kein Ende. Taylor: Sie waren letzte Nacht in Mr. Arnolds Strandhaus, Mr. Garfield. John: Nein, nein. McLane: Sie lügen, das ist dumm von Ihnen, Garfield, dadurch reiten Sie sich nur noch mehr rein. Taylor: Sehen Sie, Mr. Garfield, wir haben Arnolds Terminkalender gefunden, im Schreibtisch, im Strandhaus, und da steht zum 9. November 11 Uhr abends Garfield, mit Ausrufezeichen. McLane: Wir haben noch was gefunden, Garfield, Ihre Fingerabdrücke am Telefon. Taylor: Mister Raft, der den Toten heute morgen entdeckte, war so umsichtig, uns von einer Zelle anzurufen, er habe, so sagte er uns, viele Kriminalfilme gedreht und kenne sich mit Fingerabdrücken bestens aus. McLane: Sie waren im Strandhaus, Garfield, und da haben Sie Arnold erschossen, mit Ihrer Pistole. John: Das stimmt nicht, Arnold ist mit einem Revolver erschossen worden, einem Colt Banker Special Kaliber 38. Taylor: Wie kommen Sie denn darauf. John: Ich war da, im Strandhaus. McLane: Na also. John: Ich habe die Waffe gesehen bei Arnolds Leiche. John: Was blieb mir übrig, obwohl ich Lana versprochen hatte, es nicht zu tun, sagte ich die Wahrheit, daß ich eine Verabredung mit Arnold gehabt hatte, zum Strandhaus gefahren war und ihn dort tot aufgefunden hatte, ich sagte die Wahrheit, aber nicht die ganze Wahrheit. Taylor: Wen haben Sie vom Standhaus angerufen, Mr. Garfield? John: Das spielt doch keine Rolle. Taylor: Meinen Sie, sie haben keine Kampfspuren bemerkt? John: Kampfspuren, nein, und in Arnolds rechter Hand war ein Banker Special, da bin ich sicher, deshalb war ich auch überzeugt, daß er Selbstmord begangen hat. McLane: Das könnte Ihnen so passen, mein Gott, Garfield, was sind Sie für ein mieser Lügner. John: Aber so war es! Taylor: Nein, Mr. Garfield, so war es nicht, der Sessel war umgekippt auf dem Boden, und in seiner Hand hielt der Tote keine Waffe, keine Pistole, kein Revolver, keinen Banker Special, ein Colt Banker Special war im ganzen Strandhaus nicht zu finden. McLane: Sie haben uns ein Märchen erzählt, Garfield, um Ihre jämmerliche Haut zu retten, aber das bringt Ihnen gar nichts, wir wissen ganz genau, was passiert ist. Taylor: Sie waren um 11 am Strandhaus, Mr. Garfield. John: Ja, aber. Taylor: Arnold hat Ihnen die Tür geöffnet, er war mißtrauisch, einem Unbekannten hätte er kaum aufgemacht, Sie hatten eine Auseinandersetzung mit Arnold. McLane: Und dann haben Sie ihn umgelegt, mit Ihrer Knarre, die Sie nur deshalb mitgebracht hatten. John: Nein, warum, warum hätte ich das tun sollen, es gab doch kein Grund dafür. Taylor: Wirklich nicht Mr. Garfield? Arnold, Lana du verdienst sie nicht, gib sie frei sonst. John: Was, was ist das? Taylor: Ein anonymer Brief, wir haben ihn in Arnolds Schreibtisch gefunden, unter dem Terminkalender. McLane: Getippt auf Ihrer Maschine, Garfield. John: Was, aber, aber nicht von mir. McLane: Natürlich nicht, und erschossen haben Sie ihn auch nicht obwohl in seinem Schädel eine Kugel Kaliber 32 steckt, und ich wette die paßt genau in Ihre Nambu. Taylor: Feierabend, Serge. McLane: Ok, Leut, spät genug, bis morgen Garfield. John: Sie steckten mich in eine Einzelzelle, nahmen mir Gürtel und Schnürsenkel weg, brachten mir was zu essen, ich kriegte nichts runter, schlafen konnte ich auch nicht, eine unsichtbare Schlinge zog sich um meinen Hals zusammen, immer enger, immer fester, ich verstand überhaupt nichts mehr, ich hatte keinen anonymen Brief an Arnold geschrieben, ich hatte den Revolver in seiner Hand gesehen, ich hatte ihn nicht mit meiner Pistole erschossen und die Waffe später im Wassertank versteckt. Oder doch? War meine Erinnerung falsch, litt ich an Amnesie, war ich verrückt. Ein Telefonat durfte ich am nächsten Morgen führen, ich rief Lana an, nicht zu Hause, sagte Dolores, ich fühlte mich sehr allein, um so größer war meine Freude, als mir am späten Nachmittag eine Besucherin angekündigt wurde, aber es war nicht Lana. John: Sie sind es, Ella! Ella: John, wie geht es Ihnen, werden Sie gut behandelt? John: Sicher. Ella: Haben Sie einen guten Anwalt? John: Anwalt, was soll ich mit einem Anwalt? Ella: Aber John, ist Ihnen nicht klar wie ernst die Sache ist, die Polizei hält Sie für den Mörder von Mr. Arnold, Sie sind so gut wie überführt, hat Leutnant Taylor mir gesagt, aber ich glaube das nicht, John, Sie haben Mr. Arnold nicht ermordet, das werde ich beweisen, John, ich werde mich für Sie einsetzen, ich werde nachforschen und den wahren Mörder ermitteln. John: Nett von Ihnen Ella, aber lassen Sie lieber die Finger davon, das ist keine Arbeit für Sie. Ella: Ich werde Hilfe haben, Sie werden sehen. John: Vor Monaten hatte ich auf einer Party bei den Arnolds einen jungen Anwalt ken nengelernt, Carson hieß er, Jack Carson, er war auch bei der Armee gewesen und als dienstunfähig entlassen worden, sonst wußte ich nichts über ihn, er war bereit, meine Verteidigung zu übernehmen. Er oder irgendein anderer. Mir war alles recht. Jack Carson: Kein Augenzeuge, immerhin, ist doch was, aber Indizien, sicher, nur Indizien, aber genug, mehr als genug, unter uns, Garfield, es sieht nicht gut aus für Sie, gar nicht gut, am besten, Sie bekennen sich schuldig. John: Was? Carson: Und wir plädieren auf zeitweilige Unzurechnungsfähigkeit. John: Aber ich bin unschuldig. Carson: Wenn Sie das sagen, Garfield. John: Sie glauben mir nicht. Carson, Sie sind mein Anwalt. Carson: Spielt doch überhaupt keine Rolle, ob ich Ihnen glaube oder nicht Garfield, was das Gericht glaubt, das ist wichtig, wir haben ja noch Zeit, denken Sie über meinen Vorschlag nach, ja? John: Ich mußte über so vieles nachdenken: Arnold, das Strandhaus, Lana, die nicht ans Telefon kam, und die Beweismittel der Polizei, was ging vor, was geschah mit mir, ich fand keine Antwort, die Dunkelheit am Ende des Ganges kam näher, hatte mich fast schon erreicht, aber es gab ja noch Ella, ein paar Tage später kam sie wieder, und diesmal war sie nicht allein. John: Leutnant Taylor! Taylor: Sie wundern sich, Mr. Garfield? Ella, Miss Rains, hat mich überredet, sie zu begleiten. Ella: Wir arbeiten zusammen, John, Bob Taylor und ich, für Sie. Taylor: Ella ist hartnäckig, Mr. Garfield, und sehr überzeugend, Sie hat es tatsächlich geschafft, mich ein wenig unsicher zu machen, ein ganz klein wenig, sehen Sie, Mr. Garfield, Sie sind praktisch schon tot, alle Indizien, alle Argumente sprechen gegen Sie, wenn Sie Arnold wirklich umgebracht haben, dann haben Sie sich dabei sehr, sehr dumm angestellt, und dumm Mr. Garfield, sind Sie nicht, da bin ich mir sicher. John: Endlich, ein Lichtstrahl drang durch die Dunkelheit, ein schmaler Lichtstrahl zugegeben, aber er war hell genug, mir Mut zu machen, Taylor wollte noch einmal meine Version der Ereignisse im Strandhaus hören, ich erzählte sie ihm, und jetzt sagte ich alles. Ella: Da sehen sie es Bob, John ist unschuldig. Taylor: Wenn er die Wahrheit sagt. John: Es ist die Wahrheit, Leutnant, ich schwöre es Ihnen. Taylor: Nehmen wir an, ich glaube Ihnen, dann hätten nicht Sie Arnold getötet. Ella: Dann war es jemand anders. John: Oder vielleicht doch Selbstmord. Taylor: Mit Ihrer Pistole, die in Ihrem Apartment wieder auftaucht, unmöglich, es war Mord. Lana: Mrs. Arnold, sie hat es getan. John: Lana? Niemals! Lana: O John sind Ihnen denn noch immer nicht die Augen aufgegangen, sie hat ihren Mann ermordet, und Sie, John, Sie spielen den Sündenbock. Taylor: Ich bewundere Ihren Enthusiasmus Ella, bedauerlicherweise muß ich ihn ein wenig dämpfen, Mrs. Arnold kann ihren Mann nicht erschossen haben, falls Mr. Garfield. John: John. John. Taylor: Falls John die Wahrheit sagt, und davon wollten wir doch ausgehen. John: Das Telefongespräch vom Strandhaus. Taylor: Sehr richtig, John, als Sie anriefen, war Mrs. Arnold in Beverly Hills, weit weg vom Tatort. John: Und die Leiche war noch warm. Taylor: Mrs. Arnold war es also nicht. Ella: Nicht persönlich, nicht eigenhändig, sie hatte Hilfe, einen Komplizen. Taylor: Ein sehr interessanter Gedanke, Ella, haben Sie Beweise? Ella: Gestern abend war ich in Beverly Hills, vor dem Anwesen der Arnolds, es war schon dunkel, ich wartete in meinem Wagen. John: Worauf? Ella: Ich weiß es selbst nicht, auf irgend etwas, etwas, daß Sie entlastet, John. John: Sie sind ja eine richtige Miss Marple, Ella. Ella: Mrs. Arnold brachte einen Mann zur Tür, ich habe sie deutlich erkannt, ihre blonden Haare, ihr helles Abendkleid. Taylor: Den Mann auch? Ella: Leider nicht, er trug einen Hut, hatte den Mantelkragen hochgeschlagen, die beiden umarmten und küßten sich, lange, heiß und leidenschaftlich. John: Sie müssen sich irren. Ella: Dann stieg der Mann in sein Auto und fuhr weg, ich wollte ihm folgen, aber bis ich meinen Wagen gestartet und gewendet hatte. Taylor: War er verschwunden, haben Sie die Automarke erkannt? Ella: Ein Buick, glaube ich. Taylor: Das hilft uns nicht weiter, jeder zweite in LA fährt einen Buick. John: Mir fällt was sein, an dem Abend, als ich Arnold fand, stand ein Buick an der Küstenstraße, nicht weit vom Strandhaus, ein Zufall, vermutlich. John: Ich wollte es nicht glauben, Lana liebte mich, nicht irgendeinen unbekannten Buick Fahrer, Ella war überreizt, sie hatte Gespenster gesehen, damit beruhigte ich mich, ich verdrängte die nagenden Zweifel so gut ich konnte. Carson: Das Gericht hat den Termin für die Verhandlung festgesetzt, Garfield, auf den 28. November. John: So schnell. Das ist gut. Carson: Wie mans nimmt. Tja, Garfield, wie gehen wir vor, haben Sie Ihre Meinung inzwischen geändert? John: Nein, ich bin unschuldig, dabei bleibe ich. Carson: Sie machen es mir wirklich schwer, Garfield, Ihre Geschichte ist so, so wenig glaubwürdig. John: Aber sie ist wahr, Carson, und Lana, Mrs. Arnold, wird sie bestätigen. Carson: Das ist äußerst unwahrscheinlich. John: Was soll das heißen, haben Sie sie etwa nicht vorgeladen? Carson: Nein, hab ich nicht. John: Herrgott, warum denn nicht? Carson: Weil Mrs. Arnold bereits eine Vorladung hatte, von Staatsanwalt Kruger, sie ist Zeugin der Anklage. Kruger: Sie sind Lana Arnold, geb. Turner, die Witwe von Edward Arnold. Lana: Ja. Kruger: Schwören Sie die Wahrheit zu sagen, die ganze Wahrheit und nichts als die Wahrheit. Lana: Ich schwöre. Kruger: Mrs. Arnold, Sie kennen den Angeklagten, John Garfield. Lana: Ja, ich kenne ihn. John: Lana war die letzte im Zeugensstand, alle anderen hatten vor ihr ausgesagt. George Raft kühl und unbeteiligt, Leutnant Taylor knapp und sachlich, Sergeant McLane feindselig und gehässig, der Ballistiker, der Schreibmaschinenexperte, meine Pistole wurde vorgelegt, der anonyme Brief, die Belastungsmomente gegen mich türmten sich auf zu einer dunklen Halde, die mich zu begraben drohte, unter den vielen Neugierigen im Saal saß Ella Rains, sie lächelte mir zu, gab mir Hoffnung, und die brauchte ich dringend. Kruger: Welcher Art war Ihre Bekanntschaft mit dem Angeklagten, Mrs. Arnold? Lana: Wir sind, wir waren gute Freunde. Kruger: Nur gute Freunde, Mrs. Arnold, nicht mehr? Lana: Nicht auf meiner Seite, aber John, der Angeklagte. Kruger: Ja, Mrs. Arnold. Lana: Er war in mich verliebt, und er bildete sich ein, daß ich ihn ebenfalls liebte. Kruger: Haben Sie ihn geliebt, Mrs. Arnold? Lana: Nein! John: Lana! Richter: Ruhe im Saal! Fahren Sie fort, Mr. Kruger. Kruger: Danke euer Ehren, Mrs. Arnold, haben Sie dem Angeklagten jemals Hoffnungen gemacht? Lana: Nein, niemals, ich war verheiratet. John: Lana war eine wunderschöne Witwe, ihr kleiner Schleierhut betonte ihr blondes Haar, sie war blaß und trug schwarz, was ihr ausgezeichnet stand, und sie log meisterhaft und mit Hingabe. Kruger: Kommen wir zur Nacht vom 9. zum 10. November 1945, berichten Sie uns, was in dieser Nacht zwischen Ihnen und dem Angeklagten geschah, Mrs. Arnold. Lana: Ja, ich war zu Hause. John rief mich an. Kruger: Wann war das. Lana: Etwa 10 Minuten nach 11. Kruger: Was sagte der Angeklagte. Lana: Er müsse mich sehen, sofort, es sei etwas passiert. Kruger: Was war passiert, Mrs. Arnold. Lana: Das hat er nicht gesagt, nicht am Telefon, erst später, aber ich war beunruhigt, ich wußte, daß John eine Verabredung mit meinem Mann hatte im Strandhaus, Edward hatte von mir erfahren, daß John, daß er mich bedrängte, mir zu nahe kam, er wollte mich zur Rede stellen. Kruger. Und in Ihrer Sorge haben Sie sich bereiterklärt, den Angeklagten trotz der späten Stunde zu empfangen. Lana: Ja. Kruger: Er kam in Ihr Haus, Mrs. Arnold. Lana: Ja kurz nach Mitternacht, er war sehr aufgeregt und dann hat er es mir gesagt. Kruger: Was hat der Angeklagte gesagt, Mrs. Arnold. Lana: Daß er Edward erschossen hat. John: Nein. Das ist nicht wahr! Richter: Ruhe, Angeklagter, Sie haben nicht das Wort, bitte Mr. Kruger. Kruger: Danke euer Ehren, bitte fahren Sie fort, Mrs. Arnold, der Angeklagte gestand Ihnen, er habe Ihren Mann erschossen. Lana: Ja, weil Edward mich nicht freigeben wollte, das habe er nicht anders erwartet, sagte John, und darum hat er seine Pistole eingesteckt, bevor er zum Strandhaus aufbrach. Kruger: Vorsatz, eine schwere Anschuldigung, Mrs. Arnold. Lana: Das ist mir bewußt, aber ich habe geschworen, die Wahrheit zu sagen. Kruger: Sehr lobenswert, Mrs. Arnold, wie haben Sie auf das Geständnis des Angeklagten reagiert? Lana: Ich war erschüttert, entsetzt, fassungslos. Kruger: Nur zu verständlich, Mrs. Arnold. Lana: Und ich hatte Angst, John fuchtelte mit seiner Pistole herum, ich redete ihm zu, sich zu stellen, aber er wollte nichts davon wissen, jetzt steht unserer Liebe nichts mehr im Weg, hat er gesagt, Edward ist tot, du bist frei, schließlich ist es mir gelungen, ihn ein wenig zu beruhigen und zum Gehen zu bewegen. Kruger: Sie haben nicht die Polizei verständigt, Mrs. Arnold, warum nicht? Lana: Ich wußte nicht, was ich tun sollte, schluchz, ich war so verwirrt, ich habe eine Schlaftablette genommen und als ich aufwachte. Kruger: War der Mord bereits entdeckt, danke Mrs. Arnold. Ella: Sie lügt, sie hat ihren Mann auf dem Gewissen, John Garfield ist unschuldig! Richter: Ruhe. Ruuhe! Entfernen sie die Störerin. John: Am nächsten Tag folgen die Plädoyers von Staatsanwalt und Verteidiger, Kruger forderte mich des vorsätzlichen Mordes schuldig zu sprechen, das hatte ich erwartet, Carson hätte sich seine Rede sparen können, er nannte mich einen tapferen Kriegshelden, einen Invaliden, der sein Bein der Nation geopfert hatte, einen hoffnungslosen Romantiker, dem seine Gefühle über den Kopf gewachsen waren, er appellierte an die Gutherzigkeit der Juroren. Richter: Obmann der Jury, sind Sie zu einer Entscheidung gekommen. Obmann der Geschworenen: Jawohl euer Ehren! Richter: Wie lautet sie? Obmann: Der Angeklagte ist des vorsätzlichen Mordes schuldig. Richter: Ich verkünde das Urteil, der Angeklagte John Garfield wird zum Tode verurteilt, er wird ins Zuchthaus Sankt Quentin überstellt, wo er gemäß den Gesetzen des Staates Kalifornien vom Leben zum Tode befördert wird die Verhandlung ist beendet. John: Die Hinrichtung in der Gaskammer von Sankt Quentin sollte schon am 11. Dezember stattfinden, am Nachmittag um vier Uhr, man hatte es eilig. Am 7. Dezember bekam ich Besuch in der Todeszelle, Ella und Taylor. John: Sind Sie weitergekommen? Taylor: Oh ja doch, ein wenig, Ella hat einen konkreten Verdacht, was den Komplizen, den möglichen Komplizen von Mrs. Arnold betrifft. John: Ja? Wer ist es, Ella. Ella: Mister Raft. John: George Raft, der Schauspieler? Ella: In letzter Zeit habe ich ihn oft in den Pandorastudios mit Mrs. Arnold zusammen gesehen, und er könnte auch der Mann neulich nacht vor der Villa gewesen sein. Taylor: Raft hat Arnold gefunden, am Morgen des 10. November. John: Natürlich, das heißt, er hatte die Möglichkeit den Tatort, wie soll ich mich ausdrücken umzugestalten, ja, so muß es gewesen sein, Raft hat den Colt verschwinden lassen und einen Kampf vorgetäuscht, in dem er den Sessel umgeworfen und das Glas zerschlagen hat. Taylor: Möglich, aber das erklärt nicht die übrigen Verdachtsmomente, daß die Mordwaffe Ihnen gehört, John, und in Ihrem Apartment versteckt war, daß der Drohbrief an Arnold auf Ihrer Underwood geschrieben wurde. John: Das könnte auch Raft getan haben, in meinem Büro, abends, nach Dienstschluß, und die Pistole aus dem Schreibtisch genommen. Taylor: Hatte er denn einen Schlüssel zu Ihrem Büro, John? John: Nicht daß ich wüßte, aber Lana hat einen, und einen Schlüssel zu meinem Apartment. Ella: Das ist es, Bob, das ist es, der Fall ist gelöst. Taylor: Sie und Ihr Enthusiasmus, Ella, gar nichts ist gelöst, was wir haben sind Spekulationen, Hypothesen, wir brauchen Beweise. Ella: Die werden wir beschaffen, Bob. Taylor: Wir werden es versuchen. John: Machen Sie schnell, es sind nur noch 4 Tage. Taylor: Wir tun unser bestes, nicht wahr, Ella. John: Ich war sehr nervös, aber nicht in Panik, die Dunkelheit, die mich zwischen zeitlich fast verschlungen hatte, wich wieder ein Stück zurück, ich vertraute Ella und Bob, ich hoffte. Am Abend des 10. Dezember wurde ich aus der Zelle geholt, Ella war am Telefon. Ella: Oh John, es ist geschafft, nur noch eine winzige Kleinigkeit fehlt, und die klären wir heute Nacht, Bob, morgen früh sprechen wir mit der Staatanwaltschaft, dann sind Sie frei, oh John, ich bin ja so glücklich. John: Ich wartete, die Nacht verging, der 11. Dezember brach an, der Morgen ging vorüber, der Vormittag, die Stunden verrannen, ich wartete, vor meiner Zelle Unruhe, Geräusche, die Gaskammer wurde für die Hinrichtung vorbereitet. 12 Uhr. 1 Uhr. 2 Uhr, ich wartete, doch dann öffnete sich die Tür. John: Bob, Sie sind allein, wo ist Ella? Taylor: Sie wurde aufgehalten, und weil die Zeit drängt. John: Natürlich, natürlich, wie stehen die Dinge, Bob? Taylor: Bestens, der Fall ist geklärt, Sie sind unschuldig, John, den Mord an Arnold haben seine Frau und ihr Liebhaber begangen, dabei haben sie die Spuren so manipuliert, daß der Verdacht auf Sie fallen mußte, wollen Sie wissen, wie die beiden das angestellt haben, John? John: Ja, sicher, aber die Zeit, jetzt ist es. Taylor: 3 Uhr zwanzig. John: Ja, und um vier. Taylor: Keine Sorge John, alles ist geregelt, entspannen Sie sich, hören Sie zu, geplant haben das Unternehmen beide gemeinsam, aber bei der Ausführung operierten sie getrennt, sie hat den anonymen Brief an Arnold auf Ihrer Schreibmaschine geschrieben, John und sie hat auch die japanische Armeepistole aus Ihrem Schreibtisch genommen, beides geschah erst am Abend des 9.November, nachdem Sie das Büro verlassen hatten, danach übergab sie. John: Lana, Lana Arnold. Taylor. Brief und Pistole ihm. John: George Raft. Taylor: Im Auto, irgendwo auf der Straße, sie fuhr dann nach Hause. John: Und rief mich an, um mich für 11 in Arnolds Strandhaus zu bestellen. Taylor: Wovon dieser übrigens nichts wußte. John: Ach, das Drehbuch für den nächsten Pandora Großfilm. Taylor: Lüge, Phantasie, ein Köder für Sie, John, etwa um halb 11 tauchte er am Strandhaus auf, er parkte seinen Buick an der Küstenstraße, ging zum Strandhaus, klopfte, Arnold ließ ihn ein, die beiden Männer wechselten ein paar belanglose Worte, dann zog er die mitgebrachte Nambu aus der Tasche und erschoß Arnold, er trug natürlich Handschuhe. John: Natürlich, Fingerabdrücke. Taylor: In die rechte Hand des Toten legte er einen Revolver aus eigenen beständen. John: Colt Banker Special Kaliber 38. Taylor: Er ging, setzte sich in seinen Buick und wartete, die Tür zum Strandhaus hatte er freundlicherweise einen Spalt offen gelassen, kurz vor 11 kamen Sie, John, und als Sie eine viertel Stunde später wieder wegfuhren. John: Zu Lana, so schnell ich konnte. Taylor: Ging er zurück zum Strandhaus, er schloß auf, den Schlüssel hatte er bei seinem ersten Besuch eingesteckt, in aller Ruhe fabrizierte er die falschen Kampfspuren, danach zog er das Schubfach in Arnolds Schreibtisch auf, hier fand er, wie sie ihm gesagt hatte, den Terminkalender des Produzenten, zum 9. November 11 Uhr Abends trug er in passabler Imitation von Arnolds Handschrift ein. John: Garfield, Ausrufungszeichen. Taylor: Unter den Terminkalender legte er den anonymen Brief, bevor er ging, nahm er den Banker Special wieder an sich, er wußte, Sie, John würden von ihr lange aufgehalten werden, er konnte also zum Vincente Boulevard fahren und ohne Angst vor Entdeckung Ihre Pistole in Ihrem Apartment so verstecken, daß die Polizei sie schnell finden würde, den Schlüssel hat er natürlich von ihr bekommen, so ging es vor sich, John, na was sagen Sie? John: Wie ein Blinder bin ich in die Falle getappt. Taylor: Das kann man wohl sagen, John. John: Haben Sie sie schon festgenommen, Bob. Taylor: Festgenommen, wen? John: Wen? Äh, die Täter. Lana und George Raft. Taylor: Raft, wie kommen Sie auf Raft, John. John: Aber er ist doch Lanas neuer Liebhaber, der Mörder von Arnold, der Komplize. Taylor: Habe ich das gesagt? John: Nicht? Taylor: Ich habe seinen Namen kein einziges Mal erwähnt, warum auch, der Mörder, der Komplize, der Liebhaber, heißt nicht George Raft. John: Nicht Raft, ich verstehe nicht, wer ist es, Bob, sagen Sie es mir! Taylor: Mit Vergnügen, John, sein Name ist Taylor, Robert Taylor, Detective Leutnant Robert Taylor vom Los Angeles Police Department! John: Sie!? Taylor: Ich, machen Sie kein so verblüfftes Gesicht, John, die Sache ist ganz einfach, Edward Arnold ist tot, in wenigen Minuten werden Sie als sein Mörder hingerichtet, nach Ablauf der Trauerzeit werden Lana und ich heiraten, und die Pandora wird mir gehören, alles klar? John: Ella, Ella weiß Bescheid, sie, sie wird. Taylor: Sie retten, John, das glaube ich nicht, wissen Sie, Ella Rains ist wie sagt man in Grabreden, sie ist Ihnen vorausgegangen. John: Ella ist tot? Taylor: Ein bedauerlicher Unfall, in der letzten Nacht wurde sie von einem Auto überfahren, einem Buick, keine Zeugen, der Fahrer ist flüchtig, so was passiert, wenn man der Wahrheit zu nahe kommt. Kruger: Mister Garfield, es ist soweit. John: Ich wollte etwas sagen, aber ich konnte kein Wort herausbringen, zwei Beamte nahmen mich in die Mitte, mehrere schwarzgekleidete Männer folgten, in feierlicher Prozession schritten wir den Gang entlang, dorthin, wo die Dunkelheit für immer über mir zusammenschlagen würde. Film Noir von Michael Koser John Garfield: Max Hopp Lana Turner-Arnold: Astrid Meyerfeldt Ella Rains: Judica Albrecht Robert Taylor: Guntram Brattia Barton McLane: Uwe Preuss Jack Carson: Harald Pilar von Pilchau Staatsanwalt Otto Kruger: Hans-Peter Hallwachs Richter: Udo Kroschwald Obmann der Geschworenen: Michael Klobe Michael Koser: Die Alzheimergang (DRadio 2002) Stefan: Ich soll die Story erzählen, das haben Garbo und Harald und Hildchen so beschlossen, ich weiß nicht wie ich das finde, klar ich gehör auch zur Alzheimergang, bloß irgendwie doch nicht so ganz richtig, weil ich bin erst 19 und Alzheimer ist noch weit hoffe ich mal, aber wenn die anderen unbedingt wollen, okay. Garbo: Hören Sie sich das mal an: Gerade im Bereich der Seniorenpolitik, sagte Dr. Waldhorn, muß sich sehr viel ändern, unseren älteren Mitbürgern, sagen wir es doch ganz deutlich, geht es zu gut. Harald: Was zu gut? Ja. Stefan: Der spinnt, der Waldhorn. Hildchen: Och, vielleicht hat seine Mutter ja recht. Harald: Der Sie immer die Karten legen, Hildchen, ja, und was sagt die alte Isolde Waldhorn. Hildchen: Sie sagt, ihr Sohn sei ein, entschuldigen Sie den Ausdruck, ein Vollidiot. Stefan: Dr. Jürgen Waldhorn, Sozialdezernent unserer schönen Stadt Willsum, und Bürgermeister, will er jedenfalls werden, als Wahlkampfthema hat er die alten entdeckt, als sag ich mal, Buhmänner und Buhfrauen, weil es gibt in Willsum viel mehr junge und mittlere, und die sollen ihn dann wählen. Garbo: Aber haben sich unsere Senioren nicht einen schönen Lebensabend verdient? Auf diese Frage unseres Mitarbeiters sagte Dr. Waldhorn, das ist sentimentales Gerede, Politik ist eine Sache der Vernunft, und die Vernunft verlangt in der Seniorenpolitik eine strikte Kehrtwendung. Stefan: Wir sind bei Garbo in ihrer kleinen Wohnung im Seniorenstift Abendsonne, wir sind zu viert und lesen Zeitung, den Willsumer Courier, kurz WC, ich bin der Stefan, zur Zeit Zivi, ich mach meinen Dienst im Stift, meistens kümmere ich mich um Garbo. Garbo: Unseren älteren Mitbürgern, so fuhr Dr. Waldhorn fort, lege ich mit allem Nachdruck Bescheidenheit ans Herz. Harald: Bescheidenheit, ja, natürlich. Garbo: Statistisch betrachtet sind Rentner ab 72 nichts als Kostenfaktoren. Hildchen: Nein. Garbo: Ja, insofern sollten sie den Anstand besitzen, die gebeutelten öffentlichen Kassen nicht über Gebühr zu strapazieren. Harald: Schweinerei. Garbo: Es kommt noch schlimmer. Garbo: Man nennt mich Garbo, das ist eine hohe Ehre für eine Schauspielerin, und in aller Bescheidenheit eine nicht gänzlich unverdiente, ich war gut, 40 Jahre am Stadttheater Willsum, ich habe alles gespielt vom Gretchen bis zur Irren von Chaillot, jetzt bin ich 70 und sitze im Rollstuhl, verheiratet? Nie, außer mit der Kunst, denn das Naturell der Frauen ist so nah mit Kunst verwandt, Goethe. Garbo: Ich bestreite keinesfalls das Recht der Alten auf eine angemessene Grundversorgung, sagte Dr. Waldhorn. Harald: Angemessen, Grundversorgung. Garbo: Ein Dach über dem Kopf im Heim, auskömmliche Ernährung, von mir aus auch ein kleines Taschengeld, warum nicht, doch ein Leben im Luxus, in Saus und Braus, nicht mit mir. Hildchen: In Saus und Braus, Luxus? Harald: Ich faß es nicht, ein unverschämter Kerl. Harald: Harald, 66 und noch ziemlich munter, auch wenn es hier und da mal so ein bißchen kneift, vor allem im Kreuz, kein Wunder, ich hab mein ganzes Leben hart gearbeitet, auf dem Bau, bei der Küstenschiffahrt, als Staubsaugervertreter und als Puppenspieler, eine Zeit lang auch als Privatdetektiv, zuletzt war ich im öffentlichen Dienst, Grünflächenbetreuer auf dem städtischen Friedhof wegen der Rente, Witwer. Garbo: Wenn die Willsumer mich zu ihrem Bürgermeister wählen, dann, das verspreche ich, kommen alle Wohltaten für unsere Senioren unnachsichtig auf den Prüfstand. Hildchen: Uh, was wird das werden. Garbo: Und warum nicht auch einmal mutig neues andenken, muß ein Greis noch Auto fahren? Harald: Also das ist unverschämt. Garbo: Ja. Soll eine senile 80 jährige noch wählen dürfen? Harald: Senil, jetzt reichts, sollen wir uns so eine Sauerei gefallen lassen? Stefan: Nein, also, man sollte wirklich was unternehmen, man sollte was unternehmen. Hildchen: Vielleicht, wenn ich einen Leserbrief an den Courier schriebe. Hildchen: Getauft bin ich Hildegarde, ein schöner Name, finde ich, aber die anderen sagen immer nur Hildchen zu mir, wie alt ich bin? Wissen sie, das verrät eine Dame nicht, um die 75? Da will ich nicht widersprechen, ich war Sachbearbeiterin im Finanzamt, das hat mir viel Freude gemacht, überhaupt war früher alles schöner, heute geht es mir gar nicht gut, ich habe Blutdruck und Kreislauf und Lungenpiepen und eine schwache Blase. Harald: Leserbrief, das bringt doch nichts. Stefan: Drucken die gar erst nicht ab. Garbo: Wieviele Briefe an den WC haben sie bis jetzt geschrieben Hildchen. Hildchen: 49. Garbo: Sehen Sie. Harald: In saus und braus, ha, der sollte mal am eigenen Leib spüren in welchen Verhältnissen viele alte leben müssen. Stefan: Genau. Garbo: Nicht nur reden Freunde, tuen. Harald: Ja tun, tja, und was, was denn. Garbo: Wir, entführen, entführen Waldhorn. Hildchen: Oh. Garbo: Und behandeln ihn so, wie ein Alzheimerpatient im sog. Pflegeheim behandelt wird. Hildchen: Aber das ist doch kriminell. Harald: Na und. Garbo: Nur so können wir was erreichen, wir gründen eine kriminelle Vereinigung, um einem altenfeindlichen Politiker eine Lektion zu erteilen. Stefan: Ja, wunderbar, genial. Garbo: Wir brauchen einen Namen, das ist äußerst wichtig. Stefan: Klar, wegen der Presse. Hildchen: Vielleicht kommen wir ja sogar ins Fernsehen. Garbo: Ein Namen mit Schlagkraft und Öffentlichkeitswirkung. Harald: Mit Power. Stefan: Und voll witzig muß er sein. Garbo: So etwas wie Rentnergang. Harald: Rentnergang. Garbo: Ja. Harald: Ne, bißchen langweilig, nicht. Stefan: GAF. Harald: GAF? Stefan: Graue Armeefraktion. Garbo: Seniorenarmeefraktion, SAF. Harald: SAF. AK, alte Knacker, sagen sie doch auch mal was, Hildchen. Hildchen: Die die drei Greißlein. Stefan: Drei, vier wenn schon, ich mach natürlich mit. Garbo: Vier Greißlein, nein, AG, AG kennt jeder. Harald: Und was soll das heißen. Stefan: Altengang. Harald: Altengang, das ist irgendwie lahm, aktive Greise. Hildchen: Und Greisinnen. Stefan: Alles grufti. Garbo: Was halten sie von Alzheimergang. Hildchen: Oh. Garbo: Plakativ, ironisch. Harald: Alzheimergang, ja, das hat was. Stefan: Das ist Spitze, ein Knaller. Hildchen: Ich weiß nicht, ist das nicht ein kleines bißchen zu menschenverachend. Harald: Ach was und wenn schon. Garbo: Hildchen, Sie sind überstimmt, ab jetzt sind wir die Alzheimergang. Harald: Gut. Super. Hildchen: Wenn sie meinen. Garbo: Meine Dame, meine Herren, beisammen sind wir, fanget an, Goethe. Stefan: Ganz recht, schließlich haben wir was vor, den großen Waldhornentführungs- und Lektionserteilungsevent, soweit ok, Frage, wie und wo. Garbo: Wir holen ihn aus dem Rathaus, aus seinem Dezernentenbüro. Hildchen: Zimmer 14, Erdgeschoß rechts, Anmeldung Zimmer 13, bitte anklopfen. Stefan: Vor über 15 Jahren hat sie aufgehört im Rathaus zu arbeiten und kennt sich immer noch bestens aus, tja, unser Hildchen, keine Spur von Alzheimer. Garbo: Für die Durchführung der Aktion brauchen wir zwei Personen und einen Rollstuhl, wann findet die Sprechstunde für Behinderte im Rathaus statt. Hildchen: Freitag vormittag 10 bis 11. Garbo: Morgen also, Eile ist geboten, Hildchen, sie werden im Rollstuhl sitzen. Hildchen: Ich, wieso ich, wäre es nicht besser sie, Garbo. Garbo: Ja, leider geht das nicht, die Rollstuhlinsassin muß laufen können. Hildchen: Ja, und Harald? Harald: Ich, keine Zeit, ich muß derweil meinen Campingwagen umrüsten zur Waldhornbewahranstalt. Garbo: Also bleibt es bei Hildchen, Stefan, sie schieben. Stefan: Klar mach ich doch. Stefan: Dann geht Garbo in die Einzelheiten, ein total cooler Plan, angesagt und abgefahren, astrein. Nächster Tag, Freitag, ich schiebe Garbos Reserverollstuhl durchs Rathaus mit Hildchen drin, die ist nervös. Hildchen: Stefan, ich bin nervös. Stefan: Nur die Ruhe, Hildchen, so wir sind da, Zimmer 13, sie wissen ja Bescheid. Hildchen: Ja, ja aber ich müßte mir mal dringend die Hände pudern, die Nase waschen. Stefan: Hildchen und ihre Blase, aber das ist jetzt nicht drin, erst entführen dann pinkeln, ich seh mich um, außer uns kein Mensch auf dem Flur, ich zieh mal meine blaue Skimütze runter und rein ohne anklopfen, am Schreibtisch sitzt eine dünne graue Maus im Kostüm. Stefan: Morgen, morgen. Sekretärin: Guten Tag, sind sie angemeldet. Stefan: Stehen sie auf, los. Sekretärin: Was. Stefan: Los. Sekretärin: Was wollen sie, was. Stefan: Ich halte ihr die dicke Walterpistole vor die Nase, die ist von Harald, ein Souvenir aus seiner Zeit als Privatdetektiv, eine Nachbildung aus Plastik, aber das weiß die graue Maus nicht, sie tut was ich sage, ich nehm sie mit rein zu ihrem Chef, der blickt hoch und wundert sich. Waldhorn: Elsa, was hat das zu bedeuten? Stefan: Ganz ruhig, machen sie ihren Gürtel auf, lassen sie die Hosen runter und bücken sie sich, na wirds bald. Waldhorn: Was? Stefan: Er will nicht, aber er muß, bis es soweit ist, scheuch ich die graue Maus ins exklusive Dezernentenklo. Waldhorn: Sie sind wohl nicht bei Trost. Stefan: Waldhorn präsentiert seinen lilienweißen Fettarsch und macht ein Gesicht wie ein Vegetarier, der in eine Bockwurst beißt, ich hau ihm die Spritze rein, volle Dröhnung, dann darf er sich wieder anziehen, das schafft er gerade noch, bevor er sich auf den Perser legt und wegschnarcht, soweit alles klar. Stefan: Der Kerl ist schwer, helfen sie mir, ihn in den Rollstuhl zu bugsieren, beide Beine, so geschafft, und jetzt die Decke, damit mumeln wir ihn schön ein, und den Hut nicht vergessen, sieht er nicht klasse aus, wie Adolf der Spasti. Hildchen: Was sie so von sich geben, oh können wir jetzt endlich auf die Toilette. Stefan: Moment, Moment, erst das Bekennerschreiben, tatatata, Beethoven. Stefan: Auf Garbos Computer geschrieben, kurz und auf den Punkt, wir haben Dr. Waldhorn aus dem Verkehr gezogen, wenn er gelernt hat, daß alte auch Menschen sind kriegt Willsum ihn zurück, gezeichnet die Alzheimergang, Rächerinnen der Renterinnen und Heiminsassinnen, dreimal groß In, das ist Hildchen, die jetzt endlich verschwinden darf, auf öffentliche Rathausklo neben dem Ausgang. Vor dem Rathaus steht die Beulenpest, das ist der uralte Behinderten-Transporter vom Wohlfahrtsverband, mit dem ich sonst Garbo durch die Gegend kutschiere, Rollstuhl rein und weg vom Rathaus, so schnell es geht, raus aus der Stadt, Harald hat den umgebauten Campingwagen am Wald geparkt, die andern warten schon. Stefan: Melde gehorsamst, alles planmäßig, keine besondere Vorkommnisse, wie seht ihr denn aus. Garbo: Wir haben uns maskiert, ich bin die Komödie, das ist ihre Maske, Hildchen, danke, die Tragödie, paßt genau. Stefan: Und Harald ist der Zirkus oder was. Harald: Zirkus, aus meinem Fundus, Echthaar, knallrot und dann noch die Pappnase. Harald: Nur kein Neid, helfen sie mir, unseren Freund in den Wagen zu schleppen. Stefan: Eine halbe Stunde später kommt Waldhorn zu sich, er stöhnt, er schüttelt sich ein bißchen, er macht die Augen auf. Waldhorn: Wo bin ich, was ist los. Garbo: Du bist im Pflegeheim, Opa. Waldhorn: Unsinn ich bin nicht alt, krank auch nicht. Harald: Total weggetreten der Opa, 80 ist er, Alzheimer hat er. Waldhorn: Ich kann mich nicht rühren. Garbo: Natürlich nicht, du bist festgeschnallt. Waldhorn: Festgeschnallt, wozu festgeschnallt. Harald: Damit du keinen Quatsch machst, Opa. Stefan: Zum Beispiel weglaufen oder dich aufhängen. Harald. Kuck mal der Fleck. Garbo: Wir hätten ihn windeln sollen. Harald: Wozu der Umstand, Opa kriegt einen Katheter rein und fertig. Waldhorn: Machen sie mich sofort los. Garbo: Vielleicht hat er Hunger. Stefan: Hier Opa, hau rein. Waldhorn: Wäh, was ist denn das. Harald: Gutes Schappi. Waldhorn: Hundefutter, pfui teufel. Garbo. Kaviar möchte er, Austern, filet mignon. Harald: Unverschämt und verfressen, hör mal zu Opa, hier wird gegessen was auf den Tisch kommt. Stefan: Saus und Braus kannst du dir aus dem Kopf schlagen. Garbo: Grundversorgung, was anderes gibts nicht. Harald: Und wenn dir das nicht paßt Opa, dann kriegst du gar nichts, hast du das verstanden, ja. Waldhorn: Also schluß mit lustig, meine Herrschaften, lassen sie mich auf der Stelle frei, was sie hier aufziehen, das wird sie teuer zu stehen kommen, Entführung, Körperverletzung, Nötigung, sie wandern alle in den Knast, auf Jahre. Stefan: Dieser Opa reißt immer noch das Maul auf. Garbo: Ich fürchte da müssen wir andere Maßnahmen ergreifen. Harald: Brechen wir ihm ein Bein, damit er merkt, wie es ist, behindert zu sein. Waldhorn: Nein. Harald: Beide Beine, am besten wir bringen ihn gleich ganz um. Garbo: Oh nein nicht übertreiben, Harald Stefan: Plötzlich fängt er an zu zucken, der Waldhorn, er gurgelt, verdreht die Augen, läuft blau an, sein Unterkiefer fällt runter, dann ist er still, ganz still. Stefan: Der markiert doch, oder. Harald: Nein, nein, er ist uns abgekratzt, Herzanfall, so fett wie der Typ war. Garbo: Abgekratzt, das ist menschenverachtend. Harald: Quatsch menschenverachtend, egal, abgekratzt, krepiert. Garbo: Er ist entschlafen. Stefan: Hat den Löffel abgegeben. Garbo: Was auch immer, Waldhorn ist tot und wir haben ihn auf den Gewissen. Stefan: Blödsinn, auf dem Hals haben wir ihn. Garbo: Das heißt seine Leiche. Stefan: Die müssen wir entsorgen. Harald: Ja das wird nicht einfach. Garbo: Bestimmt sucht ihn schon die Polizei. Hildchen: Und uns sucht sie auch. Harald: Ja, also wir könnten ihn zerlegen in handliche Stücke und die fahren wir einzeln im Rollstuhl zu ihm. Stefan: Oder wir verteilen sie auf die Schließfächer im Bahnhof. Garbo: Zu kompliziert und zu langwierig, inhuman und ekelhaft, das viele Blut, der Geruch. Harald: Wie dann, wir können ihn nicht einfach in den Wald schmeißen. Stefan: Und ihn ins Rathaus zurückbringen, das geht schon gar nicht. Garbo: Wir tun das, was wir auch mit dem lebenden Waldhorn getan hätten, wir setzen ein Zeichen und legen ihn aus, mit einem Schreiben der Alzheimergang, etwa so, ich habe es vorgezogen frühzeitig abzuleben, um nicht später der Rentenkasse zur last zu fallen. Harald: Und wo legen wir ihn aus. Garbo: Wo nachts keiner ist und wo man ihn tagsüber findet. Hildchen: Am Störkebeker-Denkmal. Stefan: Gute Idee, der berühmte Pirat steht auf einem künstlichen Hügel, hinter dem Teich, zwischen Büschen und Bäumen, ein echtes Kunstwerk, 100 % Bronze, vollbracht hat das gute Stück Hinrich Müller Willsum, Kunsterzieher am Gymnasium, gesponsert hat es der Krösus von Willsum, Wilhelm Waldhorn selig, Jürgens Vater, da liegt so ein Mann richtig. Harald: Wir treffen uns am Denkmal, Stefan, um Mitternacht. Garbo: Nacht muß es sein, wenn Friedlands Sterne strahlen, Schiller. Stefan: Ok, dann werde ich sie mal nach Hause fahren, meine Damen. Stefan: Hildchen steigt schon vorher aus, weil sie muß dringend auf den Friedhof und ihrer Freundin Gerda alles ganz genau erzählen, die liegt da seit gut zehn Jahren, nachts um 12 fahre ich bei Herrn Störtebeker vor, mit dem Rad, die Beulenpest steht wieder in der Garage beim Wohlfahrtsverband, Harald wartet schon, wir holen Waldhorn aus dem Campingwagen und legen ihn direkt vors Denkmal. Harald: Ruhe in Frieden, bis morgen früh wenn Gott will, ach, mein Rücken also ich muß ins Bett, kommen sie mit, Stefan. Stefan: Ich bleib noch ein paar Minuten sitzen, bißchen meditieren, zu Ruhe kommen, war ein aufregender Tag. Harald: Weißgott, und äh unser Freund stört sie nicht? Stefan: Ach wo, ich hab keine Angst vor Waldhörnern, schon gar nicht wenn sie tot sind, ich stecke mir eine Zigarette an, Hildchen würde sofort aufstand machen wegen Umwelt und Gesundheit, aber Hildchen ist ja nicht da, auf einmal sehe ich zwei Autoscheinwerfer, die kommen genau auf mich zu, ich kriech mit dem Rad hinter einen Busch, genau vor dem Denkmal hält das Auto, was soll ich ihnen sagen, es ist ein Leichenwagen, zwei schwarze Figuren steigen aus, greifen sich unseren Waldhorn, schieben ihn ins Auto und ab zurück Richtung Stadt, der ganze Horror dauert nur ein paar Sekunden, ich aufs Rad und hinterher, ich bleib dran, der Leichenwagen fährt nicht sehr schnell, am Friedhof wird er noch langsamer und dann hält er vor dem Bestattungsinstitut Pietät und Takt, da tragen sie ihn rein, den Waldhorn, die zwei Figuren, im Licht der Straßenlaterne erkenne ich sie, Peter Todel, Inhaber von Pietät und Takt und Marlies Waldhorn, Jürgen Waldhorns Frau, also eigentlich eher Witwe, ich pirsch mich näher ran, versteck mich in der dunklen Toreinfahrt vom Krematorium, nach 5 Minuten sind Thode und Marlies Waldhorn wieder draußen, ich kann hören, was sie sagen, das heißt zuerst sagen sie gar nichts, sie umarmen und küssen sich, nanu. Peter: Marlies. Marlies: Mein Peterchen, das ist unsere Chance, Peterchen, der taut nicht mehr auf. Peter: Der liegt sicher im Sarg von Steuerberater Mienzen, montag ist die Bestattung. Marlies: Und wir können ohne Probleme meinem alten Drachen von Schwiegermutter 1 Million aus der Nase ziehen. Peter: Ohne Probleme, also ich weiß nicht. Marlies: Das überlaß mal deiner Marlies, Peterchen, wir machen einen Superplan morgen. Peter: Telefonisch. Marlies: Spinnst du. Peter: Also wir treffen uns, wo. Marlies: Nicht bei mir, hier am besten, in deinem Büro, morgen früh um 9. Peter: Morgen ist Sonnabend, da ist nichts los bei mir, gut, Marlies, mußt du wirklich schon gehen. Marlies: Mein Mann ist entführt worden, hast du das vergessen, ich bin aufgelöst, außer mir, bis morgen Peterchen. Peter: Ich liebe dich, Marlies. Marlies: Ich dich auch, Peterchen, setz dich gleich ran, mach den Brief fertig. Stefan: Ich wartete, bis beide weg sind und im Friedhof wieder Ruhe einkehrt unter dem bleichen Schein des Mondes, Goethe, würde Garbo sagen, apropos Garbo, ich strample wie Jan Ullrich zum Stift und klingele die drei anderen raus, die Alzheimergang hält Kriegsrat, nachts um 1. Hildchen: Also Herr Tode und Marlies Waldhorn haben was miteinander, oh das finde ich interessant. Garbo: Interessanter ist doch die Frage, wieso waren die beiden über unsere Aktivitäten informiert. Harald: Allerdings, das kann doch kein Zufall sein, daß die kurz nach 12 beim Störtebekerdenkmal aufkreuzen, um den toten Waldhorn einzusammeln. Stefan: Die wußten genau Bescheid, wann und wo. Harald: Wer von uns hat nicht dichtgehalten, Stefan? Stefan: Also ich hab keinem was gesagt. Garbo: Ja ich auch nicht, und sie Harald. Harald: Also ich kann mein Maul halten. Hildchen: Warum sehen sie mich alle so an, von mir hat niemand was erfahren, außer Gerda natürlich. Stefan: Ihrer Freundin Gerda auf dem Friedhof sagt Hildchen alles, das muß sein, das tut ihr gut, sagt sie, sie hat das mal im Fernsehen gesehen in einem alten Western, der Teufelshauptmann, da geht John Wayne immer zum Grab seiner Frau und erzählt ihr, na egal. Stefan: Gerda wird wohl kaum was weitergesagt haben. Harald: Da bin ich nicht so sicher, was haben sie ihr erzählt, Hildchen. Hildchen: Na alles, daß wir Herrn Dr. Waldhorn entführt haben, daß er uns dabei leider weggestorben ist. Garbo: Und daß wir ihn am Störtebekerdenkmal ablegen wollten um Mitternacht. Hildchen: Ja natürlich. Harald: Ja dann ist die Sache klar, ganz nah bei Gerdas Grab, eine Reihe weiter ist die Familiengruft der Waldhorns, jeden Mittag ist Marlies Waldhorn da am putzen, den Stein scheuern, Unkraut zupfen, darauf besteht die alte Isolde Waldhorn seit Jahren. Garbo: Marlies hat mitgehört. Harald: Ja, so laut wie Hildchen immer schreit. Hildchen: Das muß ich doch, Gerda hört ja so schwer. Stefan: Also Marlies Waldhorn ist genau informiert, und was macht sie, trauert sie, kein Stück, geht sie mit ihrem Wissen zur Polizei, auch nicht, sie geht zu ihrem Liebhaber, Peter Thode von Pietät und Takt, zusammen entführen sie Jürgen Waldhorn zum zweiten mal, um Isolde Waldhorn 1 Million abzutricksen. Garbo: Eigentlich kein wunder so knapp wie die alte Sohn und Schwiegertochter hält. Hildchen: So was macht man nicht, frau erst recht nicht. Harald: Das ist unter Unternehmen, wir haben Waldhorn entführt. Garbo: Aus ideellen Gründen. Stefan: Die zwei hängen sich einfach an, als Trittbrettfahrer. Garbo: Schnöden Mammon. Harald: Die Suppe werden wir ihn versalzen. Garbo: Dazu müßten wir erst in Erfahrung bringen, was genau sie vorhaben, schwierig. Harald: Och, das will ich nicht sagen, schließlich war ich mal Privatdetektiv, meine Ausrüstung ist sicher nicht mehr der letzte Schrei, inzwischen gibts bessere Sachen aber für unsre Zwecke reichts, schließlich haben wir es nicht mit der Russenmafia zu tun, Stefan, für uns zwei beide ist der Arbeitstag noch nicht vorbei, kommen sie mit. Stefan: Wohin denn. Harald: Erst zu mir und dann zum Institut Pietät und Takt. Garbo: Und was wollen sie da, Harald. Harald: Einbrechen meine liebe. Stefan: Und zwar durchs Fenster, geht wie geschmiert, unter dem Schreibtisch in Thodes Büro klebt Harald eine Wanze, ein Kästchen so groß wie eine Zigarettenschachtel, Mikrophon und Sender, schaltet sich morgen früh um 9 automatisch ein, hoffentlich, ich steh solange Schmiere. Am nächsten Morgen treffen wir uns schon um 8 bei Garbo, total verpennt, aber sonst gut drauf, bringt die Zeitung mit, den Curier, Riesenschlagzeile, Politiker entführt. Garbo: In den Vormittagstunden des gestrigen Tages wurde Sozialdezernent Dr. Jürgen Waldhorn das Opfer einer Entführung, wie Elsa, seine Sekretärin berichtete etc sie hat Lärm geschlagen, gehört, die Toilette aufgebrochen, Polizei verständigt, die Kripodienststelle setzte eine Sonderkommission unter Leitung von Kommissar Kleingeld ein, bis jetzt ohne Ergebnis. Stefan: Und unser Bekennerschreiben. Garbo: Bekennerschreiben, Moment, das am Tatort vorgefundene Schreiben hält die Polizei wie verlautet für eine bewußte Irreführung, die Entführer, so Kommissar Kleingeld versuchten den Anschein zu erwecken, es handele sich bei ihnen um aufgebrachte Senioren, dies sei ein plumpes durchsichtiges Täuschungsmanöver, die Polizei gehe von einem terroristischen Hintergrund aus. Harald: Ach ne. Stefan: Sonnabend, morgens um 9 auf dem Friedhof, nicht weit von Kapelle und Krematorium, steht ein Rollstuhl, wie es der Zufall will, direkt an der Rückfront des Bestattungsinstituts Pietät und Takt, im Rollstuhl sitzt natürlich Garbo, sie trägt ein paar Kopfhörer, unter ihrem Schoß liegt ein Walkman, unter der Decke ist Haralds Empfänger versteckt, gerade ist die Wanze angesprungen. Marlies: Der Brief, Peterchen, ist der Brief fertig. Peter: Zwei Stunden hab ich am PC rumgeschnippelt und dann noch eine halbe Stunde geklebt. Marlies: Hoffentlich mit Handschuhen. Peter: Natürlich, das war gar nicht leicht, Marlies. Marlies: Zeig mal her. Ihr Mann ist unserer Gewalt, sie können ihn zurückerhalten gegen 1 Mio, keine polizei sonst kriegen sie ihn stückchenweise, das ist unser Ernst, Muster anbei. Peter: Hier ist das Ohr Marlies. Marlies: Ih nimm das weg, pack das ein in Alufolie. Weiteres später die Entführer, gut so, damit geh ich zum alten Drachen und sag, ich hab beides, Brief und Ohr, heute früh im Briefkasten gefunden. Peter: Was denkst du Marlies, wird sie dir das Geld geben. Marlies: Die spuckt die Million aus, da bin ich sicher, und dann mein Peterchen sind wir reich. Peter: Ach Marlies. Marlies: Das Geld ist sie mir schuldig, sie hat nie was für mich getan, und für Jürgen auch nicht meinetwegen, nicht mal eine Lebensversicherung konnte er sich leisten. Peter: Wir sollten das Geld in meinen Betrieb stecken. Marlies: Vielleicht Peterchen. Peter: Und wie gehts weiter. Marlies: Das besprechen wir heut abend, wenn wir wissen wie die alte reagiert. Peter: Wieder hier. Marlies: Gleiche Stelle gleiche Welle, halb acht Peter: Marlies. Marlies: Mein Peterchen Peter: Die alten, diese Alzheimergang. Marlies. Ach die haben kein Ahnung was los ist, die zittern vor sich nicht, um die mußt dir keine Sorgen zu machen und um die Polizei auch nicht, komm her mein kleines großes Peterchen. Peter: Ach Marlies. Stefan: Drei Stunden später klingelt bei Hildchen das Telefon, sie wird in die Villa Waldhorn beordert, Isolde will sich die Karten legen lassen. Garbo: Genau wie wir uns gedacht haben, Hildchen sie wissen was sie zu tun haben. Hildchen: Ja, mir ist gar nicht wohl dabei, die Zukunft aus den Karten lesen, uh, ist eine ernst Sache, daß ich da. Harald: Passen sie mal auf, Hildchen, sie haben uns da reingeritten weil sie auf dem Friedhof ihr Maul nicht halten konnten. Hildchen: Harald bitte. Garbo: Harald hat recht sie haben was gutzumachen Hildchen also los und viel glück Hildchen: Ich sehe eine große Krise, vor ihnen liegt eine schwere Prüfung, Frau Waldhorn. Isolde: Stimmt genau. Hildchen: Es geht um viel sehr viel, um Leben und Tod. Isolde: Und um eine Menge Geld. Hildchen: Oh ich sehe Gefahr, vertrauen sie keinesfalls Ämtern, Behörden, von diesen geht ein starker negativer Einfluß aus, oh, was ist das. Isolde: Was denn, was sehen Sie. Hildchen: Ein Mann wird in ihr Leben treten, Frau Waldhorn. Isolde: Was soll ich mit dem, ich brauch keinen Mann. Hildchen: Dieser Mann ist nicht mehr jung, Frau Waldhorn. Isolde: Auch das noch. Hildchen: Doch wird er ihnen in ihrer Krise beistehen, vertrauen sie ihm. Stefan: Am Nachmittag taucht ein unbekannter Besucher in der Villa Waldhorn auf, ein breiter älterer Herr in einem Anzug, der bessere Tage gesehen hat, wie sein Besitzer, mit einem Wort, Harald. Harald: Meine Karte, gnädige Frau. Isolde: Harald Schauermann, Privatdetektiv, was verschafft mir die Ehre. Harald: Die Ehre ist ganz meinerseits, gnä Frau. Isolde: Davon bin ich überzeugt, was wollen sie. Harald: Gnädige Frau, ich bin Detektiv, in diesem Beruf weiß man, was andere nicht wissen, man hat sein Ohr wenn ich so sagen darf an der Polizei und der Unterwelt. Isolde: So. Harald: Ja. Isolde: An der Unterwelt von Willsum, und was hört man da so. Harald: Die Entführer ihres Sohnes fordern ein Lösegeld. Isolde: Sie sind gut informiert, Herr Schauermann. Harald: Das bringt wie gesagt der Beruf so mit sich. Isolde: Eine Million wollen sie haben. Harald: Aha, und werden sie zahlen, gnä Frau. Isolde: Für Jürgen, diesen Vollidioten, eigentlich hat er es nicht verdient, aber Blut ist dicker als Wasser. Harald: Sie sagen es gnä Frau. Isolde: Ein Ohr haben sie ihm schon abgeschnitten. Harald: Entsetzlich, die Polizei. Isolde: Bleibt draußen. Harald: Ganz ihrer Meinung doch ohne professionellen Beistand wird es nicht gehen. Stefan: Das sieht Isolde Waldhorn auch so. Sie heuert Harald an, 150 Euro pro Tag und Spesen, sie zeigt ihm das Entführerschreiben und das Ohr, wenn die Entführer sich wieder melden will sie Harald sofort verständigen. Abends kurz vor 8 auf der Straße vor dem Institut Pietät und Takt, parkt Haralds alter Toyota, Harald hat die Sitzlehne zurückgestellt und macht ein Nickerchen so sieht es jedenfalls aus, in Wirklichkeit hört er mit, Marlies Waldhorn und Peter Thode arbeiten an ihrem Plan. Marlies: Die alte halt angebissen, Peterchen. Peter: Toll, und was ist mit der Polizei. Marlies: Keine Polizei aber sich hat einen Privatdetektiv eingeschaltet. Peter: Ach herrje, was machen wir denn da, alles abblasen. Marlies: Kommt gar nicht in die Tüte, wir planen um, das ist alles, daß ich die Million in stockfinsterer Nacht einem Typ mit Maske übergebe, das läuft jetzt nicht mehr, etwas komplizierter müssen wir es schon machen. Peter: Ja aber, aber wie. Marlies: So wirds gehen, ich bin morgen bei der alten und sage ich hab gerade einen Anruf gekriegt mit genauen Anweisungen für die Geldübergabe, die soll Montag stattfinden, am hellichten Tag auf dem Friedhof. Peter: Und der Privatdetektiv. Marlies: Den wird Isolde auf den Wolkenkratzer schicken. Stefan: Der Wolkenkratzer ist das einzige Hochhaus in Willsum, 8 Stockwerke, gewaltig, das Ding steht gleich am Friedhof und gehört Isolde Waldhorn. Peter: Aber von da oben kann er den ganzen Friedhof überblicken. Marlies: Da soll er auch mein Peterchen. Peter: Versteh ich nicht. Marlies: Paß mal auf, du hast doch eine Bestattung am Montag. Peter: Ja, Steuerberater Mienzen, 14 Uhr. Marlies: Richtig, wo Jürgen mit im Sarg liegt, bestens, wann bringt ihr den Sarg in die Friedhofskapelle. Peter: Eine Stunde vorher. Marlies: Um eins, gut also ich sag Isolde folgendes, ich soll Montag vormittag um 11 am Tor zum Friedhof sein mit der Million. Peter: In 500er unmarkiert. Marlies: Natürlich, in einer Alditüte. Peter: Alditüte. Marlies: Das ist ganz wichtig, und ein Handy soll ich mitbringen, für weitere Anweisungen, um 11 am Tor werd ich angerufen. Peter: Von wem. Marlies: Ach mein Peterchen, ich tue so also ob, dann geh ich mit dem Geld. Peter: In der Alditüte. Marlies: In der Alditüte damit geh ich zur Kapelle, ich geh rein, um die Zeit ist bestimmt keiner drin. Peter: Montag um 11, kein Schwanz und dann. Marlies: Ich schließ den Schrank hinten rechts auf. Peter: Wo die Plastiklilien drin sind und die schwarzen Bänder. Marlies: Genau, den Schlüssel krieg ich von dir, du hast doch einen zweiten. Peter: Ja aber. Marlies: Ich leg die Tüte in den Schrank und hol die Alditüte raus, die du nachts reingetan hast. Peter: Ich nachts Alditüte, was ist denn da drin. Marlies: Papier, mein Peterchen zurechtgeschnitten, 2000 Blatt Papier, jedes so groß wie ein 500 Schein. Peter: Ich versteh. Stefan: Wird aber auch Zeit, Marlies Waldhorn schließt den Schrank wieder zu und marschiert mit der Tüte voller Papier weiter über den Friedhof, unterwegs kriegt sie immer neue Anweisungen übers handy, eine richtige Schnitzeljagd, wie beim Kindergeburtstag, schließlich landet sie am Mausoleum der Grafen von Willsum in der hinteren Friedhofsecke. Marlies: Da leg ich die Tüte hin und verschwinde und wenn du den Sarg in die Kapelle schaffst, Peterchen. Peter: Hol ich die Geldtüte aus dem Schrank, tu sie in meine große schwarze Tasche bring sie ins Büro. Marlies: Und da deponierst du die Million in deinem Safe. Peter: Marlies, du bist ein Genie. Marlies: Da könntest du recht haben, Peterchen, wenn sie später am Mausoleum nachsehen, finden sie die Tüte mit dem Papier und wundern sich sehr. Peter: Marlies, ich hab eine Idee. Marlies: Ist es denn die Möglichkeit. Peter: Sie würden sich noch viel mehr wundern, wenn sie eine leere Tüte finden. Marlies: Sicher aber was mach ich mit dem Papier. Peter: Es ist gar kein Papier drin. Marlies: Sondern. Peter: Blätter, alte Blätter, wie sie jetzt überall auf dem Friedhof herum liegen, die schüttest du aus. Marlies: Hinter der Hecke, da kann man mich vom Hochhaus nicht sehen, dann liegt da nur noch eine leere Tüte, hokuspokus, Geld hat sich in Luft auflöst, das ist gut Peterchen und zur selben Zeit geht der liebe Jürgen in Rauch auf, innig vereint mit Steuerberater Mienzen. Peter: Und wir sind Millionäre. Harald: Das haben die sich so gedacht. Stefan: Wir sind die Entführer. Garbo: Diesen Opportunisten, wir werden ihnen das Handwerk legen. Hildchen: Also ich weiß nicht, ist es nicht unmoralisch, sollten wir nicht lieber dafür sorgen, daß Frau Waldhorn, ich meine Isolde Waldhorn ihr Geld zurück bekommt. Stefan: Die kann das verschmerzen, die hat genug. Hildchen: Können wir es nicht wenigstens für einen guten Zweck. Garbo: Das tun mir doch, wir verwenden es für uns, ein besseren zweck kann ich mir nicht vorstellen, jeder von uns bekommt eine viertel Million, 250.000 Euro. Harald: Da lacht die Prostata, da quietscht der Rollstuhl. Garbo: Langsam, meine Herrschaften, wir haben sie noch nicht. Harald: Das ist doch nur noch Formsache, Garbo, wie siehts aus Stefan, haben sie heut nacht Zeit. Stefan: Eigentlich wollte ich mit Melanie in die Disco, aber wenn die Gang ruft, was liegt an, Harald. Harald: Wir brechen wieder ein. Stefan: Institut Pietät und Takt. Harald: Haargenau. Stefan: Um die Wanze abzubauen. Harald: Die kann noch bleiben, ich muß einen Wachsabdruck nehmen den Schlüssel. Stefan: Für den Schrank. Hildchen: In der Kapelle. Garbo: Eine Alditüte brauch ich auch. Stefan: Sonntag, Ruhetag, die Ruhe vor dem Sturm, Marlies Waldhorn erzählt ihrer Schwiegermutter das Märchen von der komplizierten Geldübergabe, Isolde Waldhorn ruft Privatdetektiv Harald an, der verabredet sich mit ihr und feilt ansonsten einen Schlüssel zu, die Sonderkommission der Kripo sucht nach Dr. Jürgen Waldhorn oder einer heißen Spur und findet beides nicht, ich sammel im Stadtpark Blätter ein, abends treff ich mich mit Melanie, wir krachen uns extrem, ich mache alles wieder gut, nehm ich mir vor, nach dem großen Coup. Montag, es ist soweit, die Sonne scheint, goldener Oktober, wie es in der Fernsehwerbung heißt, um halb elf in der Villa Waldhorn, Isolde, Harald, Marlies und das Geld, hat es vorbeigebracht, der Sparkassendirektor, in grauer Vorzeit Isoldes Tanzstundenherr. Harald: Hat er kein Fragen gestellt. Isolde: Wäre ja noch schöner, ich bin seine beste Kundin. Marlies: Ich hab gedacht 1 Mio ist viel schwerer. Harald: Na ja 2500 in 200 10erpacks, haben sie das Handy. Marlies: Hab ich. Harald: Dann los, nur Mut, ich hab sie die ganze Zeit im Auge. Isolde: Ich auch. Harald: Aha, sie wollen mich begleiten gnädige Frau. Isolde: Sie begleiten mich, Herr Schauermann, ich will mir die Sache selbst ansehen. Harald: Höchstpersönlich, immerhin gehts um ihren Sohn. Isolde: Eine Mio, meine Million, kommen sie, wir nehmen den Mercedes. Stefan: 5 nach 11, vom Flachdach des Wolkenkratzers spähen zwei Figuren runter zum Friedhof, Harald guckt durch seinen alten Zeissfeldstecher, Isolde durch ihr goldenes Opernglas, das braucht sie bei Premieren im Stadttheater, man hat ja Kultur, beide beobachten wie Marlies das Handy wegsteckt und den Friedhof betritt. Harald: Sie geht nach rechts zur Kapelle, sie macht die Tür auf, geht rein. Isolde: Glauben sie die Übergabe soll in der Kapelle. Harald: Nein, nein, sie kommt schon wieder raus, immer noch mit der Tüte. Isolde: Sie hat das Handy am Ohr. Harald: Vermutlich schickt man sie weiter. Stefan: So ist es oder so siehts aus, Marlies geht weiter zum Ententeich, zum Komposthaufen, zur waldhornschen Familiengruft, dann ist sie am Mausoleum der Grafen von Willsum, sie verschwindet hinter der Hecke, ganz kurz, nur 2,3 Sekunden sie taucht wieder auf und schreitet zügig zum Ausgang. Isolde: Die Tüte, wo ist die Tüte, sie hat die Tüte mit dem Geld nicht mehr. Harald: Die Tüte, sie muß sie am Mausoleum liegengelassen haben, das da ist sie. Isolde: Wo. Harald: Na direkt an der Hintertür, der braune Fleck zwischen den brauen Blättern. Isolde: Ja, und was machen wir jetzt. Harald: Wir warten, bis jemand kommt und das Geld holt. Stefan: Sie warten, Tüte und Mausoleum immer vor der Linse, darum kriegen sie auch nicht mit, was weiter vorn an der Kapelle abläuft, ein gutaussehender junger Mann mit Kinnbart, Stefan ist sein werter Name, schiebt einen Rollstuhl mit einer alten Dame genannt Garbo nicht hektisch in die Kapelle, ich stelle fest, kein Mensch drin, Haralds Nachschlüssel zum Schrank klemmt ein bißchen, aber dann dreht er sich doch, ich nehme die Alditüte mit den vielen schönen 500er raus, Garbo holt die Alditüte mit den vielen schönen Blättern unter ihrer Decke vor, wir tauschen, Schrank wieder zu und tschüß, am Friedhofstor steht eine Bank, da lassen wir uns nieder, Garbo macht ein Nickerchen, keine Nerven die Frau, es schlägt 12 vom Rathausturm, es schlägt viertel, es schlägt halb eins, Harald und Isolde sind immer noch auf dem Dach, aber nicht mehr lange. Isolde: Die Tüte liegt noch da. Harald: So ist es gnä Frau Isolde: Und kein Mensch ist auch nur in die Nähe des Mausoleum gekommen, da stimmt was nicht, gehen sie mal runter, gucken sie nach, ich halt solange Wache. Harald: Bin schon unterwegs gnä Frau. Stefan: Harald geht zum Mausoleum, er bückt sich mühsam, kommt wieder hoch mit ach und krach, und mit der Aldi-Tüte, er hält sie hoch, dreht sie um, offensichtlich ist nichts drin, zurück zu Isolde. Harald: Das Geld ist verschwunden, sehen sie selbst, die Tüte ist leer. Isolde: Das gibts doch nicht. Harald: Ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll. Isolde: Ich dachte sie sind Experte. Harald: Ich kann mir das einfach nicht erklären, seit ihre Schwiegertochter das Geld vor einer guten Stunde am Mausoleum abgelegt hat, haben wir es beobachtet, es hat die ganze Zeit da gelegen, niemand war in der Nähe. Isolde: Es ist weg, mein Geld, meine Mio. Harald: Mysteriös, fast übernatürlich, ihr Sohn ist übrigens nicht auftaucht. Isolde: Es ist alles ihre Schuld, Herr Schauermann, sie haben versagt, auf der ganzen Linie. Harald: Aber gnädige Frau, ich werde Nachforschungen anstellen. Isolde: Gar nichts werden sie, sie sind entlassen, gehen sie mir aus den Augen. Harald: Wie sie wünschen, ich werde mir erlauben, meine Rechnung zu schicken. Isolde: Keinen Pfennig kriegen sie von mir, hauen sie ab. Stefan: Der Toyota steht auf dem Parkplatz vor dem Friedhof, Harald setzt sich rein und wartet, Isolde Waldhorn wartet nicht, sie brettert nach Hause wie die Feuerwehr, und ruft Hildchen an, muß die Karten gelegt bekommen sofort, Hildchen hat den Anruf erwartet und macht sich gleich auf die Socken. Hildchen: Oh weh noch mehr schwarze Schatten über ihnen, ich sehe Probleme, Krisen. Isolde: Das können sie laut sagen. Hildchen: Doch nicht verzagen, die Karten verheißen ein baldiges Ende der Unglücksträhne, freuen sie sich Frau Waldhorn, alles wird gut. Isolde: Wirklich. Hildchen: Sie werden zurückerhalten, was sie verloren haben. Isolde: Mein Geld. Hildchen: Und eine ihnen nahestehende Person. Isolde: Wann krieg ich alles wieder, heute noch, morgen. Hildchen: Geduld Frau Waldhorn, was sind einige Wochen unter dem Aspekt der Ewigkeit, und denken sie daran, lassen sie Behörden jeder Art aus dem Spiel, das könnte alles verderben. Isolde: Wenn sie das sagen, schon oh 10 vor 2 ich muß los, zu einer Trauerfeier, mein Steuerberater. Hildchen: Herr Mienzen, da wollte ich auch hin. Isolde: Ich nehm sie mit. Stefan: 2 Uhr mittags, die Friedhofskapelle läuft über, Steuerberater Mienzen war ein angesehener Mitbürger, halb Willsum ist da, auch die komplette Alzheimergang, Garbo im Rollstuhl an der Tür, beide Hände fest über der Wölbung der Decke auf ihren Knien gefaltet, ich steh neben ihr, in der hintersten Bank rutscht Hildchen hin und her die Blase nehm ich an, Harald hat ein Knopf im Ohr und auf dem Gesicht ein ausgesprochen unpassendes grinsen er hört nämlich gerade etwas sehr komisches. Peter: Wo ist das Geld, ich frage dich wo ist das Geld ich frage dich. Marlies: Das frag ich dich, ich hab die Tüte mit der Million in den Schrank geschlossen, wie wir es vereinbart haben. Peter: Ach und wieso hab ich dann die Tüte mit den Blättern gefunden. Marlies: Das behauptest du, weißt du, was ich denke mein liebes Peterchen, du hast das Geld und lügst mir was vor. Peter: Ach, ich lüge. Marlies: Du willst die ganze Million für dich. Peter: Es ist genau andersrum, du willst mir nichts abgeben. Marlies: Du hast das Geld aus dem Schrank genommen, gibs doch zu. Peter: Du hast es nicht reingetan. Marlies: Das ist nicht wahr, du hast die Mio. Peter: Nein du. Stefan: Harald nimmt den Knopf raus und hört auf zu grinsen weil die Trauerfeier fängt an, mit Musik, ave maria, uncool aber immernoch die Nr 1 in den friedhofcharts. Was ich mit meiner viertelmio mache, Melanie kriegt ein Armband, Echtgold und für mich kauf ich ein Motorrad, eine Wahnsinnsmaschine, für den Rest kaufe ich Aktien, hab mir vorgenommen mit 30 in Rente zu gehen, in dem Alter hat der Mensch noch was davon. Harald: Also ich mach eine Weltreise, Amerika, Afrika, die Südsee, ich fahr mit dem Schiff in aller Ruhe und wenns mir wo gefällt, bleibe ich da bis ich sterbe, aber das hat noch Zeit. Hildchen: Jetzt kann ich mir endlich das leisten, was ich mir seit Jahren so sehr wünsche, die Grabstelle direkt neben Gerda, und da laß ich einen großen Stein draufstellen, Marmor und Gold, gediegen und niveauvoll, die Inschrift wird lauten, hier wohnen zwei Freundinnen, im Tode vereint wie im Leben. Garbo: Ein Elektrorollstuhl wär nicht schlecht und ein neuer superschneller Computer, und was übrigbleibt, das lege ich zurück und gut an, es gibt noch viel zu tun für die Alzheimergang, tu Geld in deinen Beutel, sagt Shakespeare, denn bereit sein ist alles. Stefan: Der Sarg rollt feierlich nach hinten durch den Vorhang ins Krematorium, mit Steuerberater Mienzen, und mit Dr. Jürgen Waldhorn, Sozialdezernent von Willsum, hasta la vista Baby, viva die Alzheimergang. Stefan: Matthias Walter Garbo: Lieselotte Rau Hildchen: Ingeborg Medschinski Harald: Werner Rehm Isolde Waldhorn: Elfriede Irrall Jürgen Waldhorn: Hans Walter Klein Marlies Waldhorn: Astrid Meyerfeldt Peter Thode: Uwe Müller Sekretärin: Shelly Kupferberg Michael Koser: Die Schule der Glücksritter (DRadio 2004) Schaffner: Pittsburgh, hier Pittsburgh. Elaine: Der Pennsylvania Special rollte gerade ein als ich den Bahnsteig betrat, ich fror ohne Hut und Mantel, der Schneeregen der Dezembernacht hatte mich durchnässt, die Tasche war so schwer und ich wurde verfolgt, während ich am Zug entlang hastete, sah ich mich um, da kamen sie, zwei große Männer in dunklen Mänteln und klobigen Schuhen, in Panik stieg ich in den nächsten Wagen, ein Pullmansalon mit Privatabteilen und lief den Gang entlang, fängt ja gut an das neue Leben, dachte ich, plötzlich öffnete sich die Tür neben mir, eine Hand packte mich, zog mich ins Abteil. Arsene: Legen Sie sich ins Bett, schnell. Elaine: Meine Tasche! Arsene: Die verstecken wir unterm Bett, ca va, unter die Decke, Mademoiselle, wickeln Sie sich bis zur Nasenspitze ein. Elaine: Er war ein gutaussehender mittelgroßer Mann, nicht mehr jung, in einem eleganten blauen Anzug, ich gehorchte ihm ohne Angst, obwohl er die Tür verriegelte, sein Blick, seine Stimme, seine bestimmte Art, alles wirkte vertrauenerweckend. Arsene: Drehen Sie sich zur Wand, schlafen Sie, tief und fest. Polizei: Machen Sie auf, Polizei. Arsene: Wenn Sie darauf bestehen, seien Sie bitte leise, meine Frau schläft bereits, was wollen Sie? Polizei: Wir suchen eine Diebin, eine junge Frau ohne Hut, mit einer großen Reisetasche. Arsene: Bei mir? Polizei: Sie ist in diesen Wagen gestiegen, haben Sie sie gesehen? Arsene: Nein. Polizei: Was dagegen, wenn ich in den Waschraum schaue. Arsene: Tun sie sich keinen Zwang an. Polizei: Ach, Fehlanzeige, entschuldigen Sie die Störung. Arsene: Bitte. Elaine: Ist er weg? Arsene: Es scheint so, aber bleiben Sie noch im Bett vorsichtshalber, Sie sind also eine Diebin, Mademoiselle. Elaine: Warum haben Sie mir geholfen? Arsene: Ein Impuls, Mademoiselle, ich sah Sie aus dem Fenster des Abteils, Sie waren in Not, verfolgt von den Flics und sie haben grüne Augen, gestatten Sie, daß ich mich vorstelle, Raoul d’Andresy, aus Paris, in Frankreich. Elaine: Was? Au. Arsene: Haben Sie sich wehgetan, Mademoiselle. Elaine: Ja nein, ich glaubs nicht, Raoul d’Andresy, ja ich hab gehört, daß Sie in den Staaten sind, aber daß ich Sie treffe, auf diese Weise, daß Sie mich vor der Polizei, ausgerechnet Sie. Arsene: Beruhigen Sie sich, Mademoiselle. Elaine: Erst wenn Sie es mir gesagt haben. Arsene: Was soll ich Ihnen sagen. Elaine: Wie Sie wirklich heißen. Arsene: Für wen halten Sie mich, Mademoiselle. Elaine: Sie sind Arsene Lupin. Elaine: Ich wußte es, ich kannte ihn, alle seine unglaublichen Abenteuer und seine Pseudonyme, Arsene Lupin, der Gentlemaneinbrecher, der Abenteurer, der berühmteste Glücksritter der Welt, seit ich als Kind die Berichte seines Biografen Leblanc gelesen habe, war ich ihm verfallen, ich schwärmte für ihn, folgte seinen Spuren in meinen Träumen. Arsene: Übertreiben Sie nicht ein wenig, Mademoiselle, Sie haben mir Ihren Namen noch nicht genannt. Elaine: Ich heiße Mary Kowalski, nein, ich heiße nicht mehr Mary Kowalski, ich bin nämlich dabei ein neues Leben anzufangen und dazu brauche ich einen neuen Namen. Arsene: Versteht sich. Elaine: Leider bin ich noch nicht dazu gekommen, mir einen zu suchen. Arsene: Lassen Sie sehen eine hübsche Frau mit grünen Augen sollte Elaine heißen. Elaine: Elaine, ein schöner Name. Arsene: Sie dürfen ihn behalten, Mademoiselle, und nun erzählen Sie, was ist geschehen, wer sind sie. Elaine: Ich sagte ihm alles, daß ich in Pittsburgh geboren und aufgewachsen bin, daß meine Eltern früh starben, daß ich in einer Bank arbeitete wo ich es bis zur Kassiererin brachte, daß mich in diesem Jahr des Herrn 1926 drei schwere Schicksalschläge trafen, im August starb er, der große wunderbare Rudolf Valentino, seine Filme und Ihre Abenteuer Monsieur Lupin waren die Lichtstrahlen in einem eintönigen Dasein, die Verheißung eines wirklichen Lebens jenseits von Pittsburgh und dem Schalter der Bank, weil Valentinos Tod mich so sehr erschütterte, fühlte mein Verlobter sich vernachlässigt und gab mir den Ring zurück, Weihnachten wollten wir heiraten, und vor ein paar Tagen hat die Bank sich entschlossen im nächsten Jahr auf meine Dienste zu verzichten, ja da Monsieur Lupin, da faßte auch ich einen Entschluß. Arsene: Ein neues Leben zu beginnen. Elaine: Meinen Traum zu verwirklichen den Traum von einem Leben ala Arsen Lupin. Arsene: Sie haben ihre Bank bestohlen. Elaine: Heute abend habe ich den Inhalt der Kasse nicht wie sonst in den Tresor getan, sondern in meine Reisetasche, ein Kollege muß mich dabei beobachtet und die Polizei verständigt haben, war noch nicht lange zu hause, da kamen sie, mit Blaulicht und Sirene, ich hatte keine Zeit mehr den Koffer zu packen oder auch nur den Mantel anzuziehen, ich verschwand durch die Hintertür, fuhr mit einem Taxi zum Bahnhof. Arsene: Den Rest kenne ich, Mademoiselle, was haben sie nun vor. Elaine: Ich will nach Chicago, Monsieur Lupin, das ist die Hauptstadt der... Arsene: Glücksritter, der Abenteurer, derer die sich nicht sklavisch den Gesetzen unterwerfen, der sog. Verbrecher. Elaine: Alkoholschmuggler, Monsieur Lupin, Gangster, Al Capone. Arsene: Und Millionäre mit mehr Geld als ihnen gut tut, darum Mademoiselle ist Chicago auch mein Ziel. Elaine: Oh Monsieur Lupin, ich wage nicht, sie zu bitten, sie haben mir schon einmal so sehr geholfen. Arsene: Und dabei ein klein wenig Verantwortung übernommen, sprechen sie nur Mademoiselle, was kann ich für sie tun. Elaine: Ich hatte einen Wunsch, ein großen, einen dringenden, einen einzigen Wunsch, ich wollte mich ihm anschließen, an Arsene Lupins Seite, ein Leben jenseits der Normen und Gesetze zu beginnen, von ihm zu lernen, ihn bei seinen kühnen Feldzügen wider die Reichen und Mächtigen dieser Welt zu begleiten, als seine Schülerin, könnte es etwas schöneres geben. Arsene: Ich beneide sie um ihren jugendlichen Enthusiasmus, Mademoiselle, zu meinem Bedauern sehe ich mich gezwungen, ihn ein wenig zu dämpfen, sie treffen sie mich um die Wahrheit zu sagen in einem nicht eben glücklichen Moment, sehen sie auch in mir einen Flüchtling, der New York auf schnellsten Weg verlassen muß, verfolgt von Inspektor Ganimard. Elaine: Ganimard. Arsene: Sie kennen ihn natürlich Mademoiselle, er ist stupide aber hartnäckig, und so fahre denn ich nach Chicago, ohne präzises Vorhaben, ohne Plan, ohne Geld. Elaine: Ich habe Geld Monsieur Lupin, in meiner Tasche und wenn ich bei ihnen bleiben darf. Arsene: Wieviel Mademoiselle. Elaine: Mehr als 9000 Dollar. Arsene: Für ein paar Tage dürfte es reichen. Elaine: Ein paar Tage. Arsene: Merken sie sich den ersten Grund- und Kernsatz der Glücksritterei, niemals knausern, wer das Geld anderer will, muß den Anschein erwecken er habe selbst genug, der wahre Abenteurer lebt stets auf großem Fuße, wenn wir morgen früh in Chicago aussteigen, werden wir das erste Hotel am Platz nehmen. Elaine: Sie nehmen mich also mit, Monsieur Lupin, wie kann ich ihnen danken? Elaine: Pünktlich um 9 Uhr 10 erreichte der Pennsylvania Special Chicago Station, ruhigen Schrittes gingen wir durch die Sperre, Lupin und an seinem Arm ich, vorbei an den Kriminalbeamten, die alle Ausgestiegenen argwöhnisch musterten, ich trug einen kleinen Schleier am Hut und über einem eleganten, wenn auch konservativem Kostüm einen ebensolchen Mantel, die Reisetasche trug ich nicht, die karrte ein Dienstmann mit anderen Gepäckstücken, zu einem Taxi, unbeeindruckt von dem Schauspiel, das sich hinter uns entfaltete, eine ältere Dame in einem fliederfarbenen Neglige beugte sich weit aus einem Abteilfenster und. Dame: Mein Hut, da Schaffner, Polizei. Arsene: Zum Hotel Palmerhaus Chauffeur. Im Hotel werden sie wie ich eine Suite beziehen, Elaine, Sie sind Mrs Joan Belmont, ein in der New Yorker Gesellschaft nicht unbekannter Name, apropos, auch in Chicago dürfte es etwas geben, was man mit einigem Wohlwollen als Gesellschaft bezeichnen kann, man wird entzückt sein, Mrs Belmont und den Marquis zu empfangen. Elaine: Sie sind Marquis, Arsene, das ist neu. Arsene: Was wollen sie, meine übrigen Künstlernamen sind hierzulande alle bekannt und die Amerikaner lieben europäische Adelstitel, wir werden untadelige Empfehlungsschreiben vorzuweisen haben, aus New York, Paris, und wenn wir erst im Kreise der Nabobs von Chicago schwimmen wie die Hechte im Karpfenteich dann, Elaine. Elaine: Ja Arsene. Arsene: Dann werden wir dessen bin ich sicher in kürzester Zeit den Schlüssel finden der uns den Weg zu den Reichtümern dieser betriebsamen Metropole eröffnet. Elaine: Er war sehr kalt und stürmisch in jenem Dezember 1926 in Chicago, aber das spürte ich kaum, wir flatterten von Soiree zu Empfang, von Ball zu Bankett, ich trug die herrlichsten Abendroben, nippte an illegalen Cocktails als sei ich mit ihnen aufgezogen worden, und genoß das schöne Leben in vollen Zügen, bis unsere 9000 Dollar rapide zur Neige gingen und ich begann mir Sorgen zu machen, doch mein Begleiter blieb gelassen, zu recht, denn nach etwa einer Woche bot sich uns besagter Schlüssel bei einer exklusiven Cocktailparty in einem exklusiven Palast am exklusiven Lake Shore Drive, der sogenannten Gold Coast von Chicago, Gastgeber war der Multimillionär Osgood P Quackenbush, der dritte. Quackenbush: Hat mir mein alter Herr hinterlassen, Osgood P Quackenbush der zweite, den Schlachthauskönig hat man ihn genannt, ich bin umgestiegen, auf Finanzen, das ist zweifellos sauberer und lukrativer. Arsene: Respekt, sagen sie Quackenbush war ihr Vater nicht auch als Kunstsammler bekannt. Quackenbush: Oh ja, der alte hat gesammelt, alles mögliche, Bilder, Juwelen, oh, oh ich liebe Strauß, ja ich hab das ganze Zeug verkauft, interessiert mich nicht, ich sammle auch, aber was ganz anderes. Elaine: Und was, Mr Quackenbush. Quackenbush: Mordwerkzeuge, Mrs Belmont, Waffen berühmter Verbrecher, ein interessantes, wenn auch ausgefallenes Gebiet, im Lauf der Jahre hab ich mir ganz ordentlich was zusammengekauft, ich will mich nicht loben, aber besser als die schwarzen Museen in New York, London oder Paris ist meine Sammlung allemal, wollen sie mal sehen, Marquis? Arsene: Mit Vergnügen. Quackenbush: Na dann kommen sie, sie bleiben besser hier, das ist nichts für eine Dame. Elaine: Mr Quackenbush, sie sind ganz und gar nicht uptodate, die moderne Frau kennt nichts Exquisiteres als das Grauen, die Gänsehaut, das sublime Gruseln, das den Körper vom Scheitel bis zur Sohle zum kribbeln bringt. Quackenbush: Sie sind mir eine, ok kommen sie mit. Elaine: Seine Schätze bewahrte Quackenbush in einer Stahlkammer auf, als er das Sicherheitsschloß öffnete, schaute Lupin ihm zu, scheinbar desinteressiert, wir traten ein, um uns beleuchtete Glasvitrinen mit Objekten verschiedenster Art gefüllt, dazwischen ein massiger, allerdings wie mir schien nicht eben hochmoderner Tresor. Quackenbush: Mit Bargeld, Aktien, Geschäftspapiere, was der Mensch so braucht, uninteressant, sehen sie sich um, Marquis, Mrs Belmont, im Schrank rechts. Elaine: Pistolen. Das ist doch nichts besonders, Pistolen habe ich schon viele gesehen, in der Waffenkammer meines Mannes auf Long Island. Quackenbush: Nicht diese, Mrs Belmont, da können sie Gift draufnehmen, sehen sie hier, die beiden Waffen mit denen der berüchtigte Rasputin erschossen wurde, die Browning des Fürsten Jasupow und die Savage von Pu pu... Arsene: Puejkewitsch. Quackenbush: Genau, und mit dieser Feile hat der Anarchist Lucheni Kaiserin Elisabeth von Österreich erstochen. Elaine: Sissi, ist noch Blut dran. Quackenbush: Und hier zwei ganz besondere Stücke aus ihrer Heimat, Marquis, der Ofen, in dem der Massenmörder Laudru seine Opfer beseitigte, ich verdanke ihm übrigens einem hohen Beamten der Pariser Kriminalpolizei, den Schrankkoffer daneben auch, er enthielt die Leiche des Filmproduzenten Lumies, seinerzeit ein aufsehenerregender Fall, aufgeklärt durch Prof. van Dusen, mein alter Herr hat ihn gut gekannt, den berühmten Amateurkriminologen und diese kleine Pistole ist eine Neuerwerbung, auf die ich ganz besonders stolz bin. Elaine: Sieht aus wie ein Spielzeug. Quackenbush: Das ist sie, Deringer mit der Präsident Lincoln erschoß, ich hab sie meinem schärfsten Konkurrenten vor der Nase weggeschnappt, für 25000 Dollar. Elaine: Soviel. Arsene: Ihr schärfster Konkurrenz Quackenbush, wer ist das. Quackenbush: George Stenson, praktisch mein Nachbar, drei Häuser weiter. Arsene: Und dieser Stenson sammelt ebenfalls historische Mordinstrumente, ist er heute abend anwesend. Quackenbush: Oh nein, der gute ist nicht coninform wie das bei ihnen heißt Marquis, wissen sie, er ist Bierbrauer. Arsene: Ein ehrenwertes Gewerbe. Quackenbush: Nicht bei uns, Marquis wir haben Prohibition, totales Alkoholverbot. Arsene: Was sie nicht sagen Quackenbush, dieser Champagnercocktail in meinem Glas. Quackenbush: Sie dürfen das nicht so eng sehen, Stanson produziert nicht nur Bier in 7 Brauereien, er läßt es auch von Gangstern vertrieben, Al Capone persönlich ist sein Partner. Arsene: Tatsächlich. Elaine: Und von wem beziehen Sie Champagner und Whisky, Mr Quackenbush. Quackenbush: Nicht von diesen Italienern, Mrs Belmont, wer in Chicago auf sich hält, kauft bei irischen Lieferanten, bei Max Moren und seinen Leuten. Elaine: Sind das nicht auch Gangster? Quackenbush: Ganz ohne geht es nun mal nicht, Mrs Belmont, in New York ist das sicher nicht anders oder. Elaine: Beim Abschied gab Quackenbush uns das Geleit bis ans Tor seines großen Anwesens, wo der Chauffeur im gemieteten Packard auf uns wartete. Quackenbush: Freut mich, wenns ihnen bei mir gefallen hat, war recht nett. Arsene: Was ich übrigens noch sagen wollte, Quackenbush, mir ist eingefallen, daß auch ich, obschon kein Sammler, eine kriminologische Reliquie mein eigen nenne. Quackenbush: Ja, was ist es denn. Arsene: Ein Messer, das Messer, mit dem Jean Paul Marat ins jenseits befördert wurde. Quackenbush: Ist das wahr, das gehört ihnen? Arsene: Dahinter steckt eine interessante Geschichte, vermutlich wissen sie, daß der Henkersknecht Leco den abgeschlagenen Kopf Corday, der Mörderin Maras auf dem Schafott hochhielt und ohrfeigte, er kam dafür ins Gefängnis, ja und dieser Henker besaß die Tatwaffe, in der Familie bis mein Vater, ein Bewunderer der Condesi sie erwarb von einem Nachfahren Leco, der als Stallbursche bei ihm arbeitete. Quackenbush: Sagen sie Marquis, wären sie unter Umständen bereit, mir das Messer zu verkaufen. Arsene: Ich weiß nicht, gewiß es bedeutet mir nicht allzuviel. Quackenbush: Sie würden mir eine riesige Freude machen. Arsene: Lassen sie uns ein andresmal darüberweiterreden Quackenbush, es ist spät. Quackenbush: Ja. Elaine: Am nächsten Morgen beim Frühstück machten wir einen Schlachtplan, das heißt natürlich Lupin plante und ich assistierte, so gut ich konnte. Arsene: Sie stellen ihr Licht unter den Scheffel, sie assistieren nicht nur, sie inspirieren mich und im nächsten Akt des von mir konzipierten kleinen Dramas werden sie die Hauptrolle übernehmen. Elaine: Wenn sie mir das zutrauen, Arsene. Arsene: Doch bevor es soweit ist, liegt noch ein gerüttelt Maß Arbeit vor uns, in den nächsten Tagen wird es für sie und für mich keine Gesellschaft geben, in der öffentlichen Bibliothek von Chicago, ein wohlbestücktes Haus wie ich höre, werden wir historische Forschungen anstellen und dann mon cheri, dann werden wir basteln. Elaine: Basteln. Arsene: Mit diesen unseren Händen, die für besseres geschaffen sind. Elaine: Monsieur de Marquis. Elaine: Zwei Wochen später, Weihnachten war vorüber, das neues Jahr hatte begonnen, ich war im Palmerhaus ausgezogen und hatte mich in einem bescheidenen, aber anständigen Hotel dem Great Moter in der Street eingemietet auf den Namen Lier, Elenor Lier, und dort hatte ich einen Brief, dem Fotografien und Kopien von Dokumenten beigelegt waren, abgeschickt an Mr Josef Stenson, Lake Shore Drive. Elaine: Arsene, er hat angebissen. Arsene: Kein Wunder, bei diesem Köder, was schreibt er. Elaine: Liebe Mrs Lier, an Ihrem Angebot bin ich interessiert, ich schlage vor, daß wir uns treffen, damit ich das Objekt in Augenschein nehmen kann, seien sie am Sonnabend, dem 8. Januar 1927. Arsene: Übermorgen. Elaine: Um 10 Uhr abends im Dreamland Cafe an der 35. Straße. Arsene: Er lädt sie nicht in sein Haus ein, schade. Elaine: Fragen sie nach mir, ich bin dort bekannt, freundliche Grüße. Elaine: Das Dreamland war ein Nachtclub von der nicht allzu vornehmen Sorte, es roch nach Schweiß, Tabak, geschmuggeltem Whisky, eine schwarze Kapelle spielte Ragtime, Blackbottom und den Modetanz der Saison, Charleston, dazu vergnügten sich untersetzte ältere Männer in zu engen Abendanzügen, der einen oder andere mit einer verdächtigen Beule unter dem linken Arm mit sehr jungen, sehr schlanken, sehr geschminkten Frauen in sehr kurzen Franzenröcken. Elaine: Shocking. Stetson: Mrs Lier, das ist noch gar nichts, da hätten sie Lauraine sehen sollen, als sie noch bei Minsky in New York getanzt hat, eine Straußenfeder, mehr nicht. Mrs Stenson: Dann traf ich meinen Sugardaddy, verliebte mich unsterblich und seit unserer Hochzeit tanze ich natürlich nicht mehr, gefällt ihnen die Musik, Mrs Lear. Elaine: Wie mans nimmt, Mrs Stenson. Mrs Stetson: King Oliver mit seiner Jazz Band, bläst ein scharfes Horn, der Junge. Stenson: Baby, ich hab mit Mrs Leal was geschäftliches zu besprechen, du tanzt. Mrs Stenson: Sugardaddy, du weißt doch, ich mache mir nichts aus andern Männern. Stenson: Geh schon Baby, aber nicht so eng. Mrs Stenson: Wenn mein Sugardaddy unbedingt will. Stenson: Loraine amüsiert sich so gerne, Mrs. Leale, Musik, Menschen, Trubel, soll sie, sie ist etwas jünger als ich, vielleicht haben sie es bemerkt. Elaine: Ach wirklich, Mr. Stenson. Stetson: Wie finden sie das Dreamland, Mrs. Leale. Elaine: Nun ja, bei uns in Piddletown haben wir so was nicht. Stetson: Ja das will ich meinen. Elaine: Da kam Miss Leale her, Piddletown, Vermont, und das sah man ihr an, auf das wilde Treiben ringsum reagierte sie mit einem Ausdruck, der teils mißbilligend war, teils ängstlich, die Ängstlichkeit war übrigens nicht nur gespielt, ich muß gestehen, ich atmete innerlich auf, wenn mein Blick auf den Herrn im untadeligen Frack fiel, der dem Marquis de Bri so erstaunlich ähnlich sah und der mich im Auge behielt, allerdings so diskret, daß es niemandem auffiel, am wenigsten Mr. Josef Stenson, der hatte nur Augen für die antiquierte Abendtasche, in der Mrs. Leale, wie er wußte, ein höchst interessantes Objekt aufbewahrte. Stetson: Die Lincolnkugel. Elaine: Ganz recht, Mr. Stenson, das Geschoß, das Präsident Lincoln tötete. Stetson: Zeigen sie mal her, aha, tja. Elaine: Natürlich unter Glas. Stetson: Natürlich, und in ihren Besitz gekommen ist sie durch ihren Großvater. Elaine: Wie ich ihnen schrieb, mein Großvater war Dr. Charles Leale, der junge Arzt, der zufällig im Theater war als Booth auf Lincoln schoß und der dem Opfer erste Hilfe leistete, dafür durfte er später nach der Obduktion die Todeskugel an sich nehmen. Stetson: Die Kugel, die in Lincolns Hirn eintrat. Elaine: Wir haben sie in der Familie immer sehr in Ehren gehalten. Stetson: Und warum wollen sie die jetzt verkaufen, Mrs Leale. Elaine: Die Zeiten sind schlecht, Mr Stenson und ich würde gern Mr. Petersens Drugstore übernehmen. Stetson: 2000 Dollar Mrs. Leale, sind sie damit einverstanden. Elaine: Nein Mr. Stenson, das ist nicht genug. Stetson: Also gut 3000. Elaine: Wissen sie, Mr. Stenson, Mr. Quackenbush hat mir 10000 Dollar geboten. Stetson: Was Quackenbush, das könnte dem so passen, erst die Pistole und dann auch noch die Kugel, wieviel hat er ihnen geboten 10000, ich lege noch 1000 drauf. Elaine: 11000 Dollar. Stetson: Dafür kriegen sie einen erstklassigen Drugstore. Elaine: Da hatte er recht, wir tauschten, Kugel nebst glänzend gefälschten Dokumenten gegen Barscheck, noch in dieser Nacht feierte Miss Leale, nun wieder Mr Sperment mit Marquis in dessen prunkvoller Suite im Palmerhaus. Arsene: Auf sie, Elaine. Elaine: Sie waren also mit mir zufrieden, Arsene. Arsene: Begeistert, sie waren wunderbar, meine Gratulation brava bravissima. Elaine: Sie machen mich verlegen. Arsene: Und nun jetzt werden wir Mr. Quackenbush reaktivieren, das ist meine Sache, will sagen, die des edlen Marquis. Elaine: Auf sein Wohl. Elaine: Am nächsten Abend geschah es, daß Mr. Quackenbush, als er seine gewohnte Flüsterkneipe in der Madison Street aufsuchte, dort ganz zufällig auf den Marquis de Bri stieß. Quackenbush: Gut daß ich sie treffe, Marquis, was tun sie. Arsene: Ich trinke Tee, wie sie sehen, aus einer geschmackvollen chinesischen Tasse, Tee in Schottland gebrannt und die USA geschmuggelt, mir auch eine Tasse. Quackenbush: Ich hab ein paar mal im Palmerhaus angerufen aber sie waren nie da. Arsene: Ich bin unterwegs, mal hier mal da, was kann ich für sie tun, mein lieber. Quackenbush: Das Messer, sie erinnern sich doch, das Messer, der Charlotte. Arsene: Wir sprachen darüber. Quackenbush: Und wollen sie verkaufen. Arsene: Ich will sie nicht auf die Folter spannen, erst neulich hab ich meine verwandte telegrafisch angewiesen, das gute Stück nach Chicago zu schicken, morgen oder übermorgen dürfte das Päckchen eintreffen, Quackenbush, eigentlich hätte ich ihnen das Ding gern zum Geschenk gemacht. Quackenbush: Kommt nicht in Frage, Marquis. Arsene: Angesichts der jetzigen Währungsschwankungen muß ihn leider zustimmen, wenn der Dollar 40 Franc kostet, werden selbst Aristokraten zu Krämern. Quackenbush: Würden sie 20000 Dollar akzeptieren. Arsene: Lassen sie uns nicht feilschen Quackenbush, 30000 Dollar und das Messer gehört ihnen. Quackenbush: 30000. Arsene: Ich rufe sie an, au revoir. Elaine: Zwei Tage später teilte der Marquis Mr Quackenbush telefonisch mit, die erwartete Sendung aus der Normandie sei eingetroffen. Quackenbush: Mit dem Preis ich bin einverstanden, notgedrungen, wenn er mir auch etwas hoch vorkommt. Arsene: Quackenbush, was sind ein paar Dollar unter Freunden, Gentlemen reden nicht über Geld, wann und wo wollen wir uns treffen. Quackenbush: Bei mir morgen nachmittag. Arene: Evian, ich lade sie in meine Suite, zum Tee um 4 Uhr daccord. Elaine: Um so aufgeregter wurde ich, Arsene blieb wie immer kaltblütig, sein rastloses Hirn hatte die bevorstehende Transaktion mit Quackenbush bereits abgehakt und arbeitete an neuen großen Taten. Arsene: Kugel, Messer, 11000, 30000 das sind doch nur wie sagen sie kleines Vieh. Elaine: Peanuts, Erdnüsse. Arsene: Cherie, wir werden uns Zugang zu den Tresoren der ehrenwerten Herren Quackenbush und Stenson verschaffen und dann Elaine, doch davon später, unser Gast wird gleich eintreffen, ich halte es für besser, daß sie gehen, wir sollten nicht mehr gemeinsam auftreten. Elaine: Warum nicht, erwarten sie Probleme. Arsene: Nein aber sie wissen der kluge Mann baut vor, die kluge Frau natürlich auch. Elaine: Ich möchte aber dabei sein, ich will lernen. Arsene: Machen sie es wie der Liebhaber in der Komödie, verstecken sie sich im Schrank und lassen sie die Tür ein wenig offen stehen. Elaine: Ich war kaum in meinem Versteck verschwunden, als die Tür zur Suite aufgerissen wurde, Quackenbush trat ein und mit ihm zwei kräftige Männer in schlecht sitzenden gestreiften Anzügen, die Hände in der Jackentasche. Quackenbush: Die Männer hab ich mir ausgeliehen von meinem Whiskylieferanten Mr. Bucks More. Arsene: Lieber Quackenbush, sie setzen mich in Erstaunen, sie betreten meine Räume ohne anzuklopfen, sie bringen zwei Gangster mit. Quackenbush: Leibwächter, Marquis oder Torpedos wie man in der Alkoholbranche sagt, wissen sie ich hatte das Gefühl, einem weltbekannten Verbrecher sollte ich nicht allein und ohne Schutz entgegentreten. Arsene: Verbrecher, was soll das bedeuten. Quackenbush: Kommen sie rein, Monsieur Ganimard. Ganimard: Bonjour Lupin. Arsene: Ah Ganimard, Freund meiner Jugend, Leuchte und Zierde der Surete, nehmen sie doch Platz, machen sie es sich bequem, darf ich ihnen eine Erfrischung bringen lassen. Elaine: Ein unauffälliger Mann mit Glatze und Walroßschnauzbart, das war also Ganimard, Inspector Ganimard, Lupins unerbittlicher Feind, mir stockte der Atem, bis nach New York hatte er den großen Abenteurer verfolgt und jetzt tauchte er auch noch in Chicago auf. Arsene: Welcher glückhafter Fügung verdank ich die unerwartete Freude ihrer Anwesenheit, verraten sie mir, ich verließ sie in New York. Ganimard: Und dann fiel mir vor wenigen Tagen eine alte Ausgabe der Chicago Tribune in die Hand und einen großen Bericht über eine Soiree im Hause Quackenbush, auf einer Fotografie waren einige illustre Gäste abgebildet, darunter der Marquis de Bri. Arsene: In dem sie mit den geschärften Augen ihren teuren alten Freund Lupin erkannten. Ganimard: Mr Quackenbush ist mir nicht unbekannt, war ich doch des öfteren in der glücklich Lage, ihm das eine oder andere begehrte Objekt zukommen zu lassen, ich nahm mit ihm Verbindung auf und voila hier bin ich. Arsene: In voller Schönheit. Ganimard: Von nun an bleiben wir zusammen, ich nehme sie mit, erst zu Polizei in Chicago und dann nach Paris, komm her mein Junge. Arsene: Pfui Ganimard. Ganimard: Ich laß dich nicht mehr aus den Augen, bis du in einem französischen Zuchthaus sitzt. Quackenbush: Augenblick Ganimard, sie haben mir die Augen über den angeblichen Marquis geöffnet, gut und schön, aber mitnehmen können sie ihn nicht, das ist nicht drin, ich brauch ihn noch. Ganimard: Mr. Quackenbush, Lupin gehört der Justiz, das Recht, die Gesetze. Quackenbush: Recht, Gesetz, wir sind in Chicago. Ganimard: Ich, ich protestiere im Namen der französischen Republik. Quackenbush: Von mir aus Ganimard, protestieren sie, aber leise. Ganimard: Ich ah. Quackenbush: Halten sie doch die Klappe. Elaine: Das tat der Inspektor mit allen Anzeichen des Unwillens, doch gegen zwei schlagkräftige Argumente in Nadelstreifen konnte er fern der Heimat nix ausrichten. Arsene: Sie brauchen mich, sie brauchen Arsene Lupin den Abenteurer. Quackenbush: Ich brauch den Dieb. Arsene: Interessant, sprechen sie sich aus mein lieber. Quackenbush: Joe Stenson, der Kerl hat mal wieder unverschämtes Glück gehabt und mir ein ganz seltenes Stück weggeschnappt, die Kugel die Lincoln umgebracht hat. Arsene: Ist es die Möglichkeit. Quackenbush: Und diesmal laß ichs ihm nicht durchgehen, die Kugel gehört mir, schließlich hab ich schon die Pistole. Arsene: Warum trösten sie sich nicht mit dem Messer der Corday, da liegt es auf dem Tisch, ich hab mir solche Mühe damit geben. Quackenbush: Ich will die Kugel, Lupin, und sie werden sie mir verschaffen. Arsene: Ich soll stehlen, also wissen sie Quackenbush, warum schicken sie nicht ihre Herren Torpedos. Qusckenbush: Weil das eine Aufgabe für einen Spezialisten ist, Stensons Haus ist eine Festung, da kommt so leicht keiner rein oder raus. Arsene: Schwierig, schwierig. Ganimard: Mr. Quackenbush, das dürfen sie nicht, ich werde. Quackenbush: Das reicht, schmeiß ihn raus. Ganimard: Wagen sie es nicht, Hand am mich zu legen, ich bin Inspektor der Surete, ich werde mich an meinem Konsuln wenden, au. Arsene: Der gute Ganimar, er hat noch nie gespürt, wenn er überflüssig war, gut ich werde für sie tätig, Quackenbush. Quackenbush: Na also, da wäre da nur ein kleines Problem, wie kann ich sicher sein daß sie es auch wirklich tun und nicht einfach verschwinden, vielleicht sollten Morens Männer sie nicht aus den Augen lassen. Arsene: Quackenbush, sie sind mißtrauisch wie eine alte Jungfer, unter Beobachtung kann ich nicht arbeiten, das würde meinen Stil ramponieren, Arsene Lupin ist ein Ehrenmann, alle Welt weiß das, sogar Ganimard, ich geb ihnen mein Wort, ich werde die Lincolnkugel, die zur Zeit in Stensons Besitz ist, an mich nehmen und an sie weiterreichen. Quackenbush: Heute ist der 12. Januar, binnen einer Woche. Arsene: Versprochen. Elaine: Sie gingen und ich konnte endlich den Schrank verlassen, krumm im Rücken und trüb im Gemüt, die Sache war gründlich schief gegangen. Arsene: Abwarten, Elaine, kein Grund zu Trübsal, Flexibilität eine der wichtigsten Eigenschaften des Glücksritters, als erstes werden wir Namen und Domizil wechseln, ein unscheinbares Haus in einem uninteressanten Stadtteil, zwei unauffällige Personen mit Allerweltsnamen. Elaine: Und dann Arsene. Arsene: Dann werden wir Stetsons Festung stürmen. Elaine: Stürmen, das sagen sie so leicht. Arsene: Was mich betrifft, ich werde einen todsicheren Trick einsetzen, den ich in Frankreich schon einige Male mit Erfolg angewendet habe. Elaine: Und ich. Arsene: Ich habe den Eindruck, Mrs Loren Stenson gehört zu den schwierigen Hausherrinen, deren Personal häufig wechselt, wenn sie bei ihr vorstellig würden, Elaine mit allerbesten Referenzen, sie wären anwesend und könnten eingreifen, wenn es notwendig wird. Elaine: Lorain nahm mich sofort, das lag zweifellos daran daß ich zuvor in Hollywood tätig war, bei so bekannten Filmstars wie Mary Pickford, Gloria Swanson, und ihr Papagei mochte mich und so begab es sich, daß am abend des 15. Januar das neue Hausmädchen Helen einem Besucher die Tür öffnete, der ihr nicht unbekannt war. Elaine: Inspektor Ganimard. Stenson: Treten sie näher, Inspektor, nehmen sie Platz, Zigarette, ob ich ihnen auch einen Whisky anbieten darf, weiß ich nicht so recht, immerhin sind sie Polizist. Arsene: In Frankreich, Monsieur nicht hier tun sie ihrer Gastfreundschaft kein Zwang. Mrs Stenson: Schenken sie dem Herrn ein, Helen. Elaine: Sehr wohl, Madame. Stenson: Sie haben mir geschrieben, Inspektor, sie hätten eine Information für mich von äußerster Wichtigkeit in bezug auf meine Sammlung kriminalistischer Raritäten, sind meine Schätze in Gefahr. Arsene: Ein Schatz, die Pistolenkugel aus dem Kopf ihres großen Präsidenten Abraham Lincoln. Stenson: Ach was ich wette, dahinter steckt Quackenbush. Arsene: So ist es, Mr Quackenbush hat einen Experten beauftragt, die Kugel für ihn zu entwenden. Stenson: Das sieht ihm ähnlich, na soll er, an meiner Alarmanlage wird sich sein Experte die Zähne ausbeißen. Arsene: Gestatten sie mir, das zu bezweifeln, bei besagtem Experten handelt es sich nämlich um keinen geringeren als Arsene Lupin. Mrs Stenson: Lupin, über den hab ich gerade was gelesen, Sugardaddy, in Life, das ist ein ganz gerissener Kerl, den kann nichts aufhalten, keine Stahltür, kein Alarmsystem, überall kommt er rein und im verkleiden und maskieren ist er einsame spitze. Arsene: Madame hat völlig recht, dieser dreiste Verbrecher hat es sogar gewagt, als hoher Beamter der Pariser Kriminalpolizei aufzutreten. Mrs Stenson: Und charmant ist er, ein richtiger Frauenheld, stehen sie nicht herum, Helen, schenken sie ein. Elaine: Sehr wohl, Madame. Arsene: Wenn ich ihre Sicherheitsvorkehrungen inspizieren dürfte Monsieur Stenson. Stenson: Ich bitte darum, sie sind der Fachmann, sehen sie sich alles in Ruhe an. Arsene: Merci Monsieur. Stenson: Aber nicht mehr heute abend, bleiben sie über Nacht in einem unserer Gästezimmer, wissen sie was, würden sie uns die Freude machen bei uns zu wohnen, bis die Gefahr vorüber ist. Arsene: Das heißt, bis wir den Burschen erwischt haben, mit Vergnügen Monsieur. Mrs Stenson: Helen, richten sie das blaue Zimmer für den Herrn her. Elaine: Sehr wohl, Madame. Elaine: Am nächsten Abend wartete ich in meinem kleinen Dienstbotenzimmer unter dem Dach auf das verabredete Zeichen, ein dreimaliges Klopfen an der Tür, dem die gemeinsame Flucht aus dem Hause Stetson folgen sollte, leider schlief ich darüber ein, vielleicht lag es an der Nervenanspannung, vielleicht an Lorain Stenson, die sich nur zu gern damit beschäftigte, ihr Hausmädchen zu beschäftigen, eine schrille Glocke riß mich aus rosaroten Träumen von mir und Arsene und den Niagarafällen, Madame befahl mich in ihr Boudoir, ein Blick auf die Uhr, es war zehn Minuten vor 3, mitten in der Nacht. Mrs Stenson: Helen, da sind sie endlich, wenn man sie mal braucht, dieser Verbrecher war hier, dieser. Elaine: Lupin, Madame. Mrs Stenson: Genau der, hier in unseren Haus, sei doch mal ruhig Cleopatra, ein Wunder, daß wir nicht alle in unseren Betten ermordet wurden, oh meine Nerven, bringen sie mir eine Flasche Bourbon. Elaine: Gegen zwei Uhr, so erfuhr ich von Lorean und später von Lupin selbst, war der Hausgast, der sich Ganimar nannte, aufgestanden, vorsichtig schlich er zu Stetsons Schatzkammer, er betrat sie, nachdem er die Alarmanlage abgeschaltet hatte und wollte gerade den Schrank öffnen der die ominöse Lincolnkugel enthielt als zwei Männer mit schußbereiten Revolvern durch die Tür kamen, der Hausherr und. Arsene: Ganimar, schon wieder, also allmählich wirds langweilig, Sie sind ja wie das berühmte falsche fünf Franc Stück, übrigens, sind sie sicher, daß sie wirklich Ganimard sind, nicht Lupin. Ganimard: Mein Schnurrbart ist echt, und ihrer. Arsene: Auh. Ganimard: War nur angeklebt. Arsene: Was für ein Glück, stellen sie sich vor, ich müßte ständig mit so einem Handfeger unter der Nase herumlaufen, Ganimard, Ganimard, sie haben gelauscht neulich im Palmerhaus, und dann sind sie zu Stetson petzen gegangen. Stenson: Er hat mich angerufen, um mich zu warnen. Arsene: Weil er mich doch noch in die Finger kriegen wollte, ist es nicht so, Freund meiner Jugend. Ganimard: Als ich von Monsieur Stenson erfuhr, in seinem Haus gäbe es bereits einen Inspektor Ganimard, war mir alles klar, mit ihrer Maske haben sie sich aber keine große Mühe gegeben, Lupin, das soll ich sein. Arsene: Was wollen sie, sie sind nun mal ein häßlicher Vogel. Stenson: Was mache ich jetzt mit ihm, Lupin. Ganimard: Sie machen gar nichts, Monsieur Stenson, das ist Sache der Polizei. Stenson: In Paris mag das so sein, Inspektor aber nicht bei uns in Chicago, nicht nur weil unsere Polizei unfähig und korrupt ist, wer kann nimmt das Gesetz in die eigene Hand, das ist gute amerikanische Tradition, ich werd ihnen sagen, was ich mache Inspektor, ich rufe meinen Freund und Partner Alfons Capone an, der schickt ein paar Leute vorbei, die nehmen Lupin mit und, goodby Arsene Lupin bzw. adieu. Ganimard: Ich glaube nicht daß das. Stenson: Könnten sie sich mit dieser Lösung anfreunden Inspektor. Ganimard: Ich glaube nicht, daß das eine gute Lösung ist, nein ich glaub das nicht, ich protestiere. Elaine: Das konnte Ganimard nicht, er protestierte wieder einmal und ereiferte sich so sehr daß Stenson ihn schließlich aus dem Haus werfen ließ, armer Ganimard, aber vor allem armer Arsene, ich tat Lorain ein Schlafmittel in den Whisky, dann ging ich ans Werk, ich sollte eingreifen, falls es nötig wurde, hatte mein Partner gesagt, jetzt war es nötig, sehr sogar, um drei Uhr fuhr eine schwarze Limousine durch die South Michigan Avenue, vor der Hausnummer 2300 hielt sie, Hotel Metropole stand an der Front des klotzigen siebenstöckigen Gebäudes, trotz der späten Stunde schlief hier anscheinend niemand, aus den hellerleuchteten Fenstern drang Musik und lautes Stimmengewirr. Franky: Da sind wir. Arsene: Was du nichts sagst, Genosse und wo sind wir. Franky: Mr. Capones Hauptquartier, steig aus. Elaine: Der Lift brachte sie in den 4. Stock, Lupin und seine beiden Wächter, sie gingen durch einen Gang der festlich geschmückt war, Blumen, bunte Papiergirlanden, amerikanische und italiensche Fahnen und ein mindestens 10 Meter langes Spruchband, das in roten Lettern verkündete, 7 Jahre Prohibition, 7 Jahre Wohlstand. Arsene: Die 7 fetten Jahre, was Genosse, und dann wirds mager, wie es schon in der Bibel steht. Franky: Wieso Bibel, heute ist der 17. Januar, da feiern wir jedes Jahr seit sie 1920 den Alkohol verboten haben und außerdem hat der Boss heute Geburtstag, rechts gehts rein. Elaine: Hinter der Tür, die von zwei bulligen Torpedos mit Maschinenpistolen bewacht wurde, lag ein Saal voller Menschen, Männer mit geölten Haaren in dunklen Anzügen und Gamschen, platinblonde Frauen in freizügiger Aufmachung drängten sich um einen feisten Typ im erzgrünen Dinnerjacket, er kaute grimmig auf einer riesigen Havanna herum, und gestikulierte so heftig, daß der kollosale Diamant an seiner linken Hand blitzte und funkelte wie ein drohendes Wetterleuchten. Capone: Porca madonna, diese stinkenden irischen Schweine, ich reiche ihnen die Hand des Friedens und was tun sie, sie murksen mein guten Freund ab, Griechentheo, und das an meinen 28. Geburtstag, bene, dann eben wieder Krieg, Bierkrieg, diese verfluchten Nicks brauchen eine Lektion und die sollen sie kriegen, von mir, wer ist dieser Kerl, Franky. Franky: Den schickt ihnen Mister Stenson, Mr. Capone. Capone: Richtig, so sehen also berühmte Verbrecher in Frankreich aus, klein, dünn nicht gerade imposant, hahaha. Arsene: Es kann nicht jeder so fett und vollgefressen sein wie du, mein Dickerchen. Franky: Soll ich ihm die Fresse polieren, Mr Capone. Capone: Laß ihn reden, Franky, Tote können mich nicht beleidigen, und du bist tot, Franzose, ja, du wolltest meinen Freund bestehlen, das darf man nicht. Arsene: Seit wann hast du was gegen stehlen, Dickerchen, du bist doch selber der größte Dieb in Chicago. Capone: Du irrst dich, Franzose, Capone ist kein Dieb, Capone nimmt keinem was weg, im Gegenteil, Capone gibt, er gibt den Menschen, was sie haben wollen, Schnaps, Bier. Arsene: Manchmal eine Kugel oder den Baseballschläger. Capone: Du hast Mut, Froschfresser, du verdienst einen anständigen Abgang, setz dich, iss pasta, trink vino, Franky und Jonny, ihr paßt auf ihn auf und wenn ich das Zeichen gebe, bringt ihr ihn raus und fahrt ihn ein bißchen durch die Gegend, ihr wißt ja bescheid. Franky: Ok, Mr Capone. Elaine: Jetzt erschien ich auf der Bildfläche, nicht Helen, nicht Elaine und schon gar nicht Mary Kowalski oder Mrs Leale, ich war Loren Stetson, während die wahre Eigentümerin des Namens im Tiefschlaf vor sich hin schnarchte, hatte ich mich an ihrem Schminktisch und in ihrem Kleiderschrank bedient, das Resultat war durchaus überzeugend, das fand nicht nur ich, das fand auch Mr Capone. Capone: Mrs. Stenson, bei mir, um diese Zeit. Elaine: Oh Mr. Capone, tun sie ihm nichts, sie dürfen ihn nicht umbringen. Arsene: Loraine, cheri, nein. Elaine: Doch, Mr Capone, dieser Mann ist kein Dieb. Capone: Aber ihr Mann hat doch. Elaine: Mein Mann weiß nicht, was wirklich geschehen ist, heute nacht, Mr Capone, dieser Mann ist mein Geliebter, er hat sich bei uns eingeschlichen, um mich zu besuchen, und als mein Mann ihn erwischte, hat er sich als Einbrecher ausgegeben, um meine Ehre zu schützen, er ist ein Held, Mr Capone, er wollte sich opfern. Arsene: Geliebte, wie gern wäre ich für dich in den Tod gegangen. Capone: O bella storia, bella romanza, wie in der Oper, wie von Maestro Verdi, ich beglückwünsche sie, Signora, zu ihrem amante, und sie mein Freund, sie sind ein Kavaliere, ein wahrer Gentleman, da habt ihr zwei also dem guten Joe Stenson die Hörner aufgesetzt, haha, bella comedia. Elaine: Sie sind auch ein Gentleman, Mr. Capone, sie werden ihn nicht töten. Capone: Nehmen Sie ihn mit, Signora oder noch besser, Franky und Jonny bringt die beiden zurück. Franky: Kleine Spazierfahrt, Mr. Capone. Capone: No Idiota, ihr setzt sie am Lakeshore Drive ab und zwar lebend, nehmt meinen großen Cadillac. Franky: Die Prunkkarosse, den Panzerwagen. Capone: Si, si. Elaine: Danke, Mr. Capone, sie sind ein Schatz, ich, ich muß sie umarmen. Capone: Schon gut, schon gut, Mrs. Stenson, arrivederci. Arsene: Adieu mein Dickerchen, bleib sauber. Elaine: Wir hätten das freundliche Angebot gern abgelehnt, aber das ging natürlich nicht, so fuhren wir mit Capones berühmten schwarzen Panzercadillac Richtung Norden, Arsene und ich saßen im Fond, Jonny steuerte, Franky hielt als Beifahrer die Augen offen. Franky: Hey Jonny, wir werden verfolgt, der rote Lincoln hinter uns, fahr schneller, der Lincoln beschleunigt auch, ganz klar das sind Morris Leute, die haben es auf Mr. Capone abgesehen, wird euch schlecht bekommen, Freunde. Elaine: Franky war ein guter Schütze, der Lincoln wurde in einem der Vorreifen getroffen, schleuderte, rammte eine Straßenlaterne, blieb stehen. Franky: Halt an Jonny, wollen doch mal sehen, wer da drin sitzt, komm mit. Arsene: Es ist Ganimard, er war schon hinter uns, als Franky und Johny mich zu Capone brachten, er will sich vergewissern, daß er auch wirklich um die Ecke gebracht wird, ob er wohl unsere beiden Freunde davon überzeugen kann, daß er nicht zu Morris Gangstern gehört, festhalten Elaine. Franky: Halt, ah. Arsene: Sie haben doch die Lincolnkugel Elaine. Elaine: Oh ja ich habs mir geholt als bei Stenson alles ruhig war. Arsene: Gut gemacht, ich hab Quackenbush mein Wort gegeben, daß ich ihm die Kugel bringe und Arsene Lupin pflegt sein Wort zu halten, Elaine, ich bewundere sie wie sie um mich zu retten Capone den berüchtigten Al Capone zum Narren gehalten haben, das war ganz außerordentlich, was kann ich ihnen noch beibringen, sie sind keine Schülerin mehr, sie sind Meisterin, eine examinierte, diplomierte und summa cum laude promovierte Glücksritterin. Elaine: Ein solches Lob aus ihrem Munde, Arsene, merci. Elaine: Ich wartete im Wagen vor Quackenbush Haus, Lupin knackte das Türschloß, ging leise zur Schatzkammer und deponierte die angebliche Lincolnkugel in einer Vitrine, dabei ließ er sich Zeit, es dauerte ein gute halbe Stunde, bis er wieder vor dem Haus erschien, ich startete den Wagen, die Türen hatte ich verriegelt, als Arsene den Türgriff faßte, drehte ich mein Fenster um einige Millimeter nach unten. Arsene: Öffnen sie, Elaine. Elaine: Ach wissen Sie, Arsene, ich glaube, wir sind quitt, sie haben mich unter ihre Fittiche genommen, ich hab ihnen das Leben gerettet, vorhin habe ich Capone, ohne daß er es merkte, den Diamantring vom Finger gezogen, 50000 Dollar ist der wert, sagt man und die will ich eigentlich nicht mit ihnen teilen. Arsene: Sie enttäuschen mich zutiefst, Mademoiselle. Elaine: Nicht doch Arsene, ich bin bei ihnen in die Schule gegangen, in die Schule der Glücksritter und ich hab so gut gelernt, daß ich sogar sie, meinen Lehrer, aufs Kreuz legen kann, sie sollten stolz auf mich sein, adieu. Arsene: Aurevoir Elaine, hahaha. Elaine: Warum Lupin lachte, wurde mir erst am nächsten Abend klar, in St. Louis, als ich die Zeitung las, ein Einbrecher hatte Quackenbush Tresor geöffnet und rund 300000 Dollar erbeutet in Banknoten und Wertpapieren, und meine Beute, der Capone-Diamant, war eine Imitation und ganze drei Dollar wert, vielleicht hätte ich doch noch etwas länger in die Schule gehen sollen. Arsene Lupin: Manfred Zapatka Elaine: Katharina Zapatka Osgood P. Quackenbush: Michael Hanemann Joseph Stanson: Gerd Grasse Lauraine Stanson: Katharina Burowa Inspektor Ganimard: Wolfgang Condrus Al Capone: Martin Engler Frankie / Papagei: Götz Schulte Polizist: Christian Gaul Ältere Dame: Ingrid Tribowski Redaktion: Torsten Enders Der Fall van Dusen: Eine O-Ton-Collage (Deutschlandradio Berlin 1999) Die einleitenden Worte des Regisseurs Rainer Clute zum Radio-Feature Der Fall van Dusen (deutschlandfunk.de/van-dusens-groesster-fall-100.html): Seit dem Start der heiteren historischen Krimireihe 1978 hat Michael Kosers Prof. Dr. Dr. Dr. Augustus van Dusen, genialer Wissenschaftler und leidenschaftlicher Amateur-Kriminologe, mit seinem treuen Begleiter und Chronisten Hutchinson Hatch rund um die Welt für die Lösung unlösbarer Fälle gesorgt und dabei Jahr für Jahr eine ständig wachsende Hörergemeinde in Atem gehalten. Bevor Professor van Dusen in der zweiten Stunde der Langen Nacht mit seinem letzten und größten Fall endgültig in den verdienten radio-kriminologischen Ruhestand entlassen wird, hat Sylvia Rauer, die an der Seite von Regisseur Rainer Clute mehr als die Hälfte aller Fälle der „Denkmaschine“ als Regieassistentin betreute, noch einmal in offiziellen Archiven und privaten Erinnerungen gestöbert. In der Langen Nacht auf der Spur der Radiolegende August van Dusen sprach sie mit dem Autor und dem Regisseur, besuchte die Hauptdarsteller Friedrich W. Bauschulte und Klaus Herm, befragte die Taufpatin der Reihe, Ursula Drews, bemühte die Stimmen der Kritik und traf sich mit Fans der ersten Stunde. Samstag, 24. Juni 1978: der erste Hörspiel-Produktionstag des ersten van Dusen-Krimis! Ein Tag, auf den sich die ganze Energie der Beteiligten konzentrierte, denn bis die Produktion beginnen konnte, galt es viel zu regeln. Das Vorspiel der geplanten Reihe verlief eher schleppend. Michael Koser, Autor dieser Hörspielreihe, fand keinen großen Anklang in der Hörspiel-Dramaturgie von RIAS Berlin. Sehr viel positiver reagierte dafür der damalige Abteilungsleiter des Unterhaltungs-Programm, Hans Rosenthal, dessen serienerprobte Redaktion sich dieses neuen Vorhabens sehr gerne annahm. Nun fehlte noch der geeignete und interessierte Regisseur. Michael Koser trat an mich heran und überzeugte mich sehr schnell von seiner Idee. Wir beide kannten uns als Autor/Regisseur-Gespann à la Holmes/Watson, Miss Marple/Mr. Stringer oder ähnliches. Die Wahl fiel nach einiger Überlegung auf Friedrich W. Bauschulte, damals Ensemble-Mitglied des inzwischen geschlossenen Schiller-Theaters und außerdem „die Stimme“ einiger prominenter Schauspieler in der Synchronisations-Arbeit. Er wurde Dr. Dr. Dr. Augustus van Dusen, genannt die „Denkmaschine“, Klaus Herm, zunächst tätig beim Schiller-Theater, dann als freier Schauspieler, wurde Hutchinson Hatch, der rasende Reporter des „Daily New Yorker“, van Dusens ständiger Begleiter und Assistent sowie – last but not least – akribischer Chronist der Abenteuer seines berühmten Professors. Unser Produktions-Team wuchs nach relativ kurzer Zeit zu einem sehr gut eingespielten Ensemble zusammen, zu dem von Anfang an ein festes technisches Team gehörte, das im Laufe der Jahre nur wenig verändert wurde. Kurz nach Start der Serie stieß Silvia Rauer zu uns, zuerst als Regie-Assistentin und inzwischen als unentbehrliche Co-Regisseurin. Einige der damals in der allerersten Zeit unter großem zeitlichen Streß und in Improvisationslaune produzierten Hörspiele gehören auch heute noch zu meinem Lieblingskrimis, so zum Beispiel „Whisky in den Wolken“ oder „Rotes Blut und weißer Käse“. Dieses Hörstück war auch der Beginn eines immer wichtiger werdenden Musikanteils. Der in den Schweizer Alpen spielende Krimi war ausschließlich mit Madrigal-Musik angereichert, für die damalige Zeit eine sehr ungewöhnliche Wahl, da die durchschnittliche Krimi-Musik sich eher im „Tatort“-Genre bediente. Die van Dusen-Musik hat inzwischen eine eigene Fan-Gemeinde gefunden, die ihre Interessen Hand in Hand mit dem seit Jahren in Berlin bestehenden van Dusen-Fan-Club vertritt. Immer wieder wurde ich gebeten, für eingefleischte Fans die Quellen der „Soundtrack“-Musiken anzugeben oder Soundtracks zusammenzustellen. Leider: es gibt keine Soundtracks von van Dusen-Krimis. Die Quellen sind hingegen jedermann zugänglich: es ist das, was wir ganz allgemein mit „Klassischer Musik“ bezeichnen. Wir benutzen also keine eigens komponierte Musik, aber die ist immer, zumeist aufwendig, bearbeitet. Und sie gehört zum Text, der sie inspiriert hat. Ohne den Text verliert sie wahrscheinlich entscheidend an Wirkung. Die Lange Nacht einer Radiolegende. Auf vielfachen Hörerwunsch wiederholen wir heute diese Sendung aus dem Jahre 1999. Fan: Könnte man nicht mal ne ganze lange Nacht mit dem Prof. van Dusen machen. Bauschulte: Prof Dr Dr Dr Augustus van Dusen ist ein großes, ein gewaltiges Thema. Der Fall van Dusen: Eine O-Ton-Collage von Sylvia Rauer und Clarisse Cossais Koser: Ich weiß gar nicht, wie ich drauf gekommen war, ich sammle ja selber Krimis, auch alte Krimis. Sprecher: Michael Koser. Koser: Und ich hatte die Idee, ob man nicht aus, aus alten Krimigeschichten, so aus der Sherlock Holmes Zeit, Hörspiele machen könnte. Drews: Dann kam Koser mit seinem Krimi und die Hörspielabteilung wollte den Krimi nicht. Sprecher: Ursula Drews, damals zuständige Redakteurin der Unterhaltungsabteilung Drews: Und das hat denn Herr Rosenthal sofort zugegriffen und hat gesagt nun kann ich dir ne Planstelle bei mir besorgen und dann machste gleich den Krimi. Clute: Obwohl ich schon 9 Jahre beim RIAS gearbeitet hab, war ich aber erst relativ kurze Zeit als Regisseur tätig, ungefähr 4 Jahre. Sprecher: Rainer Clute Clute: Und ich wurde angesprochen, von Robert Matejka und Michael Koser, die beide auf mich zukamen und fragen, ob denn möglich wäre diese neue Reihe, die Michael Koser plante, Professor van Dusen, zu produzieren. Bauschulte: Ich glaube mich zu erinnern, daß die erste vom Auerbach gemacht worden ist, und dann in der nächsten Woche gleich drauf die vom Rainer Clute, in ganz kurzen Abständen. Sprecher: Friedrich W Bauschulte (1923-2003) Bauschulte: Und dann war ich also eigentlich sehr verwundert was das nun sollte, ob das ein Probelauf war für die beiden oder was, ich weiß es nicht, es waren beide, nein, Auerbach war länger beim Sender als Rainer Clute. Koser: Und beide, beides waren sehr gute und sehr schöne Produktionen, aber Rosenthal entschied sich dann für Clute als ständigen Regisseur, Rainer sagte damals ja. Clute: Es war dann die interessante Frage zu entscheiden der Besetzung, und jeder kam mit zwei unterschiedlichen Besetzungsvorstellungen, die am Anfang ganz unvereinbar schienen, die aber immer näher rückten und schließlich haben wir auch da einen Kompromiss gefunden und am Ende der Reihe kann man es ja so sagen, auch ganz neidlos, der Professor van Dusen, Friedrich W. Bauschulte ist Dietrichs Auerbachs Eingabe in diese Serie und Klaus Herm, der Hutchinson Hatch ist mein Teil, was ich besetzungsmäßig dazugegeben habe. Herm: Na für mich hat es wie immer angefangen. Sprecher: Klaus Herm (1925-2014) Herm: Daß sie mich angerufen haben, wir haben ein Hörspiel, ob ich Zeit hätte, und haben mir das Manuskript geschickt und ich fand es von vornherein also sehr witzig, muß ich sagen, also gleich von anfang an, dachte, das ist prima. Koser: Ja, das wissen ja alle, das ist eine Figur von Futrelle, von Jacques Futrelle und der Professor van Dusen ist so was wie ein ganz kleiner Klassiker in der Krimigeschichte, in allen umfangreicheren Enzyklopädien und Geschichten steht er drin, also Futrelle mit seinem Professor van Dusen. Clute: Michael Kosers Hintergrund als Autor, als Schriftsteller, ist die Geschichte, er ist studierter Historiker, und es ist sicherlich sein Anliegen gewesen und sein Spaß gewesen beim Schreiben auch historische Gegebenheiten zu verquicken, das heißt etwas, was in der Geschichte stattgefunden hat, ganz realistisch stattgefunden hat zu benutzen, um drumherum einen Krimifall zu stricken. Koser: Und dann hab ich weitergemacht, noch 3 Geschichten, schöne Geschichten von Futrelle rausgesucht und geschrieben, und dann, Futrelle hat zwar eine ganze Menge Geschichten geschrieben, so etwa 50 oder 60 über Prof. van Dusen, aber die anderen kamen mir alle so als nicht geeignet zur Rundfunkbearbeitung vor, und wahrscheinlich hätte die ganze Geschichte dann aufgehört, wenn ich nicht bei irgend einem Ferienaufenthalt in Frankreich an der Atlantikküste plötzlich die Idee gehabt hätte, warum ich dann diesen Professor nicht nehmen sollte und ihm eigene Geschichten erfinden. Clute: Ich glaube daß Michael Koser einfach saugute Manuskripte schreibt, daß er wirklich sehr gute Dialoge schreibt, das ist eine Kunst, die durchaus nicht jeder beherrscht und das ist ein Verdienst, das er ganz unbestritten hat, daß er Dialoge schreibt, die wirklich überhaupt nicht papieren klingen, nie, die sich einfach sehr gut spielen lassen im besten Sinne. Koser: Da mußte erstmal die Rechtslage geklärt werden, das darf man ja nicht so ohne weiteres, die Figur eines anderen nehmen, aber da Futrelle mit der Titanic 1912 untergegangen war, war seine Figur rechtsfrei, als ich dann plötzlich merkte, Mensch ich kann das ja selbst machen, da hatte ich wieder richtig Spaß dran und in diesen Ferien in Frankreich am Atlantik in der Nähe von Bordeaux hatte ich schon so die Stationen der Weltreise im großen und ganzen schon alles aufgeschrieben. Clute: Van Dusen war in Amerika, in New York tätig die ersten Folgen, hatte sich dann auf eine Weltreise begeben und diese Fälle, die Michael Koser geschrieben hat bewegten sich wirklich an einer Kette, die zwangsläufig entstand, er fuhr mit dem Schiff nach England, dort hat er einige Fälle erlebt, ist dann über Frankreich, über Westeuropa, war auch in Deutschland, hat auch Berlin kurz tangiert, bis nach Rußland, ist dann über Südeuropa, die Türkei, ganz kurz in Ägypten gewesen, ist über Fernost, Singapur wieder zum Pazifik gekommen, ist dann bei der Überfahrt über den Pazifik nach Amerika gestrandet, das Schiff ist untergegangen, man hat sich auf eine Insel gerettet, das war der vorletzte Krimi, Robinsons Insel, ist dann von dort natürlich auch irgendwann wieder gerettet worden, ist zurück gekommen in die Vereinigten Staaten nach San Francisco, und das war dann eben die Nr. 24, die Erde hat ihn wieder. Koser: Bis zum Tod, den hatte ich mir damals auch schon ausgedacht, als eine Möglichkeit das zu beenden und daß es 1906 sein sollte mit dem Erdbeben von San Francisco, das stand also von Anfang an fest, weil ich immer gedacht habe, Gott, wie lange macht man so eine Reihe, und äh das wurde dann insgesamt auf 24 Folgen erst mal angepeilt, und ich dachte das wird wahrscheinlich reichen und wenn wir soweit kommen, dann lass ich ihn sterben und nicht nur um einen schönen Abschluß für die Reihe zu haben, sondern auch als Test, denn Rosenthal sagte mir, aber ja da kommen Anrufe, und den Leuten gefällt das soweit ich das feststellen kann und mir gefällt das auch, und, aber irgendwann reichte mir das auch nicht mehr, ich wollte gern mal wissen für wen man das eigentlich macht, und ich dachte wenn ich ihn jetzt sterben lasse und wenn tatsächlich Leute so was hören, vielleicht melden sie sich darauf hin, wenn sie so ein bißchen geschüttelt werden. Krause: Gut erinnern kann ich mich noch an den Tod des Professors, als er im Januar 1982 für mich so überraschend starb. Sprecher: Andreas Krause vom Prof Dr. van Dusen Fanclub Krause: Ich hörte das Hörspiel und für mich war eigentlich klar, er wird nicht sterben, es wird ihm nichts passieren, aber dann passiere dann das für mich so unfaßbare, und ich kann mich noch gut erinnern, auch an die Gefühle, als ich in die Wohnstube ging, meine Mutter schaute fernsehen, und ich sagte zu ihr, Mutti, Professor van Dusen ist tot. Für mich war das unfaßbar. Drews: Was glauben Sie, wie viele Hörer mir dann geschrieben haben, wie man das ändern könnte, wie man ihn wieder aufleben lassen könnte, da hatten die unheimlich viel Vorschläge wie man das machen kann. Krause: Ich habe meinen ersten van Dusen mit 15 gehört und ich muß sagen daß mich nichts so lange in meinem Leben begleitet hat wie die Prof van Dusen Serie, ich habe keinen verpaßt, ich habe immer den Urlaub entsprechend gelegt, was nicht so schwer war, weil wir ein 6 Wochen Intervall damals hatten, da konnte man planen, aber über die Zeit jetzt, ich bin 32 Jahre, hat mich nichts so lange begleitet. Drews: Wir hätten doch nie geglaubt, als er den hat sterben lassen, daß da Leute, sicher 1 2 3 vielleicht aber daß da über 300 Zuschriften kommen, also das hätte ich nie erwartet und auch so bösartig, also wirklich sehr böse, als sei ich schuld an dem ganzen, ja, ja ich wäre eine Mörderin, hat der eine geschrieben. Koser: Ja, Tränen am Telefon, gab es wirklich, Beileidskarten in schwarz kamen an, Mütter riefen zornig an, ihre Kinder heulten und wollten nicht mehr schlafen gehen, weil Prof. van Dusen tot sei, also die wildesten Reaktionen, weit über alles hinaus, was wir uns vorgestellt oder erhofft haben, ich hab natürlich gehofft daß was kommt, nicht, aber nicht so viel und so individuell und so spezifisch, nicht nur daß Leute schrieben, schade, daß es nicht mehr weitergeht, sondern Briefe, seitenlange Briefe, die beschrieben, wie ganze Familie, immer, ich weiß gar nicht wann der damals lief, also zu der bestimmten festen Sendezeit immer am Radio saßen und sich das anhörten und sich schon dann freuten auf die nächste Folge. Clute: Und das war eigentlich der Zeitpunkt, wo uns klar war, wir haben da eine Legende geschaffen. Drews: Da haben wir dann überlegt, wie wir das machen und da fiel eben Koser ein, wir können ja eine Rückblende machen von dem Hatch. Clute: Wir hatten schon den 25. Krimi produziert, genauso wie Hatch es als Erzähler vorbereitet hatte, wir gingen natürlich über diese Zeit 1906 nicht hinaus, van Dusen war auch tatsächlich gestorben, er wurde auch in der Weise nicht wiederbelebt daß man da einen Trick fand wie er dieses Erdbeben doch überlebt hatte, sondern Hatch erfüllte seine Ankündigung, daß er eben in der Zeit, in der Spanne, die die beiden gemeinsam erlebt hatten, 1899 bis 1906, immer wieder einzelne Fälle hervorholte und sie dann erzählte. Koser: Und jetzt und das war mir sogar eigentlich noch lieber als vorher, jetzt war ich also tatsächlich frei, ich hatte also 8 Jahre in denen ich also herumirren konnte und den Professor auch platzieren konnte, wann und wo ich wollte. 14. November 1902, Freitag, ein Tag wie jeder andere. Am frühen Nachmittag verläßt Prof. van Dusen sein Haus in der 35. Straße West, Manhattan, New York City, wie an jedem anderen Tag, er sieht nicht nach rechts, er sieht nicht nach links, er sieht in das offene Buch vor seiner Nase, wie jeden Tag... (Es tickt bei Prof.v.D.) London 16. November 1903, am frühen Abend, typisches englisches Herbstwetter. Regen, Kälte, Nebel. Während Big Ben die 6. Stunde schlägt, geschieht im vornehmen Hotel Savoy am Victoriaembankment folgendes: Ein Kellner, in der Hand ein Tablett mit einem Sektkühler, einer Flasche und einem Glas, stürzt in das Büro des Hoteldirektors, bleich wie der Tod... (Prof. v.D. Ein Mörder bei Madame Tussaud) Mitten in Europa liegt das deutsche Kaiserreich, mitten in Deutschland liegt Berlin, mitten in Berlin liegt die Straße unter den Linden und mitten auf dieser Straße befanden sich am 24. Juni 1904 unter hunderten von Menschen zwei amerikanische Weltreisende, Prof Dr Dr Dr Augustus van Dusen die Denkmaschine zubenannt und meine Wenigkeit, Hutchinson Hatch, es war ein herrlicher Tag... (Prof. v.D. Zocker...) Es war in Sofia im Herbst des Jahres 1904. Der Prof. hatte einen ungeheuerlichen Fall aufgeklärt, in den Kronprinz Boris verwickelt gewesen war und deshalb lebten wir als Ehrengäste des fürstlichen Hofes wie die Maden im Speck... (P.v.D... G.Dracula) In der zweiten Januarhälfte des Jahres 1906 hatten wir, der Professor und ich, unsere Weltreise beendet und waren in San Francisco gelandet, van Dusen hatte sich gleich in seine wissenschaftlichen Forschungen verkrochen, nur zweimal war er daraus aufgetaucht, Mitte Februar, um mich vor dem Irrenhaus zu retten, siehe Fall Hatch und etwa 10 Tage später um Dampf abzulassen... (Prof.v.D. u.d. 7 Detektive) Koser: Und dieses Echo auf den Tod von van Dusen führte dann auch dazu, daß wir eine öffentliche Veranstaltung machten wollten und zwar sollte die Reihe dann fortgesetzt werden, das heißt der nächste Fall sollte nicht zuerst im Radio laufen, sondern er sollte zuerst auf dieser öffentlichen Veranstaltung vorgeführt werden und wir haben das bekannt geben und haben dann mal gewartet, wer da kommt, der Sendesaal im RIAS war voll, das ging quer durch von Kindern bis Omas und Opas, und, aber jüngere Leute vorherrschend. Herm: Ja das habe ich gar nicht für möglich gehalten, durch diese öffentliche Veranstaltung wurde mir das überhaupt erst bewußt, und natürlich freut einen das, das ist klar, dann war es, wie der Berliner sagt, nicht unbedingt in den Sand gepupt. Hörer: Ich hätt gern gewußt, warum Sie den Professor so abrupt und plötzlich haben sterben lassen? Wie lange brauchen Sie ungefähr für so ein Drehbuch? Wo werden denn die Geräuschaufnahmen hergenommen, kommen die hier aus dem RIAS Archiv? Wie lange brauchen Sie, bis eine solche Sendung aufgenommen ist? Wer ist verantwortlich und werden diese Musikaufnahmen für die einzelnen Kriminalhörspiele extra produziert? Wie suchen Sie die Sprecher aus, sagen Sie einfach, der kann gut, so stell ich mir irgendwie die Sprecherrolle vor oder? Was mögen Sie so sehr an Prof van Dusen und seinen Fällen? Brüning: Es ist eigentlich das beste daran, daß man ne ganze Menge aus der Zeit erfährt, in denen diese Geschichten spielen. Sprecher: Jens Brüning, Autor und Hörspielkritiker. Brüning: Es tauchen immer irgendwelche Figuren auf, die zu ihrer Zeit, so um die Jahrhundertwende 19 auf das 20. Jh. eine Rolle gespielt haben und berühmt waren oder berüchtigt, und da wird sehr viel Unterfutter gegeben, das finde ich immer sehr schön, das hat mir da am meisten Spaß gemacht dabei. Hickethier: Es ist eine andere Form der Spannung. Sprecher: Knut Hickethier, Medienwissenschaftler und Hörspielkritiker Hickethier: Es ist nicht, daß man in irgendeine Erregung gerät, daß man also nicht mehr weiß was macht man denn jetzt sondern es ist eigentlich mehr dieses na wie kommt er denn da wieder aus und was passiert denn jetzt und wie kriegen sie denn nun den Bogen wieder, und die Spannung an dem wie der Erzählfaden geflochten wird, wie die Figuren sozusagen sich bewegen, wie das zwischen den Figuren abläuft, das ist dann viel interessanter und es ist nicht die normale Thriller Spannung, die man sich denken könnte. Bauschulte. Na ja, das war ja das schöne an van Dusen, daß es eine so gewaltlose, was die Aktivitäten angeht, Serie war. Sprecher: Friedrich W. Bauschulte, van Dusen Darsteller Bauschulte: Es wurde immer nur davon geredet, daß da irgend jemand umgebracht worden ist oder daß das passiert ist oder daß das passieren könnte, nicht. Drews: Es ist ja auch umgebracht worden schon. Sprecher: Ursula Drews Drews: Aber nicht so brutal und nicht so, aber umgebracht wurde da auch, das kann man nicht sagen, aber es war immer so, so appetitlich umgebracht, es war nie so sensationell umgebracht, es wurde nicht gesagt jetzt haben wir dem die Kehle durchgeschnitten oder so sondern es war immer... Gemütliches Morden. Drews: Die besondere Qualität war, daß es nicht ein üblicher Krimi war, sondern daß es ein Krimi war mit einer ganz besonderen Sprache, das hat mich so fasziniert. Bauschulte: Da waren vielleicht ein paar Sätze dabei, mit denen ich, weil er nun auch eine besondere Diktion hatte, ja und das hat der Koser ja phänomenal durchgehalten über die ganzen Folgen ja, daß er so fast in gedrechselter Art sprach um auch die Zeit mitspielen zu lassen, in der das ganze spielte, das war ja sehr gut und dadurch entstanden natürlich einige Bandwurmsätze, die so einfach nicht aus dem Gehege meiner Zähne wollten und da habe ich schon zuhause gesessen und habe geübt hier, laut vor mich hin und hab geflucht und gesagt, muß er das denn so kompliziert schreiben, soll er es doch einfacher sagen, aber das sind äußerlichkeiten. Bauschulte: Mein lieber Hatch, lassen Sie uns eine Pfingstexkursion nach... Gebiß im Gehege meiner Zähne sitzen geblieben. Exkursion. Wir müssen das leider noch mal machen. Mein lieber Hatch, lassen Sie uns eine Pfingstexkursion nach Greenwich Village unternehmen. Herm: Das kann er aber nicht schneiden. Hoppla. Bauschulte: Wieso kann er das nicht schneiden, das ist doch seine Sache. Trotzdem möchte ich die ganze Szene noch mal machen. Herm: Nein, nein. Leitner: Es ist einfach so die Mischung eigentlich aus Krimi also Spannung und Geschichte. Sprecher: Gabriela Leitner, ein Fan. Leitner: Und Humor, na und dieses Zweiergespann ist einfach göttlich. Koser: Man hätte auch zum Beispiel die Geschichten so schreiben können, einen neutralen Erzähler für die Zwischentexte und, aber ich denke es war ein sehr guter Griff, den, den Hatch zu nehmen gerade so als, als Gegensatz, nicht, es ist ja so ein bißchen wie Don Quichotte und Sancho Panza, die beiden. Leitner: Hatch ist einfach der, auf den man wahrscheinlich am ehesten steht, weil man sich mit dem auch am ehesten mit dem identifiziert mit dem kleinen Doofen, der eben nicht Prof Dr Dr sowas ist. Koser: Der Hatch ist eigentlich ja nur reingeholt worden, weil ich dringend jemand brauchte, der die Sachen erzählt, nicht, das hatte rein praktische Gründe, van Dusen selbst konnte das nicht, natürlich, er mußte beleuchtet werden, er kann sich zwar ab und zu mal selbst beleuchten, aber nicht im Laufe einer Erzählung und dann hat einfach so der technische Fortgang erfordert, daß irgendjemand die Sachen erzählt, man kann nicht alles in Szenen bringen, das ist völlig unmöglich, das wird dann auch krampfhaft, gerade solche Geschichten wie die van Dusen Geschichten, wo sehr viel passiert, und auch manchmal Ort- und Zeitsprünge sind. Sie sind doch Prof van Dusen dieser Superschnüffler aus Amerika. Sir. Stehen Sie auf Fremder, gehen Sie in sich und ziehen sie am besten auch gleich die Schuhe aus, sie befinden sich in Gegenwart von Prof Dr Dr Dr Augustus van Dusen, dem berühmten Wissenschaftler und großen Amateurkriminologen, der da genannt wird die Denkmaschine und ich bin sein Prophet, wollte sagen sein Assistent und Chronist, Hatch, Hutchinson Hatch... (Prof. v.D. läßt die Sau raus) Herm: Diese etwas Begriffsstutzigkeit die er ja auch manchmal hat, och wo man sagt, naja, er ist ein bißchen bedeppert kann er sein, dann aber auch die Art von Pfiffigkeit, nicht, er hat ja dann eine ganz andere Art von Realität, na, und er ist, muß man sagen auch der Praktiker und das hat mich also gereizt, aber auch so daß man denkt och, das ist ein kleiner doofer, und das ist er gar nicht so sehr. Ich mag überhaupt Rollen, die der Hörer, der Zuschauer erstmal unterschätzt, sagt, das ist ein lieber oder der hat eine kleine Meise, das ist ja soweit ist es nicht mit seiner Intelligenz und plötzlich durch irgendne Situation ach mensch da ist ja doch was dran, also das sind sowieso immer die interessantesten Rollen. Leitner: Ich denke wir sind eben auch keine Wissenschaftler und insofern identifizieren wir uns eher mit dem kleinen Trottel, der da immer gucken muß, zuerst wo er was zu essen her kriegt und wo er seinen Whiskey organisiert kriegt oder der sich eine dicke fette Havanna wünscht, also mehr so auf diese leiblichen Sachen abfährt. In Paris hatte Prof. van Dusen sich was angewöhnt, jeden Morgen machte er einen kurzen Spaziergang im Bois de Boulogne, in aller Herrgottsfrühe, auf nüchternen Magen, und ich mußte natürlich mit, auch an diesem 8. März 1904, einem Dienstag, es war kühl, noch nicht richtig hell und mir knurrte der Magen. Ihre Gesichtszüge mein lieber Hatch weisen einen gewissen vergeistigten Ausdruck auf, ein höchst ungewöhnliches Phänomen, woran denken sie. Ich, an nichts, Prof, an gar nichts. Das glaube ich ihnen aufs Wort, mein lieber Hatch. Ich hatte doch an was gedacht, an Kaffee, heiß und duftend, an knusprigen Toast, an ein weichgekochtes Ei, frische Butter, goldgelben Honig, an normannischen Käse und Schinken aus Bayonne, kurz an ein ordentliches Frühstück und an die gute Havanna danach, aber das ging den Prof. nichts an, er macht sich bekanntlich nicht viel aus Frühstück, und aus Mittagbrot und Abendessen auch nichts, von Zigarren ganz zu schweigen, was er braucht sind Luft, Logik, Wissenschaft und ab und zu ein bißchen Kriminologie. Amateur-kriminologie, mein lieber Hatch. Ist recht Professor... (Prof. v. D. u. d. Fall Zola) Koser: Der klassische Detektiv muß immer so einen leicht trotteligen Menschen neben sich haben, dem er sagen kann, mein lieber Hatch, oder mein lieber Watson, Sie kennen meine Methoden, zählen sie 2 und 2 zusammen, alle wichtigen Fakten sind in Ihrem Besitz, Sie müßten jetzt eigentlich wissen, wie es abgelaufen ist und wer es war, und das tun die großen Detektive ja so rasend gern, so was zu sagen und deswegen brauchen sie jemand, zu dem sie das sagen können. Herm: Seine Arroganz ist ja auch so schön künstlich, nicht, das ist ja auch wunderbar von Koser geschrieben, nicht, in dem Sinne nimmt man ihn finde ich auch gar nicht so ernst, nicht, das ist ja auch der Reiz der Figur, wie das der Bauschulte macht. Bauschulte: Kläuschen war ja überhaupt im Grunde die wichtigere Person für das Hörspiel, für die Geschichte, er hat ja den roten Faden gesprochen und dargestellt, van Dusen stand ja fest. Herrliches Wetter, Professor. Mein lieber Hatch, obzwar sie sich seit nunmehr gut 5 Jahren der Ehre und des Vorzugs erfreuen dürfen, Umgang mit meiner Person zu pflegen, befleißigen sie sich, wie ich zu meinem Bedauern immer wieder konstatieren muß, weiterhin hartnäckig einer vagen durch und durch impräzisen und platterdings unwissenschaftlichen Ausdrucksweise. Aber Prof. ich habe doch bloß gesagt herrliches Wetter. Ganz recht, mein lieber Hatch und was hätten sie sagen sollen. Weiß ich doch nicht Prof., ich bin schließlich kein Meteorologe, na ja so einer der das Wetter vorhersagt und dann wird es doch ganz anders. Nicht nur ein Meteorologe, mein lieber Hatch, auch ein in wissenschaftlichen Belangen nicht gänzlich unaufgeschlossener Laie würde sich folgendermaßen ausdrücken: wir befinden uns im Wirkungsbereich eines sog. dynamischen oder auch warmen Hochdruckgebietes, durch welches aus subtropischen Breiten Warmluft in diese gewöhnlich vom Klima weniger begünstigten... (Prof. v. D. läßt die Sau raus) Möller: Im Grunde genommen ist es eine Figur, in die man selber auch mal hinein schlüpfen möchte und vielleicht auch mal selber den Kotzbrocken raushängen lassen möchte. Sprecher: Wolfgang Möller vom Prof. Dr. van Dusen Fanclub. Möller: Aber man traut sich das nicht, oder man ist einfach nicht der Typ dafür, aber man kann das nachvollziehen. Bauschulte: VanDusen war ein Kotzbrocken in meinen Augen ein richtiger Kotzbrocken. Krause: Ja das ist es ja gerade, das konträre, nicht, der Professor weiß nun mal einfach mehr, und da kann man nun mal nicht standhalten, das wäre anmaßend, er ist nunmal Prof van Dusen, und Hatchinson Hatch, das haben wir alle so ein bißchen in uns, deshalb schlägt mein Herz mehr für den Professor. Clute: Das wird daran liegen, daß er eigentlich ein richtiger gentleman ist, obwohl er aus den USA zu stammen scheint, da soll es aber auch solche geben, er hat Lebensformen, die, ja der kann mit Messer und Gabel essen, der hat wahrscheinlich immer einen Bowlerhat auf oder etwas vergleichbares, also auf keinen Fall eine Baseballcap und blickt durch, und das ist natürlich auch eine Identifikations-möglichkeit, so einen richtigen Durchblick hat, der für alles eigentlich einen Ausweg weiß, ist auch nicht schlecht zum identifizieren oder zum liebhaben. Herm: Ist doch wunderbar, daß es so einen perfekten Menschen gibt, ist doch herrlich und deswegen lieben auch ihn die Hörer glaube ich, man sehnt sich doch nach Perfektheit, man sehnt sich doch danach, daß man so intelligent ist, daß man alles erforscht und erfaßt, und immer sich richtig benimmt, danach sehnt man sich doch, daß eine Figur entsteht, gott behüte im Hören, der das alles kann und das ist doch wunderbar. Leitner: Vielleicht ist man auch ein bißchen neidisch, weil eben der Professor, im Prinzip weiß er ja alles. Sprecher: Thomas Leitner, ein Fan Leitner: Wenn er von dem Sachgebiet nicht so viel Ahnung hat, dann kann er sich das doch wieder zusammenreimen, und er hat ja so eine große Allgemeinbildung, daß da kaum Lücken entstehen, so daß er da, er hat im Prinzip auf alles eine Antwort zumindest solange es logisch und wissenschaftlich zu erklären ist. Clute: Also ich glaube, ich würde mit dem nicht durch Berlin laufen, das wäre mir zu anstrengend, ich find ihn besser im Radio. Koser: Wenn ich von Anfang an gewußt hätte, daß es 77 Folgen werden, frage ich mich manchmal ob ihm ich da nicht die Möglichkeit einer Entwicklung gegeben hätte, aber eigentlich denke ich darf das nicht passieren, daß so bestimmte mythische Figuren und das sind ja die großen Detektive, auch Sherlock Holmes oder Hercule Poirot oder so, die verändern sich ja auch so gut wie gar nicht, sie bleiben auf dem gleichen Level stehen, auf dem sie angetreten sind. Koser: Das ist eigentlich das gute mit meiner Zusammenarbeit mit Rainer und mit euch, das ich immer das Vertrauen hatte, von Anfang an, und mir nie Sorgen gemacht habe, daß da was gutes bei rauskommt, ich hab das einfach losgeschickt und hab dann auf die Kassette gewartet. Clute: Es hat sehr wenige technische Kollegen gegeben die sich in diesen 20 Jahren diese van Dusen Reihe geteilt haben, das war am Anfang Gerd Poolman und Sören Pehrs und ich hatte die Bitte geäußert, mit sanftem Druck, daß ich bereit bin, bei den Toningenieuren eine alternative zu haben, aber was den Techniker anging, da möchte ich daß wirklich durchgehend ein Techniker zur Verfügung steht und das war in dem Fall Manfred Rabbel, der ein unglaublicher Gewinn auch gewesen ist für diese Serie, er hat wirklich auch immer wieder eine sehr spezielle Form von Humor bewiesen, der immer wieder, was auch bei den besten freunden im Team oder auch entstehen kann, irgendwo ist immer mal Streß und irgendwann liegen Nerven blank und irgendwann hat man alle faxen dicke und möchte eigentlich nur einen Koller kriegen und das waren immer genau die Punkte wo Manfred Rabbel zur rechten Zeit am rechten Ort war und die Stimmung wieder aufs Normalmaß brachte, wo sie auch hingehörte, er ist vor einigen Jahren leider sehr, sehr jung und sehr plötzlich und unfaßbar für alle die ihn kannten, gestorben und auch das ist ein Grund vielleicht an dieser Stelle in Dankbarkeit an ihn einen ganz kleinen Augenblick zu denken. Nach Manfred Rabbel kam dann Inge Görgner als Technikerin, Inge Görgner ist ausschließlich dann auch die Technikerin gewesen die vanDusen betreut hat über viele Jahre. Görgner: Ja das besondere war einfach so, ich betrachte das von meiner Arbeitsweise her, daß es einfach, so diese Arbeit in dem Team, das ich fest kannte, die einfach gut zusammengearbeitet haben, wo man gemerkt hat, jeder weiß genau was er machen soll, aber jeder kann auch übergreifend arbeiten. Clute: Als Toningenieur kam Georg Fett neu ins Team. Fett: Ich bin der Toningenieur von 47 Folgen, das ist bei einer Gesamtzahl von 77 Folgen also fast zwei drittel aller Folgen. Clute: Georg Fett ist aus dem Team vor wenigen Jahren ausgeschieden, für ihn ist Thomas Monnerjahn nachgerückt und als jüngste Technikerin im Team kam dann Sabine Winkler dazu. Bei den Regieassistenten gabs am Anfang einen bunten Wechsel, das war eigentlich so ein momentanes Geschäft bis zum Eintritt von Sylvia Rauer in diese Serie. Rauer: Ich hab 1983 zum ersten Mal als Regieassistentin einen van Dusen betreut. Clute: Und Sylvia kam, sah und siegte, und blieb, sie kam und blieb. Koser: Ja, es entsteht natürlich im Lauf der Jahre bei einer solchen Reihe so ein Zuhausegefühl, ist ein Gefühl der absoluten Vertrautheit, das bezieht sich nicht nur auf die Sprecher, sondern natürlich auch auf das Team und für mich ist das zumindest eine Zeit lang eine sehr angenehme Art zu arbeiten. Clute: Was dann als erstes von meiner Seite aus sukzessive dazu kam und an Wichtigkeit gewann, das war Musik, das ist nun meine Möglichkeit mit Musik umzugehen, Musik dramaturgisch einzubringen, mit Musik Geschichten im Subtext zu erzählen, wenn man bei Musik von subtext sprechen kann. Dann erinnere ich mich an einen Krimi, das war rotes Blut und weißer Käse, das war so ein bißchen der Durchbruch einer eigenständigen Musik. Eine van Dusen Musik als solche gibt es nicht, es haben oft Leute gefragt, die fest davon ausgingen, daß die Musik zu den van Dusen Hörspielen natürlich komponiert wird und speziell hergestellt, das war für mich immer relativ ehrenvoll, weil dann ist das genau aufgegangen, was ich mir überlegt habe, mit den Musiken, daß sie natürlich, obwohl keine einzige Musik für van Dusen jemals komponiert worden ist, es so klingen soll und sich anhören soll, als sei es genau auf den Punkt abgestimmt, was es ja auch ist, und es sollte eben die Musik auch eine perfekte Ergänzung zum Wort sein. Leitner: Was ich eigentlich auch wirklich ganz, ganz toll finde und das hat eher was mit denen im Studio zu tun, nicht mit dem Manuskript, ist die Auswahl der Musik, also die finde ich immer ganz toll, also da ist auch, wie heißt das mit dem weißen Käse, rotes Blut und weißer Käse, also die Musik ist, die find ich auch so passend, man kann sich wirklich vorstellen, wie die da auf den ich glaub in der Schweiz spielt das, auf irgendwelchen schweizer Wiesen elfengleich sich bewegen, das finde ich auch ein ganz besonderes Merkmal dieser Reihe. Ah, das ist eine Luft, was meine Herren, weich wie Samt, klar wie ein Bergquell, rein wie ein frischgebadetes Baby. Kaum Kohlenmonoxid, keine Schwefelverbindungen. Die schiere Gesundheit, meine Herren, Natur... (Prof.v.D. rotes Blut u. weißer Käse) Clute: Der Krimi spielte in der Schweiz auf irgendner Alm, mit skurrilen Typen und als Musik fiel mir dazu, was erstmal damit überhaupt nichts zu tun hat, Madrigale. Madrigale aus der Vorbarockzeit, teilweise, in einer etwas modern aufgepeppten Fassung durch die zweite Formation der swingels singers, das war irgendwie auch ein gewisses Wagnis, wo ich ziemlich sicher bin, ist, daß im klassischen im klischee sinne klassische Musik mit Krimi traditionell bis dahin nichts zu tun hatte, und das änderte sich ab diesem Moment, daß wirklich klassische Musik, ganz echt klassische Musik oder zumindest klassische Musik mit einem bißchen einem verschrägenen Arrangement oder wie mans nennen will, zum Markenzeichen wurde für die Untermalungen der van Dusen Krimis. Brüning: Das war eigentlich dasjenige, was mich dafür sehr eingenommen hat, daß es nicht so eine 0815 Produktion ist, daß da nicht Papier in Ton umgesetzt wird, sondern da sehr viele unterschiedliche Ebenen noch mit dazukommen, die zwar auch schon auf dem Papier stehen, aber die dann teilweise auch noch durch die Regie ergänzt werden, die Musik zum Beispiel, die steht ja meistens überhaupt nicht auf dem Papier, wie ich gelernt habe, sondern die entsteht dann irgendwie im Verlauf der Produktion. Hickethier: Mir hat die Art sehr gut gefallen, ich muß sagen, ich liebe vielleicht sogar mein Lieblingsgenre, ich liebe die konkreten Hörspiele am meisten, also Hörspiele, in denen einfach ganz realistische Szenen vorkommen, ich sage manchmal, der Laie könnte sich denken die haben einfach ein Mikrophon hingestellt und dann wurde das aufgenommen, und das wars dann, daß es so nicht ist in Wirklichkeit ist ja klar aber es soll hinterher so klingen, als wäre es einfach nur eine Beobachtung mit dem Mikrophon und alles ist so passiert wie mans hört. Clute: Das war von Anfang natürlich an eine Schwierigkeit oder ein spezieller Anreiz auch für die Produktion, die Krimis um Prof. van Dusen sind alle historisch, das heißt die Produktion ist natürlich gehalten, sich was das drumherum angeht auch an diese Zeit zu halten, es geht natürlich nicht, daß wir jetzt irgendwelche Straßengeräusche haben, wo also beispielsweise ein Flugzeug über die Straße hinwegfliegt, das wäre anachronistisch, und da sind wir natürlich gehalten, genau zu sein, bei Eisenbahnfahrten wird natürlich Prof. van Dusen nicht im TEE durch die Lande donnern, sondern eben in der guten alten Dampflok allenfalls, und das war nun immer ein großer Anspruch. Krause: Das ist eben der Vorteil bei den Hörspielen um diese Serie, daß ich die Augen schließen kann und ich bin dabei, ich bin mit Professor van Dusen auf Reisen. 1001 Nacht, das war das Stichwort, das Abenteuer, das vor uns lag, glitzerte tatsächlich wie ein buntes orientalisches Märchen und es war so fantastisch, daß ich es nicht glauben würde, wenn ich es nicht selber erlebt und mit eigenen Augen gesehen hätte. Wir stiegen das Fallreep herunter oder wie die Treppe am Schiff heißt und als wir die Füße auf festen Boden setzten, legte die Musik noch einen Zahn zu, jetzt fühlten wir uns doch ein bißchen genervt, und wollten gerade das weite suchen, bzw ein Rischka, als ein umfangreicher vollbärtiger Inder in Turban und rotem Seidengewand die Hand hob, die Musik brach ab... (Prof. v.D. u.d. Schatz des M.) Clute: Bis zum vorletzten Krimi sind alle Krimis an einem einzigen Tag aufgenommen worden, alle Szenen zumindest, in seltenen Fällen ist Klaus Herm an einem anderen Tag noch mal gekommen, um den Erzähler aufzunehmen, was sich sehr ausgeweitet hat im Laufe der Geschichte dieser Krimireihe sind die Mischungen, die sehr viel komplizierter geworden. Rauer: Wir sind eigentlich der Akribie des Autors im realistischen, manchmal sogar naturalistischen erzählen gefolgt, sowohl bei der Besetzung als auch bei der Musik als auch eben im Geräusch, so daß das Geräusch und die Atmosphären im Grunde sogar eine eigene Rolle gekriegt haben im Laufe der Zeit, und das war auch mal so ein Fall, bei dem spielte eine wichtige Rolle der Transport von kravonischen Hirschkäfern in einer Botanisiertrommel und in einer Szene oder bei einem Verschwinden mußten diese Hirschkäfer davonfliegen, und wie um Gottes Willen soll ich nun an das Geräusch von einem Flügelschlag von Hirschkäfern rankommen, das war ganz klar, daß es im Archiv nicht irgendwie unter 532 im Regal stehen würde, und eins wo ich mir am meisten vorstellen konnte, das habe ich dann auch mit ins Studio gebracht und das haben wir dann auch tatsächlich für diese Käfer verwendet, das war das Schnabelklappern eines Klapperstorches, der hat dann unsere Hirschkäferflügel abgegeben und es hat auch kein Mensch nachher gemerkt, daß das ein klappernder Klapperstorch war, sondern das klang in dem Moment, weil es szenisch so angedeutet angesprochen war, klang es so wie wegfliegende Hirschkäfer. Clute: Und das war dann auch ein Verdienst von Silvia Rauer, daß sie zum Beispiel immer wieder Gelegenheit genommen hat, solche Geräusche zu archivieren in ihr sog. van Dusen Privatarchiv, und aus ihrem unendlich großen Karton immer wieder zur rechten Zeit die richtigen Geräusche herausgeholt, die wir sonst mühsam hätten herstellen müßten, auch das war sicherlich sehr hilfreich für die Produktion. Clute: Van Dusen ist eine Legende geworden, innerhalb der Zeit, die er im Medium Rundfunk verbracht hat, in den 20 Jahren, und es schmeckt mir natürlich sehr und ich fühle mich geehrt auch, daß ich an dieser Legende einen vielleicht nicht unwesentlichen Anteil habe, aber eine Legende ist ja nicht etwas, was man herstellt, auch nicht etwas was man selbst definiert, ich denke eine Legende definiert sich durch die Rezipienten, und uns ist in der jetzt schon mehrfach erwähnten 24er Staffel, das heißt den ersten 24 Folgen bis zum Tod van Dusens beim Erdbeben in San Francisco 1906, nicht bewußt gewesen, daß wir eine Legende produzieren, wir haben auch nicht das Gefühl gehabt. Hickethier: Und daß sich dann herausstellte, es gibt sogar einen Fanclub, daß da also Eigeninitiativen, nicht eben von unserem Funkhaus, damals noch RIAS, heute Deutschlandradio Berlin, initiiert wird, sondern daß die Hörer einen dazu zwingen das fortzusetzen, das war natürlich eine ganz besondere Freude, weiterhin solche Aufnahmen machen zu können, wenn man weiß, da gibt es welche, die warten schon auf die nächste Folge, dann macht es noch mehr Spaß. Krause: Man war natürlich neugierig, gibt es auch andere, man selber war ja van Dusen Hörer, aber gibt es andere Hörer, mit denen man sich austauschen kann, die auch so akribisch sammeln, und Bescheid wissen, und dann gab es die 2. öffentliche Veranstaltung, damals noch vom RIAS Berlin, dort haben sich einige van Dusen Hörer abgestimmt, sich zu einer späteren Zeitpunkt noch einmal zu treffen und dieses Treffen hat dann auch stattgefunden und der erste van Dusen Fanclub wurde gegründet. Görgner: Freut mich auch, daß es so eine riesen Fangemeinde hat und daß es halt so einfach 20 Jahre, das ist schon für die Rundfunkgeschichte eine ziemlich lange Zeit, aber ich glaube das liegt auch an der Kontinuität einfach, weil der Michael Koser da immer ganz genauso weiter geschrieben hat und weil die Machtart dann doch immer irgendwo immer ein bißchen gleich geblieben ist. Koser: Ein paar Fehler sind auch drin, muß ich ja zugeben, wenn auch nicht alles, was die Fans da moniert haben, tatsächlich Fehler sind, da haben sie sich auch mal geirrt, die Fans haben sich ja überhaupt zum Teil eine furchtbare Arbeit gemacht, es gibt mehrere van Dusen Kompendien, die die Fans zusammengestellt haben, wo sie zu jedem Fall ganz haarklein und akribisch alle historischen, geografischen Fakten, die darin vorkommen, aufgelistet haben, Längen- und Breitengrade, wo die Geschichte spielt, die historischen Figuren, die drin vorkommen erläutert haben, mit lexikalischer Hilfe. Das find ich schon toll. Krause: Wir haben uns da eine ganze Menge Mühe gegeben um diese Serie von Michael Koser. Möller: Wir wollen ja eigentlich jetzt den van Dusen Fanclub in einen sog. Koser Fanclub umdirigieren, weil wir denken wir möchten eigentlich alle Aktivitäten, die Herr Koser so in seiner Vergangenheit und in seiner Zukunft beschreitet, möchten wir eigentlich begleiten, er hat sich also uns gegenüber immer als ein sehr fairer und vor allem williger Partner gezeigt und ich denk auch welcher Autor hat so einen Fanclub. Krause: Ich denke, er weiß auch, was er an uns hat. Hickethier: Ich glaube so eine Reihe muß irgendwann mal aufhören und wenn man sagt man hört am besten dann auf wenn es am schönsten ist, ist es sozusagen richtig aufzuhören, daß die Einfälle wirklich zuende sind, oder daß die Lust wirklich zu Ende ist, das glaube ich nicht. Möller: Unser Ziel haben wir nicht erreicht, das Ziel war eigentlich 80 Folgen in 20 Jahre, denn damit wären wir einem Eintrag ins Guinness Buch der Rekorde nicht vorbeigekommen, der wäre uns dann sicher gewesen, nun müssen wir mal schauen, was noch wird. Koser: Ja das ist ein ganzer Sack voller Gefühle, voller gemischter Gefühle, eine gewisse Erleichterung gehört dazu, daß ich die beiden, und speziell natürlich den Professor tatsächlich los bin, auch bedauern natürlich, vorallendingen wenn ich jetzt eine schöne Idee habe für einen Fall und die kommen auch jetzt noch, die nur van Dusen lösen kann und sonst niemand auf der ganzen Welt und ich hab ihn nicht mehr und tatsächlich ja tatsächlich fehlt er mir doch, fehlen sie mir beide ein bißchen. Herm: Ja wohlwissend daß alles irgendwann ein Ende hat, ne, ist es ja traurig, ist übertrieben, es ist schon ein kleiner Verlust ist es, würde ich sagen, es war diese ganzen Jahre durch irgendwo eine feste Größe, aber alles geht zu ende, nicht, das ist klar, ich bin froh und ich bin auch letztenendes dankbar, daß man sowas langes wieder durchziehen konnte. Leitner: Also ich denk, die Spannung hat schon nachgelassen, es ist nicht mehr so, daß ich jetzt nun 5,6,7,8 neue Folgen im Jahr brauch. Möller: Ich hätte es gut gefunden, wenn es noch mehr gegeben hätte. Hickethier: Eigentlich könnte man sich nur wünschen, daß wenn nun wirklich die aller letzte van Dusen Sendung kommt, daß es vielleicht eine neue gibt, mit einer anderen Figur, die ähnlich erfolgreich und ähnlich langlebig ist, die sich wieder neu etabliert. Clute: Autoren können ja sowieso nicht aufhören zu schreiben, das ist ja ein großes Problem für Autoren und wenn sie dann immer noch auf der Höhe ihrer Kunst bleiben, dann ist es ja um so besser und ich glaub der Michael Koser ist einer, da muß man den Bleistift extra noch totschlagen, wenn der mal gestorben sein sollte, was wahrscheinlich in den nächsten 50 Jahren nicht passiert, hoffe ich jedenfalls, und dann erst hört das auf, was da aus dem Mann rauskommt, also es wird schwierig sein, den abzuhalten, irgendwelche Dinge zu verfassen, die interessant und gut sind. Drews: Das hat der Koser sich ja immer sehr hübsch ausgedacht, das muß ich sagen, es ist eigentlich schade, daß er nun aufhört. Herm: Das ist besonders, über 20 Jahre, glaube ich, ist es noch nie gewesen, also gibt es auch nicht, ich will es nicht beschwören oder so, aber ich glaube das ist einmalig, das glaub ich schon. Bauschulte: Ja van Dusen, das wars. Herm: Und damit wollen wir schließen oder wie. Bauschulte: Ein Leben für den Rundfunk oder ein stück vom Leben für den Rundfunk Hatch: Prost Professor. Prof. van Dusen: Prosit, mein lieber Hatch. Interview mit Michael Koser, Deutschlandfunk, 28.01.2006 (Lange Nacht über die Geschichte des RIAS): Horst Wendt: Hörspielproduktionen spielen seit Jahrzehnten eine große Rolle, der RIAS hatte sehr viele Preise dafür erhalten. Und eines der berühmtesten Hörspiele hat den etwas barocken Titel „Prof. Dr. Dr. van Dusen“, genannt die Denkmaschine. Autor: Michael Koser. Wir haben ihn am Telefon. Guten Abend, Herr Koser. Michael Koser: Guten Abend. Horst Wendt: Ich grüße Sie. Hatte diese Sendereihe, also"Dr. Dr. van Dusen", ein literarisches Vorbild? Michael Koser: Sie hatte tatsächlich ein literarisches Vorbild, nämlich eine Figur, die von einem amerikanischen Autor um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert erfunden wurde. Die ganze Geschichte fing damit an, daß ich ein paar Geschichten von diesem Jacques Futrelle, so hieß er, bearbeitet habe, für den RIAS, und sollte eigentlich gar keine Erweiterung haben, aber die hatte es denn, weil die Hörer sich an dieser Figur sehr interessiert zeigten. Es gab keine Geschichten mehr von Futrelle die für die Funkbearbeitung geeignet waren und so hab ich mich also hingesetzt und eigene Geschichten geschrieben und insgesamt wurden es dann glaub ich, 77 Stück. Horst Wendt: Was ist nun eigentlich der Anlaß und der Inhalt dieser Sendereihe, ist das mehr eine Persiflage auf historische Detektivberühmtheiten, auf Geschichten, der Titel läßt das ja fast vermuten. Michael Koser: Es balanciert so ein bißchen zwischen der Persiflage oder der Parodie auf den klassischen Detektiv, der alles kann und alles weiß, und echten Krimigeschichten, damit die Spannung nicht verloren geht. Horst Wendt: Und wie ist der Erfolg zu erklären, was denken Sie? Michael Koser: Das… das erste ist mit Sicherheit so diese Seriengeschichte. Da ist eine Figur, zwei Figuren, denn der große Detektiv hat seinen Schlappenschamis immer bei sich, den Reporter Hatch, der von nichts ne Ahnung hat, und diese Figuren werden den Hörern dann nach einiger Zeit sehr vertraut. Außerdem muß, denke ich, die Machart auch den Leuten gefallen haben. Horst Wendt: Wie würden Sie die charakterisieren? Michael Koser: Ja, nicht so ganz ernst, immer mit etwas Ironie, und manchmal auch mit doppeltem Boden. Horst Wendt: Schreiben Sie noch? Michael Koser: Ja. Horst Wendt: Weiter an dieser Reihe? Michael Koser: Äh, indirekt ja, denn, äh, aus Prof. van Dusen ist inzwischen eine Comicreihe geworden, und da habe ich dann einiges zu tun, denn man kann natürlich Hörspiele nicht 1:1 in ein ganz neues Medium übersetzen, das heißt also, ich muß die Texte neu durchgehen, mit dem Zeichner besprechen, und das ist einiges Interessante. Horst Wendt: Nun sind Sie ja seit Jahrzehnten ein sehr renommierter Hörspielautor, haben Sie den Eindruck, daß für das Hörspiel nach wie vor sehr großes Interesse besteht, und vielleicht auch gar wächst? Michael Koser: Hörspiel ist so eine Art Kult, denke ich, und insofern kann es sich auch gut behaupten. Radiobericht über Michael Koser, Deutschlandradio Kultur, 21.10.2010 (youtube.com/watch?v=ojvAdewmItk): Sprecher: So, wir kommen zu den Hörspielmachern und unter diesen ist der Bremer Autor Michael Koser einer der Altstars. 150 Hörspiele hat er für verschiedene öffentlich-rechtliche Hörfunksender geschrieben, Jonas der letzte Detektiv, Cocktail für Zwei, und die sog. Generation der Kassettenkinder, die ist mit seinen unterhaltsamen Krimis abends eingeschlafen und hat dabei auch noch viel gelernt über Geschichte, Geografie, Physik und Chemie, und jetzt wird seine erfolgreichste und längste Radiokrimireihe Prof. Dr Dr Dr Augustus van Dusen neu aufgelegt, und Lars Rosentreter bringt uns nun diese Serie nahe, eine historische Hörspielgröße. Van Dusen: Um mich her sehe ich nur verständnislose Gesichter, mit einer Ausnahme, der Mörder versteht mich aufs Wort. Sprecher: Der Mörder ist Michael Koser, Jahrgang 1938, er lebt in Bremen, die Tatwaffe: Kugelschreiber, Papier und Schreibmaschine, das Opfer ist Prof. Dr. Dr. Dr. Augustus van Dusen, Kosers Lebenswerk. Koser: Der hat schon einen großen und erheblichen Teil meines Lebens bestimmt und er hat auch in dieser Zeit und auch jetzt noch dafür gesorgt, daß auf den Brötchen immer Butter ist. Sprecher: Zu Kosers Profil läßt sich so viel sagen: Er hat nie in seinen Hörspielen gesprochen, anders als Hitchcock in seinen Filmen, er schreibt heute Kinderbücher und textet für Comics, er trinkt Wasser zum Interview, sammelt Hüte und hat ein Haus voller Bücher. Das sollte reichen. Koser: Ich bin eher zurückhaltend und ich habe auch nie viel Wind um mich gemacht. Sprecher: Ganz anders als seine selbstgefällige Figur van Dusen, seit 1978 spielt er bei Koser die Hauptrolle. Die Denkmaschine, für die nichts unmöglich ist. Van Dusen: Sie meinen, ob ich mich allein durch die Kraft meines Geistes aus einem Gefängnis befreien kann, selbstverständlich mein Guter. Sprecher: Der amerikanische Schriftsteller Jacques Futrelle, der 1912 beim Untergang der Titanic starb, hat sich den Professor ausgedacht. Rücksprung. Van Dusen: Einige dunkle Punkte, die ihnen eigentlich ins Auge springen sollten, harren nämlich noch der Aufklärung. Sprecher: 1961 wohnt Michael Koser am Prenzlauer Berg in Berlin, er studiert Geschichte und erlebt sie plötzlich selber mit. Koser: Ich saß also im Osten und meine Uni war im Westen, das war kein guter Zustand und deswegen bin ich mit Hilfe von Freunden über die Mauer und nach West-berlin gegangen, weil mir klar war, das wird eine Geschichte, die lange dauern wird. Sprecher: Schon während des Studiums arbeitet Koser als Radioautor, erst für den Schulfunk, dann Feature. 1973 erhält er den renommierten Kurt Magnus Preis. Meine Damen, meine Herren, hochverehrtes Publikum. Vor ihrem Ohr und ihrem Geiste wird sich nunmehr entrollen: Ein weltgeschichtliches Spektakel. Koser: Es hieß das neue Hörspiel, und war sehr beliebt, nicht bei den Hörern aber bei den Machern und dann war mir das doch ein bißchen zu windig. Sprecher: Michael Koser sammelt alte Krimis, auf Entdeckungstour durch Berliner Trödelläden findet er die van Dusen Geschichte von Jacques Futrelle, er schreibt sie als Hörspiel um. Crippen: Ja wer ist denn nun der Gaslichtmörder. Van Dusen: Da sie es nicht sind, Mr. Crippen, bleibt nur noch einer übrig. Achtung Caruso, er will zur Tür. Caruso: Keine Sorge, Prof. an mir kommt er nicht vorbei. Sprecher: 77 Folgen sind es geworden, alle spielen um 1900, historisch korrekt recherchiert bis ins kleinste Detail. Hatch: Ja moment ich muß erst den Satz zuende schreiben. Sprecher: Vor 10 Jahren, mit 62, macht Koser dann Schluß mit van Dusen. Van Dusen: Er hat mich unterschätzt, und das, meine Herren, brach ihm buchstäblich das Genick. Sprecher: Im Internet leben Kosers Figuren weiter, die Fans schreiben Kompendien über Plots, Sprecher, Musik. Prof. van Dusen ist ein Widergänger, was zum anfangs erwähnten Mord zurückführt. Ja die Denkmaschine starb, durch die Hand von Koser, nicht in der letzten Folge, sehr viel früher. Koser: Wir wußten überhaupt nicht genau, wie kommt die ganze Geschichte an, und daraufhin habe ich, auch damit ich das nun endlich mal weiß hab ich ihn umgebracht. Sprecher: Es hagelte Protest, also mußte Koser weitere Fälle aus dem Hut zaubern. Jetzt da die Serie wieder aufgelegt wurde, können neue Hörer in den Van Dusen Kosmos vordringen. Sprecher: Und wenn sie Lust haben mit vorzudringen in diesen Kosmos von Prof Dr. Dr. Dr. Augustus van Dusen, morgen den 22. Oktober erscheinen die ersten 4 Fälle bei Folgenreich Highscore Music, also zugreifen. Gespräch mit Michael Koser anläßlich seines 65. Geburtstags (24.04.2003): Held einer vergangenen Welt ... oder warum Augustus van Dusen Kult ist von Ulrich Griebel (MDR-Kultur - Triangel 4/2003, das Kulturmagazin von MDR FIGARO) Professor Dr. Dr. Dr. Augustus van Dusen ist ein Universalgenie. Nicht nur, daß er einer der größten Wissenschaftler seiner Zeit ist - seine Zeit, das ist die um 1900 - er ist auch ein berühmter Detektiv und gehört in eine Reihe mit Sherlock Holmes, Hercule Poirot oder Lord Peter Wimsey. Seine universellen Kenntnisse in den Naturwissenschaften - außer Physik, Biologie, Chemie hat er auch sämtliche Bereiche der Humanmedizin studiert, kennt sich in Geologie, Archäologie, Ägyptologie sehr gut aus - wendet er gezielt zur Klärung der unterschiedlichsten Kriminalfälle an. Wobei der die Bezeichnung „Detektiv“ als zu profan ablehnt und sich lieber “Kriminologe, Amateurkriminologe“ nennt. Er ist die Titelfigur in der Kriminalhörspiel-Reihe von Michael Koser, die im „Krimi zur guten Nacht“ bei MDR KULTUR einmal im Monat, meist am letzten Sonntag, zu hören ist. Am 24. April feiert Michael Koser seinen 65. Geburtstag. Bis zu seinem 23. Lebensjahr war er DDR-Bürger, lebte ab 1961 in Westberlin, nun seit vielen Jahren in Wilhelmshaven. Studiert hat Koser Geschichte, Germanistik und Politische Wissenschaften, danach begann er zu schreiben. Neben der van-Dusen-Reihe haben ihn vor allem die Hörspielserien „Der letzte Detektiv“ und „Cocktail für Zwei“ bekannt gemacht. Aus Anlass seines Geburtstages führte Ulrich Griebel das folgende Gespräch mit ihm. Griebel: Herr Koser, die van-Dusen-Hörspiele spielen um 1900. Historische Krimis sind ja relativ selten, wie sind Sie darauf gekommen, gerade solche Krimis zu schreiben? Und war die Idee für die Serie gleich da? Koser: Ich muss ein bisschen ausholen. Ich habe mich immer für Krimis interessiert, habe alte Krimis gesammelt, nicht nur Conan Doyle, sondern auch unbekanntere Autoren, und hatte auf einmal in den siebziger Jahren die Idee, aus dieser Sammlung irgendetwas Radiomäßiges zu machen, weil ich ja beim Radio gearbeitet habe. Ich suchte ein paar alte Krimigeschichten aus, die mir gut gefielen, und habe dann dem RIAS Berlin angeboten, aus diesen Geschichten Krimi-Hörspiele zu machen. Eine dieser Geschichten ging um Professor van Dusen. Professor van Dusen ist ja nicht auf meinem eigenen Mist gewachsen, sondern der ist Produkt des amerikanischen Autors Jacques Futrelle. Und ich habe eine van-Dusen-Geschichte zu einem Krimi-Hörspiel verarbeitet, ziemlich frei. Ich war nie ein guter Bearbeiter. Und ich habe nie die Sachen genau übernommen, sondern habe das dann so gemacht, wie ich das für gut und für richtig hielt. Und diese eine Geschichte kam sehr gut an. Und daraufhin habe ich dann weitere van-Dusen-Geschichten bearbeitet, insgesamt fünf, die von Futrelle geschrieben wurden. Dann gingen die Geschichten aus. Futrelle hat zwar eine ganze Menge Geschichten geschrieben, aber die allermeisten sind entweder generell nicht gut oder nicht gut audiomäßig umzusetzen. Und dann habe ich angefangen, mit der Figur, die ja nun schon mal da war, zu spielen und ihr eigene Geschichten zu schreiben. Und auf einmal hatten wir eine Hörspiel-Reihe, ohne daß das irgendwie von Anfang an jemand wollte oder geplant hatte. Griebel: Aber es fällt ja auf, daß jede einzelne Folge sich ganz konkret an einem ganz gestimmten Handlungstag oder an zwei Tagen abspielt und das Bezug genommen wird auf frühere Folgen. Das heißt, man hat den Eindruck, sie sind in chronologischer Reihenfolge geschrieben worden. Das ist offenbar aber nicht der Fall. Koser: Es war so: Die ersten 24 Folgen sind chronologisch geschrieben und hintereinander produziert und gesendet worden. Mit der 24. Folge starb Prof. van Dusen in San Francisco 1906 beim Erdbeben. Er versank in die Erde, und seine letzten Worte waren: „2 + 2 ist 4“. Und das war ein so schöner Tod, daß ich den nicht wieder rückgängig machen wollte. Diese 24. Folge war überhaupt als Testfolge gedacht. Nicht nur ich, auch der Sender, die Redakteurin, der Regisseur, wir wussten nicht so gut, wie die ganze Geschichte überhaupt ankommt. Sie war damals ungefähr drei Jahre gelaufen. Und daraufhin hatte ich die Idee, die mein großer Kollege Conan Doyle ja auch schon mal hatte, den Helden einfach umzubringen. Und ich wollte sehen und hören, ob es darauf irgendwelche Reaktionen bei den Hörern gibt. Ich dachte, wenn die Serie bisher gut angekommen ist, dann müssen sie sich melden und müssen sich irgendwie dazu äußern. Das taten sie dann wie wir es nie geglaubt und für möglich gehalten hatten. Und der Haupttenor war: „So geht das nicht! Die Serie darf nicht aufhören, sie muss weiter laufen. Und da nun aber van Dusen tot war, blieb mir nichts anderes übrig, als ihm neue Geschichten zu schreiben, die zeitlich vorher passiert sind. Das war ziemlich eng, denn der erste Fall, der auch so betitelt ist, „Professor van Dusens erster Fall“, spielte 1898, und der letzte Fall, der Tod von Dusens, wie gesagt 1906. Es waren also acht Jahre. Und da dacht ich, gut, dann machen wir noch ein paar Folgen, die kriegen wir noch irgendwo reingequetscht in diese Zeitspanne. Ja, und dann wurden es noch 53 Folgen, die alle in dieser eng umgrenzten Zeit spielen. Deswegen - nicht nur, weil der Professor so ein kluger Mensch ist, sondern auch, weil ich zeitlich etwas unter Druck war - muss er seine Fälle immer ganz furchtbar schnell lösen. Meist schafft er es ja in ein bis zwei Tagen, dann ist die Sache ausgestanden, und er kann sich wieder anderen Dingen widmen, vor allen Dingen seiner atomarem Strukturtheorie, an der er immerzu herumknabbelt. Ich weiß übrigens selbst nicht, was das ist. Ich bin schon von den Hörern gefragt worden, worum es da geht. Ich kann immer nur auf den Professor selber verweisen. Griebel: Eine immer wieder interessierende und irritierende Frage: Was ist nun eigentlich an den wissenschaftlichen, kriminologischen, kriminaltechnischen und naturwissenschaftlichen Problemen und Lösungswegen, die er da benutzt, fiktiv, und was ist real? Koser: Also normalerweise sind die wissenschaftlichen und vor allem die kriminologischen Dinge, die vorkommen, real, Das heißt, sie beziehen sich auf tatsächlich wissenschaftliche Dinge, die zu dieser Zeit gerade im Schwange waren bzw. erfunden wurden. Manchmal eilt der Professor ein bisschen voraus, so daß er schon den Computer erfindet, allerdings ohne es praktisch zu demonstrieren. Das ist ein Gag. Aber gerade die Kriminaltechnik, die darin vorkommt, beruht auf Tatsachen. Da habe ich also dann wirklich dicke Bücher gewälzt, damit das alles stimmt. Ein paar Fehler sind mir auch unterlaufen, naturwissenschaftliche Fehler. Ich bin selbst kein Naturwissenschaftler und schwimme eigentlich immer doch ziemlich herum und muss dann Fachleute fragen oder Bücher konsultieren. Und da kann es natürlich schon einmal passieren, daß die eine oder andere Sache daneben geht. Darauf haben mich die Hörer aber dann immer sofort aufmerksam gemacht. Griebel: Die Sprache in der Van-Dusen-Serie ist anders als in anderen Krimis. Nun gut, die Handlung spielt nun fast schon eine oder zwei Generationen vor uns. Es ist der Versuch, die Sprache der damaligen Zeit einzufangen. Aber wo kriegt man die Sprache der Zeit her? Selbst wenn sie denn so gewesen wäre, was ich gar nicht glaube, sondern ich glaube, daß das auch eine Kunstebene ist. Koser: Ganz sicher. Griebel: Aber woher haben Sie den Grundtenor, den Grundton für die Sprache in den van-Dusen-Krimis? Koser: Nun, ein bisschen aus alten Krimis, Krimis die so am Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts geschrieben wurden, wo die Detektive so etwas waren wie Supermänner und immer vom hohen Thron herab ihre Erkenntnis preisgaben. Da kommt das ein bisschen her, am Anfang jedenfalls. Auch der Prof. van Dusen bei Futrelle drückt sich etwas gestelzt aus. Aber das hat sich nachher selbständig gemacht. Und das liegt auch an Friedrich W. Bauschulte, der ihn spielt, ich habe mir immer ihn vorgestellt und habe ihm dann diese Sachen in den Mund geschrieben. Es ist dann einfach auch für mich ein Spaß geworden. Und die Sprache ist ja im Lauf der Folgen, glaube ich, immer elaborierter und gestelzter und künstlicher geworden. Ich hätte von Anfang an gedacht, daß die Hörer das gar nicht so gerne haben, aber gerade diese Sprache - das habe ich gemerkt - kommt gut an. Im Gegensatz dazu habe ich natürlich den Hutchinson Hatch gesetzt, der ja ein wenig anachronistisch ist. Also der spricht nun gar nicht die Sprache des beginnenden 20. Jahrhunderts, der Belle Époque, sondern er spricht eigentlich die Sprache von heute. Das sollte er auch ganz bewusst, damit der Professor so ein Gegengewicht bekommt, damit das nicht nur alles mit Fremdworten und furchtbar langen und komplizierten Sätzen gespickt ist - absolut rundfunkungeeignet, hätte man früher wahrscheinlich gesagt. Hatch ist an sich meine Lieblingsfigur. Prof. van Dusen habe ich nie leiden können. Und auch im Lauf der Jahre habe ich mich eigentlich nie richtig führ ihn erwärmen könne. Er ist so künstlich, und er ist so kalt und so weit weg und so distanziert. Also ich habe einfach keine Begeisterung für ihn entwickeln können. Dagegen Hatch ist ein Mensch wie du und ich. Er darf auch Angst haben. Er darf Hunger haben. Er darf sich beschweren. Er darf eigentlich ganz normal reagieren. Aber wenn Hatch alleine da wäre, wäre es natürlich keine Geschichte. Griebel: Wie sehen Sie die Umsetzung Ihrer Manuskripte durch die Regie, die Schauspieler, den Einsatz von Musik und Geräuschen? Koser: Was die Regie angeht, Rainer Clute war ja von Anfang an dabei - mit einer Ausnahme: Der erste van Dusen, der überhaupt produziert wurde, wurde von einem anderen Regisseur gemacht. Dann hat Rainer Clute übernommen und ist die ganze Zeit dabei geblieben. Und ich war eigentlich immer seht angetan von seiner Umsetzung. Daß er die ja auch etwas altmodischen Geschichten auch in einer altmodischen - im positiven Sinne - Verpackung serviert hat, daß er sich Zeit gelassen hat, den Schauspielern Zeit gelassen hat, daß er sehr viel Musik verwendet hat, sehr besondere Musik, was ja so eine Art Markenzeichen für ihn war. Also es gibt wenig Dinge, die ich auszusetzen habe. Wir haben uns, glaube ich, nie gestritten in dieser ganzen Zeit der Zusammenarbeit, hatten manchmal natürlich Meinungsverschiedenheiten. Wir haben alle Manuskripte besprochen, vor der Produktion gemeinsam besprochen, und auch die Besetzung. Ich habe mitgeredet, auch wenn das natürlich in erster Linie seine Sache war. Und ich fand, daß Rainer Clute ein Glücksfall für die ganze Reihe ist. Und van Dusen wäre nicht das, was er ist, wenn es diesen Regisseur nicht gegeben hätte. Griebel: Die vielen Fälle, die Prof. Van Dusen zu lösen hat, sind von ganz unterschiedlicher Machart. Die sind mal logisch-kriminalistisch aufgebaut, mal sind sie mehr abenteuerlich angelegt. Aber was die Kreuzworträtselfälle betrifft, die also dem Hörer die Möglichkeit des Mitdenkens und des Mitkombinierens geben - Sie sind so aufgebaut, daß man auch wirklich drauf kommen könnte. Wollten Sie, daß der Hörer mitgehen kann, bestimmte Schritte mitvollziehen kann und vielleicht auch dem Professor schon mal - obwohl er ja der berühmteste Amateurkriminologe der Welt ist - ein bisschen vorauseilen kann? Koser: Es gehört eigentlich zu den Spielregeln des klassischen Krimis, daß man dem Leser/Hörer nichts verschweigen darf. Also man darf, man kann ihn zwar auf eine falsche Fährte locken. Aber man muss ihm alle Fakten liefern, die auch der Detektiv hat. Und ich habe mich bemüht, das auch zu tun. Ich glaube, nicht in allen Fällen, manchmal habe ich ein wenig unterdrückt oder verheimlicht. Ich hoffe allerdings, daß niemand dem Professor so auf die Schliche gekommen ist, daß er vor ihm die Sache herausgekriegt hat. Im Grunde soll der Hörer sich zwischen dem Professor und Hatch befinden. Hatch ist ja ein netter Dussel. Also er kriegt so gut wie nie was raus und steht immer hilflos da, wenn der Professor irgendwo kryptisch irgendwas äußert. Und ich habe immer gehofft, daß der Hörer zwar dann besser ist als Hatch und schon so ein bisschen sieht, wo der Hase hinläuft, aber die genauen Dinge, die Einzelheiten, die Details, die Spuren und wie sie von wem gelegt wurden, dann doch als Überraschung erfährt. Mitarbeiten gerne, aber bitte nicht rauskriegen. Griebel: Mich interessiert die Rolle von Satire und Ironie in den Stücken. Ist das von vornherein der Blickwinkel gewesen, unter dem Sie die Figuren gesehen haben, unter dem Sie die Geschichten gesehen haben? Oder ist das sukzessive im Laufe der Folgen hinzugekommen? Koser: Das war von Anfang an da, auch beim Professor. Van Dusen bei Futrelle ist eine Figur, die der Autor tatsächlich ernst genommen hat. Er ist tatsächlich ein großer Wissenschaftler. Und ich habe ihn von Anfang an ein bisschen überzogen. Also es kommen parodistische Züge hinein. Allerdings habe ich mich bemüht, zu balancieren - das ist ganz schwer - einerseits zwischen dem Parodistischen und andererseits zwischen dem wirklichen Krimi. Also eine Parodie alleine ist nicht spannend, kann gar nicht spannend sein. Ein Krimi muss es sein. Aber die Umstände, die Figuren sind überzogen. Satire kommt auch hinein, „Dr. Tschu Man Fu“ ist eine antikolonialistische Satire. Das kommt immer wieder, habe ich jetzt gemerkt beim Weiterlesen, hatte ich gar nicht so beabsichtigt, war aber tatsächlich so. Also es kommen halt auch mal gesellschaftskritische Dinge rein. Im Grunde sollten die Geschichten für alles offen sein. Ich habe mich bemüht, sehr viele Mythen der Trivialliteratur - und ich habe mich damit immer beschäftigt, auch wissenschaftlich - in die van-Dusen-Reihe einzubauen, aber nicht ernst und gewichtig daherschreitend, sonder eben locker, ironisch, satirisch, parodistisch, ohne daß die Geschichte, der Krimi, der Plot darunter leidet. Griebel: Häufig ist es ja so, daß Hörspielleute, Radioleute insgesamt, wenig über die Wirkung ihrer Arbeit erfahren. Das wird über den Sender ausgestrahlt und ist weg. Mal gibt es Umfragen, aber relativ selten. Was wissen Sie über die Wirkung der van-Dusen-Serie? Wenn man heutzutage, da die Serie eigentlich abgeschlossen ist und nur noch in einigen Sendern wie bei uns in der Wiederholung läuft, ins Internet guckt, findet man eine Menge. Auf das Stichwort van Dusen wirft die Suchmaschine sehr viele Seiten aus. Das bedeutet, irgendwie lebt die Serie noch. Und es muss Fans geben, die sich weiter damit beschäftigen und sogar Arbeit in solche Internet-Auftritte stecken. Allgemein gefragt, was wissen Sie über die Wirkung zu den Zeiten, als die Serie noch in Arbeit war, und über die Wirkung heute? Koser: Es gab damals öffentliche Veranstaltungen, im großen Sendestudio des RIAS, das immer knüppeldicke voll war. Vorher hatte das auch keiner so richtig erwartet. Was kommt beim Hörspiel denn schon groß zusammen, aber es kamen Hunderte von Leuten. Dann wurde tatsächlich - und das hat es, glaube ich, beim Rundfunk, beim Hörspiel noch nie gegeben - ein Fan-Club gegründet, den es immer noch gibt, der im Internet sehr aktiv ist. Es gab Telefonate, es gab Post. Jetzt gibt es hauptsächlich E-Mails. Es gibt eine eigene van-Dusen-Website. Dann haben Fans, ohne mich vorher zu fragen, auch unter meinem Namen eine Website eingerichtet. Auch habe das dann hinterher sanktioniert. Das war schon in Ordnung. Es gab und gibt also erstaunlich viele Reaktionen. Der Seriencharakter hängt sicher damit zusammen. Auf ein einzelnes Hörspiel würde man so einen Response nicht kriegen, auch nicht erwarten können. Viele Fans haben mir gesagt, geschrieben, daß sie van Dusen als Lebenshilfe sehen, daß, wenn van Dusen sagt „Nichts ist unmöglich“, daß das für sie dann auch die Maxime ihres Handelns wurde. So habe ich das nie gedacht, an sich ist dieser Spruch natürlich rein überzogen. Oder sie sagen, sie hätten unglaublich viel gelernt über Geschichte und Geographie, weil ja diese Dinge immerzu eine Rolle spielen. Sie hätten dann nachgeschlagen. In van-Dusen-Kompendien, die man im Internet nachlesen und sich runterladen kann, ist dann jede einzelne Geschichte genau darauf untersucht worden, wo sie spielt, wann sie spielt, welche historischen Figuren darin vorkommen usw. usf. - eine Arbeit, die ich ganz erstaunlich finde, die das weit überschreitet, was ich vor diesen Sendungen gemacht habe, obwohl ich nun auch als Historiker anständig recherchiert habe, bevor ich irgendwas geschrieben habe. Griebel: Würden Sie sagen, van Dusen ist unter den Krimis noch mal eine besondere Kategorie, was die Wirkung betrifft? Koser: Ich glaube, daß es im modernen Rundfunk, also im Rundfunk noch dem 2. Weltkrieg, keine Reihe von 77 Folgen gegeben hat von jeweils einer Stunde oder einer knappen Stunde, die sich über einen so langen Zeitraum halten konnten. Das wäre nicht möglich gewesen, wenn es eben nicht diese Hörerbegeisterung gegeben hätte und immer noch gäbe. Ich weiß, daß Deutschland-Radio immer noch von den Fans betrommelt wird, van Dusen fortzusetzen oder doch wenigstens zu wiederholen. Griebel: Und daß es ein großes Bedürfnis gibt, Folgen, die die Fans nicht mitschneiden konnten, als sie gesendet wurden, nun irgendwie veröffentlicht zu sehen auf käuflichen Tonträgern. Aber das hängt ja wohl immer noch an irgendwelchen rechtlichen Fragen? Koser: Ja, das wird mir dann gesagt vom Deutschland Radio, die ja verantwortlich sind für Professor van Dusen als Nachfolgesender von RIAS Berlin. Ich habe natürlich darauf gedrückt, und die Fans verlangen das ja auch immer wieder, daß es van Dusen in einer Höredition gibt als CD-Sammlung zum Beispiel. Der Sender erklärt, daß es zu schwierig sei und zu teuer. Es gäbe zu viel recht abzulösen, speziell Musikrechte. Das sei nicht praktikabel. Und deswegen könne er leider keine CDs veröffentlichen, entweder allein oder zusammen mit einem Hörverlag. Ja, ich kann leider als Autor nichts dagegen machen. Ich würde mich freuen, wenn es nun endlich mal klappen würde. Griebel: Ich würde gerne noch etwas zu Ihrer Biographie als Autor erfahren. Ich weiß, daß Sie hauptsächlich fürs Radio gearbeitet haben und nur ganz selten ausgebüxt sind in andere Bereiche. Koser: Also ich bin zum Radio gekommen, ohne daß ich es selber unbedingt wollte. Das war eine Zufallsgeschichte. Ich hatte studiert, schrieb an meiner Doktorarbeit, und mein Doktorvater wurde angesprochen von einem Sender, dem Süddeutschen Rundfunk, ob er nicht über sein Fachgebiet Schulfunksendungen machen wolle. Und das wollte er nicht, aber er hat dann seine Doktoranden damit beauftragt. Und dann schrieb ich zwei Sendungen, und auch andere schrieben welche. Und die Redakteurin beim Süddeutschen Rundfunk sagte mir dann: „Was Sie geschrieben haben, war das weitaus Beste. Hätten Sie nicht Lust, noch mehr für uns zu machen?“ Ja, ich hatte schon Lust. Das war schönes Geld damals für einen Studenten, der vom Stipendium lebte und von Arbeiten in den Ferien. Und dann schrieb ich also Schulfunk, das machte mir Spaß, dann kam ich zu anderen Sendern, schrieb weiterhin Schulfunk, krempelte mit ein paar Autoren den Schulfunk beim RIAS total um. Wir haben da die alten Zöpfe abgeschnitten, rausgeschmissen und neue Sachen gemacht, neue Hörspielformen, Featureformen eingebracht. An Hörspiel dachte ich relativ spät. Das kam erst in den siebziger Jahren. Auf Aufforderung eigentlich von Redakteuren und Regisseuren schrieb ich dann mal ein Hörspiel, das war so ein Kunsthörspiel, wie es damals üblich war, mit Musik, eine Art Rock-Oper, die großen Erfolg hatte, bei fast allen Sendern lief. Und dann schrieb ich noch sowas. Und dann hatte ich keine Lust mehr. Das waren so Geschichten ohne richtigen Anfang, ohne richtiges Ende. Ich verstand sie selber nicht und die Hörer wahrscheinlich auch nicht. Aber das war damals das, was en vogue war im Hörspiel. Und dann schrieb ich eine Zeit lang überhaupt keine Hörspiele, nur Features, bis ich auf die Idee kam, Krimis zu schreiben. Das war Ende der Siebziger, da wurde van Dusen geboren. Dann habe ich in den achtziger Jahren den „Letzten Detektiv“ erschaffen, der seitdem im Bayerischen Rundfunk läuft und es auch schon auf 40 Folgen gebracht hat. Ich habe festgestellt, daß mir die Serienproduktion liegt. Das heißt, wenn ich mir Figuren ausdenke und Handlungsräume und Zeiten, daß ich es schade finde, mit einer Geschichte das ganze Pulver zu verschießen, und dann bemühe ich mich Dinge so zu entwickeln, daß sich mehrer Folgen tragen. Daß es allerdings 77 Folgen werden wie bei van Dusen, das war nie vorhersehbar. Griebel: Sind Sie mit dem Medium Radio als Arbeitsfeld ausgelastet, ausgefüllt, zufrieden? Sie haben nicht die Absicht, irgendwann aufzuhören damit? Koser: Nein, obwohl ich mich auch in anderen Medien ein bisschen umgesehen habe, z. B. beim Fernsehen. Ich habe eine Buchserie herausgegeben. Und gerade in diesem Jahr habe ich ein Buch zu Ende geschrieben, was ich gerade bei einem Verlag unterzubringen suchen, ein Jugendbuch übrigens. Aber ich war immer beim Radio. Ich war sehr gern beim Radio. Ich habe - das zeigen ja auch die van-Dusen-Geschichten -, ich habe so etwas wie eine Cinemascope-Phantasie. Das heißt, ich denke mir sehr komplizierte, sehr aufwändige Geschichten mit vielen Personen aus, die man im Film zum Beispiel nur mit großer Mühe vielleicht in Hollywood mit Computertricks umsetzen könnte. Und beim Rundfunk geht das alles ganz einfach. Mit ein paar Geräuschen im Hintergrund und ein paar Stimmen und ein bisschen Musik kann man die tollsten Dinge machen. Und die Hörer können sich das dann richtig vorstellen. Deswegen bin ich dabei geblieben, bis heute. Und ich will auch dabei bleiben, so lange der Rundfunk sich nicht so ändert, daß meine Geschichten nicht mehr gewollt werden. Ich war nicht böse, daß die Reihe eingestellt wird (Hörwelt 9/98) (auf vandusen.de): Michael Koser, Jahrgang 38, ist seit 20 Jahren Autor der van Dusen-Krimireihe. Im HÖRWELT-Gespräch äußert er sich über seine Zeit mit dem Superhirn – und seine neue Serie Cocktail für zwei. Herr Koser, Sie sind derjenige, der es wissen muß: Was hält das Schicksal im 77. Fall für Prof. van Dusen bereit? Koser: Ein großer Teil wird in Wilhelmshaven spielen, das habe ich mir schon lange vorgenommen. Seit 15 Jahren wohnte ich jetzt hier, und die Freude wollte ich mir einfach machen. Viel mehr möchte ich über die Handlung nicht sagen. Es sind einige Überraschungen drin, und die sollen auch Überraschungen bleiben. Den meisten Spaß werden sicher die haben, die die ganze Saga kennen. Einige alte Bekannte tauchen auf, und überhaupt zitiere ich mich fleißig selbst. Ich hatte ein bißchen Endzeitstimmung beim Schreiben, aber eine fröhliche. Hat van Dusens letztes Stündlein nun unwiderruflich geschlagen? Koser: Ja und nein, ich kann das schwer sagen. Ich bin nicht der Sender, und der bestimmt das im Endeffekt. Aber vermutlich ist Schluß – obwohl ich mich dieses Mal gehütet habe, ihn endgültig von der Szene zu nehmen. Wenn aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen van Dusen doch wiederauferstehen sollte, dann könnte er das tun. Er fällt also nicht in die Schlucht? Koser: Nein, dieses Mal geht er mit der Titanic unter. Werden Sie ihn als regelmäßigen Begleiter nicht vermissen? Koser: Das tue ich jetzt schon manchmal. Manchmal habe ich Ideen, die nur zu van Dusen passen, nicht zu Der letzte Detektiv und nicht zu Cocktail für Zwei. Aber mehr Folgen müssen es auch nicht unbedingt sein. Ich war nicht furchtbar böse, daß die Reihe eingestellt wird... Sprechen wir also ein wenig über ihre neue Serie, die im September anlaufen wird, Cocktail für Zwei. Ihr Heldenduo ist dieses Mal ein Pärchen, und es erlebt seine Abenteuer in den zwanziger Jahren. Koser. Ich hatte die Idee schon länger im Kopf, und die zwanziger Jahre schienen mir zu passen. Es sollte anders werden als die van Dusen-Reihe und Der letzte Detektiv, leichter und eleganter. Und ich bin dieses Mal auf die andere Seite gewechselt, auf die Täterseite. Die Helden sind Hochstapler, Ganoven, Glücksritter. Sie heißen Felix und Cora. So kann ihre Firma als Felix & Co auftreten. Was mag das für eine Firma sein? Koser: Sie sind Expropriateure en gros und en detail. Sie nehmen Menschen und Institutionen aus, die viel Geld haben, ein bißchen wie Robin Hood. Nur daß sie nicht daran denken, das Geld jemand anderem zu geben als sich selbst. Gibt es typische Merkmale ihrer Gaunereien? Koser: Die beiden spielen Rollenspiele, sie denken sich komplizierte Geschichten aus und übernehmen diverse Figuren, um ihre Opfer dazu zu bringen, ihr Geld herzugeben. In einer Folge der zweiten Staffel geben sie sich zum Beispiel als Coco Chanel und der Präsident der Französischen Republik aus. Und verkaufen einem amerikanischen Schrottkönig den Eifelturm. Felix und Cora werden von Maren Kroymann und Cornelius Obonya gesprochen. Haben sie als Autor auch einen Einfluß auf die Auswahl der Sprecher? Koser: Ja, ich habe schon mitgeredet, und es war auch nicht ganz leicht, die Richtigen zu finden. Das müssen ja Leute sein, die das Komödiantische allein mit der Stimme transportieren können, ohne Mimik, ohne Gestik, ohne Maske und Kostüme. Beiden macht es viel Spaß, in die jeweiligen Rollen zu schlüpfen. Und das merkt man. Der letzte Detektiv (br-online.de/kultur-szene/thema/jonas/index.xml) (ca. 2003): Er heißt Jonas. Nur Jonas. Er lebt im frühen 21. Jahrhundert in Babylon, der Supermetropole der Vereinigten Staaten von Europa. Er hat einen Beruf, den es eigentlich nicht mehr gibt. Er ist Privatdetektiv. Er pflegt die Eigenschaften seiner klassischen Vorbilder: Ehrenhaftigkeit. Sturheit. Unverschämtheit. Witz. Ein bißchen Sentimentalität. Seine Fälle sind hart. Und wirklich. Es geht um kleine Leute und große Interessen. Dann ist da noch Sam. Jonas' Taschencomputer. Unentbehrliche Hilfe und unausstehliche Plage. Sam spricht. Er redet und labert und schnattert und bewegt sich quer durch alle Sprachprogramme. Außerdem ist er ein Chaos-Pilot im Datennetz. Ein Geisterfahrer auf der digitalen Autobahn. Das ist"Der letzte Detektiv" - Michael Kosers SciFi-Krimiserie. Die erfolgreichste Hörspielserie der Unterhaltungsabteilung nach der "Dickie Dick Dickens" - Serie der 50er-Jahre. Seit 1984 im Krimi- Programm in Bayern2Radio. Der geistige Vater: Michael Koser Der Autor und seine Ideen Ich bin oft gefragt worden, welche Grundidee hinter meiner Reihe"Der letzte Detektiv" steckt. Das ist sehr schwer zu beantworten (und deshalb tue ich's auch nicht). Aber es gibt für mich so eine Art Motto, das über der ganzen Reihe steht. Korrektur: zwei Mottos (oder heißt es Motti?). 1."I've seen the future, brother - it is murder!" sang Leonard Cohen 1992. 2. Sagte Bob Dylan 2001 in einem"Spiegel"-Interview:"Wir leben in einer Welt, in der Science Fiction längst Realität geworden ist. Sie wird beherrscht von Disney. Überall künstliche Shopping-Paradiese und Themenparks." Wer ist besser geeignet etwas zu Michael Koser zu sagen, als seine "Kinder". Wir haben ein Gespräch zwischen Jonas und Sam mitverfolgt, in dem sich die beiden zu ihrem geistigen Vater äußern. Jonas: Ein Auftrag, Sammy."Michael Koser". Sagt uns das was? Sam, ich warte! Sam: Moment, Chef. Alter Computer ist doch kein D-Zug, - PIEP "Koser, Michael. Autor." PIEP Jonas: Ein Schreiberling? Sam: PIEP"Für das Radio. Spezialist für Krimi-Reihen. Professor van Dusen', 1978 bis 1999, 77 Folgen. Ab 1984 Der letzte Detektiv" PI... Jonas: Stopp, Sammy! Der letzte Detektiv bin ich! Jonas. Nur Jonas. Sam: Woraus folgt, messerscharf und aschklar, daß es sich bei besagtem Koser um den Papa meines innigst geliebten Jonas handelt, n'est-ce pas? Jonas: Mein Vater? Sam: Strikt im geistigen Sinne. PIEP"Nachdem sein erstes Reihenkind, Professor van Dusen mit Namen, sich als Erfolg erwiesen hatte, entschloß sich sein Schöpfer, mit der Gegenwart auf Kriegsfuß stehend, dem Amateur-Kriminologen aus der Vergangenheit den letzten Detektiv der Zukunft zuzugesellen. Und so kam zur Welt Jonas..." PIEP Jonas: ...und Sam. Redender Computer. Assistent und Nervensäge. Sam: Oooooh! Das tut weh! Jonas: Mein Vater! Ich kann's nicht fassen! Ist er mir ähnlich, dieser Koser? Ruhig? Ein bißchen melancholisch? Ironisch? Sam: Könnte man sagen. Jonas: Sportlich? Ein Mann der Tat? Sam: Eher weniger. Ein Bücherwurm. Ein Stubenhocker. Er wohnt nicht in Babylon, sondern in Babels-.., PIEP"Verzeihung" PIEP ...in Wilhelmshaven, wo wenig passiert. Er erlebt nicht selbst, er läßt erleben. Jonas und Sam zum Beispiel. Durch 40 bunte Abenteuer hat er uns bisher gescheucht. Und damit ist es beileibe noch nicht abgemacht. Jonas: Von mir aus. Jonas ist bereit. Sam: Sammy dito. - PIEP"Anmerkung: Michael Koser ist auch ein Prophet! Hat er doch schon 1984 den EURO als europäisches Zahlungsmittel ersonnen!" PIEP. Das war zu einer Zeit, als noch kein Schwein und kein Finanzminister auch nur im Traum an so was dachte! Ob er auch mit seinen anderen, manchmal recht düsteren Zukunftsvorstellungen richtig liegt, wird sich zeigen. Jonas: Bald. Sam: Kann sich nur noch um ein paar Jahre handeln... Die Sprecher der beiden Hauptfiguren Wer leiht Sam und Jonas seine Stimme? Jonas: Bodo Primus spielt die Rolle des Detektivs seit der ersten Folge weg. Sam: Seit der 5. Folge ist Peer Augustinski für die Stimme des Computers Sam verantwortlich. Zuvor wurde Sam von Joachim Wiechmann gesprochen. Wir haben die Figuren Jonas und Sam mit der Tatsache konfrontiert, daß sie erst durch die Sprecher zum Leben erweckt werden. Aber lesen Sie selbst, wie die beiden darüber denken, und was Sam und Jonas über ihre Lebensspender wissen. Sam:"Sozusagen: Der letzte Detektiv auf der Suche nach der Sprachkultur im Kontinuum der Automedien, zur Zeit hart den kriminellen Erstsilbenbetonern auf den Fersen. Den Konsens- und Radikal- und ldealsprachbetonern und Banausen. Und all denen, die die Schwingungen ihrer Stimmbänder für Sprechen halten." Jonas: Versteh ich nicht. Jonas ist kein Intellektueller. Klingt aber irgendwie bedeutsam. Wer hat das gesagt, Sammy? Sam: Primus. Bodo Primus. Jonas: Aha. Und wer ist Bodo Primus? Sam: Ach, du mein armer, lieber Jonas. Null Ahnung von nix, wie immer. So kenn ich ihn, so hab ich ihn gern. Bodo Primus - der bist du! Jonas: Waas? Sam: Präziser: Derjenige, welcher meinem Herrn und Meister, der da genannt wird"Der letzte Detektiv", durch seine stimmlichen und schauspielerischen Talente Leben verleiht. Denn zunächst einmal, nicht wahr, ist Jonas eine Figur auf dem Papier, ein Papier-Jonas sozusagen. Dafür, daß Jonas lebt, spricht, sich bewegt, agiert - dafür sorgt in erster Linie Bodo Primus. Und das macht er wunderbar. Jonas: Glaub ich dir aufs Wort, Sammy. - Ich frag noch mal: Wer ist Bodo Primus? Wenn er nicht Jonas ist, mein ich. Fakten, Sammy. Daten. Kurzer Lebenslauf. Sam: Bitte sehr, bitte gleich. Geboren 1938. In den 60er-Jahren vor allem am Theater. Köln, Düsseldorf, anderswo. Seit 1962 auch im Radio. Seit 1970 frei bei verschiedenen Hörfunk- und TV-Sendern im deutschsprachigen Raum. So. Und jetzt - einen Tusch, Herr Kapellmeister. Peer Augustinski. Ja, willst du denn nicht fragen, wer das ist? Jonas: Nicht nötig, Sammy. Peer Augustinski ist dein Bodo Primus. Wie Bodo Primus mein Peer Augustinski ist. Sams Sprecher. Spieler. Lebensspender. Verkörperer. Sam: Zweites Ich. Jonas: Hast du überhaupt ein erstes, Sammy? Du bist schließlich ein Computer. Sam: Na und? Ich hab vielleicht mehr Ich als du! Jonas: Glaubst du? - Peer Augustinski , Sammy. Daten. Fakten. Sam: Kurzer Lebenslauf. Okay, okay. Geboren 1940. Musikstudium. Schauspielschule. Seit 1964 am Theater. Seit 1975 im Fernsehen. Stichwort"Klimbim" - eins von vielen. Außerdem Synchronsprecher. Und - last, but ganz und gar nicht im mindesten least - Sam. Sam der Große. Der Einmalige. Jonas: Weißt du was Sammy? Die Sprecher, die Jonas und Sam verkörpern, müssen was ganz Besonderes sein. Große Könner. Tolle Typen. Sam: Da sprichst du ein wahres Wort gelassen aus, mein Alter. Die Figur Jonas Er lebt im 21. Jahrhundert. In einer Zeit der vorgegebenen Systeme und festen Rahmen. Aber er paßt in kein System. Er fällt aus dem Rahmen. Er ist Nostalgiker. Er blickt zurück. Ins 20. Jahrhundert. Er hat einen Beruf den es eigentlich nicht mehr gibt. Er ist Privatdetektiv. Er pflegt die Eigenschaften seiner klassischen Vorbilder. Ehrenhaftigkeit. Sturheit. Unverschämtheit. Witz. Ein bißchen Sentimentalität. "Ich bin Jonas, nur Jonas" Jonas über sich, seine Vorbilder, seine Aufträge. Aber er ist mehr als ein Anachronismus. Seine Fälle sind Fälle des 21. Jahrhunderts. Zwischen kleinen Leuten und großen Interessen. Zwischen Illusion und Realität. Und auch die Realität ist oft genug falsch - Simulation, Manipulation. Jonas schlägt sich durch. Nicht bravourös, selten erfolgreich. Aber so anständig wie möglich. Steckbrief: Jonas, der letzte Detektiv Nicht mehr jung. Um die 40. Groß, aber kein Riese. Gutaussehend, aber kein Schönling. Durchtrainiert, aber kein Bodybuilder. Ansonsten eher unauffällig. Oft melancholisch. Lacht selten. Kleidung: Trenchcoat Waffen: Smith & Wesson. Laserstrahler. Neurofreezer. Seine Beziehungen Viele - am Anfang gab es eine Dauerbeziehung: Judith Delgado. Schön. Dunkel. Etwas jünger als Jonas. Hohes Tier bei der Sicherheitsverwaltung. Er benutzt sie als Informationsquelle. Sie benutzt ihn zur Förderung ihrer Karriere. Dennoch große Liebe. Als Judith umgebracht wird nimmt Jonas Rache! Dann gabs da noch Neon. Afroamerikanerin. Journalistin. Begleitet Jonas in Afrika. Und Nofretete. Ägyptische Agentin. Mysteriös. "Valerie, kurz Val" Und dann gab es noch Valerie. Jonas bezieht Stellung zu seiner Beziehung zu ihr. Seine Gegner Immer wieder neu. Großer Verschleiß ... Frau Professor Caligari: Leiterin von ZIP. Zentral-Institut für Populationsforschung. Tritt in mehreren Fällen auf. Alt. Kalt. Professionell. Hat die Aufgabe, die Überbevölkerung zu reduzieren. Mit allen Mitteln. Generalissimus Stalin: Der Nomaden-Häuptling residiert in einem alten T-54, den sein Stamm durchs Niemandsland schleppt. Ines Lamour: Die schöne und gefährliche Nervenärztin und Memory- Klauerin. Artur Artus: Chef von Camelot Fashions und Mittelalter-Freak. Zieht sich so an, hat sich so eingerichtet. Der Computer des letzten Detektivs Er ist zweiteilig: Ein fester Speicher im Büro und als ständiger Begleiter ein Taschengerät. Und er fällt, wie sein Herr, aus dem Rahmen. Steckbrief: Der Computer Sam Der Computer des letzten Detektivs. Ein Taschengerät, etwa so groß wie ein Handy. Sieht auch so aus. Jedenfalls wenn er abgeschaltet ist. Angeschaltet fährt Sam aus, was so gebraucht wird: Augen, Mund, Ohren, Arme, Hände, Beine, Rollen, Kompaß, Teleskop, Sirene, Kneifzange und vieles mehr. In voller Aktion sieht Sam aus wie eine Hightec- Puppe. Sam kann mehr als reden. Vor allem kann er denken. Vor, zurück und um die Ecke. Und Ratschläge geben. Ein unentbehrlicher Helfer in kniffligen Situationen. "Sam ist mehr als ein Witzbold" Jonas beschreibt Sam, seinen Computer und unschätzbare Hilfe in allen Situationen. Meist ist Sam eher enervierend. Arrogant. Streitsüchtig. Rechthaberisch. Von seiner geistigen Überlegenheit fest überzeugt und abfällig, was menschliche Intelligenz betrifft. Ungeduldig. Nur zu gern bereit, seinem Herrn über den Mund zu fahren. Still wird er nur, wenn er sich tödlich beleidigt fühlt. Oder wenn Jonas droht, ihn verschrotten zu lassen. Was er nie tun würde. Jonas und Sam, Akteur und Denkmaschine, haben dafür ein zu enges, ein fast symbiotisches Verhältnis. "Besser klaren Kopf bewahren" Ein Dialog zwischen Jonas und Sam gibt Aufschluß über deren inniges Verhältnis. Die Welt des letzten Detektivs Jonas lebt irgendwann im 21. Jahrhundert. Sein Büro-Apartment (22 qm) liegt mitten in Babylon. Babylon liegt mitten in Europa. Babylon ist mehr als eine Stadt, mehr als eine Metropole. Babylon ist eine urbane Ballung. Ein unübersehbares Konglomerat. Eine fast apokalyptische Wucherung. Über endlosen Vorstädten, mehr oder weniger heruntergekommenen Wohnvierteln, über Slums, Trümmerlandschaften und den abgeschotteten Siedlungen der Reichen und Mächtigen, über Geschäftsstraßen, Verwaltungszentren und den Wolkenkratzern der Wirtschaft, über Illusions-Parks, über Lokalen wie dem"Armen Schlucker" und dem"Casablanca" - Jonas Stammkneipe - wölbt sich ein Klima-Dom, und der ist fast immer kaputt. "Um uns, unter uns - Babylon" Der Erzähler beschreibt die düstere Atmosphäre Europas im 21. Jahrhundert. "Die ehemaligen Servicesysteme unter dem Reservat" Der Erzähler beschreibt die Entstehung der Unterwelt und geht auf deren Bewohner ein. Unter Babylon liegen industrielle Produktionsstätten, ausgedehnte Schutzbunker-Systeme aus dem vorigen Jahrhundert und, noch tiefer, gigantische Kloaken mit Recycling-Anlagen und Biogas-Generatoren. Babylons Regierungsform In Babylon leben viele Millionen Menschen - zu viele Menschen, für die es zu wenig Arbeit gibt. Jeder kriegt die Volksrente, keiner muß hungern. Aber der soziale Nutzenstatus, der unter anderem die Größe des Wohnraums festlegt, bemißt sich nach Art und Entlohnung der geleisteten Tätigkeit. Ein Privatdetektiv hat nur einen geringen Nutzenstatus. Babylon wird regiert und reguliert von einer großen, aber nicht allzu effizienten Bürokratie. Ihre Organe, in erster Linie die zahlreichen Gliederungen der Polizei, konkurrieren mit den privaten Truppen von Industrie und Wirtschaft - und mit der"Korporation", dem organisierten Verbrechen. "Die Korporation, früher mal Mafia" Der Erzähler beschreibt die Entstehung der Nachfolgeorganisation der Mafia:"Die Korporation". Die Landschaft rund um Babylon Außerhalb von Babylon liegt die Wildnis - ausgelaugt, unregierbar, unreguliert, ohne Gesetz. Jenseits der Wildnis existieren kleinere Städte, babylonische Ableger wie Babelshaven am völlig verseuchten Nordmeer. Die Mehrzahl seiner Fälle löst Jonas in und um Babylon. Ab und zu muß er reisen: nach Afrika - ins Niemandsland an der Grenze zur dritten Welt - nach Costuguana in Lateinamerika, Nachschub-Basis für Kokain und Ersatzorganen - in die chaotischen Nahoststaaten Merdistan und Kusbekistan. Die Welt des letzten Detektivs ist unserer Welt in vielem ähnlich - und in vielem anders als sie. Größer. Technischer. Elektronischer. Komplizierter. Atmosphärisch grauer. Heruntergekommener. Vielleicht ist die Welt des letzten Detektivs die letzte Welt. Neue Fälle für Jonas und Sam: Donaukurier 19.08.2008 (donaukurier.de/nachrichten/kultur/Neue-Faelle-fuer-Jonas-und-Sam-art598-1926865) Bremen (DK)"Machen wir ein Ende." So klingt das Finale des"Letzten Detektivs"."Das sagt aber nicht Jonas, sondern ein Mitglied der Anti-Jonas-Koalition, die die ganze Zeit versucht hat, sich dieses lästigen Detektivs zu entledigen", erklärt Michael Koser (70), Autor von mehr als 150 Hörspielen und Schöpfer dieser Figur, die sich mit"Jonas. Nur Jonas. Besser einen guten Namen als drei miese" vorzustellen pflegt. Mitte der 80er Jahre hat Michael Koser seinen furchtlosen, melancholischen Privatermittler vom Schlage eines Philip Marlowe oder Sam Spade auf die Verbrecher Babylons losgelassen. Einer düsteren, seelenlosen Hightech-Metropole. Geschwätziger Computer Jonas lebt in der Zukunft. In einer Zukunft, in der das Ökosystem längst kollabiert ist, in der Bürgernummern die Namen abgelöst haben, der Sozialstatus (der Nutzen für den Staat) die Wohnklasse regelt, Großkonzerne regieren und man sich hauptsächlich von synthetischen Nahrungsmitteln ernährt. Im Jahr 2009 tritt Jonas erstmals in Erscheinung. Nur 25 Jahre lag diese Zukunft von der Gegenwart entfernt, als Michael Koser im Orwell-Jahr 1984 seinen Detektiv über dessen ersten Fall brüten ließ. Dabei lernte Jonas Judith kennen, die bald seine ZB ("zeitweilige Beziehung") werden sollte und bei Sam regelmäßig Eifersuchtsanfälle auslöste. Sam ist ein Computer. Ein Supercomputer. Leider wurde er mit zu vielen Sprachprogrammen gefüttert, was zu einer Überkonfiguration führte, sodass seine Genialität in Sachen Datenbank-Informationsbeschaffung bisweilen mit einer gewissen Schwatzhaftigkeit einhergeht. 40 Folgen lang klärte"der letzte Detektiv" von Babylon im Bayerischen Rundfunk kniffelige Fälle, recherchierte, deckte auf, überschritt gesetzliche und bisweilen moralische Grenzen – bis die Serie 2001 ein abruptes Ende fand. Und Autor Michael Koser die Entwürfe für vier Fortsetzungen plus Abschlussfolge verärgert in die Schublage legte. Kurzzeitig spielte er mit dem Gedanken, diese Notizen ins Internet zu stellen,"damit die Fans sehen, wie es hätte weitergehen können", erzählt er. Er hat es nicht gemacht. Und hatte deshalb noch Material für neue Geschichten zur Verfügung. Denn: Es gibt zwei nigelnagelneue Folgen von Jonas. Auftraggeber ist diesmal allerdings nicht eine Rundfunkanstalt, sondern eine Privatperson. Martin Bahr ist ein großer Jonas-Fan, und seine Anwaltskanzlei hat bereits zwei Hörspiele ("Das Canossa Virus" und"Ixplorer 5003") produziert. Ihm gelang es, die Originalsprecher von Jonas, Sam und Judith, nämlich Bodo Primus, Peer Augustinski und Karin Anselm wie auch Regisseur Werner Klein, der die Serie ab Folge 17 begleitet hatte, für sein Herzens-Projekt zu gewinnen."Das war schon wichtig", sagt Michael Koser."Ein Hörspiel mit anderen Stimmen – das hätte ich mir nicht vorstellen können." Er sagte zu – und holte seine Mappe mit den alten Aufzeichnungen hervor."Comeback" und"Abgesang" heißen die beiden neuen Folgen, die Ende des Monats in Hamburg aufgenommen werden – und ab Mitte Oktober im Internet kostenlos downloadbar sind. Wovon die Fälle handeln, will Michael Koser nicht verraten. Nur so viel:"Die Jonas-Saga wird tatsächlich weitergeschrieben." Beide Folgen finden nach den zuletzt im Bayerischen Rundfunk gesendeten statt – und werden auch mit früheren Krimis verknüpft. Mittlerweile schreibt man das Jahr 2016 und Jonas ist mit zunehmendem Alter auch resignierter geworden. Michael Koser:"Es stürzt furchtbar viel auf ihn ein. Negatives, mit dem er kaum fertig wird." Ein eigenes Universum War es schwer, nach einer Pause von acht Jahren das Duo wieder auf Fährtensuche zu schicken?"Ich hatte tatsächlich nach der Zusage ein bisschen Sorge, ob es überhaupt gehen würde nach dieser doch verhältnismäßig langen Zeit", gesteht der Autor."Aber es klappte erstaunlich gut und schnell. Ich hatte ein eigenes Universum gebaut für meine Helden. Dort war noch Platz. Und ich fand die Tür, durch die ich gehen musste, um diesen Platz zu besetzen." Er freut sich, dass er nun die Möglichkeit erhält, doch noch den Schlusspunkt zu setzen, den er sich vor einem knappen Jahrzehnt für seinen"letzten Detektiv" ausgedacht hat."Die abschließende Folge hat sich fast von selbst geschrieben." Und es sind definitiv die letzten Jonas-Fälle? Michael Koser lacht."Mit solchen Aussagen bin ich inzwischen vorsichtig geworden. Es ist natürlich immer noch möglich, Zwischenräume auszufüllen in der Jonas-Saga." Bei einer anderen Hörspiel-Figur, Prof. Dr. Dr. Dr. Augustus van Dusen,"Wissenschaftler von Weltruf und nicht minder renommierter Amateur-Kriminologe", der von 1978 bis 1999 Rätsel der Vergangenheit löste, hatte Michael Koser listenreich einen Weg für weitere Geschichten auch nach dessen Tod gefunden."Außerdem ist nicht so ganz klar, was aus Jonas nun wird." Dann unterbricht er sich:"Ich glaube, ich verrate zu viel." Ein bisschen Spannung muss schließlich sein. Mitte Oktober geht Jonas wieder auf Ganovenjagd: Unter jonas-nur-jonas-und-sam.de findet man Näheres über den nostalgischen Detektiv und seinen redseligen Computer Sam. Außerdem Bilder, Musik und ein Making-of-Video der Produktion. Von Anja Witzke ZDF heute Nachrichten: Hörspieldetektiv Jonas kehrt zurück - ins Internet. Private Produktionen online zu stellen, liegt im Trend. Von Stefan Gnad (2008): In den 80er und 90er Jahren war Der letzte Detektiv eine Hörspielserie im Radio. Nun kehren Privatschnüffler Jonas und sein Computer Sam zurück- möglich macht dies ein Privatmann, der die Folgen kostenlos ins Netz stellt. Martin Bahr ist langjähriger Fan der Serie, die sich bis heute anhaltender Beliebtheit erfreut. Die letzten beiden Teile zu produzieren und die düstere Science-Fiction-Reihe, die ihn und Tausende andere Hörspielfans vor den Radiogeräten fesselte, endlich abzuschließen, ist dem 36-Jährigen eine hohe Summe wert, die er aus eigener Tasche für die Produktion hinblättert. Damit geht nun eine Radio-Legende zu Ende. Als akustischer Film Noir war die Hörspielreihe von Autor Michael Koser bewußt als Hommage an den Kinoklassiker „Casablanca“ und die großen hard boiled Krimiautoren Raymond Chandler und Dashiell Hammett („Der Malteser Falke“) angelegt. Wie seine Vorbilder Sam Spade und Philip Marlowe arbeitet Joans als Privatdetektiv. In der fiktiven Großstadt Babylon des Jahres 2016 löst er als letzter seiner Zunft Kriminalfälle. Als Endzeit-Szenario war „Jonas“ nicht unblutig und schon beim Start im Orwell-Jahr 1984 visionär, nicht nur was die künftige Währung in den „Vereinigten Staaten von Europa“ anging: Euros. Nun folgt mit Verspätung die Fortsetzung, die zugleich das Finale ist. Die Szenerie in den Hamburger Fährhaus-Tonstudios hat etwas von einem Familientreffen. Alle sind sie gekommen, um die Kult-Serie feierlich abzuschließen. Bodo Primus in der Rolle von Jonas und Peer Augustinski als Stimme seines so genialen wie schwatzhaften Taschencomputers Sam, Karin Anselm, („Tatort“) aber auch Größen der deutschen Sprecher und Synchronisationsszene... versprechen ein bis in die Nebenrollen hochkarätig besetztes Endspiel. Sogar Michael Koser, Autor von „Jonas“ und der nicht minder erfolgreichen Hörspielreihe „Prof van Dusen, die Denkmaschine“ ist nach Hamburg gereist. Der 70-Jährige hat das Finale seit Jahren fertig in der Schublade liegen, jedoch selbst nicht mehr an ein Ende seiner Serie geglaubt. 2001 war er nach 40 Jonas Folgen im Streit vom Bayerischen Rundfunk geschieden. „Plötzlich war da eine neue Leitung und hat als erstes den Jonas abgeschafft“, erzählt Koser. „Der ist uns zu teuer, hieß es, wir brauchen das Geld für unser Musil-Projekt, so etwas können wir uns leider nicht mehr leisten. Man hat mir zwar angeboten, den letzten Jonas noch zu produzieren, aber ich war so verärgert, daß ich das dann auch nicht mehr wollte.“ Entsprechend skeptisch war der Bremer, als letztes Jahr das Telefon klingelte und am anderen Ende der Anwalt aus Hamburg war, mit dem Vorschlag, die letzten Folgen aus eigener Tasche zu finanzieren. Den Autor zu überzeugen, war nur ein Problem, weitaus komplizierter war es, die Rechte vom Bayerischen Rundfunk zu bekommen. Doch auch diese Hürde wurde genommen. Nun bringt das alte Team unter der bewährten Regie von Regisseur Werner Klein (Hessischer Rundfunk, Regisseur seit Folge 17) das zu Ende, was einst Aufgabe und Renommierprojekt des öffentlich rechtlichen Rundfunks war. Die Folge Comeback steht schon im Netz - am 1. November kann man sich die nächste Folge Abgesang der Kult-Saga samt „Making of“ kostenlos von der Seite... herunterladen. Eine Nachricht von Michael Koser (pirg.bplaced.net/pvd/news.htm) Jonas. Nur Jonas. Und Sam. Zwei neue Hörspiele! Diese frohe Botschaft verkünde ich fast gleichzeitig mit der offiziellen Presseinformation des Produzenten auf hoerspiele.de. Produzent ist nicht der Bayerische Rundfunk, sondern ein privater Fan, Rechtsanwalt Dr. Bahr in Hamburg. Der BR war eingeladen, sich kostenfrei zu beteiligten, hat aber nach sehr, sehr langem Zögern beschlossen, dies nicht zu tun. Die beiden neuen Jonas-Hörspiele (COMEBACK und ABGESANG) laufen deshalb nicht unter dem bekannten Ober- und Reihentitel „Der letzte Detektiv“, den der BR für sich beansprucht, und werden auch nicht im BR gesendet. Genauer und ausführlicher werde ich mich zu dem ganzen Komplex später äußern. Und ich werde natürlich auch von den Aufnahmen berichten, bei denen ich (was mich ganz besonders freut) nach langer Zeit Bodo Primus, Peer Augustinski und Werner Klein wiedersehen werde. Heute nur soviel: Jonas und Sam sind wieder da! Bis bald! Ihr/Euer Michael Koser Hörspiele: Prof. van Dusen: https://www.deutschlandfunk.de/professor-van-dusen-104.html Der letzte Detektiv: https://archive.org/details/folge-42-abgesang oder https://www.youtube.com/@martinbraum7328/videos oder https://www.youtube.com/@rimebag666/videos Texte: Prof. van Dusen: Manuskript siehe Internet Der letzte Detektiv: Manuskript siehe Internet Musik: Prof. van Dusen: https://www.barnick.de/vandusen/musik/ bzw. https://www-astro.physik.tu-berlin.de/~bolick/PvD/musik/pvd/0 Der letzte Detektiv: https://www.youtube.com/watch?v=W-S44V_PYE8&list=PLK7h0HSk4iahP_uX52j5lbclDnw9rivEL Fanseiten im Internet (Auswahl): Prof. van Dusen: https://www.vandusen.de/, http://pirg.bplaced.net/pvd/, https://www.michaelkoser.de/ Der letzte Detektiv: http://devnull.linux-future.de/~jonas/ bzw. http://www.trinks.net/jonas/, http://aurora.mud.at/~mjust/jonas/ bzw. http://salige.bplaced.net/jonas/home.htm, http://www.fan-forum.de/smf/index.php?board=25.0, https://www.facebook.com/groups/337980859222/?locale=de_DE Hörerbewertungen: Prof. van Dusen: https://www.youtube.com/@dervandusenpodcast3942/videos Der letzte Detektiv: https://www.youtube.com/@dieletztendetektive/videos Weitere Informationen zu Inhaltsangaben, Figuren und Sprechern gibt es im Hörspielarchiv im Internet unter: https://hoerspiele.dra.de/ oder http://www.xn--hrdat-jua.de/index.php Jack Ritchie: Der Mitternachtswürger (BR 1992) Kriminalhörspiel von Marina Dietz (nach 3 Kurzgeschichten) Brannigan: Ich frage sie, was hatten sie in der Tiefgarage zu suchen Mr. Turnbuckle: Turnbuckle, Henry Turnbuckle, Privatdetektiv und nicht schwerhörig, Mrs Homa Schleidel hatte Grund zur Annahme, daß ihr Gatte nicht wie er behauptete, jeden Donnerstag abend im Kegelclub verbringt, er suchte in der Tat heute nicht diesen Ort auf, sondern das Hinterzimmer des Buchhandels nur für Erwachsene, wo er 1 Stunde und 23 Minuten bei einer Filmvorführung verweilte, gegen 21 Uhr 45 befand er sich dann auf dem Weg zurück zu seinem Wagen wo ich ihm meinem Auftrag gemäß unauffällig folgte, in der Tiefgarage richteten sich plötzlich ein halbes dutzend Taschenlampen auf meine Person, und mir wurde dringend geraten, keinen Mucks zu tun sonst würde man mir den Kopf wegpusten, gleich darauf war ich von mindestens 20 Mann in Polizeiuniform umringt, auf meine höfliche Frage was das zu bedeuten habe, erhielt ich keine Antwort sondern wurde unter erneuter Androhung von Gewalt hierher ins Polizeipräsidium verbracht. Brannigan: Er will witzig sein, merken sies Wiggins, und er redet ganz schön viel. Wiggins: Hat jemand schon Mr Turnbuckle über seine Rechte belehrt. Brannigan: Eigentlich nicht in dem ganzen Trubel, also Sie haben das Recht zu schweigen, sie haben das recht, verdammt, wo ist denn diese Karte wo alles draufsteht, Wiggings, nun machen sie schon. Wiggins: Sie haben das Recht. Turnbuckle: Danke ich kenne meine Rechte. Brannigan: Schau an, schau an. Wiggins: Dann wollen sie sicher einen Anwalt Sir. Turnbuckle: Ich bin sicher das wird nicht nötig sein. Brannigan: Ein Spaßvogel. Wiggins: Ich fürchte sie verkennen den Ernst der Lage. Turnbuckle: Moment, lassen sie mich raten, sie meinen doch nicht etwa, ich sei der Mitternachtswürger. Brannigan: Sie haben von ihm gehört. Wiggins: Die Zeitungen waren ja voll davon. Turnbuckle: Es gab bisher 6 Opfer, alles Männer zwischen 46 und 57 Jahre alt, sie wurden in der nähe ihrer geparkten Autos überfallen, in der Regel zwischen 20 und 22 Uhr, eigentlich wäre die Bezeichnung 21Uhr-Würger zutreffender, aber für die Presse nicht reißerisch genug. Brannigan: Wiggins, die Reporter, gehen sie und halten sie uns die vom Leib, vorläufig noch. Wiggins: Ich werde mich darum kümmern. Brannigan: Ich versteh nicht, woher die so plötzlich Wind bekommen haben, ja was ist denn Wiggins, sind sie noch nicht weg, raus mit ihnen, sie Trauerweide. Turnbuckle: Sünder müssen büßen, das find ich das faszinierendste, jeder Tote wurde mit diesen Worten auf der Stirn markiert, mit einem Gummistempel vermutlich. Brannigan: Sie scheinen sich ja sehr für den Fall zu interessieren. Turnbuckle: Es geht nichts über eine feine Mordserie. Brannigan: Ja klar. Turnbuckle: Ich meine natürlich das Rätsel, die Herausforderung, aber ich glaube ich rede zu viel. Brannigan: Nein nein nein nein nein machen sie ruhig weiter. Turnbuckle: Vor dem Mitternachtswürger hat die örtliche Polizei erstmal völligversagt. Brannigan: He reiß dich zusammen Freundchen. Turnbuckle: Verständlicherweise weil außer Geschlecht und ungefährem Alter kein Zusammenhang zwischen den Opfern sichtbar war, die verschiedensten Berufe, meistens verheiratet, respektable Bürger. Brannigan: Sagen sie mal, sie sagen das so, als hätten sie was dagegen. Turnbuckle: Aber nein, auch der Hersteller pornografischer Aufnahmen von kleinen Mädchen kann ein sehr respektabler Bürger sein, ebenso der Vertreiber dieser Literatur nur für Erwachsene, von so einem Geschäftsmann kam doch der Hinweis, er habe unter den ermordeten Männern 3 seiner Stammkunden wiedererkannt, wenn das mein Fall wäre, nur mal angenommen, würde ich in dieser Richtung weitere Nachforschungen anstellen, die vielleicht ergeben können, daß unter den Opfern 2 weitere Kunden. Brannigan: Es waren drei. Turnbuckle: Na sehen sie, ehrbare Bürger mit einer Neigung zu schmutzigen kleinen und in der Regel ungefährlichen Lastern, wenn sich nun aber der Mitternachtswürger, wenn er sich also berechtigt, möglicherweise sogar ausersehen fühlt, diese spezielle Sünde zu rächen. Brannigan: Dann hält er jedenfalls die Polizei für verdammt dämlich, die einschlägigen Örtlichkeiten haben wir schon seit 2 Tagen unter Beobachtung und wir haben sie geschnappt. Turnbuckle: Ja Sir, bitte wäre es vielleicht möglich das Fenster zu öffnen, also die Luft hier. Brannigan: Ist ihnen doch nicht etwa zu heiß geworden. Turnbuckle: Dürfte ich wenigstens mein Taschentuch, es steckt in meinem Mantel, der dahinten hängt, meine Rechte als Verhafteter. Brannigan: Jajaja machen sie, machen sie, aber keine dummen Tricks. Turnbuckle: Ich bitte sie Sir. Brannigan: Was ist das, was haben sie denn da gerade so schnell wieder weggesteckt, holen sies wieder raus, raus raus raus und keine falsche Bewegung so und jetzt her zu mir. Turnbuckle: Ja ich weiß wirklich nicht, ich bin sprachlos. Brannigan: Das wäre aber glatt ein Wunder, geben sie mal her, ach schau an, schau an, ein Stempel, gehört das auch zur Ausrüstung eines Privatdetektivs, ach lesen sie doch das mal vor. Turnbuckle: Sünder müssen büßen, darf ich mich setzen Sir. Brannigan: Ja gute Idee setzen wir uns. Turnbuckle: Ich muß ihnen wohl ein Geständnis machen, mein Name ist in der Tat Henry Turnbuckle, aber ich bin kein Privatdetektiv. Brannigan: Das war mir klar. Turnbuckle: In wirklichkeit gehöre ich der Polizei von Milwaukee an, wenn auch im Augenblick auf Fortbildungsurlaub und bevor sie mich wieder anbrüllen rufen sie bitte Captain Johnson an, das ist mein Vorgesetzter. Turnbuckle: Natürlich wird jetzt Captain Brennigan mit dem reizbaren Temperament erst mal gehen und meine Angaben überprüfen, aber mein Problem ist damit nicht gelöst, mein Problem, vielleicht war es einfach das, Polizist sein und das in Milwaukee. Ralph: Ist der Bericht da, ja und, ah Herzschlag ganz eindeutig, dann können wir Henrys raffinierte Giftmordtheorie vergessen, ist auch nicht der Stil der Leute hier, ok bis später, und was willst du mit diesen Zeitungsausschnitten, neue Kochrezepte. Turnbuckle: Ralph, in den letzten 5 Monaten sind hier 4 Frauen eines gewaltsamen Todes gestorben, ich bin überzeugt, daß sie von ein und demselben Mann ermordet worden sind. Ralph: Aber Henry, jedesmal wenn uns ein Serienmörder unterkam, dann ist er noch immer so aufmerksam gewesen, uns entweder vor oder nach dem Mord Briefe zu schicken. Turnbuckle: Paß auf, jedes der Opfer war reich, nicht mehr ganz jung, verheiratet, und jedes mal hatte der Ehemann ein perfekte Alibi für die Tatzeit, Thompson ein Festessen, Whitecliff eine Bridgepartie, Kerny eine Vorstandssitzung und Tressel eine Partie Golf, diese Umstände werden in den Zeitungsberichten erwähnt, weil vermutlich im Fall von Gattenmord jeder automatisch den Ehemann verdächtigt und der Verdacht sollte wohl erst gar nicht aufkommen. Ralph: Meine Frau ist beim Aquarellkurs und Henry hat mich zum Abendessen eingeladen ja machs gut. Turnbuckle: Ralph, vier Morde an vier reichen Ehefrauen und vier Ehemänner mit perfekten Alibi das ist doch einfach vielzuviel zufall, um wahr zu sein. Ralph: Und meinst du die sind alle von einem Verrückten umgebracht worden, der was gegen reiche Hausfrauen hat. Turnbuckle: Aber nein Ralph, auch nicht von überraschten Einbrechern wie die Kollegen meinen, ich bin sicher dahinter steckt ein gekaufter, ein professioneller Mörder. Ralph: Henry, mir ist auch etwas aufgefallen, jedes der Opfer wurde in einem Vorort ermordet, mit anderen Worten, das ist nicht unser Revier. Turnbuckle: Ich rede mit Captain Johnson und zwar sofort. Ralph: Gut, dann kannst mir heute abend erzählen was er gesagt hat. Turnbuckle: Wir wollen doch den Kollegen auch noch ein bißchen Arbeit übriglassen, Henry hat er gesagt, haben wir vielleicht etwas gegen reiche Villenbesitzer, Eigentum ist Diebstahl, meint Marx, meint Turnbuckle das auch, hat er gesagt. Ralph: Dein Gulasch schmeckt ausgezeichnet Henry. Turnbuckle: Das hier ist kein Gulasch sondern ein Boeuf Stroganoff, und das Zitat ist nicht von Marx sondern von Trudeau, irgendwie tut er mir leid. Ralph: Was wer. Turnbuckle: Johnson ein Gefangener seiner Rolle als Vorgesetzter, vielleicht sogar heimlich hoffend, ein Mann wie ich bereit ganz allein. Ralph: Was immer du vorhast Henry, erwarte nicht daß ich dir. Turnbuckle: Ich sagte alleine Ralph, und morgen ist mein freier Tag. Turnbuckle: Tja wie würde Henry Turnbuckel von Beruf Killer auf Mordkundenfang gehen, man platzt ja wohl nicht einfach in Büros oder Sitzungszimmer und erkundigt sich ob jemand seine Gattin aus dem weg geräumt haben möchte, zwangloser, privater muß das gehen, bei einem drink vielleicht, Männer unter sich, tja, hier Tresel hat sich zum Zeitpunkt als seine Frau ermordet wurde, auf dem Golfplatz des Radisoncountryclubs befunden, gibt es einen besseren ort fragt sich Henry der Killer, um sich bei den Reichen anzubiedern, ob so ganz zufällig alle betroffenen Gatten in dem selben Club, ach jetzt ist diese verflixte Pfeife schon wieder ausgegangen, 210. Angestellter: Radison Country Club. Turnbuckle: Ja guten abend, ich bin von außerhalb, ich sollte James Whiteclif in seinem Country Club treffen, nur hat Jimmy leider vergessen mir zu sagen welchem Club er angehört, ist denn bei ihnen ein James Whitecliff Mitglied. Angestellter: Ja, soll ich ihn ausrufen lassen. Turnbuckle: Nein danke, ich bin ja gleich da, ach übrigens ich glaube da ist noch einer meiner Freunde in ihrem Club, Franklin Coruny. Angestellter: Ja den hab ich gerade an die Bar gehen sehen. Turnbuckle: Ah vielen Dank, so jetzt haben wir schon drei, und morgen wird Henry der Polizist Henry den Detektiv direkt in die Höhle des Löwen schicken. Barkeeper: Tut mir leid daß sie so lange warten müssen Mr. Turnbuckle: Carsten, Edward Carsten. Barkeeper: Carsten, unser Geschäftsführer müßte jeden Augenblick zurückkommen, möchten sie vielleicht was trinken in der Zwischenzeit. Turnbuckle: Ja gern einen kleinen Sherry dry fino bitte. Barkeeper: Oh da muß ich nachsehen, so was ist hier leider nicht sehr gefragt, nicht einmal mehr bei den Damen. Turnbuckle: Ich glaube mich zu erinnern daß Mr Thompson gern einen Sherry nimmt. Barkeeper: Matthew Thompson, nein der trinkt nur den feinsten Maltwhisky. Turnbuckle: Aha Nr. vier. Barkeeper: Was sagte sie. Turnbuckle: Ach vielleicht können sie mir auch weiterhelfen, ich bin kein Mitglied, noch nicht aber es doch da bestimmt rigide Aufnahmebestimmungen. Barkeeper: Oh nein keineswegs. Turnbuckle: Nene, ich dachte eher, ich bin doch neu in der Gegend. Barkeeper: Im Prinzip kommen nur alteingesessene Bewerber zum zug, aber ein bißchen müssen wir wohl auch mit der Zeit gehen, dieser Mr Netterly der letztes Jahr neu aufgenommen wurde, scheint schwer reich zu sein, war aber gerade erst von St Louis zugezogen, ist aber mittlerweile ein beliebter Gesellschafter und hält sich viel im Klub auf. Turnbuckle: Im moment auch. Barkeeper: Ja ich glaub er ist da drüben auf der Veranda, da haben wir sie ja unsere letzte Flasche, Cream Sherry. Turnbuckle: Ach wenn sie doch lieber einen Malt Whisky. Netterly: Ihnen liegt doch irgendwas auf der Seele alter Junge. Turnbuckle: Wie kommen sie denn drauf. Netterly: Sie starren zwischendurch ins leere, seufzen zum steinerweichen, und nicht mal ihr Drink scheint ihnen zu schmecken, immer noch der gleiche seit einer Stunde, also was ist los. Turnbuckle: Wenn sie mich so direkt fragen, es ist wegen meiner Frau. Netterly: Aja. Turnbuckle: Sie treibt sich mit einem andern rum, ich weiß nicht wer er ist, ich weiß nur daß es ihn gibt, und es gibt wohl mehr als nur den einen. Netterly: Haben sie schon mal an Scheidung gedacht. Turnbuckle: Scheidung, sie kennen doch unsere Gesetze, das Aas würde mich ausnehmen wie eine Weihnachtsgans, als ich sie kennenlerne, habe ich sie praktisch in der Gosse aufgelesen, meine Familie mochte sie nicht, niemand mochte sie, ich wollte ja nicht hören, jetzt isses zu spät. Netterly: Nanana. Turnbuckle: Was würde ich nicht tun um sie wieder loszuwerden, manchmal kommen mir so wahnsinnige Ideen wie ein Gewehr zu nehmen und ihr eine Kugel durch den Kopf zu jagen. Netterly: Das halte ich für keine gute Lösung ihres Problems, es sei denn sie sitzen gerne hinter Gitter. Turnbuckle: Sie kennen nicht ganz zufällig so jemand den man anheuern könnte, daß er meine Frau umbringt. Netterly: Das ist doch wohl nicht ihr ernst. Turnbuckle: Und ob ich würde jedem glatt 50000 Dollar bezahlen, der das endlich besorgt, es muß doch irgendwo irgendsojemand geben und den werde ich weißgott ausfindig machen, schönen Tag noch. Netterly: Moment, bleiben sie sitzen, sie sollten mit sowas kein scherz treiben. Turnbuckle: Das tu ich auch nicht, weiß gott nicht. Netterly: Der Alkohol kanns ja wohl nicht sein. Turnbuckle: Nein, 50000 in bar. Netterly: Tja vielleicht wüßte ich wirklich jemand. Turnbuckle: Ausgezeichnet und wer. Netterly: Ich. Turnbuckle: Ich hab natürlich im moment leider nicht so viel Geld bei mir. Netterly: Das hab ich auch nicht erwartet. Aber ich kann es besorgen, wir treffen uns dann heute nachmittag um 2 wieder hier. Netterly: Ich werde sie erwarten. Ralph: Henry, ich sollte dir nicht helfen und eigentlich tu ich es ja auch nicht, aber ist das was du wolltest. Turnbuckle: Genau ein Tonbandgerät das haarscharf und auffällig in die Brusttasche meiner Jacke paßt. Ralph: Das Mikrophon steckt hier im Botton des internationalen Rotarylubs, gott schütze dich mein Sohn. Turnbuckle: Ach Mr Netterly haben sie vielleicht die genaue Uhrzeit. Netterly: Genau 2 Uhr und eine halbe Minute. Turnbuckle: Danke, ach jetzt hab ich die Datumsanzeige erwischt, diese modernen Apparate aber auch, heute ist doch der 15. September. Netterly: Der 15. September 1979. Turnbuckle: Also dann zum geschäftlichen, sie haben es sich doch nicht etwa anders überlegt. Netterly: Neinnein. Turnbuckle: Sie haben immer noch vor, Mrs Edwarda Carston, meine Ehefrau für mich umbringen. Netterly: Ja. Turnbuckle: Und sie wollen dafür 50000 Dollar haben. Netterly: 50000 sie sagen es. Turnbuckle: Gut, Mr Netterly ich verhafte sie. Mr Carston, ich verhafte sie wegen Anstiftung zum Mord an ihrer Ehefrau, widerstand ist zwecklos, hinter ihnen stehen noch zwei Kollegen in zivil, Mr Netterly hat mit einem versteckten Tonbandgerät die gesamte Unterhaltung aufgezeichnet, noch mal vielen dank für ihre Wachsamkeit und ihre mutige Mithilfe, Mr Netterly. Netterly: War mir ein vergnügen, sowas darf doch nicht frei herumlaufen. Turnbuckle: Meine Herren ich glaube wir sind alle Opfer eines Mißverständnisses, ich habe keine Frau und heiße auch nicht Carson, in wirklichkeit bin ich zufällig Sergeant bei der Kriminalpolizei von Milwaukee, ein Kollege also, hier meine Dienstmarke. Interessant und wer sagt mir daß diese Brieftasche mit der Marke nicht gestohlen ist und selbst wenn sie wirklich dieser Turnbuckle sind, wieso treiben sie sich dann in unserem Revier herum, sind sie der Meinung daß wir mit unserer Arbeit allein nicht fertig werden. Turnbuckle: Im moment sind ungefähr 3 dutzend neugierige Augen auf uns gerichtet, können wir das nicht an ein ruhigeren Plätzchen besprechen. Turnbuckle: Ehrlich gesagt ich hatte von den Kollegen etwas mehr Selbstbewußtsein erwartet, aber anstatt mit mir zu verhandeln haben sie Captain Johnsen hergeholt. Ralph: Henry mach bitte die Musik etwas leiser. Turnbuckle: Und morgen melden sie sich zur Entgegennahme einer angemessenen Disziplinarstrafe in meinem Büro, Turnbuckel. Ralph: Ach was Johnson wird dir schon nicht den Kopf abreißen, du hast schließlich auch gute Arbeit geleistet in der Vergangenheit, der Fall Derows, der Pizzamörder, die Carrtrid Juwelen. Turnbuckle: Freut mich daß du das auch so siehst. Ralph: Und du hast uns mit deiner art zu denken schon oft auf eine Spur gebracht, die haarscharf neben der richtigen lag, gibt Henry ein paar Fakten und etwas Zeit und er wird einen Sturm entfesseln, sag ich immer. Turnbuckle: Du sagst auch immer, als Henry noch zu Schule ging hat er aus einem einzigen Knochen ein Dinosaurier rekonstruiert. Ralph: Genau, nur daß das eigentlich ein Pterodactylus war. Turnbuckle: Das mußtest du natürlich auch Vivian Derows erzählen. Ralph: Bei der warst du doch sowieso untendurch nachdem du ihren Lieblingsonkel als Erpresser entlarvt hast oder beinahe hättest, er deduziert und deduziert 98% eines Sachverhalts und dann stolpert er immer über die restlichen 2 %. Turnbuckle: Mein lieber Ralph, ein übersensibler Freund könnte jetzt glauben eine feine Ironie zu spüren. Ralph: Ja Henry Turnbuckel Holmes und die restlichen 2 % Turnbuckle: Ralph es wird kommen der Tag des Gerichts. Ralph: Du erinnerst mich an etwas, meine Frau wartet mit dem abendessen. Turnbuckle: Henry der killer. Ralph: Was. Turnbuckle: Turnbuckle. Ralph: Henry du hast es wieder mal geschafft. Turnbuckle: Nicht so laut, weißt du eigentlich wie spät es ist. Ralph: Henry, der Ehefrauenmörder du hast ihn uns ans Messer geliefert. Turnbuckle: Also doch dieser widerliche Natterly. Ralph: Nein, Ben Casterbridge. Turnbuckle: Ben Casterbringe. Ralph: Also paß auf, also du im country club abgezogen warst, ging Captain Johnson noch mal schnell an die Bar, er erkannte den Barkeeper, und es fiel ihm ein, daß er immer noch auf Bewährung draußen war, und wenn du unter bewährung stehst gibt es einen job den du nicht annehmen darfst. Turnbuckle: Nämlich Barkeeper. Ralph: Johnson gab sich also zu erkennen, der Barkeeper wurde weiß wie die Wand, fing an zu zittern, ne richtige überreaktion, also dachte johnson, da könnte noch mehr dahinter stecken und knöpfte ihn sich vor, der Mann verhaspelte sich von hinten bis vorne, rutsche ihm sein paar sachen raus und zum guten schluß plauderte er. Turnbuckle: Alles klar und der Barkeeper heißt Ben Casterbridge. Ralph: Nein Charly Stevens. Turnbuckle: Und wer bitte ist Ben Casterbridge. Ralph: Er und Steven waren Zellenachbarn in Wooto und kamen ungefähr zur gleichen Zeit raus, sieht so aus als erzählten die Leute gewöhnlich ihrem Barkeeper mehr als ihrem Psychiater, also Steven sammelte die Informationen und gab sie an Casterbridge weiter, der erledigte den Rest, genau wie du es vermutet hast, ach übrigens der Captain sagt, du kannst die Meldung morgen früh in seinem Büro vergessen, es ist alles vergeben, Henry, hey freust du dich gar nicht, Henry, Henry antworte wenn ich mit die rede, ich habe sie etwas gefragt, Mr Turnbuckle. Wiggins: Mr Turnbuckle, Mr Turnbuckel ich frage sie ob sie etwas möchten, Kaffee, Zigaretten. Turnbuckle: Nein nein nein danke. Wiggins: Wie haben sie das eigentlich mit dem Tag des Gerichts gemeint. Turnbuckle: Wie bitte. Wiggins: Sie sagten doch oder sollte ich mich verhört haben. Turnbuckle: Ausgezeichnet Henry jetzt sitzt du also auf dem Kommissariat unter dem dringenden Verdacht 6 Liebhaber von pornografischer Literatur liquidiert zu haben und redest auch noch mit dir selbst. Wiggins: Ich glaube ich öffne mal das Fenster, die Luft hier. Turnbuckle: Vielen dank Sergeant Wiggins. Turnbuckle: Armer Kerl, sein Blick läßt auf Neigung zu nervösen Kopfschmerzen schließen, irgendwie erinnert er mich, auch einer von den getretenen und beleidigten, die irgendwann wenn das maß voll ist. Wiggins: Ja wenn das maß voll ist. Turnbuckle: Ach nichts, könnten sie vielleicht das Radio einschalten. Wiggins: Gern bis Captain Brannigan zurück ist. Turnbuckle: Simon und Garfunkel hört man heute nicht mehr oft. Wiggins: Musik für Tunten und Haschbrüder. Turnbuckle: Bitte. Wiggins: Sagt Captain Brannigan, er hält nicht viel von Poesie. Turnbuckle: Finden sie nicht auch daß das Leben oft eine ganz schön krumme Sache ist und es in Versuchung bringt es gerade zu biegen. Wiggins: Ein gefährlicher Gedanke finden sie nicht auch. Turnbuckle: Jetzt reiß dich bloß zusammen, Henry sonst erzählst du ihm noch alles, aber angefangen hat das wirklich ganz harmlos, damals vor einem viertel Jahr, Ralph und ich im Frühdienst dann der Anruf. Ralph: Danke Doc nur ein einziger Messerstich hat den sofortigen Tot herbeigeführt. Turnbuckle: Fingerabdrücke auf der Mordwaffe. Ralph: Keine. Turnbuckle: Wiliam, Morison, sie können ihn dann wegtragen. Ralph: Ums Geld scheint es nicht gegangen zu sein, Ringe, Uhr, volle Brieftasche, alles da. Turnbuckle: Jetzt war ein Kaffee recht 6 Uhr 30, da schau her was da unter der Leiche gelegen hat. Ralph: Ein Zahnstocher, na ausgezeichnet, es hat schon Fälle gegeben, wo Einbrecher überführt werden konnten weil sie in Äpfel Gebißabdrücke hinterlassen. Turnbuckle: Hier sind keine solchen Abdrücke drauf, Ralph dieser Zahnstocher wird uns zu unserem Mörder führen. Ralph: Warum nimmst du an daß er dem Mörder gehört. Turnbuckle: Ralf das ist alles ein Sache von Beobachtung und Schlußfolgerung, hast du dir die Leiche gut ansehen. Ralph: Also bitte komm. Turnbuckle: Ist dir da nicht aufgefallen, daß das Opfer entweder makellose Zähne hatte oder. Ralph: Bei seinem Alter von 57 wird wohl ein künstliches Gebiß gewesen sein. Turnbuckle: Und verhält es sich nicht so daß Menschen die künstliches Gebiß tragen auf die Hilfe von Zahnstochern verzichten können. Ralph: Henry du erschließt mir das völlig neue Welten. Turnbuckle: Ralf, dein Witz hat was verzweifeltes. Ralph: Wir müssen jetzt die Küchenchefin des Hotels vernehmen eine Mrs. Henderson: Henderson, Maggie Henderson, stört es sie wenn ich schon mit dem Kuchenbacken anfange. Turnbuckle: Nein nein das leben geht weiter. Henderson: Unsere Gäste stehen früh auf. Ralph: Wieviele Gäste haben sie hier im Hotel. Henderson: 28, im moment alles Stammgäste. Ralph: Sie fanden den Toten als sie heute morgen in die Küche kamen. Henderson: Ja. Ralph: Bis wann haben sie gestern abend gearbeitet. Henderson: Bis um 8 bis alles wieder sauber ist wird es so spät. Turnbuckle: Moment ihr arbeitstag hat 15 stunden. Henderson: Nein, nach dem frühstück und mittagessen hab ich ein paar stunden frei. Turnbuckle: Ich darf wohl annehmen daß gestern als sie nach hause gingen noch keine leiche auf dem boden lag. Henderson: Ich hab im vierten Stock ein Zimmer ich kam um halb 6 uhr und da hab ich es gesehen. Ralph: Haben sie was angefaßt. Henderson: Nein nein ich hab gleich die polizei gerufen. Ralph: Wie lange arbeiten sie schon für Mr Latimer und sein Hotel. Henderson: 22 Jahre. Turnbuckle: Und was wird das wenn fertig ist. Henderson: Rosinenkuchen mit Zimt. Ralph: Wer bekommt eigentlich das Hotel nachdem der Besitzer tot ist. Henderson: Mein Bruder denke ich, er hatte sonst keine Verwandten. Ralph: Und wo ist dieser Bruder. Henderson: In der Pension nebenan. Turnbuckle: Warum wohnt er nicht hier. Henderson: Wir sind belegt. Turnbuckle: Nur deshalb. Henderson: Mr Latimer und sein Bruder kamen nicht besonders gut miteinander aus. Turnbuckle: Wenn sie sich nicht vertrugen, warum hat sich der Bruder dann ausgerechnet im Nebenhaus eingemietet. Henderson: Das weiß ich nicht. Ralph: Hatte Mr Latimer auch seine Wohnung hier im Haus. Henderson: Ja er bewohnt eine Suite im 3 Stock. Ralph: Aus welchem Grund könnte er nach 8 uhr abend noch mal in die Küche gegangen sein. Henderson: Das hat er oft gemacht, er sieht gern nach dem rechten. Turnbuckle: Latimer kam also nach 8 herunter, wir haben weder Einbruchspuren noch die Spuren eines Kampfes gefunden, Latimer muß den Besucher gekannt haben, und es spricht einiges dafür, daß unser Mörder jemand aus diesem Hotel ist. Henderson: Haben sie noch Fragen an mich, das Frühstück, die Gäste warten. Ralph: Frühstück und wer serviert uns Rührei mit Schinken. Turnbuckle: Du hättest Maggie Henderson nicht so anzustarren brauchen, sie trägt auch eine Zahnprothese, also muß es einer der Gäste sein. Ralph: Ich seh aber keinen mit nem Zahnstocher im Mund. Turnbuckle: Ralph. Ralph: Toast mit Butter wäre auch was. Turnbuckle: Ralf was geht mit einem Zahnstock einher. Ralph: Kleines Steak, echte Zähne. Turnbuckle: Davon abgesehen. Ralph: Ich gebs auf. Turnbuckle: Weitere Zahnstocher, ein regelmäßiger Benutzer von hölzernen Zahnstochern muß ständig einen Vorrat bei sich haben. Ralph: Du meist also wir sollen alle durchsuchen und wer Zahnstocher hat ist unser Kandidat. Turnbuckle: Nein Ralph, das wäre ziemlich mühselig, wir könnten rein logisch die Anzahl der Verdächtigen weiter verringern, im Zeitalter der Gleichberechtigung sieht man auch Damen bei dieser unästhetischen Beschäftigung, aber kannst du dir eine Frau vorstellen die ein Bündel Zahnstocher bei sich trägt. Ralph: Na gut, dann scheiden Frauen und Männer mit Zahnprothesen aus, was machen wir jetzt, allen Männern in den mund schauen. Turnbuckle: Das wird nicht nötig sein, tatsächlich kann ich in diesem moment schon unseren Mörder bestimmen, Ralph beiß jetzt bitte nicht in das Tischtuch, sondern hör mir zu wenn du einzelne Zahnstocher mit dir führest wo würdest du sie aufbewahren. Ralph: Also wenn ich mirs gründlich überlegen in der Tasche. Turnbuckle: Richtig aber nicht in der Gesäßtasche, denn das würde das hinsetzen zu einem gefährlichen Abenteuer machen, bei den vorderen Hosentaschen würde man noch traumatischere Verletzungen riskieren, bei den Jackettaschen zerstochene Fingerkuppen, also was ist der ideale Aufbewahrungsort für eine chaotische Horde Zahnstocher. Ralph: Ich hab Hunger. Turnbuckle: Die Weste, Ralph, ihre Taschen sind ausreichend eng, so daß diese kleinen Schlingel weder durcheinandergeraten noch herausfallen können, außer vielleicht bei einer ungewöhnlichen heftigen Bewegung. Ralph: Ich verstehe und da nur einer von den Gästen eine Weste trägt, nämlich dieser große Kerl mit den gelben Zähnen und dem ausgesprochen unangenehmen Grinsen, nehme ich an, daß wir ihm jetzt ein paar Fragen stellen müssen ok. Latimer: Horace Latimer, ich bin sein Bruder, als ich die Polizeiautos hier reinkurven sah, kam ich natürlich rüber um zu sehen was los ist. Turnbuckle: Wie kamen sie und ihr Bruder miteinander aus. Latimer: Gar nicht. Turnbuckle: Sie sind recht offen. Latimer: Sie hätten ja doch gemerkt, tatsächlich haben wir vergangene Woche das erste mal seit 20 Jahren wieder miteinander geredet. Turnbuckle: Wieso gerade letzte Woche. Latimer: Ich war pleite ich hab meine Anstellung verloren und hätte ein kleines Darlehen gebraucht. Turnbuckle: Und. Latimer: Er gab mir 50 Dollar und den Rat auf weitere 20 Jahre verschütt zu gehen. Ralph: Sie verloren ihre Stelle, sagten sie, was war das für eine Tätigkeit. Latimer: Ich hab bei einer Bootslinie auf dem See gearbeitet, hatte da ne kleine Auseinandersetzung mit einem 3.Offizier und hab ihn versehentlich bißchen angeritzt Ralph: Sie haben ihren Bruder 20 Jahre lang nicht gesehen, und wurden von ihm nicht mit offenen Armen empfangen, warum haben sie dann sich ausgerechnet in der Pension gegenüber eingemietet. Latimer: Als ich von Vik wegging, wollte ich noch einen trinken in einer Bar hier in der Nähe, da hab ich gehört daß die einen Barkeeper zur Aushilfe suchen und nahm den Job, und die Pension dadrüben ist die billigste weit und breit. Turnbuckle: Hatten sie schon mal Probleme mit der Polizei. Latimer: Ein oder zweimal. Turnbuckle: Irgendwas schwerwiegendes als angeritzte dritte Offiziere. Latimer: Vor ein paar Jahren wurde ein Freund von mir erstochen, sie wollten es mir anhängen, aber mein Alibi war bombensicher, ich war bei meiner Freundin Elsie als Jack getötet wurde, sie war bereit das vor Gericht zu beschwören. Ralph: Und wo waren sie gestern abend, Bier zapfen. Latimer: Ich hatte Tagschicht, ich war im Bett. Ralph: Allein. Latimer: Nein mit Elsie. Turnbuckle: Oh mir steckt ein Sesamkorn zwischen den Zähnen, sie haben nicht zufällig einen Zahnstocher bei sich. Latimer: Doch hab ich, geht aufs Haus. Turnbuckle: Danke Mr Latimer. Ralph: Verdammt, ich glaub auch daß er es war, wahrscheinlich um das Hotel zu kriegen, aber wenn wir gegen einen Verdächtigen nichts anders in der Hand haben als deine Zahnstocher, schauen wir ziemlich alt aus. Turnbuckle: Warte, ich gehe noch mal in die Küche, ich hab das Gefühl da finde ich was. Ralph: Kombination. Turnbuckle: Intuition. Ralph: Na prima. Turnbuckle: O Mrs Henderson, ihr Kuchen duftet ja köstlich, ist er schon fertig. Henderson: Sie können gerne nachschauen, aber wenn sies genau wissen wollen, müssen sie ihn anpieken. Turnbuckle: Stimmt, mit einer Stricknadel, haben sie eine. Henderson: Hygienischer ist es mit einem Zahnstocher, nehmen sie den. Turnbuckle: Mrs Henderson. Henderson: Ich hab deswegen immer ein paar in der Schürzentasche. Turnbuckle: Au verdammt, jetzt hab ich mir die Finger verbrannt. Henderson: Geben sie her, geben sie her, ja ich hab gesehen, wie sie vorhin den Zahnstocher untersuchen, ihr polizisten und wissenschaftler findet doch sowieso alles raus, also kann ichs gleich hinter mich bringen. Turnbuckle: Aber warum, warum haben sie ihn umgebracht. Henderson: Viktor wollte ein Mädchen heiraten, daß er bei der Hoteliertagung in Shyboygan kennengelernt hat, sie ist Kellnerin in einer oben ohne Bar, ich bin seit 22 Jahren hier Köchin und seit 21 Jahren mit Viktor verlobt, gestern abend spülte ich noch ein paar Sachen, als er in die Küche kam, er hatte was getrunken, wie immer wenn er sich Mut machen will, und kam sofort zur Sache, und sagte er wird sie heiraten, weil er verrückt nach ihr ist. Turnbuckle: Und da griffen sie in einem Anfall wahnsinniger Eifersucht nach dem Brotmesser. Henderson: Oh entschuldigung, nein nein ich glaub ich hab ihn umgebracht weil er wollte daß ich das Hotel verlasse, er wollte mich nicht mehr in seiner nähe haben, nicht mal als Köchin, er hatte Angst sie könnte das mit uns erfahren und böse werden. Turnbuckle: 22 Jahre, hat er ihnen nie einen Heiratsantrag gemacht. Henderson: Nein, er sagte immer er wird mich heiraten wenn ich schwanger bin, an mein 40 Geb als er wieder mal ein bißchen zu viel getrunken hatte da verplapperte er sich und es kam heraus daß er sich vor Jahren sterilisieren hatte. Turnbuckle: Sie hätten auf der stelle gehen sollen. Henderson: Ich weiß o der Kaffee ist fertig, es ist mir wirklich zimlich egal was mit mir wird, schlimm ist nur daß ich gegenüber Mandy versagt habe. Turnbuckle: Wendy. Henderson: Meine Nichte, die Tochter meiner Schwester, ich hab ihr seit ihr Mann gestorben war die ganze zeit mit geld ausgeholfen damit sie ein bißchen besser leben kann, Mandy war wirklich gut in der Schule, sie hat jetzt angefangen Sexualmedizin zu studieren, Andrologie, nein Männerleiden, ach das Kind, jetzt wird sie nie Ärztin werden, weil ich nichts mehr für sie tun kann, Kaffee, darf ich ihnen einschenken. Turnbuckle: Sehr gern vielen dank, tja wirklich schade, ich denke aufgrund ihres langjährigen eheähnlichen Verhältnisses mit Viktor sind sie nach unserem Gewohnheitsrecht seine Frau mit allen Konsequenzen gewesen, und hätten demnach gute Chancen das Hotel zu erben auch gegen die Ansprüche eines entfremdeten Bruders. Henderson: Ach so, ja was solls, ich habe Viktor getötet und ich glaube nicht daß ein Mörder von seiner Tat auch noch profitieren darf. Turnbuckle: Wie schrecklich wahr, und so wird Viktors Bruder das Hotel bekommen, Mandy wird sich am besten gleich auf eine Ausbildung als Krankenschwester vorbereiten, und während sie in Taschita hinter Gitter sitzen wird Viktors Bruder 5 Dollar Zigaretten rauchen und sich an die neue Köchin ranmachen. Henderson: Ja das Leben ist manchmal eine zimlich krumme Sache. Turnbuckle: Dann muß ich sie jetzt aufs Polizeipräsidium mitnehmen, ein Glück für uns daß sie geständig sind, wir haben nämlich keine brauchbaren Beweise gegen sie. Henderson: Keine Sorge ich werde behilflich sein. Turnbuckle: Das sagen sie jetzt, aber ich frage mich, was passieren wird wenn wir erst im Präsidium sind, dort widerrufen sie möglich ihr Geständnis, sie könnten behaupten, durch Einschüchterung dazu gezwungen worden zu sein, oder noch schlimmer, sie hätten überhaupt nie jemanden gegenüber irgendwas gestanden, sie könnten auf den Gedanken verfallen angesichts der Beweislage einfach abzuwarten und ihre Zahnstocher loszuwerden, also dann machen wir uns auf den Weg und nehmen ihr Geständnis auf. Henderson: Was für ein Geständnis. Turnbuckle: Sehen sie, ich wußte doch daß es so kommen würde. Henderson: Möchten sie ein Stückchen Kuchen. Turnbuckle: Drei wenn sich das machen läßt, eins für mich. Henderson: Und zwei für ihren hungrigen Freund da draußen. Turnbuckle: Unlösbare Fälle machen ihn besonders hungrig. Wiggins: Hungrig, sagten sie hungrig Mr Turnbuckle, ich kann ihnen selbstverständlich belegte Brote holen lassen. Turnbuckle: Was, nein danke Sergeant Wiggins. Wiggins: Und sie wollen immer noch keinen Anwalt. Brannigan: So Wiggums, ich brauch sie jetzt nicht mehr, und nun zu ihnen, ja nun gehen sie schon Wiggums, machen sie sich woanders nützlich, tja ihr Captain Johnson nimmts wohl eher von der humorigen Seite, zur rechten zeit am unrechten Ort und immer in Schlamassel, das ist typisch Henry, und er hat bestätigt, daß sie sich vor einem viertel Jahr auf eigenen Wunsch vom Dienst beurlauben ließen um wieder Student zu spielen. Turnbuckle: Ich beabsichtige eine Arbeit über polizeiähnliche Organisationen zu schreiben, die Tätigkeit als Privatdetektiv war so eine Art Praktikum. Brannigan: Ja sehr erfolgreich wie man sieht, gehört das auch zum Praktikum einen Stempel wo draufsteht Sünder müssen büßen in der Tasche rumzutragen. Turnbuckle: Weiß hier noch jemand außer ihnen daß sie vorhin das ding bei mir gefunden haben. Brannigan: Nein. Turnbuckle: Sehr gut, vielleicht glauben sie jetzt einem ehemaligen Kollegen, dieser Stempel war nicht in meiner Manteltasche, bevor ihre Leute mich in der Garage abgefangen haben, danach wurde ich von ihnen allerdings dauernd rumgeschubst und befingert. Brannigan: Wollen sie sich beschweren. Turnbuckle: Gott behüte nein, ich ziehe daraus lediglich die Schlußfolgerung, daß nur ein Angehöriger dieser Personengruppe mir den Stempel in die Tasche praktiziert haben kann. Brannigan: Aber warum sollte jemand auf so eine Schnappsidee kommen. Turnbuckle: Der Mitternachtswürger hat bemerkt daß sie ihm auf den Fersen sind, und er nutzte die durch meine Verhaftung gebotene Gelegenheit einen anderen zu belasten. Brannigan: Wollen sie etwa damit sagen daß einer meiner Leute. Turnbuckle: Die Logik erlaubt leider nur diesen einen Schluß Captain Brennigan. Brannigan: Wie wärs denn dann mit mir. Turnbuckle: Nein sie muß ich ausschließen, sie hatten keinerlei Gelegenheit. Brennigan: Wegen ihrer Logik soll ich also jetzt ein dutzend diensttuender polizisten überprüfen. Turnbuckle: Das wird nicht nötig sein, ich habe einen anderen Vorschlag, machen sie jetzt so schnell und so gründlich wie möglich im ganzen Haus bekannt, daß man statt des Würgers versehentlich einen Kollegen geschnappt hat, dann laden sie mich als Entschädigung in die Kantine ein, nur zum schein, ich zahle mein Sherry natürlich selbst, meinen Mantel lassen wir hier hängen, und ich stecke den Stempel jetzt wieder in die Tasche, einen kleinen Privatdetektiv zum Sündenbock zu machen ist eine sache, einen polizisten eine andere, ich bin sicher während unserer abwesenheit wird derjenige der mir den Stempel in die Tasche getan hat, versuchen ihn unbemerkt wieder herauszuholen. Brannigan: Ok aber nur weil Captain Johnson gesagt hat trotz allem hätten sie manchmal so einen Riecher, Higgings, Mccarseon, Endemy, wißt ihr wen ihr mir da eingefangen habt, der Kerl ist polizist, ja polizist, sagt es ihn nur weiter den anderen Kollegen, diesen Pfeifen die an diesem Einsatz beteiligt waren, ein Kollege. Turnbuckle: Mein Kopf. Wiggins: Mr Turnbuckle. Turnbuckle: O Sergeant Wiggums. Wiggins: Ich wollte ihnen nur gratulieren, sie sind ja jetzt ein freier Mann, hier ihr Mantel, ich darf ihnen hineinhelfen. Turnbuckle: O danke nein, ich wollte ja eigentlich nur. Wiggins: Bittesehr, moment ihr Gürtel, er hat sich verdreht. Turnbuckle: Sergeant Wiggums, oh nein. Wiggins: Was bitte sir. Turnbuckle: Ich gestehe daß ich eine Sekunde lang noch glauben wollte, es bereite ihnen vielleicht ein kleines Vergnügen unter dem vorwand, seinen Mantel zurechtzurücken, einen andern Mann heimlich zu befingern. Wiggins: Was erlauben sie sich. Brannigan: Keine falsche Bewegung Wiggums und den Stempel da auf den Tisch schau an, Wiggins die alte Trauerweide, manchmal hab auch ich so einen Riecher. Wiggins: Sünder müssen büßen, oja es wird kommen der Tag des Gerichts, der Herr ließ Pech und Schwefel regnen über Sodom und Gomorra. Eben und diese Drecksarbeit sollte man ihm besser selbst überlassen. Brannigan: Sonst noch was Wiggums. Wiggins: Ja einen Anwalt. Ralph: Und Henry, Captain Johnson ist völlig aus dem Häuschen, wegen deinem Erfolg mit dem Mitternachtswürger, er hat gemeint, nachdem dein incognito als Privatdetektiv sowieso geplatzt ist, ob du dir das noch mal überlegen willst mit dem studieren. Turnbuckle: Es gibt Zeiten da denke ich das ganze Universum ist eine Illusion, und ich bin der einzige dem man nichts davon gesagt hat. Ralph: Weißt du was, meine Frau ist dieses Wochenende auf einem Yogakurs, ich bin in einer halben Stunde bei dir, dann erklärst du mir das noch mal in aller Ruhe. Henry Turnbuckle: Jochen Busse Ralph: Michael Hinz Captain Brannigan: Michael Mendl Sergeant Wiggins: Herbert Weicker Barkeeper: Michael Schwarzmeier Netterly: Jochen Striebeck Maggie Henderson: Ilse Neubauer Horace Latimer: Hartmut Becker Kriminalpolizist und Angestellter: Hubert Mulzer An- und Absage: Beate Himmelstoß Henry Slesar: Genau die richtige Art von Haus (WDR 1965) Sally: Dadadabadada, hu-la… Hacker: Sally. Sally: Hu-la, lalala... Hacker: Sally, bitte hören Sie gefälligst mit dem Geplärre auf, das macht einen ganz krank. Sally: Ja, Mr. Hacker. Hacker: Machen Sie mal ein Fenster auf, die Luft ist ja zum schneiden. Sally: Das kommt von Ihrer Zigarre, Mr. Hacker. Hacker: Reden Sie nicht, reden Sie nicht, bedienen Sie lieber das Telefon. Sally: Ja, Mr. Hacker, hier Maklerbüro Hacker…ja…ja…bei 30 Grad im Schatten, nein, nein, Idiot. Hacker: Sind Sie immer so höflich zu meinen Kunden? Sally: War kein Kunde. Hacker: Wer wars denn? Sally: Heizölfirma. Hacker: Was wollte die denn? Sally: Öl verkaufen. Hacker: Was, Heizöl bei der Hitze, Idiot. Sally: Hab ich doch gesagt, hida...badadada... Hacker: Ein fremder Wagen. Sally: Häh? Hacker: Fährt ganz langsam, sehen Sie mal, New Yorker Nummer dem gelben Rechteck nach zu urteilen. Sally: Sagen Sie bloß, wir kriegen Kundschaft. Hacker: Sieht fast so aus, der, der scheint jemand zu suchen, tatsächlich, der hält vor unserm Haus. Sally: Auch das noch. Hacker: Na los, Sally, tun Sie so, als hätten Sie was zu tun. Sally: Was denn Mr. Hacker, Whisky holen oder. Hacker: Nein, was geschäftliches natürlich, spannen Sie einen Bogen in die Maschine und tippen Sie. Sally: Was denn, richtig arbeiten. Hacker: Und machen Sie das Radio aus, los, los. Sally: Jajajajaja... Hacker: Bewegen Sie sich ein bißchen. Sally: Schön, schön spielen gut gehendes Geschäft. Hacker: Ja, na, etwas schneller. Sally: Was soll ich denn nur tippen, Mr. Hacker? Hacker: Von mir aus das Alphabet vorwärts und rückwärts, Hauptsache, es hört sich nach Arbeit an. Sally: OK. Hacker: Na schneller, können Sie nicht ein bißchen schneller. Sally: Ja. Hacker: Ja. Waterbury: Mr. Hacker? Hacker: Ja, Sir. Hacker, Haus- und Grundstücksmakler, was kann ich für Sie tun? Waterbury: Ich hab hier in dieser Zeitung Ihre Anzeige gefunden. Hacker: Ja, ich setze jede Woche ein Inserat ein, hin und wieder inseriere ich sogar in der Times. Waterbury: Soso. Hacker: Ja, die, eine Menge Leute aus der Großstadt interessieren sich nämlich für Städte wie, wie unser kleines Ivy Corners, Mr. Waterbury: Waterbury, darf ich mich setzen. Hacker: Bitteschön. Waterbury: Danke. Hacker: Nehmen Sie Platz, Mr. Waterbury, ja, gerade diese kleinen idyllischen Städte sind jetzt sehr beliebt, hehehe, nicht wahr, stimmts Sally. Sally: Sagten Sie was, Mr. Hacker? Hacker: Ja, ich sagte was, ich sagte, daß grade Leute aus der Großstadt solche kleinen idyllischen Städtchen wie unseres sehr lieben. Sally: O ja, Mr. Hacker, die Leute sind ganz versessen drauf. Hacker: Ja, schon gut, Sally, schreiben Sie weiter. Waterbury: Ich hab nicht viel Zeit, kommen wir gleich zum Geschäftlichen. Hacker: Ist mir recht, Sir, ähm, Sally, Sally? Sally: Ja, Mr. Hacker? Hacker: Hören Sie endlich mit dem verdammten Geklapper auf. Sally: Ja, Mr. Hacker. Hacker: Also, ist es irgend ein spezielles Grundstück, für das Sie sich interessieren, Mr. W... Waterbury: Waterbury, ja, es handelt sich um ein Haus, das am südlichen Stadtrand liegt, ganz genau gegenüber einem alten Bau. Sally: Ach, das Kühlhaus. Waterbury: Ja, was dieser Bau darstellt, weiß ich nicht, es steht leer. Hacker: Südlicher Stadt, Sie meinen sicher das Kühlhaus, ja dieses, äh dieser leerstehend, leerstehende Bau ist das Kühlhaus, nicht wahr, Sally. Sally: Ja, richtig. Hacker: Und das andere, sagen Sie, war das ein Haus, etwa so ein altes Haus mit Säulen und. Waterbury: Ja, es hatte Säulen. Hacker: Und eine Veranda davor, so eine alte hölzerne Veranda und rund herum so ein verwilderten Garten, meinen Sie das Haus. Waterbury: Die Beschreibung paßt genau, das ist das Haus, das ich meine, also, wie steht es damit, soweit ich mich erinnere, habe ich irgendwo eine Tafel „Zu verkaufen“ gesehen, aber 100prozentig weiß ich es nicht. Hacker: Doch doch, da können Sie schon recht haben, also so ein Haus möchten Sie haben. Sally: Wie wärs denn mit dem Bungalow, Chef? Hacker: Moment, gut, da könnte, da könnte ich Ihnen schon was anbieten, beispielsweise 6 Zimmer, 2 Bäder, Swimmingpool und einen sehr gepflegten Park. Waterbury: Was faseln Sie da von Swimmingpool? Hacker: Also kein Swimmingpool, bitte sehr, bitte, dann vielleicht äh ein Waldgrundstück, Blockhaus, 5 Zimmer, eigenes Jagd. Waterbury: Mr. Hacker, hören Sie zu, ich habe Sie nicht nach irgendeinem Haus gefragt, sondern nach dem Haus mit den Säulen und der Veranda davor. Hacker: Aber lieber Mr. Waterbury, das ist doch kein Haus für Sie. Waterbury: Überlassen Sie das gefälligst mir. Hacker: Bitte, bitte, schön, Sally, bitte die Akte Grimes, bitte bißchen schneller, ja, ich werde es Ihnen zeigen, Mr. Waterbury, aber ich garantiere Ihnen, daß Sie das Haus nicht kaufen werden. Sally: Bitte sehr, Mr. Hacker, Grimes, hier ist die Akte. Hacker: Na, dann wollen wir mal sehen. Aber vielleicht ist es am besten, Sie lesen es selber, Mr. Waterbury: Ja gut, geben Sie her, aha, echter Kolonialstil, 8 Zimmer, 2 Bäder, automatische Ölheizung, geräumige Veranden, Bäume und Sträucher, Geschäfte und Schulen in der Nähe, aber was wollen Sie eigentlich, Mr. Hacker, hört sich doch alles wunderbar an. Hacker: Ja, lesen Sie nur weiter. Waterbury: Gepflegtes ruhiges Wohnviertel ohne Industrie, kein Gegenüber, Preis 75...75.000 Dollar, das, das, Sie sind wohl nicht recht bei Trost. Hacker: Na, was habe ich gesagt, immer noch interessiert? Waterbury: Steht das Haus auf einer Ölquelle oder was ist los damit. Hacker: Ohoho, Sie meinen, weil es so teuer ist. Waterbury: Na was wohl sonst, ja. Hacker: Das ist es doch gerade, seit 5 Jahren habe ich das Haus an der Hand, nicht wahr, Sally. Sally: Jaja. Hacker: Seit 5 Jahren, ich will gern verkaufen, das ist doch mein Beruf, nur zu gern, davon leb ich doch, aber bisher hat sich noch kein Käufer gefunden, der bereit ist, ganze 75.000 Dollar für das Haus zu bieten. Sally: Nicht einer. Hacker: Keiner, mit einem Wort, aber Mrs. Grimes läßt einfach nicht mit sich reden. Waterbury: So, sie läßt nicht mit sich reden, hat sie vielleicht einen besonderen Grund, wer ist diese Mrs. Grimes eigentlich. Sally: Die Hausbesitzerin. Hacker: Die Hausbesitzerin, ich glaube, ich glaube, es ist am besten, ich erzähle Ihnen mal alles von Anfang an. Waterbury: Tun Sie das, Mister, wenn ich kaufen soll, muß ich alles genau wissen, ganz genau sogar. Hacker: Mrs. Grimes, die Hausbesitzerin also, ist eine sehr nette alte Dame, vor 5 Jahren, als ihr Sohn starb, entschloß sie sich, das Haus zu verkaufen, nicht wahr, Sally, den Auftrag dazu gab sie mir, ich wollte gar nicht, wirklich nicht. Sally: Das stimmt, das stimmt. Hacker: Ich wollte gar nicht, nicht wahr, Sally, Mr. Waterbury, das hab ich ihr auch mitten ins Gesicht gesagt, der alte Kasten ist doch niemals 75.000 Dollar wert, Sie können es mir glauben, ich verstehe was von Häusern. Sally: Also da können Sie ganz sicher sein, der Chef, der versteht was von Häusern. Hacker: Ganz ganz sicher sein, keine 10.000 ist es wert. Waterbury: So, keine 10, und sie will 75. haben. Hacker: Ja, fragen Sie mich nicht, warum, das Haus ist nämlich wirklich alt. Sally: Ein ziemlich alter Kasten, unter uns gesagt. Hacker: Ja aber nicht so wie die anderen, die solide wie auf Fels gebaut sind, einfach alt ist es, nichts weiter, außerdem ist nie etwas gegen Termiten getan worden, in den nächsten paar Jahren kommt bestimmt ein Balken und dann klappt der nächste runter, zudem stehen die Kellerräume die halbe Zeit unter Wasser. Sally: Na, da brauchen Sie keinen Swimmingpool, ne? Hacker: Die erste Etage ist auf der einen Seite gut 20 cm abgesackt, und das Grundstück ist der reinste Urwald. Waterbury: Ja, weshalb verlangt sie dann so viel dafür. Hacker: Fragen Sie mich nicht, vielleicht Gefühl, für Tradition, seit dem großen Krieg ist das Haus im Besitz der Familie, kann sein, daß das der Grund ist. Waterbury: Ja, das kann natürlich sein, ach, und dabei gefällt es mir so gut, es ist, ich weiß nicht, wie ich es erklären soll, es ist genau die richtige Art von Haus für mich. Hacker. Ich weiß, was Sie meinen, ein freundliches altes Haus, und für 10.000 Dollar wäre es auch ein guter Kauf, aber 75, hahaha. Waterbury: Ich fahr mal hin zu der alten, werd mal mit ihr reden. Hacker: Ich werde bei Mrs. Grimes anrufen und sie auf Ihren Besuch vielleicht vorbereiten. Waterbury: Meinetwegen, also bis später. Waterbury: Genau die richtige Art von Haus ist das. Grimes: Ah, Sie sind sicher Mr. Waterbury, Mr. Hacker hat Sie schon angekündigt. Waterbury: Ja, der bin ich, guten Tag, Mrs. Grimes, wie geht es Ihnen? Grimes: Ich bin zufrieden, wahrscheinlich möchten Sie hereinkommen. Waterbury: Wenn ich darf, es ist nämlich schrecklich heiß hier draußen. Grimes: Oh, aber bitte, mein lieber, bitte, kommen Sie, so, ich habe schon Limonade in den Kühlschrank gestellt, aber eins muß ich Ihnen gleich sagen, Mr. Waterbury, ich lasse mich auf keinen Handel ein, nein, zu diesen Leuten gehöre ich nicht. Waterbury: Aber ich will doch gar nicht mit Ihnen handeln, Mrs. Grimes. Grimes: So, bitte hier herein. Waterbury: Danke. Grimes: Bitte, Mr. Waterbury, nehmen Sie Platz, ich setze mich gleich wieder in meinen Schaukelstuhl, da sitze ich nämlich am bequemsten. Waterbury: Darf ich Ihnen behilflich sein. Grimes: Nein danke, das kann ich recht gut alleine, sonst ist ja auch niemand hier, der mit hilft. Waterbury: Schön dunkel und kühl ist es hier, eine richtige Wohltat. Grimes: Also, was führt Sie her, Mr. Waterbury. Waterbury: Tja, ja da dann will ich es mal folgendermaßen ausdrücken, Mrs. Grimes, ich bin Geschäftsmann, Junggeselle dazu. Grimes: O wie schön. Waterbury: Ja, ich habe schwer gearbeitet und dabei ein hübsches kleines Vermögen gemacht, und jetzt möchte ich mich zur Ruhe setzen, am liebsten an einem Ort, wo es ganz ruhig ist, Ivy Corners gefällt mir, ja, vor einigen Jahren bin ich einmal hier durchgekommen, und zwar auf dem Wege nach, nach Albany, und damals habe ich mir gesagt, hier möchte ich leben, einmal so richtig ausspannen. Grimes: Und. Waterbury: Ja, und als ich heute durch diese Stadt fuhr und dieses Haus hier sah, da, da war ich begeistert, es scheint für mich genau richtig zu sein. Grimes: Mir gefällt das Haus auch, Mr. Waterbury, und deshalb verlange ich auch einen angemessenen Preis dafür. Waterbury: Einen angemessenen Preis, Sie müssen doch zugeben, Mrs. Grimes, daß ein Haus dieser Art heutzutage nicht mehr als. Grimes: Mr. Waterbury, Sie schlimmer Sie, Sie sollen doch nicht mit mir streiten. Waterbury: Aber liebe Mrs. Grimes. Grimes: Jaja, Sie streiten mit mir, und in diesem Punkt, da bin ich nun etwas eigensinnig, ich habe einen Preis für das Haus festgesetzt, und wenn Sie den nicht bezahlen wollen, brauchen wir uns gar nicht mehr darüber zu unterhalten, dann sprechen wir vom Wetter. Waterbury: Aber Mrs. Grimes, ich meinte doch nur, es wäre vielleicht. Grimes: Kein Wort mehr von dem dummen Haus, mein Lieber, wollen wir ein bißchen in den Garten gehen? Waterbury: Noch einen Moment, Mrs. Grimes, bitte, noch einen kleinen Moment, ich weiß, daß es verrückt ist, aber, also gut, Mrs. Grimes, ich bin einverstanden, ich zahle den Preis, ich zahle, was Sie verlangen. Grimes: So, haben Sie sich das auch genau überlegt, Mr. Waterbury? Waterbury: Ja, das habe ich, Geld habe ich genug, wenn Sie unbedingt Ihren Willen haben wollen, bitte, ich bin einverstanden. Grimes: Sie wollen mir wirklich 75.000 Dollar bezahlen. Waterbury: Da Sie darauf bestehen, nun gut, ich, das Haus gefällt mir nun mal, ja, es gefällt mir wirklich. Grimes: Das freut mich, nun, die Limonade ist jetzt bestimmt kalt genug, ich hole Ihnen ein Glas. Waterbury: Sehr freundlich. Grimes: Und dann möchte ich Ihnen einiges über dieses Haus erzählen. Waterbury: Puh, diese Affenhitze, auf die Dauer hält das kein Mensch aus. Grimes: So, Mr. Waterbury, hier ist Ihre Limonade. Waterbury: Vielen Dank. Grimes: Ich habe noch Eiswürfel hinein getan. Waterbury: Oh, danke, Mrs. Grimes, danke, sehr liebenswürdig, oh, das tat gut. Grimes: Dieses Haus befindet sich seit 1802 im Besitz meiner Familie, rund 15 Jahre vorher war es gebaut worden, mit Ausnahme meines Sohnes Michel wurde jedes Mitglied meiner Familie in dem oben liegenden Schlafzimmer geboren. Waterbury: Na ja, da hängt man natürlich an so einem Haus. Grimes: Und außerdem liebe ich dieses Haus, verstehen Sie mich. Waterbury: Natürlich, Mrs. Grimes, ich verstehe Sie ja so gut. Grimes: Michels Vater starb, als Michel 9 war, damals hatten wir es sehr schwer, ich übernahm Näharbeiten, dann starb mein Vater, er hinterließ mir eine kleine Jahresrente, von der ich heute lebe, nicht gerade großartig, aber ich komme zurecht, Michel vermißte seinen Vater sehr, vielleicht sogar mehr als ich es tat, und im Laufe der Zeit wurde er, Gott ja, wild ist das einzige Wort, das einem dabei einfällt, verstehen Sie. Waterbury: Die Jugend. Grimes: Ja, als er das Examen an der Highschool gemacht hatte, verließ er Ivy Corners und ging in die Stadt, gegen meinen Willen, Mr. Waterbury, gegen meinen Willen, damit kein Irrtum entsteht. Waterbury: In dem Alter weiß man das Gute meistens noch nicht zu schätzen. Grimes: Er war wohl so, wie viele junge Leute in dem Alter sind, voller Ehrgeiz, aber noch ohne jedes Ziel, was er in der Stadt anfing, weiß ich nicht. Waterbury: Ja hat er Sie denn nie besucht. Grimes: Er schickte mir regelmäßig Geld, Erfolg muß er also gehabt haben, 9 Jahre lang sah ich ihn nicht. Waterbury: Jajaja, 9 Jahre, das ist wirklich eine recht lange Zeit. Grimes: Ja, es war für mich nicht leicht, aber noch viel schlimmer war es, als er wieder nach Hause kam, und zwar wegen irgendwelcher Schwierigkeiten. Waterbury: Oh, er hatte Schwierigkeiten. Grimes: Ich hatte keine Ahnung, wie groß diese Schwierigkeiten waren, mitten in der Nacht tauchte er plötzlich auf, er sah viel dünner und älter aus als ich es jemals für möglich gehalten hätte, Gepäck hatte er keines bei sich, bis auf einen kleinen schwarzen Koffer. Waterbury: Ja, ja und. Grimes: Als ich versuchte, ihm diesen kleinen Koffer aus der Hand zu nehmen, hat er mich fast geschlagen, mich, seine eigene Mutter. Waterbury: Na, das war aber wirklich sehr unrecht von Ihnen. Grimes: Ja, Sie haben recht, es war nicht richtig, aber der Junge war wohl sehr verwirrt, ich habe ihn nachher zu Bett gebracht, als wäre er wieder ein ganz kleiner Junge, und dann hat er geweint, die ganze Nacht habe ich ihn weinen gehört. Waterbury: Ach, der arme arme Junge. Grimes: Aber er ließ mich nicht zu sich herein, er hatte seine Tür verriegelt, am nächsten Tag schickte er mich aus dem Haus, nur für ein paar Stunden, er hätte irgend etwas vor, sagte er, was es war, verriet er nicht, als ich dann aber gegen Abend heim kam, merkte ich, daß der kleine schwarze Koffer verschwunden war. Waterbury: Was soll das heißen. Grimes: Damals wußte ich es noch nicht, aber gar nicht viel später bekam ich es heraus, schrecklich schnell, in der folgenden Nacht kam ein Mann in unser Haus, ich weiß heute noch nicht, wie er überhaupt herein kommen konnte, merken tat ich es erst, als ich in Michels Zimmer Stimmen hörte, ich schlich an die Tür und versuchte zu lauschen. Waterbury: Was, Sie haben gelauscht, ja und? Grimes: Ich wollte doch herausfinden, in welchen Schwierigkeiten mein Junge steckte, aber ich hörte nur Stimmen, laute und drohende Stimmen, und dann. Waterbury: Und dann. Grimes: Und dann ein Schuß, als ich ins Zimmer kam, stand das Fenster weit offen, der Fremde war verschwunden, und Michel, Michel lag auf dem Boden, er war tot, erschossen, das alles geschah vor 5 Jahren, vor 5 langen Jahren, es dauerte eine ganze Weile, bis ich erfuhr, was passiert war. Waterbury: Was haben Sie denn herausgekriegt. Grimes: Die Polizei hat mir die ganze Geschichte erzählt, Michel und der andere Mann hatten ein Verbrechen begangen, ein schweres Verbrechen, viele viele tausend Dollars hatten sie gestohlen, fast eine halbe Million, eine halbe Million, Michel hatte das Geld genommen und war damit weggelaufen, weil er es für sich behalten wollte, er versteckte es irgendwo in diesem Haus, wo, das weiß ich bis heute nicht, dann kam der andere Mann zu meinem Sohn, um seinen Anteil zu fordern, als er feststellte, daß das ganze Geld verschwunden war, brachte er meinen Jungen um, aus Rache. Waterbury: Und, und Sie haben das Geld nicht gefunden. Grimes: Nein, Mr. Waterbury, nein, sehen Sie, Mr. Waterbury, deshalb habe ich das Haus zum Verkauf ausgeschrieben und viel zu viel Geld dafür verlangt. Waterbury: Ja, viel zu viel, wieso, das verstehe ich nicht. Grimes: Nein, Mr. Waterbury, verstehen Sie wirklich nicht, ich wußte, daß der Mörder meines Sohnes zurückkommen wurde, irgendwann einmal, irgendwann würde er kommen, um sich das Geld zu holen, das viele Geld, das noch immer hier in diesem Haus versteckt sein muß, ich wußte, eines Tages würde ein Mann kommen, um dieses Haus zu kaufen, er würde sich nicht abweisen lassen, auch ein hoher Preis, ein viel zu hoher Preis würde ihn nicht abschrecken, und ich habe recht gehabt, nicht wahr, Mr. Waterbury, 75.000 Dollar sind Ihnen nicht zu viel? Waterbury: Die Limonade...die...die Limo... Mr. Waterbury: Günther Ungeheuer Mrs. Grimes: Annemarie Rocke-Marks Mr. Hacker: Alfred Balthoff Sally: Ursula Langrock Ray Bradbury: Ein langer Weg nach Hause (NDR/SDR 1989) Charles: Es war ein langer heißer Tag gewesen, die Rechenmaschinen im Büro hatten gesungen wie Millionen metallischer Grillen, ein schrecklicher Tag, Mr Sternwall hatte mich angebrüllt, ich hätte Sternwall am liebsten umgebracht, eines Tages dachte ich auf dem Nachhauseweg, eines Tages wirst du diesen Mr Sternwall vom 10. Stock aus dem Fenster werfen, mein Herz ratterte wie eine aus dem Tritt geratene kaputte Rechenmaschine als ich endlich vor der Wohnungstür stand, was hatte doch der Doktor gesagt, ihr Herz hat ein bißchen Ruhe nötig, gönnen sie sich einen Urlaub, Urlaub, es war völlig unmöglich mit Lydia über Urlaub zu reden, jedes Mal wenn ich auf mein Herz zu sprechen kam, klappte ihr Mund zu wie eine Falle, nein, hinter der Wohnungstür hörte ich das Radio plärren wie immer und ich wußte, drinnen wartet sie, die Frau die ich einmal geliebt hatte, o mein gott, dieses ewige einerlei, rein in die Straßenbahn, raus aus der Straßenbahn, das Büro, die Arbeit, diese unendlich langweiligen Gespräche mit Lydia über halbgarem Essen, es war zum verrückt werden, manchmal dachte ich sogar daran Lydia umzubringen, die art und weise wie sie allen jüngeren Männern im Haus nachsah mit starren fibrigen Blick als ob sie Spielzeug wären das nur darauf wartete benutzt zu werden. Travis: Oh hi Mr Guidney, hab gerade ihr Radio in Ordnung gebracht. Charles: Radio, ich wußte gar nicht daß. Travis: Ist wieder alles ok, auf wiedersehen, Mr Guidney. Charles: Ich sah Travis nach, wie er den Flur hinunterging, dann trat ich in die Wohnung, Lydia saß breit hingefläzt auf dem Sofa geschmückt mit ihrer schreienden Rothaarperücke. Lydia: Du bist aber spät dran. Charles: Es ist doch erst fünf nach 6. Lydia: Und morgen ist es 10 nach 6, und am abend drauf zwanzig nach, und es wird später und später und später. Charles: Mein Herz Lydia. Lydia: Dein Herz wieder mal dein verdammtes Herz, du bist kerngesund, Charly, das einzige was dir fehlt ist ein bißchen mehr Nachtschlaf. Charles: Der Doktor sagt aber. Lydia: Also ich kann zu meinen großen leidwesen nicht erkennen daß du nah daran bist tot umzufallen gott hab mich selig. Charles: Ach du du willst doch nur ablenken, mich an der Nase rumführen, der junge Radiobursche dieser Travis ist wieder mal zu besuch da gewesen. Lydia: Mach dich nicht lächerlich, Charli. Charles: Das war zu viel, ihre Kälte brachte mich auf. Charles: Kuck mal da eine Maus. Lydia: Hi, wo. Charles: Guck doch mal hin. Lydia: Wo Charli. Charles: Ihre schreckgeweiteten Augen irrten suchend umher, ich hatte wieder zum alten Trick gegriffen. Lydia: Dafür zieh ich dir diese Woche 10 Dollar mehr von deinem Gehaltsscheck ab 10 Dollar oder du kochst du dir eine Woche lang dein Abendessen selbst wie letzten Monat. Charles: Was sollte ich darauf antworten, die Ehe hat uns gemein und kleinlich werden lassen, das hätte ich vielleicht sagen können und komm Lydia wir verschwinden aus Los Angeles laß uns ein neues Leben beginnen, aber ich wußte ja es hatte kein Sinn, Lydia gehörte zu jener Sorte Frauen die einem aus purer Bosheit Sahne in den Kaffee schütten wenn man ihn am liebsten schwarz mag, und das Radio auf Orkanstärke stellen, wenn einem der Schädel brummt, wie hätte ich ihr meine Sehnsucht nach Ruhe, nach Urlaub, eingestehen können, sie hätte gesagt daß wir uns eine Reise um meiner Gesundheit willen gar nicht leisten können, da saß ich schon lieber da und sah mir beim sterben zu. Lydia: Mach schon die Tür zu und häng deinen speckigen Hut auf. Charles: Wozu, das nutzt jetzt auch nichts mehr, ich hab nämlich gerade jemand umgebracht. Lydia: So wie heißt er denn. Charles: Du scheint mich nicht zu verstehen, ich sagte ich hab gerade jemand umgebracht, umgebracht, abgemurkst, gekillt. Lydia: Gekillt, wirklich. Charles: Nun hatte ich die Sache angefangen, jetzt mußte ich sie auch zuende bringen, ein Rückzieher war nicht mehr drin, machs gut, redete ich mir zu, machts gut, gibs ihr, mach weiter. Charles: Ich hab ihn direkt ins Herz getroffen, ganze Arbeit, ich konnte nicht anders, ich mochte seine Visage nicht, es war einer von diesen Leuten ohne Kinn, ich hab ihm das Herz durchs Rückgrat gepustet, er hat ganz verwundert geguckt. Lydia: Ach nein. Charles: Es war beinahe so, als hätte ich wirklich jemand umgebracht, ich stellte mir den Knall vor, das Blut, die Erregung, mein Herz pochte, und Lydia, ihren Mr Trevis und ihr Radio und ihre niederträchtige Grausamkeit hatte sie total vergessen, sie sah mir zu wie einem Roboter dessen Schlüssel sie verloren hatte, eins war mir klar, wenn ich mich jetzt verplapperte, konnte ich himmlischen Beistand brauchen. Charles: Peng und ab in die Hölle, das hättest du sehen sollen, er knickte über meiner Knarre ein, wie eine Marionette, gott war das aufregend. Lydia: Charlie. Charles: Der Einfall kam mir heute morgen im Büro, Mr Sternwall brüllte mich an, und da hab ich mir gedacht, er sollte nicht so laut brüllen, ich kann das nämlich gar nicht leiden, und dann hab ich mir gedacht wozu ist er eigentlich noch auf der Welt, der wird allmählich alt und irgendjemand muß doch mal dafür sorgen daß er aufhört so herumzubrüllen irgendjemand aber wer, auf einmal ist mir dann die Idee gekommen. Lydia: Du. Charles: Ja ich, Mr Charles Guidney, der kleine ordentliche feige und blaße Angestellte Charles C. Guidney, Blut überall Blut. Charles: Lydias Gesicht war wie es in 10 Jahren nicht mehr gewesen war, alle Gemeinheit war in diesem Augenblick aus ihm gewichen, sie war erschüttert, plötzlich war Lügen die schönste Sache der Welt. Lydia: Aber die Waffe Charly, die Pistole du hast doch gar keine. Charles: Och nichts einfacher als das, ich hab heute früher feierabend gemacht, auf der Main street kann man sich keine Waffe kaufen ohne Waffenschein, also hab ich mir eine geklaut, ne 22er, als der Händler einen Augenblick nach hinten ging hab sie mir geschnappt, dann ging ich zurück ins Büro und folgte Mr Sternwell die Treppe runter, in einer Seitenstraße hab ich ihn dann kaltgemacht, ja und nun bin ich auf der Flucht, wir müssen aus der Stadt verschwinden, Lydia verreisen. Lydia: Wir. Charles: Ja wir beide, natürlich oder. Charles: Sie gab keine Antwort, wenn sie mich wirklich haßte, würde sie mich jetzt der Polizei übergeben, auf der Stelle, mein gott die Peinlichkeit wenn sie wirklich die Polizei riefe, ich würde in ihrer Gegenwart mit der Wahrheit herausrücken müssen und sie würde keifen und kochen und mich noch mehr hassen. Lydia: Und was soll ich deiner Meinung nach tun. Charles: Du meinst du willst mir helfen, du liebst mich noch so sehr daß du mit mir gehst. Lydia: Was soll ich deiner Meinung nach tun. Charles: Vielleicht durchschaute sie mich, vielleicht sah sie ganz neue Seiten an mir weil ich genug Fantasie bewiesen hatte mir eine derartige Geschichte auszudenken, vielleicht spielte sie dieses Spiel selbst gerne mit, ich mußte fast lachen. Lydia: Also Charli, was soll ich deiner Meinung nach tun. Charles: Ich packe die Koffer, du reservierst Plätze im Nachtbus nach San Diego, wir vergessen die ganze Geschichte in Mexiko 6 Monate lang, das wird toll Lydia. Lydia: Wie du meinst Charly. Charles: Und spute dich, viel Zeit haben wir nicht zu verlieren. Lydia: Natürlich Charlie ich geh ja schon. Charles: Etwas verblüfft war ich doch, sie liebt mich, sie hilft mir tatsächlich, sie geht mit mir, singend und lachend suchte ich Kleider zusammen und stopfte sie in die Koffer, dann rasierte ich mich, in aller Ruhe, die Rasiercremetube ließ ich absichtlich offen und gab mir auch gar nicht erst Mühe das Waschbecken zu säubern oder das Handtuch gerade aufzuhängen. Lydia: Hier sind die Fahrkarten. Charles: Du hast aber lange gebraucht. Lydia: Tut mir leid. Charles: Mach das nicht noch mal. Lydia: Es waren zu viel Leute da. Charles: Und bloß keine Ausreden. Lydia: Wirklich ich kann von Glück sagen daß ich überhaupt Karten gekriegt habe. Charles: Lydia. Lydia: Der Bus fährt punkt 9. Charles: Lydia du weißt nicht was das für mich bedeutet, daß du zu mir stehst. Lydia: Ja Charly, ja. Charles: Hörst du mein gott sie umstellen das Haus, wo ist mein Mantel, die Koffer, schnell die Hintertreppe runter, und ab durch die Seitenstraße. Lydia: Der Streifenwagen ist vorbeigefahren Charly. Charles: Ah so ja dann gehen wir wohl doch besser vorne raus, was ich nehme an es sieht ziemlich eigenartig aus wenn wir durch die Seitenstraße türmen. Charles: Es ging schneller als ich gedacht hatte, 123 und wir waren unten trotz der schweren Koffer. Lydia: Mr Kelly. Kelly: Ah sieh an Mr und Mrs Guidney, schönen Tag auch. Charles: Tag Officier. Lydia: Oh bitte, bitte Mr Kelly, Charley wollte den Mann doch gar nicht umbringen. Charles: Was soll das, nimm dich gefälligst zusammen. Lydia: Er wußte nicht was er tat, bitte, bitte erschießen sie ihn nicht. Kelly: Er wußte nicht was er tat, was denn. Charles: Nichts Kelly nichts, das verstehen sie nicht. Lydia: Charly er wird uns erschießen. Kelly: Jetzt aber mal langsam. Charles: Geh rein Lydia, geh rein, ist schon gut Lydia, o gott. Kelly: Wovon reden sie eigentlich. Lydia: Es ist Mr Sternwall, er war alt und gemein, und jemand mußte ihn mal erschießen und Charly hat es getan. Charles: Jetzt ist es aber genug, Lydia du gehst rein und wartest bis ich komme. Kelly: Also Mr Guidney. Charles: Meine Frau hat es mit den Nerven, verstehen sie, sie sie sie glaubt ich hätte einen Mann erschossen, hab ich aber nicht. Kelly: So. Charles: Nein Sir hab ich nicht, war alles nur ein Witz. Kelly: Nur ein Witz, aha und das hier, natürlich schaffen sie die Klamotten gerade zum trocknen in die Wäscherei rüber. Charles: Klamotten. Kelly: In ihren Koffern natürlich und dieses kleine grüne Papier das aus ihrer Tasche guckt, da wär also keine Busfahrkarte nach San Diego. Charles: Officer ich sag ihnen doch meine Frau bringt alles komplett durcheinander. Kelly: Darf ich dann vorschlagen, daß sie mich aufklären. Charles: Rufen sie doch auf dem Revier an, fragen sie doch mal nach, ob in den letzten 3 Stunden irgendwelchen alten Männer getötet wurden. Kelly: Also so beknackt bin ich nun auch wieder nicht Mr Guidney, vielleicht haben sie die sterblichen Überreste versteckt. Charles: Also bitte Kelly sehe ich denn wie ein Verbrecher aus, kommen sie mal her. Kelly: Aha. Charles: Verstehen sie jetzt, wenn sie herauskriegt, daß alles ein ausgemachter Schwindel ist, trag ich den Kopf nie wieder oben, die zieht mir bei lebendigem Leib die Haut ab. Kelly: Das ist natürlich eine andere Sache, aber keine Angst, ich werde ich Katze schon nicht aus dem Sack lassen. Charles: Danke Kelly. Kelly: Ich weiß genau wie ihnen zu mute ist, also meine Frau manchmal, naja, ich hoffe es macht ihnen nichts aus Mr Guidney, wenn ich trotzdem mal anrufe. Charles: Na klar doch klar. Kelly: Nur ne Frage, liegt was besonderes vor. Charles: Was ist. Kelly: Was, ein Mord natürlich, ja, was, wirklich, tatsächlich. Charles: Na was ist denn nun Kelly. Kelly: Ach hat er. Charles: Es ist doch nichts oder. Kelly: Ja wenn das so ist, mach ich. Charles: Was denn Kelly. Kelly: Er steht direkt neben mir, ok. Charles: Nein Kelly nein, sehen sie mich nicht so an. Kelly: Oh doch Mr Guidney, ich verhafte sie hiermit wegen Mordes an einem gewissen John Pastor, der vor einer halben Stunde an einer Schußwunde verblutend aufgefunden worden ist, erschossen mit einer 22 Pistole in einer Toreinfahrt, hinter ein paar Kehrrichtkübeln drüben in der Tempelstreet, das ist gerade mal 8 Ecken von hier, nah genug also um mich an, verdammt. Charles: Was blieb mir anderes übrig, ich trat Mr Kelly genau in dem moment vors Schienbein als er die Handschellen hervorholte, dann gab ich ihm noch eins mit der Faust, Kelly blieb regungslos liegen, dann rannte ich zurück über die straße ins haus. Lydia: Charly, wir können nicht entkommen, wir schaffen es nie. Charles: Glaubst du. Lydia: Wir waren verrückt es zu versuchen. Charles: Jetzt ist alles ganz anders, warte auch mich Lydia, ich bin gleich zurück. Lydia: Und die Busfahrkarten. Charles: Die brauchen wir jetzt nicht mehr, bis nachher Lydia. Lydia: Wo gehst du hin. Charles: Ich weiß es nicht. Lydia: Charly komm zurück, Charly. Charles: Ein leben lang sture Mittelmäßigkeit, und nun auf einmal bum krach peng Jack the Ripper, die kalte Hand des Schicksals, ich blickte mich um, hier war es also passiert, vor einer halben Stunde, in diesem schäbigen Einkaufsviertel, in dem Lydia und ich oft einen Bummel gemacht hatten, Schnapsläden, Waffenläden, kleine Cafes, leere Parkplätze und dunkle Seitenstraßen, betrunkene Männer die ziellos umher torkelten du Narr sagte ich mir, die Bullen werden dir deine Geschichte jetzt auf keinen Fall mehr abkaufen, wie willst du die Busfahrkarten erklären, die gepackten Koffer, deine Flucht, die meisten Läden hatten ihre Schutzgitter schon geschlossen, nur ein paar Geschäfte hatten noch Licht. Charles: Ich hörte hier solls ein bißchen Ärger gegeben haben. Mann: Ja da drüben in der Seitenstraße. Charles: Ein alter Mann, was, wer war er, wer hat ihn denn umgebracht. Mann: Ich weiß nicht, ein oller Penner, was geht mich das an. Charles: Haben sie irgendwas gesehen. Mann: Ne, nichts hab bloß blaue Hemden und Sheriffsterne gesehen und Sirenen gehört. Charles: Ich ging weiter und dachte angestrengt nach, du suchst einen alten Mann den du nie zuvor gesehen hast und den der ihn umgebracht hat, du mußt den wahren Mörder finden, bei einer Bevölkerung von anderthalb Millionen kann das doch kein Kunststück sein, mir war danach die Leute die mir entgegen kamen anzuhalten ihnen ins Gesicht zu sehen und sie zu fragen, haben sie etwa zufällig vor einer Stunde jemand umgebracht, nein na dann besten dank auch und den nächsten, Mister sind sie ein Mörder, ich ging in jeden Laden der noch offen war, aber niemand hatte was gesehen. Verkäufer: Der tote, Jonny, nein, hat ne menge gesoffen, hat die ganze Zeit hier in den Einfahrten rumgelungert, hat da nachts auch geschlafen aber Grund den kalt zu machen hatte keiner hatte doch kein bißchen Geld, sagen sie haben sie ihn gekannt. Charles: Ich, ich bin sehr nah mit ihm verwandt. Verkäufer: Achso. Charles: Da hatte ich mir ja was schönes eingebrockt, während ich nur so auf dem Nachhauseweg mit dem Gedanken gespielt hatte, Mr Sternwill, meinen Boß umzubringen, hatte ich meinem eigenen geregelten arbeitsamen Leben eine unvorhersehbare Wendung ins Chaos gegeben, dabei hatte ich doch niemand umgebracht, ich ärgerte mich über meine Schnappsidee, ja nun du Schlauberger, sagte ich mir, wenn du nicht der Mörder bist, wer ist es dann. Charles: Mr hat ihnen jemand heute ne Waffe abgekauft, ne 22. Händler: Sie machen wohl nen Witz. Charles: Ich meine es ernst. Händler: Gehen sie mir doch nicht mit sowas auf den Geist, die Leute kaufen sich doch nicht jeden Tag eine Waffe, außerdem man braucht einen Waffenschein. Charles: Vielleicht hat jemand darum gebeten, ihre Waffen ansehen zu dürfen, und wenns nur einer ist. Händler: Ein Kunde oder zwei, ich weiß nicht mehr so genau. Charles: Vermissen sie vielleicht eine Waffe. Händler: Nein wieso denn, überhaupt nicht. Charles: Allmählich wurde ich müde, immer die gleiche Antwort. Charles: Vermissen sie vielleicht eine Waffe Mr. Händler: Warten sie mal einen Moment, glaube nicht, aber 123456, nur 8, es müssen doch 9 sein, 1234 verdammt eine fehlt, eine 22er. Charles: Erinnern sie sich noch, wer sie sich heute angesehen hat. Händler: Klar doch sicher, nur eine Person, konnte die Waffe nicht kaufen, hatte keine Erlaubnis, ich bin dort hinten in den kleinen Raum gegangen und als ich wieder rauskam war niemand mehr da, muß die Waffe gebraucht haben, hat sie einfach geklaut. Charles: Können sie die Person beschreiben. Händler: Natürlich, natürlich kann ich das. Charles: Und der Ladenbesitzer verbreitete sich in größter Ausführlichkeit über die Besonderheiten jener Person, die für das Verschwinden der Pistole verantwortlich war, ich weiß nicht, was plötzlich mit mir loswar, die Knie gaben unter mir nach, der Laden um mich herum löste sich auf, erst nach einiger Zeit gelang es mir, den Händler wieder klar ins Auge zu fassen. Charles: Ein Mörder könnte also ihre Waffe stehlen, jemanden ein paar Ecken weiter erschießen und die Waffe zurückbringen, bevor sie merken, daß sie fehlt oder. Händler: Sicher sicher ich nehm sie fast an, aber sie ist ja nicht zurück gebracht worden, ist immer noch weg. Charles: Auf diese Weise könnte also jemand an eine Waffe kommen und sie benutzen, die Polizei würde sie nie und nimmer aufspüren, und der Waffenhändler würde ebenfalls nie und nimmer Verdacht schöpfen, die Polizei würde nicht auf den Gedanken kommen, Waffen zu überprüfen, die sie schon jahrelang hier haben, sie würde wahrscheinlich fragen, ob eine fehlt, oder ob sie irgendeine 22er verkauft haben, aber das wäre auch alles nicht wahr. Händler: Ja ja vielleicht möglich wäre es ja fast. Charles: Völlig erledigt machte ich mich auf den Heimweg, unterwegs fiel mir ein kleiner Laden auf, dessen Lichter noch an waren und in seinem Schaufenster befand sie etwas bestimmtes, Waffen für die man keine Lizenz benötigte, ich ging hinein, legte etwa Geld auf den Kassentisch und als ich wieder herauskam liebkoste meine Hand in der rechten Manteltasche eine Pistole. Kelly: Ah das sind sie ja wieder. Charles: Ich nehme an, sie kriegen ihren Mörder noch heute abend Kelly. Kelly: Ein Glück für sie Freundchen daß sie aus eigenem Entschluß zurückgekommen sind, noch einmal entkommen sie mir nicht. Charles: Darf ich mich zuerst noch von meiner Frau verabschieden. Kelly: Naja meinetwegen, ich denke ich kann sie adieu sagen lassen. Charles: Könnten sie draußen warten Kelly. Kelly: Gut, Mr Guidney. Lydia: Ach Charly, gut daß dir nichts passiert ist, ich hatte schon Angst, sie hätten dich erschossen. Charles: Beinahe hätten sies und sie tuns vielleicht auch noch. Lydia: Wir kommen bestimmt nicht davon, oh Charly warum hast du es nur getan. Charles: Ich habs gar nicht getan. Lydia: Was. Charles: Ich habe gelogen, hast du denn nicht gemerkt daß ich von anfang an gelogen habe. Lydia: Ich wieso nein nein hab ich nicht. Charles: Und ist dir da nicht ein toller Einfall gekommen, meine teure Gattin. Lydia: Ich verstehe nicht Charly. Charles: Ich hab dich losgeschickt, Fahrkarten besorgen, du mußtest nur in diesem Laden vorbeischauen, der auch Waffen führt, nach einem bestimmten Artikel fragen, so daß der Besitzer für einen Augenblick den Raum verlassen mußte, die Waffe stehlen, die Tempelstreet entlanglaufen, einen von den dutzenden Säufern und Pennern aussuchen die dort in den Eingängen schlafen, den Mann erschießen, zum Busbahnhof weitergehen, die Fahrkarten kaufen und wieder heimkommen. Lydia: Was redest du da. Charles: Als du dann den Polizisten gesehen hast, hast du einen hysterischen Anfall vorgetäuscht, um mich ans Messer zu liefern, ein guter Plan, du hattest nur nicht bedacht, daß ich entkommen und mich bei den Waffenhändlern umtuen könnte, du hattest wahrscheinlich die Absicht, die Waffe morgen zurückzubringen, deine Aussage gegen mich wäre vernichtend gewesen, ich sei heimgekommen, hättest du gesagt und hätte dir erzählt, ich hätte jemanden umgebracht, du hast gehofft daß mich die Polizei bei der Festnahme vielleicht sogar erschießt, die Busfahrkarten, unsere gepackten Koffer, meine Vorgesetzten, die von nichts wußten, unsere Freunde, denen unsere Reisepläne nicht bekannt waren, all das wären verdammt gute Beweise gegen mich gewesen. Lydia: Du fantasierst. Charles: Ich auf Jahre im Gefängnis, womöglich sogar hingerichtet und du frei, frei mit deinen Busfahrkarten hinzufahren wo immer du willst, natürlich in Begleitung deines Freundes Travis, keine Langeweile mehr, was Lydia. Lydia: Du bist verrückt, verrückt, total übergeschnappt. Charles: Tut mir leid daß es so ausgegangen ist, wir hätten glücklich sein können, hätten noch mal von vorne anfangen können, selbst wenn dir klar war, daß ich dir das mit dem Mord nur vorgelogen hatte, du hättest mitspielen sollen, es wäre schön gewesen, aufregend, hast du mich all die Jahre so sehr gehaßt. Lydia: Du bist ja wahnsinnig. Charles: Dann Lydia komm her, dann sieh dir doch erstmal das hier an. Lydia: Nein Charly. Charles: Scharf geladen, so scharf wie deine 22er. Lydia: Du willst. Charles: Es ist aus Lydia. Lydia: Charlie. Charles: Aus, endgültig aus. Lydia: Ja Charly, ja ich habs getan, ich habs getan, ich hab ihn umgebracht, aber nimm das Ding weg, nimm es weg bitte, bitte. Kelly: Ok Mr Guidney, lassen sie ihre Frau in ruhe, ab jetzt kümmere ich mich um sie, geben sie ihre Waffe her. Charles: Ist nichts wert Kelly, nur eine Spielzeugpistole. Lydia: Du Schwein, du Miststück. Kelly: Ruhig Mrs. Guidney, ganz ruhig. Charles: Balduin Baas Travis: Adolphos Sowah Lydia: Evelyn Hamann Kelly: Franz-Josef Steffens Mann: Douglas Welbat Verkäufer: Hans Irle 1. Händler: Gerd Samariter 2. Händler: Gerlach Fiedler Roter Stern (BR/SFB 1992) Hörspiel von Simone Schneider Liebste Lilina, 50.000 Tonnen schwer und höher als das Warenhaus Die Welt des Kindes in den Himmel über Moskau ragt, Lilina, mein erster Wolkenkratzer naht. Vor den Ufern Sewastopols schwimmt New World New York, zwei Klassen und zwei Schornsteine, bunt geflaggt zu Blasmusik auf schwarzem Meer tanzt Roter Stern. Pack deine Tränen in einen Sack und schick Sie mir nach Amerika. Ozean der Fanatiker, reißt sich die blaue Bluse auf, um mich in eine andere Welt zu schaukeln, Lilina, adieu, dein Hündchen. Wladimir auf dem Weg in seine Bordkabine. Tief ist der Ozean. Der Ozean ist eine Sache der Vorstellung. Was unterscheidet ein Ufo von einer schwebenden Ikone? In Moskau setzt man ganze Häuserblöcke auf Räder. Auch das ist eine Sache der Stadtplanung. Im 30. Jahrhundert sind wir die Metropole im Kosmos. Bis dahin wird gearbeitet. Haben Sie Metropolis gesehen? Ich träume oft von Grenzüberschreitung. Zur linken der Nordpol, zur rechten der Südpol, vor uns eine neue Welt und unter uns das versunkene Atlantis. Diese Vorstellung heißt Ozean. Gibt es hier Ungeziefer? Ohne das Wasser wäre es fad. Ich sehe lange Wellen, kurze Wellen, lange Wellen. Wanzen sind wasserscheu. Man wird sich die Zeit vertreiben müssen. Kotzen zum Beispiel. Die erste Klasse kotzt wohin sie will, das ist ja klar. Die zweite kotzt auf die dritte und die dritte bekotzt sich selbst. Seit wann gibts hier Klassen? Ja bitte? Ein Brief für Wladimir Bombrowitsch. Vielen Dank. Liebster Freund, durch dieses Loch betrachtet sieht unser Rußland so klein aus. Wer schwimmt hier eigentlich? Ich oder der Kontinent? Ja, ich bin ein Schwärmer, wenns ums Reisen geht. Mit einer Schiffsreise ist selbst die Reise durch den Tod bei weitem nicht zu vergleichen. Wie unbeschreiblich schön muß erst die Reise zu den Sternen sein, dorthin, wo der neue Mensch die Fesseln der Schwerkraft auch noch abschütteln kann. Können Sie mir den Weg ins Bordkasino erklären? Man sagt, die Kosmofuturologie sei realistische Phantastik. Die Tür zum All sei längst schon aufgestoßen, doch ist der Durchgang noch nicht öffentlich. Nein. Wieviel grenzenloser darf sich da bereits die Tierwelt fühlen? Affen, Katzen, Hunden, Meerschweinchen, ist der Weg zu den Sternen von Geburt an frei. Vielen Dank. Während die Maschinen arbeiten, fliegen die Tiere durchs All. Fast alle Hunde kommen in den Himmel und wollen aus diesem auch nicht mehr zurück. Wladimir auf dem Weg ins Bordkasino. Bei den Aristokraten verhält es sich nicht anders. Auch sie bleiben lieber an der Riviera. Sogar aus Sibirien kommen nicht alle wieder. Die übrigen stehen vorerst über den Wodka in den Tourismus ein. Festlich und glücklich die sorglose Existenz des Menschen im 30. Jahrhundert. Bis dahin werden wir uns die Zeit vertreiben müssen. Ich warte im Bordkasino auf Sie. Ihr Michael Svoboda. Bitte einen Wodka. Wir schließen. Aber all die Leute. Personal. Haben Sie sonst noch etwas anzubieten? Einmal muß der Erlöser kommen. Sein Bild hängt lang genug schon neben der Ikone. Wie so oft bei ähnlichen Anlässen bleibt da die Ernüchterung nicht aus. Vielen Dank. Wladimir auf dem Weg in seine Bordkabine. Davos sucht eine Persönlichkeit. Was ist das? Mit Führungsqualitäten und guten Verbindungen. Lenin kam auch aus Zürich damals. Kein Regentröpfchen weit und breit. Voraussetzungen sind Durchsetzungsvermögen, Verhandlungsgewandtheit und Kreativität. Der Forschungsbereich Schnee und Lawinen umfaßt die Sektionen Wetter, Lawinen und Schnee. Ein Fluß fließt in die Richtung des geringsten Widerstandes, spült weg, was er wegspülen kann, umgeht, was er umgehen kann, selbst wenn es nur ein Misthaufen ist. Liebste Lilina, sei nicht traurig, ich nehme an. Was verstehen die unter Persönlichkeit. Man hat mir vertraglich zugesichert, daß ich nicht zu sterben brauche. Die erste Allunionsversammlung wird in einem schwimmenden Palast vor den Kulissen des Uralsees stattfinden. Schneedecken, Wetter und Lawinenwarnung sowie Kenntnis in der Physik von Schnee und Eis sind erwünscht. Wladimir nennt sich erster Präsident des Erdballs. Als Rangabzeichen mag man ihm ein kleines Flugzeug auf die Stirn. Ich, ich werde den Vize machen und male mir ein Hündchen auf die Wange. Die einzig unverpfuschte Revolution war die Sintflut. In meinem Antrittsreferat behandle ich zentrale Themen unserer neuen Politik. Punkt eins: Man muß den Hunger in der Welt abschaffen. Ausgeschrieben von der eidgenössischen Anstalt für Wetter, Schnee und Lawinenforschung. Dazu sind alle fischreichen Seen zum Kochen zu bringen und die Suppe wird im eingefrorenen Zustand in die ganze Welt verschickt. Punkt zwei: Die Affen müssen in die Menschenfamilie eingegliedert werden mit vollem Bürgerrecht. Ja bitte? Ein Brief für Wladimir Bombrowitsch. Vielen Dank. Liebster Freund, ich ließ Sie warten, das tut mir leid. Auf dem Weg zu Ihnen traf ich Anne Kellermann und ihre Nixen, doch die Begegnung war im speziellen Fall auch eine bittere Enttäuschung. Diese Amerikanerinnen. Aber die Freiheitsstatue ist ja auch keine Frau. Aus ihren Augen kann man sich bestenfalls hinunterstürzen. Möchten Sie einen Wodka? Ich hörte allerdings, daß den wirklich mutigen Sekunden vor dem Aufprall aus Dollarscheinen Flügel wachsen. Mit jeder Leiche steigt der Kurs. O ja bitte. Man sollte auf Liberta setzen. Ohne Wodka wäre Rußland ein Land ohne Lächeln. Ich für meinen Teil halte mich vorerst an das Duplikat, ein reizendes Geschöpf, mit einem Variete reist sie als Statue of Liberty durch die Allillusionsländer, so nennt sie unseren neuen Staat. Ja. Können Sie mir sagen, wie ich zur Kabine von Dr. Svoboda komme? Sie redet wie eine Maschine und ist dabei anhänglich wie der Lieblingshund von Dr. Pavlo, das verrückte Tier. Nein. Kommen Sie mich besuchen. Ich warte in meiner Bordkabine auf sie. Vielen Dank. Ihr Michael Svoboda. Wladimir auf dem Weg in die Bordkabine von Dr. Svoboda. Gehen Sie ins Hypodrom. Eine Million Dollar im Jahr. Chaplin verdient mehr. Sucht man dort Persönlichkeiten. Ein Riesensaal, 5000 Menschen, die Bühne ist breiter als die Rampe im Theater der Nationalen Volksarmee. Wie viele 100.000 Dollar kostet so eine Show? Für Provinzler ist es billiger. Die berühmte Schwimmerin Anne Kellermann zeigt mit ihrer Truppe das Unterseereich. Die Bühne wird in ein riesiges Aquarium verwandelt und in grünes Trikot gekleidete Frauen stellen spielende Nixen dar. Danach kommt die Nummer mit den gelehrten Hunden. Die hat Sladilaswki einstudiert. Entschuldigen Sie, ich glaube, ich habe mich verirrt. Na so was. Von außen sieht es aus wie ein Zementwerk. Aber drinnen, da tobt das pralle Leben. Mit unserem Sowjetclub ist das gar nicht zu vergleichen. Ich suche die Bordkabine von Dr. Svoboda. Realistisch betrachtet habe ich den Anschluß da schon verpaßt. So richtig ungezwungen kann ich mich eigentlich nicht mehr freuen. Wer sind Sie denn? Wladimir Bombrowitsch. Horrende Eintrittspreise, denk ich mal. Ich bin der Heizer. Sind Sie nicht der Kellner? Manchmal wird die Bühne auch in eine alpine Eisbahn verwandelt. 4 bis 5000 Arbeiter zeigen ihre Meisterschaft im Schlittschuhlaufen, Rodeln oder Skifahren. Sie sind hier in der Bodenversenkung Nummero 15, stellen Sie also keine Fragen. Wie bitte? Vor der Wirklichkeit gibt es die Symbole. Sie verstehen schon? Alles falscher Zauber. Ach so. Kennen Sie die berühmte Melodie der amerikanischen Soldaten: Its a long way to Tipperary? Alles läuft nach Plan. Wenn Ilan Illnitsch die letzten Takte seiner Heimatschnulze abgepfiffen hat, ertönt das Nebelhorn und der Inspizient gibt den Jungs auf der Seitenbühne das rote Zeichen, die stürmen von links und besetzen die Rampe, währenddessen fährt mein Podest hoch und von der Brücke fällt ein roter Lichtkegel auf mich, Wladimir wirft mir vom rechten Portal aus eine Schaufel zu, sie fliegt im hohen Bogen durch die Luft, im Orchestergraben ertönt ein Trommelwirbel, ich fange die Schaufel auf und eine Sekunde lang herrscht Totenstille, dann gebe ich den Auftakt zur 38. Heizerinternationale. Hello, bourgeois, nice to see you, you volkstümlicher Spießer. Träum ich? Wer bist du denn? Wladimir folgt der Amerikanerin. Ihm folgt der Kellner. Zwischen Erlöserturm und Kathedrale kriecht eine Schlange über den roten Platz. Hipp Hipp Bolschewik. I’m a Bolschewik. Hipp Hipp. Alle Macht den Sowjets. Ein gewürfeltes Wort des Herrn unter der Tribüne wie König Mauselos von Halikanas, die Zukunft im Reich der roten Sternchen, kein Mensch zahlt hier Wegzoll, die Welt ist groß genug für alle Lebenden, einschließlich der Toten. Die Moskauer Metro saust um die Erdball, sieben Quader ineinander gesteckt um daraus den babylonischen Turm zu bauen, 400 Meter plus 70 Meter, Lenin hieß es später dann, der Anfang war fast ebenerdig, roter Granit, rosa Marmor, schwarzer Labrador, aus Armenien Karfunkelstein, davon steht Wache Nummer Eins. Adamsäpfel hüpfen zwei Treppen in die Tiefe hinunter ins Grab. Hipp Hipp Bolschewik, I’m a Bolschewik. Hipp Hipp. Woher kommt das Licht? Aus Wachsen Pergament ein Kopf, Triumph der Technik an dem die Schlange vorbeikriecht. Darf ich Sie ein Stück begleiten? Woher nur dieses Leuchten? Ha, die Kleine war. Haben Sie einen Brief für mich? Ein Kopf und zwei Hände über einer dunklen Decke, fordern die strikte Einhaltung aller Temperatur und Feuchtigkeitsfaktoren. Nein, ich folge Ihnen ganz privat. Die Schlange kriecht durch das Gewebe, irgendwas zwischen gelb und grau. Warum? Die Mumifizierung des Mussek. Die Methode der Konservierung ist Staatsgeheimnis. Kein über das Gesicht gelegtes Brustbild, ganz ohne Eingeweide wird er täglich zur Ikone gespritzt. Wo also ist dein Herz, Genosse Parteiführer? Hipp Hipp Bolschewik, I’m a Bolschewik. Hipp Hipp. Im roten Trauerzug marschieren schon Hammer und Meisel, der Steinhauer schnauft, da freut sich der Steinmetz, Bulgarien, Kuba, Smolensk, Boltera, Kimeroko, Berbia und in der Ukraine, 9 Meter hoch, 12 Meter breit, und 6 Meter tief, aus weisem Granit, dassehrseht. Irgendwann muß der Erlöser kommen. Über die kleinen redet er erst gar nicht. Das sagten Sie bereits. Alle aus weißem Marmor und ähneln einer Sphinx mit ausgebreiteten Flügeln, das Bilestal aus Bronze, blicklose Augen und schattenhaftes Lächeln, das Lächeln verwittert. Sind Sie sicher, daß Dr. Svoboda Sie heute noch treffen? Rotarmist vor Sonnenaufgang. An einer Brust klingeln die Orden, auf dem Schreibtisch zwei Telefone. 8 Meter hoch, 8 Meter breit, und 9 Meter tief. Ich betrachte die jetzige Lösung nicht als endgültig. Ich fürchte, mein Marx wird das nicht überleben. Bald stirbt der Apparat. Was wird nach ihm kommen? Im Kirchenschiff aus weißem Marmor riecht es nach Weihrauch und Knoblauchzehen, nach gerechtem und nach Ungerechtem Gewinn, am Kiosk verkauft der Pope Weihwasser, wir haben schwer gesündigt. Trägheit, Schlendrian und Sabotage vielleicht. Am Horizont die Wohnmaschinen der Vorstädte. Denken Sie, ich bekämpfe das Kapital. Vor ihnen blüht der Stammbaum der Romanows. Das ist falsch. Die Schlange windet sich wund um diese grauen Äste. Ich begreife es nicht. Da knallt der eiserne Rollvorhang im Kongreßpalast runter, Parteiführer und Goldgrund blicken in die Zukunft, ohne Gnade, wir leben nicht im Paradies, nur im Wunschland gibt es Ordnung, Reichtum, Zivilisation. Dem Christus Dostojewskis gehört das nächste Jahrtausend. Ihre Sorgen möchte ich haben. Auf den roten Läufern herrscht Geschäftigkeit, wie eh und je. Etwas kann ganz plötzlich verschwinden. Auch ich nehme kein Trinkgeld. Daraus schlagen die Devotionalienhändler Gewinn. Die Schlange kriecht so lange zu Boden. Gibt es hier einen Postkasten? Seit Rosengedenken haben wir noch nie einen Gärtner sterben gesehen, rufen die Rosen. Meine Seele wurzelt in jener Tiefe, die nicht rechnet. Und wer schnitt sich die Adern auf, um mit seinem Blut das Beet zu tränken? Ich bin ich, weil mein Hund mich kennt, sagt da die Dame aus Amerika und gleichzeitig stellt sich die Frage: Hat irgendein Franklin Roosevelt irgendeine Identität? Und was machen Sie hauptberuflich? Nebenan wird gehämmert, ein arbeitendes Parlament, kein Dokument belegt den Wunsch nach Einäscherung, wir enthüllen täglich Fälschungen. Revolutionär. Kellner mach ich nur als Aushilfe. Zwölf Bände in roten Leder gleich neben der großen Allillusionsausstellung, in der der Mensch das Maß aller Dinge ist. Was unterscheidet ein Ufo von einer schwebenden Ikone? Lenin hat es am Anfang auch nicht abgelehnt. Der Treibstoff, nehm ich an. Damals tagte hier die Kommintern. Zwei Molotowcocktails für eine Leiche, der Mann war nicht geistesgestört, sagt Prawda. Arme aller Länder, vereinigt euch. Hipp Hipp Bolschewik, I’m a Bolschewik, Hipp Hipp. Exuntropia liegt in einem gläsernen Sarg an der Kremlmauer, über die Bühne des Mausoleums jagt die Führung fluchtartig, wer spielt schon gern auf einem Totenschrein Theater. Wachablösung auf dem roten Platz, Blondinen mit knatternden Fahnen. Sie wirken schlecht ernährt und unterbezahlt. Hinter ihnen torkelt die Maiparade. An goldenen Schnüren hängen die flaschengrünen Uniformen. So als hätten Sie schon lange keinen guten Film mehr gesehen. Schwankend tanzen sie den Trauermarsch. Einmal zu jeder vollen Stunde, seit 1924 bis die Glocke vom Erlöserturm endlich die letzte Stunde schlägt, seit 37 Jahren 24 mal täglich bleibt die Leiche eine halbe Sekunde unbewacht, 112 Tage im freien Totenbett nach neuer Zeit, och was sollen mir die roten Sterne auch. Auch der Sputnik hat der seelischen Perspektive der allgemeinen Weltsicht nichts geändert. Auf einer gerippten Säule steht in 46 Meter Höhe der erste Mensch im Kosmos, ganz Titan, zu seinen Füßen der Müllcontainer. Ganz im Gegenteil. Stehen die Denkmäler vergangener Epochen. Sie verstehen mich. Bald reiten Blauhelme den Labrador, das ist das 30. Jahrhundert. Ich suche einen Postkasten. Die Gottesdienstzeiten sind an der Tür angeschlagen, soweit die Kirchen arbeiten, dahinter fliegende Ikone auf mehreren Etagen der Erde, Rolltreppen in Überschallgeschwindigkeit, aber auch wunderbar erhaltene Bären und Mammuts aus der Eiszone werden gezeigt. Wladimir schließt sich dem roten Trauerzug an. Es endet in einer Katastrophe. Die Schlange steht vor dem Lebensmittelmagazin. Hier herrscht der wahre Kommunismus. Die Straßen werden von 20 auf 60 Meter verbreitert, und auf dem Marx-Prospekt endete der Trauerzug in einer Katastrophe, mit Tausenden von Toten und Verletzen, und die Schlange frißt sich durch den göttlichen Supermarkt. Hipp Hipp Bolschewik, I’m a Bolschewik, Hipp Hipp. Liebste Lilina, die Dreharbeiten richten hier größeren Schaden an als die Revolution selber. Es gibt Tote und Verletzte, die umliegenden Hospitäler sind überfüllt. Heute fing die Arbeit mit einem Radrennen über die Dächer Moskaus an, danach brachte ich eine Zarenstatue mit Stricken und Seilen zum Umstürz, die sich aber wenig später von selber wieder in ihrer ursprünglichen Gestalt aufrichtete, der Gulag schnarcht auf seinem Lager, währenddessen verhungert die Kuh, und ich spanne mich selber vor den Pflug. Später schlendern Wladimir und ich durch die Zurareskaja, der Zauberverkäufer begegnet uns wieder und stellt erneut eine Denkaufgabe. Haben Sie den letzten Film mit Selinski gesehen? In seiner kleinen Flasche sitzt jetzt ein großer Affe. Das Leben eines Hundes. Wie ist er wohl hineingekommen? Die Szene mit den Würstchen rührte mich zutiefst. Endlich muß ich sagen: Dieses Rätsel wird Geschichte machen. Da werden wir auf dem Weg zum Kreml von einem roten Leichenzug überfallen. Der echte Chaplin ist um Klassen besser. Gefesselt wachen wir im Lesesaal der Rotarmisten wieder auf. Aber zu teuer. An der Wand hängt als hölzernes Relief die Karte Europas. Dreht man an einer Kurbel, so leuchten in chronologischer Reihenfolge rot die Punkte auf, an denen Lenin gelebt hat. Danach grub er die von den Räubern vergrabene Brieftasche aus. Zum Glück. Doch der Apparat funktioniert nicht, alle Punkte leuchten gleichzeitig. Die Regierung kauft nur Ramsch ein. Alles Verschnitt. Das ist der Geist der Revolution. Sagt der Kellner. Ja bitte. Ein Brief, für Wladimir Bombrowitsch. Aber zum Beispiel dieser Film über die Torfgewinnung als Sieg über den Brennstoffhunger. Vielen Dank. Sieh da, wie der Zug mit den rebellierenden Gefangenen nach Überschreiten der sowjetischen Grenze senkrecht nach oben durch das Bild fährt, direkt in die Sonne? Das ist aus Die Schöne und der Bolschewik. Ach ja, als der dekadente Graf seiner Geliebten nachts die Zähne in die Halsschlagader haut, zünden die Bauern sein Gut an. Moskau steht in Flammen. Liebster Freund, sahen Sie den Walfisch an uns vorbeiziehen? Ja, der kleine Hund verteidigt seine Knochen also mutig kläffend gegen die anderen Arbeitslosen. Auf seiner Atemfontäne tanzte eine Funkelfee. Ihr weises Haar legte sich wie ein Schleier vor meine Perspektive, der Horizont verlor seine Umrisse und ich steckte im dicksten Nebel. Es endet jedenfalls damit, daß drei sowjetische Bürger zum Mars fliegen und dort eine Revolution auslösen. Dort fand ich ein altägyptisches Rezeptbuch, es enthält eine Anleitung zur Mumifizierung der Pharaonen. Billigste Exportartikel. Drei blies das Horn und über den roten Stern zog ein Sternenbanner, ich sah die Sinfonie der Welten. Aber danach fällt der kleine Hund dann leider selber in die Wurstmaschine. Als der Himmel wieder klar war, erreichte mich ein Funkspruch aus Moskau, der Erdball ist rund, willkommen in der Steinzeit, lautete die verschlüsselte Botschaft. Vergessen Sie Hollywood, kommen Sie in den Funkelraum, unser Sternenreich ist doch die schönste reinste Illusion, beeilen Sie sich, ihr Michael Svoboda. Wladimir auf dem Weg in den Funkelraum. Halt, keinen Schritt. Hier sind Sie im Maschinenraum. Ach ja, Sie sind der Heizer. Ich bin Schauspieler. In welchem Stück? Ich bin ein Diener des Proletkults, unser Stück heißt Geschichte, ich spiele die Rolle der Zeit. Kommt in ihrem Stück ein Postkasten vor? Wenn Moskau in Flammen steht, brennen auch die Briefe. Moskau in Flammen? So heißt unser Stück. Fackeln Sie die Bühne ab? Wir spielen auf einem gläsernem Sarg, vier Personen treten auf, auf ihren Gewändern liest man die Leuchtziffern 1 9 0 und 5. Hipp Hipp Bolschewik. Sie nehmen nebeneinander Aufstellung und bilden so das Jahr 1905. Sie ruft mich. Liberta, Süße. Über die Längsseite des Sarkophags marschieren Soldaten auf und tragen eine der Länge nach gestreckte Rose, das Band ohne Ende verschwindet im Schloßportal. Darüber die Aufschrift: Waschfrau seiner Majestät. Auf der Szene erscheint ein überaus musikalischer Clown mit einer großangelegten, schief aufgesetzten Krone. Hipp Hipp, Bolschewik. Er singt, auf einer leeren Wodkaflasche klimpern. Den Clown verdeckend erscheint ein Manifest, von Gottes Gnaden, Wir Nikolaus der zweite usw. Polizeigeneral. Sie folgt mir, will sich mit mir verabreden. Der Justizminister schwingt seine riesenhafte Tatze und stempelt mit allen fünf Fingern übers Manifest. Auf dem Sarg spielt sich ein Tanzfest ab. Die Militärkappelle schmettern, Studenten, Fräuleins, Frauen, Weiber, Krankenschwestern, Serviererinnen, Amerikanerinnen, haben Sie nicht einen Termin bei Dr. Svoboda? Dr. Svoboda kennt meine Prioritäten. Wie Sie meinen. Zwei Tische voller Weinflaschen sind so aufgestellt, daß zwischen ihnen ein Zug von Häftlingen samt Eskorte hindurchmarschieren kann. Die Gesichter der Begleitsoldaten sind Hundeschnauzen. Die Häftlinge ziehen vorbei, wieder spielt die Musik, dann stellen sie die Gläser ab und bauen aus Kartonmanifesten ein riesiges Kartenhaus. Was sagt sie nur? Auf der ganzen Sargeslänge erscheinen Polizisten. Es zeigen sich der zwergenhafte Zar, die Zarin, und etliche Minister. Alle blasen die Backen auf und beginnen aus Leibeskräften zu pusten. In diesem Moment fliegt eine Bombe auf die Szene. Die Bombe explodiert und streut Flugblätter mit einer Proklamation, von verschiedenen Ecken und Enden laufen verschiedene Leute auf verschiedene Art durcheinander. Ich bin ich, weil mein Hund mich kennt? Ein Arbeiter klebt dem Schutzmann ein Flugblatt auf den Rücken. Gelächter. Die Polizisten klettern plump mit Säbeln und Revolvertaschen. Auf langen mageren stelzenhaften Beinen kommt riesenhaft ein Arbeiter heran. Flügelartig sind an seinen Ärmeln breite Bänder befestigt, mit der Aufschrift Streik. Die Maschinen stehen still. Wau? Wau? Wau? Wau Wau Wau Wau Wau. Wau Wau Wau Wau Wau Wau Wau... Streik. Die Maschinen stehen still. Nur die Amerikanerin spricht. Moskau in Flammen. Ganz Rußland spielt Theater. Von links nach rechts bewegen sich alle zwischen den stelzenhaften Beinen des Arbeiters hindurch. In der Mitte die Büste Napoleons, das Bett der Zarin ist überfüllt von bewaffneten Rotgardisten: unterste Lage der in Ketten gelegte Arbeiter, zweite Lage, das habgierige Beamtentum, dritte Lage die Popen, Mullas, Rabbiner, vierte Lage die Regierung, fünfte Lage Bourgeoisie und Grundbesitzer, an der Spitze der zwergenhafte Zar und einer riesenhaften Krone, darauf tanzt die Gestalt des Intelligenzlers, das Pferd galoppiert neben einem fahrenden Eisenbahnzug, dahinter raucht eine Fabrik, der Arbeiter hebt die Hand, völlige Finsternis. Und noch eine Salve. Über dem Sarg erschient nur die Karte des Fünfjahreplans, darüber das Bild von Waldimir Illisch Juloanow, später genannt Lenins Gestalt mit wegweisend ausgestreckter Hand. Auf den Ausrufern blühen jetzt die Leuchtziffern 1917. Riesenhafte Schatten eines Händepaars, das seine Fesseln zerbricht. Wir haben nichts zu verlieren. Auf dem Diwan räkeln sich Liberale mit ihren Teetassen, sie halten Resolutionen bereit, der Pope segnet Gummiknüppel, Holzknüppel, Schlagringe, Maschinenpistolen der Schwarzhundertschaften. Rings um seine Werkbank Patronen und Waffen, der Passionsplatz in Moskau, hinter dem kümmerlichen Kirchlein kauern die Schauspieler, mit vergoldeten Zwiebeltürmen statt Köpfen, rundherum Betrunkene in Form von schwankenden Flaschen. Von beiden Seiten nähern sich Bergleute mit Lämpchen, Grubenhacke, Hammerschmiede und dem Vorschlaghammer, 2000 Schneidereiarbeiter tragen 1 Nähnadel, 5000 Holzfäller 1 Axt, unter ihren Schritten flüchten die Kirchlein und die Flaschen nach allen Seiten auseinander. Auf dem Sarg erscheint der Sowjetclown, hinter ihm zieht ein Arbeiter mit Radau und Geklapper die Denkmäler Rußlands an einem Halfterband, in der Mitte das Puschkindenkmal, die Volksmenge überflutet den Platz, ein Arbeiter mit einem Knaben bahnt sich einen Weg zum Monument und erklimmt es, berittene Kossacken springen auf den Sarg, die letzte Kugel trifft den Knaben, ein Gulack mit dem Tragbrett kommt herein, sein Bauchladen klappt auf und klafft blutig, die Arbeiter schließen sich in Reihen zusammen, die Werkzeuge ebenfalls, in einer Lücke zwängt sich Traktor, allen voran das Reiterbild Peter des Großen mit einem großangelegten Siegeskranz, er gleitet vom Kopf, hinter ihm die steinerne Katarina, Zar Paul der Erste springt vom Postament herunter und sichert sich einen großen Abgang, aus den Häusern fliegen Matratzen, Stühle, Tische, Passanten auf die Straße, sie reißen die Geschäftsschilder herunter, sie sägen die Leitungsmasten ab, die Gegenstände häufen sich zur Barrikade, auf der Barrikade wird eine rote Fahne gehißt, von Ferne härt man die Marseilles. Dem in Bedrängnis geratenen Gulacken kommen vier Mann zur Hilfe: der römische Papst, McDonald, Peter Stewesant, Jicky der Platase und Beate Use bilden einen Kreis, die Männer des Enteuzirkels entblößen ihre Schwänze und zeichnen mit Säbeln und Revolver Hakenkreuze in die Luft, ihnen folgt Alexander der zweite, statt des Reichsapfels trägt er seinen Kopf auf dem Zepter. Der winzige Nikolaus sitzt auf einem störrischen Gaul. Senkt das Tier den Kopf, so erfolgt eine Detonation von hinten, Gaswolken und Schlammfluten überziehen das Reich, schließlich und endlich an den Schwanz des letzten zaristischen Hengstes geklammert, die Zarin, angeführt von schnurbärtigen Generalen, strömen marschierend paradestrammgedrillte Oberbefehlshaber auf den Sarg, zu beiden Seiten der militärischen Formation Marketender und Schnapsflasche, die Dornenkrone aus Würsten gebunden windet sich singend um den Hauptmann voll Blut und Wunden. In den Kreis fällt eine Bombe, der Kreis bricht auseinander, die Bombe verstreut bunte Flugzettel mit Proklamationen, der ganze Zug setzt sich in Bewegung, die Fabrik brennt, die Kinder zählen die Kanonen, getroffene Arbeiter fallen, die ganze Rossaherde ab, voran der Führer mit dem Sprachrohr, ein Arbeiter schwing an einem Stab ein weißes... Wladimir endlich im Funkelraum. Hipp Hipp Bolschewik, I’m a Bolschewik, Hipp Hipp. Hello. Nice to see you. Sind Sie der Sohn Schliemanns, auf den wir warten? Wer sind Sie? Die Admiralin. Ich sehe vier. Wir sind eins. Ich suche einen Postkasten. Schliemann hinterließ in Rußland einen Sohn, dem war es verboten, über den Atlantik zu reisen. Warum? Im Besitz des Knaben fand man eine Ikone, darauf war der Tempel Poseidons abgebildet. Sie trug die Inschrift: Die Ruinen von Atlantis sehen aus wie das Stadtzentrum von Nowosibirsk. Ein Brief für Wladimir Bombrowitsch. Jetzt nicht. Was machte der Arme in Punkto Atlantiküberquerung dann? Er schwamm. Verstehe. Vier herrliche Wochen. So viele glückliche Stunden, und wir haben noch so viele vor uns. Wir dürfen und nicht verlieren. Schon gut. Ein Stern erlosch und zog das Sterben nach sich, der Mittelpunkt unserer Erde wurde von einem riesigen Planetoiden versenkt, hinter ihm die Reißnaht in der Atmosphäre, 4000km lang, 3000m breit und über 1000m tief trennt sie die alte und die neue Welt, der Himmel verfinsterte sich, jahrelanger Regen mit Schlamm vermischt, die Erde torkelte und jedermann lachte. Die Verhältnisse waren schon von der Sintflut bekannt. Und dennoch, der Planet hat ein Loch in die Erinnerung der Menschen geschlagen. Das tut mir leid. Bald bildete sich eine neue Sozietät. Ausgangspunkt des neuen Reiches ist eine großartige Metropole, von außen fast unüberwindlich, konzentriert sich alle Macht in ihrem innersten Kern, im Sitz des obersten Sowjet. Dort gibt es neben dem religiösen Zentrum auch eines der astronomischen und nautischen Wissenschaft. Das Reich war schon im Ursprung vielgestaltig. Man kolonisierte die Anrainer und errichtete so das erste Gebilde menschlicher Weltallmacht, in dem die Sonne nicht mehr untergehen kann. Was bleibt dann noch zu wünschen übrig? Ja. Doch bewegen sich die Aale bei ihren Leichzügen im Saragossameer so, als sei Atlantis nicht versunken, und auch die Vögel kennen kein Vergessen. Auf ihren Luftwanderungen umgehen sie unsichtbare Berge. Der Brief. Still. Flugzeuge schützen die Fundstelle vor Neugierigen. Die UNO-Sondersitzung verlangt den freien Zugang für die Blockfreien. Doch haben moslimische Fundamentalisten bereits das Untersuchungszentrum in die Luft gejagt, und drohen mit einem Anschlag auf die Radiostation. Eine europäische Trophäenkommission versucht, die Fundstücke vor dem Paul-Ghetty-Museum zu retten. Die Satelliten übertragungsrechte hat ein Berliner Sender vor Jahren zu einem symbolischen Preis erworben. Sie hörten die letzte Meldung des enzyklopädistischen Weltfunks. Vergeßt die Apokalypse, beginnen wir mit der Genesis. Liebster Freund, der Funkelraum ist besetzt, von Meeresjungfrauen. Da erreichte mich ein Telegramm. Der Parteiführer ist tot. Was passiert mit seiner Leiche? Die Witwe besteht auf Beisetzung, doch unser neuer Staat braucht Zeit. Ich muß zurück nach Moskau. Tief bewegt schaue ich auf die Gipfel des versunkenen Atlantis. Auch ist das Liebesspiel der Seepferdchen mit keinem menschlichen Akt an Poesie vergleichbar. Wie sie sich an den Schwänzen haltend, taumelnd auf den Meeresgrund sinken lassen. Ich warte auf dem Sonnendeck auf Sie. Ihr Michael Svoboda. Jetzt können Sie funken. Liebste Lilina, hört du die Wellen an den Seiten zupfen, die wie ein Netz gespannt sind, zwischen Europa und Amerika. Der Ozean sinkt, wir sinken, Trennung ist Dehnung. Und ehe das Band zwischen uns zerreißt, verschwinden Kontinente. Back in the USSA. Wladimir, die Amerikanerin, der Kellner und die Revolutionäre in der Menschenschlange. Moskau-news. Science oder Fiction. Die Schlange kriecht über die Mitte des roten Platzes, wie immer pünktlich, Herr Gorbatschow schaut auf die Uhr, aus seinem Mantelfutter strickt Nikita Chrutschow das Haupt voll Blut und Wunden, und in einem Dorf im Gebiet Welograd umarmt Genosse Lenin ein rotbäckiges Mädchenkind. Unter ihm zwei Uhren und ein kleiner Enkel, die Ikone am Herzen. In Sarago bei Moskau stehen bärtige Orthodoxe zur Tausendjahrsfeier der Taufe Rußlands an einer langen Tafel. Die Schlange kriecht über das Abendmahl, während ein junges Paar aus Leningrad sich zärtlich in die Arme fällt, und das Arbeiterwohnheim für Zwangserholung in Gorki das Testbild auf Farbe schaltet. Auf dem Rücken des Mannes eine bunte Tätowierung. Christus am Kreuze, links die Engel, besonders rechts, auf kleine Wölkchen, darüber kyrillisch das Banner des Herrn. Ich habe eine Botschaft. Dank der Heimat für die glückliche Jugend. In Jerewan trägt der Milizionär den Schutzhelm über seiner Pelzmütze. Ja, es ist wahr. Seinen dicken Mantel schützt die kugelsichere Bleiweste. Und das Plexiglasschild widerspiegelt einen Stahlpfosten. Die Demonstranten sperren vor der russischen Stadt die Mäuler auf wie hungrige Jungvögel, und der offizielle Kandidat für den Posten des Generaldirektors blinzelt über die Ränder seiner Brille in zwei Mikrophone. Mir ist der Heilige Rochus erschienen. Die Mode von Tschernobyl. Ich sah ein wundersam erleuchtetes Amphitheater. In langer Gummikutte streckt ein Schwarzbebrillter das rote Lotsenfähnchen in den strahlenden Himmel. Die Räder des Lastkraftwagens sind mannshoch. Auf einem Holzbrett stand er in seinem roten Pilgerkleid. In Block vier stützt sich Mütterchen Rußland schon vor der Revolution auf einen Stock und Hauptplatz der Stadt Pripjad ist heute bereits ein Denkmal. Darüber trug er einen goldenen Königsmantel. Neun Meter hoch, zwölf Meter breit und sechs Meter tief. Schaute ein kleines Hündchen hervor. Das Aussichtsfernrohr blickt zurück auf Tschernobyl. Auf der Kommandobrücke wütete der Ozean gegen eine Wasserwand mit Luftlöchern. So stark war der Regen. Weiterhin optimistisch streckt der Kran den Arm in den Fünfjahresplan. Pelzbemützte Bauern beugen sich über einen Suppentopf. Auch Traktor steht an mit rauchendem Schornstein. Im Hintergrund versinkt vom Strommast kaum gehalten das Elektrizitätswerk im Schlamm. Im 30. Jahrhundert 50 Millionen Glühbirnen. Der heilige Rochus wurde mit dem roten Kreuz auf der Brust geboren. In Rom heilt er Pestkranke. Ein weißer Wolga besetzt mit 5 Personen transportiert zwei schwarze Särge auf seinem Dach, vor ihm die Kurve. Dezember. Und ich sah lange Wellen. Tage später ist es umgekehrt. Kurze Wellen. Särge im Überfluß. Lange Wellen. Nicht alle Opfer kann man bergen. Eine Frau schiebt einen Kinderwagen mit gebündeltem Inhalt über eine aufgeweichte Straße und der Säugling schwenkt seinen Blechnapf aus dem geschlossenen Sarg. Auf dem Fußballfeld des Stadions von Spitasx suchen die Menschen nach Angehörigen. Über den Rasen gebeugt hält sich ein Lebendiger das Haupt voll Blut und Wunden. Als er selber von der Krankheit befallen war, flüchtete er in den Wald. Die Kinderkadaver sind weiß, in einem bunten Kopftuch hält die zahnlose Frau in ihren Händen die zehn Brote, hinter ihr geht die Treppe bergab und mehrere Stockwerke sind ineinander gestürzt. Die Schlange kriecht durch die Trümmer. Plötzlich dieses Wellental. Eine seltsame Vertiefung. Der Militärhubschrauber in warmen Kinderkleidern streift die Hochspannungsleitung. Wie die Aushöhlung eines Steinbruchs. 70 Millionen Glühbirnen bereits heute in Amerika. Gebrochen steht der Propeller in der verschneiten Landschaft, aus schlohweißen Engelshaarnestern blicken Altgläubige vorsichtig hervor, wir bestenfalls Geduldeten. Jelena streichelt über den kahlen Kopf des toten Sacharows. Bald war er dem Hungertod nahe. Alle Hunde kommen in den Himmel. Eine schwarze Schlange mit Pelz oder Strickmütze folgt einer rollenden Blechdose. Links außen der Mann mit dem Funkgerät, während zwei Träger den Verstorbenen im Rahmen halten, hält ein unbemützter Mensch einen Regenschirm über den offenen Sarg. Aber dieses Licht. Nagorni Karabach in folkloristischen Bleischürzen. Stufen blinken unzählige Lichtchen übereinander, leuchteten lebhaft, sie blendeten mich. Über ihre Pelzmützen trägt die Miliz Helme und ihre Salutschüsse treffen den Bärtigen direkt ins Gesicht. Ach, wie er so da liegt im Schnee, unter den Kettenrädern der Panzer. Da schnappte ein sonst wohlerzogener Hund ein Brot vom Tisch des Herrn und lief davon. Eskortiert von der Armee gelingt dem armenischen Dorfwang der Transit der Schafböcke, dem Soldaten wachsen stählerne Hörner und durch rote Sehschlitze blickt er auf das Ende seines Geweihs. Hinter dem Strommast detoniert die Blockade aus Glühbirnen. Das wundersam erleuchtete Amphitheater schaukelte wie ein Luftschiff durch die Wogen. In Kusbas streiken die Bergarbeiter. Schlafend träumen sie vom verschollenen Genossen. Über die Toten streckt Lenin den Arm vom Sockel. 14 Meter hoch, 12 Meter breit, 10 Meter tief. Rettet den Stalinismus. Und am nächsten Tag wiederholte der Hund seinen Diebstahl. Machte sich glücklich mit der Beute auf den Weg. Ein Mann in einer Pelzmütze hält rechts das Kreuz und links die Ikone. Am dritten Tag schließlich folgte der Herr seinem Hund heimlich. In Estland eine Kundgebung. So entdeckte er den sterbenden Rochus unter einem Ahornbaum. Ein junger Mann hält links das Hakenkreuz und rechts die Faust, ein altes Gemälde, die Kunstschätze Europas sichert die Trophäenkommission. Plakate brennen auf dem Scheiterhaufen. Und was mich noch mehr verwunderte, war, daß die Lichter nicht etwa stillsaßen, sondern hin und wieder hüpften. Zwei Kinder drehen sich um. Die halten runde Augen und lange Rüssel gegen den Ruß, aus dem Orenburger Kombinat tritt Gas aus, und Bagger walzen Ziegelhäuser nieder. Im Schattenriß galoppiert ein Pferd neben einer Lokomotive. Wer ist der schwarze Reiter, auf dem Fluß läßt sich die Schwerindustrie treiben. Bergarbeiter tragen den auf der Bahre gefesselten Barfüßler durch das Donezbecken. Bunt bemalt wurde Rochus zum Heiligen der Pestkranken ernannt. Auf einer Demonstration auf dem Puskinplatz berieten die Bürger mit der Miliz ihre Standpunkte, während am Kursker Bahnhof die Schlange durch Moskau kriecht für die Wurst. Es blinkte wie aus einem Raumschiff. Mit einer Besatzung aus lauter leuchtenden Gestalten. Das ist kein Straflager, nur die Kantine von Kolchos. Is the tragedy of reality. Und er sagte: Heller als der rote Stern scheint mir der Sichelmond wahrhaftig. Unter ihm sah ich Wladimir leibhaftig. Mit wegweisend ausgestreckter Hand zeigte er wie Pitomkin auf seine blühenden Dörfer, ganz Herr im Feldzug der fantastischen Täuschung. Der Liebhaber der Luftspiegelung gab so seine eigene Vorstellung. Noch bevor der rote Stern glühen konnte, war schon das rote Kreuz in die Erde gebrannt, und nach dem Engel Sibiriens zogen bald die internationalen Hilfsorganisationen durch das Land. Ich blicke auf die Ruinen von Atlantis. Sie sehen aus wie das Stadt-zentrum von Novosibirsk. Utopia ist fest in den Händen der Katastrophendienste. Das wundersam erleuchtete Amphitheater verschwand und mit ihm Wladimir, danach war mir, als würde ich im Stehen schlafen. Lilina, wo bist du, wo ist unser Sternen-städtchen? Aus blauen Freizeitkleidern tritt Mütterchen Rußland mit einem Huhn unter dem Arm hervor. Das Kino entführt uns nach anderswo. Hoch lebe Wladimir Majakowski. Tief darin wurzelt das Wesen ritueller Wiederkehr. Unter ihr die Stiefel der Soldaten. Am Baikalsee liegt eine alte Frau im Tuch auf einem staatlichen Kopfkissen. Wo bin ich? Die weise Greise rollte Strümpfe über ihre Strümpfe. Unter ihr der numerierte Nachttopf. Im Inneren der Kathedrale mit den 46 Sarkophagen. Darin haben 54 Zaren, Großfürsten und Fürsten ihre letzte Ruhestätte gefunden, wie die bunten diamantbesetzten Eier, die den Zarenkindern in die Osternester gelegt wurden. Auch in die Mütze des Monarchen. Zwei Milizen führen in Milisee eine Frau unterm Arm ab, barfuß am Morgen nach den Ausschreitungen kommt sie den Stiefelschritten gar nicht nach. Die Verletzten reißen sich den Verband vom Kopf, damit die Wahrheit ans Tageslicht kommt. Ein sozialistisches Wunder. Man filmt die Filme mehrmals von der Leinwand ab, und stellt in den entsprechenden Szenen neue Gesichter vor die alten Köpfe. Die Massenszenen kann man meist behalten. Kreuzförmig schwebt über der Menschenschlange ein weißer Sarg. Der Leichnam wechselt im Verlauf von drei Tagen mehrmals die Farbe. Ein Katholikus hält die Totenmesse für eine Heilige, und der Milizionär streckt die Hände schuldlos in den Himmel, der Platz in Baku wurde aus hygienischen Gründen um 4 Uhr morgens geräumt. Tote gibt es keine. In schwarzen Stein gehauen streckt Lenin wegweisend die Hand von seinem Sockel, über die städtische Reinigungsequick. 19 Meter hoch, 14 Meter breit, 12 Meter tief. In Amerika gibt es ein Kino für Automobile. Im Kreml gibt es weiße Wölfe. In kugelsicheren Westen erfolgt die Wachablösung der Milizen vor dem Müllcontainer. Der erste Panrussische Kongreß der Zukunftsrapsoden. Die Brüste der Frauen werden von Luftballons gehalten. Die Männer tragen Sprungfedern unter ihren Schuhen. Hach, was sollen mir Sichermond und rote Sterne auch. Hungerstreikende zelten unter einem Puschkinzitat. Aber was passiert mit den Analphabeten? Laßet uns beten. Eine weiße Schwester schüttelt fassungslos den Kopf und ein anderer Mann kann gar nicht hinsehen. Der abgeschlagene Arm steckt noch im Mantel. Das Innenfutter ist aus reiner Schafwolle gegen die Kälte, zwischen Marx, Engels und Lenin nimmt die Haarpracht zunehmend ab, und ein Junge mit einem Fahrrad hütet die Gänse unter der strengen Aufsicht der Zentralregierung. Schließlich hat Kino etwas mit Reisen zu tun. Nur gehen nicht wir auf Reisen, sondern über die Leinwand kommt die Reise zu uns. Immenser Materialbedarf denk ich mal. Gibt es da keinen Rohfilmzufuhrmangel? Die Arme des beinamputierten Vaters stützen sich auf zwei Krücken. In seiner Hand trägt er das Einkaufsnetz. Der Sohn trägt die Kalaschnikow über die Schulter. Der große vaterländische Krieg war das Erlebnis seines Lebens. Landschaft ist ein Strahlenbündel, das Universum eine Bühne der Planeten, und der Staub der Stadt verwandelt sich in einen hundertfarbigen Regenbogen. An der Brust des Alten haften circa 30 Orden. Die Schlange kriecht zur 1000Jahrfeier der Taufe Rußlands in ein Kloster. Och, der Radiotrust strahlt bis exantrope. Silberstaub. Auf der Lacktasche der pilgernden Genossin tanzt ein Husar. Neuerdings haben Kurzfilme Konjunktur. Der kürzeste war: Proletarier aller Länder, vereinigt euch. Gottes Narren haben unter jedem Regime ein hohes Ansehen. Vitorta Landsbergis hält an jedes Ohr einen Telefonhörer und marschiert über die erste Strophe der Nationalhymne nach Hause. Er hat die Melodie im Kopf. Räumung des Leninplatzes. Wo ist Dr. Svoboda? Seit 1925 bleibt das Kloster am Baikalsee den Kühen überlassen, sich selbst die Jugend in Leningrad, Hände umklammern den Rand eines Gullys. Marx in einem gotischen Lehnstuhl vor einer Europakarte sitzend. Bei uns gibt es die breitesten Leinwände der Welt. Die in Amerika sind breiter. Im Stollen der Fernheizung wärmen sich die Kinder in der Tripperbar. Die neueingelieferten Säuglinge erstarren hinter den Gittern vor dem numerierten Nachttopf. An den Küsten leben die Futuristen. Wie sie sich in die Brandung stürzen. Jetzt darf der Stacheldraht allerdings nicht mehr fotografiert werden. Hoch hebe Wladimir Majakowski. Reißt ihm nicht die Gasmaske vom Gesicht. Mit runden Augen und langen Rüssel hebt der Mensch auf der städtischen Müllhalde Schneehöhlen aus, als Heizung dient ihm die Wärme des sich zersetzenden Abfalls. Filme über die Geschichte der Sowjetunion sind dafür um so länger. Der Trauerzug der Bevölkerung vor dem toten Lenin endete mit einem Kilometer langen schwarzen Klebestreifen. Auf dem Aralsee sitzen die Karakalpaken-Kinder im Trockenen. Im Sternenstädten der Revolution ist sogar die Zeit rückläufig. An der afghanischen Grenze sitzt ein Vater, vor ihm auf einem Pappschild die Zahl 51 8 63. Die letzten Einheiten ziehen vorüber, sein Sohn ist nicht dabei. Und weil das Kino eine Reise ist, halten die Paare auch in den Sesseln Händchen. Was sie im Theater beispielsweise nicht tun. Aus dem Hals des Mannes kriecht eine Schlange, ohne Gehirn hielt er 6 Tage durch. Sie halten Hündchen? In seinen Taschen steckte tonnenweise Kriegsgerät. Darunter auch ein Bündel Briefe. Hipp Hipp Bolschewik, I’m am Bolschewik. Hipp Hipp. Ich suche einen Postkasten. Wir spannen ein Segel vor das Planetensystem mitsamt Zentralgestirn und werden unser Erde wie ein Schiff im Sonnenwind durch das Universum schaukeln. Eine jahrmillionenlange Reise dorthin, wo ein neuer Stern Licht und Wärme für das Weiterleben spendet. Wieviel Tonnen Tuch, wieviel Meter Nähmaterial? Still. Und hier eine Meldung des enzyklopädistischen Weltfunks. Das Erbe des sozialistischen Trojas ist gefunden. Eine Explosion. Augenzeugen berichten von der Landung einer prähistorischen Flugmaschine auf dem roten Platz. Die Trophäenkommission hat unter der Oberaufsicht der roten Armee den Schatz des Priamos sichergestellt. Das Gold Schliemanns befindet sich jetzt im staatlichen Museum der schönen Künste. Auf einer Bergwiese im Zweistromland wurde der Flügel einer sowjetischen Fliegerbombe entdeckt. Heller als der rote Stern scheint hier der Sichelmond wahrhaftig. Vier herrliche Wochen und so viele glückliche Stunden und wir haben noch so viel vor uns. Roter Stern. Hörspiel von Simone Schneider. Regie: Ulrich Gerhardt. Eine Produktion des Bayerischen Rundfunks mit dem Sender Freies Berlin aus dem Jahre 1992. Redaktion: Herbert Kapfer. Ulrich Matthes Wladimir Bombrowitsch Michael König Doktor Michael Svoboda Krista Posch Die Amerikanerin Gustl Halenke Die Admiralin Traudl Haas Nixen Gunter Berger Der Kellner Joachim Höppner Der Lautsprecher Detlef Kügow 1. Berufsrevolutionär Hans Wyprächtiger 2. Berufsrevolutionär Lorenz Meyboden 3. Berufsrevolutionär Jan Eberwein 4. Berufsrevolutionär Shirley Jackson: Das Haus (BR 1994) Montague: Institut für Parapsychologie Dr. John Montague, sehr geehrte Mrs Vance, sie kennen meinen Namen wahrscheinlich nicht, ich bin Wissenschaftler und dennoch oder gerade deshalb hat mich die Erforschung sog. übersinnlicher Phänomene immer beschäftigt, im Augenblick habe ich die Möglichkeit im Rahmen eines Forschungsprojekts einem immer noch skeptischen und überheblichen Kollegenkreis einen konkreten Zusammenhang zwischen Psychologie und Parapsychologie experimentell zu demonstrieren. Schwester: Dr Montague, ist das überhaupt sein richtiger Name. Elinor: Es gibt einen Dr John Montague, Dr der Philosophie und Anthropologie, Promotion in Oxford 1950. Schwester: Das klingt doch alles ziemlich unseriös. Ein Forschungsprojekt und experimentell. Was für Experimente will er denn da machen und ausgerechnet mit jemand wie dir. Montague: Für die Durchführung des Projekts brauche ich noch einige Assistenten, welche Intelligenz und Sensibilität mitbringen sowie genaue Beobachtungsgabe und die Fähigkeit das Wahrgenommene schriftlich zu fixieren. Schwester: Elinor, ich bin verheiratet, ich kenne die Männer, als deine ältere Schwester habe ich eine gewisse Verantwortung für dich nachdem Mutter tot ist. Elinor: Carrie, ich bin 31. Schwester: Du bist eigentlich zu alt um noch so naiv zu sein, aber wohl immer noch jung genug für Dummheiten. Montague: Sie, Miss Vance erschienen mir für die Mitarbeit geeignet, ich bin auf ihren Namen in den Akten des parapsychologischen Institutes gestoßen im Zusammenhang mit Zeitungsberichten über ein unaufgeklärtes Poltergeistphänomen. Schwester: Poltergeist was ist denn das für ein Unsinn. Elinor: Das muß die Sache mit den Steinen sein, erinnerst du dich. Elinor: Vater war gerade 1 Monat tot. Schwester: Das ist 20 Jahre her. Elinor: Ja ich war gerade 12. Schwester: Ah Steine die plötzlich auf unser Hausdach regneten, ins Fenster flogen von irgendwo her, das warst natürlich du um dich wichtig zu machen. Elinor: Es waren die Nachbarn um uns zu ärgern, das hat Mutter damals den Reportern auch gesagt. Montague: Mein Angebot für ihre Mitarbeit wäre Experiment und Urlaub in einem, vier Wochen in einem schönen alten Landhaus in ruhiger Lage das allerdings nur mit dem Auto erreichbar ist. Schwester: Das Auto niemals. Elinor: Es ist zur Hälfte auch mein Auto, wir haben es gemeinsam gekauft als ich noch. Schwester: Aber ganze vier Wochen lang. Elinor: Ich habs im letzten Jahr nicht einmal benutzt. Schwester: Elenor, wenn du unbedingt Hals über Kopf einem wildfremden Mann nachrennen willst, ist das schlimm genug, aber nicht mit meinem Auto. Elinor: Das kannst du ihm ruhig schreiben deinem Dr Montague. Montague: Liebe Mr Vance, ich freue mich zu hören daß sie meiner Einladung folge leisten möchten, beigefügt finden sie eine genaue Wegbeschreibung die sie sicher zu Crains Hall unserem Hause führen wird. Elinor: Zu Crains Hall unserem Haus, klopf klopf klopf. Mrs Dudly: Was wollen sie? Elinor: Ich entschuldigen Sie bitte mein Name ist Elinor Vance, ich werde hier erwartet. Mrs Dudly: Von wem. Elinor: Von Dr, ist denn Dr. Montague nicht da, wo sind denn die anderen Gäste. Mrs Dudly: Hier sind keine Gäste. Elinor: Aber sie sind doch Mrs Dudly die Haushälterin, ich meine das ist doch Crains Hall. Mrs Dudly: Was sonst. Elinor: Sehen sie, ich habe eine schriftliche Einladung von Dr. Montague oder hab ich mich im Datum geirrt, wo ist denn der Brief, ach wie dumm, ich hab den Brief im Auto liegen lassen ich kann ihn aber holen. Mrs Dudly: Hier lang, ihren Koffer müssen sie selber tragen. Elinor: Oh schwarze Holztäfelung bis zur Decke findet man selten. Mrs Dudly: Das grüne Zimmer. Elinor: Danke. Ein bißchen dunkel aber ja könnte man vielleicht das Fenster auf. Mrs Dudly: Die Zimmer gehen mich nichts an, ich richte das Abendessen im Speisesaal her, Punkt 6, sie müssen sich selbst bedienen, ich räume am anderen morgen ab, Frühstück mach ich um 9, ich bleib hier nicht übernacht, ich gehe bevor es dunkel wird. Elinor: Ich verstehe. Mrs Dudly: Ich wohne im Ort, kein Angestellter würde hier im Haus übernachten. Elinor: Ich verstehe. Mrs Dudly: Es wird also niemand im Haus sein, falls sie Hilfe brauchen. Elinor: Ich verstehe. Mrs Dudly: Niemand, nachts wenn es dunkel ist. Elinor: Mrs Dudly, Mrs Dudly, wo ist denn der Schlüssel hat das Zimmer keinen Schlüssel oh nein, nein nein. Theodora: Das darf doch einfach nicht wahr sein nein, ha. Elinor: Mein Gott bin ich froh daß sie da sind, geben sie mir doch die Tasche da. Theo: Danke. Elinor: Ich bin Elinor Vance. Theo: Theodora, einfach Teo. Elinor: Theo. Theo: Puh dieses Monstrum von einem Haus, dieser häßliche. Elinor: Sind sie auch so erschrocken als sie es das erste mal gesehen haben. Theo: Hrm. Elinor: Oh Mrs Dudly, geben sie ihr doch bitte das Zimmer neben meinem. Mrs Dudly: Das blaue Zimmer. Theo: Wunderbar, bestens geeignet als kleine private Aussegnungshalle. Elinor: Mein Zimmer ist genau das gleiche in grün, ja wirklich dunkelgrün wie kalter Spinat. Theo: Oh wie lecker. Elinor: Und wir haben ein gemeinsames Badezimmer mit Durchgangstür. Mrs Dudly: Ich richte das Abendessen im Speisesaal her, punkt sechs, sie müssen sich selbst bedienen, ich räum am andern Morgen ab, Frühstück mach ich um 9, ich bleibe hier nicht übernacht. Elinor: Kein Angestellter würde hier im Haus übernachten. Mrs Dudly: Es wird also niemand da sein falls sie Hilfe brauchen. Elinor: Nachts wenn es dunkel ist. Theo: Hab ich das richtig verstanden, diese reizende Dame wollte uns soeben klarmachen daß es völlig zwecklos ist nachts nach ihr zu rufen. Elinor: So ist es. Theo: Ehrlich gesagt ich kann mir im Moment keine noch so schlimme Situation vorstellen in der ich ausgerechnet Mrs Dudly zu hilfe rufen würde. Elinor: Ich würde eher nach Graf Dracula klingeln, haha, was ist, wollen wir gemeinsam diesen Ort des Schreckens erkunden. Theo: Ja aber nur wenn mich die große Schwester an die Hand nimmt. Oh eiskalt, sie hatten ja wirklich Angst, ganz ruhig, jetzt ist ja Theo da. Lehrerin, ich finde Kinder ja wunderbar, sie sind noch so spontan neugierig vital. Elinor: Und eine Pest wenn man ihnen beibringen muß still zusitzen. Theo: Du haßt deine Arbeit. Elinor: Kann man denn leben von sowas wie Malerei. Theo: Wir haben noch ein kleines Antiquitätengeschäft mein Freund und ich. Elinor: Hättest du gedacht daß es nur ein paar hundert meter vom Haus entfernt ein so schönes Plätzchen gibt. Theo: Wir haben uns gestritten, ich glaube sonst wäre ich gar nicht hergekommen, macht der mir einen Heiratsantrag. Elinor: Und du haßt es geheiratet zu werden. Theo: Ja aber jetzt gefällt es mir hier, in der Sonne, außer Sichtweite dieses häßlichen Hauses und mit dir an meiner Seite. Elinor: Wenn ich mir die Wiese so anschaue. Theo: Picknick ein Platz für ein Picknick. Elinor: Genau das wollte ich sagen, kaltes Huhn und Schinkenbrote. Theo: Schokoladenkuchen, Ameisen, Wespen. Elinor: Harte Eier und das Salz vergessen, himmelblaue Plastikbecher. Theo: Oh nein Horn und Silber meine liebe und im Weidenkörbchen wir werden. Elinor: Was ist das da drüben zwischen den Bäumen. Theo: Ein Werwolf was sonst. Elinor: Wir sollten gehen, vielleicht sind die anderen schon da und warten auf uns. Theo: Du hast immer noch Angst, das ist gefährlich mein Schatz. Elinor: Aus welchem Grund bist du eingeladen worden. Theo: Ich hab mal aus puren Spaß an einem Experiment teilgenommen, versteckte Karten erraten, ich hatte eine Trefferquote von 80 %. Elinor: Und. Theo: Purer Zufall was sonst, du hast immer noch kalte Hände. Elinor: Ja, ist die Reise zu Ende reichen wir uns die Hände wenn der abend kommt. Theo: Hübsch. Elinor: An der nächsten Biegung sieht man es wieder. Theo: Das gräßliche Haus, es hat ein Gesicht, es sieht dich an. Elinor: Dieser große Turm, hab ich Sehstörung oder. Theo: Er ist schief. Elinor: Er ist schief nicht. Theo: Und ich denke mit voller Absicht des Erbauers, hallo was ist denn da vorgefahren. Elinor: Wo. Theo: Nicht daß ich mich mit teuren Autos auskenne aber das ist bestimmt ein sehr teures. Elinor: Jede Wette. Theo: Entweder ist der Besitzer um die 50 glatzköpfig häßlich oder oder wenn er jung und attraktiv ist dann er hat das hier nicht mit seiner Hände Arbeit erworben, hab ich zu meiner Freundin gesagt. Elinor: Theo. Luke: Ja sie hat völlig recht ihre Freundin, das ist nur ein kleiner Vorschuß auf ein größeres Erbe. Theo: Wie faszinierend. Elinor: Und was werden sie erben Mr Sanderson. Luke: Luc, bitte wie Theo und Elinor, nunja dies und das, diese exklusive Sommer-residenz zum Beispiel. Theo: Ein guter Witz. Luke: Leider nein, das Haus gehört meiner Tante Mord in London, genannt Erbtante und ihre Bedingung dafür es Dr Montague zu vermieten für sein Projekt war daß ich daran teilnehme, vielleicht hatte sie Angst die anderen könnten sich am Familiensilber vergreifen. Theo: Und welche Farbe hat ihr Zimmer. Luke: Sie werden es nicht glauben. Theo: Nun. Luke: Rosa. Theo: Hahah. Luke: Ja zugewiesen wurde es mir von einer Dame mit einem Gesicht, das ihr eine tragende Rolle in dem Film die Nacht der lebenden Toten garantieren würde. Theo: Ja unsere gute Mrs Dudly. Elinor: Und Dr Montague, wie ist der, kennen sie ihn. Luke: Ehrlich gesagt, ich bin froh daß ich hier bin, ihrer Sicherheit wegen, er hat ja das muß man zugeben eine gewisse dämonische Faszination, etwas mephistofiles. Montague: Hallo, schön daß sie schon alle da sind, das Abendessen wartet, kommen sie, ich bin Dr. Montague. Theo: Mit blondem Bart. Elinor: Und Goldrandbrille. Montague: Es freut mich, wenn mein Erscheinen sie so fröhlich stimmt meine Damen auch wenn ich nicht ganz verstehe warum. Luke: Jugendliche Gemüter Dr, die für ihre Heiterkeitsausbrüche keinen besonderen Anlaß brauchen. Theo: Luke der Lügner, es wird spannend. Montague: Der erste Abend. Mrs Elinor Vance, Mrs Theodora, Mr Luke Sanderson und ich, die beiden Frauen hoffentlich mit medialer Veranlagung, die Teilnehmer erhalten von mir die nötigen Informationen und lernen sich kennen. Theo: Dr. erzählen sie weiter. Montague: Wo war ich stehen geblieben. Luke: Wir waren bei meinem legendären Urgroßonkel Henry Craine, dem Erbauer des Hauses und seinem naja sagen wir mal etwas seltsamen Charakter. Montague: Ja, der arme Henry Craine, als seine Frau nach der Geburt des zweiten Kindes starb, verfiel er ganz der Melancholie. Theo: Kinder, in dieser Plüschgruft sind Kinder aufgewachsen. Montague: Zwei Mädchen, aber sie sind wohl auch nicht besonders glücklich geworden. Luke: Das wundert mich nicht. Montague: Die ältere Schwester blieb unverheiratet und wohnte im Haus und als sie krank und alt war nahm sie eine junge Frau aus dem Dorf als Pflegerin und Hausmädchen zu sich. Theo: Grauenhafte Vorstellung so eine Arbeit machen zu müssen. Montague: Nun ja die Leute hier waren sehr arm und es sah zunächst so aus, als bekäme dieses Hausmädchen für die verlorenen Jugendjahre wenigstens eine materielle Entschädigung, als die alte Dame starb vermachte sie ihr das Haus. Theo: Wenn ich so was erben würde ich würd es sofort in die Luft jagen oh pardon Mr Sanderson. Luke: Luke. Theo: Luke. Luke: Glauben Sie etwa ich habe die Absicht jemals hier zu wohnen, ich werde das Ding natürlich sofort verkaufen. Theo: Falls sie einen Käufer dafür finden. Elinor: Was wurde aus dem Hausmädchen, hat sie hier gelebt. Montague: Ja aber nicht lange, die andere Schwester focht das Testament an und gewann, an dem Tag als sie den Brief mit dem Bescheid bekam erhängte sich die junge Frau. Elinor: In dem Schiefen Turm. Montague: Woher wissen sie das. Elinor: Was, ich ich dachte es mir nur so, wenn wenn ich mich hier erhängen wollte, würde ich Gott entschuldigung ich rede dummes Zeug. Luke: Nein nein sie hat völlig recht, der beste Ort hier für einen stilvollen Freitod ist der Turm, noch einen Martini für Elinor. Elinor: Ja bitte danke. Theo: Und, weiter. Montague: Was bitte weiter. Theo: Die Pointe ihrer Geschichte, die Leiche im Keller, der Mörder mit dem Beil. Luke: Das Monster mit den spitzen Zähnen, naja was man so erwartet in einem Bauwerk wie diesem. Montague: Sie spüren also auch die besondere Atmosphäre des Hauses. Theo: Es ist besonders häßlich. Luke: Naja, es ist nicht gerade ein architektonisches Glanzstück aber. Elinor: Mir macht es Angst. Montague: Angst wovor denn. Elinor: Ich weiß nicht. Theo: Gibt es noch einen Martini für Theo. Luke: Aber gerne, oh nein, die Flasche ist leer. Montague: Auf der Anrichte im Speisesaal steht noch eine. Theo: Ich hole sie. Montague: Nein. Luke: Ich brauche noch ein bißchen Bewegung. Montague: Nein Theodora, lassen sie mich lieber. Theo: Ich habe keine Angst Dr. Luke: Oder wir gehen zusammen. Theo: Haha. Elinor: Dr Montague, was sollen wir in diesem Haus, was erwarten sie von uns. Luke: Tja Dr Schönheit und praktische Vernunft ein gefährliches Paar unsere Damen. Montague: Glauben sie an Gespenster. Elinor: Natürlich nicht. Montague: Gut, das würde ich auch sagen wenn man mich so fragt, woran ich allerdings glaube ist daß bestimmte Kräfte die Psyche derart beeinflußen können, daß eine Art Rückwirkung auf deren Umgebung entsteht, können sie mir folgen. Theo: Nein. Montague: Tatsache ist, dieses Haus ist in all den Jahren seit dem Tod des Hausmädchens dutzende Male vermietet worden aber kein Mieter hat es hier lange ausgehalten und immer wieder mit den abenteuerlichsten Begründungen die Flucht ergriffen, zu trocken, zu feucht, zu stickig, zu zugig, magnetische Ströme, unterirdische Wasseradern usw ja und seit 10 Jahren steht das Haus leer. Luke: Was ist denn jetzt. Also. Theo: Elinor. Elinor. Luke: Merkwürdige Hörspiele bringen die manchmal. Elinor: Das ist kein Hörspiel. Theo: Elinor, Luke. Elinor: Theo. Montague: Wir hätten sie nicht allein gehen lassen sollen. Wo sind sie. Theo: Hier. Montague: Wo denn. Theo: Mach die Tür auf. Luke: Da. Da da kommt die Stimme her. Hinter der Wand. Elinor: Aber da führt kein Weg in den Nebenraum. Theo: Kommt denn niemand. Elinor: Theo. Theo. Montague: Nein nein das ist der richtige Weg, hierhier, hierher. Au. Theo: Na endlich. Luke: Alles in Ordnung. Theo: Na klar mir gehts blendend. Luke: Gut. Theo: So gut wie es einem gehen kann wenn man gerade kopfüber in ein dunkles Zimmer gestürzt ist. Luke: Also sowas, da sind ja Stufen zwischen den Zimmern, das ist aberwitzig. Theo: Dann fällt diese verdammte Tür hinter mir zu und als ich sie endlich finde im Dunkeln ist sie abgeschlossen. Montague: Das war sie nicht, sehen sie, dieses Zimmer hat 3 Türen mit Stufen, sie haben an der falschen gerüttelt, der Weg zum Speisesaal war das übrigens auch nicht. Theo: Aber ich hätte schwören können, mein Ortssinn ist untrüglich. Montague: Nein, sie haben schon im ersten Raum die falsche Tür erwischt. Theo: Diese verdammte Haus, ich hasse es. Montague: Ich habe den Weg erst mit dem Grundrißplan suchen müssen, tja liebe Freunde wir sollten eines daraus lernen, niemals alleine hier herumzustöbern. Elinor: Vor allem Nachts, nachts wenn es dunkel ist. Montague: Nach einigen weiteren Drinks haben sich alle zurückgezogen, erstaunlich wie still es hier draußen ist, auch bei offenem Fenster kaum ein Laut aus dem Park, es regnet wieder, auch fast lautlos, ich bin sicher, diese erste Nacht wird erwartungsgemäß verlaufen. Elinor: Ist noch ein Schluck Kaffee da. Luke: Ja gerne. Montague: Nachdem wir alle ausgezeichnet geschlafen und nichts ungewöhnliches erlebt haben. Luke: Nein halt ich protestiere, ich habe von Mrs Dudly geträumt, ja sie schwebte in einer grünlichen Aura auf mich herab und. Mrs Dudly: Ich räume um 10 Uhr ab, es ist fünf nach 10. Montague: Selbstverständlich Mrs Dudly, es war ein ausgezeichnetes Frühstück. Luke: Und auch das Abendessen wirklich, war ausgezeichnet. Theo: Ja wirklich wunderbar. Elinor: Wir können heute abend das Geschirr auch selbst in die Küche zurücktragen. Mrs Dudly: Ich räume am anderen Morgen ab, ich kenne den richtigen Platz für alles. Montague: Also dann, auf zur Hausbesichtigung. Theo: Unglaublich, Räume ganz ohne Fenster. Montague: Davon gibt es noch vier, nein hier entlang, das ist eine Sackgasse. Luke wo sind sie. Luke: Hier komme. Elinor: Warum so viele verwinkelte und verdunkelte Räume. Theo: Viktorianisch, damit man sich besser verstecken kann. Luke: Verstecken und erschrecken. Montague: Bitte kommen sie. Elinor: Was war das. Montague: Merkwürdig, ich hab alle Türen hinter uns offen gelassen. Theo: Da schon wieder, ganz von selbst. Luke: Ich werd jetzt überall Stühle in die Türen stellen. Montague: Ich habe den Verdacht, daß die Türstöcke von anfang an etwas schief konstruiert sind, ja damit genau dieser Effekt eintritt. Luke: Mit einer Wasserwaage könnte man das nachprüfen. Theo: Elinor. Montague: Alles in Ordnung mit ihnen. Elinor: Ja, ich bin über den Schemel gestolpert, brauner Teppich, brauner Samt, ich hab ihn einfach nicht gesehen. Theo: Ein tückisches Miststück von einem Haus. Elinor: Ich will hier raus. Luke: Als hätte ich Gleichgewichtsstörungen. Theo: Meine Eltern haben mich mal auf dem Rummelplatz in so eine verrückte Hütte mitgenommen, da waren alle Wände ein bißchen schief und die Fußböden auch. Luke: Gibt es da nicht eine Stelle wo ein Luftzug den Damen unter die Röcke weht. Theo: Mr Sanderson, mir war jedenfalls sterbenselend als ich wieder herauskam. Montague: Wenn unsere Erwartungshaltung an Architektur, klare Linien, rechte Winkel, Aufteilung nach den Gesetzen von Symmetrie und Proportionen ständig enttäuscht wird, das erzeugt auch so etwas wie ein Schwindelgefühl. Theo: Da haben wir es doch, dieses ganze Haus ist ein einziger Jahrmarktscherz. Luke: Still hab ich Halluzinationen oder. Theo: Nein, ich hörs auch. Luke: Wo kommt denn das her. Theo: Dr Montague was ist das. Luke: Warten Sie, machen sie mal diese Türe auf und zu, auf und zu. Theo: Luke bleiben sie hier. Montague: Ich glaube ich weiß was er tun wird er nimmt die Stühle in den Türen weg. Luke: Türen zu, kein Zugluft mehr, kein Geheul, Henry Craine der Irre hat sein Horrorkabinett mit allen Tricks ausgestattet. Montague: Es könnte von den geschnitzten Gesichtern über den Türen herkommen, die Mundöffnungen als Schalltrichter. Luke: Möglich, Metallzungen vielleicht. Theo: Elenor, Elenor, wo ist Elenor. Elinor: Mein Gott, haben sie mich erschreckt. Luke: Also wer hier wen erschreckt hat darüber sollten wir jetzt lieber nicht streiten ja. Elinor: Ich hab nur den Turm angeschaut, hier vom Balkon aus, er ist schief, ganz schief. Luke: Sie hingen auch schon halb über der Brüstung. Elinor: Mir ist ein bißchen schwindlig, sie müssen mich nicht festhalten, sie müssen nicht den edlen Lebensretter spielen. Theo: Elinor, was war denn plötzlich. Montague: Warum befolgen sie nicht meinen Rat und bleiben beisammen. Theo: Ich werde dich heute nicht mehr aus den Augen lassen, das versprech ich dir mein Schatz. Theo: Elinor bist du noch da. Elinor: Natürlich. Theo: Was machst du. Elinor: Ich denke nach. Theo: Über etwas erfreuliches hoffe ich. Elinor: Ja über dich. Theo: Sehr gut. Elinor: Du bist hinreißend, zart und wunderschön, ich hasse dich. Theo: Was hast du gesagt. Elinor: Nichts. Theo: Verdammt ich hab meinen Nagellack vergessen, hast du vielleicht welchen dabei, Burgunderrot. Elinor: Nein. Theo: Du benutzt auch kein Maskcara, Makeup, Lippenstift. Elinor: Nein. Theo: Das solltest du aber, du würdest gleich viel hübscher aussehen. Elinor: Hübscher. Theo: Nicht für einen Mann für dich selbst es ist ein gutes Gefühl sich zu schmücken, naja ich gebs ja zu ich übertreibs manchmal ein bißchen, schau nur an was ich alles mitgeschleppt habe, eine handbemalte Seidenbluse und das hier maßgeschneidert, meine schönsten Sachen zusammengerafft nur für diese blöde Haus, du warst viel vernünftiger, hast nur was schlichtes und praktisches mitgenommen. Elinor: Du wirst es nicht glauben, ich hab auch meine schönsten Sachen zusammen. Theo: Was sagst du. So und jetzt werde ich mir als erstes den Grundriß von Crains Hall abzeichnen, ich werde überhaupt so viel wie möglich zeichnen von den Abartigkeiten dieses Hauses und dich auch. Elinor: Elinor zwischen Drachen, Furien, Chimären. Theo: Nymphen, Putten, Grazien, bleib also stehen. Elinor: Nein Theo. Theo: Halt mal still. Du magst dich selbst nicht, warum. Elinor: Bitte hör auf. Theo: Ich hab das Gefühl, du solltest abreisen, so schnell wie möglich. Elinor: Warum, mir gefällt es hier. Theo: Eben, deshalb. Montague: Der zweite Abend, die Teilnehmer beginnen sich an das Haus zu gewöhnen, auch Mrs Vance, die zu Beginn hochgradig verspannt und nervös war, wenn die mir bekannten Berichte über Crains Halls der Wahrheit entsprechen, müßte die zweite Nacht. Elinor: Na Mutter ich hör dich, ja, ja, ich hör dich ja. Theo: Elinor, Elinor, hast du es auch gehört, komm rüber zu mir. Elinor: Was ist. Theo: Pst. Da da ist es wieder, ich dachte ich hätte es nur geträumt, es ist kalt hier, es ist eiskalt, vielleicht der Dr oder Luke, gib mir noch ne Decke. Es kommt näher. Ist die Tür abgeschlossen. Ja. Es ist nur ein Geräusch. Geh weg. Ist mir kalt. Elinor: Mir auch. Theo: Wo ist Luke, wo ist der Doktor. Elinor: Ich glaube. O Gott es weiß jetzt, daß wir hier sind. Du kommst hier nicht rein. Montague: Da war doch Elenors Stimme. Luke: Ja aber aus Teos Zimmer. Montague: Hallo wir sinds. Theo: Doctor, Luke, gott sei dank. Luke: Ist alles in Ordnung. Montague: Ist irgendwas passiert während wir weg waren. Theo: Ja eigentlich nichts besonders, es hat nur irgendwas mit einem Brecheisen an unsere Tür geklopft weil es uns gern fressen wollte, und wo wart ihr, ihr furchtlosen Beschützer. Montague: Wir haben einen Hund gejagt. Theo: Einen Hund hier im Haus. Luke. Ja einen Hund oder so was ähnliches, es war ein großes schwarzes Tier, ich habs nicht genau gesehen unten in der Halle, dann war es plötzlich weg. Theo: Haben Sie denn das Klopfen nicht gehört. Montague: Keinen Laut. Luke: Wir dachten sie schlafen friedlich da oben bis wir sie schreien hörten. Montague: Moment, Moment, sieht das nicht so aus, als wären ob Luke und ich mit Absicht weggelockt worden weg von ihnen, Freunde wir müssen auf der Hut sein. Montague: Irgendetwas kommt in Bewegung, prompt oder fast ein wenig zu prompt, aber wichtig ist nur den Überblick zu behalten. Der dritte Tag. Luke: Fällt ihnen nichts auf an unseren beiden Damen, Doktor. Montague: Nein. Luke: Sehen sie doch mal, unsere schöne Theo gleicht heute einer müden Rosenblüte, guten Morgen Theo, Eleinor dagegen sieht sie nicht ausgesprochen frisch ja geradezu stahlend aus, gar nicht wie jemand der so eine aufregende Nacht hinter sich hat. Theo: Tu mir jetzt bloß nicht den Gefallen rot zu werden. Luke: Doch, doch aufregende Nächte scheinen ihnen zu bekommen, Mrs Vance, ich finde sie sollten sich mehr davon gönnen. Montague: Na ich hoffe wir haben einen ruhigen Tag. Ich will ihnen noch eine kleine Spezialität des Hauses zeigen, etwas das es in alten Gemäuern öfter gibt. Theo: Die Falltür zur geheimen Folterkammer hoffe ich. Montague: Lassen sie sich überraschen. Elinor: Huch, kalt wie in einer Gruft. Montague: Jetzt treten sie wieder einen Schritt zurück. Elinor: Es ist weg, tatsächlich, kalt warm. Montague: Für diese kalten Stellen in geschlossenen Räumen gibt es keine naturwissenschaftliche Erklärung. Luke: Also wenn ich das Thermometer hinhalte zeigt es keine Veränderung. Montague: Ja das sagte ich ja. Luke: Dann ist diese Kälte hier ein ganz subjektives Empfinden. Theo: Seien Sie mir nicht böse, aber ihre kalten Stellen lassen mich ziemlich kalt, ich möchte lieber eine Skizze von Haus machen. Montague: Aber sie dürfen nicht allein gehen. Luke: Ich würde sie gern begleiten aber Dr Montague braucht mich als Helfer. Elinor: Das kann ich auch tun falls sie mir das zutrauen. Montague: Selbstverständlich. Elinor: Praktische Vernunft. Theo: Ich habe nichts gegen Begleitung, ich brauche in den Räumen extra Licht. Luke: Ich werde mein bestes tun. Theo: Sie brauchen nur ihr Taschenlampe gerade zu halten. Elinor: Es ist nicht einfach kalt, es ist, ich habe das Gefühl jemand will mir was antun. Montague: Gehen sie raus aus der Kälte. Elinor: Es ist ein ganz ähnliche Kälte wie gestern nacht als es an der Tür geklopft hat. Montague: Haben sie das alles aufgeschrieben, nicht nur die Vorgänge auch ihre Empfindungen dabei und evt. Veränderungen die sie an sich selbst spüren, wissen sie, die Einfallpforte für Geister ist unsere eigene Psyche und wenn es da Schwachstellen gibt. Luke: Doktor Montague, da ist etwas, das sie sich ansehen sollten. Montague: Luke alleine, wo ist Theorora. Luke: Sie ist auf ihrem Zimmer, kommen Sie. Theo: Da, sehen sie sich das an, alles beschmiert, da, es ist eine Schweinerei. Luke: Was ist das Dr, Blut. Montague: Das glaube ich nicht. Theo: Was soll ich denn jetzt anziehen. Elinor: Das ist Farbe, rote Farbe aus deinem Malkasten. Theo: Was, glaubst du etwa, ich verdrecke mir meine eigenen Sachen, da ist kein einziges Stück mehr heil. Du warst es, ja genau du warst es. Elinor: Du bist ja verrückt. Montague: Unsinn, Elinor war doch den ganzen Morgen mit uns zusammen oder. Luke: Ich glaube schon. Theo: Die Bluse kann ich wegwerfen, das krieg ich nie wieder raus. Luke: Ich könnte mein Kashmirpulover anbieten oder den Seidenpyjama. Elinor: Ich kann ihr auch was geben, allerdings nur was schlichtes und praktisches. Montague: Schade, in der Stadt könnte ich diese rote Substanz chemisch analysieren lassen aber hier. Elinor: Da an der Wand seht doch, das ist ein E. Luke: Die ist ja auch beschmiert bis zu Decke. Elinor: Der Buchstabe E, E wie Elenor. Montague: Es könnte ein E sein, ja, sehr schief zwar. Elinor: Wissen Sie, was das bedeutet, es kennt meinen Namen. Montague: Es kennt die Namen von uns allen. Elinor: Aber es meint mich, es steht da nicht T wie Theo oder L wie Luke sondern E wie Elinor. Luke: Sie könnten sich ja gerade geschmeichelt fühlen von der Aufmerksamkeit dieses Haus. Elinor: Ihr billiger Zynismus ist widerwärtig, ich würde ihnen zutrauen, daß sie das getan haben. Luke: Was denn E wie Elenor an die Wand pinseln, ist das vielleicht eine geheime Wunschvorstellung von ihnen, soll ich E wie Elinor an alle Wände pinseln. Montague: Ruhe Freunde, beruhigen Sie sich, merken sie nicht, Theo gegen Elinor, Elinor gegen Luke, wohin soll das führen. Luke: Alle gegen Dr Montague, wohin denn sonst. Elinor: Das ist ja ekelhaft, richtig widerwärtig, warum zeigen sie mir das. Luke: Ich mußte es einfach jemandem zeigen, ich habs hier im Regal gefunden, die sieben Todsünden und ihre Bestrafung. Elinor: Für meine beiden Töchter zu Belehrung und Abschreckung, eigenhändig illustriert von Henry Craine. Luke: Diese Bilder, ein kranker. Elinor: Glaubt mir, das alles tu ich nur zu eurem besten und aus tief empfundener Liebe für euch meine Kinder, ein Alptraum von einem Vater. Luke: Tja besser so aufzuwachsen wie ich von einem Internat ins andere. Elinor: Ich war zuhause bei meiner Mutter. Luke: Sie glückliche, hab mir immer gewünscht. Elinor: Ich brauche Luft. Luke: Halt warten sie doch. Elinor: Hat der arme kleine Junge etwa Angst allein mit Urgroßonkel Henry. Luke: Immer schön zusammenbleiben, Befehl von Onkel Doktor, jetzt machen wir gemeinsam einen Spaziergang. Montague: Der dritte Abend, Spannungen in der Gruppe, nur Mrs Vance wirkt erstaunlich ausgeglichen. Elinor: Für mich war das Alptraum, dies Klopfen an der Tür. Montague: Aber ein Alptraum, den sie mit Theo geteilt haben. Theo: Allerdings. Luke: Und das mit Theos Kleidern, ein Alptraum von uns allen. Elinor: Die Flasche ist leer, ich hol uns eine neue. Luke: Ach Elinor soll nicht ich. Theo: Sie haben sich ganz schön Zeit gelassen Mr Sanderson, sie fürchten sich doch nicht etwa vor ihrem eigenen Haus. Luke: Erwarten sie immer Heldentaten von Männern. Theo: Nicht von jedem. Luke: Wissen Sie, ich hatte ein paar Freunde, tollkühne Jungs, Teufelskerle, na ja, ich bin noch am leben. Montague: Aha, heute haben wir Theo gegen Luke. Mrs Dudly: Suchen Sie eine neue Flasche. Elinor: Oh Mrs Dudley, sie sind noch da. Mrs Dudly: Da steht sie. Elinor: Ich werd die Auflaufform heute abend gleich saubermachen. Mrs Dudly: Sie sind Drecksarbeit gewohnt, man sieht es an ihren Händen. Elinor: Ich. Mrs Dudly: Sie haben nie dumme Witze über das Haus gemacht. Elinor: Nein. Mrs Dudly: Aber sie fürchten es auch nicht mehr. Elinor: Nein, ich fühle mich hier wie. Mrs Dudly: Sie sollten gehen. Elinor: Warum. Mrs Dudly: Bevor es zu spät ist, gute Nacht. Luke: Ich möchte jetzt einen Mozart zu Mrs Dudlys exzellenten Souffle naja oder. Radio: Über die Rolle der Ilusion in unserem Leben. Montague: Halt warten Sie Luke. Radio: Daß sich kein Mensch längere Zeit dem Bewußtsein seiner reinen Realität aussetzen kann ohne Schaden zu nehmen. Träume, Tagträume, Illusionen sind unentbehrliche Schutzmechanismen der Psyche, schon bei höherentwickelten. Luke: Scheiß Kasten. Theo: Aber Mr Sanderson, wo bleiben denn ihre Manieren, die teure Erziehung. Luke: Das ist doch unglaublich, kein einziger Sender geht mehr rein. Montague: Eine atmosphärische Störung vielleicht. Elinor: Nein. Theo: Elinor, jetzt schleichst du dich schon an wie Mrs Dudley. Elinor: Es ist das Haus, es isoliert uns von der Außenwelt, es will nicht daß wir etwas anderes hören als seine eigene Stimme. Montague: Wenn ich den Eindruck bekäme, daß das Haus irgendeinem von ihnen gefährlich werden könnte würde ich ihn sofort nach Hause schicken. Radio: Elenor Rigby. Theo: Sie sagt immer zu Elinor. Elinor. Montague: Der vierte Tag, ja es ist etwas in Bewegung geraten, ich spüre es, obwohl die Nacht ruhig verlaufen ist wie erfahrungsgemäß jede zweite Nacht in einem Haus mit übersinnlichen Erscheinungen, es gibt hier Manifestationen, aber anders als ich es erwartet habe, die Ahnung einer kühnen Theorie, Elinor Vance, wirklich bedauderlich daß ich mich ihr heute nicht gründlicher werde widmen können. Theo: Elinor du hast dir die letzte Tasse Kaffee genommen. Elinor: Ach entschuldigung, ich überlasse sie selbstverständlich dir. Luke: Vorsicht, Mrs Vance, ist doch mein bestes Service. Elinor: Ach Gott Luke plötzlich peinlich kleinlich. Montague: Ja Mr Dudly ist leider etwas sparsam mit dem Kaffee. Theo: Unerschrockener Luke könnten sie nicht in die Küche gehen und. Luke: Abgelehnt, als ich gestern Mrs Dudly um eine zweite Kanne bat, da hat sie mich gemustert wie einen Schmutzfleck auf ihrer Sonntagsbluse. Elinor: Ein Auto ist vorgefahren. Theo: Nur eine Sinnestäuschung im Schatten des Hauses. Montague: Ah das wird meine Frau sein. Luke: Ihre Frau. Montague: Ja, habe ich etwa vergessen ihnen zu sagen daß sie heute kommt, sie ist Spiritistin aus Leidenschaft, sie arbeitet mit einem Spezialgerät, um die Stimmen der Verstorbenen aufzunehmen, eigentlich wollte sie von Anfang an dabei sein. Frau: John wo bist du. Montague: Aber das konnte ich ihr ausreden. Hier meine Liebe. Frau: Was für ein wunderbares Haus, ideal für übersinnliche Manifestationen. Montague: Darf ich vorstellen, Mrs Vance, Mrs Theoroda, Mr Sandson. Frau: Hatten sie denn schon Erfolge, na das macht nichts, mit meiner medialen Veranlagung werden wir die Geister der hier verstorbenen schon zum Reden bringen, ja das gelbe Zimmer hat diese Mrs Dudly gesagt, aber mein Gepäck steht noch immer da. Montague: Ich bring es gleich nach oben. Frau: Nein John, denk an deine Bandscheiben. Luke: Darf ich vielleicht behilflich sein. Frau: Ja, laß den jungen Mann das machen, oh vorsicht mit dieser Tasche, da ist mein Tonband drin, ein ausgesprochen sensibles Gerät, sie glauben ja gar nicht, wie es diese armen Seelen drängt sich uns mitzuteilen, ich sage immer, nichts ist kindischer als vor ihnen Angst zu haben. Montague: Ja meine Frau, Spiritismus wie gesagt ihre Leidenschaft. Frau: Wir könnten schon heute abend die erste richtige Seance abhalten. Montague: Sonst ist wirklich wunderbar, eine wunderbare Hausfrau, Köchin, wirklich. Elinor: Und keinen Pfennig Förderung bekommt unser Dr Montague für das Projekt, nicht mal vom Institut für Parapsychologie, er finanziert es ganz aus eigener Tasche, oder mit der Erbschaft seiner Frau, hat mir Luke erzählt. Theo: Hat er dir auch erzählt, wie traurig es ist ohne Mutter aufzuwachsen. Elinor: Du bist doch nicht etwa eifersüchtig. Theo: Ich kann es nicht mitansehen, wenn eine Frau mit Verstand sich zum Narren macht, es tut mir weh. Montague: Der vierte Abend, die Entwicklung ist an einem kritischen Punkt angelangt, zum ersten Mal habe ich das Gefühl, es könnte scheitern. Montague: Danke Elinor. Theo: Luke sie machen mich nervös. Luke: Wahrscheinlich ist der Aparat kaputt. Frau: John hab ichs dir nicht gleich gesagt es liegt nur an den richtigen Schwingungen, da, ich hab mich heute nachmittag intensiv konzentriert und ein paar Fragen an die Verstorbenen auf dieses Band gesprochen und wie ich es mir jetzt abhöre sind Antworten drauf, moment. Frau: Was willst du, was willst du. Frau: Sie antworten nicht immer gleich. Frau: Was willst du. Frau: Sie hat nach Hause gesagt, ganz deutlich. Frau: Leidest du und worunter, leidest du. Frau: Mutter, sagt sie das arme Ding. Frau: Können wir dir helfen. Frau: Ja das war das Ende der Aufzeichnung, John hieß eine der hier Verstorbenen das Hausmädchen vielleicht Helen oder Helena. Montague: Nicht das ich wüßte. Frau: Unsere Stimme, sie nennt sich Nelly. Theo: Nelly ist auch eine Kurzform für Elenor, hat dich mal jemand Nelly genannt. Elinor: Ja Vater aber das ist schon sehr lange her. Frau: Haben sie denn Botschaften aus dem Jenseits empfangen, sind sie medial. Theo: Also unsere Nelly braucht keine Botschaften aus dem Jenseits sondern einen Cognac und ein warmes Bett. Montague: Ich schlage vor, Elinor schläft sicherheitshalber bei Theo und ich und Luke wir campieren nebenan, ich weiß nur nicht Ann ob du. Frau: Mach dir kein Sorgen um mich, ich bleibe in meinem Zimmer, einem wirklich positiv denkenden Menschen kann nichts böses von diesen armen gequälten Seelen widerfahren. Elinor: Wie lange geht das schon, eine viertel Stunde, eine Stunde. Theo: Hör auf damit, hör auf. Was war das. Luke: Das war die Vase im Gang, Ming Dynastie. Theo: Bald sprengt es die Tür. Montague: Sie haben immer noch nicht verstanden, solange wir ihm widerstehen wird auch die Tür standhalten. Elinor: Es will mich, es will nur mich. Theo: Kalt, Luke, bitte noch eine Bettdecke. Luke: Besser so. Theo: Nein. Montague: Ganz ruhig. Theo: Das Haus spielt verrückt. Luke: Das Biest, das ist bestimmt mein bestes Service. Elinor: Ich halts nicht mehr aus. Montague: Nicht nachgeben, Elinor. Montague: Ich glaube es ist vorbei, Luke ein Cocnag für Elenor. Luke: Zuerst ein Cocnag für Luke. Theo: Und bitte für Theo. Montague: Und sie schreiben das auf, was sie erlebt haben, alle drei. Theo: Was heute noch. Luke: Sie haben vielleicht Nerven Doktor. Montague: Der fünfte Tag, ich habe mich getäuscht, erfreulicherweise, die Manifestationen gehen weiter, also heute wieder ein Tag der Ruhe nach dem Sturm. Frau: Gibt es noch Kaffee. Montague: Ja hier meine liebste. Frau: Ziemlich dünn, das hättest du dieser Mrs Dudly schon längst sagen sollen, aber ist das nicht merkwürdig, dieses Haus, von dem wir uns so viel versprochen haben, es war die ganze Nacht totenstill. Theo: Hahah. Frau: Ich finde die Erheiterung deine Assistenten ziemlich unpassend, ich fürchte du hast dir da recht oberflächliche Charaktere ausgesucht, dabei ist es doch deine These daß nur mit ganz besonderen Persönlichkeiten übernatürliche Erscheinungen. Montague: Oh Mrs Dudley, guten Morgen. Luke: Offensichtlich haben sie noch genügend heiles Geschirr für uns gefunden. Mrs Dudly: Ich weiß nicht wovon sie reden. Frau: Da geht es ihnen wie mir, Mrs Dudly, es ist kein Kaffee mehr da. Luke: Mrs Dudly räumt um 10 Uhr ab, es ist fünf nach zehn. Mrs Dudly: Ich bringe ihnen gleich noch eine Kanne. Frau: Bißchen stärker bitte, wir zahlen nicht gerade wenig für die Pension hier. Theo: Elinor, wir sollten endlich unser Picknick organisieren als Abschiedsessen, ich fahre morgen, ich mag nicht mehr, ich will nach Hause. Elinor: Theo, was hältst du davon, wenn ich mitkomme zu dir, in deine Wohnung, ich hause in einer Abstellkammer bei meiner Schwester mit ihrem vulgären Mann und mit ihrem verzogenen Sohn ich hasse sie. Theo: Dann zieh doch aus. Elinor: Wie denn. Theo: Du hast doch ein Beruf. Elinor: Ich bin schon seit Jahren arbeitslos. Bitte nimm mich mit. Theo: Das geht nicht. Elinor: Ich brauch nicht viel, ein Klappbett in deinem Laden, ich werd mich nützlich machen, ich hab das Auto ohne Erlaubnis genommen, ich kann nicht zurück zu meiner Schwester. Theo: Elenor. Luke: Eleonor ist doch ein wunderhübscher Name, das eignet sich dazu mit Pathos ausgesprochen zu werden, stör ich irgendein Zerwürfnis zwischen den Schwestern. Theo: Das kann man wohl sagen, ich frage Elinor, ob sie mit mir Picknick unten am Bach machen möchte, und sie sagt, sie haßt Picknick. Luke: Picknick ich liebe Picknicks, ich weiß nicht ob sie mich als Ersatz akzeptieren. Theo: Ich kann es ja mal probieren. Was besorgen wir uns denn zu essen. Luke: Kaltes Huhn und Schinkenbrote. Theo: Schololadenkuchen. Luke: Ja. Harte Eier. Das Salz vergessen. Aber keine Plastikbecher. Elinor: Ist die Reise zu Ende reichen wir uns die Hände, wenn der Abend kommt. Elinor: Was ist das. Wach nur auf Theo Tausendschön. Aus dem Bett Leo Lügner, Dr. Montague, Poltergeist für Mrs Montague. Theo: Eleonor ist weg. Montague: Da da ist sie. Luke: Im schiefen Turm natürlich. Frau: Was in aller Welt tut diese verrückte Person da oben. Theo: Elinor warte, nicht weitergehen, ich komme. Montague: Bleiben Sie hier, sie kann gar nicht weiter nach oben klettern, die Treppe zum Turm ist auf halber Höhe zusammengebrochen, ja, ich hab es nur vergessen es ihnen allen zu sagen. Luke: Der Rest der Treppe auch noch runter. Montague: Klettern sie zurück Elenor aber vorsichtig. Theo: Du mußt sie holen Luke. Montague: Ich bin dafür verantwortlich, ich hole sie. Theo: Luke bitte. Luke: Ihre Frau hat recht, ich mach das. Frau: Du hast dich ja geweigert, die charakterliche Eignung zu prüfen. Theo: Bleib ruhig Elenor ganz ruhig. Luke: Elinor, Elinor, schau mich an, so jetzt gib mir die Hand, ja. Elinor: Ich hatte doch nur einen Alptraum, das hätte jedem passieren können. Luke: Der Koffer ist im Auto. Montague: Steigen sie ein, Mrs Vance. Elinor: Aber sie können mich doch nicht wegschicken. Frau: Fahren sie vorsichtig. Ich habe mit ihrer Schwester telefoniert, sie war schon sehr in Sorge wegen des Autos. Elinor: Dr Montague. Montague: Verstehen sie denn nicht, sie sind hier in Gefahr. Elinor: Das ist Unsinn, das wissen sie doch, ohne mich läuft ihr Projekt nicht mehr, außerdem ist es nicht ihr Haus, sie können mich nicht wegschicken. Luke: Dr Montague handelt im Einvernehmen mit mir als Hausherr. Theo: Du brauchst Abstand. Elinor: Nein. Theo: Du mußt das alles erst mal vergessen, dann können wir später irgendwann. Elinor: Aber ich kann hier nicht weg, ich war glücklich hier, ich bin seit 20 Jahren nicht mehr glücklich gewesen. Montague: Glauben Sie mir, es ist zu ihrem besten. Elinor: Aber wohin. Mrs Dudly: Fürchten sie sich nicht, fahren sie nach Hause. Elinor: Ja wohin denn sonst, danke Mrs Dudley danke, danke. Theo: Verdammt, ich hätte sie nicht alleine fahren lassen sollen. Montague: Ich hatte mir auch schon überlegt ob ich sie nicht. Frau: Was macht denn diese Person jetzt schon wieder. Luke: Sie hat gewendet, sie kommt zurück, zurück zum Haus. Mrs Dudly: Nach Hause. Montague: An das Institut für Parapsychologie, das Experiment, das so viel versprechend begann, ist leider mit einem gewaltsamen Ende gescheitert, es ist mir nicht gelungen, die übernatürlichen Manifestationen auf Crains Hall wissenschaftlich zweifelsfrei zu dokumentieren, poetisch ausgedrückt könnte man sagen, das Haus hat sein Geheimnis bewahrt, man kann wohl wirklich nicht vorsichtig genug bei der Auswahl der Mitarbeiter sein, meine Frau und ich werden das beim nächsten Projekt noch stärker berücksichtigen, Sittley Rectory in Suffolk, ein Pfarrhaus aus dem 18 Jahrhundert... Elinor: Esther Hausmann Theodora: Renan Demirkan Dr. Montague: Rudolf Wessely Mrs. Montague: Doris Schade Luke: Ingo Hülsmann Mrs. Dudley: Ruth Hausmeister Elinors Schwester: Sibylle Nicolai Edgar Wallace: Der Joker (SWF 1988) (Ein Kriminalhörspiel nach Motiven von Edgar Wallace, Manuskript: Florian Pauer) Higgins: Guten Morgen, Ann. Ann Pattison: Ich darf Sie darauf hinweisen, daß es bereits viertel vor elf ist, haben Sie verschlafen, Inspektor? Higgins: Und wenn es so wäre, ist Sir John schon da? Ann Pattison: Allerdings. Sir John: Ann Pattison, ist Higgins endlich da? Ann Pattison: Ja, Sir John, er ist soeben gekommen. Sir John: Dann schicken Sie ihn sofort rein. Ann Pattison: Ja, Sir John. Sehen Sie, er wartet bereits seit zwei Stunden auf Sie. Und wenn ich Ihnen einen guten Rat geben darf, dann seien Sie heute freundlich zu ihm. Er ist nämlich gestern zum dritten Mal bei der Fahrprüfung durchgefallen und hat eine fürchterliche Laune. Higgins: Ja, wie gewöhnlich. Also dann werde ich mich mal in die Höhle des Löwen wagen. Guten Morgen, Sir. Sir John: Ah, da sind Sie ja endlich Higgins, guten Morgen, ja, jetzt beantworten Sie mir einmal eine Frage. Bin ich Verkehrspolizist oder Chef von Scotland Yard? Higgins: Selbstverständlich der Chef von Scotland Yard, Sir. Sir John: Schön, schön, dann erklären Sie mir einmal, wieso ein einfacher Verkehrsunfall auf meinem Schreibtisch landet. Higgins: Ein Verkehrsunfall auf Ihrem Schreibtisch? Sir John: Ja, ein Verkehrsunfall, sag ich doch. Ein Mann wurde vorgestern Nacht von einem wahrscheinlich betrunkenen Autofahrer angefahren und getötet, der anschließend Fahrerflucht beging, das übliche halt. Heutzutage fährt ja alles schon Auto, jeder Idiot bekommt ja einen Führerschein, und wenns kracht, belästigt man jetzt schon mich damit, als ob wir hier nicht genügend andere Probleme hätten. Higgins: Ja, sehr bedauerlich, wirklich. Übrigens, haben Sie gestern Ihre Fahrprüfung bestanden, Sir John, darf man gratulieren? Sir John: Äh nein, nein, nein, es gab da ein Mißverständnis, der Prüfer war so ein sturer Hund, äh, Sie kennen ja diese Sorte, aber im Moment beschäftigt mich diese andere Sache. Higgins: Sir John, diese Angelegenheit ist keine Lappalie. Ich habe gestern abend diesen sogenannten Verkehrsunfall und seine Begleitumstände etwas genauer unter die Lupe genommen, ich habe den Eindruck, daß sich bereits einige Reporter unsere Köpfe zerbrechen. Sir John: Was soll das heißen? Higgins: Haben Sie schon die heutige Ausgabe des Daily Mirror gelesen? Sir John: Nein, nein, nein. Higgins: Ich darf zitieren: Wieder tödlicher Unfall mit Fahrerflucht, Experten glauben nicht mehr an Zufall. Sir John: Und? Higgins: Sir, ich habe mit den Kollegen vom Unfallkommando gesprochen, die Sache von vorgestern Nacht ist bereits der vierte Autounfall mit tödlichem Ausgang und anschließender Fahrerflucht innerhalb weniger Wochen, und das immer in der Nacht. Von Augenzeugen, so es welche gibt, wird zumeist eine dunkle Limousine erwähnt, und diesmal haben wir die Aussage einer Frau, die mir doch sehr zu denken gibt. Nach ihren Angaben hat die dunkle Limousine in einer Seitenstraße vom Kensington Park gewartet und war dann mit voller Absicht auf den Mann zugerast. Sir John: Sind Sie sicher? Das wäre ein glatter Mordanschlag. Higgins: Die Frau konnte nicht schlafen und stand am Fenster, dadurch bekam sie alles genau mit, wir haben ihre schriftliche Aussage. Sir John: Ja, ist ja ungeheuerlich. Higgins: Ja, es ist ungeheuerlich, aber es ist noch nicht alles. Der Mann von vorgestern Nacht hieß Jugent Pelford, ein alter Kunde von uns, wir haben ihn in unserer Kartei, er hat einige Jahre in Dartmoor abgesessen. Sir John: Ja, ja, und? Higgins: Das hat mich stutzig gemacht. Ich habe mir die Dossiers der anderen ungeklärten Autounfälle angesehen, wissen Sie, wer die Opfer waren? Mike Brett, Piet Fletcher, Derrick Hardley, allesamt schwere Jungs, hier ein Raubüberfall, da ein Todschlag, und so weiter und so weiter, man könnte meinen, hier hat jemand die halbe Londoner Unterwelt ins Visier genommen. Sir John: Moment, Higgins, ich gebe ja zu, daß das alles sehr auffällig ist, aber ich würde keine voreiligen Schlüsse ziehen. Bei den vielen hundert Verkehrstoten, die wir Jahr aus Jahr ein haben, kann es auch nichts weiter als ein böser Zufall sein, vielleicht hat die Zeugin auch eine etwas lebhafte Fantasie. Higgins: Möglich, Sir, aber nachdem, was ich bis jetzt in Erfahrung bringen konnte, kann ich nicht mehr an Zufall glauben, Sir John, aber das beste kommt noch. Bei Pelford, also dem Toten von vorgestern Nacht, fand man das. Sir John: Was ist das? Higgins: Eine Spielkarte, ein Jolly Joker, mit einem handschriftlichen Vermerk, Montag 22 Uhr, man fand sie in Pelfords Brieftasche. Fällt Ihnen etwas auf, Sir John? Sir John: Sprechen Sie nicht in Rätseln, was meinen Sie damit? Higgins: Vorgestern war Montag, und gegen 22 Uhr 30 wurde Pelford. Sir John: Überfahren. Higgins: Ich würde sagen, ermordet, Sir John, und das ist meine feste Überzeugung. Sir John: Das ist bis jetzt nur eine Hypothese, und zwar Ihre Hypothese, Higgins, aber gut, bleiben Sie an dem Fall dran, Sie haben meine volle Unterstützung. Übrigens habe ich diesmal einen Assistenten für Sie. Higgins: Wie bitte? Einen Assistenten für mich? Sir John: Ja, Superintendant Lane, Sir Eric hat ihn uns geschickt, eine Leihgabe aus Nottingham sozusagen, gehen Sie nur ins Nebenzimmer, er wartet schon auf Sie. Higgins: Einen Assistenten. Lane: Hallo. Higgins: Hallo. Sie sind Superintendant Lane. Lane: Für Sie Barbara. Sind Sie sehr enttäuscht, Chiefinspektor? Higgins: Nein, nein nein, keineswegs, so angenehme Überraschungen sind bei uns im Haus wahrlich nicht alltäglich, also kann ich nur sagen, willkommen in London. Lane: Danke. Higgins: Sagen Sie, wieso wurden Sie uns zugeteilt, Sir Eric konnte doch von unserem Problem noch nichts wissen. Lane: Nein, das konnte er auch nicht, aber ich weiß eigentlich auch nicht, worum es geht. Nachdem ich diesen Ken Russel hinter Schloß und Riegel gebracht hatte, wurde es in Nottingham ein wenig langweilig, und Sir Eric meinte, ein Klimawechsel könnte mir sehr gut tun. Higgins: Ken Russel, den haben Sie aus dem Verkehr gezogen, den Mann, der mit Computermanipulationen 8 Millionen Pfund ergaunert hat? Lane: Genau den. Higgins: Mein Kompliment. Sir John: Na, haben Sie sich schon angefreundet? Higgins: Danke Sir. Ann Pattison: Sir John. Sir John: Ja? Ann Pattison: Entschuldigen Sie die Störung, Sir John, aber da draußen ist jemand, der Inspektor Higgins sprechen möchte. Sir John: Wer denn? Ann Pattison: Ein gewisser Mr. Reynolds. Higgins: Etwa Billy Reynolds? Ann Pattison: Ja. Higgins: Rein mit ihm. Ann Pattison: Ja. Sie sollen reinkommen. Reynolds: Inspektor? Higgins: Sieh mal einer an, daß Sie mir in meinem Leben noch einmal ohne Handschellen gegenüberstehen würden, hätte ich auch nicht gedacht, Reynolds. Reynolds: Sehr witzig, Inspektor. Ich möchte das hier abliefern. Higgins: Interessant. Sir, sehen Sie sich das einmal an. Sir John: Was ist denn das, Higgins? Ist das die Beute aus dem Serapju-Coup? Lane: Serapju-Coup? Higgins: Ja. Sie sollten wissen, Kollegin, vor etwa zwei Monaten gab ein jordanischer Ölscheich eine Galaparty auf seinem Landsitz hier in der Nähe von London. Nachdem die Gäste gegangen waren, war er um Juwelen im Werte von 300.000 Pfund erleichtert. Dieser Gentleman, der jetzt so reumütig vor uns steht, war daran offenbar nicht ganz unbeteiligt. Saubere Arbeit, Reynolds, aber soweit ich das auf den ersten Blick sehe, ist das nur die Hälfte der Juwelen. Reynolds: Mir wäre auch wohler in meiner Haut, Inspektor, wenn ich alles zurückgeben könnte. Higgins: Mein lieber Reynolds, Sie werden mir doch zustimmen, wenn ich sage, daß Sie uns eine Erklärung schuldig sind, oder? Reynolds: Ja. Sehen Sie sich das an, Inspektor. Higgins: Das wäre also die Nummer zwei. Glauben Sie immer noch an Zufall, Sir John? Lane: Ja was ist denn das? Eine Spielkarte, eine Jolly-Joker-Karte. Was steht da? Donnerstag 18 Uhr, bleiben Sie am Telefon, J. Sir John: Ja und was soll dieses J. bedeuten? Higgins: Reynolds, haben Sie das Diamanten-Ding etwa mit Pelford gedreht? Reynolds: Ja, aber Pelford ist tot, und deshalb bin ich hier. Sie sind verpflichtet, mich zu schützen, Inspektor, mein Leben ist bedroht. Ann Pattison: Sir John, es ist Zeit für Ihre Tabletten. Sir John: Aber jetzt doch nicht, alles der Reihe nach. Ann Pattison: Aber Sir John. Sir John: Reynolds, was soll dieses J. bedeuten? Reynolds: Das J steht für Joker. Noch nie von ihm gehört? Er terrorisiert seit Monaten die gesamte Londoner Unterwelt. Seine Methode ist einfach und sicher zugleich. Wenn irgendwo ein Ding gedreht wird, ist er der erste, der davon Wind bekommt, und mit Morddrohungen erpreßt er die Herausgabe von 90 Prozent der Beute. Keiner, der darauf nicht eingegangen ist, hat überlebt. Higgins: Gehörten Mike Brett und Piet Fletcher auch dazu? Reynolds: Fletcher? Hats den etwa auch erwischt? Von Brett wußte ichs, aber von Flechter... Higgins: Fletcher wurde vor ungefähr 14 Tagen von einem Auto angefahren und tödlich verletzt. Reynolds: Der also auch. Pelford und ich hatten noch vor nicht allzulanger Zeit im Montmartre mit ihm gesprochen. Allerdings verstehe ich das nicht ganz, Fletcher war doch bereit, auf die Forderung des Jokers einzugehen. Sir John: Sie sagen, der Joker ist der erste, der von einem Coup erfährt, Mr. Reynolds, woher weiß er es? Reynolds: Tja, er weiß es eben. Lane: Tja, und seit dem Serapju-Coup hat er nun Sie im Visier. Reynolds: Sie sagen es. Pelford war dagegen, den Erpressungen des Jokers nachzugeben, wir teilten die Beute und trennten uns, aber weit ist er ja nicht gekommen, und ich bin wahrscheinlich der nächste! Higgins: Hören Sie zu, Reynolds, wir werden Ihnen helfen, in Ihrem Interesse, aber bevor wir das tun, eine Frage, da Sie ja mit der Londoner Unterwelt so intim befreundet sind, gibt es einen Anhaltspunkt, irgend ein Indiz, wer der Joker sein könnte? Reynolds: Nein, das einzige, was wir wissen ist, daß er diese dunkle Limousine fährt, nen schwarzen Jaguar. Lane: Wann will er mit Ihnen wieder Kontakt aufnehmen? Reynolds: Donnerstag, also morgen um 18 Uhr, steht ja auf der Karte. Higgins: Wo wohnen Sie? Reynolds: Wir hatten ein Zimmer im Eastend gemietet. Higgins: Schön, dann fahren Sie dorthin, Sie bekommen zwei Mann Begleitung, einen in die Wohnung, einer bleibt unauffällig vor Ihrem Haus. Wenn sich der Joker meldet, gehen Sie auf seine Forderung ein, den Rest erledigen wir. Reynolds: Was haben Sie vor? Higgins: Wahrscheinlich sollen Sie die Juwelen irgendwo deponieren, entweder an einem entlegenen Ort oder mitten in der Stadt, wo der Joker im Verkehrsgewühl rasch wieder untertauchen kann. Sie hinterlegen jedenfalls das Zeug, wo immer er will, und verschwinden dann so rasch wie möglich, wenn er es abholt, schnappen wir ihn uns. Lane: Glauben Sie wirklich, daß er persönlich kommen wird? Higgins: Auch wenn er nur einen Mittelsmann schickt, bringt uns das weiter. Nach unserer bisherigen Kenntnis seiner Arbeitsmethode dürfte er wohl kaum viele Mitarbeiter haben. Je weniger seine Identität kennen, desto sicherer kann er sich fühlen. Ihr Telefon, Reynolds, werden wir selbstverständlich auch abhören. Reynolds: Und Sie können meinen absoluten Schutz garantieren? Sir John: Ja ein bißchen was müssen Sie schon riskieren, Reynolds, wenn Sie aus der Sache mit einem blauen Auge rauskommen wollen. Bisher waren Sie ja auch nicht zimperlich. Reynolds: Nein, aber der Joker... Higgins: Der Joker, der Joker, der Joker. Der Joker ist auch nur ein gewöhnlicher Krimineller und kein Phantom. Und je schneller wir diesem Spuk ein Ende bereiten, um so besser für alle Beteiligten, ja ja, sonst macht Sir John seinen Führerschein nie. Sir John: Nanananananana, untergraben Sie da nicht meine Autorität vor diesem Gaunerpack, Higgins, mein Führerschein geht nur mich etwas an. Sir John: Reynolds ist tot? Higgins, wie konnte das passieren? Es war doch alles bis ins kleinste Detail vorbereitet! Higgins: Richtig, Sir, Reynolds sollte die Juwelen in der Telefonzelle am Haymarket hinterlegen und sofort verschwinden. Lane: Und daß dieser Reynolds 10 Meter vor der Telefonzelle niedergeschossen wird. Higgins: Daß hat doch niemand erwarten können, Sir, daß der Joker die Beute sausen läßt und Reynolds liquidiert. Sir John: Dieser Joker… was ist? Ann Pattison: Es ist Zeit für Ihre Tabletten. Sir John: Dieser Joker scheint allgegenwärtig zu sein. Ann Pattison: Sir John. Lane: Oder er hat einige brillant getarnte Spitzel. Sir John: Sie sagen es, Miss Lane. Higgins, wir haben jetzt 5 Tote, und keinen einzigen brauchbaren Anhaltspunkt. Ich muß dem Minister Rede und Antwort stehen und Sie scheinen Jolly-Joker-Karten zu sammeln. Higgins: Wir müssen dort weiterarbeiten, wo Reynolds aufgehört hat. Sir John: Reynolds ist tot. Higgins: Richtig Sir, Reynolds ist tot, auch Pelford und Fletcher. Sir John, können Sie sich erinnern, was Reynolds über Fletcher sagte, er und Pelford hätten zuletzt miteinander im Montmartre gesprochen, das scheint ein Pup zu sein oder irgendein Restaurant. Sir John: Jaja, das ist so ein Nobelnachtklub irgendwo in Finsbury, wird ja nicht allzu schwierig sein, das herauszufinden. Higgins: Ganz recht, Sir, also kommen Sie, Barbara, wir machen uns einen netten Abend. Sir John. Lane: Sir. Kellner: Was darfs sein? Lane: Ein Wodka Martini mit viel Eis, bitte. Higgins: Für mich einen doppelten Scotch. Kellner: Jawohl Sir. Higgins: Rauchen Sie? Lane: Danke nein. Higgins: Aber ich doch. Lane: Ganz schön was los hier. Higgins: Ja, aber lassen Sie sich von der Schickeria nicht täuschen, soweit ich es auf den ersten Blick gesehen habe, sitzen hier mindestens 300 Jahre Dartmoor auf einem Haufen. Lane: Oh wie beruhigend. Kellner: Ihre Getränke. Higgins: Danke. Lane: Und Sie meinen, daß hier ist die richtige Adresse, um an den Joker heranzukommen. Higgins: Ich hoffe es. Immerhin verkehrten hier Reynolds, Pelford und Fletcher. Außerdem. Lane: Ist was? Higgins: In der rechten hinteren Ecke sitzen fünf Männer an einem Tisch, sehen Sie hin, aber unauffällig. Der Graumelierte mit dem Bürstenhaarschnitt, der sein Gesicht halb abgewandt hat, kennen Sie ihn? Lane: Hm. Irgendwie kommt er mir bekannt vor. Higgins: Ja, das ist Tom Silkwood. Hm, im Yard hat er den Spitznamen der Amerikaner. Lane: Aha, und was wissen Sie noch über ihn? Higgins: Ja, er wurde in den 50er Jahren aus England ausgewiesen, hat einige tolle Dinger gedreht, nur beweisen konnte man ihm nie etwas. Er ging dann nach Amerika, wo er mit der gleichen Methode arbeitete, gut ein halbes Dutzend Mal wurde Anklage gegen ihn erhoben, er wurde aber mangels Beweisen immer wieder freigesprochen. Man sagt ihm drüben übrigens gute Kontakte zur Mafia nach. Lane: Und warum gibt es uns jetzt wieder die Ehre? Higgins: Hm, wahrscheinlich ist er mit falschem Paß eingereist, aber wir werden das überprüfen. Wo Silkwood auftaucht, steckt meistens mehr dahinter als ein paar Tage Urlaub, er plant seine Coups generalstabsmäßig. Lane: Schade, daß man nicht hören kann, was die da miteinander reden. Higgins: Tja. Und wie gefällt Ihnen das Lokal sonst? Lane: Hm, sonst, also der Martini Wodka ist passabel, die Einrichtung muß sündhaft teuer gewesen sein, also, so ganz recht mit ihren 300 Jahren Dartmoor haben Sie nicht, da kommt Sir Donald, Abgeordneter im Unterhaus. Higgins: Bleiben wir bei der Einrichtung. Fällt Ihnen nichts auf? Lane: Hm, die blaue Marmorkatze da an der Wand scheint mir ein wenig zu extravagant, die auffälligen Blumengestecke auf jedem Tisch. Higgins: Eben. Man kann sie offenbar nicht verrücken. Lane: Tatsächlich. Higgins: Ich muß immer wieder an Reynolds denken, er hat eine Gaunerkarriere hinter sich, die sich wirklich sehen lassen konnte, und seine Komplizen waren auch mit allen Wassern gewaschen, aber auf die Frage, woher der Joker seine Informationen beziehen könnte, sagte er bloß, ja, er weiß es eben. Nein nein, dahinter muß ein ebenso einfacher wie raffinierter Trick stecken. Lane: Ich beginne zu ahnen, was Sie meinen, Chiefinspektor. Higgins: Tja, heute können wir hier sowieso nichts mehr tun, die beiden Streifen müssen ohnehin bald da sein, und Sie Barbara, sehen Sie bitte zu, daß Sie morgen etwas über diesen Laden hier in Erfahrung bringen können, wem er gehört, wie der Barmixer heißt, usw. usw. Lane: Geht in Ordnung. Danke für den Drink, Chief. Higgins: Oh, keine Ursache. Ann Pattison: Verzeihen Sie die Störung, Sir John, hier ist jemand, der Chiefinspektor Higgins sprechen möchte. Sir John: Wer ist das denn? Ann Pattison: Ein gewisser Mr. Harras. Higgins: Kenn ich nicht. Sir John: Ja, soll hereinkommen. Ann Pattison: Ja. Bitte, Mr. Harras. Higgins: Mein Name ist Higgins, Sie wollten mich sprechen. Harras: Ja, mein Name ist Harras, Josua Harras, ich bin Portier und Sekretär im Home of Peace, einem sehr angesehenen Pflegeheim für alte Leute in West Kensington. Sir John: Ja, nehmen Sie doch bitte Platz, Mr. Harras. Harras: Dankeschön. Sir John: Was führt Sie zu uns? Harras: Ja sehen Sie, in den letzten Tagen tauchten in den Zeitungen immer wieder Meldungen von äußerst mysteriösen Autounfällen auf, es wird das Gerücht kolportiert, daß es sich dabei nicht um gewöhnliche Unglücksfälle, sondern um Mordanschläge handelte. Higgins: Erzählen Sie weiter, Mr. Harras. Harras: Die Fotos der Opfer wurden in den Zeitungen abgebildet, und ich kenne zwei von ihnen. Äh, bei dem einen war ich mir erst nicht so sicher, sehen Sie, ich habe die betreffenden Artikel mitgenommen, von dem einen Mr. Pelford glaube ich, daß er einmal kurz bei uns zu Besuch gewesen ist, vom zweiten Mr. Fletcher, weiß ich es jedoch ganz bestimmt. Higgins: Wann was das? Harras: Das war vor ungefähr drei Wochen. Mr. Fletcher kam eines Vormittags zu uns und verlangte an der Rezeption ziemlich schroff Lady Smith zu sprechen. Sie müssen wissen, Lady Smith ist die Leiterin des Sanatoriums. Ich bat ihn also weiter ins Büro, nachdem ich Lady Smith von seinem Kommen informiert hatte, und sie ließ ihn kommentarlos eintreten. Ich konnte dann feststellen, daß hinter der verschlossenen Tür eine ziemlich heftige Debatte stattfand. Nach etwa 10 Minuten verließ Mr. Fletcher mit rotem Kopf das Büro und fuhr grußlos in seinem Wagen fort. Higgins: Haben Sie mitbekommen, worum sich das Gespräch drehte? Harras: Aber Mr. Higgins, ich pflege nicht an Türen zu lauschen. Higgins: Ja, ja ja, ich bin davon überzeugt, Mr. Harras, aber da Sie selbst sagten, daß das Gespräch ziemlich heftig verlief, könnte es doch sein, daß Sie, ohne natürlich zu beabsichtigten, ein paar Worte aufgeschnappt haben. Harras: Ja, ich glaube etwas von Unterbieten gehört zu haben und äh Schweinerei. Sir John: Ja, das ist ja alles nicht sehr informativ. Higgins: Namen fielen keine? Harras: Ich habe keinen gehört, Inspektor. Higgins: Sehr viel ist das nicht, was Sie uns zu berichten haben, Mr. Harras, aber wir werden der Sache auf den Grund gehen. Sir John: Higgins, wenn Sie in jeder Bude nachsehen, wo die Kerle einmal vorbeigeschaut haben, kommen Sie nie ans Ziel. Harras: Bude? Ich bitte Sie, Sir, ich habe nur getan, was ich für meine Pflicht hielt, nämlich Sie davon in Kenntnis zu setzen. Higgins: Is ja gut, ist alles gut, wir sind Ihnen auch sehr dankbar. Guten Tag. Sir John: Moment, Moment mal Mr. Harras, wo sagten Sie, liegt dieses Sanatorium? Harras: In West Kensington, nahe der North End Road. Sir John: Das ist eine noble Gegend. Harras: Allerdings. Sir John: Warum glauben Sie, kamen Pelford und Fletcher ins Sanatorium, hatten sie Verwandte im Heim oder wollten sie direkt zu Lady Smith? Harras: Also, Pelford hab ich nur das eine Mal gesehen, was Mr. Fletcher betrifft, so kann ich das nicht beurteilen, äh, Sie müssen wissen, daß ich erst seit 5 Monaten im Home of Peace arbeite. Sir John: Also, Mr. Harras, es war sehr freundlich von Ihnen, daß Sie zu uns gekommen sind, aber genaugenommen sind Ihre Angaben zu dürftig, Sie müßten uns schon eindeutigere Hinweise geben, daß die Besuche von Mr. Pelford und Mr. Fletcher in Zusammenhang mit deren ungewöhnlichem Ableben stehen, ich schlage vor, Sie verschaffen sich einen genaueren Einblick in die Akte, und wenn Sie etwas finden, wovon Sie glauben, daß es von Bedeutung ist, dann kommen Sie wieder zu uns. Harras: Ich werde mein Bestes tun, Sir. Sir John: Merkwürdig, das ganze, Higgins. Higgins: Ja, wenn ich ehrlich bin, zu denken gibt mir die Sache schon. Hm, da jagen wir diesem verdammten Geisterwagen nach, dessen Fahrer wir nicht kennen, wir haben ein halbes Dutzend Tote, die wahrscheinlich alle auf sein Konto gehen, und dann kommt so eine lächerliche Figur wie Harras zum Yard und behauptet aus heiterem Himmel, er kenne Pelford und Fletcher. Sir John: Jaja, Sie machen das schon, Higgins. Higgins: Genau Sir John und ebendarüber muß ich mit Ihnen ein ernstes Wort reden. Sir John: Aber Higgins, ich bin um halb sechs im Klub verabredet. Higgins: Ich bitte Sie um 5 Minuten, Sir. Als Sie mir den Fall übertrugen, sagten Sie mir volle Unterstützung zu. Sir John: Ja die haben Sie ja. Sonst noch was? Higgins: Wie ich Ihnen schon berichtete, Sir, war ich gestern im Montmartre. Sir John: Ja, und seitdem werden der Amerikaner, dieser... Higgins: Silkwood. Sir John: Silkwood, ganz recht, und seine Leute rund um die Uhr beobachtet, und das Lokal auch. Higgins: Das genügt mir nicht, ich will einen Durchsuchungsbefehl. Sir John: Was denn, Sie wollen mit meinen Beamten das Montmartre auf den Kopf stellen? Higgins: Sir John, Pelford, Reynolds, Fletcher, sie alle verkehrten dort, und sie alle kamen auf die Abschußliste des Jokers. Sir John: Jaja ich weiß, aber ihnen ist vielleicht entgangen, daß dort auch ehrenwerte Mitglieder unserer Londoner Gesellschaft ihre Abendstunden zu verbringen pflegen, Politiker, Richter, Anwälte. Mein guter Freund Sir Donald zum Beispiel. Higgins: Ja, er war gestern abend auch dort, mir kommen die Tränen. Wenn wir wirklich etwas gegen den Joker unternehmen... Sir John: Ich will kein Wort mehr hören, Higgins, tun Sie, was Sie nicht lassen können, aber ich werde es nicht zulassen, daß Sie dort Ihre Privatfete starten, bevor Sie mir handfeste Beweise auf den Tisch legen. Vorher sind das alles nur Vermutungen. Higgins: Verstehe, Sir John, wenn ich erst mal auf meine Weise ein paar fette Indizien beschafft habe, dann stehen Sie ja ganz loyal zu Ihren Chiefinspektoren. Sir John: Wie meinen Sie? Higgins: Nein, nichts, ich wünsche einen schönen Abend. Sir John: Ja wohin wollen Sie? Higgins: Ich habe heute noch ein wichtiges Arbeitsessen vor mir, mit Superintendant Lane, man muß sich ja schließlich einmal kennen lernen, die Rechnung bekommen Sie morgen. Lane: Hm, sagen Sie, Chiefinspektor, führen Sie Ihre Assistenten immer so vornehm aus? Higgins: Bin ich Krösus? Hm, ich erinnere mich, wir hatten einmal einen Sergeant, Harvy hieß er, er bekam vom damaligen Chef Sir Artur immer die unangenehmsten Aufgaben übertragen, manchmal fuhren wir auch zusammen Streife, da waren Hamburger und Cola schon das allerhöchste der Gefühle. Lane: Oh, das ist äußerst interessant. Heißt das, Sie wollen mich bei diesem schwierigen Fall nur bei Laune halten, hm mit diesem köstlichen Filet beispielsweise, bevor wir uns ernsthaft auf die Fährte des Jokers heften? Higgins: Abgesehen von der Tatsache, daß ich noch nie einen so hübschen Assistenten hatte. Lane: Noch nie? Higgins: Fürchte ich, daß uns in der Tat noch schwere Tage bevorstehen, Wochen, Monate, was weiß ich. Lane: Chiefinspektor... Higgins: Higgins für Sie. Lane: Oh, einen Vornamen haben Sie wohl nicht. Higgins: Doch doch doch, nur verschweige ich ihn meistens. Meine Intimfeinde nennen mich Chiefinspektor Higgi. Lane: Und Ihre Intimfreunde? Higgins: Higgi. Lane: Also gut, Higgi, erzählen Sie einmal, wie lange dauerte Ihr längster Fall, den Sie für den Yard gelöst haben, Sie haben einen legendären Ruf im Haus. Higgins: Barbara, Sie wissen ja wohl selbst am besten, wie das so ist, oft dauern die Recherchen, die informelle Arbeit Monate, und die Aktion, wenn man einen hochgehen läßt, wenige Minuten. Lane: Higgi, was denken Sie wirklich über den Joker? Higgins: Reynolds war sein fünftes Opfer. Wie viele bisher aber tatsächlich auf sein Konto gehen, können wir nur schätzen. Ich könnte mir gut vorstellen, daß noch einige andere Unfälle vom Joker inszeniert wurden. Lane: Von denen Sie gar nichts wissen. Higgins: Noch nichts. Lane: Und wie gehts also weiter? Higgins: Eine Hoffnung ist dieser Harras. Lane: Der Portier aus dem Pflegeheim. Higgins: Ja, Portier und Sekretär im Home of Peace. Vielleicht findet er etwas heraus, womit wir etwas anfangen können, aber ich kann mich natürlich nicht darauf verlassen. Lane: Bleibt also nur das Montmartre. Higgins: Genau. Die Nase des Barkeepers gefällt mir ganz und gar nicht. Haben Sie etwas über ihn herausbekommen? Lane: O ja, er heißt John Carpenter, 46 Jahre alt, geboren in London, es steht nichts besonderes über ihn in den Akten, keine Vorstrafen, allem Anschein nach ein unbeschriebenes Blatt. Er ist übrigens der Besitzer des Lokals. Higgins: Besitzer und wäscht selbst die Gläser? Merkwürdig. Lane: Vielleicht will er Personal sparen. Higgins: Mag ja sein. Barbara, der Abend mit Ihnen war wunderschön, aber so leid es mir tut, muß ich ihn beenden. Lane: Haben Sie noch etwas besseres vor? Higgins: Naja nu, ich habe für das Montmartre keinen Durchsuchungsbefehl bekommen, also muß ich mich dort nochmals umsehen, auf meine Art. Lane: Schau an schau an, wenn das Sir John erfährt. Higgins: Darauf kann ich im Moment keine Rücksicht nehmen, wir können dem Joker nicht länger tatenlos zusehen. Kann ich Sie irgendwo absetzen? Lane: Nein danke, ich geh zu Fuß, ein bißchen frische Luft wird mir jetzt sehr gut tun. Higgins: Schon wieder so spät, o Mann o Mann... Wo sind denn diese Latschen wieder? – Dann wollen wir mal... Das darf doch nicht wahr sein. Was… was zum Teufel machen Sie denn in meinem Bett? Lane: Sie sollten eigentlich wissen, daß ich von Natur aus sehr neugierig bin, bis morgen hätte ich das doch bestimmt nicht durchgehalten, die Neuigkeiten aus dem Montmartre zu erfahren. Und außerdem dachte ich mir, man könnte den angebrochenen Abend ein wenig äh… verlängern. Higgins: Aja, das dachten Sie, meine Haustür war da überhaupt kein Hindernis. Lane: Aber Higgi, ich bin ein Profi. Higgins: Jaja. Lane: Möchten Sie einen Drink? Higgins: Ich hatte zwar schon einen, aber bekanntlich soll man auf zwei Füßen stehen. Schön, daß Sie sich mit meiner Hausbar so schnell angefreundet haben. Lane: Auf den Joker. Higgins: Nein, nein, eher auf den Tag, an dem wir ihn geschnappt haben werden. Cheers. Lane: Cheers. Higgins: Es gibt Neuigkeiten. Lane: Hm, da bin ich aber gespannt. Higgins: Carpenter hört die Gespräche seiner Gäste ab. Lane: In den Blumengestecken sind Mikrophone eingebaut. Higgins: Wunderbar, wie schnell Sie schalten. Jetzt ist mir auch klar, wie so jemand über so manches krumme Ding als erster Bescheid weiß. Lane: Und mit diesem Jemand meinen Sie den Joker. Higgins: Ohne jeden Zweifel. Das Montmartre ist jetzt für uns die heißeste Adresse. Lane: Aha, und was ist unser nächster Schritt? Higgins: Ich muß das morgen mit Sir John besprechen, auf keinen Fall möchte ich etwas überstürzen, überlegen Sie mal, angenommen, Carpenter arbeitet nur für den Joker, wenn wir da den Klub hochgehen lassen, ist der Joker auf Nimmerwiedersehen verschwunden. Lane: Hm, und wenn Carpenter selbst der Joker ist? Higgins: Ja, das wäre natürlich die einfachste Lösung. Hm, wissen Sie, daß das gar nicht so eine schlechte Idee war, die Sie da hatten? Lane: Welche? Higgins: Den Abend zu verlängern. Lane: Hm. Higgins: Rutschen Sie mal ein bißchen. Lane: Möchtest du noch eine Tasse Tee, Darling? Higgins: Nein danke. Barbara, hör zu, ich hab mir das anders überlegt, bevor ich Sir John meinen Besuch im Montmartre beichte, fahre ich hinaus ins Home of Peace. Lane: In dieses Pflegeheim. Du willst nicht warten, bis dieser Portier, dieser Harras sich meldet. Higgins: Nein nein, die Zeit drängt, sei so lieb und fahr schon voraus in den Yard und sag Sir John Bescheid. Ich komme gegen 12 Uhr nach. Lane: Wie Sie befehlen, Chiefinspektor. Dank dir für die Nacht. Higgins: Ich danke dir, Profi. Lane: Also machs gut, bis später... Ah! Higgins: Barbara, Barbara, was ist los? Lane: Eine Jolly-Joker-Karte, sogar bis hierher ist er also schon gekommen. Higgins: Aufgespießt mit diesem Jagdmesser. Lane: Steht da irgend etwas drauf? Higgins: Nein, das ist aber auch gar nicht nötig. Die Warnung ist eindeutig. Lane: Ja aber wen von uns beiden hat er gemeint? Higgins: Wahrscheinlich mich, mein Besuch im Montmartre hat sich schneller herumgesprochen als uns lieb ist. Lane: Sag mal meinst du, daß Carpenter... Higgins: Wir werden das gleich haben. Hallo Hooper, hören Sie mich, wo sind Sie? Hooper: Inspektor Higgins, ich bin nach wie vor vor der Wohnung von Carpenter. Higgins: Hat er heute Nacht das Haus noch einmal verlassen? Hooper: Nein, Inspektor, er war die ganze Nacht über in seiner Wohnung. Sein Wagen steht ebenfalls vor der Haustür. Higgins: OK Hooper danke. Ende. Verdammt, Carpenter kann es nicht gewesen sein. Lane: Ja was wirst du jetzt tun? Higgins: Wir lassen es wie besprochen, ich fahre ins Home of Peace, und du nimmst dir ein Taxi zum Yard, sie sollen im Labor das Messer und die Karte auf Fingerabdrücke untersuchen, wenn ich auch glaube, daß Sie auch kaum etwas finden werden. Komm, wir gehen. Lane: OK. Lady Smith: Was kann ich für Sie tun? Higgins: Sie sind Lady Smith, die Leiterin dieses Sanatoriums, ist das richtig? Lady Smith: Leiterin und Eigentümerin, ganz recht. Higgins: Also Milady, ich bin mit der Aufklärung eines sehr ernsten und eines sehr mysteriösen Falles beauftragt, Scotland Yard untersucht zur Zeit einige rätselhafte Autounfälle, die in den letzten Wochen passiert sind. Wir sind dabei zu der Überzeugung gelangt, daß es sich nicht um Unglücksfälle, sondern durchweg um Mordanschläge handelte. Lady Smith: Ah, Sie meinen jene Fälle, von denen auch schon die Zeitungen berichtet haben. Higgins: So ist es. Lady Smith: Und darf ich fragen, wieso Sie damit zu mir kommen? Higgins: Sie dürfen. Bitte sehen Sie sich diese beiden Fotos einmal an. Lady Smith: Ja. Higgins: Sagen Ihnen diese beiden Fotos etwas, Milady? Lady Smith: Nein, Inspektor. Higgins: Die Fotos zeigen zwei Unfallopfer. Beide waren angeblich kurz bevor sie umkamen hier in diesem Sanatorium. Lady Smith: Hier? Das kann ich nicht glauben. Ach, warten Sie bitte, dürfte ich die Fotos noch einmal sehen? Higgins: Natürlich. Lady Smith: Doch, den einen kenn ich, den mit der Narbe, das ist Mr. Fletcher. Wissen Sie, die Aufnahme ist nicht besondern gut. Higgins: Bedauerlicherweise, Milady, entschuldigen Sie. Lady Smith: Bitte? Higgins: Ja. Lady Smith: Ah ja. Sein Vater war bei uns bis zu seinem Tod in Pflege gewesen, und Mr. Fletcher ist so großzügig, uns von Zeit zu Zeit eine finanzielle Zuwendung zu machen, Sie müssen nämlich wissen, daß wir hier auf private Spenden sehr angewiesen sind. Higgins: Ich verstehe. Lady Smith: Ja, möglicherweise hat er uns wieder einmal einen Besuch abgestattet, aber da müßte er bei Mr. Harras vorgesprochen haben, hm, nein, den zweiten Mann kenn ich aber mit Sicherheit nicht. Higgins: Ja. Ja, dann würde ich gerne einmal mit Mr. Harras sprechen. Lady Smith: Das geht leider nicht. Harras hat heute seinen freien Tag. Higgins: Achso. Lady Smith: Aber ich kann Ihnen ja seine Privatnummer geben. Higgins: Bitte, Milady, halten Sie es für denkbar, daß Mr. Fletcher, oder vielleicht auch Mr. Pelford, das ist der Mann hier auf dem anderen Foto, gar nicht zu Ihnen, sondern vielleicht zu einem der Heiminsassen wollte? Lady Smith: Ja, das kann ich nicht beurteilen, Inspektor, ich glaube aber nicht, aber Sie können ja einmal meine Schützlinge fragen. Higgins: Ich würde das sehr gerne tun. Fangen wir doch gleich mit dem älteren Herrn dahinten an, im Rollstuhl, wer ist das? Lady Smith: Ja, ja, äh Miller? Miller: Ja? Lady Smith: Miller, könnten Sie mit Mr. Goldmann einen Augenblick herkommen. Miller: Ja. Lady Smith: Das ist Mr. Goldmann, Theodor Goldmann. Er ist erst seit wenigen Wochen bei uns. Higgins: Mr. Goldmann, entschuldigen Sie, mein Name ist Higgins, Chiefinspektor Higgins. Goldmann: Goldmann, Theodor Goldmann. Lady Smith: Verzeihen Sie Mr. Goldmann, der Inspektor hier hätte eine Frage an Sie. Goldmann: Ja, was kann ich für Sie tun? Higgins: Sir, sehen Sie sich doch bitte diese beiden Fotos an. Kennen Sie einen der beiden? Goldmann: Ja, den einen kenn ich. Higgins: Den mit der Narbe? Goldmann: Nein, den anderen, den mit der Brille. Higgins: Pelford also, Mr. Goldmann, woher kennen Sie Pelford? Goldmann: Er war einmal hier, vor ein paar Woche glaub ich, ich hab ihn nur kurz gesehen, was oder zu wem er wollte kann ich Ihnen auch nicht sagen, und jetzt entschuldigen Sie mich, Inspektor, Miller, fahren Sie mich ins Haus. Higgins: Danke, Mr. Goldmann. Wie erklären Sie sich das, Milady? Lady Smith: Ja, ich weiß auch nicht, ich kann meine Augen ja nicht überall haben. Higgins: Natürlich nicht, Pelford muß also zu einem Ihrer Patienten gewollt haben. Lady Smith: Ja vielleicht, was weiß ich. Higgins: Na gut, Milady, das wärs fürs erste. Falls ich noch Fragen haben sollte, werde ich mir erlauben, nochmals bei Ihnen vorbeizusehen. Lady Smith: Ja, tun Sie das, Inspektor. Inspektor? Higgins: Milady? Lady Smith: Ja, übrigens, wer sagte Ihnen eigentlich, daß diese beiden Herren bei mir gewesen sein sollen? Higgins: Mr. Harras, er besuchte uns im Yard. Auf Wiedersehen, Milady. Lady Smith: Auf Wiedersehen. Sir John: Ja. Higgins: Hallo, Sir John? Sir John: Na endlich, Higgins, wo stecken Sie denn? Higgins: In einer Telefonzelle in der Shaftsbury Avenue. Ich habe mich im Sanatorium umgesehen, Sir, und mit Lady Smith gesprochen. Sir John: Ja, ja, was haben Sie für einen Eindruck? Higgins: Einen sehr zwiespältigen. Sie kennt Fletcher, aber das gab sie nicht gleich zu, behauptet, er sei ein Förderer des Sanatoriums. Ein älterer Heiminsasse, ein gewisser Goldmann, bestätigte jedoch, daß auch Pelford dort einmal aufgetaucht ist. Im Moment kann ich mir aber noch keinen rechten Reim darauf machen. Übrigens, ist Superintendant Lane schon bei Ihnen, kann ich sie mal sprechen? Sir John: Das können Sie nicht, sie ist nicht da, aber sie hat angerufen, sie wird sich etwas verspäten. Hören Sie mal, Miss Lane hat mir schon von Ihrem nächtlichen Ausflug ins Montmartre berichtet, also Higgins, Sie wissen, daß ich diese Eigenmächtigkeiten von Ihnen gar nicht schätze, ich repräsentiere als Chef den Yard auch nach außen, und wenn jeder meiner Inspektoren... Higgins: Weg! Gehen Sie in Deckung! Hooper: Hände hoch, keine Bewegung! Higgins: Nur keine Panik, Jungs, Jungs. Hooper: Tschuldigen Sie vielmals, Chiefinspektor. Higgins: Ja ist ja schon gut. Geben Sie sofort eine Fahndung nach dem schwarzen Jaguar XJ 12 raus. Hooper: Achtung, an alle Streifenwagen, gesucht wird ein schwarzer Jaguar XJ 12. Higgins: Entfernt sich von der Shaftsbury Avenue nach Norden, wahrscheinlich Richtung Regents Park. Higgins: Besondere Kennzeichen: Verdunkelte Scheiben. Bei Sichtkontakt anhalten und den Fahrer unverzüglich festnehmen. Higgins: Vorsicht, der Mann ist bewaffnet und macht ohne Bedenken von der Schußwaffe Gebrauch. Ende. Hallo, Sir John, Sir John bitte kommen. Sir John: Higgins, was war denn los? Higgins: Sitzen Sie? Sir John: Ja. Higgins: Sie haben sich soeben die Begräbniskosten für einen Ihrer Chiefinspektoren erspart. Sir John: Der Joker? Higgins: Genau. Um ein Haar hätte er mich erwischt. Ich habe die Fahndung schon ausgegeben. Sir John: Ja was sind denn das für Sachen, Higgins. Ich hab auch schlechte Nachrichten, der Amerikaner, wie hieß der noch? Higgins: Silkwood, Sir. Sir John: Ach ja, dieser Silkwood und seine Kumpanen haben unsere Leute abgehängt. Higgins: Verdammt, heute geht aber auch alles schief. Ich komm in den Yard. Sir John: Nein, nein, warten Sie, Mr. Harras hat heute früh noch mal angerufen, Sie sollen zu ihm in die Privatwohnung kommen, er wohnt in der Kingsroad Nummer 4. Higgins: Ich bin schon unterwegs, Sir. - Mr. Harras, sind Sie zuhause? – Hallo, Mr. Harras? – Mr. Harras? – Mein Gott! Lady Smith: Meine Herren, darf ich erfahren, welchem Umstand ich diese rüde Vorladung zu verdanken habe? Higgins: Kam sie wirklich so unerwartet, Milady? Sir John: Higgins, kommen Sie zur Sache. Higgins: Sie verdanken die Vorladung dem Umstand, Milady, daß Ihr Portier seit gestern auf Eis liegt, im Leichenschauhaus. Lady Smith: Harras? Wie ist das möglich? Higgins: Man hat ihn in seinem Badezimmer solange unter Wasser getaucht, bis der Tod eintrat, seinen freien Tag hat er sich wahrscheinlich anders vorgestellt. Lady Smith: Ja aber das ist ja entsetzlich. Higgins: Da sind wir zufällig einer Meinung Milady, ich finde es aber auch entsetzlich, daß dieser scheußliche Mord keine zwei Stunden nach meinem Besuch in Ihrem Sanatorium von mir entdeckt wurde, nachdem ich Ihnen mitteilte, daß Harras uns wegen der Besuche von Pelford und Fletcher im Home of Peace aufgesucht hat. Sie werden sicherlich verstehen, welche Rückschlüsse für mich da naheliegend sind. Lady Smith: Inspektor, soll das heißen, Sie unterstellen mir irgendeine Verbindung zu diesem Mord? Zwei Stunden dürften wohl ein wenig knapp bemessen sein, um einen Mordplan zu fassen und auszuführen. Higgins: Das Argument klingt plausibel, haben Sie vielleicht schon Ihren Rechtsbeistand konsultiert? Lady Smith: Ich verbitte mir diesen Ton. Sir John: Higgins! Behalten Sie bitte Platz, Lady Smith. Higgins: Sie haben mich nicht ausreden lassen. Ich sagte vorhin, daß zwischen meinem Besuch bei Ihnen und dem Entdecken der Leiche etwa zwei Stunden lagen, die Obduktion hat allerdings ergeben, daß der Mord in der Nacht passierte, so zwischen 1 und 2 Uhr morgens. Lady Smith: Na also, sehen Sie. Higgins: Ja, nur beweist das nichts. Harras hatte vorgestern gegen 15 Uhr Dienstschluß und war um ca. 16 Uhr bei uns. Einer ihrer Heiminsassen hat uns gegenüber bestätigt, daß kurz nach Harras auch Ihr Pfleger Mr. Miller das Heim verlassen hat. Lady Smith: Wer hat das denn behauptet? Higgins: Ich werde mich hüten, Ihnen das zu sagen, der Mord an Harras, der reicht mir fürs erste. Lady Smith: Inspektor, ich werde mich an höchster Stelle über Sie beschweren, wenn Sie mir weiterhin in diesem Ton die Ermordung von Mr. Harras anlasten. Higgins: Tun Sie das, Milady, und Sie können gleich damit anfangen. Ich hoffe, daß Ihr Pfleger ein stichfestes Alibi hat, denn wenn nicht, und wenn ich dahinterkommen sollte, daß er Harras zum Yard gefolgt ist, nehme ich ihn eigenhändig auseinander, das versichere ich Ihnen. Lady Smith: Sie haben doch nicht den geringsten Beweis in der Hand, Inspektor, Sie tappen im Dunkeln und wollen mich belasten, weil das für Sie der einfachste Weg ist. Higgins: Milady, wir haben eine ganze Reihe ungelöster Todesfälle, und wenn ich auf der Stelle trete, so verdirbt mir das die Laune. Sir John: Higgins. Higgins: Ich versichere Ihnen eines: Sollte ich nur ein einziges Indiz finden, das Sie und Ihr Sanatorium in Zusammenhang mit dieser Mordserie bringt, dann gnade Ihnen Gott. Lady Smith: Ich sehe schon, ich werde das Gespräch über meinen Anwalt fortsetzen. Kann ich jetzt gehen? Higgins: Sie können gehen, Lady Smith. Ich frage mich nur, ob der Joker auch so großzügig ist. Lady Smith: Sir John, auf Ihren Inspektor, diesen Proleten, dürfen Sie sich wirklich etwas einbilden. Lane: Eine temperamentvolle Lady. Higgins: Blöde Kuh. Sir John: Higgins, Sie sind wohl nicht ganz bei Trost, hier so eine Show abzuziehen. Auf die Interventionen von oben kann ich mich jetzt schon freuen. Higgins: Ach, darauf kann ich keine Rücksicht nehmen. Überlegen Sie doch, Sir John, wir tappen im Dunkeln wegen dieser Mordserie, und da kommt dieser Portier daher, und identifiziert zwei der Opfer einwandfrei, und neun Stunden später ist er tot. Wollen Sie mir vielleicht weis machen, das sei Zufall? Sir John: Nein, aber... Ja, Hallo? Ja, für Sie, Higgins. Higgins: Danke. Ja. Ja, Higgins? Stimme: Sie sind gestern noch einmal davongekommen, Chiefinspektor, das sollte Ihnen eine Warnung sein, ich gebe Ihnen einen guten Rat, lassen Sie mich in Ruhe arbeiten, sonst könnte es sein, daß Sie Ihre hübsche Freundin eines Tages nur noch anhand ihrer Ausweispapiere identifizieren können. Higgins: Hallo? Hallo? Verdammt. Mist, verdammter. Sir John: Wer war das? Higgins: Na dreimal dürfen Sie raten. Sir John: Bin ich allwissend? Higgins: Unser Freund. Sir John: Doch nicht etwa der Joker? Higgins: Doch. Sir John: Und was wollte er? Higgins: Mir sicherlich kein langes Leben wünschen. Superintendant Lane hat er auch bedroht. Sir John: Da haben Sies. Und Sie nehmen hier Lady Smith auseinander. Higgins: Ja finden Sie das nicht merkwürdig? Sir John: Was soll ich merkwürdig finden? Higgins: Wir laden Lady Smith vor, und fast zur selben Zeit meldet sich der Joker telefonisch. Lane: Du meinst, es war vielleicht nur ein Strohmann? Higgins: Sicherlich natürlich, um uns zu verwirren. Sir John: Sie duzen sich bereits. Das ist ja alles sehr hilfreich. Hören Sie zu, Higgins, hören Sie ein einziges Mal auf mich. Higgins: Ich höre doch. Sir John: Sie halten doch nicht etwa Lady Smith für den Joker? Das können Sie mir doch nicht antun, ein Jahr vor meiner Pensionierung. Higgins: Sir John, ich versichere Ihnen, Ihre Pension ist in keinster Weise gefährdet. Ann Pattison: Sir John, es ist Zeit für Ihre Tabletten. Sir John: Aber jetzt nicht. Ann Pattison: Sir John. Higgins: Hören Sie, ich muß mir Klarheit verschaffen über die Vorgänge im Sanatorium, und das wäre ein Job für dich, Barbara, aber keineswegs ungefährlich. Lane: Hm, könntest du dich etwas klarer ausdrücken? Higgins: Hör zu, Lady Smith hat dich noch nicht von Angesicht zu Angesicht gesehen, das war auch der Grund, warum du nebenan warten solltest, nehmen wir jetzt einmal an, du bist Journalistin und schreibst einen Report über die Lebensverhältnisse unserer älteren Mitbürger, damit hättest du einen plausiblen Grund, ausführlich mit den Leuten im Home of Peace zu reden. Lane: Und an welche Zeitung hast du gedacht? Higgins: Ja nu mein Gott, den Daily Telegraf, ich kenne den Chefredakteur, der soll da selbst anrufen und deinen Besuch ankündigen, so halten wir das Risiko gering, sollte Lady Smith auf die Idee kommen, zurückzurufen. Wären Sie damit einverstanden, Sir John? Sir John: Naja, wenn sich Miss Lane dazu bereiterklärt. Higgins: Barbara. Sir John: Ich werde dich nicht enttäuschen. Higgins: Danke, Profi. Higgins: Häh, 5 Uhr, wer zum Teufel, wem fällt... ja hier Higgins, was gibts? Hooper: Mr. Higgins, hier Seargent Hooper. Higgins: Ja? Hooper: Tut mir leid, Sie so früh wecken zu müssen, aber Carpenter verläßt soeben seine Wohnung, und das ist reichlich ungewöhnlich, er nimmt den Range Rover. Higgins: Was, so früh? Also gut, Hooper, hängen Sie sich dran, und melden Sie sich wieder, Ende. Higgins: Ja, Higgins hier. Hooper: Hier Seargent Hooper. Higgins: Was gibts neues? Hooper: Carpenter hat auf offener Landstraße gehalten und steht schon ne halbe Stunde da. Higgins: Merkwürdig. Entweder wartet er auf jemand, oder er hat Sie entdeckt und will Sie nur in die Irre führen. Hooper: Warten Sie, Inspektor, jetzt nähert sich dem Rover ein Wagen, ich glaube, ja, er verlangsamt sein Tempo. Tatsächlich, er bleibt neben dem Rover stehen. Higgins: Können Sie die Marke erkennen? Hooper: Das ist ne schwarze Limousine, ein Jaguar. Carpenter reicht ihm etwas durchs Fenster. Higgins: Hören Sie zu Hooper, das ist unser Mann, vergessen Sie Carpenter und folgen Sie dem Jaguar. Verlieren Sie ihn nicht aus den Augen, ich komme sofort. Ende. Hooper: Er war plötzlich wie von Erdboden verschluckt, ich hab so was noch nie erlebt, Chiefinspektor. Higgins: Hier in diesem Planquadrat haben Sie ihn verloren. Hooper: Ja, ich hatte noch die Kollegen verständigt, ein paar Augenblicke später hätten wir ihn einkreisen können, aber der fuhr plötzlich in eine Hauseinfahrt und auf der Hinterseite wieder raus, es war mir völlig unmöglich, ihm so rasch zu folgen. Higgins: Hooper, nun beruhigen Sie sich doch, ich mache Ihnen ja keinen Vorwurf. Nur wäre es zu schön gewesen. Passen Sie auf, Sie legen sich aufs Ohr, Sie haben die letzten 48 Stunden nicht viel geschlafen. Hooper: Vielen Dank, Chiefinspektor. Higgins: Schon gut, ich werde mir diese Gegend mal ein wenig genauer ansehen. Tankwirtin: Guten Morgen Sir. Higgins: Guten Morgen. Tankwirtin: Was soll’s sein? Higgins: Sind Sie so nett und tanken Sie voll. Tankwirtin: Ja. Higgins: Nicht viel Betrieb hier heute, nicht. Tankwirtin: Nein, ein Wunder, daß in dieser gottverlassenen Gegend überhaupt mal jemand stehen bleibt. Higgins: In der alten Hochgarage dahinten, sind da noch viele Wagen abgestellt? Tankwirtin: In dem alten Ding? Ja, zwei Dutzend vielleicht. Das ganze Gebäude sollte schon vor Jahren abgerissen werden. Ja, ich geh ja sowieso bald in Rente, dann sollen die doch sehen, wie sie zurechtkommen. Warum fragen Sie eigentlich. Higgins: Ach ja, nur so. Wem gehört die Garage überhaupt? Tankwirtin: Wem sie gehört, weiß ich gar nicht. Mr. Tanner macht hier das Geschäftliche. Den können Sie fragen. Higgins: Mr. Tanner? Wissen Sie, ob er jetzt da ist? Tankwirtin: Ja, er kommt meistens schon vor 7, bleibt bis in die Nacht. Auch so ein alter Spinner. Sein Büro ist in der 4. Etage. Higgins: Hm, ich sag ihm mal guten Tag. Ach, kontrollieren Sie inzwischen bitte das Öl und die Reifen. Tankwirtin: Ja, ja, Sie können den Aufzug hinten links benutzen, wenns das alte Ding überhaupt noch tut. Higgins: Hoffen wirs. Tanner: Ja. Higgins: Mr. Tanner? Tanner: Sie wünschen? Higgins: Ich bin Inspektor Higgins von Scotland Yard. Tanner: Was wollen Sie? Higgins: Ich hätte gerne einige Auskünfte. Tanner: Worüber? Higgins: Ich suche ein Auto. Tanner: Soso. Higgins: Ja, eine Limousine Marke Jaguar, schwarz lackiert. Tanner: Ja und warum kommen Sie da zu mir? Ich bin kein Gebrauchtwagenhändler. Higgins: Mr. Tanner, ich wäre Ihnen wirklich sehr dankbar, wenn Sie sich ein paar Minuten von Ihrer Arbeit trennen und mir zuhören würden. Eine Frage, Mr. Tanner, lesen Sie Zeitung? Tanner: Eigentlich nicht, viel Arbeit hier. Higgins: Ja, dann haben Sie auch noch nie etwas vom Joker gehört. Tanner: Nein, wer soll das sein? Higgins: Mr. Tanner, um es kurz zu machen, Scotland Yard, und das bin in diesem Falle ich, wir versuchen einem der gefährlichsten Verbrecher auf die Spur zu kommen, aber wir haben nicht den geringsten Hinweis auf seine Identität. Wir wissen nur eines: Er fährt einen dunklen Jaguar aus der XJ 6er oder 12er Serie, deshalb meine Frage: Ist ein Fahrzeug dieses Typs in Ihrer Garage untergestellt? Tanner: Jaguar? Warten Sie, natürlich, drei sogar, ein alter Sportwagen der Type E, ein weißer Vierzylinder, und dann natürlich Mr. Goldmanns Privatwagen. Higgins: Privatwagen. Und wer bitte ist Mr. Goldmann? Tanner: Ja der Eigentümer dieser Garage. Higgins: Ich dachte, die Garage gehört Ihnen. Tanner: Mir? Ich bin ein alter Mann, Inspektor, ich verdien mir hier ein paar Kröten zu meiner miesen Rente. Higgins: Und Sie sagen, Mr. Goldmanns Wagen ist ein Jaguar. Tanner: Ja, er wurde aber seit mehr als 2 Jahren nicht mehr gefahren. Seit Mr. Goldmann eben das letzte Mal in London war. Higgins: Er lebt im Ausland? Tanner: Ja, die Goldmann Industries haben ihren Sitz in Hongkong, und Mr. Goldmann... Higgins: Wie heißt er mit Vornamen? Tanner: Soviel ich weiß, Anton, also Mr. Goldmann kümmert sich wohl um alles, außer um diese alte Hochgarage und die Tankstelle. Hier bin ich Mädchen für alles. Higgins: Ja, ja, ich verstehe. Auf diesem Bild hier, ist das Mr. Goldmann, Mr. Anton Goldmann? Tanner: Ja, das ist Mr. Anton Goldmann. Higgins: Mr. Tanner, ich danke Ihnen fürs erste und ich habe auch im Moment keine Fragen mehr. Aber ich würde mir gerne einmal diesen Jaguar von Mr. Goldmann ansehen. Tanner: Tun Sie, was Sie nicht lassen können, er steht in der 3. Etage, ich nehme an, Sie finden den Weg alleine. Higgins: Durchaus. Haben Sie nochmals vielen Dank, Mr. Tanner. – Verdammt. Tanner: Was machen Sie da? Das ist eine Alarmanlage gegen Diebe. Darf ich wissen, was Sie da gemacht haben? Ich sagte, Sie können sich den Wagen einmal ansehen, von einer Spazierfahrt war nicht die Rede... Higgins: Ich...Mister... Tanner: Oder haben Sie einen Durchsuchungsbefehl? Higgins: Noch nicht. Tanner: Darf ich wissen, wer Ihr Vorgesetzter ist, Chiefinspektor? Higgins: Wenn Sie Beschwerden haben, Mr. Tanner, und die haben Sie ja wohl, wenden Sie sich an Sir John. Sir John: Und Sie halten diese Garage wirklich für einen Schlupfwinkel des Jokers? Higgins: Hm, es sieht fast so aus. Überlegen Sie einmal, Sir John, Hooper hat den Wagen in der Nähe der Demmem-Road aus den Augen verloren. Weit und breit gibt es nichts als Abbruchhäuser, desolate Gebäude und geschlossene Geschäfte. Sir John: Trotzdem. Trotzdem. Es ist ebenso gut denkbar, daß der Joker unseren guten Hooper genarrt hat und in eine völlig andere Richtung weitergefahren ist. Higgins: Auf jeden Fall laß ich diese Hochgarage Tag und Nacht beobachten. Unsere Leute sollen vor allem darauf achten, ob ein schwarzer Jaguar die Garage verläßt. Sir John: Ja was wollen Sie denn mit den beiden alten Herrschaften in der Garage anfangen, glauben Sie etwa, daß einer von den beiden der Joker ist? Higgins: Nein, das nicht gerade, aber sie könnten mit ihm unter einer Decke stecken. Tanner war nicht gerade begeistert, als ich den Jaguar untersuchte. Sir John: Wozu Sie im übrigen auch kein Recht hatten. Also ich finde, Sie sind im Moment nicht gerade sehr erfolgreich, Higgins. Higgins: Danke, Sir. Sir John: Ich habe mir zudem einige Zahlen geben lassen, die Sie nicht gerade begeistern werden. Da, in London sind derzeit rund 19.000 Leiland-Fahrzeuge der Marke Jaguar gemeldet, davon fast 6000 aus der XJ-Serie. Eine fast hoffnungslose Aufgabe, aufgrund des Fahrzeugtyps den Joker ausfindig zu machen. Higgins: Eben, und deshalb meine ich, wir sollten uns lieber an die Fakten halten. Rekapitulieren wir einmal. Sir John: Aber Higgings, wenn Sie mich fragen, Sie haben überhaupt nichts konkretes in der Hand. Higgins: Sir John, bitte, jetzt hören Sie mir einmal zu. Wir haben zunächst einmal Lady Smith, von der erwiesen ist, daß sie von zwei späteren Opfern des Jokers besucht wurde, das ist immerhin ein Anhaltspunkt. Ich hoffe, daß uns Miss Lane weiterbringt. Und dann haben wir seit heute diesen merkwürdigen Tanner. Ich möchte nicht ausschließen, daß in seiner Garage der Wagen des Jokers steht. Sir John: Naja. Wie alt, sagten Sie, ist Tanner? Higgins: Einiges über 70, Sir. Sir John: Naja, das spricht ja wohl für sich. Ann Pattison: Sir John, es ist Zeit für Ihre Tabletten. Sir John: Ja, aber nicht jetzt. Ann Pattison: Sir John, bitte. Higgins: Der nächste ist Carpenter. Ich bin überzeugt, daß er sich heute in den frühen Morgenstunden mit dem Joker getroffen hat. Ich habe schon einmal betont, daß ich Carpenter unter keinen Umständen zu früh festnehmen will, je weniger er sich beobachtet fühlt, um so besser für uns. Sir John: Ja und dann wäre da noch der Amerikaner, dieser... Higgins: Silkwood. Sir John: Ja. Higgins: Er scheint wie vom Erdboden verschluckt zu sein. Und jetzt frage ich mich, was hat er vor. Ich glaube, wir können davon ausgehen, daß Silkwood und der Joker nicht identisch sind. Sir John: Bleibt auch noch die Frage, warum Harras ermordet wurde. Higgins: Richtig, Sir. Darf ich mir einen Whisky nehmen? Sir John: Ja, ich bitte darum. Higgins: Sie auch? Sir John: Ja, aber ohne Eis. Higgins: Seit heute Vormittag hat sich noch ein völlig neuer Aspekt ergeben, dem wir nachgehen sollten. Wissen Sie, wer der Eigentümer der Garage ist? Sir John: Nein. Higgins: Ein gewisser Anton Goldmann. Sir John: Ja und? Was ist daran so ungewöhnlich? Higgins: Goldmann hieß auch der alte Mann im Rollstuhl in Lady Smith Sanatorium, Theodor Goldmann. Sir John: A Goldmann, an dem Namen ist doch nichts ungewöhnliches. Ich kenne viele mit dem Namen Goldmann. Higgins: Ja, aber die beiden haben deutsche Vornamen Sir, Anton und Theodor. Sir John: Danke. Haben Sie mit diesem Anton Goldmann gesprochen? Higgins: Nein, der sitzt angeblich in Hongkong, ist Inhaber der Goldmann Industries, offenbar ein größerer Konzern, in Tanners Büro hängt ein Bild von ihm. Sir John: Ja und? Irgendwelche Ähnlichkeiten mit dem Mann im Sanatorium? Higgins: Nein, leider nicht, nicht die geringste. Sir John: Na sehen Sie, an Ihrer Stelle würde ich zusehen, den Amerikaner wiederzufinden, anstatt in dieser Garage irgendwelchen Hirngespinsten nachzulaufen. Higgins: Cheers. Sir John: Ja, zum Wohl. Higgins: Aber irgend etwas macht mich stutzig. Ich stellte mich Tanner als Inspektor Higgins vor, irgendwann während des Gesprächs sagte Tanner Chiefinspektor zu mir, finden Sie das nicht etwas seltsam, Sir John? Sir John: Kann doch Zufall sein. Higgins: Aber trotzdem, der Sache mit den Goldmanns werd ich auf den Grund gehen, Miss Lane muß mir hier helfen, sie soll den Theodor Goldmann, den Mann im Rollstuhl, etwas genauer unter die Lupe nehmen. Lane: Hallo Darling. Higgins: Hallo. Na, wie wars, hast du was rausgekriegt in deinem Home of Peace? Lane: Hm, du hattest recht mit deiner Vermutung, Goldmann hatte einen Bruder, er hatte. Maximilian starb vor Jahren an Krebs. Higgins: Schon wieder so ein deutscher Name. Lane: Ich habe mir hier ein Foto ausgeborgt, du, sieh dir das mal an, die beiden sind sich wie aus dem Gesicht geschnitten, findest du nicht? Higgins: Die Ähnlichkeit ist wirklich verblüffend. Die beiden müssen Zwillingsbrüder gewesen sein. Eine Gewißheit haben wir jetzt, Goldmanns Bruder ist nicht der Mann in Tanners Büro. Ich fürchte, ich habe mich diesmal geirrt. Lane: Mr. Goldmann ist viel in der Welt herumgekommen und will bei Lady Smith seinen Lebensabend verbringen, manchmal wirkt er ruhig und gemütlich, dann wieder höchst wachsam und mißtrauisch, schwer zu durchschauen. Ich habe mit ihm eine Partie Schach gespielt. Higgins: A ja, wer hat gewonnen? Lane: Remi. Higgins: Aha. Hat Lady Smith Verdacht geschöpft? Lane: Bestimmt nicht, sie war sehr zuvorkommend, ich habe mit nahezu allen Einsassen sprechen können, man hat den Eindruck, sie fühlen sich alle recht wohl dort. Higgins: Hast du noch etwas über Pelford und Fletcher herausbekommen? Lane: Nein, leider nein. Über interne Vorgänge im Sanatorium sind die Leute offenbar völlig ahnungslos, und an Lady Smiths Privatunterlagen, da kam ich noch nicht ran, sie bewahrt alles in einem Safe auf. Higgins: Hm, ich geb was drum, wenn ich da mal reinkucken könnte. Lane: Hm, ich werds für dich versuchen. Higgins: Aber Darling, ich bitte dich. Lane: Ich weiß, ich weiß, ich bin vorsichtig. Higgins: Ein Durchsuchungsbefehl ist bei Lady Smith nicht drin, da spielt Sir John nicht mit, ich selbst muß mich noch um Tanner kümmern. Lane: Tu das, Higgi. Higgins: Der Mann geht mir einfach nicht aus dem Kopf. Lane: Also, ich muß zurück in mein Altersheim. Machs gut. Higgins: Sei vorsichtig, Profi. Lane: Du auch, Profi. Stimme: Achtung, Achtung, bewaffneter Überfall auf Juweliergeschäft am Eaton-Square, es gab ein Todesopfer, alle verfügbaren Einsatzkräfte bitte sofort an den Tatort. Higgins: Das darf doch nicht wahr sein. Sir John: Ah, Tag Higgins. Higgins: Sir John. Sir John: Nun sehen Sie sich das einmal an, das ist übrigens Mr. Short, der Besitzer. Short: Guten Tag. Higgins: Mr. Short, dann erzählen Sie mal. Short: Ja, es ging alles furchtbar schnell, mein Angestellter und ich waren gerade hier im Laden, und berieten einige Kunden, als an der Hintertür eine Explosion erfolgte. Ich sah noch, wie der Wächter niedergeschlagen wurde, und dann stürmten sie auch schon herein, schwer bewaffnet, wir mußten alle die Hände in die Höhe nehmen. Higgins: Wie sahen die Kerle aus? Short: Ja, sie hatten dunkle Mäntel an und so weiße Gesichtsmasken aufgesetzt, als ich den Safe nicht sofort öffnen wollte, haben sie meinen Angestellten einfach über den Haufen geschossen. Sir John: Ja hätte sich das nicht vermeiden lassen, Mr. Short, Sie sind doch versichert. Short: Ich war im ersten Moment so überrascht, und ich wußte auch nicht, ob sie wirklich schießen würden, im Safe waren immerhin Rohdiamanten im Wert von einer halben Million Pfund. Higgins: Konnten Sie erkennen, mit welchem Auto sie geflüchtet sind? Short: Ja, den Fluchtwagen konnte ich sehr genau erkennen, es war ein brauner Chevrolet Kombi, Baujahr so 77/78, er fuhr vielleicht 2 Minuten, nachdem die Kerle das Lokal gestürmt hatten, vor. Sir John: Die Fahndung ist bereits draußen. Higgins: Gut. Sir John, ich muß Sie unter 4 Augen sprechen. Entschuldigen Sie uns, Mr. Short. Short: Aber bitte schön. Sir John: Nun? Higgins: Ich gehe jede Wette ein, daß der Amerikaner hinter dem Überfall steckt. Das ist haargenau seine Arbeitsweise. Sir John: Und was wollen Sie unternehmen? Higgins: Der Amerikaner hat eine Beute von 500.000 Pfund gemacht, ab dieser Stunde, da gehe ich jede Wette ein, befindet er sich im Fadenkreuz des Jokers. Sir John: Sie meinen, es kommt zur großen Konfrontation. Higgins: Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder der Joker erledigt Silkwood und seine Leute, dann haben wir ein Problem weniger, oder der Amerikaner ist schlauer und trickst den Joker aus, dann hätte er geschafft, was uns bisher nicht gelungen ist. Ich glaube aber eher, daß Tom Silkwood und seine Leute noch ihr blaues Wunder erleben werden. Sir John: Nun malen Sie mal nicht den Teufel an die Wand, Higgins. Ann Pattison: Sie sollten sich nicht so viele Sorgen machen, Sir John. Sir John: Sie haben leicht reden, Kindchen. Die Morde des Jokers, der Überfall auf Shorts Juweliergeschäft, und nicht zu vergessen der Anschlag auf Higgins, wissen Sie, Higgins hat bisher noch jeden seiner Fälle gelöst, und Miss Lane ist eine sehr tüchtige Mitarbeiterin. Ann Pattison: Ja, sehr tüchtig. Sir John: Aber ich fürchte, daß Higgins im Joker seinen Meister gefunden hat. Und wissen Sie, Ann, ein Gedanke beunruhigt mich zu tief. Ann Pattison: Welcher, Sir John? Sir John: Daß er sich diesmal irrt, daß keine der Personen, die er verdächtigt, der Joker ist, daß es jemand völlig unbekanntes ist, oder, was noch schlimmer wäre, daß es jemand ist, der unter uns weilt, jemand, den wir alle kennen. Higgins: Guten Abend, Sir John. Sir John: Ah, guten Abend, Higgins, daß Sie sich auch mal wieder blicken lassen, ja, gibts was Neues? Higgins: Ja, das Telex aus Hongkong. Sir John: Telex? Hongkong? Higgins: Ich hatte in Hongkong Auskünfte über Goldmann eingeholt, hier ist die Antwort und ein Bild von ihm. Sir John: Na, Ann, dann machen Sie uns bitte mal zwei Whisky, oder sagen wir besser drei, ich spendiere ihnen auch einen. Ann Pattison: Vielen Dank, Sir John. Sir John: Na, nun zeigen Sie schon her, Higgins, machen Sie es doch nicht immer so spannend. Anton Goldmann, geb. am 4. März 1921 in London, Goldmann liquidierte Industries Hongkong im Januar 1982, Verkaufserlös wahrscheinlich nach Europa transferiert, genauer Aufenthaltsort von Anton Goldmann unbekannt, vermutlich noch Hongkong. Weitere Daten nicht verfügbar. Higgins: Ja, und das ist sein Foto. Sir John: Ja und? Ist das identisch mit dem in Tanners Büro? Higgins: Zweifellos, das ist er. Sir John: Na sehen Sie. Ann Pattison: Ihr Whisky, Sir. Sir John: Danke. Ann Pattison: Ohne Eis. Bitte Higgins. Higgins: Danke. Sir John: Ich habe Ihnen doch gleich gesagt, daß das nichts bringt, Ihre Wahnideen mit dem alten Tanner können Sie ein für alle mal begraben. Higgins: Trotzdem hatte ich das Gefühl, daß an der Sache etwas faul ist, die Informationen aus Hongkong waren nicht gerade sehr ergiebig, und deshalb habe ich das Foto vorhin durch unseren Computer laufen lassen, zur Identifikation. Sir John: Ja und? Higgins: Das Foto zeigt nicht Anton Goldmann, sondern Guliano Montaldo. Sir John: Guliano Montaldo? Higgins: Geboren 1931 in Neapel. Sir John: Ja was soll das heißen, Higgins? Higgins: Das heißt, daß der Mann, dessen Bild in Tanners Büro hängt, nicht Anton Goldmann ist, und das heißt weiter, der Mann im Rollstuhl ist möglicherweise doch der Bruder des Eigentümers der Garage. Cheers. Rogers: Sir John, Inspektor, würden Sie bitte mit mir kommen. Higgins: Schießen Sie los, Rogers. Rogers: Wir haben insgesamt 5 Tote. Einer von ihnen ist zweifelsfrei Tom Silkwood, den hats hier vorne erwischt. Sir John: Ist ja grauenhaft. Rogers: Die anderen vier dahinten, das waren höchstwahrscheinlich seine Komplizen. Wir konnten Sie aber noch nicht identifizieren, zwei von ihnen sind bis zur Unkenntlichkeit verkohlt. Higgins: Sagen Sie, Rogers, weiß man schon, welche Waffe verwendet wurde? Rogers: Alles deutet auf ein Maschinengewehr der Marke Remington hin, ein älteres Modell, wie es auch von den Amerikanern im Vietnam verwendet wurde, Kaliber 7,9 mm, Reichweite 4000 Meter bei 1000 Schuß pro Minute. Und so was eingesetzt aus einer Entfernung von nicht einmal 150 Metern. Die Leute wurden regelrecht abgeschlachtet. Der Wagen ist auch dementsprechend zugerichtet. Higgins: Ich war Tom Silkwood zwar auf den Fersen, aber ein so grauenvolles Ende hätte ich ihm trotz allem lieber erspart. Rogers: Ganz recht, Inspektor. Ich kann mich nicht erinnern, daß in England eine Waffe dieser Größenordnung bei einer Gangsterfehde je zum Einsatz kam. Higgins: Wie hat dich das ganze Ihrer Meinung nach abgespielt im Detail? Rogers: Also, Silkwood und seine Leute hatten hier, auf dieser Waldlichtung offenbar mit einer uns unbekannten Person ein Treffen vereinbart, eine Geldübergabe oder etwas ähnliches, wir haben neben Silkwoods Leiche einen leeren Koffer gefunden. Sie gerieten dann alle in den Kugelhagel einer Person, die mit einem Wagen, offenbar schon früher, da vorn hinter dem Gebüsch postiert war, in diesem Wagen muß sich auch das MG befunden haben. Ein weiterer Wagen muß aber vorne am Waldweg gestanden haben, sonst wäre nicht erklärbar, wieso Silkwood ausgerechnet an dieser Stelle erschossen wurde. Higgins: Sonst irgendwelche Anhaltspunkte? Rogers: Ja, also zunächst etwas sehr merkwürdiges. Bei dem Koffer neben Silkwood fanden wir diese Spielkarte. Sir John: Aha, ein Jolly Joker, also doch, hätte mich ja gewundert, und sonst noch was? Rogers: Ja, die Reifenspuren natürlich. Higgins: Gibt es schon Hinweise auf die Fahrzeugtypen? Rogers: Der hinterm Gebüsch war wahrscheinlich ein Jeep. Higgins: Vielleicht ein Range Rover? Rogers: Durchaus möglich. Higgins: Und der andere? Rogers: Ist im Moment schwer zu sagen. Higgins: Könnte es ein Jaguar gewesen sein? Rogers: Ich möchte es nicht ausschließen. Genaueres werden wir aber erst später wissen. Higgins: Gut, Rogers, vielen Dank fürs erste, machen Sie hier weiter mit der Spurensicherung, und wenns die ganze Nacht dauert, informieren Sie mich umgehend, wenn Sie etwas neues haben. Rogers: OK, Sir. Sir John: Na, Higgins, was halten Sie davon? Higgins: Meine These hat sich offenbar bestätigt. Es ist so gut wie sicher, daß Silkwood und seine Leute sich hier mit dem Joker ein Feuergefecht geliefert haben. Sir John: Das ist ja unglaublich. Higgins: Meine Geduld ist am Ende. Ich möchte noch heute Nacht das Montmartre hochgehen lassen. Die lange Leine hat nichts gebracht. Sir John: Wie meinen Sie das? Higgins: Der Wagen, von dem aus geschossen wurde, war möglicherweise ein Range Rover, und da ist die Verbindung zu Carpenter nicht mehr weit. Sir John: Carpenter wird doch überwacht. Higgins: Ja, wie er das gemacht hat, da bin ich im Moment auch überfragt, jedenfalls müssen wir ihn unschädlich machen, bevor noch mehr passiert. Sir John: Ja jetzt, vor diesem Schlamassel wir hier haben, werden Sie plötzlich aktiv, etwas spät, finden Sie nicht, Higgins? Higgins: Sir John, wenn Sie es für angebracht halten, können Sie ja einen anderen Chiefinspektor mit dem Fall betreuen. Sir John: Das könnte Ihnen so passen. Ich sage Ihnen eines: Sie machen mir diesen verdammten Joker unschädlich, und zwar bald, sonst ist es mit meiner Gemütlichkeit aus. Rogers: Inspektor Higgins. Higgins: Rogers? Rogers: Ich hab da einen Funkspruch von Superintendant Lane. Higgins: Danke, geben Sie her. Hallo? Barbara? Lane: Higi? Ich hatte bisher keine Möglichkeit, dich zu erreichen, ich kann auch nicht lange sprechen, Tom Silkwood war gestern Nacht hier im Sanatorium, das Home of Peace ist offenbar eine Anlaufstelle für irgendwelche ganz dunklen Geschäfte, außerdem wurden Patienten mit Barbituraten betäubt, irgend etwas ist da im Gange, hör zu, ich werde jetzt... Higgins: Hallo? Barbara? Barbara? Sir John, wir müssen sofort ins Sanatorium, Barbara Lane hat Schwierigkeiten, Leutnant Rogers. Rogers: Ja, Sir? Higgins: Sie nehmen sich drei Mann und kommen mit. Beeilung. Sir John: Ah, das ist aber auch stockdunkel hier. Higgins: Leise. Sir John: Man sieht die Hand vor Augen nicht. Higgins: Sir John. Lady Smith: Na los. Higgins: Barbara? Lady Smith: Sagen Sie Ihren Beamten, sie sollen die Waffen fallen lassen, sonst hat Miss Lane ein Loch in ihrem hübschen Köpfchen. Das gilt auch für Sie, Inspektor. Los, weg mit der Waffe. Higgins: Ich warne, wenn Sie ihr auch nur ein Haar krümmen. Lady Smith: Gehen Sie fünf Schritte zurück, Inspektor. – Miller, bringen Sie die Koffer zum Auto. Miller: Is gut. Higgins: Sie wollen verreisen, Lady Smith, was werden Ihre Schützlinge dazu sagen? Lady Smith: Aber machen Sie sich doch um meine Schützlinge keine Sorgen, Inspektor. Higgins: Sie haben nicht die geringste Chance, zu entkommen, Lady Smith. Oder sollte ich besser sagen: Joker? Lady Smith: Sie halten mich für den Joker? Wie Sie sehen, fahre ich einen Rolls Royce und keinen Jaguar. Ihr Idioten, ich hatte die größte Hehlerorganisation Londons aufgebaut, ohne daß Scotland Yard auch nur den Schimmer einer Ahnung hatte, erst der Joker begann mich systematisch in meinen Geschäften zu behindern, er hat mir diesen Harras auf den Hals gehetzt, aber er hat dafür Gebühren bezahlt. Higgins: Daß Harras auf Ihr Konto geht, war mir von Anfang an klar, von einem anderen aber glaube ich Ihnen kein Wort. Lady Smith: Das ist ohne jeden Belang, was Sie glauben oder nicht, Inspektor, und Sie erfahren das alles auch nur, weil Sie mit diesem Wissen nichts mehr anfangen können. Der Joker verdankt mir einige der lukrativsten Geschäfte... Ah! Lane: Mein Gott, Lady Smith! Sir John: Wer hat denn da geschossen? Rogers: Der Schuß kam da hinten vom Waldweg aus dem Auto. Higgins: Rogers, kommen Sie zurück, den Wagen erreichen Sie nicht mehr. Rogers: Wie gehts jetzt weiter? Sir John: Sie und Miss Lane bleiben hier. Geben Sie mir das Funkgerät. Achtung, an Spezialeinheit 5, Razzia im Klub Montmartre. Nick: Polizei. Polizei. Higgins: Behalten Sie ruhig Ihre Plätze, Herrschaften, es handelt sich lediglich um eine kleine Razzia. Sie brauchen mich gar nicht so groß ansehen, Nick, hier der Durchsuchungsbefehl. Wo ist Carpenter? Nick: Ich weiß nicht, Chiefinspektor, er rief mich an, daß ich ihn heute vertreten soll. Higgins: Na schön, dann kommen Sie mit. Das Büro. Nick: Ja und? Higgins: Aufsperren. Nick: Ja bitte sehr. Sir John: Aha, das ist also Carpenters Büro. Suchen Sie hier des Rätsels Lösung, Higgins? Higgins: Richtig, Sir, warten Sies ab. Nick: Mr. Carpenter hält sich selten hier auf, höchstens wenn er mal ungestört telefonieren will. Die Abrechnung macht er meist drüben im Lokal. Higgins: Wußten Sie, daß in den Tischen Mikrophone versteckt sind, die es einem erlauben, die Gespräche der Gäste mitzuhören bzw. aufzunehmen? Nick: Nein, davon hör ich zum ersten Mal. Sir John: Natürlich. Das ist ja unglaublich. Was suchen Sie denn da, Higgins? Higgins: Nur Geduld, Sir, nur Geduld. Dacht ichs mir doch. Sir John: Das ist ja interessant. Higgins: Davon hatten Sie natürlich auch keine Ahnung. Nick: Nein, nein, ich schwöre, Inspektor. Higgins: Hier also ist es. Sir John: Aber das ist ja... Higgins: Sehen Sie, Sir John, wie ich vermutet habe, mit Hilfe dieser Geräte konnte jedes einzelne Gespräch an den Tischen mühelos aufgezeichnet werden, sogar ein eigenes Funkgerät ist dabei, und da der Bildschirm, ich wette, daß der nicht zur Unterhaltung dasteht. Über diesen Bildschirm konnte er in aller Ruhe die Vorgänge im Lokal beobachten. Das hier, Sir John, was zumindest ein Schlupfwinkel des Jokers. War er selbst mal nicht da, hat ihm wohl Carpenter die Bänder überbracht. Sir John: Das ist ja allerhand. Higgins: Carpenter dürfte die rechte Hand des Jokers sein. Allein den Bluff, Silkwood und seine Leute in die Falle zu locken, mußten mindestens zwei Personen inszeniert haben. Sir John: Ja aber wer ist denn nun dieser ominöse Joker wirklich, Higgins, dieser Amerikaner, dieser... Higgins: Silkwood, Sir. Sir John: Ja, Silkwood, der ist tot, Lady Smith ist tot, Harras ist tot, Miller haben wir verhaftet. Hooper: Chiefinspektor? Higgins: Ja, aber war zum Teufel macht ihr denn hier? Hooper: Nachdem Sie uns von der Garage abkommandiert und wir keine weitere Order hatten, erhielten wir die Nachricht, daß Sie hier zu finden seien. Higgins: Ich habe was? Hooper: Wir fanden es ja auch etwas merkwürdig. Sir John: Was ist merkwürdig? Higgins: Das ist doch nicht zu fassen, die beiden wurden mit einem fingierten Funkspruch herbeordert, diesem Trick wird wahrscheinlich auch Hooper auf den Leim gegangen sein. Sir John: Die bringen ja unser gesamtes Observierungssystem durcheinander. Was werden Sie jetzt unternehmen, Higgins? Higgins: Sir John, Sie haben mit Ihrer Aufzählung vorhin demonstriert, daß nicht mehr als zu viele Personen als Täter in Frage kommen. Sir John: Jajaja. Und? Higgins: Ich habe das dumpfe Gefühl, die Stunden des Jokers sind gezählt. Guten Abend, Sir. Sir John: Ja wohin wollen Sie denn jetzt, mitten in der Nacht. Higgins: Einen Ölwechsel machen lassen. Higgins: Guten Abend, Mr. Tanner. Tanner: Sie könnten wenigstens anklopfen, Inspektor. Higgins: Kommen Sie oder gehen Sie, Mr. Tanner? Tanner: Ich wollte gerade weggehen, es ist heute wieder sehr spät geworden. Higgins: Jaja, ich glaube, heute ist es für uns alle sehr spät geworden, Mr. Tanner. Tanner: Können Sie mir verraten, was Sie um diese Zeit überhaupt hier noch wollen? Higgins: Ich bin gekommen, um Ihnen etwas zurückzugeben, das Ihnen gehört, Mr. Tanner. Tanner: Was ist das? Higgins: Ihre Visitenkarte. Eine Jolly-Joker-Karte. Tanner: Was soll das? Higgins: Hm, eigentlich hätte ich es früher wissen müssen. 6000 Wagen der XJ-Serie, die allein in London zugelassen sind, aber nur in einem sitzt der Joker, der seinen Opfern wahrlich keine Rosen ins Grab streut, sondern Jolly-Joker-Karten. Tja, und als Sergeant Hooper ausgerechnet in dieser Gegend den Wagen aus den Augen verlor, war ich schon nahe dran zu glauben, den Täter zu kennen, aber dann, nein, nein, ein alter gebrechlicher Mann, es mußte ein Zufall sein. Tanner: Bald fertig, Inspektor? Higgins: Die Ereignisse, Mr. Tanner, auf die ich im einzelnen noch zu sprechen kommen werde, beginnen sich dann plötzlich zu überstürzen, und die Observierungs-streife, die ich hierher beordert habe, wird mit einem fingierten Funkspruch weggelockt, und dann komme ich hierher, und siehe da, der Jaguar, der angeblich schon seit 2 Jahren nicht mehr benutzt wurde, hat einen warmen Motor, und an den Reifen finde ich Spuren von Erdreich. Ja nun, vielleicht wieder ein Zufall, daß ausgerechnet heute der Joker in der freien Natur seinem blutigen Handwerk nachging. Tanner: Sie meinen, jemand hat den Wagen benutzt? Higgins: Aber Mr. Tanner, lieber Mr. Tanner, das wissen Sie doch? Tanner: Was wollen Sie eigentlich? Higgins: Hören Sie zu, Tanner. Als ich Sie das letzte Mal aufsuchte, sagte ich Ihnen, daß ich einen ganz bestimmten Wagen suche, heute bin ich wieder hier und ich suche nicht mehr den Wagen, sondern nur noch den Fahrer. Sehen Sie, es wäre ja durchaus möglich, daß Sie wie John Carpenter... Tanner: Wer ist das? Higgins: Daß Sie wie John Carpenter den Handlanger für irgend jemand gespielt haben, mittlerweile bin ich aber zu der Erkenntnis gekommen, daß Sie für eine derartige Statistenrolle zu clever sind, Mr. Tanner, ich möchte sogar sagen, zu ambitioniert, und das bedeutet, daß ich am Ende meiner Suche angelangt bin. Tanner: Sie fantasieren. Higgins: Es ging gar nicht primär um Tom Silkwood... Tanner: Kenn ich nicht. Higgins: Den Amerikaner, der sich ein wenig überschätzt hat, auch nicht um Lady Smith, die lange Zeit sehr geschickt aus dem Hintergrund agiert hat, es ging nicht einmal so sehr um das Montmartre, obwohl es doch der Quell Ihres ergaunerten Reichtums ist. Die Lösung des Falles hing mit einem einzigen Namen zusammen: Mr. Goldmann. Tanner: Was hat denn Mr. Goldmann damit zu tun? Higgins: Eigentlich nichts. Jedenfalls nicht der Mann auf dem Foto hier an der Wand. Tanner: Was meinen Sie? Higgins: Ich meine, daß der Mann auf diesem Foto hier an der Wand gar nicht Mr. Goldman ist, der Mann auf diesem Foto heißt Julano Montaldo und stammt aus Neapel. Tanner: Sie sind ja verrückt! Higgins: Nun ja, das werden die Gerichtspsychiater sehr rasch herausgefunden haben, wer von uns beiden verrückt ist. Anton Goldmann verkaufte seine Firma in Hongkong, und dann verliert sich seine Spur, und an seine Stelle trat Guliano Montaldo, und mich würde brennend der Verbleib des echten Anton Goldmann interessieren. Packen Sie aus, Tanner, oder Sie sollen mich kennenlernen. Tanner: Ich habe keine Ahnung, wovon Sie reden. Higgins: Na gut, dann muß ich eben offenbar noch deutlicher werden... – Sie also, Sie sind der Joker... Goldmann: Nein, er. Ohne mich wären Sie jetzt ein toter Mann, Chiefinspektor. Sehen Sie selbst: Er hatte unter dem Schreibtisch eine Pistole bereitliegen. Wird man beim Yard nicht auf so was vorbereitet? Higgins: Ich bin tief in Ihrer Schuld, Mr. Goldmann. Sir John: Na, Higgins? Higgins: Sir? Sir John: Ohne Mr. Goldmanns Hilfe säßen Sie jetzt nicht hier. Goldmann: Es war mir ein ausgesprochenes Vergnügen, Chiefinspektor. Higgins: Vielen Dank, Mr. Goldmann. Bei Ihnen war ich auf dem richtigen Weg, Ihr Bruder hieß Anton und nicht Maximilian, und er ist auch nicht an Krebs gestorben. Goldmann: Ganz recht. Sir John: Ich habe übrigens vor zwei Stunden die Meldung durchbekommen, daß auch Carpenter an einer Straßensperre gefaßt werden konnte. Wir können den Fall also abschließen. Mich würde nur eines interessieren, Mr. Goldmann, wann sind Sie eigentlich Tanner auf die Schliche gekommen? Goldmann: Später, Sir John, beinahe zu spät. Sehen Sie, mein Bruder Anton, wir hatten uns ziemlich aus den Augen verloren, Anton hatte sich entschlossen, seine Firma in Hongkong, die Goldmann Industries aufzulösen und nach London zurückzukehren. Er schrieb mir diesbezüglich Briefe, doch dann riß der Kontakt ab, und obwohl er schon in London gewesen sein mußte, verlor ich seine Spur. Tanner hatte ihn beseitigt oder ihn beseitigen lassen und sich dann das Geld aus dem Verkaufserlös der Firma angeeignet, Hauptakteur bei diesem Coup war wohl dieser Guliano Montaldo, der als Double meines Bruders in Aktion trat. Ich hoffe, Interpol wird das erledigen. Higgins: Das wird sie ganz bestimmt, Mr. Goldmann, nur mit einem komm ich nicht klar, warum und wieso quartierten Sie sich dann bei Lady Smith ein? Goldmann: Ich hatte einen Tip aus der Unterwelt erhalten, und beschloß, mich für einige Zeit für einige Zeit im Home of Peace niederzulassen. Ich konnte natürlich nicht wissen, daß Lady Smith und Tanner Todfeinde waren. Ursprünglich habe ich ja sie für den Joker gehalten. Higgins: Jaja, das war auch der Fehler, der uns unterlaufen ist. Goldmann: Tanner wußte ja nichts von mir, sonst hätte er sicher versucht, auch mich zu beseitigen. Ich wiederum hatte keine Ahnung, daß mein Bruder Anton Eigentümer dieser Garage war, erst Miss Lane machte ganz nebenbei eine Bemerkung über Ihren Verdacht, Chiefinspektor, ich sah mich dann eines Nachts in Tanners Büro um, und als ich die Geschäftspapiere durchgesehen hatte und das Bild an der Wand entdeckte, wußte ich, daß Tanner unser Mann ist. Higgins: Ja, Sir John, wir fanden bei Tanner den Schlüssel zu einem Banksafe, als wir ihn öffneten, glaubten wir vor einem Pharaonengrab zu stehen, der Kerl hatte ein Millionenvermögen angehäuft, vorwiegend in Schmuck. Wie lange seine Aktivitäten zurückreichen, werden wir wahrscheinlich nie genau rekonstruieren können. Sir John: Ja und warum mußte Harras sterben? Higgins: Harras war ein Spitzel des Jokers. Aber wahrscheinlich wußte er selbst nicht um die Identität seines Auftraggebers. Ich könnte mir vorstellen, daß Carpenter ihn angeheuert hat, Tanner wollte Lady Smith wohl auf subtile Weise loswerden, und beauftragte Harras, uns auf ihre Spur zu bringen. Lady Smith, na ja, sie war ja auch mit allen Wassern gewaschen. Sir John: Ja, wie dieser Tanner seine wahre Identität verborgen hielt, das war ja richtig genial. Higgins: Richtig, Sir, und was uns alle täuschte, war sein Alter. Der Joker, ein mehr als 70jähriger Mann. Goldmann: Es waren in der Tat mehrere Personen als mögliche Täter in Betracht zu ziehen. Nur Miss Lane habe ich gleich durchschaut. Sie hat sich so rührend um mich bemüht, wir haben sogar Schach miteinander gespielt, und da wußte ich gleich, das ist ein Heinzelmännchen...pardon...frauchen von Scotland Yard. Sir John: Apropos Miss Lane, ich habe sie nach Harvard geschickt. Higgins: Nach Harvard? Sir John: Ja, ich kenne da eine entzückende Pension. Higgins: Entzückend. Sir John: Ja, ich bat Miss Lane, sich persönlich dort zu erkundigen, ob noch Zimmer frei sind, und wenn ja, gleich welche zu reservieren. Ich denke, Sie haben sich einen Urlaub verdient, Higgins, irgendwelche Einwände? Higgins: Wie? Was? Nein, nein, Sir John. Sir John: Na, dann viel Glück, Higgins. Goldmann: Ja, viel Glück. Sir John: Miss Pattison, meine Tabletten. Ann Pattison: Aber Sir John, jetzt? Chefinspektor Higgins: Horst Frank Superintendant Barbara Lane: Brigitte Frank Sir John (Chef von Scotland Yard): Wolfgang Reinsch Ann Pattison (seine Sekretärin): Angela Stark Billy Reynolds: Frank Scholze Josua Harras: Willi Schneider Sergeant Hooper: Berth Wesselmann Lady Smith: Ingeborg Steiert Theodor Goldmann: Walter Laugwitz Tankwirtin: Helene Elcka Mr. Tanner: Josef Meinertzhagen Mr. Short: Klaus Spürkel Lieutenant Rogers: Gerd Andresen Nick: Andreas Szerda Raymond Chandler: Heißer Wind (BR 1966) Dalmas: Es war ein unerquicklicher Abend, der Wüstenwind fegte durch Los Angeles, einer jener heißen trockenen Santa Anas, die durch die Gebirgspässe der Sierra Nevada herunterstürmen, einem das Haar kräuseln, an den Nerven zerren, und auf der Haut jucken, an Abenden wie diesem artet die friedlichste Bierrunde gern in eine wilde Schlägerei aus, ich saß in der Kneipe im Haus gegenüber, der junge Mann hinter der Theke sah aus, als ob er noch nie in seinem Leben einen Schluck zuviel getrunken habe. Dexter: Ihr Bier bitte. Dalmas: Danke. Dexter: Hoffentlich ist es zu ihrer Zufriedenheit eingeschenkt. Dalmas: Ganz famos sogar, sie haben das Lokal erst vor kurzem eröffnet, nicht wahr. Dexter: Vor knapp zwei Wochen, sie waren doch schon einmal hier, nicht. Dalmas: Ja stimmt. Dexter: Wohnen sie etwa in der Gegend. Dalmas: Gleich gegenüber. Dexter: Im Berglundhaus. Dalmas: Ja, mein Name ist John Dalmas. Dexter: Freut mich, Mr Dalmas, ich heiße Lew Dexter. Dalmas: Freut mich. Dalmas: Außer mir war nur noch ein Gast da, ein Trunkenbold, der mit dem Rücken zur Tür auf einem Barstuhl an der Theke hockte und aus kleinen Gläsern reinen Bourbon trank. Dexter: Kennen sie den. Dalmas: Nein. Dexter: Er sollte nach hause gehen, er trinkt schon seine Ration für die nächste Woche. Dalmas: An einem Abend wie heute, lassen sie ihn doch. Dexter: Es wird ihm aber nicht gut tun. Al Tessilore: Whisky, hey, noch ein Whisky. Dexter: Soll ich. Dalmas: Was gehts mich an, mein Magen ist es nicht. Dalmas: Der junge Mann im weißen Kittel goß ihm einen weiteren Whisky ein, ich vermute, daß er den Whisky hinter der Bar ein bißchen mit Wasser behandelte, denn als er sich aufrichtete, sah er so schuldbewußt aus, als habe er seine Großmutter geschlagen, der Betrunkene merkte es nicht. Dexter: Ich kann Betrunkene nicht ausstehen, wenn sie sich hier bei mir betrinken schon gar nicht. Dalmas: Wissen sie was, schreiben sie das groß und deutlich auf ein Plakat und hängen sie es in ihre Auslage, was glauben sie, wie das ihren Umsatz steigert. Al Tessilore: Wo bleibt denn der Whisky. Dalmas: In diesem Augenblick kam der dritte Gast zur Tür herein, ein großer dunkler Bursche, der aussah, als habe er es ziemlich eilig, er ließ seine leuchtenden dunklen Augen schnell durch das Lokal wandern, sah gehetzt aus und irgendwie gespannt, wahrscheinlich machte auch ihm der heiße Wind zu schaffen, er blickte auf den Rücken des Betrunkenen, sah dann mich an, musterte die Halbnischen auf der anderen Seite des Raumes, die alle leer waren und wandte sich schließlich an den jungen Mann hinter der Theke. Waldo: Hey, haben sie hier eine Dame gesehen. Dexter: Eine Dame. Waldo: Ja, groß, hübsch, braunes Haar, in einer buntbedruckten Bolerojacke über einem Kleid aus blauem Seidenkrepp, sie trug so einen breitrandigen Strohhut mit dunklem Samtband. Dexter: Nein, die Dame war nicht hier. Waldo: Ach, geben sie mir einen Scotch, aber schnell bitte. Dalmas: Der junge Mann gab ihm den Scotch, der Gast bezahlte, stürzte den Whisky auf einen Zug hinunter, und wollte wieder gehen, machte 3 oder 4 Schritte, und erstarrte vor dem Betrunkenen, der Betrunkene grinste, zog von irgendwo her so schnell daß man nur einen Wischer wahrnahm, eine Pistole, und richtete die Waffe auf den großen dunklen, der regungslos dastand, dann den Kopf etwas zurücknahm und wieder verharrte, die Augen weit aufgerissen, es war eine Pistole mit einem großen Visier. Waldo: Ah. Al Tessilore: Machs gut, Waldo, haha, und ihr beiden, haltet gefälligst die Pfoten hoch, bis ich draußen bin, der arme Waldo, ich fürchte er hat sich die Nase blutig geschlagen. Dalmas: Während der Betrunkene seitwärts zur Tür ging, hielt er seine Waffe immerzu auf uns gerichtet, so daß ich nichts unternehmen konnte, auch der junge Mann hinter der Theke bewegte sich nicht, und gab auch nicht den geringsten Laut von sich, erst als die Pendeltür ausgeschwungen hatte, hastete ich hinterher. Dalmas: Verdammt. Dalmas: Zu spät, ich sah nur noch die roten Rücklichter um die nächste Ecke verschwinden, die Nummer des Wagens bekam ich genauso mühelos wie meine erste Million, auf die ich immer noch warte, als ich wieder ins Lokal zurückkam, legte der junge Mann gerade den Telefonhörer auf, ich ging zu Waldo, wie ihn der Killer nannte, und drehte ihn um. Dexter: Vielleicht ist er noch gar nicht tot. Dalmas: Wenn einer mit einer 22er schießt, heißt das, daß er keine Fehler macht, da sehen sie die zwei kleinen Löcher in seiner Jacke genau über dem Herzen. Dexter: Ja ganz deutlich und nur ein paar Tropfen Blut, der Betrunkene verstand sein Handwerk, als Killer mein ich, ah da kommen sie schon. Dalmas: Ich zündete mir eine Zigarette an und beobachtete wie Waldos Gesicht toter und toter wurde, überlegte wer wohl die Frau in der buntbedruckten Bolerojacke sein konnte, warum Waldo den Motor seines Wagens hatte laufen lassen und weshalb er es so eilig gehabt haben mochte, die Mannschaft des Streifenwagens schwitzte, einer von ihnen hatte sich eine Blume hinters Ohr gesteckt und die Mütze etwas schief auf dem Kopf, er fühlte Waldos Puls. Mann: Scheint tot zu sein, man sieht wo er getroffen wurde, saubere Arbeit, und sie beide haben gesehen, wer es war. Dalmas: Ich beschrieb den Vorfall und sagte, daß der Killer mit Waldos Wagen geflohen zu sein schien, einer der Polizisten zog Waldos Brieftasche heraus. Mann: Jede Menge Pinkepinke, aber kein Führerschein, kein Ausweis. Dalmas: Eine Minute später kamen die Männer von der Mordkommission, zwei Inspektoren, der Polizeifotograf, und ein Kriminallaborant, die Inspektoren kannte ich nicht, der eine war ein kleiner lächelnder Mann mit sanften klugen Augen, der anderen dagegen groß, knochig, mit langem harten Kinn, während der kleinere Waldos Taschen leerte, zog mich der zähe harte in eine Nische. ORyan: Ich bin Inspektor ORyan und sie. Dalmas: John Dalmas. ORyan: Mein Kollege dort ist Inspektor Jerry Miller. Dalmas: Hier ist meine Karte. ORyan: Privatdetektiv, soso, einer von den Schleichern sind sie, waren sie denn im Auftrag hier. Dalmas: Mein Auftrag war ein Bier zu trinken, Auftraggeber war ich, ich wohne gleich hier gegenüber im Berglundhaus. ORyan: Ja, schießen sie los, erzählen sie wie das alles passiert ist. Dalmas: Ich erzählte es ihm, nicht öfter als dreimal hintereinander, einmal damit er eine allgemeine Vorstellung von dem Vorfall bekam, zum zweiten mal daß er die Einzelheiten mitbekam und noch ein drittes mal damit er feststellen konnte, ob ich mir nicht widersprach. ORyan: Hm, sieht aus wie ein Racheakt, nicht sehr planmäßig, die Flucht gelang nur durch Zufall, und der Killer arbeitete vor zwei guten Zeugen, wir werden den Burschen in der Kartei haben, Fingerabdrücke hat er ja genug hinterlassen. Dalmas: Feststeht er hatte was mit Waldo, aber er wollte sich nicht heute mit Waldo treffen. ORyan: Waldo ist nur hereingekommen um nach der Puppe zu suchen, mit der er sich verabredet hatte. Dalmas: Die er vorher irgendwo verpaßt haben muß. ORyan: Wahrscheinlich ist sie in ein anderes Lokal gegangen, um auf ihn zu warten, der Killer nahm die Gelegenheit wahr, verpaßte Waldo zwei an die richtige Stelle und türmte, ohne sich wegen ihnen und dem jungen Mann dort Sorgen zu machen. Dalmas: Nur dieser. ORyan: Was. Dalmas: Dieser Waldo wußte genau, wie das Mädchen angezogen war, buntbedruckte Bolerojacke über einem Kleid aus blauem Seidenkrepp. ORyan: Dazu ein breitrandiger Strohhut mit einem dunklen Samtband, muß er also heut schon mit ihr zusammengewesen sein. Dalmas: Nach einer Weile kamen zwei Männer mit einem langen flachen Korb um den Toten abzuholen, dann fuhren wir alle zum Headquarter, auch der junge Barkeeper erwies sich als einwandfrei, man ließ ihn laufen und befahl ihm sein Lokal so lange geschlossen zu halten, bis man sicher war, daß sich keine weiteren Fingerabdrücke fänden, denn mit den bisher festgestellten war nichts anzufangen, sie waren unsauber und verschmiert, auch der Inhalt von Waldos Taschen, die grünen Geldscheine, die paar Schlüssel, die Zigaretten, das Taschentuch hatten keinen Hinweis ergeben, gegen 9 Uhr war ich wieder im Berglundhaus und fuhr mit dem Fahrstuhl in den 4. Stock, als ich die Schiebetür öffnete und heraustrat, stand vor mir eine gutaussehende Frau, die offenbar auf den Fahrstuhl wartete, ihre großen Augen waren blau und ihre Wimpern reichten nicht ganz bis ans Kinn, sie hatte braunes welliges Haar unter einem breitrandigen Hut mit einem dunklem Samtband. Lola: Was glotzen sie mich denn so an. Dalmas: Das ist doch, das ist doch eine Bolerojacke. Lola: Ja doch, erlauben sie, ich habe es eilig. Dalmas: Sie müssen sich noch einen Augenblick gedulden, der Lift ist bereits wieder unten, nur eines möchte ich ihnen noch sagen, bevor wir ihn wieder heraufholen, in der Jacke und mit dem Hut da zeigen sie sich besser nicht auf der Straße. Lola: Was erlauben sie sich. Dalmas: Sie sind in Gefahr, nehmen sie den Hut ab und ziehen sie sofort die Jacke aus. Lola: Ich verstehe sie nicht. Dalmas: Die Polizei ist hinter ihnen her, in diesem Kleid werden sie sofort erkannt, kommen sie mit, ich erkläre ihnen alles. Lola: Wer sind sie überhaupt, ich bin Misses Leroy und wohne in Apartment 31, ich kann ihnen versichern daß. Dalmas: Daß sie auf der falschen Etage sind, das hier ist die vierte, seien sie vernünftig, nehmen sie den Hut ab und ziehen sie die Jacke aus. Lola: Tja und wohin damit. Dalmas: Knüllen sie alles zusammen, kommen sie mit, ich wohne hier vorne im Apartment 42. Lola: Sucht man denn nach mir. Dalmas: Ja, die Polizei wird aber erst morgen früh anfangen hier in dem Block jeden Fetzen umzudrehen, und auch das nur wenn man nicht herausbekommt, wer Waldo ist. Lola: Waldo. Dalmas: Kennen sie etwa Waldo gar nicht. Lola: Nein. Dalmas: Wir kamen zur Tür meines Apartments, ich stieß den Schlüssel ins Schloß, drehte rasch um, drückte die Tür auf und griff nach dem Lichtschalter. Dalmas: Kommen sie bitte, hier ist mein Wohnraum, gehen sie schon rein und machen sie es sich gemütlich, ihre Bolerojacke und den Hut, den leg ich hier in die Gardarobeschublade, bei mir sucht man die Sachen bestimmt nicht, wollen wir etwas trinken. Lola: Ich weiß nicht. Dalmas: Ich ging in die Küche, holte aus dem Kühlschrank einen Rest besonders guten Scotch, und mixte zwei Highballs, als ich mit den Gläsern ins Wohnzimmer kam, traute ich mein Augen nicht, mein hübscher Gast richtete nämlich eine Pistole auf mich, eine kleine automatische Waffe. Lola: Rühren sie sich nicht von der Stelle. Dalmas: Macht der heiße Wind auch sie verrückt, ich bin Privatdetektiv. Lola: Ach. Dalmas: Ich kann es ihnen beweisen, wenn sie mir Gelegenheit dazu geben. Lola: Beweisen sie es. Dalmas: Dazu müßte ich allerdings erst mal die Gläser. Lola: Stellen sie sie da auf den Tisch. Dalmas: Dankeschön, bitte hier meine Karte, aber lassen sie nie wieder niemand so nah an sich herankommen, schon gar nicht wenn sie es ernst meinen, außerdem ihre Pistole ist noch gesichert. Dalmas: Sie schlug die Augen nieder, steckte die Pistole in ihre Handtasche zurück, trank ihr Glas halb aus, setzte es hart auf den Tisch, und prüfte meine Karte. Lola: Wie sieht der Mensch aus, den sie Waldo nannten. Dalmas: Ziemlich groß, ungefähr 180cm schlank, dunkel, hat braune Augen, er trug einen hellblauen Anzug mit einem weißen Tuch in der Brusttasche und er schien es sehr eilig zu haben, sie zu finden. Lola: Ach, das ist also Waldo und was ist nun mit ihm. Dalmas: Etwas sehr merkwürdiges ist mit ihm geschehen, gegenüber im cocktail room da, wo waren sie übrigens den ganzen abend. Lola: Ich, ich saß in meinem Wagen, die meiste Zeit jedenfalls. Dalmas: Wie, und sie haben den Menschenauflauf auf der anderen Straßenseite nicht bemerkt. Lola: Ich nahm an, daß dort irgendwas passiert sein mußte, wahrscheinlich ein Unfall. Dalmas: So kann mans auch nennen und vorher suchte dieser Waldo nach ihnen, im Cocktailroom, sagte uns wie sie aussehen und beschrieb ihre Kleidung. Lola: Wer war denn noch in dem Lokal. Dalmas: Außer mir und dem jungen Mann dem es gehört nur noch ein Betrunkener, und dann kam Waldo herein und fragte nach ihnen, wir sagten ihm, wir hätten sie nicht gesehen, und als er dann wieder gehen wollte, drehte sich der Betrunkene um, nannte ihn Waldo, zog seine Pistole und schoß einfach so, tot. Lola: Hahaha. Dalmas: Was soll das, warum lachen sie. Lola: Mein Mann hat sie engagiert, um mir hinterher zu spionieren, ich hätte mir denken können, daß das ganze nur Theater ist, sie mit ihrem Waldo, nie hätte ich geglaubt, daß Frank so eifersüchtig sein könnte, jedenfalls nicht auf einen, der einmal unser Chauffeur war, auf Stan vielleicht, das wäre zu verstehen, aber auf Josef. Dalmas: Er heißt also Josef. Lola: Ja, Josef, Josef Baker. Dalmas: Und warum wollten sie diesen Josef treffen. Lola: Ich, ich wollte etwas von ihm zurückkaufen, das er mir gestohlen hatte, etwas sehr wertvolles, kostete 2000 Dollar, es war ein Geschenk eines Mannes, den ich einmal liebte, er ist tot, er kam in einem brennenden Flugzeug ums leben, so jetzt können sie zu meinem Mann gehen und es ihm erzählen. Dalmas: Ich denke ja gar nicht daran. Lola: Frank bildet sich ein, ich treffe mich mit Josef, nun das ist richtig, ich wollte es, aber nicht weil ich ein Verhältnis mit ihm habe, ich habe es nicht nötig so weit unter mein Niveau zu gehen wenn ich mich amüsieren will. Dalmas: Wozu haben sie das Apartment im 3. Stock gemietet. Lola: Es, es ist nicht mein Apartment, ich habe sie angelogen, es ist sein Apartment. Dalmas: Josef Bakers. Lola: Ja. Dalmas: Und paßt meine Beschreibung auf diesen Josef. Lola: Ja. Dalmas: Na dann hätten wir wenigstens einen Tatbestand aufgeklärt. Lola: Josef sagte mir, wo er wohnt, er wollte mich unten auf der Straße treffen, aber ich verspätete mich, als ich dann kam, sah ich die Polizisten, so blieb ich in meinem Wagen und wartete, schließlich ging ich dann doch herauf, und klopfte an seiner Wohnungstür, dreimal war ich im Haus, bis ich dann ihnen begegnete, das ist alles. Dalmas: Und wo ist ihr Mann. Lola: Frank, Frank hat eine Sitzung. Dalmas: Aha. Lola: Ja, er ist sehr beschäftigt, er hat häufig Sitzungen, er ist Wasserkraftingenieur und schon in der ganzen Welt gewesen, sie müssen wissen. Dalmas: Ich werde mich mal mit ihm treffen, dann kann er mir das alles selbst erzählen, aber womit Josef sie in der Hand hatte, das ist jetzt tot und vorbei genau wie Josef selbst. Lola: Ja, ist er tatsächlich tot, ganz bestimmt. Dalmas: Ja. Lola: Da kommt jemand zu ihnen. Dalmas: Gehen sie solange in meine Ankleidekammer, nehmen sie ihr Glas mit und die Handtasche. Ja doch, ich komme schon. Dalmas: Ich ging zur Tür, ohne meine Pistole in der Hand, das war ein Fehler, denn als ich öffnete, stand der Mann vor mir, der in der Kneipe gegenüber dem anderen, den er Waldo nannte, zwei Kugeln ins Herz jagte, jetzt richtete er seine automatische 22er auf meine Wenigkeit. Dalmas: Oh. Al Tessilore: Ja ich bin es, gehen wir rein, los weiter weiter weiter zurück ins Zimmer, gut so, halten sie die Hände hübsch oben, ach Spieltisch was, irgendein Heini spielt hier Schach, sie. Dalmas: Ich vertreibe mir die Zeit damit. Al Tessilore: Dazu gehören aber zwei. Dalmas: Das hier ist eine Schachaufgabe, kein Spiel, sehen sie sich die Stellung an. Al Tessilore: Davon verstehe ich nichts. Dalmas: Jedenfalls bin ich hier allein. Al Tessilore: Umso besser, denn mit ihnen mein Freund gehts jetzt zu ende, das wissen sie wohl, was. Dalmas: Was hat ihnen dieser Waldo denn getan. Al Tessilore: Bei, bei einem Ding in einer Bank in Michigan stieg er aus und brauchte mir 4 Jahre Knast ein, als Kronzeuge wurde er selbst nicht unter Anklage gestellt, ist ein reiner Zufall, daß er mir heute in der Kneipe begegnete, hat die Polizei schon spitz wer ich bin. Dalmas: Man hat ihre Fingerabdrücke, ich weiß nicht wie gut sie sind. Al Tessilore: Was ist denn, was ist denn alter Freund. Dalmas: Ich werde mich übergeben, wenn sie nicht die Pistole von meinem Hals wegnehmen. Al Tessilore: Ich kann sie ihnen auch auf die Brust setzen, sagen sie nur wo es ihnen am liebsten ist. Dalmas: Ich mußte lauter gesprochen haben als ich beabsichtigt hatte, an der Tür zur Ankleidekammer zeigte sich ein schmaler dunkler Spalt, ich sah Augen aber ich blickte nicht hin, starrte immerzu nur in die Augen des Killers, ich wollte nicht, daß er von mir wegsah, und ich begann zu zittern. Al Tessilore: Angst wie. Dalmas: Ja aber lassen sie nicht die ganze Nacht darüber vergehen, das ist ja nicht auszuhalten. Al Tessilore: Mir gefällt es, ich bin nun mal so, nicht. Dalmas: Die Frau kam jetzt durch die Tür, auch sie hatte ihre Pistole in der Hand, nichts geräuschloseres hat es je gegeben, als die Art in der sie sich bewegte, Schritt für Schritt, immer näher auf uns zu. Al Tessilore: Wenn sie schreien wollen, alter Freund dann schreien sie doch. Dalmas: Ja ja ja jetzt jetzt schrei ich. Dalmas: Als wenn das einen Zeichen gewesen wäre, rammte die Frau in diesem Augenblick ihre Pistole dem Killer hart gegen die kurze Rippe, ohne einen Laut hören zu lassen, er mußte darauf reagieren, riß unwillkürlich beide Arme seitlich hoch, ich knickte zusammen und stieß ihm mit meiner ganzen Kraft das Knie in den Unterleib, sein Kinn kam mir entgegen und ich schlug zu, schlug zu, als würde ich den letzten Nagel an den Schienen einer transkontinentalen Bahn in die Schwelle treiben, die Pistole glitt ihm aus der Hand, schlitterte über den Teppich unter einen Sessel, die Frau starrte entsetzt in meine Augen, damit gehöre ich ihnen alles alles was ich habe, gehört ihnen, jetzt und für immer, tut mir leid alter Bursche, aber was konnte ich tun. Sein Gesicht war grünlich bleich, ich bückte mich und tastete ihn nach weiteren Waffen ab, aber er hatte keine mehr bei sich, ich holte aus meinem Schreibtisch ein paar Handschellen, zog seine Arme vorne zusammen und fesselte ihm die Gelenke, dann ging ich ans Telefon und wählte die Nr. der Mordkommission. ORyan: Inspektor ORyan. Dalmas: Hallo, Inspector, ich bins, John Dalmas. ORyan: Ah sie, Dalmas. Dalmas: Ja. ORyan: Wetten daß ihnen noch was eingefallen ist. Dalmas: Haben sie schon raus, wer der Killer ist. ORyan: Kann ich ihnen nicht sagen, tut mir furchtbar leid, über Ermittlungsarbeit dürfen wir nichts mitteilen. Dalmas: Schön, ist mir auch egal, aber kommen sie her und holen sie ihn ab... (...) Dalmas: ...vielleicht sehen wir uns gelegentlich, vielleicht auch nicht, jedenfalls viel Glück Lola. Danke. Ich verließ die Bar ohne mich umzusehen, stieg in meinen Wagen und fuhr über den Sunset Boulevard nach Westen bis zur Küste hinunter, überall in den Gärten waren die Blätter und Blüten vom heißen Wind verfärbt, verdorrt, verbrannt, der Ozean hatte sich wieder beruhigt, ich parkte und ging die Küste entlang, beobachtete eine weile die Wellen, zog die Schnur mit den falschen Perlen aus der Tasche und warf sie einzeln hinaus ins Meer, und dachte dabei an Mr Stan Philips, den Flieger, der auch nur ein Schwindler war. John Dalmas, Privatdetektiv: Rene Deltgen Sam O'Ryan: Karl Renar Jerry Miller: Georg Kostya Frank Barsaly: Dietrich Thoms Lola, dessen Gattin: Elfie Petramer Anja: Anja Buczkowski Lew Dexter: Edwin Baumeister-Noel Waldo Rattigan: Manfred Spieß Al Tessilore: Werner Lieven Juwelier: Alexander Malachovsky Dashiell Hammett: Das Haus in der Turk Street (WDR 1974) Tracy: Mein Name ist Tracy, d.h. es ist einer von vielen Namen die ich mir zugelegt habe im Lauf der Jahre, ich gehöre zu den Leuten, die am liebsten incognito reisen der not gehorchend, wenn sie wissen was ich meine, ich könnte auch sagen es gehört ganz einfach zu meinem Beruf unter falscher Flagge zu segeln, also ich nannte mich Tracy an dem Tag, von dem hier die rede ist und ich war hinter einem jungen Mann her in San Francisco, er war seinen Eltern davongelaufen, sein Vater war Bürgermeister in Tacoma, einem kleinen Nest in Colorado, ich sollte den verlorenen Sohn aufstöbern und zur heimkehr bewegen, möglichst diskret, keine sehr dankbare Aufgabe für einen Detektiv, aber es lag gerade nichts anders vor, der junge Mann sollte in der Turk Street wohnen in einem ganz bestimmten Abschnitt, das hatte ich inzwischen herausbekommen, aber niemand war in der Lage, mir seine Hausnummer anzugeben, und so klapperte ich denn diesen Teil der Straße ab, klingelte an jeder Tür und sagte immer den selben Spruch auf. Tracy: Entschuldigen sie Madame ich komme vom Rechtsanwaltsbüro Wellington und Berkly, mein Name ist Tracy. Frau: Und sie wünschen. Tracy: Ach eine Klientin von uns eine ältere Dame ist vorige Woche von der hinteren Plattform einer Straßenbahn geschleudert worden und hat schwere Verletzungen davongetragen, wir suchen einen jungen Mann, der den Unfall mitangesehen hat, seinen Namen wissen wir nicht, aber man hat uns gesagt, daß er hier in der Gegend wohnt. Frau: Tja hier gibts viele junge Leute, wie sieht er denn aus. Tracy: Mittelgroß, ungefähr 18 jahre, hellblond, blaue augen, eine narbe auf der stirn. Frau: Narbe auf der Stirn, hellblond, nein das sagt mir nichts, tut mir leid Sir, ich glaube nicht, daß ich den jungen Mann kenne, den sie suchen. Tracy: Nachdem ich auf der einen Seite der Straßenabschnitts kein Glück gehabt hatte, ging ich auf die andere Seite hinüber, es wurde schon dunkel, kein Vergnügen unter diesen Umständen, diese blöde Sucherei, und wieder alles umsonst, im 1. Haus, im 2, im 3, im 4, niemand kannte den jungen Mann, den ich beschrieb, an der 5. Tür klingelte ich zweimal vergeblich, nichts rührte sich, niemand zu hause, dachte ich und wollte schon weitergehen, da hörte ich Schritte, eine kleine alte Dame öffnete die Tür, ein Strickzeug in der Hand, sie trug eine steifgestärkte weiße Schürze über einem schwarzen Kleid, ihre schon etwas verblichenen blauen Augen zwinkerten vergnügt hinter goldgefaßten Brillengläsern. Mrs Quarre: Guten abend, ich hoffe sie sind mir nicht böse, daß ich sie so lange habe warten lassen, wissen sie, ich muß immer erst rausgucken und sehen, wer es ist, ehe ich die Tür aufmache, alte Frauen sind ängstlich. Tracy: Tut mir leid, daß ich sie störe Madame, aber. Mrs Quarre: Macht nichts, kommen sie herein. Tracy: Nein nein ich wollte nur um eine kleine Auskunft bitten, es dauert nicht lange. Mrs Quarre: Aber doch nicht hier draußen im Regen, ich möchte, daß sie rein kommen, wenn sie eine Auskunft von mir wollen, mein Tee wird sonst kalt, das können sie nicht verantworten. Tracy: Ja, das sehe ich ein. Mrs Quarre: Also kommen sie und ziehen sie den Mantel aus, wir trinken eine Tasse Tee zusammen, dann können sie auch Mr. Quarre befragen, meinen Mann, wenn ich ihnen nicht sagen kann, was sie wissen wollen. Tracy: Sie nahm mir meinen feuchten Hut ab, hängte ihn an die Garderobe, und wartete bis ich meinen Mantel ausgezogen hatte, dann führte sie mich durch einen schmalen Korridor in ein Zimmer, das nur spärlich beleuchtet war, es war ziemlich groß wie mir schien, aber vollgestopft mit Möbeln und viel Plüsch, eine altmodische Einrichtung mit wuchtigen Polstersesseln und dicken Portieren und in der Ofenecke eine pompöse Stehlampe, in ihrem gelben Lichtkreis saß ein alter Mann, der eine Zeitung las, als wir das Zimmer betraten, blickte er auf und erhob sich aus seinem Sessel, eine sehr würdige Erscheinung mit einem dünnen weißen Bart, der auf eine weiße Weste herabfiel, sie war genauso steif gestärkt wie die Schürze seiner Frau. Mrs Quarre: Thomas, ich habe den Herrn gebeten, eine Tasse Tee mit uns zu trinken, er möchte uns etwas fragen, ich weiß nicht, worum es geht aber. Mr Quarre: Bitte nehmen sie doch Platz Mr. Tracy: Mein Name ist Tracy, ich komme vom RA Büro Wellington und Barkly, wir suchen einen jungen Mann, seinen Namen wissen wir nicht, aber er soll hier in der Gegend wohnen, vielleicht können sie mir weiterhelfen. Mrs Quarre: Ja wenn sie uns sagen können, wie er aussieht, Mr Tracy vielleicht kennen wir ihn, hat er was ausgefressen. Tracy: Nein, es handelt sich um einen Verkehrsunfall, er war dabei, wir brauchen ihn als Zeugen, eine alte Dame ist von der hinteren Plattform einer Straßenbahn geschleudert worden, sie liegt mit schweren Verletzungen im Krankenhaus. Mrs Quarre: Schrecklich schrecklich die arme Frau, von der Plattform geschleudert, was sagst du dazu, Thomas. Mr Quarre: Das wundert mich gar nicht, diese Straßenbahn, es ist einfach eine Schande. Mrs Quarre: Ja immer wieder passiert sowas, meistens in den Kurven, bitte greifen sie zu, Mr Tracy, die kleinen Gewürzkuchen schmecken ganz gut zum Tee. Tracy: Oh danke, also er soll ungefähr 18 Jahre alt sein, mittelgroß, hellblond, blaue Augen, eine Narbe auf der Stirn. Mrs Quarre: Sag mal Thomas, ob das nicht vielleicht der junge Mann ist, der im Haus mit dem Geländer wohnt, ich weiß nicht, ob er eine Narbe hat, aber mittelgroß, 18 Jahre, das könnte stimmen, meinst du nicht auch. Mr Quarre: Warte mal, das Alter könnte wohl stimmen, die Größe auch, aber hellblond, irrst du dich da nicht meine liebe. Mrs Quarre: Du hast recht, das hatte ich ganz vergessen, er hat dunkles Haar, na der kann es also nicht sein, ja mein Mann beobachtet alles sehr genau, Mr Tracy, bei ihm sind sie an der richtigen Adresse, wenn er sagt, er ist es, dann ist er es auch. Mr Quarre: Keine Vorschußlorbeeren, meine liebe, noch haben wir ihn nicht, aber wenn er hier in der Gegend wohnt, müßte es uns eigentlich gelingen, ihn zu identifizieren, äh wir müssen mal überlegen, ach übrigens, wir wärs mit einer Zigarre, Mr Tracy, damit ihnen die Zeit nicht lang wird. Tracy: Die Zigarre war gut, ich rauchte und trank meinen Tee, während die beiden sich über die jungen Leute aus der Nachbarschaft unterhielten, zwei waren hellblond, aber der eine war zu groß, und der andere zu alt, sie überlegten weiter, die Liste ihrer Kandidaten wollte kein Ende nehmen, sie gaben sich alle Mühe, wirklich reizende Leute, ich rechnete zwar nicht mehr damit, hier eine Auskunft zu bekommen, die mir weiterhelfen konnte, aber ich saß bequem in meinem Sessel und hatte es nicht eilig, in den Regen hinauszugehen, ich war müde und döste vor mich hin, bis ich plötzlich zusammenzuckte, ich spürte etwas kaltes im Genick, dann hörte ich hinter mir eine Stimme. Hook: Aufstehen, aber dreh dich nicht um. Tracy: Das kann nicht wahr sein, dachte ich, ein böser Traum, ich war wie gelähmt, ich wollte aufstehen, aber ich konnte nicht, und warum auch, warum sollte ich aufstehen, wenn niemand da war, der mich dazu aufgefordert haben konnte, nein es war ganz unmöglich, die beiden alten Leute redeten immer weiter, sie hatten offenbar nichts gehört und nichts gesehen, ein klarer Fall, ich war eingedöst. Hook: Los du sollst aufstehen, hab ich gesagt. Tracy: Ich dachte. Hook: Na was denn. Tracy: Ich dachte ich hätte geträumt. Hook: Du willst mich wohl für dumm verkaufen, was aber da hast du bei mir kein Glück, und jetzt sind sie dran Mr Quarre, filzen sie ihn, aber gründlich. Tracy: Der Alte legte behutsam seine Zigarre in den Aschenbecher, dann erhob er sich und kam auf mich zu, ich starrte ihn an, ich war sprachlos, er führte den Befehl aus, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken, seine Hände glitten über meinen Körper, er tastete mich sorgfältig ab, eine Leibesvisitation nach allen Regeln der Kunst, nachdem er sich überzeugt hatte, daß ich unbewaffnet war, durchsuchte er meine Taschen und warf alles, was ich bei mir trug in den Sessel, von dem ich mich gerade erhoben hatte. Mr Quarre: So das wärs seine Taschen sind leer. Hook: Dann dreh dich mal um, damit wir uns in die Augen sehen können, na du Schnüffler, kennst du mich. Tracy: Nein ich kann mich nicht erinnern, sie jemals gesehen zu haben. Hook: Ach was du nicht sagst. Tracy: Bitte glauben sie mir, ich hab wirklich keine Ahnung, wer sie sind und was hier überhaupt gespielt wird. Hook: Du lügst, aber das werd ich dir schon abgewöhnen, verlaß dich drauf, wirst bald merken was hier gespielt wird, wenn du Sperenzchen machst, also raus mit der Sprache, was willst du hier, na los mach endlich den Mund auf. Tracy: Er fuchtelte wütend mit seiner Kanone herum, ein großer hagerer grobknochiger Mann, ungefähr so alt wie ich, dh 35, sein hohlwangiges Gesicht war mit Sommersprossen übersät, er hatte ein schroff vorspringendes Kinn, eine schiefe Nase und wässrige blaue sehr gierige Augen wie mir schien, jedenfalls eine häßliche Visage, ein Bursche dem alles zuzutrauen war, er schrie mich an und wurde immer lauter, als er von mir nicht die Antwort bekam, die er haben wollte, aber dann meldete sich plötzlich noch eine andere Stimme, irgendwo hinter einer der Portieren, es war die Stimme einer Frau, jung, hell und musikalisch. Elvira: Hallo Hook, wie wärs, wenn du dich mal einen Augenblick beruhigen würdest. Hook: Was denn, was soll das heißen. Elvira: Der Chef ist gekommen, er will dich sprechen. Hook: Ja schon gut, ich komme, also passen sie auf Mr Quarre passen sie gut auf, daß dieser Schnüffler uns nicht durch die Lappen geht. Tracy: Und schon holte der Alte irgendwo zwischen seinem weißen Bart und seiner weißen Weste einen großen schwarzen Revolver hervor, um mich in Schach zu halten, während Hook die Sachen zusammenraffte, die man mir abgenommen hatte, er verschwand mit ihnen durch eine Portiere, offenbar die selbe durch die er sich von hinten an mich herangeschlichen hatte und nun hörte ich auch die Stimme des Chefs, eine etwas gedehnte Baritonstimme, sehr kultiviert wie ich zu meiner Überraschung feststellte. Tai: Was ist denn hier los Hook. Hook: Allerhand ist los, sag ich dir, sie sind uns auf der Spur. Tai: Woraus schließt du das. Hook: Als ich vorhin weggehen wollte, habe ich diesen Schnüffler gesehen, ich war kaum auf der Straße, da sah ich ihn auf der anderen Seite, den Typ kennst du doch, dachte ich gleich. Tai: Bist du ganz sicher. Hook: Kannst dich drauf verlassen, jemand hat ihn mir mal gezeigt vor ein paar Jahren, ich weiß nicht mehr wie er heißt, aber ich kann mich genau an seine Visage erinnern, er ist von der Continental, so ein kleiner dicker, ich bin gleich umgekehrt um Elvira zu warnen, wir haben ihn hier vom Fenster aus beobachtet, hat an jeder Haustür geklingelt und hat die Leute was gefragt oder so. Elvira: Ja aber immer nur ganz kurz, sie haben ihn alle abgewimmelt, vielleicht einer von diesen Klinkenputzern, dachte ich, die den Leuten eine Versicherung andrehen wollen, so sieht er nämlich aus. Hook: Ja dann ist er über die Straße gekommen, hat angefangen, unsere Seite durchzustöbern, wir haben uns überlegt, was wir machen sollen, wenn er hier klingelt. Tai: Ja ja ich verstehe und wer hat ihn reingelassen. Hook: Die alte natürlich, wir haben ihr gesagt, sie soll ihn ein bißchen aufhalten, und hören was er von selber sagt, er hat da so ein Verschen, daß er einen Kerl sucht der gesehen hat wie eine alte Frau von der Straßenbahn runtergefallen ist, aber das ist natürlich Käse, glaub mir, er hats auf uns absehen. Tai: Wenn das wahr sein sollte Hook, dann wäre es wohl besser gewesen, du hättest dich ihm nicht gezeigt, warum hast du das nicht den beiden alten überlassen. Hook: Das ist doch jetzt ganz egal, ich schätze er kennt uns sowieso, hauptsache wir haben ihn beim wickel gekriegt und nicht umgekehrt, ich hatte schon Angst, er könnte nervös werden, und abhuschen bevor du kommst, deshalb bin ich reingegangen, hab ihn mir geschnappt, hier seine Brieftasche und was er sonst noch bei sich hatte. Tai: Zeig mal her. Mrs Quarre: Bitte Mr Tracy, setzen sie sich doch, trinken sie ihren Tee oder schmeckt er ihnen nicht mehr. Tracy: Er würde mir besser schmecken Madam wenn sie mir sagen würden, was hier eigentlich vorgeht, ich nehme an, das ganze beruht auf einer Verwechslung. Mrs Quarre: Keine Sorge, es wird sich alles aufklären, wir sind ja schließlich auch noch da, nicht wahr Thomas. Tracy: Der alte nickte nur, er hielt noch immer seinen Revolver auf mich gerichtet, ohne eine Mine zu verziehen während seine Frau hinter ihren Brillengläsern vergnügt zwinkerte, eine groteske Situation, die mir langsam ungemütlich wurde, und dann hörte ich nebenan wieder den Chef. Tai: Ja, er ist wirklich Detektiv, hier ist sein Ausweis von der Continental. Hook: Was hab ich gesagt. Tai: Du hättest dich ihm nicht zeigen sollen Hook das war dumm von dir, sehr dumm. Hook: Dumm so so, du jaulst immer, daß andere Leute dumm sind, rutsch mir doch den Buckel runter, wer macht die ganze Arbeit hier, wer ist der die ganzen Dinger schaukelt wer denn was. Elvira: Ach Hook, halt doch nicht wieder diese Rede, die hab ich schon so oft gehört, daß ich sie auswendig kann. Hook: Schon gut aber beleidigen lasse ich mich nicht. Elvira: Und was passiert jetzt, was machen wir mit unserem Gast. Hook: Das ist doch ganz einfach, wir legen ihn um, diesen verdammten Schnüffler. Elvira: Und legen unseren Hals in die Schlinge, wie. Hook: Als ob unsere Hälse nicht schon drin wären, auch wenn wirs nicht machen oder glaubst du etwa, der Bursche ist nicht wegen des Dings in Los Angeles hinter uns her. Tai: Du bist ein Esel, Hook, ein ganz hoffnungsloser Esel, überlegt doch mal, wie die Sache läuft, wenn es wirklich um dieses Ding geht, kann ja sein, durchaus möglich, aber dann haben wir es doch nicht nur mit ihm zutun, er ist von der Continental, kaum anzunehmen, daß seine Firma nicht weiß, wo er hingegangen ist, oder meinst du die hätten keine Ahnung, daß er hierher kommen wollte, sie wissen vermutlich genauso viel über uns wie er, deshalb hat es keinen Sinn ihn umzubringen. Elvira: Ganz meine Meinung, das würde die Sache nur noch schlimmer machen. Tai: Das einzige was wir tun können, wir fesseln ihn und verziehen uns, seine Kollegen werden ihn wohl kaum vor morgen früh vermissen, dann sind wir schon weit weg. Tracy: Na ich atmete auf, dieser Mann war für mich, jedenfalls war er nicht dafür, mich umzubringen, und die Frau auch nicht, immerhin ein Hoffnungsschimmer in dieser verrückten Situation, in der sich alles um irgend ein Ding in Los Angeles drehte, von dem ich keine Ahnung hatte, und das mich gar nicht interessierte, wenn ich nur heil hier heraus kam, ich hatte Zutrauen zu dieser Baritonstimme gefaßt, es war die Stimme eines Mannes, der gewohnt ist, sich durchzusetzen, aber ich hatte mich zu früh gefreut, nach kurzer Pause ging nebenan der Streit von vorne los, ich spürte wie... (...) Tracy: ...weil sie ihren Trick in dieser Stadt nie angewendet hatten, Hook und das Mädchen galten bei den Nachbarn als Sohn und Tochter des Ehepaar Quarre, Tai war der chin. Koch, der gute Ruf der beiden alten und ihre würdige Erscheinung war außerdem von großen Nutzen gewesen wenn die Bande Wertpapiere abzusetzen hatte, Tai sah seiner Verurteilung entgegen, aber das Mädchen Elvira, lief noch immer frei herum, wir warfen ein großes und sehr feinmaschiges Schleppnetz nach ihr aus, doch Elvira war nicht darunter, nun du wirst sie eines tags doch noch finden sagte ich mir, aber ich suche sie immer noch. Tracy: Michael Thomas Mrs Quarre: Käthe Haack Mr Quarre: Walter Bluhm Hook: Horst Michael Neutze Elvira: Eva Garg Tai: Erik Schumann Eine Frau: Annelie Jansen Ed McBain: Stirb Kindchen stirb (BR/WDR 1992) (Kriminalhörspiel aus dem 87. Polizeirevier nach dem Roman Lullaby) Sprecherin: Mit Detective Steve Carella, dem Gründlichen. Carella: Nochmal von vorne, Minute für Minute, also du steigst die Feuerleiter runter, was siehst du, was hörst du, ich will alles wissen. Sprecherin: Detective Bert Kling, dem Knallharten. Kling: Oh mann als Cop bist du hier nur das Arschloch. Sprecherin: Detective Meyer Meyer, dem Gemütlichen. Meyer: Ich hab hier ne Hundemarke, Detective Meyer wau wau. Sprecherin: Der aber auch anders kann. Meyer: Hör mal zu du Kinderschänder, du verschaffst mir den Aufenthaltsort von Martin Proctor oder ich laß dich hochgehen ist das klar. Sprecherin: Und Detective Ollie Weeks, dem Witzbold. Weeks: Und denk an die vier großen w, nach dem wo und dem was jetzt das wer und vor allem das wie, hehehe. Radio: Happy New Year Leute, hebt das Glas, amüsiert euch und tanzt, unser junges Jahr ist genau 1 Stunde 15 Minuten alt, jawohl 1 Uhr 15 und ihr hört die After Midnight Show in Radio BX Isola und hier baby, hier ist eine ganz heiße Nachricht von einer aufregenden Frau, und sie geht an dich Detective Steve Carella. Carella: Seid doch mal still. Radio: Ja wo immer du bist, was immer du tust, denk daran, deine Frau die dich liebt und ihr Name ist, du weißt es, denn es kann nur eine sein, deine Frau Teddy, prost Neujahr Steve und auch an euch Jungs vom 87 Polizeirevier hier in Isola, an die Detective Bert Kling, Meyer Meyer und Ollie Weeks, die folgende Nummer ist nur für euch Jungs, only you. Only you... Proctor: Fuck, ja was haben wir denn da, die Möpse, 50, 20. Shirley Unger: Oh, nimm die Hand da raus, du Ferkel. Proctor: Holy shit. Shirley: Tony, rat mal, was ich jetzt mache. Proctor: Pfoten hoch, und weg von der Tür. Shirley: Ah. Proctor: Schnauze. Tony Unger: Um himmelswillen, Shirley was ist denn. Proctor: Bleib stehn, verdammt noch mal, bleib stehn, ich leg sie um. Frau: Halt deine gottverdammte Schnauze. Tony: Komm laß doch, mach nicht so. Proctor: Ab ins Bad mit euch. Frau: Halt die Schnauze, du versoffenes Loch. Radio: Ihr hört die After Midnight Show auf Radio Isola. Ah ah. Fucking bastards. Scott: Lorraine wo steckst du, habt ihr lorraine gesehen, lorraine, lorraine bist du das. Lorraine: Pst. Scott: Ich dachte schon. Lorraine: Ich hätte dich verlassen, bringst du mich dann auch um, Scott. Scott: Ich. Allan: Mr Hodding, alles in Ordnung da oben, Mr Hodding. Hodding: Oh ja Allan, danke, Susan ist ok, ruhigen dienst und prost neujahr noch, ich geh wieder feiern. Allan: Moment noch, Mr Hodding, ich hab noch einen guten. Hodding: Einen was. Allan: Spot, vielleicht können sie ihn gebrauchen, also sitzt einer mit ner Flasche und aufgeknüpfter Hose im Sessel, hinter ihm aus dem Schlafzimmer sieht man ne blaue Nonne, knöpft dir einmal die blaue Nonne vor gut was, können sie haben MrHodding. Hodding: Danke, Lunar ist leider kein Kunde von uns. Allan: Verdammich Allan, das ist ein guter, hahaha, du Allan, ich brauch eiscube und dann knöpf ich mir Laura vor. Hammond: Oh shit. Baby: Ah. Annie: Peter, bist du das, Peter, wer sind sie, was wollen sie, ah ah ah. Radio: 8 Uhr midnight, ich bin immer noch da, ihr seid auch noch da, hervorragend, Radio PX Isola. Mann: Du alte Schlampe, mach diese gottverdammte Tür auf oder ich trete sie ein. Gayle Hodding: Wird das heute noch was mit der Tür. Peter Hodding: Moment Gayle, einen kleinen moment noch, ja, ich hab einen sitzen, aber schließlich ist das ja eine ganz besondere Nacht, nicht wahr, Annie, wir sinds, Annie wir sind zurück, Annie. Gayle: Polizei, polizei, polizei. Carella: Ich bin Det. Steve Carella, erzählen sie ihre Geschichte nochmal Mr Hodding Meyer: Ok hast du sie, dann schreib, Annie Flinn, Babysitterin, 16 Jahre alt, aufgefunden in der Mitte des Korridors, Bluse zerfetzt, Rock bis zum Arsch hoch gestreift, Messer in der Brust. Sie ist tot. Meyer: Erschossen ja. Arschloch. Carella: Mr Hodding. Hodding: Ja moment, kann mich noch nicht konzentrieren. Meyer: Messer in der Brust, Tod amtlich festgestellt vom Gerichtsarzt Dr Turner. Hodding: Darf ich mir eine anzünden. Meyer: Jetzt das Baby, hast du es. Carella: Ja bitte Mr Hodding. Meyer: Name Susan Hodding, Alter 6 Monate, Gesicht blau, wahrscheinlich erstickt, Tot amtlich festgestellt von Gerichtsarzt Dr Turner, neben dem Bett wahrscheinlich von der Decke ein Mobile aus Metallstäben, äh Steve. Carella: Moment ja, also Mr Hodding. Hodding: Wir kamen. Carella: Ja. Hodding: Wie schon gesagt vor einer guten Stunde, halb drei Uhr etwa von der Party zurück. Carella: Wo. Hodding: Ein paar Blocks weiter, Ecke 12. und Grover. Carella: Und die Wohnungstür. Hodding: Abgeschlossen, ich brauchte ne Zeit reinzukommen, weil ich ziemlich blau war, nicht wahr Gayle. Carella: Und dann. Hodding: Hab ich Annie auf dem Korridor liegen sehen mit dem Messer in der Brust. Meyer: Steve. Hodding: Und dann. Carella: Ja. Hodding: Susan, das Kissen lag auf ihrem Gesicht, ich habs weggenommen, das Gesicht war ganz blau. Carella: Können sie bestätigen, was ihr Mann ausgesagt hat, Mrs Hodding, Mrs Hodding. Meyer: Hey Steve was ist jetzt, lassen wir das Messer drin oder wie. Ah ah. Radio: Good morning Isola, guten Morgen im neuen Jahr, 5 Uhr und 12 Minuten. Mann: Detective Kling, Detective Kling, bitte kommen auf 3 bitte kommen. Kling: Ich kündige. Radio: Und er wünscht sich, was wir alle uns wünschen, a wonderful world. Mann: Was ist los verdammt, Bert was ist eigentlich los gib doch mal ein Lebenzeichen. Kling: Äh ja hier Detective Kling, ich höre. Mann: Hast du den Arsch endlich hochgekriegt du Penner schalt auf 3 da gehts weiter. Kling: Ok Detective Kling auf 3. Mann: Also an der Kreuzung Concorde und Dow street, muß direkt vor deiner Nase sein, sollen drei schwarze einen puertorico mit baseballschläger prügeln. Kling: Na wer sagts denn. Ah. Kling: Polizei aufhören auseinander, schmeiß das ding weg. Oh. Kling: Hank schmeiß das ding weg. Mann: Hey laß los, laß das. Kling: Schmeiß weg sag ich und jetzt schön die Pfoten auf den Kopf, hol nen Krankenwagen. Herrera: Gracias pornada. Carella: Polizei aufmachen, Polizei. Shirley: Jaja Mann was ist denn schon wieder los, das hatten wir doch schonmal, ihr nervt. Carella: Detective Carella von 87 Revier, Mrs Unger, ich hab ne scheiß Nacht hinter mir, könnte gut sein, daß mir bei so einem Ton der Geduldfaden reißt. Shirley: Hör mal zu Schätzchen, wir sind heute nacht ausgenommen worden und ihr wißt alles von uns um eure gottverdammte Pflicht zu tun, unsere geklauten Sachen wieder beizuschaffen klar. Carella: Ein Einbruch hier im 6. Stock, wer hat ihn aufgenommen. Shirley: So ein Lockenköpfen, Willis oder so. Carella: Willis, aha ok Mrs Unger, jetzt versteh wir uns, ich bin wegen des Doppelmordes bei Hoddings im vierten hier. Shirley: Was. Carella: Vielleicht besteht ein Zusammenhang, kann ich jetzt reinkommen. Radio: Bleibt sauber. Carella: Nein. Meyer: Hier, Liebesgrüße vom Labor, Steve. Carella: Und erzähl schon. Meyer: Moment Mann: Was hast du denn da für ne Puppe Ollie. Weeks: Ne gelbe, ne gelbe Nutte ohne bockschein. Mann: Und wer sagt, daß sie eine ist. Weeks: Ich sage das. Meyer: Die Werkzeugspuren am Fenster im 4 und 6 Stock sind nicht identisch. Carella: Was sagt uns das. Meyer: Nichts, kann aber trotzdem dieselbe Person gewesen sein. Carella: Jaja. Weeks: Also unterstellen wir mal Mädchen, du möchtest weiterhin diese Bar in unserem Revier frequentieren, ja dann solltest du den Detektiven dieser schönen Stadt gegenüber ein gewisses Entgegenkommen zeigen, und mach ich mich verständlich, Schätzchen. Carella: Komm weiter. Meyer: Sie haben Annie Flinn abgesaugt und Schamhaare einer anderen Person gefunden. Carella: Und Sperma. Meyer: Auch das, warte mal. Mann: Hey Bert, hat dich der Doc wieder auf freien Fuß gesetzt. Kling: Schon rasiert heute, Tag Ollie. Weeks: Spuck doch mal durch die Zahnlücke, Bert, Treffer. Kling: Na Stevie, Meyer. Meyer: Hi Bert, täusch ich mich oder ist bei dir im Mund bißchen luftiger geworden. Kling: Paß auf, ich könnt immer noch in deinen feisten Arsch beißen du. Carella: Was machst du für ne scheiße. Kling: Was heißt hier scheiße. Carella: Bert hör zu, hast du ne Aussage von dem Puertoricaner. Kling: Ja natürlich nicht, der Spiekman, liegt doch im Krankenhaus, hängt an Schläuchen, da ist er auch gut aufgehoben, Stevie, die Sache ist doch klar oder. Weeks: Vorsicht, Carella ist ein Itaker. Carella: Bert, du hast zwei schwarze über den haufen geschossen und ich rate dir eine Aussage beizubringen, die deine bestätigt ok. Kling: Ok ok ok kannst du haben, als cop ist man hier wirklich nur das arschloch. Carella: Also was weiter. Meyer: Sie haben frisches Sperma in ihrer Scheide gefunden, aber es hatte sich schon im Uterus und Eileiter ausgebreitet. Carella: Das heißt. Meyer: Daß Annie einen Orgasmus hatte, sonst würde die Ausbreitung bis zu 6 Stunden dauern. Carella: Ja und, die Bluse war zerrissen und der Rock hochgestreift, das paßt auf ihren Exfreund Scott Handler. Meyer: Das glaub ich nicht, Annie ist ich meine war 16, Scott Handler ist 18, sie gibt ihm den Laufpass ok aber die drohung sie umzubringen das war doch nur heiße Luft. Carella: Annies vater steht zu der Aussage. Meyer: Na und, ein teenie im liebesschmerz. Carella: Wir sollten Scott Handler trotzdem sehen ja, und sonst irgendwelche verwertbare Fingerabdrücke. Mayer: Nur die von Annie auf dem Messer, das Messer gehört zum Haushalt der Hoddings, eine Gelegenheitswaffe. Carella: Gut gut gut gut. Weeks: Gottverdammtescheiße, warum sagt du nicht gleich, daß du von Henry zu kommst, los los verpiß dich, raus hier. Meyer: Guck mal Treffer, zum schluß noch ein Treffer, das Labor hat die Fingerabdrücke auf dem Fensterbrett der Ungers im 6. Stock identifiziert. Carella: Und wer ist es. Meyer: Martin Proctor alias Snake alias Mr Smith, ein Junkie und Dopedealer. Carella: Oh je kann es denn nicht mal ein einbeiniger Albino mit Versetzstimme oder sowas sein. Meyer: Laß mal Steve, ich hab da ne Idee, Fats Donner ist uns noch was schuldig. Donner: Snake, Mr Sniff, Dr Proctor, logo kenn ich, werf mir mal das Handtuch für meine Füße rüber, Meyer. Meyer: Hier. Donner: Danke. Meyer: Und wo find ich ihn. Donner: Du mußt mir nur sagen, welchen der 800 snakes du meinst, da fällt mir ein, im moment nennen ihn sie seine Freunde Rambo und er lebt unter dem Namen Smith in irgendeinem Hotel. Meyer: Hör mal zu, du kinderschänder, du verschaffst mir den Aufenthaltsort von Martin Proctor oder ich laß dich hochgehen, klar. Frau: Hi, ich bin Brenda, was kann ich dir bringen. Kling: Nett, nett, Brenda, also ich brauche eine große Diätcola mit Eis, ein Thunfisch-Sandwich mit Majo, Gurke und Tomate ja und 2 Jellydonuts. Herrera: Buenas noches, sie gestatten Senior Kling. Kling: Ja du sitzt ja schon. Herrera: Eh Kaffee. Frau: Ok. Kling: Sagt mal was soll eigentlich dieses Versteckspiel hier, Herrera, warum kommst du nicht zu mir aufs Revier. Herrera: Hör zu Kling, ich hab beschlossen, ich helf dir. Meyer: Komm stecks dir in den Arsch, vor 2 Tagen hätt ichs gebraucht, jetzt ist die Sache gelaufen. Frau: So, laß es dir schmecken, ich hab dir 3 Donuts mitgebracht, wir haben gerade die Aktion 3 für 2 laufen. Kling: Super super. Herrera: Hey die Sache fängt es an, ich kann dir ein dickes Ding zuschieben. Kling: Also mir genügt das dicke Ding hier zwischen den Zähnen. Herrera: Paß auf, die Nigger, die mich plattmachen wollten, das waren Jakies, eine jamaikanische gang, die größte mann, Drogen Mädchen Waffen, kennst du Spengler. Kling: Na klar. Herrera: Größer, kennst du Schauer. Kling: Hm. Herrera: Noch größer. Kling: O und wie nennen sich deine schwarzen Wunderboys. Herrera: Hey langsam. Kling: Hör zu, Herrera, ich stopf jetzt noch diese Donuts rein und dann bin ich weg, ist das klar. Herrera: Langsam mann langsam, paß auf, am 23 Januar kommt hier ein Schiff an unter irgendeiner Flagge von Skandinavien mit 100 Kilo Koks an Bord, paar Kilo von dem Dope das tun die weg für Test von Qualität und wenn das gut geht, ja die Jakies geben 1 Mio Dollar. Kling: So und kannst du jetzt deine ganze Story vielleicht noch als Reaggie singen, das kommt irgendwie besser, sag mal Herrera, was wilst du eigentlich vor mir. Herrera: o gott, sag mal begreifst du das nicht, Kling, die jackis wollten mich umlegen weil ich von der Sache weiß, paß auf, ich geb dir ne chance, ja, ich biet dir die riesen sache, 100 kilo dafür krieg ich Personenschutz. Kling: Ok kriegst du, bis nächste Woche teilst du mir mit, wo und wie die Sache über die Bühne geht, ja und dann verhandeln wir vielleicht neu über deinen Beschützer, bis dahin Hals- und Beinbruch Herrera, sie waren absolute Superklasse, Baby. Herrera: Scheiß bulle. Carella: Ja bitte, ich brauch noch nen Kaffee, also drei Schienen, verstehen sie, die erste, Einbruch Vergewaltigung oder beides, die Morde sind da nur der Nebeneffekt, die zweite, jemand wollte Annie aus dem weg haben, dann ist der Mord an Susan nur eine folge davon, der Einbruch läuft separat, jetzt die dritte schiene, der Mörder wollte das Baby töten. Hodding: Ein 6 Monate altes Kind, warum denn. Carella: Will ich ja von ihnen wissen, war mit Susan irgendwas Besonderes. Hodding: Nein, das, ach was, Unsinn. Carella: Was. Hodding: Wir haben Susan adoptiert. Carella: Und das sagen sie mir erst jetzt, wer sind die leiblichen Eltern. Hodding: Weiß ich nicht, darf ich gar nicht wissen, ist Bedingung bei cooper andersen, der Agentur mit der wir das abgeschlossen haben. Meyer: Ahoi Schwester, arbeitet Lorraine Greer hier an bord. Lorraine: Sieht nicht so aus, als wären sie mit ihr verabredet. Meyer: Ich hab hier ne Hundemarke, Detective Meyer wau wau. Lorraine: Und wen wollen sie anpinkeln. Meyer: Lorraine, ich suche Scott Handler. Lorraine: Kenn ich nicht. Meyer: Mach keine Dummheiten, Lorraine, Falschaussagen kommen teuer, er ist 10 Jahre jünger als du, ok wen kümmerts, aber die Morde. Lorraine: Annie und das Baby, Scott hat damit nichts zu tun. Meyer: Wenn er ein Alibi hätte. Lorraine: Für wann. Meyer: Anders rum, wo war er in der Silvesternacht. Lorraine: Ok raus damit, was er vor Mitternacht gemacht hat, weiß ich nicht, und dann waren wir zusammen, von halb eins bis mindestens 4 Uhr. Meyer: In Ordnung das genügt, sag Scott, er ist aus dem Schneider. Nellie: Steve, ah da bist du ja, ok Steve wir sind hier komplett, Bezirksstaatsanwalt Bobby Mcananam, sein Assistent Ralph Riegelburger und ich, ich stell dich auf Konferrenz, schieß los Steve. Carella: Danke Nelly, hi Bobby hi Ralph. Ralph: Hi Steve, denk an die Baseballkarten. Bobby: Hi. Carella: Das mit den Karten geht klar Ralph, ok es geht um den Fall Susan Hodding und Annie Flinn. Bobby: Irgendwelche Fortschritte. Carella: Wir reißen uns den Arsch auf Bobby, mehr ist im moment nicht drin ok. Bobby: Bullshit. Carella: Ich versteh Bobby so schlecht. Nellie: Bobby will daß du uns sagst worum es geht, Steve. Carella: Also, Susan Hodding ist adoptiert worden über die cooper anderson agentur, wenn Susan vorsätzlich ermordet worden ist, dann hat das vielleicht was mit ihren leiblichen Eltern zu tun, ich brauche eine gerichtliche Verfügung um an die Namen zu kommen. Bobby: Er soll sich verpissen. Carella: Noch mal Bobby. Nellie: Bobby meint daß eine solche Verfügung nur ausgeprochen werden kann, wenn Gefahr im Verzug ist. Carella: Das ist es doch was ich meine, daß für die leiblichen Eltern gefahr an Leib und Leben bestehen könnte. Mann: Ich hab FatsDonner am telefon mit ner heißen Information sagt er nur an dich. Carella: um das rauszukriegen brauch ich die namen klar momentmal hauab mit dem scheiß, ich hab die ganze staatsanwaltschaft am anderen ende, ich bin wieder da. Nellie: Reg dich ab, Steve, Bobby sagt, er hat es nicht so gemeint, du bekommst deine Verfügung, nächste Woche. Carella: Ich brauch sie jetzt. Nellie: Bobby sagt es ist ok du bekommst sie nächste Woche, machs gut Steve. Carella: Fickt euch ins Knie. Mann: Ich stell Fats Donner durch. Carella: Wichser. Donner: Bist du noch dicht, Carella oder was ist los, wenn du was von mir wissen willst andern Ton ja. Carella: Du bist in der falschen Vorstellung, tschuldige, was gibts. Donner: 1146 Parkstreet, Apartment 34, alles klar. Meyer: Aufmachen Proctor, polizei. Proctor: Oh scheiße. Meyer: Polizei. Proctor: Die gottverdammten Bullen, wo ist mein Wumme. Meyer: Tritt sie ein Bert. Proctor: Ich komm sofort, ich noch unter der Dusche, ich bin nackt. Kling: Das halten wir schon aus, wir haben nämlich starke Nerven, wir haben bloß keine Geduld, ist das klar Mann. Proctor: Ich komm doch gleich, sofort Jungs. Carella: Hey wohin Snake, Handtuch vergessen, runter von der leiter und rein mit dir. Kling: Hände hinter den Kopf, und da rüber an die Wand. Proctor: Ihr meint es ernst was. Carella: Bitterernst, Snake. Proctor: Nen Mord laß ich mir nicht anhängen von euch. Kling: Steve gib mir ne viertel Stunde du und er wird singen wie ein Chorknabe. Proctor: Ich hab doch alles gesagt, ich hab doch alles gesagt. Carella: Noch mal von vorn. Proctor: Oh mann. Carella: Minute für Minute, also du steigst aus dem Fenster, die Feuerleiter runter. Proctor: Ja die Feuerleiter runter. Carella: Was siehst du, was hörst du. Proctor: Ich steig runter, überall wird gefeiert, ich hör Musik, ach ja im vierten wird gerammelt. Weeks: Nur zu, nur zu, und denk an die großen 4 w, nach dem wo und dem was jetzt das wer und vor allem das wie. Carella: Hirnschiß oder was Ollie, hau ab wir sind mitten drin. Weeks: Der Stik wärs nur gewesen, am Telefon für Bert, aber bitte. Kling: Herrera, das ist mein Mann, den nehm ich mir selbst, wo ist er. Weeks: Kanal 5. Carella: Schau mich an Snake. Proctor: Bitte tun sie mir nichts Chef bitte. Carella: Ach was, wer wir denn, bist ein guter Junge wenn deine Geschichte stimmt, und das kriegen wir raus, verlaß dich drauf. Proctor: Ich hab ein Alibi, Chef, fragen sie Games, er hat mir hinterher im Eagel noch ein Röhrchen Crack verkauft, fragen sie ihn. Herrera: Ja hallo Kling, hören sie, Küßchen von Consuelo, meinen Freund Kling, geht uns hervorragend, dank ihrem Gorilla, also zur Sache Kling, ich hab da noch zu tun, ok sie kennen die leere Baracke bei El camino real, dort wird der deal über die Bühne gehen, freitag abend 8 Uhr, laß doch mal komm, der Stoff kommt aus Kolumbien und wird in Florida auf ein Schnellboot umgeladen, die Jackies und die Columbianer haben vereinbart, daß zwei von jeder Seite die Sache durchziehen. Mit den müssen sie doch klarkommen, Mensch Kling. Kling: Oh da freu ich mich aber schon drauf, hast du alles mitgekriegt Ollie. Weeks: Bin ich taub. Mann: Hat jemand Steve gesehen, Post von Bobby. Kling: Bei der Vernehmungszelle, also wie ist denn deine geschätzte Meinung Ollie. Weeks: Der Hurenbock lügt, kein Wort wahr, wenn überhaupt, dann machen so einen großen Deal keine Jackies, 100 kg, Bert 100 Kilo, Jackies handeln mit nem Pfund, so nen Deal macht hier nur einer, und das ist Henry zu. Bidubidu. Weeks: Ach halt die Schnauze hinten, ich sag dir nur eins, der spick ja, der will selber so ein Ding drehen oder er versucht irgendwo aufzuspringen oder arbeitet für ne ganz andere Gang oder. Kling: Quack quack quack, du bist vielleicht ein Klugscheißer Ollie mit Maul so groß wie ein Ochsenfrosch. Carella: Ärger oder was, egal prügeln könnt ihr euch hinterher, ich brauch dich Bert, du fährst zu cooper anderson und besorgst mir den Namen von Susans leiblichen Eltern, hier ein sesam öffne dich. Meyer: Unangenehm für sie, Hodding, ich habe mich eingehend mit Al, dem Portier unterhalten, sie waren in der Wohnung. Hodding: Ich, ja. Meyer: Soll ich raten, was sie da getrieben haben, es war nicht zu überhören, der Laborbefund sagt, daß in Annies Scheide Sperma war, ihr Sperma Hodding. Hodding: Detective Mayer, sie müssen verstehen. Meyer: Ich versteh nur Verführung Minderjähiger, das Mädchen war gerade mal 16 Jahre alt. Hodding: Sie wollte es genauso wie ich, es war nicht das erstemal. Meyer: Du gottverdammter Drecksack du. Hodding: Ich hab Annie geliebt, ich hab sie wirklich geliebt. Meyer: Ich nehm dich mit aufs Revier und dreh durch die Mangel. Hodding: Warum sollte ich denn meine Tochter umbringen, sie Idiot, warum denn, warum sollte ich Annie umbringen, nennen sie mir einen, nur einen einzigen Grund. Frau: Eins zwei drei vier, jawohl weiter, mehr Schwung, wunderbar, nein Schluß Schluß aus Pause, so geht das doch nicht, Herzchen du bist einfach zu pummelig, Luisa soll dir ein neues Kleid verschaffen. Carella: Detective Carella, guten Tag Mam, oh, äh hallo ich äh Mrs Monroe ich äh. Frau: Brauchen sie einen souffleur oder was ist. Carella: Wo finde ich Joyce Chapman. Frau: Nicht da, junger Mann, verreist, ja, fragen sie doch Angela Quist dahinten, ist ne Freundin von ihr, Angela komm doch mal her, jemand von der polizei möchte dich sprechen, tschuldigen sie mich, ja komm schon Herzchen. Quist: Ich bin Angela Quist, worum geht es. Carella: Um das Baby, das Joyce Chapman zur Adoption freigegeben hat, können wir uns irgendwo in Ruhe unterhalten. Carella: Warum. Quist: Sie wollte nie ein Baby, sie ist begabt, hat ne Karriere vor sich, Abtreibung kam für sie nicht in frage, darum. Carella: Und der Vater. Quist: Weiß nicht, daß er es ist, sie hat ihn unten in Langs Disko kennengelernt, ein Seemann, Joyce war besoffen, hat ihn mit nach Hause geschleppt, das war auch schon, am nächsten Tag war er weg, auf See, hat ein Kind aber kein Nachnamen hinterlassen. Carella: Ist das in Schauspielerkreisen so üblich. Quist: Was geht denn sie das an, sie war blau, punkt. Carella: Wer wußte von dem Kind. Quist: Wußte. Carella: Tja sie ist tot, ermordet, der Baby Susan Fall, wie die Zeitungen sagen also. Quist: Ja wer noch, Melissa, Joyce Schwester und ihr Mann Dick, sie haben sich rührend um Joyce gekümmert, als sie schwanger war und haben ihr die Agentur verschafft. Carella: Und wer sonst. Quist: Ich glaub, sie wollte niemand einweihen, nicht mal ihren vater. Carella: Gut, und wo ist Joyce. Quist: In Seattle, ihr vater liegt im sterben, leberkrebs. Carella: Telefon. Quist: Weiß ich nicht, aber die Nummer müßte leicht rauszukriegen sein, die Chapmans haben dort ein großes Sägewerk. Richard Hammond: Joyce, joyce. Joyce: Ah. Hammond: Pst ganz ruhig, Joyce, ganz ruhig, jetzt tut es dir leid, daß du dein Baby weggegeben hast, nicht wahr Joyce, sieh mal an, 1 mio dollar hätte Susan geerbt, aber Susan ist tot, Joyce, ich habe sie umgebracht und jetzt werde ich dich umbringen Joyce. Ah ah. Mann: Hey Bert. Carella: Ja Vermittlung, Seattle, ja Joyce Chapman, nein nicht wie Charlie, sondern wie Jonny, Chapman, ja ich warte. Weeks: Herrera ist weg. Kling: Was sagst du. Weeks: Sammy hats gerade durchgegeben. Kling: Du ich hau dir die Fresse blau wenn du scheiße erzählst. Weeks: Hör zu Bert, wenn so ein erfahrener cop. Kling: Ach du Arschgeige du, den kauf ich mir. Carella: Endlich, ja genau, Detective Carella, Mrs Chapman bitte, wie, was sagen sie, Augenblick mal, Meyer schnell. Meyer: Ja ich komme. Carella: Einen moment Mr Hammond, ich stell um, noch mal bitte. Hammond: Meine Schwägerin Joyce Chapman wurde heute ermordet aufgefunden. Meyer: Hier spricht Detective Meyer, Mr. Hammond: Hammond, ich bin mit Joyce Schwester Melissa verheiratet. Meyer: Ok danke, Mr Hammond, wir sind die zuständigen Beamten, die im Baby Susan Fall, dem ermordeten Kind von Mrs Chapman, ermitteln. Hammond: Was sagen sie da, Kind von Joyce, sie irren sich, Joyce hatte kein Kind. Herrera: 5 kg. 50000, ok. Herrera: Bueno. Carella: Schaff ihn raus Meyer, ich will mit ihr allein sprechen. Meyer, komm. Hammond: Melissa, du verweigerst die Aussage. Carella: Ach Mr Hammond, das fbi bestätigt, daß die fingerabdrücke auf dem messer identisch sind mit den von Richard Hammond in den Unterlagen der army, danke das wars Meyer. Hammond: Melissa, Melissa, das ist ein schmutziger Trick, melissa. Carella: Ihr Mann lügt Melissa, sie wußten von dem Baby und wir haben seine Fingerabdrücke, Melissa, wissen sie, was das bedeutet, warum hat er, Annie, warum Melissa. Melissa Hammond: Das Mobile, er ist gegen das mobile gestoßen, sie hat es gehört und kam ins Zimmer, sonst würde sie noch leben, es ging ja um das Baby. Carella: Warum. Melissa: Vaters testament wir wußten daß erstgeborene kind sollte 1mio dollar erben. Carella: Ahja. Melissa: Und als Joyce davon erfahren hat. Carella: Dachten sie, sie würde ihrem Vater endlich doch von Susan erzählen und deshalb mußte sie sterben. Melissa: Sie hätte Dick hingehängt. Carella: Jetzt tun wirs. Chinese: Alles glatt gegangen. Hä. Chinese: Soll sagen, viele Glüße von Henry Schuh. Ah. Kling: Halt stehenbleiben polizei, ah ich krieg euch noch ihr gottverdammten Chanes auch dich Harry zu, Harrera, hey Joe. Herrera: Sie geben dir keine reele Chance in diesem verfluchten Land Kling, auch dir nicht, du kriegst sie nie, du Würstchen. Oh. And when I got to America, I say it blew my mind... Steve Carella: Peter Voss Meyer Meyer: Jochen Striebeck Bert Kling: Michael Mendl Ollie Weeks: Ralf Wolter Discjockey: Jim Sampson Shirley Unger: Saskia Vester Tony Unger: Robert Flörke Martin Proctor: Rufus Beck Peter Hodding: Hubert Mulzer Gayle Hodding: Barbara Zahn Lorraine Greer: Katharina Müller-Elmau Scott Handler: Marc Schulze José Herrera: Jockel Tschiersch Fats Donner: Mogens von Gadow Nellie: Ilse Neubauer Angela Quist: Esther Hausmann Richard Allen Hammond: Peter Kremer Melissa Hammond: Bettina von Websky Joyce Chapman: Martina Boette-Sonner Al / Bobby: Bruno W. Pantel Annie: Julika Blum Arzt: Detlef Kügow Jamaikaner/Komparse: Matthias Klaussner Ralph: Fred Maire Chinesin: Marina Dietz Chinese: Hubert Mulzer 1. u. 3. Frauenstimme: Martina Boette-Sonner 2. Frauenstimme: Ursula van der Wielen 4. Frauenstimme: Veronika von Quast 1. Männerstimme: Christoph Lindert 2. Männerstimme: Detlef Kügow 3. Männerstimme/Komparse: Julian Richter 1. Polizist: Bernd Dechamps Sprecherin der An- und Absage: Ilse Neubauer Komparse: Olaf Danner Komparse: Stefan Wilkening Mickey Spillane: Ich, der Richter (WDR 1999) (Hörspiel nach dem gleichnamigen Roman) Velda: New York im Jahre 1950, schöne Frauen, harte Kerle und große Kaliber, das ist die Welt des berühmt-berüchtigten Privatdetektivs Mike Hammer, der gnadenlos wie ein schwarzer Ritter durch den Dschungel der Großstadt streift. Mike: Niemand sagte etwas, als ich das Zimmer betrat, sie wichen beiseite und ich spürte, wie ihre Blicke auf mir lagen, Chief Detective Pat Chambers deutete auf die Schlafzimmertür. Pat: Dort drin, Mike. Mike: Dort drin, dort drin lag mein bester Freund tot auf dem Boden, der beste Freund, den ich jemals hatte. Mike: Hast du den Stuhl verschoben, Pat. Pat: Nein warum. Mike: Normalerweise steht der Stuhl neben dem Bett. Mike: Auf dem Stuhl lag seine 38er Pistole, es war klar, wie es sich abgespielt haben mußte. Mike: Der Mörder hat den Stuhl mit der Pistole drauf immer ein Stück weitergezogen und dabei zugesehen wie Jack in Todesqualen hinterher gekrochen ist, bis er schließlich zusammenbrach. Mike: Gestern war er noch Jack Williams gewesen, der Mann der im Krieg seinen Arm für mich geopfert hatte und heute klaffte ein faustgroßes Loch in seinem Bauch. Mike: Er hat sein Opfer beobachtet er hat vielleicht sogar gelacht dabei, das war kein gewöhnlicher Mord, Pat, das war absolut kaltblütig und vorsätzlich, den Kerl krieg ich. Pat: Du bist mit von der Partie. Mike: Darauf kannst du Gift nehmen. Mike: An Pats Gesichtsausdruck konnte ich ablesen, daß er nicht versuchen würde, mich von meinem Vorhaben abzubringen, er würde lediglich versuchen, mir zuvor zukommen. Mike: Ich werde das Schwein kriegen, das Jack umgebracht hat, aber es wird nicht auf den elektr. Stuhl kommen, und es wird auch nicht hängen, es wird auch nicht in einem langwierigen Gerichtsverfahren wegen mangelnder Beweise freigesprochen werden, das Schwein wird genauso sterben wie Jack mit einer 45er Kugel im Gedärm, der Einschuß ein paar cm unter dem Bauchnabel, das ist mein Wort, und mein Wort gilt solange ich lebe. Pat: Jack hat gestern eine Party gegeben, war aber nichts größeres. Mike: Ich weiß, er hatte angerufen, aber ich war zu geschafft. Pat: Mirna hat uns die Namen der Partygäste gegeben, hier ist die Aufstellung, sie haben ein paar Gläser getrunken, und ein wenig getanzt und sind dann gegen 1 gemeinsam gegangen. Mike: Und Mirna hat ihn heute morgen gefunden. Pat: Ja sie waren verabredet weil sie sich zusammen eine Wohnung anschauen wollten. Mike: Hat jemand einen Schuß gehört. Pat: Nein, der Mörder benutzte wahrscheinlich einen Schalldämpfer, aber der Gerichtsmediziner sagte es muß so gegen 3 Uhr passiert sein, siehst du ein Motiv. Mike: Noch nicht, aber ich werde es finden, es muß etwas Großes dahinterstecken, darauf möchte ich wetten. Pat: Ok Mike, ich will dich bei den Ermittlungen dabeihaben, du kannst mir von nutzen sein und ich dir, aber im entscheidenden Moment werde ich dir einen Schritt voraussein, die polizei ist nicht so dumm wie du denkst. Mike: Keine Sorge ich unterschätze euch nicht, aber die Bullen können einem Typen nicht den Arm brechen damit er was ausspuckt, also versuch es Pat. Velda: Ach du bist es. Mike: Was heißt hier ach du bist es, du wirst dich doch wohl noch an mich erinnern, ich bin Mike Hammer, dein Chef. Velda: Tss, du bist so lang nicht mehr hiergewesen daß ich dich kaum noch von irgendwelchen Schuldeneintreibern unterscheiden kann. Mike: Ich folgte ihr in mein allerheiligstes, bildschöne Beine hatte sie, und trug ihr Kleid so eng, daß ich dabei an die Kurven des Pennsylvania Highway denken mußte. Velda: Hier sind alle Infos, die ich über die Partygäste von gestern abend bekommen konnte. Mike: Häh, wie bitte. Mike: Als Sekretärin war sie eigentlich eine viel zu große Ablenkung. Mike: Kannst du jetzt hellsehen, wie hast du von Jacks Tod erfahren. Velda: Du vergißt, daß ich einen ganz guten Draht zu einigen Reportern vom Chronikel habe, John Dugan zB. Mike: In den 3 Jahren, die sie für mich arbeitete, habe ich nie versucht, mich an sie ranzumachen. Velda: Er wußte daß Jack ein enger Freund von dir war und ist eigentlich hier vorbei gekommen um von mir etwas zu erfahren aber zum Schluß war er es, der die ganzen Informationen ausgepackt hat. Mike: Nicht daß ich kein Interesse an ihr gehabt hätte, aber es war mir einfach zu riskant, sie drückte mir ein paar Papiere in die Hand. Velda: Hier haben wir zunächst George Kalecki. Mike: Ich kannte ihn, er betrieb eine gutgehende Restaurantkette, war ein Mann der Gesellschaft, spendete für wohltätige Zwecke usw, aber George Kalecki war nicht der noble gentleman, für den ihn alle hielten, er hatte seine Finger in allen möglichen dunklen Geschäften drin, nur konnte ihm niemand etwas nachweisen. Velda: Die Nr 2, Mirna. Mike: Jacks Freundin, sie war süchtig gewesen, und Jack hatte sie buchstäblich im letzten Augenblick von der Brüstung der Brooklynbrücke gezogen gerade als sie sich in die Tiefe stürzen wollte, so hatten sich die beiden damals kennengelernt, danach hatte Jack dafür gesorgt daß Mirna in Behandlung kam, ein halbes Jahr später wurde sie als geheilt entlassen. Velda: Dann haben wir hier noch die Bellemyzwillinge, 29 auf der Suche nach Ehemännern. Mike: Natürlich, die Bellemyzwillinge, ich hatte sie mal bei Jack getroffen, sehen ganz passabel aus und verprassen ansonsten das Vermögen das ihnen ihr Vater hinterlassen hat. Velda: Ach und hier ist noch jemand, der dir gefallen wird, mein lieber. Mike: Sie legte mir das Foto von einer tollen Blondine im Badeanzug vor, mir blieb fast die Spucke weg, als ich es sah, lange feste Beine, breite Schultern und dazwischen zwei Brüste, die sich gegen jede Beengung durch ein Kleidungsstück zu wehren schienen, mir fielen fast die Augen raus. Mike: Wer, ist, das. Velda: Hm, vielleicht sollte ich es dir lieber nicht sagen, dein lüsterner Blick könnte dich da noch in echte Schwierigkeiten bringen, ihr Name ist Charlotte Manning, sie ist Psychiaterin und hat an der Parkavenue eine gutgehende Praxis, hier ist die Adresse Mike: Offenbar lag hier der angenehme Teil des Geschäfts vor mir, Velda band ich das nicht auf die Nase, vielleicht bin ich ja nur eingebildet, aber ich hatte eigentlich immer den Eindruck daß sie ein Auge auf mich geworfen hat. Velda: Wolltest du noch was ergänzen, Mike. Mike: Charlotte Manning erhob sich von ihrem Stuhl hinter dem Schreibtisch. Manning: Hallo Mr Hammer. Mike: Sie sah in Natur noch schöner aus. Mike: Hallo Mrs Manning. Mike: Sie war einfach Spitzenklasse, langes blondes Haar, wunderschöne haselnussbraune Augen, von dem was sich unter ihrem dunklen enganliegenden Kleid verbarg, gar nicht zu reden. Manning: Ich nehm an, es geht um den Tod von Mr. Williams. Mike: Ja, wir waren enge Freunde, ich bin Privatdetektiv und würde ihnen gern einige Fragen stellen. Manning: Nur zu. Mike: Wann haben sie an dem abend die Party verlassen. Manning: So gegen 1 Uhr, wir sind alle zusammen aufgebrochen. Mike: Wo sind sie von dortaus hingegangen. Manning: Ich bin mit Ester und Marry Bellemy noch in die Chickenbar, wo wir ein Sandwich gegessen haben, dann hab ich die beiden an ihrem Hotel abgesetzt und bin schnurstracks nach Hause gefahren, es muß so kurz nach 2 gewesen sein, als ich zuhause ankam. Mike: Kann das jemand bezeugen. Manning: Jawohl, mein Dienstmädchen, sie hat mich sogar zugedeckt, sonst noch was. Mike: Ja, äh, wie haben sie Jack Williams eigentlich kennengelernt. Manning: Über Mirna, sie wissen das Mirna drogenabhängig war, Jack hatte mich seinerzeit als Mirna zur Behandlung in der Klinik war, zu rate gezogen, nachdem sie entlassen wurde, hab ich sie noch eine zeit lang nachbetreut, daraus ist dann ein persönlicher Kontakt geworden. Mike: Ja, das wars dann wohl für erste. Manning: Einem Mann bedeutet ein Freund viel mehr als einer Frau. Mike: Charlotte stand auf, und kam auf mich zu, der Anblick ihrer Beine nahm mir fast den Atem. Mike: Dieser Freund hat im Krieg seinen Arm geopfert, um mir das Leben zu retten. Manning: Ich hoffe, sie erwischen den Mörder, das hoffe ich aufrichtig. Mike: Ja das werde ich. Mike: Wir standen uns gegenüber und sahen uns an, ich wünschte, daß das leuchten in ihren Augen wirklich so verheißungsvoll war, wie ich mir einbildete. Mike: Ich muß jetzt gehen, bis bald. Manning: Sehr bald, hoffe ich. Hubabuba. Mike: Zwanzig Minuten später drückte ich die Klingel an einem Haus, das bestimmt so seine viertel Million Dollar gekostet hatte, ein korrekt gekleideter Butler öffnete die Tür, und führte mich in eine riesige Bibliothek, ich ließ mich in einen Armsessel fallen und wartete auf George Kalecki, es dauerte nicht lange bis er auftauchte. Kalecki: Was wollen sie hier, ich habe der Polizei gegenüber alle meine Aussagen gemacht. Mike: Die Platte brauchst du für mich nicht abzuspielen, Freundchen. Kalecki: Wie reden sie mit mir, verlassen sie sofort mein Haus. Mike: Ich sprang aus dem Sessel und packte ihn am Kragen. Mike: Jetzt hör mal zu, du Drecksack, ich schere mich nicht um die Bullen, daß das klar ist ich suche denjenigen der Jack Williams umgebracht hat und wenn dabei noch ein paar miese Gesellen wie du mit hopps gehen soll mir das nur recht sein, hörst du. Mike: In diesem Moment sah ich im Spiegel, wie mir gerade jemand von hinten mit einer Keramikvase den Schädel einschlagen wollte, ich duckte mich weg, dann schnellte ich herum und verpaßte dem Angreifer einen gezielten Schlag unter die Kinnspitze, der Mann ging zu Boden und blieb dort reglos liegen. Mike: Sieh an, dein Gorilla vermute ich, ist ja ein ganz schlauer, will mir von hinten eins überziehen, wo ich gerade vor einem Spiegel stehe, irgendwie hast du den nicht richtig im Training, George. Kalecki: Einen Moment mal, Mr Hammer, jetzt langt es, ich habe einflußreiche Freunde bei der Stadtverwaltung. Mike: Das mag ja sein, du solltest dir nur vorher überlegen, wie dein Gesicht nachher aussieht. Mike: Zur Bekräftigung rammte ich ihm eine Faust in die Magengegend, er rang nach Luft und fiel nach hinten in einen Sessel. Mike: Ich denke, dann könnten wir mit der Befragung beginnen, also wann hast du die Party verlassen. Kalecki: So gegen ein Uhr, ich hab Mirna noch nach hause gebracht und bin dann auf direktem weg nach hause gefahren. Mike: Hast du ein Alibi. Kalecki: Das Alibi liegt bewußtlos neben ihnen auf dem Boden. Mike: Er hat dich sogar zugedeckt, ich weiß, wenn du glaubst, du bist damit aus dem Schneider, hast du dich ganz schön geschnitten, du hättest immer noch genügend Zeit gehabt nochmal in die Stadt zurückzufahren um Jack umzulegen, woher kanntest du Jack eigentlich. Kalecki: Mrs Manning hat ihn mir empfohlen, hat für mich einige ermittlungen erledigt. Mike: Der Gedanke, daß Charlotte und Kalecki etwas miteinander hatten, machte mich wahnsinnig. Mike: Mrs Manning, die dürfte ja wohl eine Nummer zu groß für dich sein. Kalecki: Ich hatte Mrs Manning wegen meiner Schlafstörungen in ihrer Praxis aufgesucht. Mike: Wegen Schlafstörungen soso und hat sie dir helfen können. Kalecki: Das kann man sagen, ich fühle mich wie ein neuer Mensch. Mike: Ich hatte große Lust ihm noch eine zu verpassen, ließ es aber. Bellemy: Kommen sie doch herein, Mr Hammer. Mike: Sie sah gut aus, braungebrannt, sportlich. Mike: Sie kennen mich. Bellemy: Ich habe sie erwartet, ihr Kollege von der Polizei wie heißt er doch, Pat Chambers, er hat mich auf ihren Besuch vorbereitet. Mike: Ich habe nur ein paar Fragen, aber vielleicht können sie mir erstmal verraten, mit wem von ihnen beiden ich das Vergnügen habe. Bellemy: Ich bin Marry Bellemy. Mike: Ist ihnen am abend der Party irgendwas Besonderes aufgefallen. Bellemy: Eigentlich nicht, wir haben ein paar Gläser getrunken und ein bißchen getanzt, Jack und George Kalecki waren eine weile in der Küche und als sie herauskamen, schien George ziemlich bedrückt zu sein. Mike: Ich weiß daß sie anschließend noch mit Charlotte Manning etwas essen waren, was passierte dann. Bellemy: Sie setzte uns hier ab und wir sind gleich ins Bett gegangen, übrigens das mit der Uhrzeit, das kann der Hausmeister bestätigen, er hat uns nämlich die Tür aufmachen müssen weil wir unseren Schlüssel vergessen hatten, ach sie müssen mich einen Augenblick entschuldigen, ich fürchte, ich habe das Badewasser angelassen. Mike: Sie lief hinaus auf den schmalen Korridor und verschwand im Badezimmer, vielleicht wurde ich langsam alt, aber ich hörte kein Wasser laufen, nach einer weile kam sie zurück, ihr Anblick verschlug mir fast den Atem, statt des grauen Kostüms von vorher trug sie jetzt ein hauchdünnes rosa Neglige, das nur das nötige verhüllte. Bellemy: Tut mir leid, daß ich sie warten lassen mußte, aber das Wasser wäre sonst kalt geworden. Mike: Sie lächelte und setzte sich mir direkt gegenüber. Mike: Geht schon in Ordnung, die meisten Frauen hätten dafür Stunden gebraucht. Mike: Dabei öffnete sich ihr neglige und sie ließ sich zeit damit es wieder zuzuziehen. Bellemy: Ich nicht, ich bin viel zu begierig darauf, mehr über ihren Fall zu erfahren. Mike: Ihr Dekollete war trotzdem so weit geöffnet, daß ich ihr fast bis zum Bauchnabel schauen konnte. Mike: Haben sie nicht außer dieser Stadtwohnung auch noch Landbesitz. Bellemy: Ja natürlich in New Jersey, eine Villa mit 22 Zimmern, einem Swimming- pool und etlichen Tennisplätzen, wenn sies genau wissen wollen, würden sie mich gern einmal besuchen. Mike: Klar, jederzeit. Bellemy: Gut, diesen Samstag geben wir draußen eine große Party, Mirna und Charlotte Manning kommen auch, sie dürften sie beiden kennen. Mike: Olala, das würde ein interessanter Abend werden. Mike: Sagen sie, kann man sie beide eigentlich voneinander unterscheiden. Bellemy: Tja, eine von uns hat ein kleines erdbeerfarbenes Muttermal auf der rechten Hüfte. Mike: Ah, und wer von beiden. Bellemy: Warum sehen sie nicht selbst nach. Mike: Mann o mann. Mike: Heute nicht, ich habe noch ein Haufen Arbeit vor mir. Mike: Ich stand auf und streckte meine Glieder. Bellemy: Oh, sei nicht feige. Mike: Sie stand ebenfalls auf und trat auf mich zu, dabei machte sie keinerlei versuch mehr ihr Neglige festzuhalten, ich presste sie an mich und küsste sie, dann ergriff ich den Saum des Negliges und mit einer Handbewegung zog ich es weg, so daß sie nackt vor mir stand, ich trat zurück und sie ließ mich jeden cm ihres sonnen-gebräunten Körpers absuchen, dann nahm ich meinen Hut und ging zur Tür. Mike: Es muß wohl doch deine Schwester sein, die das Muttermal hat, bis Samstag. Mike: Als ich sah daß im Büro noch Licht brannte, blieb ich vor einem Spiegel stehen und untersuchte mich gründlich nach Lippenstiftspuren, ich habe nie begreifen können, warum Lippenstift von Frauen so leicht abgeht, aber von Männern kaum zu entfernen ist. Mike: Ist was. Velda: Du hast noch was am Ohr. Mike: Sie konnte wirklich tödlich sein diese Frau. Velda: Übrigens, in deinem Zimmer wartet Besuch auf dich. Mike: Pat saß hinter meinem Schreibtisch und schwenke mir zur Begrüßung eine Flasche Bourbon entgegen. Pat: Willst du einen. Mike: Ich kanns gebrauchen, was hast du auf dem Herzen, los raus mit der Sprache. Mike: Als Antwort warf er mir eine Akte auf den Schreibtisch, ich konnte die Aufschrift lesen, Mirna Devlin. Mike: Was soll das, Pat, willst du etwa Mirna mit der Sache in verbindung bringen. Pat: Du weißt, daß Mirna Jack damals das Versprechen abgenommen hat, sie nie danach zufragen, wo sie den Stoff herhatte. Mike: Stimmt, so wie er in Mirna verschossen war, hätte er alles für sie getan. Pat: Ist dir eigentlich nie der Gedanke gekommen, daß Jack, der ja immerhin Privatdetektiv war, sein Versprechen gegenüber Mirna gebrochen haben könnte. Mike: Möglich ist es schon, er haßte Gauner und Betrüger, aber noch verhasster waren ihm diese dreckigen Ratten, die sich an Leuten wie Mirna bereicherten. Pat: Nur so viel, aus den Akten geht hervor, daß Jack doch in dem Fall ermittelte, allerdings bislang unergiebig, vielleicht hat er uns etwas verschwiegen, etwas das ihn schließlich das leben gekostet. Mike: Was sagt Mirna. Pat: Aus ihr ist nichts rauszukriegen. Mike: Dann muß sie einen grund dafür haben. Pat: Ach das hätt ich beinah vergessen, gestern nacht hat jemand versucht Kalecki durch die Scheibe seines Wohnzimmerfensters abzuknallen, hat ihn um haaresbreite verfehlt. Mike: Das hättest du also beinahe vergessen. Pat: Oh, da wäre noch etwas, er glaubt, du warst es. Mike: Du glaubst es nicht. Pat: Nein, erstens hat der Täter daneben geschossen, das wäre dir nicht passiert und zweitens haben wir die Kugel untersucht, auch eine 45er, wir haben sie mit der verglichen, die Jack getötet hat, die Kugeln stammen aus der derselben Waffe. Mike: Ich mußte noch einmal in Jacks Wohnung, Jack hatte immer ein Notizbuch gehabt, mit Adressen und kurzen Eintragungen und die polizei hatte nichts dergleichen gefunden, vielleicht hatte es der Mörder an sich genommen, vielleicht aber lag es noch immer unentdeckt in Jacks Wohnung, es war jedenfalls einen Besuch wert, die Tür zu dem Apartment war noch immer versiegelt und da ich mich nicht mit der staatsanwaltschaft anlegen wollte, probierte ich es über die Feuerleiter, das Badezimmerfenster ließ sich ohne Probleme öffnen, die Wohnung war in einem guten zustand, man konnte sich kaum vorstellen, daß hier jedes Teil wahrscheinlich fünfmal hin und her gewendet worden war, es hatte also kein Sinn, die ganze Arbeit noch mal zu machen, was mich interessierte war die Kommode, ich tastete alles ab, auch unter der untersten Schublade auf dem Holzboden und tatsächlich da hielt ich es in Händen, Jacks kleines blaues Notizbuch. Mike: Hallo Velda. Velda: Hallo Mike. Mike: Also der Lippenstift gestern, das war gewissermaßen wie soll ich sagen ein Arbeitsunfall. Velda: Hast du schon deine Versicherung benachrichtigt. Mike: Komm sieh dir lieber an was ich hier habe. Velda: Was ist das. Mike: Jacks Notizbuch. Velda: Und, ist was drin. Mike: Die älteste Eintragung reichte 3 Jahre zurück, Namen, Telefonnummern, Notizen, die alle schwarz durchgestrichen waren, das hieß, die Fälle waren aufgeklärt, interessant waren die letzten Seiten. Mike: Am 20 Eilin Vickers gesehen, das war 2 Wochen vor seinem Tod. Velda: Hier wieder, Eilin Vickers ist Pseudonym von fragezeichen fragezeichen fragezeichen. Mike: Der letzte Eintrag einen Tag vor seinem Tod lautet schließlich. Mike: Morgen Eilin anrufen LO 3605. Velda: LO 3605 das kommt mir irgendwie bekannt vor, warte mal. Mike: Sie ging zu ihrer Kartei und fischte eine Visitenkarte raus. Velda: Ah, 20 schöne Mädchen laden sie zum verweilen ein, für jeden Geschmack die richtige, Anruf unter LO 3605. Mike: Hey, the red baron, stadtbekannter Puff. Velda: Na, du mußt es ja wissen. Mike: Sie hatte sich schon das Telefon geangelt und die Nummer gewählt, dann reichte sie an mich weiter, am anderen ende meldete sich eine Stimme, der man die Zigarette im Mundwinkel schon durchs Telefon anhörte. Frau: The red baron, hallo. Mike: Ich würde gern Eilin Vickers sprechen. Frau: Ist erst ab 22 uhr im hause. Mike: Ah, na ich hoffe ich kann mich dann von zuhause loseisen. Mike: Kann ich. Velda: Klar Mike, du gehst heißen Kurven nach und ich heißen Spuren. Mike: Zuhause nahm ich eine Wechseldusche, schabte mir den Bart ab, und putzte meine Zähne, einen Augenblick überlegte ich, ob es sich schickte eine Waffe zu tragen wenn man eine Dame besuchte. Manning: Hallo Mr Hammer. Mike: Ihr Anblick überstieg meine kühnsten Erwartungen, sie hatte jetzt nichts mehr von einer Psychaterin an sich, sondern war nur noch Frau, bildschön und verführerisch, sie trug ein Kleid aus enganliegendem blauem Stoff, der sich an sie schmiegte, als sei ihre Haut naß, der alles verdeckte und gleichzeitig doch alles enthüllte, gerade und feste Brüste ragten daraus hervor, und ihre Beine stecken in Seidenstrümpfen und hochhakigen Schuhen, wunderbare Beine kräftig, wohlgeformt. Manning: Was ist. Mike: Sie warf ihre blonden Locken in den Nacken und sah mich aufreizend an. Manning: Gefällt ihnen das Kleid. Mike: Es ist bildschön und das wissen sie auch. Manning: Ich hab es extra für sie angezogen. Mike: Wie darf ich das verstehen. Manning: Ich habe sie erwartet, das heißt ich hab es mir gewünscht und es hat auch geklappt. Mike: Mit diesen Worten öffnete sie die Tür zur Küche, wo ein Tisch für zwei Personen gedeckt war, gebratenes Huhn und Pommes frites, mein Lieblingsessen. Mike: Charlotte. Manning: Sagen sie nichts, essen sie erstmal, ich habe ihnen ihr Abendessen schon eine Stunde warmgehalten. Mike: Wie hab ich das verdient. Manning: Wie, in meiner Praxis lern ich so viele Männer kennen, aber die meisten sind Schwächlinge, sie haben Komplexe oder Zwänge oder fixe Ideen, wenn man ständig nur Männern begegnet, die so gar nichts männliches mehr an sich haben, ist man froh, wenn einem mal wieder ein richtiger Mann begegnet. Mike: Danke für die blumen. Manning: Ich meine es ernst, sie sind ein Mann der an das leben gewöhnt ist und auch daran ihm seinen regeln aufzuzwingen, sie sind stark, ihr körper und ihr verstand. Mike: Eine fixe Idee habe ich allerdings schon, ich muß diesen Mörder erwischen, ich muß ihn umlegen. Mike: Charlotte stand von ihrem Platz auf und setzte sich neben mich, sie legte ihre Hand in meine und unsere Blicke trafen sich. Manning: Mike, tun sie mir einen gefallen, passen sie auf sich auf, passen sie auf, daß ihnen nichts passiert. Mike: Das werde ich, ich verspreche ich, aber warum machen sie sich Sorgen. Manning: Darum. Mike: Sie beugte sich vor und ihre Lippen öffneten sich zu einem Kuß, ich zog sie an mich und drückte so fest daß sie das Feuer spüren konnte das in mir brannte, als sie sich von mir löste, leuchtete alles an ihr. Manning: Du kennst auch in der liebe kein Pardon, was Mike. Mike: Es grenzte an ein Wunder, daß ich überhaupt heil aus der Tür und die Treppe herunter kam. Mike: Als ich gegen mitternacht beim red baron auftauchte und das blaulicht vor dem Haus sah, wußte ich daß ich zuspät gekommen war, es war kein schöner anblick, das Mädchen lag nackt auf ihrem Bett, direkt über ihrem Herzen klaffte das Einschußloch, es stammte von einer Pistole Kaliber 45. Mike: Eillin Vieckerts, ich habe ihren Namen in Jacks Notizbuch gefunden. Pat: Der Mörder hat also wieder zugeschlagen. Mike: Sieht ganz danach aus, hast du rausgekriegt, wie das ganze hier funktioniert. Pat: Die Bordellwirtin sagt, die Mädchen arbeiten auf eigene Rechnung, sie müssen lediglich die Zimmer zahlen. Mike: Sie hat natürlich keinen Schimmer wer bei Eilin Vickerts abkassiert hat. Pat: Sie sagt nein. Mike: Und sie hat natürlich auch niemand kommen und gehen sehen. Pat: Erraten. Mike: Soll ich sie mir vornehmen. Pat: Im Moment nicht, ich will erst Mirna sehen, sie muß mehr wissen als sie sagt, diesmal muß sie reden. Mike: Sie brachten Mirna aufs Präsidium, als Pat ihr erzählte, daß man eine gewisse Eilin Vickers tot aufgefunden hätte, brach sie zusammen, es dauerte lange bis sie wieder sprechen konnte, starr mit tränenlosem blick erzähle sie dann ihre geschichte, es war die Geschichte zweier Schwestern aus der Provinz, die nach New York gekommen waren auf der Suche nach Abenteuer und etwas Liebe, sie waren an Leute geraten, die ihre Unerfahrenheit ausnutzten und ihnen Rauschgift gaben, Eilin die ältere von beiden, war es dann die immer für Nachschub sorgte und dafür ihren Körper verkaufte, Mirna hatte Glück gehabt, sie hatte Jack kennengelernt, der ihr geholfen hatte von dem Zeug loszukommen, Eilin aber schaffte den Absprung nicht und verkaufte weiter ihren Körper. Am nächsten Morgen war ich mit Charlotte zu einem Spaziergang im centralpark verabredet, es war ein schöner tag und die kindermädchen warfen mir blicke zu, auch Charlotte schob einen Kinderwagen auf mich zu. Mike: Hallo, kleines. Manning: Eine Freundin hat mich gefragt, ob ich auf ihr Kind aufpassen könnte. Mike: Magst du kinder. Manning: Schrecklich gern, irgendwann werde ich 6 eigene haben. Mike: 6 gleich, vielleicht kann ich ja gar nicht so viel Geld verdienen um 6 Mäuler auf einmal zu stopfen. Manning: Ah, soll das etwa ein Heiratsantrag sein, Mr Hammer. Mike: Es war keine zeit zum nachdenken, ich sah nur den häßlichen Lauf einer Pistole, die aus dem Seitenfenster eines dunkelblauen Cadillacs auf uns gerichtet war und warf mich auf Charlotte, im nächsten Moment schlug die Kugel hinter uns in einer Wand ein, daß das Mauerwerk auf uns herunterbröselte, für einen zweiten Schuß blieb dem Schützen keine zeit mehr, er warf den ersten Gang ein und schoß die fifth avenue hinunter, aus dem Sand vor der Mauer fischte ich die Kugel, es war eine 45er, Pat wartete im Schießkeller auf mich. Pat: Jemand will dich offensichtlich aus dem Weg räumen. Mike: Der Mörder scheint ein schießwütiges Monster zu sein. Pat: Vielleicht, aber es ist schon merkwürdig, die Kugel mit der auf dich geschossen wurde, stammt nicht aus der Waffe, aus der auf Jack, Kalecki und Eilin geschossen wurde. Mike: Bist du ganz sicher. Pat: Vollkommen. Mike: Apropos Kalecki, sollte man sich ihn nicht noch mal vornehmen. Pat: Hab ich auch schon dran gedacht, aber er ist ausgeflogen der Vogel, wie vom Erdboden verschluckt. Mike: Verdammt. Mike: Mirna hatte der Polizei Eilins Adresse gegeben, sie hatten sich dort schon umgesehen aber irgendein komisches Gefühl sagte mir, daß das bißchen Heroin, das sie bei ihr gefunden hatten, nicht alles sein konnte, Eilins Wohnung lag im Erdgeschoß eines kleines Reihenhauses in Brooklyn, an der Tür prangte das Polizeisiegel, also probierte ich es auf meine bewährte Methode, eines der Fenster ging auf den Hof, ich schob meine Finger unter den Rahmen und es glitt geräuschlos wie von selbst nach oben, war schon vor mir jemand hier gewesen, ich hoffte im stillen daß ich nicht zu spät gekommen war, wir schossen fast gleichzeitig, dann war es still, nach einer langen weile schaltete ich das Licht an, George Kalecki war tot, meine drei Schüsse hatten ihn alle an der selben Stelle erwischt, direkt in der Herzgegend, in seiner Hand hielt er das, was er in Eilins Wohnung gesucht hatte, einen silbernen Schließfachschlüssel. Es kostete Pat 3 Telefonate, dann hatte er das zu dem Schlüssel passende Schließfach ausfindig gemacht, den Inhalt ließ er sich aufs Präsidium bringen. Pat: Jede Menge Material, das beweist, in was George Kalecki alles verwickelt war. Mike: Rauschgifthandel, Zuhälterei und in einem Fall nachweislich auch Mord, das hätte genügt, ihn für die nächsten 100 Jahre hinter Gitter zu bringen. Pat: Und Eilin war eins seiner Mädchen, er versorgte sie mit Stoff und kassierte sie dafür ab. Mike: Ach, ich wußte immer, daß er ein Schwein war, und ich bin froh, daß ich ihn erledigt habe. Pat: Mirna hat erzählt, daß sie ihrer Schwester sogar ein paar Putzjobs vermittelt hat, weil Eilin es mit ehrlicher Arbeit versuchen wollte, es sieht so aus, als ob Eilin aussteigen wollte. Mike: Ja, deshalb hat sie auch Kontakt mit Jack aufgenommen. Pat: Ja, sie wollte ihm die Informationen über Kaletzki zukommen lassen, um ihn endlich dranzukriegen. Mike: Und um das zu verhindern, hat Kalecki die beiden umgebracht. Pat: Eine großartige Theorie, du vergißt nur, daß auf Kalecki selbst geschossen worden ist, und zwar mit der gleichen Waffe wie auf Jack und Eilin, aus der Waffe, die wir bei Kaletzki gefunden haben, wurde nur eine einzige Kugel abgefeuert, die Kugel, die dich im Park erwischen sollte. Mike: Bis dahin hatte ich immer geglaubt, Kalecki wäre der große Boss, aber jetzt wurde mir klar, daß jemand anderer hinter ihm stand, jemand der größer war als er, und dieser jemand hatte das Beweismaterial besessen, das in dem Schließfach war, dieser jemand war der Killer, wie war Eilin an den Schlüssel gekommen, mir schwirrte der Kopf, ich versuchte es mit ein paar Whiskys in der Bar an der Ecke, dann fuhr ich zu Charlotte, sie war gerade dabei sich umzuziehen. Manning: Komm rein Schatz du mußt die Unordnung entschuldigen ich habe meinem Mädchen freigegeben, damit sie sich um seine kranke Mutter kümmern kann. Mike: Mach dir keine Gedanken. Manning: Weißt du was, du mixt uns zwei highballs, und ich zieh mich inzwischen fertig um. Mike: Gute Idee. Mike: Während ich die drinks mixte, sah ich mir die Bücher an, die bei ihr rumlagen, Heilung durch Hypnose hieß eines und ein anderes, Psychologie der Ehe, sieh an, sie bereitete sich also offensichtlich schon vor. Manning: Dein drink ist fertig Liebling. Mike: Bring ihn mir. Mike: Vielleicht hätte ich einen Moment warten oder vorher anklopfen sollen, als ich ins Zimmer trat, stand Charlotte völlig nackt vor mir, sie war noch schöner als ich es mir vorgestellt hatte, Charlotte war fast noch perplexer als ich, sie errötete, und warf sich rasch einen Bademantel über, wortlos stürzten wir beide unser drinks in einem Zug herunter aber selbst der Alkohol konnte mich kaum besänftigen. Manning: Mike, ich will dich. Mike: Nein, nein. Manning: Aber warum nicht. Mike: Unsere Zeit ist noch nicht gekommen. Manning: Sag es mir Mike. Mike: Ich liebe dich. Manning: Laß uns heiraten, gleich morgen. Mike: Morgen nicht, aber sehr bald, ich kann nicht mehr lange warten. Mike: Im nächsten Augenblick lag sie in meinen Armen und küsste mich, ich presste sie so fest an mich, wie ich konnte, dann schob ich sie weg und ging zur Tür. Mike: Bis morgen, Liebling, ich werde rechtzeitig da sein. Mike: Noch einen Moment länger, und ich hätte den Verstand verloren, sie war eine wunderbare Frau und die ganze Herrlichkeit gehörte mir. Der Wecker rasselte um 6, ich drosch auf ihn ein, um den Lärm abzustellen, auf meinem Nachttisch stand eine halbvolle Flasche Bier und ich nahm einen Schluck daraus, es war abgestanden wie eine Litfaßsäule, als ich es bis zum Fenster geschafft hatte, sah ich, daß die Sonne schien, es war ein strahlend schöner Tag, genau der richtige Tag um aufs Land zu fahren und eine hinreißende Blondine zu treffen, zuerst aber mußte ich mich unbedingt bei Velda melden. Velda: So früh schon auf. Mike: Ich habe heute eine wichtige Ermittlung. Velda: Du solltest deine Sportklamotten mitnehmen. Mike: Wiebitte. Mike: Wahrscheinlich konnte sie wirklich hellsehen. Velda: Marry Bellemy hat angerufen, als besondere Attraktion ist ein Tennismatch vorgesehen, zu diesem zweck haben die Zwillinge extra irgendwelche Tennisgrößen eingeflogen. Mike: Ach ja. Velda: Ach ja. Mike: Sonst noch was. Mike: Vielleicht wußte sie über die Sache zwischen mir und Charlotte ja auch schon bescheid, sie würde mir ordentlich die Hölle heiß machen. Velda: Viel spaß, baby. Mike: Ich war irgendwie erleichtert, als sie auflegte. Das Haus lag inmitten eines riesigen Grundstücks und machte einen prächtigen Eindruck, ich war kaum aus meinem Auto gestiegen, als ich eine wohlbekannte Stimme hinter mir hörte. Bellemy: Hallo Feigling. Mike: Hallo Marry. Mike: Sie führte mich zu den Tennisplätzen, ich war froh unter den Zuschauern Charlotte zu entdecken, sie saß neben Mirna in der ersten Reihe, die beiden waren offensichtlich in ein ernstes Gespräch vertieft, als ich kam, presste Mirna ihre Hand an die Schläfen und sagte, sie müßte kurz ins Haus gehen und sich ein Aspirin holen, in dem Moment kam Ester Bellemy auf uns zu, äußerlich konnte ich kaum einen Unterschied erkennen, und doch war sie ganz anders als ihre Schwester, sie benahm sich höflich und reserviert. Bellemy: Darf ich ihnen kurz Mr Hammer entführen, ich würde ihn gern einigen leuten vorstellen. Manning: Aber natürlich. Mike: Es wäre schön gewesen, einfach so neben Charlotte zu sitzen, ich wäre Ester am liebsten an die Gurgel gesprungen, aber da war etwas, das mich brennend interessierte, ich mußte unbedingt mehr über dieses rote Muttermal wissen. Bellemy: Sie haben in dem Fall Jack Williams ermittelt, Mr Hammer. Mike: Nennen sie mich Mike, ich bin nicht an Förmlichkeit gewöhnt. Mike: Ester hatte ihr Haar zu einer Nackenrolle eingeschlagen, für mich sehen Mädchen mit eingerolltem Haar immer so aus, als bräuchten sie nur noch Eimer und Schrubber, um die Küche aufzuwischen. Bellemy: Also gut Mike, ich habe mich schon gewundert, daß sie mich nie zu dem Fall befragt haben. Mike: Das läßt sich ja nachholen. Mike: Sie führte mich an den Tennisplätzen vorbei, in Richtung eines kleinen Wäldchens, ich fragte mich, wo die Leute waren, die mir vorstellen wollte. Bellemy: Nun, beginnen sie mit der Befragung. Mike: Der Wald wurde dichter, sie mußte ein Stück vorausgehen, als ich ihre Rückseite sah, fielen mir keine Fragen mehr ein, warum können Frauen einfach nicht aufhören, sich so zu bewegen, daß Männer auf abwegige Gedanken kommen. Mike: Ähm, wovon leben sie eigentlich wenn ich mir die frage erlauben darf. Bellemy: Unser Vater hat uns seine Anteile an ein paar Betrieben im Süden hinterlassen, wir kommen ganz gut zurecht. Mike: Das sieht man. Bellemy: Dafür ist man aber auch ständig von einem halben dutzend Verehrer umgeben, die einem erzählen, wie hübsch man ist, nur weil sie sich das alles hier unter den Nagel reißen wollen. Mike: Dabei müssen ihre Verehrer nicht einmal lügen. Bellemy: Sind sie etwa auch auf der Suche nach einer reichen Frau. Mike: Man könnte glatt auf den Geschmack kommen. Mike: Wir waren inzwischen auf einer lauschigen kleinen Lichtung angekommen. Bellemy: Seien sie vorsichtig mit dem was sie sagen. Mike: Warum. Mike: Als Antwort hörte ich, wie die Druckverschlüsse an ihrem Kleid auseinander klickten, ich zog sie zu mir herüber und küsste sie, dieser Kuß war wie geschmolzene Lava, ich konnte sie nicht von mir stoßen und ich wollte es auch nicht mehr, wir waren allein, nur noch das Geräusch unseres heißen Atems, irgendwann öffnete ich wieder die Augen. Mike: Schwindlerin, du bist nicht Ester, du bist Marry. Bellemy: Wie hast du das bloß rausgekriegt. Mike: Soviel ich sehe, ist da weit und breit kein erdbeerfarbenes Muttermal. Bellemy: Oh baby, ich wußte es doch, du würdest es dir nicht nehmen lassen, selbst nachzuschauen. Mike: Das Match war fast vorbei als wir zurückkamen, Charlotte saß immer noch auf ihrem Platz, nur war jetzt ein smarter Jüngling neben ihr, mit dem sie offensichtlich in ein intensives Gespräch verstrickt war, ich wollte gerade meinen Gefühlen freien lauf lassen, als aus dem Haus ein Schreien erklang, daß so schrecklich und mark erschütternd war, daß alle anwesenden erstarrten, ich rannte sofort zum Haus und fand das Hausmädchen am oberen Treppenabsatz, ihre schreckensgeweiteten Augen wiesen auf eines der Zimmer, es war die Garderobe, ich wußte, was mich erwartete, als ich den Raum betrat, auf dem Boden lag Mirna, und in ihrer Brust klaffte das Loch einer 45er. Manning: Sie wollte sich doch nur kurz ein Aspirin holen. Mike: Jetzt ist sie tot, und ich hab mit den Killer hier irgendwo direkt vor meiner Nase. Mike: Es war passiert, während ich mit Marry im Wald gelegen hatte, der Mörder hatte wieder seinen Schalldämpfer benutzt. Mike: Schaumal Charlotte was ich bei Mirnas Leiche auf dem teppich gefunden habe. Mike: Ich gab ihr den Umschlag, in dem ich das Pulver mit den Händen hineingekehrt hatte. Manning: Es ist Heroin. Mike: Es ist das gleiche Zeug das die polizei auch bei Eilin gefunden hat. Manning: Vielleicht hat Mirna wieder damit angefangen. Mike: Das glaub ich nicht, sie hat es gefunden, wahrscheinlich in der Gardarobe, und der Killer hat sie dabei überrascht. Manning: Ist dir sonst noch etwas aufgefallen. Mike: Nein, oder doch, unter Mirnas Fingernägeln hatte ich rote Wollfasern entdeckt, aber irgendetwas hielt mich davon ab, es Charlotte zu sagen. Es war weit nach Mitternacht, als ich Charlotte vor ihrem Haus absetzte, sie hatte immer noch Tränen in den Augen, verständlich, sie hatte Mirna gemocht, ich war den Tod gewöhnt, aber ihr mußte das ganze wie ein Alptraum vorkommen, wir küssten uns zum Abschied, dann sah ich ihr nach, wie sie zu ihrer Tür ging, ihr roter Mantel leuchtete in der Dunkelheit, sie drehte sich zu mir um. Manning: Möchtest du nicht doch noch mit hinaufkommen. Mike: Hatte ich Pat zuletzt doch geschlagen und ich war glücklich darüber, glücklich, wie könnte ich nur so glücklich sein, zu viele Menschen waren gestorben, ich mußte der Sache ein ende bereiten, jetzt oder nie. Mike: Ja, Charlotte, warum nicht. Mike: Ich setzte mich in den Sessel am Fenster und wartete, bis sie mit dem Eis aus der Küche zurückkam, dann sah sie die Magnum in meiner Hand, sie zielte genau auf ihren Bauch, selbst unter dem Makeup konnte ich sehen, wie ihr die Farbe aus dem Gesicht wich. Mike: Es hat kein Zweck mehr Charlotte, ich weiß alles. Mike: In ihren Augen spiegelte sich Verwirrung, niemand außer mir hätte bemerkt, daß sie schauspielerte. Mike: Angefangen hat alles mit deinem Job, die Leute sind zu dir gekommen, weil sie deine Hilfe brauchten, und du hast ihnen geholfen, in dem du ihnen Drogen gegeben hast, sie wurden von dir abhängig und du hast mächtig abkassiert, über deine Praxis bist du zunächst problemlos an das Zeug rangekommen, aber allmählich gabs Probleme mit dem Nachschub, da lerntest du George Kalecki kennen, gerade zum richtigen Zeitpunkt, während deiner Hypnosebehandlung, vermutlich bist du eine Meisterin darin, hast du jedes schmutzige Detail seines Lebens ans Licht gebracht, damit hattest du ihn in der Hand, und von nun an sorgte er für den nötigen Nachschub an Drogen. Mike: Ihre Augen waren angstvoll geweitet ich konnte förmlich sehen wie ihr verstand auf Hochtouren lief, sie suchte nach einem Ausweg und schließlich hatte sie ihn. Mike: Die Informationen, die du über Kalecki hattest hast du alle in einem Schließfach gesammelt und der Schlüssel war zuhause bei dir versteckt, wie ist Eilin nur in den Besitz dieses Schlüssels gekommen, ich habe lange drüber nachgedacht und es eigentlich erst heute kapiert, mußtest du in letzter zeit deinem Mädchen nicht dauernd frei geben, weil seine Mutter krank ist, da warst du froh, als dir von Mirna Eilin als Putzfrau empfohlen wurde und Eilin die von Kalecki vielleicht sogar dafür angeheuert war, entwendete den Schlüssel. Mike: Der Schrecken war aus ihr gewichen und an seine Stelle trat etwas anders, jetzt kam es, der Ausweg. Mike: Eilin wollte aussteigen und Kalecki drankriegen, deshalb hat sie Jack kontaktiert, wenn Kalecki auffliegen würde, würdest du auch auffliegen, also mußtest du handeln, nachdem dich dein Hausmädchen ins Bett gebracht hatte, bist du wieder aufgestanden und zu Jack zurück, dann hat du ihn im Schlafzimmer erwischt. Mike: Ihre Hände glitten langsam an ihrem Körper entlang und umfaßten ihre Brüste, dann tasteten sie nach den Knöpfen ihrer Bluse, sie sprangen auf, einer nach dem anderen. Mike: Damit hatte das Morden noch lange kein ende, denn George Kalecki blieb ein Unsicherheitsfaktor, also war er der nächste, aber du hast ihn verfehlt, er konnte der Polizei natürlich nicht sagen, daß du auf ihn geschossen hast, sonst wäre er ja mit aufgeflogen, aber an dem Morgen im Park, als ich dachte Kalecki, hätte es auf mich abgesehen, da hat er in Wirklichkeit auf dich gezielt, um sein Problem auf diese weise zu lösen. Mike: Die Bluse rutschte über ihre Schultern zu Boden, sie trug keinen Büstenhalter, ihre Brüste, ihre festen, einladenden Brüste, reckten sich mir entgegen. Mike: Dann kam Eilin an die Reihe, das war an dem Abend nach unserem ersten Kuß, erinnerst du dich noch. Mike: Sie öffnete den Reißverschluß ihres Rocks, ganz langsam, um dabei die maximale erotische Wirkung zu entfalten, schälte sie sich aus dem Rock, jetzt blieb nur ein winziger Slip. Mike: Du hast Glück gehabt, immer Glück, auch bei dem Mord an Mirna, ihr wart vor dem Tennisspiel in ein ernstes Gespräch verwickelt, dabei muß dir klar geworden sein, daß Myrna Verdacht geschöpft hat, sie ging dann hinauf ins Haus, aber nicht um sich ein Aspirin zu holen, sondern um einen Beweis zu finden, und den hat sie in der Tasche deines Mantels gefunden, ja. Mike: Ihre Daumen schoben sich unter den Bund ihres Slips. Mike: Dabei hast du sie überrascht, du hast sie erschossen, und versucht, so gut es ging das verstreute Heroin zu beseitigen, dann hast du ihr deinen Mantel aus den toten starren Händen gerissen und dabei sind die roten Wollfäden unter ihren Fingernägeln hängengeblieben. Mike: Dann stieg sie so graziös aus dem Höschen, wie Venus aus dem Bade, sie war eine echte Blondine. Mike: Nein Charlotte, kein Gericht würde dich je so verurteilen können, viel zu viel Indizienbeweise, deine Alibis waren zu perfekt. Mike: Langsam, ganz langsam, kam sie auf mich zu. Mike: Jetzt bin ich der Richter, und ich muß ein Versprechen einlösen, so schön du bist, und so sehr ich dich fast geliebt hätte, ich verurteile dich zum tode. Mike: Der Duft, den sie verströmte, war atemberaubender als jedes Parfüm, sie war perfekt, sie streckte ihre Arme nach mir aus und wollte mich umarmen, das donnern meiner Magnum erschütterte den Raum, Charlotte taumelte zurück, einen moment später und sie hätte mich mit ihrer 45er die hinter mir auf der Fensterbank in Griffnähe lag getötet, aber ich war ihr zuvorgekommen, fassungslos starrte sie mich an. Manning: Wie konntest du nur. Mike: Mir blieb nur noch ein Augenblick, aber ich schaffte die Antwort gerade noch. Mike: Es war leicht. Mike Hammer (Privatdetektiv): Jürg Löw Velda (seine Sekretärin): Lisa Adler Charlotte Manning: Caroline Schreiber Marry Bellemy: Myriam Gurland Pat Chambers: Justus Fritzsche George Kalecki: Horst Mendroch Bobo Hopper: Steffen Schult Weitere Informationen zu den Hörspielen gibt es in der Hörspieldatenbank im Internet unter: https://hoerspiele.dra.de/
Geschrieben von Hörspiele von Michael Koser am 29. April 2026
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* Die angegebenen Werte wurden nach dem vorgeschriebenen Messverfahren WLTP (World Harmonised Light Vehicles Test Procedure) gemäß Pkw-Energieverbrauchskennzeichnungsverordnung (Pkw-EnVKV) ermittelt. Der Kraftstoffverbrauch und die CO2-Emissionen eines Pkw hängen auch vom Fahrstil und anderen nichttechnischen Faktoren ab. CO2 ist das für die Erderwärmung hauptsächlich verantwortliche Treibhausgas. Die Angaben beziehen sich nicht auf ein einzelnes Fahrzeug und sind nicht Bestandteil des Angebots, sondern dienen allein Vergleichszwecken zwischen den verschiedenen Fahrzeugtypen. Weitere Informationen zum offiziellen Kraftstoffverbrauch, den offiziellen spezifischen CO2-Emissionen und ggf. zum Stromverbrauch neuer Personenkraftwagen können dem „Leitfaden über den Kraftstoffverbrauch, die CO2-Emissionen und den Stromverbrauch neuer Personenkraftwagen“ entnommen werden, der an allen Verkaufsstellen sowie bei der Deutschen Automobil Treuhand GmbH (DAT) unentgeltlich erhältlich ist oder unter www.dat.de/co2 abrufbar ist.

¹ Es werden nur die CO2-Emissionen angegeben, die durch den Betrieb des PKW entstehen. CO2-Emissionen, die durch die Produktion und Bereitstellung des PKW sowie des Kraftstoffes bzw. der Energieträger entstehen oder vermieden werden, werden bei der Ermittlung der CO2-Emissionen gemäß WLTP nicht berücksichtigt.

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